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Jüdische Presse · 1926-04-09 · 15 (9.4.1926) · p. Seite 115

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
15 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Suite 115 JÜDISCHE PRESSE werker vorgezogen. So kommt es, dass von den nicht■* jüdischen Handwerkern etwa 50 Prozent, von den jikli* sehen etwa 80 Prozent ohne Arbeit sind. In der jüdischen Schneiderstadt Brzeszin sind alle Bewohner arbeitslos; 1200 Juden sterben buchstäblich Hungers. In Warschau wurden 30.000 von Juden innegehabte Handelspatente nicht erneuert, .das bedeutet, dass 30.000 jüdische Kaufleute ihre Geschäfte schliessen. Das gleiche Verhältnis besteht in anderen Städten. Jüdische Industrielle und Grosskaufleute sind in der Mehrzahl zusammengebrochen. Die jtidi־ sehe Intelligenz stirbt Hungers. Yerschärft wird die Krisis für die Juden durch die antijüdischen Tendenzen von Regierung und Behörden. Die Tabak-, Salz- und Zündholzindustrie, die früher fast ganz in jüdischen Händen waren, hat die Regierung in Monopol genommen und die jüdischen Arbeiter, unter ihnen Kriegsvvitvven und Waisen, durch christliche ersetzt. Der Handel mit Monopolwaren wurde jüdischen Händlern entzogen. Auf diese Weise sind 30.000 jüdische Familien subsistenzlos geworden. Bei all dem haben die Juden spezielle Lasten zu tragen, von denen die Nichtjuden befreit sind. Die Juden müssen ihre 1200 Schulen mit 5000 bis 6000 Lehrern und 150.000 Schülern selost erhalten. Seit 6 Monaten bakommen die Lehrer kein Gehalt. Für mehr als 20.000 jüdische Waisen ist zu sorgen. Dazu kommen die religiösen Erfordernisse, der Unterhalt der Rabbiner und religiösen Funktionäre, die jetzt Hungers sterben. Die etwa 1000 jüdischen medizinischen Institute in Polen müssen zum grössten Teil von den Juden selbst erhalten werden. Diese Institute stehen gleich den anderen öffentlichen Institutionen vor dem Zusammenbruch. Es kann als sicher angenommen werden, dass ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens (900.000 Familien) ohne Einkommen ist und hungert. Ein weiteres Drittel lebt heute von ganz kleinen Ersparnissen die bald' aufgezehrt sein werden. Ein letztes Drittel kann jetzt einen gegenüber früher stark reduzierten Lebens- Standard aufrechterhalten. Herr Dr. Kahn schloss: Ich habe die Juden Polens unter den schlimmsten Greueln des Krieges leiden gesehen. •Ich sah ihr tuend unter der militärischen UkKupation. Ich sah sie in den schlimmsten Huugerjahren der Kriegs- und der!Nachkriegszeit, in der Zeit von Pogrom und Verzweiflung. Nie aber sah ich sie in einer ähnlich elenden Lage wie heute, da unter allen Klassen Hoffnung und Lebensfreude erstorben sind. Man darf nicht von diesem Elend das Gesicht abwenden, man muss helfen, schnell und viel helfen. — Die Rede machte tiefsten Eindruck. Konferenz. der jüdischen Notabeln in der , Türkei, 1K ous t a n t i n 0 p e 1, 24. März. (J. T. A.) 1111 Grossrabbinatsgebäude hielt die Kommission für Reorkanisation der jüdischen Gemeinden eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, schon für die nächste Zeit eine Konferenz der jüdischen Notabeln;in der ganzen türltisehen Republik cmzuberuieii. Der ■Konferenz wird der Entwurf der neuen Gernem-aeorganisalion vorgeiegi wenden sowie eine Resolution, dass die jüdische Bevölkwuns uer Türkei auf die ihr laut. Verrtag von Lausanne ziikomrnenden Minoritätsrechte in aller Form verzichtet. Im Innenministerium wurde ein Beamter mit der Bearbeitung speziell jüdischer