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Jüdische Presse · 1926-03-26 · 13-14 (26.3.1926) · p. Seite 104

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
13-14 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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Seite 104 JÜDISCHE PRESSE Nr. 13/14 In diesem Umstande liegt des Rätsels Lösung, warum Mosche Porges auf seine Mitwelt, ob Jud oder Nichtjüd, wirken konnte. Denn der Mann hat in den letzten Jahren eine gewaltige Aktivität entfaltet und grosse Wirkungen erzielt. Bald nahm er sich verlassener jüdischer Kinder an, und es gelang ihm, Unglaubliches zu vollbringen, — viele, sehr viele, von diesen verlassenen und vernachlässigten Kindern, gut unterzubringen. Er nahm sich überhaupt armer, verlassener, hilfloser Menschen in einer Weise an, die man kaum heute noch irgendwo finden kann. Porges begann nebst dieser mehr individuellen Versorgung dem Elend auch organisatorisch an den Leib zu rücken. Wir wollen hier nur einige Etappen dieser Organisationsarbeit erwähnen. Zdoko Gedaulo, Veranstaltung von Sammeltagen. Er war der erste, der grosse, die ganze jüdische Bevölkerung umfassende Hilfsmassnahmen erdacht und auch durchgeführt hat. Diese Sammeltage in den Kurorten und Sommerfrischen für das Badener Waisenhaus der Aguda und für jüdische Jugendfürsorge, der Sammeltag für die Wiener notleidenden jüdischen Anstalten waren sein Werk, sein Werk der Idee und sein Werk der Durchfüh-/ rung nach. Mosche Porges hat in diesen Zeiten buchstäblieh Tag und Nacht gearbeitet, oft ohne Speis’ und Trank, oft auch, ohne sich ein Stündchen Schlaf zu gönnen. Sein letzter grosser Plan war die Veranstaltung eines Welt* hilfssammeltages, der am verflossenen Purimtag hätte stattfinden sollen. Er hatte hiezu bereits grosse Vorbereitungen getroffen. Leider war es den einzelnen Organisationen und Fürsorgezentralen nicht möglich, sich dem kühnen Gedankenflug von Mosche Porges anzupassen״ Mosche Porges blieb isoliert. Er hat wohl seinen Plan nicht aufgegeben, sondern wie er erst einige Stunden vor seinem plötzlichen Abgang dem Schreiber dieser Zeilen mitteilte, bloss nach Pessach verschoben. Das Pessachfest wollte er bei seinem tiefverehrten Rabbi, Öberrabbiner Duschinski, in Hust verbringen. Nun hat ihn ein plötzlicher Tod von uns hinweggerafft. Er starb in Reinheit. Viele Tausende, Kinder und Greise,, Frauen und Männer, denen er ein aufopferungsvoller Berater und Helfer war, werden heisse Tränen vergiessen über den Verlust dieses Mannes. Alle aber, die ihn kannten, werden ein treues Andenken dem Manne bewahren, dem sie wohl nicht immer folgen konnten, für dessen reines Wollen und genialen Gedankenflug sie aber jederzeit ein Gefühl der tiefen Achtung, ja der Bewunderung gehegt haben. תנצב״ה P. Die Budgetdebatte in der Kultusgemeinde. Der Vorstand "der israelitischen Kultusgemeinde behandelte im Laufe dieser Woche in mehreren öffentlichen Plenarsitzungeh das Budget für das Jahr 1926. In der Sonntag-Vormittag-'Sitzung erörterte der Budgetreferent Reg.