Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 12 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 90 JÜDISCHE PRESSE Nr. n und ermächtigt den High Commissioner jedoch nur in bezug auf die Regelung der bereits unter der ottomanisclien Regierung anerkannten Religionsgesellschaften. Würde also eine Sonderstellung -der ireligionstr.aien J-uden zu ■einer Anerkennung einer neuen Religionsgesellschaft •führen müssen, so könne dieser Akt nur in London zum Abschluss gebracht werden. Die Ausfüihrungsbestimmungen zum neuen Gesetz werden seitens des High Commissioners in allernächster Zeit zur Aeusserung den interessierten jüdischen Organisationen übermittelt werden. Schon jetzt jedoch kann man sagen, dass e i n Zwan g z ur Zugehörigkeit zu der J c w i s 11 C 0 mm u n i t y in keiner Weise geplant sei. Es dürfte d i e A n g e 1 e g e n h e i t der Orthodoxie d -e r ganzen Welt sein, ihre n G e s i n 11 u n g s g e n 0 s s e n i n P a 1 äs t i n a bei der weiteren Entwicklung der Dinge tatkräftig z u. r Seite z 11 s : e 11 e 11. Es sei ausserhalb jeden Zweifels, dass die englische Regierung, nachdem sie von der nationalen Gruppierung der Juden Abstand genommen habe, von der religiös begründeten, staatlich gewollten und genehmigten Organisation nicht Abstand nehmen könne. , Unser Berichterstatter ging dann auf Fragen Wirtschaftlichter Natur über. D.r.!Kohn sagte!hierüber etwa ׳folgerndes: In wirtschaftlicher Beziehung möchte ich mich vorläufig eines Urteils enthalten, da ich es für ungerecht halte, den Eindrücken, die man in einer Zeit der iurchtbaren wirtschaftlichen Depression empfangen habe, das Gepräge der Allgemeingiiltigkeit zu: geben. Was zunächst Tel-Aviv anbetrifft, so sei dessen Schicksal von dem Schicksal der Hafenfrage abhängig. Kommt der Hafen nach Haifa, so muss sich Tel-Aviv vollkommen umstellen und auf all die wirtschaftlichen iQuellen verzichten, die in einem Angelpunkt der Einwanderung strömen. Uebrigens sei auch in Haifa eine jüdische Siedlung, die einen sehr soliden Eindruck mache. Vorläufig sei Haifa der Mittelpunkt der Industrie. Bewundernswert sei allüberall die Ausdauer und Ho f f n u;n gs kr a f t der Kolonisten. ׳Man könne über Kolonien ein allgemeines Urteil . nicht fällen, da die Gegenden von Palästina nach ihrer Anbau- und Ertragsfähigkeit auch verschieden beurteilt werden wollen. Unter den augenblick- liehen Verhältnissen sei eine ׳Einwanderung zweier Klassen von Menschen zu empfehlen,׳, und zwar solchen, die. gen ii g e n d e s K a p i t a 1 h a b e n, u m das 2 r s t e J a h r der 'Kolonisation .z u ii b e r d a u e r 11, u nd solchen, die zur :harten Arbeit entschlossen sind. Die Arbeitslosigk-eit sei gross in Tel-Aviv, während in Jerusalem, wenn . auch nur für Kurzarbeit, Beschäftigung vorhanden sei. Die Aguda wird auch unter -diesen schwierigen Verhältnissen ihre stete und rulhige Arbeit fortsetzen, und es besteht kein Zweifel, dass dem . ׳Ernste des Wollens der Erfolg entsprechen wird. Mit dieser zuversichtlichen, würdigen Aeusserung schloss Rabbiner Dr. Kohn seine Ausführungen. Einjähriger Handaiskurs Wiener Einjähriger Handelskurs Talmud -Thora - Schulverein Volks- und Bürgerschule für Knaben und Mädchen Wien, II., Malzgasse 16 Oest.Postspark.