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Jüdische Presse · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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Seite 84 JÜDISCHE PRESSE Nr; 11 heruntersteigen• soll, 11. dgl. m. Wohl ist dafür vielfach sicherlieh Ranküne.־ unbefriedigte Eitelkeit. Hhss und Schelsucht die Ursache. Doch wäre cs psychologisch nicht gerechtfertigt, diese bedauernswerte Tatsache auf!Böswilligkeit zurückzuftihren, dass diese grosse jüdische Körperscnatt ui;1!׳t diese einhellige Anerkennung findet, wie sie!für die gesamte glauben streue,ludenschuft Wiens und darüber hinaus von Vorteil, von Lebensnotwendigkeit wäre.' Eine noch so sorgfältige Prüfung wird es kaum zustande bringen, wirkliche, greifbare Tatsachen als Ursache dafür zu finden. Es sind Imponderabilien, Stimmungen, die eben erklärt werden müssen. Es ist ein grosser Fehler mit Verhältnissen und Menschen zu rechnen, wie sie sein sollten, oder wie man sie־ gerne haben möchte. Man muss mit Verhältnissen und Menschen rechnen wie sie sind. Vor 70 bis SO Jahren wurde die׳ Schiffschul von zwei bis drei weitblickenden, tatkräftigen Männern gegründet, als ein Gebot der Zeit und der Verhältnisse. Sie wussten zunächst eine kleine, erlesene Schar opferbereiter, unbedingt gesetzestreuer Kampier um sich zu vereinen. Die Schar wuchs, ln den Kämpfen, welche die >'.it und die Umstände diesen Tapferen aufzwangen, festigten;,ich die Grundsätze und die Anschauungen über das religiöse VeniaUon und es bildete sich mit Naturnotwendigkeit der Gedanke des nn abhängigen, selbständigen, gl au bc ns tr-c'u c 11 Juden- 1111ns als Grundlage ihres Bestandes heraus. Dar Zuzug aus den westlichen Ländern, ׳in denen die schweren religiösen Kämpfe diesen Gedanken ebenfalls richturiggebend gemacht hatten, verstärkte immer die Adas Jisrocl, die gerade durch die unbeugsame Verfechhmg ihres Standpunktes ihre Stellung zu behaupten wusste. Auch viele einsichtige, hervorragendc Persönlichkeiten, die aus dem Osten kamen, erkannten die Pflichten und Schwierigkeiten der hiesigen Vcrhältnisso und schlossen sich mit Begeisterung der alten Kampfgruppe an lind fühlen sich in derselben natürlich zu Hause. Viele allerdings, die aus dem östlichen, religiös vollständig gcsättigten! Milieu kamen, konnten nicht sofort die Schwierigkeiten der Verhältnisse überblicken und mochten darum nicht eihsehen, dass andere Umstände, andere Lebensauffassung bedingen, wie es die alte Kamptschar vielleicht ׳erwartet oder gewünscht 11aU.\ Das führt zu Unstimmigkeiten. Solche M'ssverständnisse kann mir die Zeit und d a s gegenseitige Wohlwollen beseitigen. Die glaubenstrcuen Brüder aus dem Osten sollen und müssen die Leistungen und Bestrebungen vorurteilslos betrachten und beurteilen, die Adas Jisrocl muss weiterhin ihre Pflichten und Aufgaben in wahrhaft jüdischen! Sinne lösen und dieselben ohne Neid und Missgunst allen zur Verfügung stellen, die von denselben Gebrauch machet! wollen. Die Wahrheit wird ihren Weg finden müssen iiiid die Zeit und die Not wird unter allen