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Jüdische Presse · 1926-03-26 · 13-14 (26.3.1926) · p. Seite 99

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
13-14 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13/14 *ÜDISCHE PRESSE Seite 99 Um _1vunmehr zur Materie übeirzu&Uien, fragt man natürnch, wie niimmst du Stellung zu diesem gewaltigen Problem vom Aufbau Palästinas? Ich möchte sie trocken au.f einen gewaltigen Unterschied aufmerksam machen. Tn der Geschieh He der Kolonisation, seit 3000 bis 4000 Jahren hat es so etwas noch nicht gegeben. Im grossen und ganzen haben sich in der Weltgeschichte Kolon!- sutionen so vollzogen, dass die Pioniere/ wenigstens den Boden erhalten haben, frei und ohne Kosten, und das Land, das die Kolonisten aufgenommen hatte, war froh, soviel Menschenkraft ln seinen Dienst gestellt zu sehen. Oder anderseits — /bei der griechischen Kolonisation — waren es!Menscihen, die pochend auf die Kraft ihrer Faust, auf den Sieg ihrer Waiien, sich ein neues Land suchten und schufen. Dass aber heute ■die Kolonisation eines Landes, wiie Palästina, in den ersten Jahren schon belastet und bedrückt ist mit der Sorge um den Kauf des Bodens, so etwas hat es noch nicht gegeben. Die Verhandlungen sind so schwierig, dass man cs keiner Organisation •ii'bel nehmen kann, wenn siie nach langen Verhandlungen glaubt, einen Komplex erworben zu haben, und morgen hat sie nichts. Diese!• furchtbare Aufwand •an Geld und Kraft, das gibt der ganzen Kolonisation ein anderes Gepräge und!ich kenne keinen Vergleichspunkt überall •in der Welt, in der Geschichte der Kolonisation. Man sieht in den Kolonien — und Sie erwarten von mir die Wahrheit — vieles — was das Herz erfreut, man sieht soviel des Lebensmutes. Man sieht ,natürlich auch viel Ernst •und Sorge. Denn, mein!״ Damen und Herren, von dem wirtschaftlichen Unheil, der momentanen Depression, kann man sich keinen Begriff machen. Denn in Tel-Awiw ist vi׳e!l■ Geld begraben worden, aber das wäre nicht das Schlimmste, aber Hoffnungen und Lebensmut sind erstickt worden, und wenn ich bei dieser Gelegenheit etwas voraus nehmen darf, so möchte ich sagen, diese Depression hat ein Opfer verlangt und das ist der sogenannte Mittelstand. Man setzte ׳die ganze Hoffnung auf die Entwicklung eines Mittelstandes und diese Hoffnung!ist begraben auf unabsehbare Zeit, Soviel Kräfte des Geistes und Goldes sind hinweggeschwemmt worden von den Spekulationen! in Tel-Awiw. Es ist auch heute noch nicht an der Zeit, äibie.r ׳diese Depression und über Tel-Awiw selbst ■eia Urteil abzugeben. Würde sich der ganze Einwandererstrom nach Haifa richten, und diese' Möglichkeit liegt durch den •Babribau •Bagdad—Haifa!sehr nahe, dann weiss ich nicht, was aus Tel-Awiw wind. Dass ׳eine Stadt mit einer Bevölkerung van 47,0000 Menschen sich nicht als Villenviertel von Palästina halfen kann, liegt auf der ׳Hand. Dazu komm: noch׳ ,׳und '•dies ist eine besondere Prüfung Pa!lästlnas, ■dass es eine de!r teuersten Valuten!hat und dass dort das Lieben auch für wenig verwöhnte Ansprüche sehr teuer ist. Wenn man nun weiter geschichtlich •durch das Land geht, so sehen Sie, dass ich Sie bis Tel-Awliw geführt und hiebei 2000 Jahre übersprungen habe. •Diese 2000 Jahre also ■reichen, bis e:wa zum Weltkriege und sind von einem grossen Gedanken