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Jüdische Presse · 1926-03-19 · 12 (19.3.1926) · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
12 (19.3.1926)
Date
1926-03-19
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Seite 9V Nr; JÜDISCHE PRESSE General Versammlung der Adas Jisroel Am H März d. J. um halb 3 U11׳.r nachmittags wurde im Turnsaale der: Talmud ■ Thora die diesjährig!.; ׳Generativer- Sammlung der Adas Jisroel abgefhalten. Die. Beteiligung an derselben war ׳eine sehr rege. Es . ist dies ein Beweis, dass alle Mitglieder den Fragen, mit denen die Adas Jisroel sich zu -beschäftigen hat, immer das lebhafteste Interesse entgegenbringen. Lange vor der festgesetzten Zeit war der Saal ׳überfüllt; ׳um ,halb 3 Uhr eröffnete -Obmannstellvertreter Dr. iReiniger die Versammlung!, da der Obmann Herr Kamimerzialrat Siegmiund B 0 n d i infolge seiner ׳Abwesenheit ■vom Wien sich hatte entschuldigen lassen. Der Vorsitzende begrüsstedie erschienenen Mitglieder der Adas Jisroel und die Vertreter der vielen ■Wobltätigkeits-, Fürsorge- und BetGiausvereini;•.;Er .hob 11-ervor. dass dieselben ■durchaus •nijit als ׳Gäste betrachte: werden, da alle diese Vereine mit ihrer Tätigkeit sich im Rahmen der Adas Jisroel!bewegen, somit einen Teil derselben aus-machen. Die •׳Führer dieser Vereine sind Mitarbeiter, denen ■der herzlichste Dank ׳gebührt. Er gedachte ferner der vielen Verluste, ׳die Adas Jisroel׳ durch den Tod erlitten!hat. Die Versammlung nahm diese Mitteilung stehend entgegen׳. •Feraer bagriisste er den erschienenen Vertreter der ׳Kiitinsgemeinde, Dr. Josef Tieho ׳und die Vertreter der Presse. ׳Beim Eingehen in die Tagesordnung machte der Vorsitzende den Vorschlag, die;Punkte 2, 3; 4 und 5 unter einem zur Besprechung zu stellen. Der Vorschlag wird angenommen und das Wort nahm ׳der Referent für den Tätigkeitsbericht Herr Wölf Pa ppe nheiim. Derselbe entwarf ein anschauliches Bild d׳er Entwicklung des Wiener glaubenstrauen Judentums. Mit grossen Zügen zeigte en, wie Adas Jisroel immer' durah ihre Leistungen imicfat nur auf die Wiener Verhältnisse religiös einwirkte, sondern alle Fortschritte denselben wirkten befmuchtend auf den Geist der glaubenstreuen Gemeinden ausserhalb Wiens. Er besprach die einzelnen ׳Arbdtszwerge der!Adas Jisroel. soweit sie .in den;Rahmen dur Tätigkeit des ,Vor-• Standes fallen. Er hob das übergrosse Anwachsen ׳der Tätigkeit!des Rab'binats hervor. Er verwies darauf, dass unsere Untenrieihtsanstaiten auch für die verschiedensten Bezirke in Wien vorbildlich waren. ׳Die Schechifall kann ■als• Masstab des Vertrauens' der- Wiener •'Judenschaft angesehen ׳werden, da 40 ׳Prozent• der gesamten koscheren Scheabitah von. uns beigestellt wird.. 1Fe׳r!ne,r!besprach •er die rnauiniigfaltigen Fürsorge-■ und Wohltätigkeitseinrichtungen, ׳und ■ besonders ihenvorauheben wäre die Russland- :und •!DeutscWandMlfe• and ■dfc•׳ Aktionen kleiner Gruppen zur iHrliefeistamg ׳in ■ einzelnen!Fällen. Alle diese Leistungen sind nur möglich׳ durch das ׳einmütige Zusammenwirken aller Teilte und er sprach den Wunsch aus, dass •die ׳freundschaftlichen ■Beziehungen ׳der Adas Jisroel zu den anderen orthodoxen ßethäusern1, mit denen wir in. •innigen Beziehungen ,stehen•, sich ׳zu einer festen Vereinigung gestalteil möge', damit dieselbe!die ׳Grundlage bilde für eine S e I bständ 1 •g ge st a 111111׳1־ g d׳ e «r g 1 a 11 Ib e!n s tr e 11 ׳e!11 J 11 d e.n- ■ schart'. Nachdem Herr