-Rat Opp e n h e i m in einem längeren Bericht die Zusammensetzung, und die Bedeckung des Budgets, das mit ungefähr 5 Millionen Schilling Einnahmen und Ausgaben balanciert ist. Die Redner der Parteien kämen in den Plenarsitzungen Montag und ,Dienstag abends ־zu Worte. Die Sprecher der Z i o n i s t e n erklärten, dass sie nur unter der Bedingung für das Budget stimmen werden, falls ein geziemender Betrag für Palästinazwecke, beziehungsweise für den Keren Häjessod votiert wird. Die Vertretung der sozialen Arbeit lehnte das Budget ab und forderte das' angemeine, geheime, direkte Wahlrecht, sowohl für Männer wie für Frauen. Herr Wolf Pappenheim lehnte im Namen seiner Gruppe aus religiösen Gründen eine Bewilligung für den Keren Häjessod ab. Dienstag abends wurde die Generaldebatte geschlossen. Die Generaldebatte bewegte sich im allgemeinen auf einem hohen Niveau. Sie zeigte mit Deutlichkeit, dass die jüdisch-nationalen und die sozialistischen Bestrebungen auch in der Wiener Kultusgemeinde immer energischer ihre Forderungen erheben. Die zwei einander entgegengesetzte Prinzipien: Kultusgemein d'e — Volksgemeinde ringen, wenn auch angepasst an. das wienerische Milieu, doch klar genug, um die Herrschaft. Der grosse Kampf, der besonders in Osteuropa, aber auch in Palästina, in den jüdischen Gemeinden für und gegen diese Prinzipien geführt wird, verpflanzt sich allmählich auch auf Wiener( Boden. Ob zum Vorteil der Gemeinde? Wer könnte es sagen. Einstweilen gelang es nocli, die Kluft mit einem Kompromiss zu iiberbrücken. Die Spezialdebatte fand Donnerstag abends statt. Die Generalversammlung des israelitischen Tempel- und Schulvereines, S״tumpergasse, findet am 28.!März d. J. um 10 Uhr vorrriittags, Wien, VI., Stumpergassc 42, statt.' Aus dem Gebarungsausweis des Vereines ist zu entnehmen, dass die Ausgaben im . Jahre 1925 ungefähr 2 4.0 0 0 S c h i 11׳ r n g für die Zwecke des Vereines wie für Förderung verschiedener Wohlfahrtszwecke ausmachen. An der Spitze des Vereines steht . M. F e 1 s e n b u ׳r g als Präses, Spende für Kßren Hatora. Als Erlös für den Ben-' schenverkauf anlässlich der Purimseuda beim Herrn Oberrabbiner Jos. Adler, Sighisoara erhielt die Keren Hatora Zentrale S 50.—. Flugschrift. Da er •dem Kampfplatz ziemlich entrückt war, zeichnet sich seine Schrift durch Sachlichkeit und Mangel an persönlichen Beziehungen aus. Seine Angriffe sind schonungslos ■und nur da er wusste, dass er mit seiner Meinung nicht vereinzelt dastehe, ist es erklärlich, wie er es wagen konnte, den ,.More Nebuchim“, den er ja nur vom Hörensagen kannte, anzugreifen. Er wusste, dass seine Ansicht eine ganze Schule vertrat und dass seine Stimme nur eine Ergänzung des grossen Chorus darstellte. Sein übertriebener Eifer aber im Interesse der gefährdet geglaubten Religion, der von persönlichen Motiven ganz frei ist, legt Zeugnis ab von der Reinheit seiner Absichten. Er sagt: ״Gott möge verzeihen, dass wir bisher gesprochen haben; aber er, der Ewige, weiss, dass wir nicht um unserer, sondern urn!seiner und der Thora Herrlichkeit willen!handeln.“ Nach seinem Tode blieb seine Familie in Wiener- Neustadt und noch im 15. Jahrhundert finden wir dort seine Nachkommen. .Wahrscheinlich wanderte ein Teil derselben dann nach Ungarn und wir begegnen noch im 18. Jahrhundert Takus Nachkommen in Eisenstadt.4) (Fortsetzung folgt.) 4) Abraham ben Jakob Tachau aus Eisensfcadt s, Wadiste'in, Die II<nschr!i1fte11 des alten■ Judenfriedhafes ■wi Wien, II.!Band; ferner Isak Tadiau, Vorsteher ■der Chewra Kadisüha, und nodh mehrere andere Mitglieder dieser Familie bei- Wachstein. Die Grabschrlften des alten Judenfriedhafes!in Eisenstadt. Lieber die alte J udengemein'de Tachau, aus der Moses Ta kn stammen dürfte, s. Banidy-D/worsky, Zur Geschichte der Juden in Böibmen, Mähren!und Schlesien. ■Eia wirklicher. Nachweis!dar Abstammung ■der Eisenstädter Familie Tacfhau von R. Moses Taku •ist freilich nicht möglich. ־ Rabbinerinstallation ln Eisenstadt. Unter imposanten Feierlichkeiten wurde der neugewählte