getragen, jeder Jude fühlte, wollen wir es ׳ehrlich sagen, mehr wie wir heute eine Verpflichtung, dafür 7.11 sorgen, dass das heilige Land ein heiliges Land bleibe. Die Menschen, welche dort lebten, die waren ein Urbild des Menschen, dessen ganzes Leben ein grosses, fortgesetztes Opfern, eiini;׳ gewaltige!Hingabe ist ׳und!dessen Hingabe ein ganzes Leben bedeutet. Der, Gerechtigkeit willen mag ■ich eines noch erwähnen. Sie alle haben schon soviel gehört von der sogenannten Chaluka. Die Chaluka, das war die Liebesgabe der ganzen Welt für diejenigen Menschen, die ani heiligem Boden nach Reinheit und Heiligkeit strebten. ■Dass es Menschen! waren und auch vielleicht manche mit menschlichen Schwächen begabt, wer wollte cs leugnen? ■Aber gehen Sie einmal •mit mir durch die Strassen Jerusalems, du sehen Sie Waisenhäuser, dass wir uns sclhämen müssen. Ein Waisenhaus, •das a11׳s ■der Chaluka erbaut ■ist, das 600 Kinder fasst, und es ist dort nlichts. nicht ein Stückchen Wäsche, nicht ein! Stückchen Brot,!nidtt le.in Stuhl, der ■nicht im WalsenIbaus selbst verfertigt ׳worden wäre. Es ist •eine wunderbare Anstalt, welche einen wunderbaren Bau! durch die Hilfe der amerikanischen Juden sich errichtet. Sie sehen dann ■Krankenhäuser, altes erbaut •im Zeichen der Chaluka, da sehen Sie ganze Strassen, •sie stammen aus •der Zeit, wo main Pfennig zu Pfennig legte und wo •Jede!jüdische Mutter durch eine Liebesgabe beim■ Saiblbafeingang sich ׳der armen hungrigen Seelen im heiligen Lande lerinnliirte. Wir sehen den •de u t s c 11 e׳n Platz, eine Stadt• für sich, das ungarische Viertel׳, bestehend aus 300 Häusern, ganze Strassenziige, die aus diesen Pfennigen applaniert und gep! lasiert wurden. Es erfüllt uns in dieser Stande tiefster Gebete in Sonetten von Uriel Birnbaum, Versuchung. Schon folgte ich der Lockung niedrer Teufel, Von Tag zu Tag mehr sank in Sünde ich! O Herr mein Gott, schon wagte sich mein Zweifel, O Ewiger, mein grosser Gott, an Dich / Schon widersetzte, überhob ich mich, Nicht fühlend, wie der freche Trotz mich schände — O Gott, was greifst Du jetzt so schauerlich Mir an mein Herz, so dass ich fast verende? O Herr mein Gott, nie hebe Deine Hände Von meinem Herzen; o verlass mich nicht! O Ewiger mein Gott, nie zuieder wende — Nicht wende von mir ab Dein Angesicht! O Stern, der meines Lebens Nacht durchbricht — Stern über mir, lass leuchten mir Dein Licht! O meine grosse Schuld. O Ewiger mein Gott, wie lange schon Verguss in Lärm und Ruhmbegier ich Deiner — Und einstens war ich doch Dein liebster Sohn! Mich machte jeder neue Tag gemeiner, op4»omomom*omo o Telephon 7426«2״ ן Wien I., Graben 12 (8®0"־b“ O I o o o 9 o o dem&Trattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. Trans- ׳ formationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky >eder Dame persönlich haftet. Unsere Einf iihrungspreise sind sensationell billig! 