Umständen die Glaub e 11 sb r ii der aus Ost und We s t im Streben 11 ac 11 dem gleichen Ziele endlich vereinigen. Damit das Ziel aber nicht in allzu grosse Ferne gerückt werde, müssen die Mitglieder der Adas Jisroel nur Männer •in den Vorstand entsenden, welche ihrer Pflicht und ihrer Aufgabe bewusst und gewachsen sind. Vor allem anderen muss man verlangen, dass sie unerschütterlich und mit Begeisterung an dem alten G r 1111 d g e d a 11 k c 11 der Adas Jisroel, der unabhängigen selbst ä n ■d i g •e n Orthodoxie festhalten. Nicht die kleinlichen Sorgen des Alltags, nicht sogenannte grosse Fragen der Politik dürfen die heiligen Aufgaben der Adas Jsroel ׳für alle zurückdrängen. Mit den gleichgesinnten Bethausvereinen, weleliß auf den gleichen Grundsätzen der am abhängigen Or.thodoxxie aufgebaut sind, als'■gleichberechtigten Mitarbeiterii muss die Adas Jisroel bestrebt sein, das grosse Ziel, eine Vereinigung all er glaubensgetreuen Juden Wien s diirchzufiiihren. S. P. Rechenschaftsbericht und Programm. Wenn ich heute auf meine schon Jahre hindurch im Vorstande der. Schiffschul entfaltete Tätigkeit zurückblicke, jiim Minen , in grossen Zügen Rechenschaft abznlegen über meine im Rahmen des Vorstandes geleistete Arbeit, fühle ich mich Wie der Wanderer, der sein erstes Ziel glücklich erreicht und seine ihn! vorgeschriebene Arbeit erfolgreich verrichtet hat. Das Ziel unserer Adas Jisroel war seinerzeit, wie Ihnen ja hinlänglich bekannt ist, dem glaubenstreuen Jehudizin unserer Grosstadt alle!Möglichkeiten zu geben, sich in unserem Sinne jüdisch äusleben zu können. Es hat viele Kämpfe gegeben und viele Opfer gekostet, bis wir unseren Mitgliedern und zugleich den konservativen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens jene Institutionen bercitgestellt!iahen, die unumgänglich notwendig sind zur Erfüllung des jüdischen Pflichtenlebens. Wir haben eine einwandfreie verlässliche Schechita. Es stehen uns Lebensmittel unter verlässlicher Aufsicht zur Verfügung. Unsere neurenoviertc Schul ist mit ihrem G-ttesdi'enste mit Recht ein Sammelplatz aller Jereitn. Wir haben er reicht, dass die Mikwali unseren Intentionen gemäss erbaut und eingerichtet wurde. Durch die uns nahestehenden Institutionen wie Bes Hamidrasch, Talmud Thora Volks- und Bürgerschule, JessocI Hathora, Kindergarten sind wir bestrebt, jüdisches Wissen und jüdisches Denken zu verbreiten. In kurzen Umrissen habe ich Ihnen skizziert den oft mit schweren Kämpfen verbundenen •Weg, den wir gegangen sind und die Erfolge die wir bisher erreicht haben. Ich verschliesse mich . wohl nicht, meine Herren, den Stimmen der Kritik. Es könnte anders mul besser gemacht worden sein. Ich gebe zu, es sind sicherlich unsererseits auch Fehler gcrnact worden. Schieben Sie aber nicht diese Fehler ausschliesslich der Unzulänglichkeit unserer Fähigkeiten zu. Bedenken Sie, unter welch schweren Vcrliältiiisscn wir arbeiten müssen. Und wie der Wanderer, der sein erstes Ziel erreicht hat und noch anderswo vieles ztt erledigen hat, schnell weiterschrcitct, damit er zu seinem