-Kto.182.lB9 Spendet für das älteste und grösste Jüdische Schulwerk Wiens! Die Juden in Wiener-Neustadt. (Fortsetzung.) L. Moses. Die Urkunden sind nur mit Unterschriften versehen, jedoch nicht gesiegelt. In Oesterreich durften -d'ie Juden zu dieser Zeit Siegel nicht mehr verwenden, ebenso in -der Steiermark. Ausser diesen Urkunden in Wiener-Neustadt ist in Oesterreich nur eine ׳einzige derartige Urkunde bekannt, ״berüff brift vmb Das sigill .in der Jude.nschüH zu Judenburg“ ist ihr Titel und sie ist ebenfalls imgesiegelt. In Pressbnrg zeigen unsere Urkunden im 14. Jahrhundert Siegel; im 15. Jahrhundert aber, wie unsere Urkunde Nr. VII zeigt, weisen sie keines mehr auf. Bei der übertriebenen Gewissenhaftigkeit, mit der in den hebräischen Urkunden sogar Tintentropfen, Radierungen, Biegungen des Häutchens und Nähte aufgezählt werden, wäre gewiss auch ein Siegel in der Kopie erwähnt worden, wenn sich auf dem Originale eines, befunden hätte. In Wiener-Neustadt durfte zwar auch kein Siegel gebraucht werden; wir finden aber dennoch mit Bildern versehene Siegel ohne Aufschrift, wahrscheinlich nur für den Privatgebrauch auf Briefen u. dergl. So zeigt uns der später noch mehrfach zu erwähnende Josef Haustettener auf einer Seite seiner Handschrift1) in hübscher Nachahmung das einen Löwenkopf darstellende Siegel Isserleins. Auf den nichthebräischen Urkunden jener Zeit finden wir im Gegensatz hiezu keine Unterschrift und nur ein Siegel• Das Verbot des Siegels setzt jedenfalls voraus, dass die Juden im allgemeinen schreiben konnten. Diese Kutiist war patürlieh manchmal ziemlich primitiv, was die jüdischdeutsche Bestätigung,- welche hier in Uebertragung folgt, beweist. ״Ich liephart jud2) b’ken, das der bats3) l) Leket Joscher, siehe oben. ־') Der Wiener-Neustädte r Simon Liephart und sein• Bruder sind schon im Jahre 1478 bedeutende Kaufleute und stehen mit dem Hofe Friedrichs V. (III.) in Verbindung. של פסח WEINE כ ש י Riesling / Karlowftzer / Tokayer etc. äusserst billig bei RESTAURATEUR S. MAYER SOHN Wien, II., Haidgasse 10 Im Funkschen Lokale Die Lage des jüdischen Kolonisationswelkes in Russland. Offizieller Bericht der Regierungskommission für jüdilche Landansiedlung. — 2.75 Millionen Juden in Russj land. Die Regierungskommission für jüdische Landansiedlung Comzet erstattete dem Präsidium des Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion Bericht über den Fortgang des jüdischen Organisationswerkes in den Ländern der Sowjetunion. Dem Bericht ist zu entnehmen: Als Comzet am 29. August 1924 auf Grund eines Dekrets des Zentralexekutivkomitees ins Leben trat, wurde das Ziel festgesetzt, dass 100.000 jüdische Familien in konzentrierter Form der Landwirtschaft zugeführt werden sollen. Laut den letzten Zählungen leben in den Ländern der Sowjetunion ungefähr 2,750.000 Juden, u. zw. 450.000 in Weissrussland, ungefähr 1,750.000 in der Ukraine, der Rest in den übrigen Sowjetländcrn. 200.000 Juden sind Mitglieder der Gewerkschaften, 120.000 widmen sich nichtstaatlichen produktiven Berufen. 1,750.000 sind Handwerker, Kleinhändler und Menschen ohne einen bestimmten Beruf. Zieht man in Betracht, dass in der Vorkriegszeit die Händler 38,05 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung ausmachten, während auf Berufslose und Bettler 7,16 Prozent entfielen, so dass insgesamt 45,81 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung nichtproduktiven Berufen angehörten, so kann man die Verhältnisse von heute so beurteilen: Mehr als die Hälfte der heutigen jüdischen Bevölkerung, die den Gewerkschaften und der Bauernklasse nicht an ge־ hören, sind Kleinhändler