Rabbiner der aut. orth. israel. ■Kultusgemeinde lin Eisenstadt, Herr Rabbiner Akiba Klein, der früher in Bekes-Csaba (Ungarn) gewirkt hat, in sein neues Amt eingeführt. Nach fast siebenjähriger Vakanz wirkt nun in dieser altehrwürdigen und durch ehie ■glänzende Vergangenheit ausgezeichneten Gemeinde ein Raw, der nach seinem Werdegang, nach seiner bisherigen Wirksamkeit, ausgezeichnet sowohl als Mensch wie als Gelehrter, prädestiniert ist, die Judengemeinde fin Eisenstadt einer glänzenden Zukunft entgegenzuführen. Den Sabbat verbrachte der neugewählte Rabbiner!in Wien, wo ׳er sowohl i,n der Synagoge ■der Schiffschul wie in seiner Wohnung Gegenstand der herzlichsten Ovationen seitens der fiu Wien lebenden Eisenstädter wie anderer zahlreicher Freunde war. Sonntag vormittags traf die Deputation der Eisen- Städter Gemeinde, bestehend aus ■Herrn Rabbinatsassessor Moses K r e t s c h und Gemeindepräses Emil S p r t z ׳e r, ein, um den Rabbiner abzuholen. Die Vertreter der Wiener Kultusgemeinde (Dr. Münz), der Adas Jtisroel (Richter), des Keren Hathora wie der Berichterstatter der ״Jüdischen Presse“ (L. Lederer) schlossen sich bereits ■in Wien dieser Deputation an. Am Bahnhof wurden die Gäste von Vizepräsidenten Mayer Schlesinger empfangen, der den neugewählten Rabbiner in ,herzlichen!!Worten begrüsste. An! der Schwelle •der Judenstadt, die durch die historische Schabboskette gekennzeichnet •ist, empfing den Rabbiner in Vertretung der jüdisoh-politlischen Gemeinde Bürgermeister Emil Spitzer. Vizepräsident der Gemeinde Juda Hirsch ler übergab dem Rabbiner als Ehrengeschenk eine wertvolle Menorah, die die Tätigkeit des!Rabbiners als Lichtspender und Lichtverbreiter kennzeichnen möge. Hieraufwurde der ׳Rabbiner in seine Wohnung geleitet. •Die Vertreter des Frauenvereines waren׳ indes der Gattin des Rabbiners behilflich, das neue Heim wohnlich zu gestalten. Um halb .3 Uhr nachmittags versammelte sich׳ die Gemeinde in dei grossen Synagoge, an deren Pforten Gemeimdepräses Spitzer den Rabbiner erwartete und ׳ihm den Rabbanutbrief in feierlieber Weise überreichte. Zugleich!begrüsste Bezirkshauptmann Dr. Karaker im Namen der Landesregierung den neugewählten Rabbiner. Nach dem Minchagebet bestieg Oberrabbiner ■Klein die Kanzel, um ׳in ■einer von sittlichem Ernst und von gediegener Beredsamkeit getragenen Drascha־ sein Programm zu entwickeln. In der Verlebendigung ■der grossen Vergangenheit der Gemeinde erblickt der neue Rabbiner , seine Hauptaufgabe. ׳Nach der Synagogenfeier empfing ObarrabhÜner Klein die Deputationen der umliegenden jüdischen Gemeinden, von denen besonders Oedemburg wiie Deutsehkreuz sich durch grosse Ab- Ordnungen vertreten Hessen. ■Abends fand ein Bankett zu Ehren des neuen Rabbiners statt. Gemeindepräses Spitzer erörfnete die ׳Reihe der Ansprachen. Ihm folgte dann im Namen der Vd^ener-!Neustädter Gemeinde iKultuspräses Un.sfar, der Deutschkreuzer Rabbinerassessor R. Gold mann.‘im Namen der Freunde, Direktor des orthodoxen Schulwerkes in Budape'st, Dr. Adolf Deutsch, der!in zündender Ansprache auf ■die grosse Bedeutung der richtigen Jugenderziehung hinwies. Jm Namen der Eisenstädter Gemeinde sprach Rabbinatsassessor M. Kt ׳et sch und Herr ■Sandor Wolf. Als Sprecher der Jugend trat Herr Wolf jun. vor. Im Namen der Adas Jisroel und des Keren 1Hathora soiwie der ״Jüdischen Presse“ sprach Herr Leopold Lederer, ■der als Zusammenfassung der vorgebrachten Wünsche die Gründung eäiner Talmud-Thora-Schule als richtige Vorbereitung für die ׳ jüdische ■Zukunft Eisenstadts