nächsten Ziel gelange, so wollen auch wir, wenn wir un! Ihr weiteres -Vertrauen bitten, unser Programm für unseren zukünftigen Weg in folgendem kennzeichnen. Wir betrachten unsere bisherige Arbeit mir als die geglückte Herstellung eines äusseren Rahmens, in dem wir unseren Idealen leben können. Die bisherige Arbeit betrachten wir nur als Vorbereitung für unsere jetzt zu beginnende Tätigkeit. Wir wollen unsere Gemeinde als Sammelplatz aller Jereim in Wien, ohne Rücksicht auf ihre Abstammung und Parteistellung und als Zusammen- Schluss aller thoratreuen Institutionen und Vereine ausbauen. Auf dem Gebiete des Kaschruthwesens wollen wir die notwendigen Verbesserungen vornehmen. Insbesondere halten wir cs fiir unsere wichtigste Aufgabe, dahin zu wirken, dass die Lebenserhaltungskosten der J e r e i m d u r c 11 die B e 11 ii t z u n g u n s e r e r inst it u t i 0 n e 11 11 i c h t. t e ü r e r s e i, als die der anderen Bürger. Wir werden es nicht dulden, dass das Koscherfleisch und die koscheren Lebensmitteln unberechtigt ver ModBll-"' “' ״Lizeina” im!Geschäftslokal FRITZ WASSERVOGEL, WIEN, I., Salzgries 18 ,Billigste Einfiihrungspreise. — Modernisierungen promptest. t e u e r t w e r d e n. Den Ring der Fleischhauer und - Le־ benämittelhändler werden wir, wenn nicht anders, so durch Aufstellung eigener Fleischbänke, und eigener L c b e n s ni i 1t e 111 ä 11 d 111 n gen i 11 F. o r m von KonsumgenossCnsch a f t e 11' zerstören. Wir müssen unbedingt schon jetzt mit der geistigen Vertiefung der Adas Jisroel beginnen:־בי לא על הלחם לבדן ׳ יהי׳ האדם Das jüdische Gemeindelchen beruht nicht allein auf KoscherfleisCli und sonstige koschere Lebensmitteln. Wir müssen die uns nahestehenden Schulen und Talmud Thoras; ausbauen, deren Erhaltung sichern, und, wenn notwendig! neue Talmud Thoras und Bot he Emidrasch einrichten. Es ist beschämend, dass die Persönlichkeiten, die zur geistigen Fiihrmig dieser Institutionen berufen wären, alle ihre Kräfte zur Aufbringung der marterieilen Bedürfnisse nicht des -morgigen, sondern sogar des gestrigen Tages verwenden müssen . . . Wir müssen eine grosszügige Aktion für Schmiras Scliabos beginnen. Die soziale Tätigkeit muss intensiver entfaltet werden. Das neue. Programm, meine Herren lautet also: Einerseits Aufrechtcrhaltiing und Verbesserung des bisherigen Rahmens, andererseits Beginn der seelischen und geistigen Vertiefung der Adas Jisrocl. ihn Traum gesprochen von Spector. 1 Kaschen!. Das Mikwa-Komitee teilt mit, dass in diesem Jahre an folgenden Tagen gekaschert wird: 23. 9 bis 12; 24. 9 bis 12; 25. 9 bis 12: 26. 9 bis 12; 28. den ganzen Tag. Samuel Adler s. A. Sonntag den 7. d. wurde Herr Samuel Adler, langjähriges Vorstandsmitglied des Bethaiis- Vereines Eschel Abraham (Pazmanitentempel) zu Grabe getragen. Der׳ Verblichene war einst ein Lieblingsschiiler des Keszaw Sofer und zählte zu den flcissigsten und begabtesten Schülern der Press-, . burger Jcschiba; Er bewahrte stets warmen Sinn Für alles Jiidi- " sehe. Die Bibclschule in der Pazmanitengasse ist seine Schöpfung. Fr