Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 JÜDISCHE PRESSE Seite 121 kehr des vorderen Ostens noch immer nicht richtig eingeschätzt wird. E i n e j ü d i s c 11 e H a n.cl eiskam m er f ii r E r c 7. J i s r o e 1 vermag in diesem־ Zusammenhang selbstverständlieh nicht als ein direktes Heilmittel gegen unsere! Wirtschaftskrise angesehen zu werden, aber immerhin kann sie sich zum Konzentrationsort aller wirtschaftlichen Aktivitäten ausbilden. ■! Eine allgemeine jüdische Handelskammer, die inner־, politisch absolute Neutralität wahrt, wird im ln- und Aus־ lande Wirtschaftskräfte mobilisieren können, die der ,Unter־! nehmeregöismus und der Parteihader zersplittert hat. Insbesondere bei Zollverhandlungen, bei der Hafenfrage, in Konzessionsfällen könnte eine Handelskammer, in der alle Erwerbsstände straff organisiert sind, überaus wirksam die Interessen der jüdischen Bevölkerung gegenüber der Regierung vertreten. Auch das Inforinationswesen würde durch die Existenz einer exakt arbeitenden Auskunftsabteilung an Seriosität und Resonanz gewinnen. Politisch können gegen die Gründung einer solchen Handelskammer keiner1־ lei wesentliche Bedenken, sei es von welcher Seite auch immer, angeführt werden. Denn die beiden massgebendsten politischen Verbände des Jischuw, die Zionistische Organisation und die Agudas Jisroel, haben ein vitales Interesse daran, dass die Wirtschaftskräfte der jüdischen Bevölkerung einheitlich gesammelt und planmässig verstärkt werden. Agudas Jisroel wird derartige Bestrebungen (zu denen auch die Tel-Awiwer Messe gehört) insolange unterstützen, als sie sich strenge auf das rein wirtschaftliche Gebiet beschränken. Die Tel-Awiwer Messe, die in den nächsten Tagen zum zweiten Male ihre Pforten öffnen wird, hat durch ihren unparteiischen, sachlichen Charakter den Nachweis erbracht, dass auf wirtschaftlichem Gebiete ein einheitliches Vorgehen des zersplitterten Jischuw möglich ist. Die Tätigkeit des Wirtschaftsam t e s der Agudas Jisroel war angesichts der allgemeinen krisenhaften Verhältnisse weniger der Errichtung ne lief Positionen als dem Ausbau des Bestehenden gewidmet» Der Informationsdienst ist . nach wie vor einer der wichtig* steil Arbeitszweige des Wirtschaftsamtes, um so rfielir, als die Anfragen der letzten Zeit fast ausschliesslich von seriösen und fachkundigen Firmen und Interessenten gestellt wurden. Auch die Terrain Verwaltung hatte in Gemeinschaft mit der Bodenkaufskommission grundlegende Arbeiten zu absolvieren. Durch die grundbücherliche lieber־: tragung von ״Olam“ und ״Madhar“ sind nunmehr diese ausgedehnten Terrains auch formell in das Eigentum der Agudas jisroel übergegangen.! Von besonderem Interesse ist die schöne Entwicklung von Machne Jis-rael, der ersten Agudakolonie. Ihre Einwohnerzahl stieg in wenigen Monaten auf 120 Seelen. Neben der Fortsetzung der Bautätigkeit der ״The Habaith Co. Ltd.“ war es insbesondere die landwirtschaftliche Arbeit, die viel Arbeitskräfte absorbierte. Die Muster־! heimstätten der ״The Habaith Co. Ltd.“ wurden nahezu fertiggestellt, ebenso ein Krankenheim und ein Gemeinschaftshaus mit Gesellschafts- und Küchenräumen und einer schönen gedeckten Terrasse. Da im Winter die Bautätig* keit naturgemäss eine geringere ist, arbeiten die Poalim von Machne Jisroel nur drei Tage im Betriebe der ״The Habaith Co. Ltd.