vorschlug. Sein Antrag fand lebhaften ,Widerhall. Nachdem noch ■Schulpräses Dr. Monat und der Bruder des Neugewählten, Herr Meier Klein׳, warmherzige Ansprachen hielten, ergriff Herr Oberrabbliner Akiba Klein das Wort. Er wolle die in reicher Fülle dargebotenen Glückwünsche als Ansporn auf seinen neuen Weg mitnehmen.' Spät nachts schloss das stimmungsvolle Fest, um ■dessen Gelingen ■Herr Willi Schneider und die Damen Frau, Therese D e׳u t s c׳h. ■Frau ■Oberlehrer Buchsbäum, Frau Wel lisch sich bemüht haben.!Möge die Wirksamkeit des neuen Oberrabbiners von Erfolgen gekrönt werden;, ■ die der grossen Tradition der Eisenstädter Gemeinde würdig sind! Die Berliner Tagung des Zentralvereins. Erregte Debatte über Keren Häjessod. Am 6. März abends •wurde die ׳satoungsgemässe Haupt- Versammlung des Zent!ra11׳ver©i1ns deutscher 'Staatsbürger jii'disehen Glaubens, die alte zwei• Jahre istatitfindet}, durah eine '׳Kundgebung etageteitetodie ■die Deiv.i'se trug: ״Wege z!um Inneren Frieden ׳im deutschen Vaterland.“ Die Kundgebung ׳fand im Ptenarsitizungs'saal des Reichswirtschaftsrates statt. Es wähnten ihr ausser mehreren hundert Delegierten ■des Zentralvereins in ׳Berlin!und im (Reiche eine' grosse Anzahl fnichtjiidisaher Per-. sönlichkeiten, Vertreter1 der Regierung ׳und der Behörden, Beamte, Parlamentarier usw. fei. Am Sonntag vormittag begannen ■die sachlichen׳ Be׳ratungen ■der ■Hauptversammlung. Den Höhepunkt!der Beratungen bildete das Referat des Direktors• des Zentralvereins Dr. L. Holländer. ■Lteber die;innerg'iidIschen Fragen sagte Ein jüdischer Gelehrter der Lebensretter des Kolumbus. In jüngster Zeit wurde wiederholt auf die Beziehungen hingewiesen, die zwischen Kolumbus, dem Entdecker der Neuen Welt, und den Juden in Spanien und Portugal bestanden. Es ist ein seltsamer Zufall, dass gerade zur selben Zeit, wo Mitteilungen in die Oeffentlichkeit dringen, die von der angeblich seit langern schon geplanten Heiligsprechung Kolumbus’ berichten, ein hervorragender spanischer Schriftsteller auch mit der Behauptung auftritt, dass Kolumbus jüdischer Abstammung war, eine Behauptung, die der Historiker in einem demnächst erscheinenden, durch neue archivalische Studien gestützten Werke mit unumstösslicher Gewissheit nachweisen will. Da das Werk noch nicht vorliegt, kann man sich über die Beweiskraft der Dokumente, auf die es sich berufen will, keine Meinung bilden. Ganz neu ist die Vermutung nicht; wurde ja auch schon behauptet, dass auch die Gattin des Kolumbus eine Jüdin gewesen ist. Aber aus dem reichen — auch im nachstehenden benützten — Materiale, das bereits vor Jahrzehnten ein jiidischer Historiker, Kayserling, über ״Christoph Columbus und dem Anteil der Juden an den ־ spanischen und portugiesischen Entdeckungen“ veröffentlicht hat, geht mit Sicherheit hervor, dass Kolumbus vielfach in Berührung mit Juden und Judenstämmlinsen gekommen und vielen von ihnen grossen Dank schuldete. Das ist übrigens auch aus manchen Aufzeichnungen, die der Admiral, hinterliess. ersichtlich. Wenigen Grund jedoch hat man zu der Annahme, dass er dieser Dankbarkeitsverpflichtung auch tatsäohlicli Rechnung getragen hätte. In seinem Testamente ist mit keinem Worte erwähnt, dass unter den Männern in hervorragender Sellung, die nicht nur mit ihrem Einfluss, sondern auch mit ihrem Gelde seine Pläne unterstützten, die meisten Juden waren. Da heisst es bloss: ״Ich habe beständige Beziehungen zu vielen Gelehrten, Geistlichen und Laien, Juden und Mauren und vielen anderen unterhalten.