Pappenheiim unter lehhaiftem BeiifaM■ geschlossen hatae.'erhielt ,Herr Stern das Wort zum Bericht über den Rechnungsabschluss. An der Hand •der Ziffern zeigteer •die ,Entwicklung;der Adas Jisroel; die trotz der 'Ungunst der Verhältnisse sich stets in aufsteigender Linie .bewegt, obwohl die an sie gestellten!Forderungen für ׳.wohltätige- Zwecke und' für ׳die Förderung1 van jüdischen Angelegenheiten,' ׳die ■von' ausserhalb der Adas Jisroel ,stehenden ,Kreisen ׳in- Anspruch genommen werden, stets wachsen. Das Bewusstsein!, dass• die Wirtschaftskrise ■der Opfe,Fähigkeit der 1Mitglieder bestimmte Grenzen •’zieh:1, zwingt ׳zu Vorsicht un׳d‘ Sparsamkeit,. ׳Herr. Moritz L-eitner begründete namens des Vonstandes■ •dessen Antrag: ' ־ - . '. Der ׳Mitgliedsbeitrag wird vom Vorstände in der von' ihm geeignet erscheinenden Weise für jedes einzelne!Mitglied' bestimmt. ’ Als Mindestbeitrag hat der Betrag von■ S •12 für das Jahr zu gelten. Ferner soll künftighin die Bezeichnung K, wie sie im § 4 der Statuten angeführt ist, valorisiert geilten. Namens der Revisoren 'berichtet' Herr Sigismund 1F ׳i g ,d 0 u, dass idteseliben d׳ie Büoheir. Rechnungen!und .sonstigen Vormerkungen und Belege‘ geprüft und ׳vollständig in der musterhaftesten Ordnung gefunden!haben.* Er beantragt, ׳dem.! Vorstand ׳das A b s 011110 r i u m m erteilen. lim Verlaufe der Diskussion, die sich ansohliesst, spricht •Herr Leopold Le ׳de r׳e,r dein Vorstande für seine umsichtig;: und erfolgreiche Tätigkeit den Dank aus. Er hebt ׳die verschiedenen Leistungen auf •den mannigfachen Gebieten hervor und spricht -den Wunsch aus. dass die Adas Jisroel mit aller Energie alles daransetzen •müsse, sich endlich eine eigene Mikwah zu errichten. Herr Bermann regt an. dass im Bedarfsfälle der Vorstand ermächtigt wende, •den ׳Mitgliedsbeitrag auf S 5.— jährlich!heraibzusetzen. Der Berichterstatter macht ihn darauf aufmerksam!, dass dies bereits vorgesehen sei. Der Vertreter ׳der Kultiiisgemeitide Dr. Tieho erklärt, die Leistungen der Adas Jisroel nicht erst aus dem Bericht, sondern bereits ■durch eigene Anschauung zu kennen; die Anerkennung und das Lob, das er aus diesem Grunde ,denselben zollen müsse, ist um so vollständiger und gerechtfertigter. Die Arbeitsleistung und ׳der Erfolg der Adas Jisroel müsse jeder .Gemeinde zur Ehre gereichen. Herr Pappenilieim dank:׳ dem Vertreter der Kultusgemeind:;• für die herzlichen Worte. Es ist ja bekannt, ׳dass die Adas Jisroel bei ■Herrn Dr. Tieho geredrtie Würdigung -immer finde. Aus diesem Grunde stellt er an ihn das Ersuchen, die Adas Jisroel i n; 1׳ h r e n 6 e s t r e b 1׳! n g e m. die re 1 ׳i g i ö s e n A n g e :1 e g 1;; 11!11.!e 1׳ teil s e 1 b s t ä n ■d i g verwalten und regeln zu können, wärmste ns zu unterst׳iit׳ze׳n. Dr. Tieho erwidert, dass die ganz hervorr a g enden Leist 11 n g e n u u d d i e Ent w i c k 11111 g der A d a s J i s r 0 e 1 n ■1! r möglich sei e 11 1 rn Rah m e ׳n d e r grossen Ge ׳me Ln! ׳de, die durch die Adas Jisroel a n gespornt w i׳ r d, a u f d •3 ׳m r e I i g iö s e n G e b Fete stets dem, Streben der r e iilgiö se׳n!Richtung 0000000000#000«0«00090000C o Telephon 74-2*26 Telephon 742*2״ß o § Wien, I., Graben 12 demTrattnerhof) Telephon 7426י2י o Teleohon 74*2-26 O o 1 o o § i 9 O o I o o I o Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. Schönheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u. 