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Jüdische Presse · 1926-03-26 · 13-14 (26.3.1926) · p. Seite 105

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
13-14 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13/14 JÜDISCHE PRESSE Seite 105 Palästina. Die Aguda hat den Kuschan für das grosse Landgebiet Olam-Madher bereits in Händen. Jerusalem (AJPB). Die Agudas Jisroel erhielt vergangene Woche den Kuschan (Grundbiicherlicher Uebertragungsausweis) für das von ihr erworbene grosse Gebiet bei Olam und Madher. Die österreichische Vertretung in Palästina. Wien, 21. März (JTA). Aus zuverlässiger Quelle erfährt der JTA-Vertreter. dass die österreichische Regierung demnächst einen Generalkonsul und einen Vizekonsul für Palästina ernennen wird. Die Aguda für jüdischen Frieden in Palästina, sie wird aber niemals in den Waad leumi eintreten. Jerusalem, 9. März. (JTA.) In seinem bereits mitget&ilten Interview ,mit dem Vertreter der Palästinensischen Telegraphen-Agentur äiati der Präsident der Weltorganisation Agu-das Jisroel. Doktor Pinchas Kohn, noch folgendes gesagt: Niemals werden wir in die Assefath Haniwbharim (Jüdische Nationalversammlung) und!in den Waad ileurrti! (Jüdischer NutHonalrat) eintreten, da die Frauen S t i m nl r e c ׳h t in diesen Körperschaften .haben, was gegen Gesetz und Tradition der Juden isi Unser Vorschlag geht dahin, dass zwei besondere jüdische Gemeinden für die •inneren Angelegenheiten bestehen sollen. Ein aus beiden Gemeinden zu bildendes politisches Komitee soll über die äusseren Fragen entscheiden. In diesem Komitee sollen die Parteien proportionell zu der Zahl ihrer 'Mitglieder vertreten sein. Die Aguda hat zur Zeit des letzten Wiener Zionistenkongresses der zionistischen Leitung Vorschläge betreffend e:in endgültiges Abkommen .nach dieser Richtung, untenbreitet: bis heute, sagte Dr. Kohn. hat!die Zionistische Exekutive keine Antwort erteilt. Der Ghefsekretär der Palästina-Regierung Colonel Symes!habe ihm, Dr. Kohn, erklärt, die Regierung werde demnächst sowohl dem Waad leumi׳ als auch der ,Aguda einen Entwurf des Statuts der jüdischen Gemeinde vorlegen; vielleicht wird im letzten Augenblick ein׳ Weg zur Verständigung gefunden werden. Es ist unser Wunsch, setzte der Aguda-Präsident fort, dass ׳eine Annäherung ־staattfindet. Friede soll unter allen Teilen der palästinensischen Judenheit herrschen. Agudas Jisroel hegt weder politische noch ökonomische Ambifionen. Sie wünscht nur •eine vollkommene Autonomie ■in den Angelegenheiten •der Religion und der Erziehung. Sobald ־in der ׳Gemeindefrage eine einverständliche Lösung erzielt ist, wird es auch!in allen anderen Punkten, wie zum!Beispiel -in den Fragen der Einwanderung, des ׳Landkaufs, der Vertretung in ׳der Jewish Agency usw.. zu einem Einvernehmen zwischen Zionistischei Organisation und Aguda kommen.!Herr Dr. Kohn• schloss: loh habe dlie Orte iBneü Brak, Balfouria, Gideon, Machne Israel sowie die Hauptstädte Jerusalem. Haifa und Tel Awiiw gesehen. Mein Besuch fällt •in eine Zeit wirtschaftlicher!Depression. Ich hin aber sicher, dass jüdischer Wille und jüdische Tatkraft alte Schwierigkeiten' überwinden werden. Ich merkte keinen Antagonismus zwischen Arabern und• Juden; beide Völker leben friedlich nebeneinander. Die englischen Beamten sind den Juden gegenüber objektiv und unparteiisch. Die politische Intervention Dr. Pinchas Kohns in Palästina. — Keine nationalen, sondern religiöse Gemeinden. — Die Rechte der Orthodoxie in der Getneindeordnung gesichert. J ׳e r u s a 1 e m. (A. J. P. B.) Dr. Pinchas Kohn wurde vom