“ Allerdings befindet sich in diesem Testamente auch sine etwas dunkle Bestimmung, aus der Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint mit Rücksicht auf das Pessachfest am 9״ April. _ —״ t״fci11u1a1׳,vci-ci'ii To[׳ n'icint etn verein zur Abwehr des Antisemitismus, ׳sondern ein Verein zur Pflege jüdischer und deutscher Gesinnung. Das 'bringt uns (■in cindn Gegensatz zum Zionismus. Audh׳ wir!halben׳ Ein Interesse an ׳der Förderung!der hebräischen Sprache, aber!wir müssen •die Bestrebungen nach Schaffung einer!hebräischen Weltkultur!bekämpfen. Unsere •Kultur ist deutsdh.!Wir ׳wollen n i; c h t ein e i ״n t e r n a t ■I0 m a le Lösung!der Judenfrage, für uns muss die •Lösung'auf (deutschem Boden., erfolgen. Insoweit der Zionismus für!die verfolgten Juden aus dem Osten die Schaffung eines Natianalheims in Palästina ans treib r, ׳wollen wir nicht gegen ihn auf treten; solche Zionisten sind uns willkommen. Aber nicht ׳jene Zionisten׳, ■die eine deutsche Gesinnung leugnen. Was ׳die Beziehungen 0um Keren H a j e ssod a׳nbetrifft, so sei auf!den diesbezüglichen Beschluss des Hauptvorstandes ihingewiesen,!der es ׳den Mitgliedern freistellt, für den Keren Häjessod zu spenden oder nicht. Zu •Beginn deir darauffolgenfden allgemeinen Aussprache wind ©ine Doppel re solution eingebracht, »die ׳i׳n •ihrem ersten Teil besagt, die! H!a׳uptversammll׳ung billige die ,Politik des Hauptvorstandes und spreche ׳ihm Vertrauen aus. ׳Im ■zweiten Teil ׳wird f׳estg0׳stellf,!dass mit Bezug auf den Keinen! Häjessod /die Hauptversammlung auf dem Böden des am 8. April 192,1 von •der damaligen Hauptversammlung gefassten Entschlusses steht, welcher ׳lautet: Wäre die Besiedlung von Palästina nichts!weiter wie ein grosses soziales Hilfswerk, so!wäre vom Standpunkt des Zenfcralverelns ■aus gegen ׳die Förderung dieses Werkes ■nichts zu sagen. Die Besiedlung von ׳Palästina ist aber i:n erster Linie das ,Ziel der national jüdischen Pol 1׳ t i k, ■ihre Förderung und iU,n te rs tiitiz u ng daher ab׳zulehnen. Solange die sozialen und geistigen Einrichtungen ■des deutschen Volkes und ׳die religiösen und kulturellen׳ Bedürfnissedas deutschen Judentums bitterste Not leide rr, ׳solange 'zahlreidh׳e heimatlos gewordene Juden unsere dringende und augenblickliche Hilfe!brauchen, hat jüdischer Gemeinsdhaftsgeist und Wohltätigkeitssimn überreiche ,Gelegertheii't und Pflicht zu ׳fruchtbarer Arbeit. Rabbiner Dr. A. Cohn s. A• Zu Sabbateingang, am' 5. Nissan, verschied im Alter von 63 Jahren Rabbiner Artur Cohn. Diese Nachricht hat in weitesten Kreisert tiefsten Schmerz hervorgerufen. Mehr als 40 Jahre hat der Verewigte in Basel als Rabbiner gewirkt, ein uner-r miidlicher Kämpfer für das wahre, unverfälschte Judentum. Es war seine erste und einzige Stelle, die er mehh als vier Jahrzehnte mit der ganzen Hingabe seiner Seele verwaltet hat. Gleich nach Beendigung seiner Ausbildung, die er in Berlin am Rabbinerseminar durch Israel Hildesheimer und David Hoffmann erfahren hat, erhielt der damals noch jugendliche Artur Cohn den ehrenvollen• Ruf an die Gemeinde, die nunmehr trauernd an seiner Bahre steht. Lind wahrlich, es war keine leichte Aufgabe, die sich ihm dargeboten hat. Es galt, in Basel, das vorher überhaupt keinen religiösen Führer hatte, den Kampf aufzunehmen gegen verschiedene Strömungen. Mit unerschütterlicher Hingabe hat Artur Cohn seines Amtes gewaltet. Er war ein Führer der Gemeinde im wahrsten1 Sinne des Wortes und hat schrittweise alle die Institu׳־ tionen geschaffen, die eine Kehilla zu einer wahren jüdi-' sehen macht. Und