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Auch die Adas Jisroel selbst ist durch die B 3 r ii 11 rmng mit de,r Grossgemeinde zu .ausdauernder Tätigkeit an geregt, vvä!1 ׳r e 11 d s ie, auf sich a 1!Le in gestellt, v e reinsamen, um nicht zu sagen verdorren vv ii r d e. Er empfiehlt,, derartige Bestrebungen zuriickKnsteilen. Bei den ,hierauf vorgenommenen Abstimmungen werden die Anträge der Revisoren (Absolutorium) sowie der Antrag wegen Bestimmung des Mitgliedsbeitrages und ׳der ■Antrag Lederer (Da'nk an den Vorstand) einstimmig angenommen. Sodann stellt D.r. Re i n i n ge r namens des Gesamt- Vorstandes den Antrag, das Ehrenmitglied der Adas Jisroel, ׳Herrn Ma rktis ׳Bond i, d;;r am zweiten Pessachtage sein 95. Lebensjahr Vollender,!in besonderer Weise dadurch! zu ehren, dass man ihn zum ׳dauernden Eh re npr ä s id e!11 e n der Adas Jisroel ernennt.!Unter stürmischem!Beifall wird dieser Antrag e i n s t im m i g angenommen. Bei den ■daun ■vorgenommenen Wahlen werden die Herren, Ignaz Back. Jakob F-ucIbs. ■Bernhard Klein, Moritz L e i t!11 e r, Wolf P a p p e 11 h e i m, Josef S c 111׳ c k, Nathan Schiff wiede r-, die Herren ׳Leopold Richte r. Joachim Wosner ,zu Vorstandsmitgliedern ■neu gew äh 1 f. Zu Revisoren werden gewählt •die!Herren Sigismund Figdor, Bernhard Hof baue,r. Artur Sputz. Zum Schlüsse dankt der Vorsitzende Dr. Reininger der Versammlung für ׳ihre Aufmerksamkeit. Er führte aus. daas die Adas Jisroel ihren alten Grundsätzen •stets treu bleiben wird und •das Ziel, •das ih׳r gesetzt ist. die vollständige Unabhängigkeit und selbständige Regelung der religiösen Angelegenheiten .im Rahmen dieser Gemeinde niemals aus idem Auge venlieren wird. Eine Vereinsamung braucht man nicht zu fürchten. Der Leitsatz des ersten Jahresberichtes der Adas Jisroel war' רה׳ ראשיתך מצעי־ ואה־יתך ישגה מאד Diesen Satz müssen wir so übersetzen׳. Wir stehen jetzt noch an einem bescheidenen Anfang, ■und das Zie, das wir uns gesetzt haben, ist weit •und gross. ®I NACHRlCgfÜK -- - ---■- Die Zentenarfeier des Wiener Stadttempels. Den Auftakt zu den Festlichkeiten anlässlich des 100jährigen Bestandes des Wiener Stadttempels bildete■ eine Festsitzung des Kultusvar- Standes. Die Festsitzung wurde vom Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick eröffnet, der die Vorschläge des Präsidiums •in!beeng auf ׳das ,würdige!Begehen :d!;!r iHundertjahr-' feier vorlegte. Aut Grund •dieser Vorsdüäge wurde einstimmig beschlossen, dass das 100 Jahre alte Statut des Bethauses in 300 Exemplaren faksimiliert und allen Persönlichkeiten, die sich um die Wiener Kultusgemeinde verdient gemacht!haben, über'-' reicht werde.• Ferner wurde die!historische Kommission beauf-׳ tragt, eine Geschichte der Wiener Judengemeinde für die Jugend zu verfassen, die noch in diesem Schuljahre an die jüdischen Schulkinder verteilt werden soll. ׳Anschliessend an die Fest-• Sitzung fand im Stadttempel ein Festg-ttesdienst statt, dessen' Programm genau• dasselbe war, wie bei der Einweihung des Tempels vor 100 Jahren, ln Fortsetzung der Festlichkeiten fand' Mittwoch abends im grossen Sophiensaal eine imposante, in׳ ihrer׳ Grosszügigkeit überaus eindrucksvolle Festver.sa.mm־ lung statt. Bundespräsident Dr. Hainisch!, Polizeipräsident' Schober, Kultusminister Schneider und• Sektionscliei Löwen stein wurden vom. Präsidium der Kiiltusgemeinde im kleinen Saal empfangen. ׳Nach der ״ ־Sekuntala“-Ouvertiire von Goldmark, hielt Präsident Professor Dr. Alois;Pick eine Be-, griissungsansprache, in der er den Vertretern der Regierung, sowie allen Gästen fiir ihr ,׳Erscheinen herzlich dankte. Der Vize- Präsident׳ ■der ׳Kiiltusgemeinde, Dr. Jakob Ornstein, versuchte in seiner Festrede eine fassliche Darstellung der Geschichte der politischen, sozialen und; r31igiösen Verhältnisse der Wiener Judenschäft zu geben. Eine Festnumnier der ״Menorah“. Aus Anlass!der Hundertjahrfeier tde׳s Wien!;:!