Oberkommissär Feldmarschall Lord Pluimer!empfangen. Der prominente Agudafiihrer nahm ׳Gelegenheit, dem Oberkommissär eingehend1 die Stellungnahme der Aguda in bezug auf die Gemeindeordnung klarzulegen und stellte die entschiedene Forderung auf. dass der palästinensischen. Orthodoxie betreffs der Erziehung, Schechitah und der Totenbestattung volle Autonomie gewährt werde. Im Verlaufe des ׳Gespräches ■gab Lord׳!Planier ■die Versicherung, dass ■die Rechte der orthodoxen Judenheit ׳Palästinas in der Gemeindeordnung vollauf berücksichtigt erscheinen. Während seines Aufenthaltes in!Erez Jistael verhandelte Dr. Pinchas Kohn auch •mi!t dem Gouverneur Jerur salems und des Süddistrlktes Sir׳ Ronald Störs, dem General- Staatsanwalt Norman Bentwich, •dem Chefsekretär der Palästinaregierung Colonell Symes und anderen Vertretern der englischpalästinensischen Behörden. ׳Einem Vertreter der AJPB. gegenüber äusserte sich Dr. Pinchas!Kohn über die innerpolitische Lage wie folgt: Es werden im Schosse der Regierung Ausführungsbestimmungen für die einzelnen!religiösen Gemeinschaffen vorbereitet, welche demnächst der Oeffentlfchkeit zur Diskussion' übergeben werden. Bekanntlich wurde von der Regierung Mitte Februar der Entwurf eines Rahmengesetzes veröffentlicht, welches den Aufbau!dar Bevölkerung nach jelrgiösen Gemeinschaften vorsieht. Es hat sich immer bewährt, dass :innerhalb der Religion die für nationale Bedürfnisse notwendige Erhaltung der Eigenart der jüdischen ׳Gemeinschaft möglich und erwiesenermassen tatsächlich erfolgt ist. Die Aguda hat keinerlei gesonderte politische und wirtschaftliche ,Interessen. Sie erstrebt, in grossartiger Weise den Aufbau des heiligen Landes nach den Normen des Religionsgesetzes wohltuend zu beeinflussen. Die Verschiedenheit ■der religiösen!Anschauungen macht derzeit die Bildung ׳einer einheitlichen GemeJndeorganisation nicht möglich. Wenn die Unabhängigkeit der Orthodoxte in religiösen und erzieherischen Gebieten gesichert ist, kann in politischen Angelegenheiten ein gemeinsames Vorgehen mft den Zionisten möglich sein. Zusammenfassend betonte Dr. Kohn, dass es keinen Zwang geben werde, der ״Jüdischen Gemeinschaft“ anzugehören, vielmehr ist für diejenigen Juden, die 2s auf Grund׳ religiöser Ueberzeirgung ablehnen müssen, einer ״Jewi,sh Community“, die dem Reiigionsgesetze ihrer Struktur nach nicht entspricht, anzugiehören, eine besondere Regelung vorgesehen., Nach dem Wortlaute des Rahmengesetzes wird die letzte ׳Entscheidung hierüber in London getrofien werden. Aus den Unterredungen mit den Exponenten der englischen Politik und Verwaltung konnte Dr. Kahn den sehr beruhigenden Eiadruck mitnehmen, dass alles ängstlich vermieden sein wird, was auch ׳nur irgendwie an das Gebiet des Gewissenszwanges streift. Auch in bezug auf die Einwanderung dürfte den Bedürfnissen der •Aguda emsiestens Rechnung getragen werden. Der Agudagedanke selbst findet überall weitestgehendes Verständnis. Ais Kennzeichen des stetigen Zunehmens ■dieser Auffassung teilte der Agudaführer schliesslich noch mit, dass die;Registrierung von Stiftungen bei der Mandatarmadit anstatt bef dem Oberrabbihate, das bekanntlich von der Aguda bekämpft wird,• selbst :in zionistischen Kreisen starken Anklang findet. Es sind bis jetzt schon über fünfhundert Stiftungen bei der Regierung!registriert, die sicherlich nicht alle aus agndistischen Kreisen stammen. Amerika. Grosse Abschiedsfeier für Jakob Rosenheim in New York. — Mehr als viertausend Teilnehmer bei der Versammlung im Cooper- Union. New York (AJPB.) Eine Feier von seiten dagewesener Pracht wurde