“. Ein Teil der Arbeiterschaft arbeitet daher ständig bei der neugegründeten landwirtschaftlichen Kooperative ״Haklai“, die für eigene Rechnung auf zirka 700 Dunam Weizen, Gerste, sowie Futter angebaut hat. Der Saatenstand ist sowohl auf den Feldern der Palästina! zentrale als auch auf den Aeckern der .Kooperative andauernd vorzüglich. Abgesehen vom Bodenreichtum dieses Jahres, hat auch die ausgezeichnete Beschaffenheit des Bodens von Machne Jisroel viel zu diesem günstigen Resultat beigetragen. Auch der Mustergarten und die Baumschule können schöne Fortschritte aufweisen. Die Ansiedlung Machne Jisroel ist durch die katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa, insbesondere in Polen, etwas. ins' Stocken geraten. Durch die Aufklärungsarbeit, der Agudas Jisroel haben sich die tragisehen Fälle vermindert״ dass Menschen ohne Kapital und ohne .Fachkenntnisse , nach Erez Jisroel einwandern und /, Die Eulogie עש״צבע kommt bei Zunz (Zur Gesch. u. Lit.) nicht vor, was aber kein Beweis dafür sein kann, dass sie!überhaupt nicht gebräuchlich ■war. Harkawy stützt sich wahrscheinlich tingerechterweise in seinen gegen Ghwolsohn gerichteten Angriffen auf die durch Zunz gegebenen ,Eulogien. Heute!besitzen wir bereits mehr Material als es Zunz zu Gebote stand. Diese Eulogie umsomehr für echt anzusehen, da die Redewendung wie auch die Eulogie selbst in anderen Inschriften ebenfalls vorkommt. So steht auf einem Wormser Grabsteine (Lewysohn Nr. 38) תהא נשמתו צרורה בצרור החיים עם שאר צדיקים בגן und auf einem anderen (N1*. 60) עדן אמן. Paläographisch interessant ist, dass in diesen Grabinschriften die ׳Form der Endbuchstaben noch nicht vollkommen entwickelt erscheint. Der Stil des ״,Pe“ ist nicht hinuntergezogen, nur abgeschnitten (im!Worte לא־לף 2. Zeile von unten). Das ״Ende-Nun“ sieht daher wie ״Sajin“ aus. Der Stil des ״Ende-Zade“ ist gleichfalls nicht hinuntergezogen; es steht aber trotzdem der heutigen Form schon nahe.׳Auffallend ist noch ׳die scriptio ,defectiva im Worte הצב und die mater-lectionis in לאלף. Laien iii!r nicht Hebräisch. gehalten wurden und infolgedessen in nicht.hebräischer Orthographie geschrieben! wurden. Eine Analogie ihiefiir finden wir •im jüdisch-deutschen Jargon unsere! Tage, indem hebräische Wörter in Unkenntnis ihres Ursprunges 'mit nichthebräisoher Orthographie geschrieben werden. Z. 17 liest Kaufmann (a. a. 0.) דבר כבר , was zu den weiteren Worten למס ע1בד , wenn manלמס ׳ als Ghronostich ansieht, das der, in■ Z. 18 angegebenen Jahreszahl ק״צ genau entspricht, besser in Einklang steht, als die vom Uutor ursprünglieh angenommene ■Lesart רב כבד . da 1369-70 tatsächlich ein Seuchenjaihr war. Es ergibt sich •somit als Datum der 17. November 1369. Wahrscheinlich wurden die Grabsteine in Wiener־ Neustadt, wie auch sonst üblich, von. christlichen Handwerkern hergesteilt, die dann das Jahr der Herstellung oder Aufstellung des Steines unten ■in den Stein ■meiselten. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass diese Jahreszahlen bei der ■Anbringung der Steine in׳ der Stadtmauer im 19. Jahrhundert hinzugefügt wurden. (Fortsetzung folgt.) O 000«090«090#0«0«0«090«09C Telephon 74«2«26 Telephon 74-2*26״ 9 i o § Wien! I., Graben 12 demTrattnerhof) O o I f i o I 9 o I § Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. 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Aber noch immer kommen Bodencigentümer ins Land, ohne sich vorher mit dem Wirt־ schaftsamte der Agudas Jisroel (Tcl-Awiw P. O. B. 366) in׳ Verbindung zu setzen. Wir sind daher neuerlich zur Erklärung genötigt, dass der Ankauf von Böden keinerlei Garantien oder Verpflichtungen weder für Arbeit noch fiin eine Existenz in sich einschliesst. Wer bei Agudas Jisroel Land besitzt, hat ein Anrecht auf Boden, dei; vorbereitet ist (Hachscharah), auf eine sachgemässe Beratung durch Instrukteure und schliesslich auf den Rat und die Rechts■» hilfe des Wirtschaftsamtes der Agudas Jisroel. Abeii irgendeine Verpflichtung, Boderieigentiimer in den Baubetrieb der ״The Habaith Co. Ltd.