Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 32 (6.8.1926)
- Date
- 1926-08-06
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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isir/ 32־ JÜDISCHE PRESSE Seite 227 l®6®|V,mT^.j jftü Wichtige Beschlüsse der Regierung der Sowjetunion bezüglich des Planes der Ansiedlung von 100.000 jüdisehen Familen. Moskau. Der soeben .veröffentlichte Tätlgkeitisplan der Resienunig der Sowjetanton enthält aucli die Beschlüsse im Zusammenhang. mit!dem Plan der AnsTedtas von 100.000 ' jüdischen Familien auf dem Lande in den verschiedenen Ländem der So wie t unton. Wjr entnähmen aus diesem!Bericht eince ahanakteristisctie Punkte. 1. Es wird zur Kenntnis genommen die Arbeit aller (jener Organisationen, . die!das!jüdische Koianisafcionswerk durchführen) helfen), wie AGRÜ-JOINT. 1ICA, OZET, ORT, 1ICOR, PROCOR usw., eine Arbeit, idle sich in ׳folgendem ausdrückbe: a) Heranziehung von 6000 armem jüdischen Familien!zu •Jandwirtsdiaftlicher Arbeit, materielle Stütze und׳ agronomische Belehrung dieser Familien, b) Verteihing von 95.539 Desjatim Lund' an diese Familien׳, von welchem Boden 33.935 iDesjatin!bereits angebaitt sind׳, was ein!großes Resultat auf dem Gebiete der ,Landwirtschaft ׳bedeutet, c) Intenslvlerung der!Landwirtschaft durch Entwicklung •von ,Wein- und Obstgärten. Milchwirtschaften! usw. 4) Indus triuilisienuing der Landwiirtsdiaft. e) •Kultivienumg von Latidifiädien,!die bis jetzt brach lagen. 1) Aufbau von mehr als 700 Häusern für d׳i:e Siedler, g) Einführung von modernen Maschinen und!Methoden!!in die Landwirtschaft. 11)!Kollektivierung der Land- . wirtsdiaft durch Zusammenlegung der!kleinen!Betriebe. 2.!Es wird festige steht, (daß der von KQM2ET ausgearbeitete IPlan :zur Landaiisiiedkiiiigi ׳von 100.000 jüdischen ׳Familien sowohl den aillgemeinen staatlichen lote ressen, als auch!den Interessen der breiteren jüdischen ׳Bevölkeniuig entspricht.!Es ist aber notwendig, aueädist die Ziffern der ׳sledilumgswiilMgen jüidisdien Bevölkerung genau ifestzuste'ilem; demgemäß sali eine Volks-!und Berufszählung der jüdischen!Bevölkerung in den Städten vorgenommen werden. 3. Aus politischen und׳ w i r tsahaf 11׳id 1-k׳ultair׳dien Griinden w׳i1rd alis. wünschenswert anerkannt,!daß den jüdischen Siedlern der!Boden so zugeteilt ,werden ׳soll, daß s׳i!2 in mehr oder ׳weniger ׳kompakten Massen zusammenwohiien können. 4. Um eine größere Planmäßigkeit in der Ansiedlimg der Juden!211 erzielen, ist es notwendig, daß die Arbeit der KGMZET mügliaiist mit der Arbeit •der allgemeinen Staat-!liehen! Siedlungskoinmission Hand!!im Hand!geht. 5. •K'üiMiZET hat einen Plan der Zukuaiitsarbeit voran- :legen, der mit!dem allgemeinen׳ Siedluiigsplan ׳in Einklang steht. ׳(Wie aus der obigen Veröffentlichung zu erseilien ißt. befaßt sich die russische Sowjetregierung immer mehr mit;den Fragen der jüdischen Krimsiedh1111׳g. Wir nehmen diese Tatsache nicht oUie Sorge zur Kenntnis. Die ״Jüdische Presse” hat vor einigen Wochen im einem Ltiitiairtiikel sich mit dem russischen Problem, ׳wie es an die tSioratreue Judenheit herantritt, beschäftigt. Die Regierung ist anscheinend bestrebt, auf diese Sieidlungisarbeiten entscheidenden Einfluß ■zu gewinnen,!somit ist daraus nicht viel Gutes iiir das ׳tlioralneue Judentum zu erwarten. Es