Jakob Rosenheim von der jüdischen Bevölkerung New Yorks vor seiner Abreise veranstaltet. Noch nie hat ein Meeting eine so grosse Anzahl ehrwürdiger Rabbiner vereinigt gesehen, als an diesem Tage, da man dem Führer der Agudas Jisroel ein warmempiundenes Lebewohl entgegenrief. Mehr als viertausend Zuhörer füllten den Saal und brachten dem schlichten Manne, der in den kurzen Wochen seines amerikanischen Aufenthaltes die Herzen der jüdischen Massen für sich gewonnen hatte, begeisterte Ovationen entgegen. Den Vorsitz des Meetings hatte der Rechtsanwalt Dr. Leo Königsberger inne. Nach kurzer Eröffnungs- und Begrüssungsrede übergab er das Referat Herrn Jakob Rosenheim, der, erst hebräisch, dann englisch und schliesslich jiddisch und deutsch sprechend, das Publikum in meisterhafter Rede fesselte. Er besprach das Wesen des Agudaprinzipes, keinen wichtigen Schritt ohne Befragen des Rabbinisehen Rates zun unternehmen. In anschaulichen Worten erzählte er. mit welchem Arbeitseifer die grössten Gelehrten Europas, wie der Chofez Chaim, der Gerer Rabbi und viele andere, jede Phase der agudistischen Aufgabe verfolgen und an deren Ausbau mitarbeiten. Die Ausfälle blindwütigen Hasses der zionistischen Presse geisselnd, ging er zu seiner Mitteilung über den , Empfang beim Präsidenten Coolidge über. Nach warmen Worten des Abschiedes, des Dankes und der Aufmunterung schloss der Gefeierte seine Rede, der Stürme der Begeisterung fast ohne Ende folgten. Eine Reihe prominenter Rabbiner ergriffen das Wort und die Feier nahm in gehobener Stimmung ihr Ende. Am selben Abend schlossen sich an Ort und Stelle mehrer hundert Mitglieder der Agudas Jisroel an. Führenae amerikanische Zeitungen für die Wahrung des religiösen Kehilla-Charakters. N e w - Y o r k (AJPB.) Bekanntlich wurde den Juden Litauens, die seinerzeit von den Zionisten geforderte nationale Autonomie wieder entzogen. Hiedurch wurde die Basis geschaffen, die ihres religiösen Charakters entkleidete Kehilla wieder wie seit jeher rein religiös zu orientieren. Die zionistische Presse!ist mit dieser jüdisch-nationalen Niederlage nicht zufrieden und das ״Morning Journal“ in New-York nimmt GelegenJ heit, einen solchen kritischen Artikel von ״Unser Tagblatt“, Lodz zu widerlegen. Dieses führende Blatt der New Yorker Juden stellt fest, dass einzig und allein die religiöse' Kehilla dauernden Bestand und Existenzberechtigung hat. Die Versuche der linksradikalen Propagatoren, die Kehilla! zu verweltlichen, wird nie von dauerndem Bestand sein. Die Kehilla muss eine rein religiöse Institution sein. Die! weitverbreitete ״Jewish Gazetten“ New-York, bringt einen interessanten Artikel von Gerschone Bader über den Kämpf, um die jüdische Kehilla im Osten. Er meint: ״Die prominenten Regierungsstellen in Polen vertreten die Ansicht;'; dass sich die Kehilla ausschliesslich religiös zu orientieren' hat, während die Linksradikalen eine ״Volksgemeinde“ wünschen. Man muss sich fragen, wie lange noch unsere, Ungläubigen die jüdische Gasse beherrschen und ihre freien Anschauungen unseren religiösen Institutionen' aufzwingen wollen? Wenn wir eingestehen, dass die jüdi-' sehe Kultusgemeinde nicht eine!religiöse, sondern irgend eine kulturelle oder sozialpolitische Institution sei, dann׳ ist sie wertlos und ich kann nicht verstehen, zu welchem Zweck man sich von der Allgemeinheit absondern soll, vvenn ein Jude sagt, man brauche von der Emunah weder ei״ Bethaus, Rabbiner, Schocheth, usw. Wozu dann eine jüdische Kehilla? Der Regierung jedes Landes obliegt die Sorge um die Ökonomischen und sozialen Interessen jedes