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Täuschen ׳wir uns nicht, ohne Subvention, aus eigenier Kraft, aus •der Steuarkraft des eigenen Landes kann Palästina selbst nicht bestehen und •das soll nicht vielleicht ׳ein! schlechtes Zeichen• sein, nein, ein Appell an unsere Liebe und Treue soll es sein. Das gilt auch mehr oder weniger von allen Kolonien. Wunderbar ist es, was geleistet und gearbeitet worden Ist, wunderbar, was dort an Lebenskraft und Lebenshoffiiung in den Boden gelegt worden ist. Wollen wir van •den /Menschen׳ ,in Palästina Sprüchen, so gehen wir meinetwegen mach Tel-Awiw. Ganz ehrlich gesagt. Ich habe Russisch reden gehört. Polnisch. Deutsch, Jargon und manchmal׳ auch Iwrith, Doch Iwrith! •sehr ׳wenig, ׳da in Tiel-Awiw die Einwanderung stockt. Es bleiben die!Neu-, ankömmliinge einige Zeit!dort und man kann das ,Iwrith! nicht als Sprache auf zwingen■ und es wird! sich auch! nicht so rasch •durchsetzen, da noch kein entsprechendes Schulsystem für diese Elemente vorhanden׳ ist. •Gehen wir nach Jerusalem, da haben wir das Mosaikbild des Galutii. Hier sehen ׳Wir Juden •aus alter!Herren Länder und sie alle stellen ■in gewisser ׳Beziehung ׳ein gesondertes Gebilde dar. Das •ist auch das!innenpolitische Problem, an dem die englische Regierung und die Judenheiit arbeitet, ob cs möglich ist, aus diesen Zellen ein gemeinsames Gebilde zu machen. ׳Man •darf nicht vergessen, es ist rieh!!bösen־ Wille, dass es so ist, und ,man kann und darf hier nichts mit Gewalt ändern. Wird es möglich sein, dieses Mosaikbild schonend in ein Gefüge harmonischer Linien zu bringen oder nicht?;Für diese Verfassung mm ergibt sich noch die weitere Frage: Gäbt es ein Vorbild in der Welt, nach dem gearbeitet würden kann? Sollte nicht der jüdische Geist imstande sein, etwas ganz Neuartiges’ zu schaffen? (Meine׳ hochverehrten Damen und Herren, ■diese Frage mit nein oder ja zu beant- Worten, ׳heisst gleichzeitig ■d!1 e M ö g 1 i. c 51k •e i 1t! einer j ti d •i s c;11 e n K u 11 u r z u vorn e 1 >n e n oder z u b ej abevn. Heute wird zuviel nach dem Verbilde Europas!gearbeitet. Und noch nie hat sich ein Staat, •der der ׳jüdischen Gemeinschaft ,in seiner ,Mitte eine Verfassung geben sollte, vor eine so gewaltige Aufgabe gestellt gesehen, wte die Mandatarmacht England. Ich glaube, dass ׳diese Erkenntnis ,bei allen führenden• Menschen• sehr stark *st, und es_ freut mich, auf Grund meiner dortigen Rücksprache es hier öffentlich! erklären zu können, dass es im Ernst nicht zu befürchten ist, dass nach dem Willen der englischen Regierung irgend ein Gewissenszwamg!in Palästina ausgeübt wird. Wollte G-tt, ׳das», alle jüdischen Seelen die Situation so klar überschauen wie diejenigen, in deren Hände ׳durch G-t.:esfiigung die Gesetz-, gebimg gelegt worden ist. Ich möchte Sie nicht täuschen, meine Damen und Herren, das wird ein ,harter Kampf werden und ich hoffe, er wird ehrlich und e!r wird gross geführt werden. Ich wiederhole, dieser Kampf ist die Frage nach der Stellung und Existenz einer jüdischen Kultur. Ob wir die ׳,Kraft finden, unmittelbar an zu sch Hessen daran, was jüdischer Geist und jii!d i s che s Giesetz über eine Verfassung sagen, oder ob wir uns i!eiten an die sogenannten demokratischen Vorbilder moderner Staaten•, Diese Frage wird umis die Zukunft beantworten. Ich glaube nicht, dass ■es kampflos atisgeihen kann, wenn man einerseit« als Mittelpunkt die jüdische •Autorität, anderseits den Modernismus betrachtet so werden S׳ie sehen, meine Damen und Herren׳, dass zwischen diesem es keine ehrliche Brücke gibt. Man kann wohl zu Kompromissen kommen, ater ■ich glaube, dass der;heilige Boden die Kraft gibt, auch diesen heiligen Kampf in heiliger Form a 41׳ s zu i e ch te 11. Nun erwarten Sie