arbeitete mit Liebe und Sorgfalt für die Ausgestaltung der- ' selben. Am Leichenbegängnis nahm eine grosse Trauergemeinde teil. Rabbiner Dr. S. Funk würdigte in schmerzbewegten Worten die Persönlichkeit des Verblichenen und seine segensreiche Tätigkeit für das Judentum. Begünstigungsvertrag zwischen der Agudas Jisroel und der Versicherungsgesellschaft ״Riunione Adriatica di Sicurta". Wien. (AJPB.j Der geschäftsführende Ausschliss der Agudas Jisroel in Wien hat mit der seit vielen Jahren bestehenden, erstrangigen Versicherungsgesellschaft ״Rmnione Aclridtic'i di Sicurta“ einen für alle Länder gültigen Begünstigungsvertrag abgeschlossen, der im wesentlichen folgendes enthält: 1. Die ״Riiuiione“ räumt den Mitgliedern der Agudas Jisroel beim Abschluss von Versicherungen aller Art wesentliche Begünstigungen ein. 2. Die Aguda erhält eine Bonifikation, die zu gleichem Teil dem ״Keren Hajischuv“ und dem ,,Keren Hathora“ ziigefiihrt wird. 3. Die Rionione verpflichtet sich, die aus diesen Vericheruiigssabschliissen resultierenden Präitiienreservcn, soweit dies nach den Landesgesetzen zulässig ist, für Paiästina-Aufbaiizwccke oder für andere jüdische soziale oder kulturelle Zwecke aiizulegen. 'ln Wien wurde bereits eine Zentralstelle errichtet, welche die Aufgabe hat, in allen in Betracht kommenden Ländern Geschäftsstellen einzurichten und die Tätigkeit zu organisieren. Die Adresse dieser Zentralstelle ist vorläufig: Ver- Sicherungsabteilung der Agudas Jisroel (Zentralstelle), Wien, IL, Malzgasse 12a. ־ 3 NACHRICHTEN. brachten, der Meisterlein während des ׳Betens vom Podium herabstiess ,und zerrte.“ 0״, welche Schande und Schmach! Sie 1beschimpfteil einen Gelehrten! Verflucht seien jene Menschen! Mögen ,sie nicht auf Gnade hoffen, ehe sie die an Meisterlein verübte Freveltat gutmachen. Wenn sie Umkehr halten,’׳ist es gut; soferne sie aber in ihrer Störrigkeit verharren, will ich mieineii ganzen Grimm iiher sie ergiessen.1) : Der hier erwähnte Stadtrichter fungierte wahrscheinlich .zugleich auch als Judenrichter. In Wiener- Neustadt scheint dies überhaupt üblich gewesen zu sein und ■der letzte Judenrichter im 15. Jahrhundert erscheint auch ■unter den Stadtrichtern aufgezählt. Vom Jahre 1276 bis zurii 15. Jahrhundert wurden in Wiener-Neustadt ■die Rechtsangelegenheiten der Juden grösstenteils im Sinne des obigen Privilegiums allsgetragen. Als Herzog Rudolf im Jahre!361 sämtliche Wiener- Neustädte!־ Gerichtshöfe aufhob,'־) bemerkte er aus- U Weil, Responsen (Venedig 1549), Nr. 140 (53ib): הביאו שומר העיר בבית הכנסת .. ביום הנורה וגרמו שהשומר דחף וחטף מן העומד בעומדו להתפלל . . האלוף מה״ר , מיישטרלין י״ץ• '. Dass das von Weil genannte Neustadt kein anderes als unser Wiener-Neustadt ist. geht daraus hervor, dass wir aus anderen Quellen von Meisterleins Wirken in Wiener-Neustadt erfahren!. Meisterlein richtete durch den Neustädter Jossmannn an isserlein ׳eine Frage irnd .dieser schrieb hierauf an den Wisner-Noustädter Jehosdiua Kohen einen Brief (Pessakim 130, 30 a, b), in dm es u. a. heisst: מכל מקום חדקרקו בעצמיכם