ist nur!zu 'bedauerlich, daß!die!weiten Schichten der thoratreiuen Judenheit nicht über die richtige Lage der Sieidiunigsarbei.ten in!Rutiiand unterrichtet sind. Es ist undenkbar, daß dieselben bei der ungeheuren •religiösen!Gefahr!, welche dieses Aufbauwerk in seiner heiutigen Form für die gesamte Judenheit bedeutet. Stillschweigen bewahren würden. Die Red.) Präludium zur Misrachi-Weltkoiiferenz. Unter obiger Ueberschrift veröffentlicht das ״Jüdisehe Wochenblatt“ Frankfurt, einen Artikel von Saily Geist, Tel-Avviw, in welchem der Verfasser die Probleme dieser Konferenz bespricht. Ueber das Verhältnis zur Aguda schreibt der Verfasser folgendes : ״Aufgabe der Misrachikonferenz muß es auch sein, Klarheit über die Beziehungen zur Agudaorganisation zu schaffen. Wer im' Interesse des jüdischen Volkstums in der zionistischen Organisation arbeiten kann, deren führende Männer zum Teil Verneiner unserer heiligen Thora sind und nicht einmal vor der Keduschah des Jom Kipur halt machen,1 sollte doch auch mit den Männern der Agudas Jisr-oel ..-.",,*1”,BliiBHMfiBBBBSHiilWilHWiflMHHBMHBa Dort mußte er dreimal das Sündehbekenn'tnis rezitieren, sich dabei an die Brust schlagen und hierauf drei Tage und drei Nächte hindurch fasten. 111 den weiteren 40 Tagen fastete er jeden zweiten Tag, hierauf an jedem Montag und Donnerstag. Weiters durfte er während des ganzen ersten Jahres, mit Ausnahme der Samstage und Feiertage, weder Fleisch essen noch Wein trinken, kein neues 1Kleid anziehen, an keiner Unterhaltung teilnehmen und auch ,nicht auf Polstern riihen. Während des zweiten und dritten Jahres nahm die Härte der Strafe ab und nach Verlauf dieser drei Jahre mußte er nur noch bis an sein Lebensende einmal monatlich fasten, durfte mit Christen, besonders aber mit 1Geistlichen, nicht verkehren und mußte es ruhig dulden, wenn man ihn ob seiner Abtrünnigkeit beschimpfte. So lautete lsserleins Vorschrift.11) . Mit dieser Strafe kann an Härte nur die über ehebrecherische Frauen verhängte verglichen werden. Eine solche Frau mußte ihre Sünde in der Synagoge in deutscher Sprache laut bekennen. Schleier und Schmuck wurden ihr abgenommen; sie mußte sich schwarz kleiden und an Stelle eines Gürtels einen Strick tragen. Sie lag auf bloßer Erde und fastete 365 Tage hindurch. Fleisch und Wein durfte sie nicht genießen. Im Winter mußte sie zweimal wöchentlich eine Viertelstunde lang nackt -im Schnee oder kalten Wasser sitzen und sich im ׳Sommer ebenso oft den Gelsen und Käfern aussetzen. Mit einem Mann durfte sie während dieser 365 Tage nicht sprechen und in der Synagoge nur abseits sitzen. Nach dieser Tortur, griff ■eine gelindere!Beihandlung Platz und sie mußte zwei Jahre hindurch an jedem ׳Montag und Donnerstag fasten, 14) Leket! Joscher II, 41h. zu arbeiten suchen, mit denen die Misrachisten das1 gleiche Thoraideal verbindet.“ — Der Artikel schließt' mit folgenden Sätzen : ״Der .Unterschied zwischen der zionistischen Organisation vor und nach der BalfouiP Deklaration wird noch immer zu wenig gewürdigt. In! der Erstrebung des Zieles einer rechtlicli gesicherten Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina, können die Bejaher der Thora auch mit ihren Verneinern zusammen׳־ gehen. Beim Aufbau Palästinas, das durch die gemeinsame Arbeit der Juden aller Richtungen wieder zu einem Erez Jisroel wird, müssen sich im Interesse der Thora alle ihre Getreuen zusammenschließen und über die bisherigen Differenzen hinweg eine Einigung erzielen, damit die Thora zu einem Faktor im Leben Erez Israel werde, mit dem auch die außerhalb der Verpflichtung zur Thora sich wähnenden Kreise rechnen müssen.