vielleicht, obwohl natürlich das Ihnen bedenklich erscheint, einige Worte über , die Araberirage. Die Araberfrage ist nicht bloss eine Frage, Palästinas, aber es!ist nichts damit getan, wn man etwa sagt, schreibt oder verkündet, dass dieses Bestreben auf Pariarabien oder auf einen Paniislam nur von einer dünnen Oberscihichte der!,nieHigenz verlangt wird. Bewusst, •das mag wohl stimmen, hat nur diese Oberschichte, das Programm, aber i׳m Traume ■für diie Zukunft •der Kinder ha! •es jeder schlichte Bauer. Mit dieser Tatsache hängt auch die 1F,r!a׳ge!der p a I ä s t i u e n s i s c;11 e n S t a o 1 s ׳b ii!rgerschaft zusammen. Man sollte es ■für selb stversitä 111 dl ich halten, dass ein Jude, der sich entscihliesst, nach ׳Palästina zu ziehen, dort zu wohnen, die p a I ä s ö f in e n; s! i s c 111׳ e 8 t a a. •t s b ii r g e rsc '11 a i t ■erwirbt. Doch die Wirklichkeit ,eiiitspr ich t nie 11t den Erlwartungen und die arabischen Zeitungen weisen i!n!höhnischem Tone darauf;hin, ׳dass sich die Regierung ■für Angehörige fremder Staaten so viel Mühe gibt. Doch über kurz oder lang, und dies liegt im Sinne dies Mandates, wird eine Ar׳t!pal ä:s t i nen׳s׳isches Parlament entstehen, das ,zumindest, ,wie bereits־ in Aegypten, •die innere ׳Gesetzgebung in!der Hand hat. Das liegt auch schon eigentlich in ■der völkerrechtlichen •Koinstruktion des• Mandatbegriffe«. Man muss dieser iMöglichkcte klar ins Auge ׳schauen, man muss sich!darauf einstellen und man muss sich darauf vorbereiten. Andererseits ist nicht zu leugnen und nicht zu verkeil,neu, •dass das p e!r s ö n 1 ich 10 V e r h ä l: t- 111is zwischen Arabern und Juden ein relativ freundlieh es!ist. Das 'Bild' ist das (Bild eines Zusammenlebens, allerdings eines Zusammenlebens, das sich mit verhaltenem Schweigen vollzieht. Palästina ist das Land entweder des grossen Schweigens oder der vielen Worte. Ich glaube, dass man gut daran tätie, a lies z 11 u ׳n. t e r 1 a s s e!11, w a s d e n F e ,1! a c '11 e ׳n reizen könnte, der allerdings durch■ die Einwanderung ökonomisch besser gestellt ist, man sollte nicht daran denken, seine Träume durch plötzliche Wandlung zu z!e r 31 ö •r e n. Wollen Sie ׳noch ein Bild des jüdischen Zusammenlebens? Ich habe bereits gesagt, dass die Zell!kenne der einzelnen jüdischen Kreise in strenger Furchung zu erkennen sind, aber nicht die der Gemeinschaft.!Es ist eine Gemeinsdiait. •die sich׳, ich weiss nicht wte, aber nach unseren Begriffen sich micht normal äussert. Sie haben keine Funktionäre, sie gehen lim verschiedene Tempel, aber sie regeln doch!ihre Zusammengehörigkeit, und dies, ich möchte sagen, durch c!1n ungeschrie'beni&s allgemein gültiges!Gesetz. Es haben sich •nun zwei Organisationen an 1di׳e Aufgabe gewagt, ein! lliieluaudeirströmen׳ dieser gesonderten Kerne vorzubereiten. Es ist die zionistische Organisation ׳einerseits,!die Agudas Jisroel andererseits. Den Ruf der beiden kennen Sie, es wäre sehr deplaciert, wollte lieh hier das Programm entwickeln, das sie anwemden. Beide stehen vor einer •harten Arbeit. Es ist zu hoffen: u!nd ׳das isr •etwas, meine hochverehrten Damen und Herren, was!man zur grossen Eime!der jüdischen Gemeinschaft sagen kann: Sieger wird derjeinige!Gedanke •bleiben, der am meisten d׳i׳e Ewigkeitswerte, die im Judentum geborgen, liegen, betont und an das Herz elincs