“ einzustellen,, haben wir niemals übernommen. Wir fordern daher die agudistischen Palästinazen־ tralen der einzelnen Länder auf, die Immigranten in jedem Falle zu veranlassen, noch vor der Uebersiedlung unseren Rat einzuholen. Die allgemeinen Verhältnisse und Lebensbedingungen in Erez Jisroel sind grundverschieden von denen Europas. Es ist wirklich nicht mehr nötig, dass[ Einwanderer mit dem letzten Rest ihrer Ersparnisse eine naive Unkenntnis der wahren Sachlage bezahlen müssen* wenn Agudas Jisroel eine Stelle geschaffen hat, die jeder•! mann über Anfrage kostenlos, eine zuverlässige Auskunft erteilt. Adresse: Tel-Awiw (Palestine), P. O. B. 366. (Rchow Lihenblum 36A, neben dem Hauptpostamt.) Vom Tage. @®@ Fünf Jahre Kereii Hajessod. Es sind fünf Jahre her, dass die zionistische Exekutive!den Keren Hajessod als das Fuiaazorgan ihres Ralästinaaufbaitwerkes geschaffen . hat. Aus diesem Anlasse werden verschiedene statistische ■Daten, ׳in! den zionistischen Festartikeln veröffentlicht, denen wir folgendes entnehmen: Bei■ der Gründung des Keren Hajessod wurde als Aufgabe der nächsten fünf Jahre die Aufbringung von fiinfundzwanzig Millionen Pfund proklamiert; Tatsächlich sind beim Haupt- , bureau des Keren Hajessod in fünf Jahren ׳zehn Prozent dieses Betrages, 2,25 Millionen Pfund, ' cingctroffen. Die erste und einzige Aeusserung des beim Keren Hajessod proklamierten Maasserprinzips. Die Zahl der Zeichner beträgt bis zum heutigen läge 250.000. Da die Zahl der Mitglieder der zionistisehen Organisation auf 500.000 geschätzt wird, so haben bis zum heutigen Tage zumindest die Hälfte!der organisierten Zionisten ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod nicht getan. Die orthodoxe Judenheit hat es von vornehereln abgeielint, für diesen Fonds zu arbeiten. Vor ■allem;aus!religiösen Gründen. Der Keren Hajessod erhält das zionistische Schidwerk ,in Palästina, das fast ausnahmslos von einem Geist beseelt ist, der als der erbittertste Feind der Thora und Tradition angesprachen werden muss. Für!dieses Sdhulwerk hat Keren Hajesspd ש den letzten fünf Jahren ungefähr 400.000 Pfund, fast ein Fünftel der gesamten Eingänge, zugewendet. Keren Hajessod unterhält aber! nicht nur dieses vom Standpunkte der religiösen Tradition verdammenswerte Schullwerk sondern unterstützt auf dem Gebiete der. ■reinen wirtschaftlichen Arbeit auch solche‘ Siedlungen, Kwuzoth, Moschawotli, die, auf rein komminiüstisclier Grundlage errichtet, den kardinalsten Forderungen der Thora krass widersprechen.. Nebst ■diesen schwerwiegenden, entscheidenden religiösen Bedenken: lehnt die Orthodoxie den Keren Hajessod als ,zionistische Parteisaolie ab. Der Keren Hajessod trägt nicht nur das Palästiimwerk, sondern in grossem Masse auch die Propagandaarbeit der zionistischen Organistation in der ganzen Welt. Nach! den eigenen Angaben offizieller zionistischer Ausweise weiden von den Eingängen des Keren Hajessod. bevor sie noch zum Hauptbureau des Keren Hajessod nach London gelangen; 20 bis 25 Prozent (eher mehr als weniger) als Propagandaspesen abgezogen. So haben in Deutschland diese Unkosten fast 30 Prozent, in Oesterreich nicht viel weniger ausgemacht. Um aber nicht nur Prozentsätze, sondern auch Ziffern zu bieten, heben wir hervor, daSs die Eingänge für Keren Hajessod in Oesterreich in den zwei Jahren׳, vom 1. April 1923 bis 31. März 1925 mit ungeiähr 4 :Milliarden verzeichnet sind, die in Oesterreich verbleibenden Spesen haben ungefähr 1 Milliarde