בעירכם עם כל יודעי דת ודי!. Meisterlein und Jossmann Kohen wirkten m Wiener-Neustadt noch vor Isserleins Ankunft. Mit den Worten דע כי נפשי בהלה מאוד אשר בקהלכם ועיקר על ידי spielt isser.iein möglicherweise auf die oben ונדוף erwähnte Affäre an. Dass Meisterlein auch •während Isserleins Wirksamkeit in Wiener- Neustadt' an den hohen Feiertagen vorbefcete, geht aus dem Buche;״Lejket Josdier“ von Isserleins Schüler Josef Haustetten (Manuskript In der Münchner Hofbibliotliek, seither 1herausgegeben von Di־. Freimärin, Rabbiner in Holleschau, Mekize' Nirdarnim, Beriin,. 1904, I; Teil, S'. 20, hervor, wo es heisst: יבקש מה׳ר מיישטרלי. יצ״ו לאט׳ בג׳ ברכות ראשונות כמו שכתר בקבלה בימים נוראים ולא רצה הנאון ז׳ל ואמר אם•תרצה• לאומרו usw. □אט׳ כשאתה מתפלל בלחש, ואל תאמר ברבים בקול •ר Weil , kann also köin anderes Neustadt als Wiener-Neustadt meinen ׳und dalhin wäre, auch‘GÜdiefnänn, Gesch, des Erzjöbungswesens und der; Kultur 'der aberidl. Juden, III, 98, Anm1'״. zu ' berichtigen. /; ־) AJbgadr. in ״iKirdhliche Topographie .von Oesterreich“; ־ XU; 271. '־י drücklich, dass das Judengericht seinen verbrieften Wirkungskreis beibehalten solle. Der Wirkungskreis des Judenrichters war nicht scharf umschrieben ׳und nur dadurch konnte er, wie wir soeben sahen, so tief in die ׳inneren Angelegenheiten der Juden eingreiien. Rücksichtlich der Befugnisse des Judenrichters' dürfte der Ortsgebrauch •massgebend gewesen sein. In Graz war das Judengericht aus dem Richter und einem beeideten jüdischen Schreiber, in Marburg. aus zwei Juden und zwei Christen zusammengesetzt. Die Hilfe eines jüdisehen Schreibers war notwendig, da die Juden ihre Verträge, Schuldbriefe usw. ,meist in hebräischer Sprache ausstellten. Auch für Christen bestimmte Bestätigungen und Gegenbriefe wurden hebräisch oder'jüdisch-deutsch, ausgefertigt. Solche hebräische Urkunden, die zu den Raritäten gehören, sind glücklicherweise in Wiener- Neustadt aus dem 14. und 15. Jahrhundert bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Sechs von diesen Urkunden stammen aus Wiener-Neustadt, eine aus Pressburg •und eine aus jyiarburg. (Siehe Anhang, .Ur־■ künden II bis IX.) Durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Rabbiner Benjamin Weiss זצ״ל in Wiener- Neustadt und des dortigen Bibliothekars, Herrn Doktor 'Dkiyer, war es dem Autor ermöglicht, in diese Urkunden Einsicht zu nehmen. , Diesen Urkunden können, wir im grossen ganzen die Grundzüge des Verfahrens entnehmen, das der Gerichtshof bei Bestätigungen, Gege'nbriefen, Kaufverträgen, Heiratsurkunden ,11. dgl. •befolgte. Die Urkunde musste■ beim Amte angcmeldet und offen gehalten werden. Das war aber natürlich nur dann!möglich, wenn im Amte jemand die.Urkunde verstand. Die hebräischen Urkunden, die nur für Juden Interesse■ besassen, wurden mit einer kurzen, solche; aber, . die auch Christen angingen, mit einer längeren deutschen Klausel versehen. Wahrscheinlich ־wurde auch in: Wiener-Neustadt ebenso wie in Graz zir diesem״ Zwecke ein :beeideter Jude beigezogen. Wenn wir ,aus^denluns erhalten gebliebenen