Gemeindeangelegenlieiten betraut. Diese hochwichtige Nachricht verdient von zwei Gcsichtspunkten aus iiervorgdiobeu zu werden. Erstensi. die jiidischeu Gemeinden lehnen es ab,!die Segnungen des Mrnoritätsrechtes in Anspruch zu nehmen. Sie haben wohl aus. der Erialirung ihrer ostjtidisciieu Brüder gelernt, ln ihrem Elend griffen die nachdem Gesdhenk, das Minen von uiwerani'tiwortlichen ״Führern“ geboten wurde, 1u1d sie haben statt Ruhe und Frieden Hass und ..Ungemach bekommen. Die Juden in der neuen Türkei wollen nun diese Erfahrung, wie es sehe int. verwerten. Hoffentlieh werden sie sich als gelehrige Schüler auch bei der Neu- Ordnung •ihrer Ge me in d e ve r 1! ä 1 ti 1 i ss e zeigen. Die Regelung der neuen Gemeindeveriliältnisse bedeutet den Beginn einer neuen Entwicklung nicht nur in der Türkei, sondern irn ganzen erwachenden Orient. 111 Mittel- und Osteuropa wüten jetzt die heftigsten Kämpfe um den Charakter der jüdischen Gemeinde. ™ו^ו^י«וו™^■ו^ו■ווו! ■י—יä^ו^^וויו^^^וwו^^^^vו■fו^ןןMKmsflBg3K■Bwmחו1^>^1ו^ו ist der Kern aller Gebote, da die Weit nur durch sie erhalten wird. Er lehrt, wie jeder nach seiner Weise'Gutes tun solle: Ist jemand ein Gelehrter, so sei er in der Weise wohltätig, dass er seinen Mitmenschen unenfgeltlieh Belehrung erteilt, und ihnen immer bereitwilligst zu diesem Zwecke zur. Verfügung steht. Wenn jemand vermögend und einflussreich ist, so soll er auch seine Mitme 11 sehe 11 davon gemessen lassen. Auch der Arme, der selbst Geld benötigt, kann durch die Tat Gutes ■tun.“14) Das war Sahaloms Ethik. ״An den Feiertagen sei man fröhlich, die Frauen mögen sich an schönen Kleidern', die Männer an Speise ■und■Trank und die Kinder an Obst und anderen guten Dingen erfreuen; die grösste und reinste Freude ist aiber, wenn wir den Armen durch unsere Gaben eine Freude bereiten“.lr’) Fr meinte, man solle an dem Orte wohnen, an dem die Vorfahren lebten, und äusserte sich dahin, dass er schon längst aus Wiener- Neustadt weggezogen wäre, wenn nicht unsere Weisen dies beföhlen hätten.1״) Nach jedem Traume fastete er den ganzen darauffolgenden Tag bis Mitternacht.17) Seine Gewohnheiten grenzen oft an das Gebiet der Askese. Unterwegs legte er nie das Gewand unter den Kopf, wenn er auch keinen Polster hatte, weil er fürchtete, dadurch vergesslich zu werden.18) Uetoer einige Dinge hatte er eigentümliche Ansichten. Weshalb am Saibbathausgange gerade die sogenannten Elija-Verse gesungen werden, begründet er damit, dass Samstag abends der Prophet Elijah unter dem Baume des Lebens sitze und die Verdienste derjenigen aufzeichne, die den Sabbat heiligen.1'׳) Die Wenden hielt er für Nachkommen der Aegypter.20) In einigen Stücken neigt er einer mystischen Auffassung 311 und will in der Schrift immer irgend ein Geheimnis finden. Dabei trachtet er aber, in seinen Ent- ״) Mahariil, Mirihagim (Oifenbach 1720) 4 b, 15) ibkl. 38 b; 1B) ihüd. 144 a. ־ 17) Leket Jasclier, 1, 27 b. 18) ׳Maharil, a; a. 0״ Nr. 149. *׳ lü) •Maharil״ Minhagim 49 a. 2״) Maharil, Min'hagim 144 a. O 000900090• o Telephon 7426יי2«י I 8 o I o o I o I o o § I i i! 9 momomomomomc Telephon 74*2-26 o! o o f o o 9 o o g g o I o!> Wien• I., Graben 12 demTra ttnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. 