und Berufslose, während die andere Hälfte aus Handwerkern besteht, die'sich in einer schlimmen Lage befinden und wegen dauernder Arbeits־ losigkeit dem Hungertode preisgegeben sind. Diejenigen, die * Arbeit haben, verdienen weniger als 20 Rubel imv: Monat. Eine solche ökonomische Struktur der jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion, wo die Industrie konzeniriert und zentralisiert ist, ist unhaltbar. Wenn nicht durchgreifende Massnahmen zur Ueberfithrung der jüdischen Massen in produktive Berufe durchgeführt werden, so muss ein sehr grosser Teil dieser Bevölkerung an Hunger und Degeneration buchstäblich zugrunde gehen. Solche Mass־ nahmen sind aber nicht nur im Interesse der jüdischen Massen, sondern auch zwecks wirtschaftlicher Gesundung derjenigen Unionländer, in denen die Juden in Massen ' leben, notwendig. Der Beschluss von Comzet, 100.000 jüdische Familien mit 500.000 Seelen der Landwirtschaft zuzuführen, ist also vom Interesse des Staates gefasst worden. Der Plan für 1924-25 war a) Ansiedlung von 3000 Familien in der Ukraine, und 1000 Familien in der Krim, b) Ansiedlung von 1200 Familien in Weissrussland und 224 Familien im Homeldistrikt; insgesamt also 5424 Familien, für die 102.500 Desjatin Boden bereitgestellt wurden (50.082 in der Ukraine, 40.000 in der Krim, 10.000 in Weissrussland, 2411 in Hornel). ״ Während des Budgetjahres Oktober 1924 bis September 1925 haben nur 4373 Familien mit 24.108 Seelen von dem Siedlungsangebot Gebrauch machen können. Die besiedelte Fläche betrifft 67.855 Desjatin. Im Chersondistrikt wurden 2241 Familien mit 12.945 Seelen auf 37.482 Desjatin; in Krivojrog 542 Familien mit 2786 Seelen auf 9250 Desjadin; in der Djneprgegend 158 Familien mit 800 Seelen auf 407 Desjatin angesiedelt. In der ganzen Ukraine wurden demnach 2941 Familien mit 16.531 Seelen auf 47.139 Desjatin angesiedelt. Hier wurde also der Plan zu 98 Prozent verwirklicht. In der Krim wurden 305 Familien mit 1708 Seelen auf 8320 Desjatin angesiedelt, also nur 30 Prozent des vorgesehenen Planes. In Weissrussland siedelten sich 903 Familien mit MIBtMilllW'MMHHIUUttMliBWilffllllMlliMBMMBBB ..־"־ .. .HBMH fart (fahrt) schuester (Schuster) pirger (Bürger) zu der uaistott auf des saz4) dez lebl judn haus vegen k’zolt (gezahlt) hat, un ich der auszug (ziehe aus) firpas (fürbass)׳'־), g’sogt (gesagt) for di, dos sol im und sein erben an0) schoden sein, dos glaub7) ich liephart in gegenwirtikat (Gegenwart) bei erbern (ehrbaren) von9) •hern gaisparn hoizr0) die zeit grundher traulich nn (und) ugiferlich (ungefährlich?). Geschrieben am dritten ( Tage des Monats Tebeth. Dies sagt Zeichil.“10) 3) . Diese ׳Urkunde ׳ist anal! bei Schwieinlburg ׳in der ׳Revue des Etudes ijuives XXVIIJ veröffentlicht; dort llnefest׳ es: .. . דאס דער האנס פארט —,richtig also: ..Der Schuster Hans Part“ (oder Bart) — שוסטער פיוגעו צו דער ניאושטאט אויף דען זאטץ לעבל יודען הויז בעצאלט האט אוגד איסט , איהם דער אדזצוג פירפאם מגט דאז זאלל איהם אונד זיינען : ערבען אן שאדען זיין דאם’נעלאב איך ליעפהארט אין גענענווערטיקייט דעז ערבארען ווייזען העדרן נאשפארן . הולצער דיא צייט נרונד הערר טרייליך אונד אוגגעפערליך נכתב יום ג׳ טבת נאום ציכרל; 4) Satz Satzpost oder Hypothek. ש) firpas ifiirbaz, mhd., fernerhin. °) Soll wohl besser heissen: ohn (ohne). 7) besser: gelob'. *) besser: weisen. 8) Caspar Holzer 1499 Bürgermeister von Wiener- Neustadt. 