Urkunden auf alhe anderen' sqhliessen können^ , dürften alle von Juden untereinander'1 geschlossenen Yertrage mit Ausnahme derjenigen! religiösen Charakters wie der ■Eheund1 Scheidungsbriefe,;יי beim ׳ Juderiricliter• ' auf- •bewahrt worden sein.. Unter ,,den uns erhaltenen Urkünden finden wir einen־• •Kaufvertrag (Nr. Hl), einen Schuldbrief (Nr. V)l eine Schuldanerkennung; vor Zeugen (Seht,är Odajta, Nr. Vt); eine Vollmacht (Nr. VII), Schuldbriefe über Heiratsgut;•(Nr. IV ürid VIII), eine Bestätigung (Nr. .IX) und einen Gegenbrief (Nr. II)., Das dürften־ alle Urkunden sein, die.im damaligen Ver- ■kehr überhaupt Vorkommen konnten. Die!in Wiener- Neustadt wohnhaften Juden .Hessen die Originalurkunde' selbst 'amtlich aufbewahren; diejenigen hingegen, die aus Ungarn oder der Steiermark nach• Wiener-Neustadt kamen, brachten, um sich gegen alle Eventualitäten ■ zu schützen, eine von Zeugen ׳beglaubigte Abschrift und Hessen diese ai ibevvahren. Solche wurden aber nicht mehr mit einer Klausel versehen (Nr. III und VII). Denselben Vorgang hielt der fremde Jude ein, der von einem Wiener-Neustädter■ Juden ein Haus kaufte, wie schliesslich ebenfalls• aus Urkunde Nr. III hervorgeht. Die Urkunden wurden ,; nach' den herkömmlichen rabbinischen Vorschriften verfertigt. Die, Briefe über Heiratsgut wurden auf■ Befehl des Vorsitzenden vom; dreigliedrigen' Rabbinatskollegium ausgestellt (Nr. IV und VIII). Den einen/unter Nr. IV abgedruckten Brief, veröffentliche, ich hier in Übersetzung: ,״Als wir. .im . Rabbinatskollegium zu dreien waren, kam zu uns Frau M'indel, die Witwe Isaks, des seligen Eljaklm Sohnes, ־ lind wollte auf :ihren Heiratsbrief schwören, um;ihn durch den Gerichtshof einzutreiben. Wir handelten auch so, Hessen sie bei der Thorah schwören.und •einen Wertgegenständ geloben, dass sie gewissenhaft bekenne, was' ( ׳ihr seliger Mann ziirückgeiassen, dass sie nichts ver-; schenkt habe naeh Art der Frauen, wie *auch, dass sie nichts Bewegliches oder Unbewegliches für sich genornmen habe. Das ganze Gut ihres/Mannes erreichte nicht: die Summe ihres Heiratsbriefes. Daher, übergaben wir , ihr das Haus, das ihr Mann hinterlassen hatte, und altes,, was sich im Sinne ihres Heiratsbriefes in ihrer Hand be-; findet. Der erwähnte Schwur, die Schätzung imd •der Vollzug wurden auf Befehl des ehrwürdigen Kohen' Zedek1) vorgenommen, der anordnete, dass ..wir zii, diesen! Zwecke ׳ein Kollegium bilden. So geschehen ׳ heute, Freitag, den 2. ljar, im 222. Jahre" (2. April 1462).־• Unterfertigt als ■Zeugen־ und ziim. Beweise; geschlpssen;/; und bestätigt. '■׳;י.■,־';:'י;■:■,־,/״/ . .׳.׳ ׳;׳ י.'." Isak, Sohn def Abieser, ׳dessen Andenken gesegue t, sei,;׳Mosqheh, Sohn Jehoschnas. der gute Tage erleben•; / s^i. Moscheh, Sohn Jehoschnas, der gute Tage, erleben möge. , Die erwähnte ,Gerichtshofsi^ung wurde a׳uf Be-, , fehl Jossmann Kobens abgehältei).“, ׳',/ i ג) JossräMri Koüien, von dein später nodh mehrfacli •die Rede sein wird. , , . . , ... •' ■ .׳■ (Fortsetzung folgt.) ^035

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