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O g g o I o 9 o o 9 o 9 O 9 O 9 O Die Moderne , möchte gern statt der alten, vieltausendjähri.gen Kehillo Kedauscha. statt der religiösen Gemeinde׳ eine neue V 0 l k s gemeinde schaffen,-die mehr auf politischen!, rassenmassigen Grundlagen aufgebaut ist als die alte jüdische Gemeinde. Hoffentlich werden unsere scplutrdiseiien Brüder ,in der Türkei der jüdischen Vergangenheit bei der Regelung ihrer Gemeindeverliältnisse in vollem Masse gerecht werden. Um Pessach 5686 in Wien. Das Pessachfest des Jahres 56S6 wurde mit Bangen erwartet. Die Wirtschaftskrise,!die während des ganzen Winters in unverminderter Stärke andanertß, Hess die Befürchtung aufkommen, dass das Fest der Befreiung in gedrückter Stimmung und bitterer Entbehrung des Notwendigsten würde gefeiert werden müssen. Es kam G-tt sei dank anders. Mazzoth, das Brot des Elends, konnte in jeder Menge und in jeder ׳Qu!a!lität!zu erschwinglichen Preisen beschafft wenden. Ausser den amerikanischen ׳ Manisclliawütsdi-iMazzoth wurde, burgenländischc, slowakische und rumänische Ware am Wiener Markt feilgeboten. Für die orthodoxe Judenschaft kamen selbstverständlich vor allein Sdii'ffschul-Mazzoth in Betracht, die in diesem Jahre, ausserordentlich geschmackvoll ausfieien. Die wenigen, die kein Verständnis iiir den kleinbn Preisaufschlag, der in den erhöhten Wohitätigkeilsaufgaben der Gemeinde seine Begründung hat. an!bringen konnten und Mazzoth auswärtiger Provenienz, kauften, haben ihre Extratour bedauern müssen. Es soll nicht ׳unerwähnt bleiben, dass!in Wien erfreulicherweise eine stattliche Anzahl von Chassidim leben, die es sich nicht nehmen liessen, ihre Mazzoth ohne maschinelle Hilfe erst am Nachmittage des Riisttages des Pessachfestes herzustelien. Am Pessachfeste selbst waren die Synagogen gut besucht. Während die orthodoxen Rabbiner am Sabbath Hagodaul in ■ihren Draschoth die Bedeutung des Pessadifestes und ihre Vor- IIT1TI IllirWirrP.nil WgrtTHIIH WIIHUTlMBä . Scheidungen möglichst. die Strenge des Gesetzes zu mildern und dies ist in Wiener-Neustadt besonders wichtig, da es dort Leute gaib, die milchige und fleischige Speisen nicht einmal in ein und demselben Hause zusammen dulden wollten! Muschel hiess dieser übereifrige Mann, der in seiner Frömmigkeit und Reinheit 'so weit ging, dass er nur von demjenigen Wasser nehmen wollte, der ein weisses Hemd anhatte. Er war auch ausserordent- Lieh wohltätig, erzog zwei arme Geschwister und gehört zu den ״Frommen“ Wiener-Neustadts.1־) Schalom ist von solchen Uebertreibungen weit entfernt und wird gerade wegen seines Liberalismus so sehr mit Anfragen überhäuft, dass er sich im Alfer einen Schreiber zu deren Beantwortung halten muss. Enzahen, der später Rabbiner in Ulm war, von wo er dann nach Italien־־) wanderte, bekleidete dieses Amt, während er gleichzeitig bei Josef Oesterreich er seinem Studium oblag. Dieser Josef Oesterreicher war Mitglied des Rabbinatskölilegiums, dessen drittes Mitglied wahrscheinlich Moses Neumark, Maharils Schwiegervater, war. Schalom bildete den Mittelpunkt der Schule und zu ihm pilgerten nicht nur die Schüler, sondern auch die Meister. Der .Wiener Anschei kam nach dem Tode der Tochter Sdiaioms, um zu kondolieren.2״) Die Wiener Rabbiner .1 ekel41־) und Aroir׳) suchten ihn auf und in schwereren Fragen erbittet sich Schalom auch ihren Rat.״'־) Fr ist ein liebenswürdiger Hausherr und seine Frau trägt Sorge für gute Bewirtung, so dass die angesehensten Rahbiner jener Zeit gerne bei ihm verweilen.27) R. Sandwll brachte am letzten Pessachtage Kandiszucker mit und bot allen Gästen davon.28) ־') (Maharil, Mini 1 agil 11 144ib. '־) Maharil, Response 11 56׳ b. u׳cl Mafiarain Padua ■Respon-?ein, 79. -:l) ■Maharil, Mmhagim 136 a, 25 b. 24) s. Krauss, Wiener Geserah. 