wenn nach seinem Rücktritt vom Amte die Baseler Gemeinde trotz einer starken liberalen Strömung1 innerhalb des Vorstandes, zu seinem Nachfolger wiederum! einen Rabbiner konservativer Richtung nominiert hat, so ist dies wiederum nur ein Verdienst" ihres verewigten Oberrabbiners. Aber Dr. Cohn hat seinen Schaffensdrang über die Bedürfnisse der Gemeinde hinaus in reichem Masse betätigt. Wenn man die Gründer'der Agudas Jisroel nennt, darf sein Name nicht vergessen werden. Es war sein Weckruf, der die Grossen unseres Volkes nach Kattowitz zusammenrief zur Geburtstagsstunde der Agudas Jisroel. Unermüdlich half er, wenn es galt, die Liebe zur Thauro und zum Heiligen Lande zu betätigen. Darum1 erweckt der Hingang dieses seltenen Menschen, dieser1 edlen und grossen Persönlichkeit tiefe Trauer auf dem1 ganzen Erdenrund. ■ ■ Günstige Entwicklung der Poale Agudas Jisroel in Krakau. Krakau. (AJPB.) Die Poale Agudas Jisroel- Ortsgruppe Krakau entwickelt sich ausgezeichnet und | bildet bereits einen wichtigen Faktor im jüdischen Leben׳ dieser Stadt. Die Gemeinde hat kürzlich׳ für die in der Poale Agudas Jisroel organisierten Arbeitslosen einen nennenswerten Betrag zur;. Verfügung gestellt. — Am veri gangenen Purim unternahm die Poale Agudas Jisroel eine , Sammelaktion zugunsten des Keren Hajischuw. man vielleicht schlossen dürfte, dass Kolumbus, als er 1472 nach Lissabon kam, dort׳ längere Zeit mit seiner Gattin in grösster Not lebte, doch nicht ganz die Beweise jüdischer Mildherzigkeit vergessen konnte. In diesem Testamente ist nämlich auch eine Verfügung enthalten, dass ״einem am Tore der Judengasse wohnhaften Juden,'oder demjenigen, den ein Priester bestimmen würde, eine halbe Mark Silber ausbezahlt werde “ Kolumbus wird gewusst haben, warum er wenigstens dieses Juden gedachte. : Bekannt ist, dass Kolumbus nicht nur mit dem auch als Mathematiker berühmten königlichen Leibarzt Joseph Vecinho und ,anderen gelehrten Juden in Lissabon vielfach persönlich, verkehrte. Ihrem Umgänge verdankte er. dessen mathematische und geographische Kenntnisse damals noch sehr geringe waren, eine Bereicherung seines Wissens: durch sie wurde er zweifellos auch auf einige Schriften des Abrdham Ihn Esra aufmerksam gemacht, so auf dessen Buch über die ״Kritischen Tage“, das er sich, wie aus seiner eigenhändigen Notiz ersichtlich, später in Salamanca für vierundvierzig Maravedis kaufte. Bemerkenswert Ist auch, dass Kolumbus nach seinen eigenen Mitteilungen mit so leidenschaftlichem Eifer die Bekehrungsschrift des gelehrten Renegaten Samuel Ibn Abbas aus Marokko studierte, dass er ganze Kapitel daraus exzerpierte. Keineswegs spricht dieses Moment gegen eine, jüdische Abstammung ׳des eifrigen Lesers. Kolumbus läs auch fleissig das alte Testament, und es ist, interessant, zu erfahren, dass er nach seiner eigenen Erfahrung die erste Anregung zu seinen Entdeckungsreisen nicht aus seinen wissenschaftlichen Studien, sondern in einem Kommentar zu den — Prophezeiungen des Jesaies gefunden hatte. Unendlich viel verdankte jedoch Kolumbus einem Werke des gelehrten Geschichtsschreibers Abraham Zakuto, der ihm in einer der gefahrvollsten Stunde sogar zum Lebensretter wurde. ' •Abraham Zakuto, der, wie er in seinem Geschichtswerke ״׳Jochasini“' berichtet,־ von einer;׳ durch .Gelehrsamkeit und Glaubenstreue berühmten Familie abstammte,: hatte sich auch durch seine astronomischen und mathematischen Werke einen grossen Namen gemacht. Sein Hauptwerk, der. ״immerwährende

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