Bürgers ohne Unterschied des Bekenntnisses. Wenn die Linksradikalen keine religiöse Kehilla wollen, wozu: dann jedwede Absonderung? Für mich ist die Kehilla die1 Repräsentanz der jüdischen Gläubigkeit, welche ihren Ausdruck in hunderterlei Eigenartigkeiten findet, deren ut1j bedeutendste oftmals die wichtigste Grundlage für denl Bestand des Judentums bildet. Die Kultusgemeinde hat für Kaschruth, Chedarim Jeschiboth, Synagogen usw. wie für alle anderen jüdischen Bedürfnisse zu sorgen. Wenn die Radikalen an alldem kein Interesse haben, dann dürfen sie sich nicht einmengen. Noch eine Frage ist mir unverstündlich: Die Kehilloth werden gewöhnlich von den Einnahmen der Schochitah, Bethäusern usw., wozu die Radikalen gar nichts beitragen, erhalten und da diese Radikalen demokratische Gesinnung vertreten, dürfen sie keine Beeinflussung dieser Institutionen beanspruchen. Als die glaubenstreuen Juden Deutschlands gesehen hatten, dass die Reform das Judentum bedrohe, haben sie sich an den Reichstag um Autonomie gewandt und der bekannte, liberale, freidenkende Politiker Eduard Lasker hat die gerechten Forderungen im Interesse der Gewissensfreiheit der orthodoxen Juden vertreten. Der momentane Streit in Polen gleicht dem Freiheitskampfe der Deutschen. Der Unterschied ist nur der, dass den Reformern noch immetV religiöse Tendenzen vorschwebten, während die Radikalen in Polen gewöhnlich der Religion nicht gleichgültig gegenüberstehen, wie das Schlagvvort von der Religion als ׳ Privatsache lautet, sondern sie sind glattwegs aggressiv' gegenüber jeder religiösen Regung, die sie unterdrücken und karikieren wollen. Daher sollen unsere ' Brüder irr Polen das gleiche tun, was die Juden in Deutschland getan! haben. Sie sollen zwei Kehilloh gründen: Eine religiöse für Juden und eine für die Radikalen, die keinerlei Ver-> bindung mit der •Emunah haben. Es soll niemand verdriessen, dass die Juden in Polen in zwei׳ Gemeinde^ getrennt sind, weil das nicht lange dauern kann, denn1 früher oder später kommt es wieder zur Vereinheitlichung,׳ das unreligiöse Element wird von dem jüdischen Milieu׳ ganz abfallen und das religiöse Element wird als Allein•' herrscher bleiben. Uebrigens sind die Radikalen schon zur Ueberzeugung gekommen, dass, wer sich von der jüdischen Emunah entfernt, sich gleichzeitig vom ganzen jüdischen Volkswesen entfernt.“ ׳ Jüdische Mütter schaffen eine Organisation für religiöse Erziehung der Mädchen.;Eine von jüdischen Frauen New Yorks massenhaft ,besuchte Versammlung beschloss, ׳eine Organisation jüdischer Frauen in den Vereinigten Staaten zu gründen, die für die Erziehung der jüdischen׳ Mädchen in jüdisch-religiösem Geiste sorgen soll. Die Varsammlung stand unter der ׳Parole: ״Die jüdische Mullter, von heute für die jüdische Mutter von morgen!“ Emigrantentragödien. New York, 8. März. (JTA.) Auf dem ■im ׳Hafen von ׳New York eingelaufenen •Dampfer ,״See- }and“ starb die 57jährige Frau Reilsei Handwerker aus Jaroslau in Galizien, Mutter• von 13 Kindern, vor Aufregung!darüber, dass die Aerzbe die Einreise ühirtes ׳Mannes beanständet haben. Berlin, 17. März. (JTA.) ,״Emigdiirekt“ ׳(Vereinigtes Komitee für jüdische Auswanderung) erhielt ׳eine Nachricht aus C'harbin, die die Unmenschlichkeit!der Einwanderungsbeschränkungen illustriert. Eine Frau, wollte mit ihren zwei!Kindern zu ihrem Gatten nach Amerika einwandern•. Die Einreise ihres achtjährigen Knaben, der aus einer früheren Ehe stammt, .wurde beanständet. Die Frau musste den!Knaben in Obhut von Christ- . lilohen ■Nachbarn geben, •die nach Abreise der Frau den Knaben einem christlichen Erziehungsheim übergaben■.!Das jüdische Emigrationskomütee in Gharbin, hat Schritte unternommen, dass der Knabe in. jüdische Obhut gegeben wird. Jerusalem, 22. März.!