10) Ziehe rl, vielleicht Zacharias,!ist wahrscheinlich der ■jüdische Schreiiber: ״treulich und ungefährlich“ ist als Formel wohl gleichbedeutend mit dem hebräischenDU^V^הבל ungevaerlich redlich, aufrichtig (Lexer. Mittelhochdeutsches Handwörterbuch.) Der Autor gibt im Anhang die Urkunde wie folgt wieder: איך,ליעפהאוט יוד בקען רז דר זאטץ פארט שועשטר פירנער צו דער ניאושטט אויך דיז זאץ דיז לעכל יודן חווז פינן גאנץ בצאלט האט און איך דער אויזצוג פירפאז נצאנט פר די דז זול אים אונד זיין ערבען שאדען זיין ח גלויב איך ליפחארט אין נענען ווירטיקאט ביי ערברז וויינן העדן נאשפארן הולצר די צייט גרונדיזעור טרייליך אוגד אונניפארליך נכתב יום ג׳ טבת נאום צייכיל Die deutsche Klausel, die vielleicht erst ein späterer Schreiber hinzmgefügt"hat, ׳lautet: ״Das ist ein ׳jüdisches!Quittung dies Lieppharts J׳ud an Patz ab Zeichlin׳ dis Haus partz Schustr di do laut auff Zimpfein׳(Ld>eJ!) Jüdin 1491.“ Die Sdhiweinbungsche Lesart äst in allen voneinander abweichenden Punkten vor-; zuziehen. . _ . :_i! i.J jj&jjli 4400 Seelen auf 9980 Desjatin an־, also■ 75 Prozent Taut vorgesehenem Plan. In Hornel siedelten: sich 2241 Familien mit 1469 Seelen auf 2411 Desjätirr an,, also 100' Prozent laut Plan. Nach־ den Familien wurden 8ö,6 Prozent, von der Landfläche 66,2 Prozent des Planes verwirklicht. Die Kapitalien,, die zur Ansiedltmg nötig waren, erhielt Comzet von der Regierung sowie von ausländischen Quellen; ferner musste jedbr Siedler in der Ukraine 400 Rubel, jeder Siedler in der Krim 300 Rubel zu den Kosten beisteuern. Die Regierung gab einen Kredit von 400.000 Rubel, die zentrale Sowjetkommerzbank 200.000 Rubel, dann wieder 400.000־ Ruber. Das Komitee für, Förderung des Landanbaues beim Zentralexekutivkomitee steuerte 100.000 Rubel bei. Diese Summe vv u r d e d 11 r c h V e r k a u f der beschlagnahmten Sv n agogcnsch ätze erreicht. Die weissrussische Landbank gab einen Kredit von 40.000 Rubel, die Hömeier Landbank 20.000' Rübe!. 1 Million Rubel steuerten die Siedler selbst bei.‘ Das Landwirtschat’tskommissariat gab Bauholz im Werte von 100.000 Rubel sowie einen Kredit von 375.000 Rubel für Anschaffung, von Inventar und Vieh. Agro-Joint gab laut Vertrag 1,600.000 Rubel. Insgesamt wurden also 3,835.000 Rubel ausgegeben, was für jede Familie 655 Rubel ausmacht. Agro-Joint erhielt die Kontrolle über die Verwendung der von ihm beigesteuerteu Summen. Ueber die ausser den erwähnten Kapitalien noch vom Agro-Joint sowie von Ozet (unparteiische Gesellscliaft für jüdische Kolonisation) ausgegebenen Summen fehlt noch eine genaue Aufstellung. Der Plan für 1926. Der gesamte Arbeitsplan betrifft die Ueberfühnmg von 100.000 jüdischen Familien zur Landwirtschaft. Zu den Zwecke gedenkt Comzet auf zusammenhängenden Landflächen im Saalsk1 •und im Asowdistrikt sowie in der ,nördlichen Krim Juden anzusiedeln. Jänner 1926 wurden dem Comzet im Saalskdistrikt 150.000 Desjatin Land übergeben. Es werden Vorbereitungen getroffen, im Jahre 1926 5600 jüdische Familien anzusiedeln, von denen nur 570 zu den Siedlungskosten werden beisteuern können. Das ukrainische Landwirtschaftskommissariat hat für das Jahr 1926 mehr als 45.000 Desjatin in den Distrikten Cherson, Krivojrog, Marjupol, Saporoschje und Melitopol, und zwar anschliessend an die bereits bestehenden jüdischen Siedhingen, zur Verfügung gestellt. Laut Plan wird die Krimregierung 31.680 Desjatin zur Verfügung stellen. Tn der Gegend des Saalskflusses wird man 40.060 Desjatin anbaufähigen Bodens und in Weissrussland 4000 Desjatin