• Stadttempels!hat die!Monatshöhung der Sicherheit, ein Beamter von höherem Range sein. Der Jud'enrichter, der Zeremonienmeister, ja sogar der Reichshofmeister siegeln Urkunden. Juda Gunzenhausen stellt im Jahre 1403 eine Erklärung aus, dass er nie. mehr die Heilkunst ausüben werde, und beruft sich zum grösseren Nachdrucke auf ״Zaphovas paneach“, wahrscheinlich צפנת פענה (?); diese Urkunde ist von Friedrich Waise dem Hofmeister von׳ Oesterreich, gesiegelt. ■Der Verlust des Siegelrechtes ist daher gleichbedeutend mit dem Verluste des Personalkredites, wo nicht gar mit einer Entmündigung. Die älteste Wieiier-Neustädter Urkunde ist aus dem Jahre 1383 und von Schmarjas Sohn Isaks, und Abraham, Isaks Sohn, ausgestellt• Dieser Brief ist an Paul Heiden und seine Frau Klara gerichtet und lautet: ״Wir Unterfertigten geben fiir uns und unsere Erben jedem,!der diesen Brief sieht .oder von ihm hört, bekannt, dass der Brief, welcher uns auf das Pfand des Bürgers Paul Heiden und seiner Frau12) Klara 60 Wiener Pfund als Kapital und 12 Pfund an Zinsen zuerkannte, ungültig und ausbezahlt ist und dass sie uns auf diesen erwähnten ungültigen Brief nichts, dagegen auf das Pfand aus dem Jahre 142 (1382) 72 Wiener Pfund schulden. Als Bekräftigung und zum Beweis hiefiir übergaben wir dem genannten Bürger, seiner Frau und seinen Erben diesen Brief. Heute, Montag, am s 21. VmmimuiS 143 (21. Juni' 1383).“ ‘ Hier sei erwähnt, dass das Datum in der der Urkunde beigegebenen Klausel falsch ist, da tatsächlich der 21. Thammus 5143 auf einen Montag fiel. In dieser Urkunde haben wir einen sogenannten Qegenbrief vor uns, durch den der erste Schuldbrief (über 60 Pfund Kapital und 12 Pfund Zinsen) ungültig erklärt wird, so dass nur 72 Pfund zu zahlen sind. Es handelt sich um eine Zuschreibung der Zinsen an das Kapital zur Sicherstellung der Zinsen, da man mit den Zinsenansprüchen der Juden leicht fertig zu werden 12) Eigentümlicherweise steht hier statt אשתו durch Einkeilung eines כ der Ausdruck אשפתו, was. vielleicht durch einen Ausdruck des Talmud Jeruschalmi (Kethiiboth 27 e) erklärt werden kann. pflegte, indem man sie einfach durch den Herzog ״töten“ Hess. Dies geschah zwar oft auch mit dem Kapital in Eriedenszeiten, aber doch!nicht so oft wie mit den Zinsen. In der Klausel steht irrtümlich 80 statt 72. Nichtsdestoweniger dürfen wir die .׳Klausel nicht etwa für einen späteren Nachtrag halten, da die Tinte dieselbe ■Färbung wie. im Texte hat und auch die Verfallszeit (Pfingsten) genannt wird, was im Texte fehlt. In der oben mitgeteilten Bestätigung steht die Jahreszahl sogar nur in der Klausel, woraus mit Bestimmtheit hervorgeht, dass die Klausel zugleich mit der Urkunde ausgestellt wurde. Diese Gepflogenheit, hebräische Urkünden mit deutschen Klauseln zu versehen, scheint •nur in Wiener-Ne׳ustadt bestanden zu haben, da wir!sie weder in Pressburg oder Marburg noch in anderen Ländern vorfinden — soweit solche hebräische Urkunden überhaupt bekannt sind.1״) Dass diese Urkunden in Wiener-Neustadt der amtlichen Evidenzhaltung unterworfen waren, ist aus den Klauseln und aus dem Umstande, dass sie im städtischen Archiv erhalten blieben, mit vollem Rechte zu folgern. Uebrigens finden wir in der Steiermark im 15. Jahrhundert dasselbe Verfahren, das sich auf folgende Verordnung gründet: ״In ' den ' gerichten zu Judenburg, Gratz, Marchburg und Ragkersburg (Radkersburg) ain yegklicher Jud seine briff all jarzeit pracht14) für die selben gericht und •tond15) die öffentlich melden.