(JTA.) Der Dampfer ״Galizia“, der am Sonnabend im ■Hafenvon Haifa Anker lieh- •tete, hatte an Bord ein aus Lettland stammendes 22 Jahre altes jüdisches Mädchen namens Glteil Zkik,. das auf Grund eines Touristenpasses in 'Haifa landen wollte.!Der :Einwanderungskommissär verweigerte ihm jedoch die Landungserlaübhis, weil er es in Verdaoht hatte, .׳dass es, ohne!hierzu bförechfiigt zu. sein, ständigen Aufenthalt in Palästina nehmen werde. Das Mädchen musste mit dem Dampfer die Rückreise machen. Auf dem 'Wege zwischen Haifa und Jaffa beging das Mädchen aus Verzweiflung über ihr Missgeschick Selbstmord. Man fand bei der Toten eine Summe von 240 Dollar. Kalender“ (Almanach . Perpetuum) mit den Sonne-, Mond-1״md Sternentafeln, war von dem früher erwähnten gelehrten königliehen Leibarzt Vecinho ins Lateinische unu' Spanische übersetzt worden. Ein Exemplar dieses Werkes, das er Kolumbus zum Geschenke gemacht hatte, wurde von diesem wegen seiner wissenschaftlichen Bedeutung überaus geschätzt und es war sein steter Begleiter auf allen Reisen. Zu seinem Glücke. Ohne dieses Werk wäre er von seiner letzten Entdeckungsfahrt nicht heimgekehrt. :Auf dieser Fahrt war es. dass der Admiral auch die Küste Veragua besuchte, an der Gold und Edelsteine in solch unermesslicher Fülle zu finden war, dass er sich, dessen Herz, wie nicht 'nur'• seine Neider und Feinde behaupteten, allzusehr an irdischen Sbhärzen hing, längere Zeit aufhielt. Bald nachdem er diese Küste’verlassen, erhob sich ein Orkan, der seine Schiffe so arg .beschädigte, dass der Versuch zu einer weiteren Fahrt als katastrophal erscheinen musste. Aber ebenso gefährlieh erwies sich die Rückkehr zur Küste Veragua. Die Eingeborenen waren nämlich durch das Verhalten des Kolumbus ihnen gegenüber sehr erbittert gegen ihn geworden und er wusste, dass sein Leben ׳bei einer Rückkehr bedroht sei. S,׳e hatten sich auch vorher schon geweigert, ihm die notwendigsten Lebensmittel zu bieten. Dazu kam. dass er selbst schwer erkrankte und auch die geringe, nach einer gegen ihn angczettelteii Meuterei treu gebliebene Mannschaft durch Hunger und Müdigkeit schier wehrlos geworden war. Kolumbus und seine Leute hielten sich für verloren. ' Da kam der Admiral auf einen Gedanken, der möglicherweise noch ihn und die Seinen retten konnte. Dank den Zakutoschen Tabellen war es ihrn möglich, das Eintreffen der am 29. Februar 1504 zu erwartenden Mondtinsternis auf das? genaueste vorauszubestimmen.. Kolumbus, rechnete mit der abergläubischen Furcht der Eingeborenen vor geheimnisvollen Gewalten, die ihm angeblich •zur Verfügung stünden. , , , Er liess die Häuptlinge der Eingeborenen zu sich berufen Spanier ihnen' dassumhlwy k7S90digao äagjomlhwygovenfte und kündigte ihnen mit feierlicher Stimme an, dass der Gott der Spanier ihnen zur Strafe für ihre Unbotmässigkeit, da sie sich weigern!, ihn und seine Leuten mit Lebensmitteln zu versehen,, den Mond entziehen werde, wodurch sie erbarmungslos dem Unheile verfallen wänden. Damit entliess er'sie. Als die Nacht anbrach und die von Abraham Zakuto vorausgesagte und von Kolumbus angedröhte Finsternis pünktlich einbrach, erfasste die Häuptlinge und ihr Gefolge ein furchtbares Entsetzen. Jammernd und schreiend warfen sie sich vor Kolumbus auf die Knie und beschworen ihn, ihnen den Mond wiederzugeben. Sie versprachen ihm dafür die grenzenloseste Unterwürfigkeit׳, Gold und Edelsteine und