erhalten, insgesamt etwa 120.000 Desjatin. Als Kosten deckung sind vorgesehen: Aus dem Budget der Sowjetunion 1,000.000 Rubel, von den Siedlern selbst 1,150.000 Rubel, vom Agro-Joint hofft man 2,200.000 Rubel, von der JCA 200.000 Rubel, von ORT 150.000 Rubel zu erhalten. Insgesamt werden dem Werke 4,700.000 Rubel zur Verfügung stehen. Der Bericht stellt zum Schluss fest: 1. Der Comzet- Plan zur Ansiedlung von 100.000 jüdischen Familien steht im Einklang mit den gesamtstaatlichen Interessen, sowie mit den Bedürfnissen der arbeitenden jüdischen Massen. 2. Es ist wichtig, dass die Zentralexekutivkpmitees dei* föderativen Republiken ihre . Aufmerksamkeit dem Problem der Ansiedlung von arbeitenden Juden auf dem Lande intensiv zuwenden und die erforderlichen Landflächen zwecks zusammenhängender Siedlung zur Verfügung stellen. Auch sollen sie den jüdischen Siedlern mit Barkrediten, totem und lebendem Inventar, zu Hilfe kommen. 3. Vom politischen wie vom ökonomischen Standpunkt ist es notwendig, dass die Landansiedlung der Juden in einer mehr konzentrierten Weise und in kompakten . Massen geschehen. (ITA.) der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Oesterr. Postspark.־Konto Nr. 177,855 Tel. 65-3-71, 6586־1־ Spendet für den Auf diesen Urkunden wie überhaupt auf allen von Juden ausgestellten, für Juden oder Christen;., hebräisch oder deutsch geschriebenen, Urkunden befinden sich keine Siegel. Anfangs besassen die Juden wohl das Recht, ein Siegel zu gebrauchen, nur wurde ihnen dieses, wie fast alle anderen Rechte, später entzogen. ׳Diese Einschränkung scheint in ganz Oesterreich anfangs des 14. Jahrhunderts platzgegriffen zu haben. Darauf deutet wenigstens folgende, in einer Wiener Regestensammlung befindliche Notiz, hin: ״Praits Puech (Breites Buch) in gelb Pergament gebunden, dar Inn seint (sind) durch Verorndt (Verordnung) Christenlich notary ׳Regestriert der Juden in Oesterreich Hanndl vnnd Contract mit den Christen. Damit Sy die Christen mit den falschen Siglen nit mer betriegen so dieselben Sachen dar Innen nit registrirt befunden werden, angefangen circa 1340.“11) Einer angeblichen Siegelfälschung halber wurde den Juden so das Recht auf ein Siegel entzogen. Der Wert dieses Verbotes wird freilich sehr illusorisch, wenn, wir bedenken, dass man eine Unterschrift viel leichter fälschen kann als ein Siegel. Auf den ersten Blick scheint diese Siegelentziehung nur von sehr geringer, bloss theoretischer Bedeuhing, namentlich wenn dadurch die Gültigkeit der von Juden ausgestellten Urkunden nicht geschmälert wird. Diese Gültigkeit erstreckte sich aber nur auf unbedeutende Angelegenheiten, während der Jude bei wichtigeren Akten einen christlichen Siegler benötigte, der mit der Siegelung für die in der Urkunde enthaltenen Verpflichtungen die Bürgschaft übernahm. So ersuchen der Wiener-Neustädter Jude Chisan und seine Frau Henn im Jahre 1431 zur Bekräftigung einer dem Herzog abzugebenden Erklärung Johann Hagenauer und den Judenrichter Johann Zech, die Urkunde mit ihren Siegeln zu versehen, ״da sie so kein Siegel haben“. Der Jude Haetschel verkaufte im Jahre 1376 sein Zehentrecht dem Schatzmeister Wernhart in Wien und ,bittet um die Siegelung der hierauf bezüglichen Urkunde den Seelsorger Leuppold, Otten Toppeier und Janmsen, den Zeremonienmeister Oesterreichs. Einer von den Siegelnden müsste, wahrscheinlich zur Er- ״) J. E. Schlager. Wiener Ski-zzen aus dem Mittelalter.