“ . Diese Verordnung nennt Wiener-Neustadt darum nicht, w׳eil die Frage, ob Wiener-Neustadt z׳u Niederösterreich oder zur Steiermark gehöre, damals schon entschieden war. Das ״judenpuch“ im 15. Jahrhundert war auch ' eine derartige Einrichtung. Die Schulden, auf die die Juden Anspruch erheben konnten und über die wahrscheinlich auch Schuldbriefe im Besitze der Juden waren, wurden beim Richter im Judenbuche eingetragen. Auch Wiener-Neustadt besass ein׳ l:i) Hebräische Urkunden aus Spanien, die in ihrer^ Diktion vollständig unseren gleichen, sind in der Revue des Etdues juives ׳IX. wid IV. veröffentlicht. Das ״Sidur Jmen“ (Berliner Hofbibliothek) hat ebenfalls Urkunden aus dem' 15. Jahrhundert erhalten.׳ •; 'brachte. " ■ ' ־ ׳ 15)tun. ■ ־ solches Judenbuch.1") Man hat aber wohl zwischen amtlichen und privaten Judenbüchern zu unterscheiden; diese ,dürften Aufschreiibungen׳ einzelner Personen über ihre Forderungen darstellen und wohl auch einige Beweiskraft besitzen, da Friedrich V. im Jahre 1478 dem Wiener-Neustädter Richter Andreas Grauer ans Herz legt, die Bücher der Juden Josef und Salomon Vosel,' die in Kriegszeiten mit seiner Erlaiubnsi nach Oedenbarg gewandert waren, eitrigst suchen zu lassen. Das amtliche Judenbuch hatte wahrscheinlich den Zweck, Urkunden, die der Gläubiger noch zur Eintreibung' der Schuld benötigte und die man daher bei Gericht nicht verwahren konnte, in Evidenz' zu halten, um sowohl Ue:bervort׳ei׳l׳ungen des Schuldners als auch ein Ableugnen der Schuld dem Gläubiger gegenüber zu verhindern. Gegen das ״Brieftöten“ half natürlich auch das Judenbuch nicht. Da Schuldischeine nicht öffeiitlicih verwahrt wurden, ist es auch erklärlich, dass sich unter unseren Urkunden keine einzige derartige befindet. Nur solche Urkunden, die für ׳den Gläubiger entbehrlich waren, deren Aufbewahrung jedoch für den Schuldner von Bedeutung war, wurden amtlich aufbewahrt. Im 246. Abschnitt des steirischen Stadtrechtes heisst es: ״wann ain Christen stirbt, so sullen desselben erben in meins herren Land ze Oeterreich in der Schul der Juden ze Wien, zu der Newnstat, ze Chrems haissen rufen, ob er chäinem Judengelten sül, daz der Jud für chorn oder meid die geltschuld. Es ensol auch der jud in demselben jar und der Christen stirbt melden die geltschuld chundleich. Tut daz der Jud nicht, so sol der Christen furbaz ledig sein von den Juden seiner geltschuld.“17) Daher musste in Wiener Neustadt, wo zusammen mit Wien und Krems ein Obergericht für die 1B) Archiv für österr. Geschichtsquellen X. 896. Dieses ,,,.hid'enpuoli“ ist woihl :identisch mit׳ dem ״Über Jaideorum“, einem jüdischen Grundbuch, dessen Original sich im städtischen ׳Archiv von Wiener-Neustadt befindet (abgedrudkt von Schweinbürg :in der Revue des Etudes juives). Bin Wiener judenbueb veröffentlicht Goldmann, Das Judenbuch der Scheffstrasse zu -Wien (Wien 1908). . 17) Bi'schoff׳, Steiermarks Landrecibt des Mittelalters (Graz 1875).

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