jeden zu dringen weiss. Sagen wir: Das Feld ist offen׳, diie Herzen schlagen •laut, mögen wir l!m •e ihr liehen Ringen demjenigen die Pal!me reichen, der in rechter Stunde den rechten Ton zu finden weiss, und das, meine sehr verehrten •Damen und Herren, das er w artet die M a ׳n d a t!a r m a c h t u n ,d d a s er- Unwürdiger, unzüchtiger, unreiner.... Wann, o mein Gott! stand ich in Deiner Huld? Auf tausend Götter hoffte ich, Du Einer! Ich Narr und Spielzeug meiner Ungeduld! Von meines Herzens Hochmut eingelullt, Verlor ich Dich, Gott! ohne zu erbeben .... O meine Schuld, o meine grosse Schuld! Lass mich ein neues, Dir geweihtes Leben Aus meiner Reue um mein erstes heben — Und dies vergib mir, kannst Du es vergeben! Das letzte Leid. Wer will mich höhnen, dass ich niederbreche, Statt dass ich gottergeben widerstünde? Ja, ich bekenne meiner Seele Schwäche! . . . Stark sein im Leid ist aller Sünden Sünde! Ich beuge mich dem Leid gleich einem Kinde .... Ich bin nicht stark genug, das Leid zu tragen .... Ich sinke nieder, gleich dem Rohr im Winde, Wenn Gott der Herr die Hand hebt, mich zu schlagen .. Zum Leide stolz und trotzig Ja zu sagen Ist Gotteslästerung und Vermessenheit! Nicht aufschrein können und nicht mehr laut klagen, Weil nur mehr winselt jeder Sinn statt schreit — Gott nicht im Leide finden — Gott zu weit — Erst das ist Leid! und dazu gibt Gott Leid! Blicke in die Hagadah. Von Rabbiner Dr. Felix Kanter, Zwittau (Mähren). Die ״vier Söhne“ (ארבעה בנים) ihre Fragen lind die ihnen zu erteilenden Antworten boten zu allen Zeiten den Hagadah-Kommentatoren gewisse Schwier,igkeliten, von denen manche zur Genüge bekannt sein •dürften. Namentlich die Frage des רשע und die ״schlagfertige“ Antwort, die!ihm nach der Hagadah zu erteilen wäre הקהה את ש נ י ח) beschältigte die Hagadah-Erklärer am meisten. Denn vor allem ist es ein ״schlagendes“ Argument, wenn es auch bildlich gemeint ist, noch lange picht geeignet, den Gegner zu überzeugen. Abgesehen davon!ist es nicht einzusehen, warum die Hagadah dem רשע nicht diie Antwort erteilt, die die Thora selbst auf diese seine Frage vorschreibt. Die Frage des רשע!ist bekanntlich im 2. B. M., Kap, 12, 26, enthalten. Anstatt nun ihm die im folgenden Vers 27 enthaltene ausführliche und erschöpfende Antwort zu erteilen, schreibt die Hagadah eiine ganz andere Antwort vor, die im Kap. 13. Vers 8, enthalten ist, und versteigt sich sogar zu der Behauptung, dass er wegen dieser Frage der Erlösung nicht würdig wäre י אלו הי" שם לא הי״ נגאל) Und endlich: Warum wird die in der Thora angeführte und scheinbar harmlos lautende Frage (2. B. M., Kap. 2, 26) ausgerechnet den! רשע in den Mund gelegt und warum wird ihm ׳nicht die Antwort zuteil, die die Thora ihm zu erteilen vorschr!0ibt? Wozu iu die Ferne schweifen? Die Antwort auf all diese Fragen ist sehr einfach. Man beachte den betreffenden Thoraabschnitt (2, B. M.. Kap. 2) etwas genauer. In diesem Abschnitt — namentlich von Vers 21 ff. — sind die Vorschiliften enthalten, die Israel zum ersten Male in Aegypten befolgen und ausführen sollte (Vorbereitung des Pessachopfers usw.). Dies alles muss naturgemäss den in מצרים geborenen und erzogenen Kindern fremd und sogar sonderbar erscheinen. Denn sie werden es zum ersten Maie sehen.

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