2•י) ibkl. ״'־) Mahari'f. Responseu 101. - '־’O Maharil. Miiihagim 40 a, 919 a.; ד־ Leket joscher 1,51a: הח׳ר זנוויל הי׳ שמו הביא עמו צוקר לניאושטט והאכילו לדוש׳ר וליחר לומדים כי אמר שהביאו מקונרי schritten behandelten, predigte man in den übrigen Synagogen an! ersten Tage des Pessachfestes. Für die Sederabertde der Armen sorgte die Kultiisgememde und die einzelnen Ausspeisevereine in ausgezeichneter Weise. Niemand blieb unversorgt, was von den Gastgebern nicht behauptet werden־ kann. Man konnte, wie uns berichtet wird, viele Belebatim, die vergebens auf ihre Gäste gewartet haben, später bei den Armen ausspei־ sanken sehen, um von dort den Gast zu holen, den sie beim Sedertisch doch nicht vermissen wollten. Also .ist die Einle'itimgsformcl unserer Sederhagada, die Aufforderung an die Armen, am Seder teilzunehmen, keine leere Phrase. Die letzten Tage, des Festes fielen mit den christlichen Osterfeiern zusammen, welcher Umstand der ganzen Stadt Wien, ohne Unterschied der Konfessionen, festlichen Charakter ׳verheil. Am siebeuten Tage des ■Pessach hielt Oberrabbiner Fürst in der Schönlaternsynagoge.!in diesem ältesten orthodoxen Bethause Wiens, eine gedankentiefe Drasclia, zu der die Orthodoxen aus allen Bezirken herbeiströmteu. Am letzten Tage des Festes brachte das Maskiergebet grosse Mengen von jenen in die Synagogen, .die sich nur mehr durch die Bande der Pietät gegenüber den Eltern, dem Judentum verbunden fühlen. Trüge diese Pietät nicht individuellen Charakter, sondern würden sich diese ׳vielen tausende jüdiische Menschen bei Masfcir am ihre Vorfahren, an das jüdische Volk, an unsere grosse Vergangenlie'it erinnern — man könnte hoffnungsfroher in die Zukunft blicken . . . Die Weigerung, am Jom-Kippur eine Unterschrift zu geben. Wien, 24. März. (J. T. A.) Vor einiger Zeit wurde der jüdische Ingenieur ׳Herzog zu einem Monat Gefängnis verurteilt,;weil er sich weigerte, einen ihm am Versälumngstagc präsentierten Geriohtszustellungsrevers zu unterschreiben. Nun-' mehr wurde Herzog in dritter Instanz freigesprochen. Ein neuer Vorstoss des Münchner Tierschutzvereines gegen das Schächten. — Der gesetzliche Betäubungszwang gefordert. München, 24. März, (J. T. A.) Bekanntlich hat! der bayrische Landtag vor kurzem einen völkisdi-deutsclmationaleii Antrag ■auf Erlassung eines Schächtverbotes mit einer Mehrlieiit abgelehnt, aber eine Kontingentierung des Schäclitens nach der Zahl der jüdischen Bevölkerung von Bayern beschlossen. Die Schächtgegner gaben sich ׳mit diesem Resultat nicht zufrieden, der Münchner Tiierscliutzverein hat neuerdings eine Eingabe samt Denkschrift an den bayrischen Landtag gerichtet, in der ein Betäubungszwang für alle Sahächttiere ■gefordert wird. Es werden versohjedentlichc Gutachten zitiert,!in denen das Schächten der .luden als eine Tierquälereierklärt wird, insbesondere wird auf ein Gutachten des preuissischen Landesveteiinäramtes vom 13. Juli 1913 Bezug genommen, es wird ferner gesagt, dass nur eins vom!Hundert der Bevölkerung ■auf deutschem Boden jüdischen Glaubens!ist und daiss auch von diesem Hundertstel ■sich ein grosser Teil an d!ie Speisegesetze nicht für gebunden hält. Weshalb soll man auf die Gewissensbedenken dieses Hundertstels Riicks'iclit nehmen und die religi'ös-sittlidien Empfinduigen ׳der übrigen 99 ׳vom Hundert der Bevölkerung unberücksichtigt lassen? Zu bedenken!ist auch, dass ein. grosser Teil des ׳gesciiädhtuten!Fleisches, welches aus!irgend einem Grunde ׳als rituell unzulässig erklärt