ausgemacht. Die Nettoeingänge' des ׳Hauptbureaus des Keren Hajessod werden mit 2,25 Millionen Pfand veranschlagt. Das Hauptbureau selbst hat wiederum eine Viertelmillion also etwa 10 Prozent seiner Gesamteingänge als Spesen verausgabt. Von den zwei Millionen Pfund, die nach Palästina kamen, wurden weitere 100.000 Pfund, also 5 Prozent für Admimsfrationskosten und weitere 80.000 Pfund■, also 4 Prozent als besondere Ausgaben verrechnet. Nach eigenem. Eingeständnis . wurden also ungefähr 45 Prozent der ursprünglichen Eingänge verausgabt als Unkosten. Mag sein, dass dieser höhe Prozentsatz der Umkosten eine unbedingte Notwendigkeit darstellt, cs kann: aber durchaus nicht die Aufgabe orthodoxer Juden sein, mitzuhelfen, eine solch hohe Summe für Propaganda- und Organisation^- zwecke!der zionistischen Organisation aufzuibringen. Ueber die Verwendung der restlichen Beträge für die einzelnen Zweige der Arbeit in Palästina, wie die Zuwendungen an den jüdischen Nationalfonds und an die MLsrachi-Ürganisaiitonen steht uns selbstverständlich nach der Ablehnung des ganzen Werkes keine Kritik zu. Der Monat der Zionistischen Organisation. Am 1. Ijar beginnt der ״Monat der Zionistischen Organisation“, der der Arbeit für die!Erneuerung der zionistischen Bewegung gewidmet sein soll. Aus diesem Anlasse ruft die zionistische!Exekutive!zum zweiten Mal die Zionisten auf zur ״Eroberung der Geister“ ■und zur Klärung der Ideologie der Zionistischen Organisation. Soweit wir die Riistarbeit zu dieser Propagandatätigkeit, die der Zionistisollen Organisation neue Eroberungen bringen soll, überblicken können, war sie der Bekämpfung des orthodoxen Judentums gewidmet. Von Dr. Melzen, Lemberg, ׳angefangen, über Oberrabbiner Dr. Gliajes, Wien, führt eine gerade Linie zu den Misrachisten ■in Deutschland,. die wahrscheinlich bei der Klärung des geistigen Inhaltes des Zionismus zu der Uobenzeuguug gekommen sind, dass diese Klarheit nur durch den Karppf Segen die Orthodoxie gewonnen ■werden kann. Klerikalismus ist das Schlagwort, das zur ״Eroberung ■der Geister“ scheinbar an! besten taugt. Der Aufruf der zionistischen ׳Exekutive schliess:: Zionisten,, der Monat ׳ Ijar ■ist ,eiin zeitgebundenes Symbol einer immerwährenden Pflicht. Er ist ein Lernmonat. Er. ist ein Monat der Prüfung und der Zählung!!Er!ist der Monat der zionistischen!Bewährung! Wahrlich ein Satz, dessen bittere Ironie dem, der ihn niedersehrieh, wohl ,kaum zum!Bewusstsein gekommein ist. Der Monat Ijar ist ein Lernmonat. Zwischen ■Nissan, dem!Monat der Befreiung, und SLwan, dem Monat der Weihung des jüdischen Volkes durch das ewige Sinaigesetz, soll uns Ijar lehren, dass die wahre Freiheit des jüdischen Volkes nur gewahr‘ werden kann■, wenn es die Bindung ■durch das sinaitische Thoragesetz willig auf sich nimmt. Er ist ferner ein. Monat ■der Prüfung; Frühlingserwachen brachte in früheren Jahren zumeist den Aufbruch der Völker zu blutrünstigen!Kriegen, deren erstes Opfer immer das jüdische Volk war. Unser Volk hat diesen Prüfungen aber nur staudhalten können, weil ׳G-tt in seiner Mitte •war. Sein Glaube war der Panzer, an dem die Angriffe der!Feinde zerschellten. Der Monat Ijar ■ist ferner ein Monat 111er Zählung, der Sefira!, die jeden Juden lehren soll, dass die Frucht seiner •Aussaat, die Ernte auf jüdischen Aeckern, das Erträgnis jüdischen Bodens, mir unter G-tt es Schutz und Schirm gedeihen kann. Er ist demnach der beste Zeitpunkt für den zionistischen Kampf gegen den Geist des jüdischen Volkes,, gegen Thora und Tradition,, oder ׳wie die zionistisch-misrachistisClien Führer heutzutage zu sagen pflegen, gegen den