Nahrungsmittel, soviel er nur wolle. Kolumbus versprach edelmütig seine Intervention, zog sich, angeblich für eine Besprechung mit der spanischen Gottheit zurück. Er erschien alsbald wieder, um den Reuigen an׳zukündigen, dass es seiner Fürbitte gelungen sei, ihnen •den Mond wieder zu sichern. Dieser tauchte in der Tat genau in, der vom Admiral angegebenen Minute auf und da er wieder in seinem Glanze erstrahlte, ward Kolumbus der gefürchtete und gefeierte Held!, •dessen Wünschen gleich göttlichen Befehlen gehorcht wurde. Man musste sich mit dem Manne verhalten, der am Ende imstande gewesen wäre, auch die Sonne verschwinden zu machen. So •ward Abraham Zakuto der Lebensretter des Admirals und seiner Leute geworden. Nemo. . 1 ׳■I־״■׳ II .1 ■ .1׳ ״ 1׳ 1 WWMifBB!^ ©0® Bücher 000 Wolfgang Weisl. Der Kampf um das •heilige Land. (Ullstein, Berlin.) Der Verfasser beeilt sich, i׳n der Einleiitung den nicht ganz präzisen Titel des Buches nichtigzustellen.; Der Kampf um Palästina wird diesmal nicht deshalb, geführt, weil es ״heilig“ ist. Vielmehr: ״Europäische Menschen ringen in Palästina gegen asiatische“. Nach dieser Feststellung des Verrassers ist es selbstverständlich, dass er. dem Standpunkte des religiösen Juden, genauer gesagt der Organisation der religio- 1 sen Juden: der ״Agudas Jisroel“ nicht gerechnet werden kann. Denn ihnen!ist Palästina noch immer nur das ״heilige“ Land. Diese haben daher den Kam-pf der Zion.liisten um Palästina — lind nur ׳ihnen Kampf würdigt der Verfasser — von ihrer religiösen Einstellung aus von Anbeginn an rruit Misstrauen verfolgt. Aber auch ׳i n Palästina konnte keine gemeinsame Linie zwisohen Zionisten •und Religiösen geschaffen werden, ׳denn . das Ringen europäischer Menschen — und die Zionisten wallen Pioniere des Europäcrtums im Orient sein — gegen asiatische kann nicht die Aufgabe der Juden 1im Väterlande sein. In bezug auf diese wesentlichen Momente •ist der Verfasser ganz zionistisch eingestellt. Für das seelische Widerstreben der Orthodoxie, die aber nie und •nimmer so weit ging, dass sie die diplomatische Arbeit der Zionistenführer, die nun einmal als Sachwalter der jüdischen Sache vor den Machthabersn!der Erde erschienen sind, geschädigt hätten, hat der Verfasser gar kein Verständnis, Auch wo sich der Verfasser ausführlich mit dem Wesen der Aguda beschäftigt, trifft er den Kern der Sache nicht. Er schreibt über die Aguda (S. 198) folgend: Die ״Agudas Jisroel“, die in. der Slowakei eine gewisse ׳religiöse, in Polen und Litauen auch politische Macht!hat, stellt nämlich nicht etwa nur auf dem Standpunkt, dass das jüdische Gesetz in seiner überlieferten Form untrennbar vom Judentum sei, sondern sie geht darüber hinaus. Für sie erschöpft sich das Wesen des Judentums in ׳seltner heiligen, re’igiösen Literatur und Gesetzgebung. Wer die Gesetze!der Thora und der!im Talmud niedergelegten, 1m Schulchan Aruch koüifzierten miindliehen Ueberlieferung halte, sei Jude. Wer sie (wissend und vorsätzlich) übertrete, und sei es auch ■das kleinste dieser Gesetze, hört in ihren Augen auf, massgebend für das Judentum zu sein. Wer aber gar leugnet, dass das Wesen des Judentums durch sein Gesetz bedingt sei, oder wer auch nur erklärt, dass ausser idem Gebet und der Erfüllung der vorgeschriebenen •ethischen und zeremoniellen ׳Pflichten• noch •etwas zur Erhaltung •des Judentums nötig sei — jüdischer Staat oder hebräische Volkssprache oder körperliche Ertüchtigung der Jugend —ל•, der leugnet damit die traditionellen Grundlagen des Judentums, wie jene es ver-

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