wird, an die nichtjüdische Bevölkerung abgestossen wird. Abgesehen von den Hintervierteln, die von den Juden •nicht genossen werden, werden nach einer Mitteilung des Schlachthausdirektors Doktor Lauft Citwa 11 ׳vorn Hundert sämtlicher Sdhäolituiragen ifiir ״Triefe“ erklärt. Würde das Flaisch von der nichtjiidischen Bevölkerung nicht angenommen werden, die Schächtung würde sich willscliaiitlicli nicht rentieren können. Der Bevölkerung wird also zugeimitet, selber!dazu mitzuhelfen, die Durchführung der Quälerei, wirtschaftlich möglich zu machen. Die Denkschrift bezieht sich auch auf gewisse ׳Stellen!im Alten Testament, wie: ,Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes“ (Sprüche Salomonis 12, 10). und auf den Talmud (Sabbat 128 b): ״Um ein Tier vor Schmerz zu schützen, ist es gestattet, ein rabbinisches Verbot zu übertreten.“ Von hervorragender jüdischer Seite — heisst es;in der Denkschrift weiter — werde mitgeteiit, dass ■die Schwierigkeiten einer Abänderung der ■grausamen Schäclitmethoden darin liegen, ׳dass es an einer religiösen Vertretung des Gesanitjudentums fehlt, die veraltete Vorschriften abscliafien könne.!Abhilfe kann nur •der staatliche Betäubimgszwang ׳bringen. Die die rituellen Vorschriften befolgenden Juden -sehen im allgemeinen die durch das Eingreifen der Beliörden geschaffene Lage als :höhere Gewalt an. Der Landtag wird gebeten, durch eine Gesetzesvorschrift ׳das Schächten ohne -vorhergehende iBeetäiulbiung zu verbieten. maea—m—a——w—m—gaawa——bmmbp—»—w6* Der Wiener-Neustädter Lehrer Menachem Kolien,. dessen Sohn Josef ,auf unserer Urkunde Y als Zeuge unterschrieben ist, kam gleichfalls in Schaloms gastfreundliches Haus. Jm1 Alter ward Schalom kränklich, der Tod seiner Tochter ■und seiner Schwiegertochter, der Frau Jonahs, t^if ihn hart und er dürfte anfangs des 15. Jahrhunderts gestorbdii sein. Maharil, der im Jahre 1427 starb, sprach von ihm als einem Toten2״) und sein zweiter Schüler Aron, der 1420 den Märtyrertod erlitt, war schon sein Amtsnachfolger in Wiener-Neustadt. Ausser Jonah hatte Schalom noch einen Sohn, Jude!, der in Wiener-Neustadt verblieb und später unter seinem Verwandten Isserlein im R-abbinatskoliegiiim wirkte;1״) Schalom, der selbst in erster Linie bei seinem Vater Isak, dem Wiener R. Meir Halewa und wahrscheinlich auch R. Muschel in Znaim gelernt hatte, hinterlie-ss ein mit ״Likutim“ betiteltes Werk halachischen Inhaltes,1״) während die ihm ■ ziigescliriebene Arbeit ״Deraschot“ allem Anschein nach nicht von ihm herrührt• Es wäre sonst auch auffallend, dass Isserlein, der mit Schaloins Sohne am selben Orte winkte, von diesem Werke nichts wusste.. Isserlein sagt ja auch tatsächlich, dass es nur in Schalams Namen geschrieben wurde.2״) Schaloms Andenken wurde hoch in Ehren gehalten. Der Wiener Rabbiner Jekel erklärte den Tag seiner Beerdigung für einen Fasttag und alle seine Schüler fasteten an seinem Todestage. Bei seinem Begräbnis, gab ihm Aron, sein Schüler und Nachfolger, in zärtlicher Fürsorge den Talith mit ins Grab. (Fortsetzung folgt.) ־’") Maharil, R׳es׳pansen 59-ff.!״) Pe׳ssakin1 216 und 185. :u) Pessak'iim, 145 bis 161, und ׳Maharil', Miiihagim 143a. ־'״') Pessakim 131. __ _ «xmna—w—mtmmm——6——■———— Elnlährlaer Hancelskurs Einjähriger Handelstur» Talmud -Thora - Sch ul verein Volks- und Bürgeischulo für Knaban und Mädchen Wien, II.» Malzgasse 16 Oest. Postspark.-Kto. 182.169 Spendet für das älteste und grösste Jüdische Schulwerk Wiens!

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