jüdischen Kierikalismus. ® NACHRICHTEN. Pessach in der ״Einheit“. Auch heuer war die . Pcssach-Aktion der ״Einheit“ gross und sehenswert. Zu Pcssach kommen doch ausser den Täglichen Stammgästen sehr viele in die ״Einheit“, die während des ganzen Jahres, die Speisegesetze nicht beachten, aber den Pessach nach' Vorschrift halten wollen: sehr interessant war es, dassi eine Gesellschaft von 30 russischen Studenten sich einen separaten, besonders feierlichen Seder bereiten Hess und ihn! auch in erhebender Weise durchführte. Den ganz Armen)( die auf Gratisessen angewiesen sind und die Pessach zu jeder Mahlzeit in grösserer Zahl als zu gewöhnllcheli Zeiten kommen, wurde besondere Sorgfalt zugewendet: Jammervolle Menschen, greise Männer und Frauen, vom1 Unglück gebrochene junge Menschen, Verkrüppelte, kamen einzelne und in ganzen Familien; der Anblick dieser Un* glücklichen ergreift das Herz. Sie alle erhielten das Essern so dass sich das Wort der Hagadah erfüllte: ״Kol dichfin jesseh w’jeechaul“... Besonders feierlich ging es an den beiden Sederabenden zu, wo auf allen Tischen Seder gegeben wurde, sowohl im grossen Saal der allgemeinen Ausspeisung als auch in den Mittelstandssälen. Ein sehr wichtiger Teil der Pessach-Aktion der ״Einheit“ war die Verköstigung sämtlicher israelitischen Häftlingein den Landes- und Bezirksgerichten, sämtliche Inhaftierte, die auf Pessach-Kost Anspruch erhoben, erhielten dieselbe zugeschickt; nur die Bemittelten bezahlten selbst das Essen, für alle anderen trat die Kultusgemeindc ein. So hat die ״Einheit“ vielen Hunderten ermöglicht, den Pessach zu halten, sie hat mehr als 400 Gratismahlzciten an, ganz Arme verabreicht und allseits Zufriedenheit mit der Verköstigung erreicht. Diese Gesamtleistung der ״Einheit“ ist um so höher zu werten, als auch diese Institution, wie die meisten jüdischen Wohlfahrtsanstalten um ihren Bestand schwer zu kämpfen hat. ' Pessach im Rothschildspital. Es war diesmal der erste Pessach, der, dank der derzeitigen rituellen Führung des Spitals auch die strenggläubigen Kranken befriedigen konnte. Die Spitalsvcrvvaltung hat gemeinsam mit deni Aufseher für das Ritualwesen im Spitale, Herrn Born1־ s t e i 11, sorgsam alle Vorkehrungen getroffen, um den Kranken die Teilnahme am Seder zu ermöglichen. Sie haben für ihre redliche Mühewaltung in dem tiefgefühlten! Danke der Kranken ihre schönste Belohnung gefunden. Mitgliederversammlung ln der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag, den 4. April fand im grossen Saale ■der Agudas Jisroei-Jugendgriippe eine ausserordentliche Mitglieder- Versammlung statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Obmann Herr Saumei Stern begriisste die Erschienenen und ■gab dann Herrn Siegmunid Stern zum Generalreferat das Wort. Redner gedachte eingangs des uns leider allzu '׳ früh entlassenden Mitarbeiters, Herrn Redakteur N. Th. ■Porges, und besprach dann die anlässlich des Griinidungstages von Herrin W. Pappenlteim angeregte Stiftung. Herr S p 1ä t z e r referierte sodann den Erfolg des Unterrichtsausschusses im abgelaufenen Wintersemester. Ueber die geplanten Sommer-Sclmirim referierte Herr Schiffmann. Herr Dickmann sprach über!die Arbeiten des Arbeitsaus- Schusses und hob die Anschaffung einer Hausdruckerei hervor. Herr Fleischmann besprach die geselligen Veranstaltungen. Nach Erstattung des Kassaberichtes durch Herrn Löwy sprach Herr Neumann über die Gründung der Jugendpresse. In der überaus!regen Generaldebatte protestierten u. a. die Herren Stroh und Stern über die am ersten Pessachtag gehaltene ■Rede des Herrn Oberrabbiuers Prof.. Dr. Chajes.