“ ®I KAQBBKaimli Siebenbürger Bericht. :Erfreuliche Berichte träffen ׳aus den alten Heimstätten wahrhafter!Betätigung ׳im Sinne!des Judentums aus allen Teilen Siebenbürgens!ein ׳und1 sind!es vor a׳lle׳m die großen׳!Gemeinden des Landes, welche •durch hervorragende Leistungen׳ auf dom Gebiete* ■dies Schul- ׳and Fürsorgewesens ibaliobrechend wirken. So wird uns aus De!j :von dem Aufblühen der dortigen ישיבה berichtet, welche dank der umsichtigen Führung des. neuen Leite,!des •bisherigen iMarosinjvarer Rabbiners, immer neue ,Hörer a.nzidit und gegenwärtig ibereks über 100 Frequentanten : ביה• STATT KARTEN! Wir laden alle Verwandten, Freunde u. Bekannten zur TRAUUNG unserer Kinder RENEE - ALFRED welche אי״ה Dienstag 10) א״ דר״ח אלןל. August), um 6 Uhr nachmittags in Oradeamare, Strada Aurel Vlaicu 53 stattfindet Frieda Ullmann Jakob Stroh u. Frau Oradeamare Wien Strada Aurel Vlaicu 63 Gr. Pfarrgasse 11 dieser opferwilligen ישיבה eigenen Mitteln der Stadt!erhaltene . zählt. In Modul Mare!ist es die mit einer תלמי ת1רה verbundene Gewerbeschule, iwelahe vorbildlich für’ alle Gemeinden ihre ■besondere Wirksamkeit ׳eintfailtet. In Targul Mures ׳geht mau 5daran, mit einem!Kostenaufwand von 7 'bis 8 'Millionen Lei ein würdiges בית הכנסת izu!errichten, •das von dem׳ eCht!jüdisehen Opfersinn der iGemeindemi'tgiÜedor!und ■der Entwicklung dieser Stadt Zeugnis ablegeu soll. Nidit unerwähnt darf die von 0000 Telephon 74»2-26 Telephon 74-2■26 I o I § 9 o I § o I o § o I L, Wien! I., Graben 12 demBTrattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky teder Dame persönlich haftet Unsere Einfführungspreise sind sensationell billig! Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten Bubiperücken . . vonS75aufw. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel .... von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. 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Allgemeines Erstaunen des Richter־ kollegiums. Der Vorsitzende, fragte den Offizialverteidiger« ob er im Ernst auf Freisprechung plädiere/ was dec Verteidiger selbstverständlich bejahte, indem er gleichzeitig einen Tnach aus der Tasche zog, und den Gerichtshof! fragte, ob die Richter an die Wahrheit :und die Ethik' der Bibel glaubten. Als diese Frage seitens der Richter bejaht wurde, sagte der Verteidiger, daß dann nicht9! anderes als Freisprechung und sogar Belohnung der unglücklichen Mutter möglich sei, denn ein, analoger Fall habe sich in Aegypten ereignet, wo Moses auch von seiner Mutter ausgesetzt worden sei, welche gewiß, nicht die Absicht gehabt habe, daß er verhungere oder ,ertrinke, sondern mit der Aussetzung bewirken Wollte, daß eine barmherzige Seele sich des Kindes erbarme. Etwas anderes habe die unglückliche arme Mohammedanerin auch nicht bezweckt, denn auch sie hielt sich wie einst Miriam in der Nähe auf, um zu beobachten, was mit dem Kinde geschehe. Diesem schlüssigen Beweis konnte sich der Gerichts« hof nicht entziehen und so gelang es dem frommen jüdi* sehen Verteidiger, seinen mohammedanischen Schützling vor, Strafe zu retten und die Richter zum!Freispruch zu veranlassen. , : zurückgezogen leben und durfte keinen Schmuck tragen.15) ־!Bei der Bestrafung einer Frau spielte die Entzie- Innig des Schmuckes überhaupt eine große Rolle, da Schmuck allgemein sehr gern getragen wurde. Wie ungern Schmuck entbehrt wurde, geht auch daraus hervor, daß Isserlein einer ׳Braut, die ׳im selben Jahre den Vater verloren hätte, •das Schniucktragen für 7 Tage vor und 30 Tage nach der Hochzeit gestattete.1״) Die Männer (auch isserlein) trugen, kostbare Gürtel und Ringe.17) Ganz besonders aber liebten natürlich;die Mädchen ■Schmuck ■und Tanz — tous comme chez nous. Samstags kamen sie mit den Jünglingen zusammen, ließen spielen und tanzten.18) Beim Tanz umschloß den Leib immer ein Gürtel.1״) Namentlich am Hochzeitstag bekam •das Mädchen Perlen und Edelsteine und der Gürtel eines Mädchens repräsentierte oft einen Wert von 20 Wiener!Pfund.20) Die Frauenkleider waren oft mit Gold oder Silber durchwirkt und mit Edelsteinen besetzt,11‘־) auch kost- 15) J. Weil, Resp. Nr. 12 (6 b). Der Vorgang wiar nicht überall gleich. Salman!!Kitzingen ,ließ eine solche Frau, nachdem sie Hut und!Schleuer abgelegt und das Haar aufgelöst hatte, durch seine Frau wie folgt anr.eden: קומש״ט ד״ו פרוצה ד״ו (au. was willst du?) זונה ד״ף אשת איש זונה נו״ז ווילשט״ח Darauf antwortete die Siiadenn: עיך בקהען ס״יין זונד״א איך בין אי״ין פרוצה איין זונה. j. B״ma, •Resp. 225 (93 b): אי״ך ווי״ל תשובה ט״ון אף מיין זונדא. .1#) Leket Joscher II, 89 a. 17) Leket Joscher I, 22 a, j 18) Leket Joscher I, 44 a, 18) Terumat ha Deschen 2iU (86 b), ־’*) Terumat ׳ha Deschen. 350 (186 a). bare Schlepp'kleider waren gebräuchlich.־‘־) Die Hoch* ׳zelten wurden mit großer Fröhlichkeit a׳bgeha׳lten;s3) die Spesen der Hochzeit wurden, jedoch nicht, wie heutzutage, seitens der Braut, sondern vom Bräutigam getragen. ׳Der Bräutigam erhielt von seinen 1Eltern kein Geld, nur Kleiderr״) das Mädchen dagegen bekam eine Mitgift, ln Oesterreich und seinen Provinzen erhielt das Mädchen als Morgengabe 400 Wiener Pfund, eine Witwe 20. Wenn ein vermögender alter Mann ein armes Mädchen heiratete, damit es ihn pflege, gab er ihr 50 bis 60 Pfund.4 5 *־) In der Rheingegend ,bis Koblenz, in Franken, Bayern und Schwaben — Regensburg ausgenommen — erhielt eine Jungfrau 100 Silbergulden, eine Witwe 50.2a) Von Koblenz rheinaufwärts erhielt eine Jungfrau 60, eine .Witwe 30 Silbergulden, endlich in Regensburg eine Jungfrau 200 •und eine Witwe 1OO.20) Die Sittlichkeit der Frauen kann nach dem Urteil Wells'7 *'־) auf keiner hohen Stufe gestanden sein. Wie «ehr man die Schwiegermütter schon im 15. Jahrhundert ehrte, ist am besten daraus ersichtlich, daß jemand gelobt hafte, sich lieber taufen zu lassen, als daß seine Schwiegermutter ins Haus komme.29) Isserlein hielt es sogar für angebracht, daß man auch ׳die Schwiegermtitter achten müsse.9 *״) (Fortsetzung folgt.) 0־ Terumat ha Deschen, 320 (153 a), “3) Maharil, Minhagim, 47 b. 1‘“) Terumat) ha Deschen, 241 (112 b), '*4) Leket Joscher II. 24 a. 5‘־) PessaMm, 229 (63 a), ״־) Pessakim, 232 64) ׳ b). 37) Pessakim, 232 (64׳b), 28) j. (Weil, Respansen!Nr.!22 i 'ברורות הללו הנשית פר aB) Leket Joscher II, 226, •und Bessabitt. 192. 39) Leket Jescher II. 3U. 4