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Jüdische Presse · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · p. Seite 83

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 JÜDISCHE PRESSE Seite 83־' rechtzeitig ,zu verzichten. Wären überdies zu jener Zeit einige lehrte,. tatkräftige, thoratrene Männer dagewesen, so wäre es sicherlich gelungen, das Entstehen und die Entwicklung der nui aufblühenden Gemeinde im Geiste der Tradition zu beeinflussen. Sie allein hätten die Kontinuität zwischen der berühmten frommen Kehilla Kedoscha des Mittelalters und dem neuentstehenden Gemeinwesen herstellen können. Durch das Fehlen nsuiLT, uer, ein sciuuer ues 1N0aa Dinuua,!11 vv;en ranbinische Funktionen versah, war nach Eisensfadt fortgezogen. und der neuangestellte Rabbiner Lazar Horowitz, nach Mannhehners eigenem Urteil ״ein sehr rechtlich denkender und wohlgesinnter junger Mann“, machte keine Schwierigkeiten und besuchte den Tempel regelmässig, wodurch der ״Ritus“ desselben sanktioniert erschien. Viele Jahrzehnte lang blieb so die offizielle Kultusgemeinde eine Stätte der gemässigten Reform. Das religiöse Gefühl der meisten Wiener Juden fand seine Befriedigung im Wohltun und in der Errichtung humanitärer Anstalten. Die e c 111 j ii d i s c 11 e Synagoge und Schule aber konnten in Wien nicht heimisch werden. Gedeihen beide doch nur auf dem Boden des thoratreuen Judentums! Mannheimer selbst war ein vielerfahrener Pädagoge und kam eigentlich als Lehrer nach Wien; aber trotz des Zaubers seines 'Namens konnte im Jahre 1826, im zweiten Jahre seiner Wirksamkeit, nur ein Bruchteil der schulpflichtigen Kinder (108 von 225) in die Religionsschule gelockt werden. Die von der Behörde verlangte Errichtung einer allgemeinen jüdischen Schule haben die Vertreter aus der Befürchtung heraus, dass eine solche Schule die Trennung der jüdischen Kinder von den übrigen verschärfen könnte, hintertrieben. Die ״Schiilerkonfirmation“, ein Gewächs der Reform, das Mannheimer auf Wiener Boden verpflanzte, erwies sich als untaugliches Mittel, die Heranwachsende Generation im jiidisehen Geiste zu erziehen; kehrten doch schon die Kinder der Vertreter und. Vorsteher, die die Errichtung des neuen Tempeis so eifrig betrieben, dem väterlichen Glauben den Rücken. Eine allmähliche Wandlung zum Besseren begann sich erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Bahn zu brechen. Der freigegebene Zuzug von Juden nach Wien brachte ״nmer neue Scharen thoratreuer Glaubensbrüder aus dem Osten. In Rabbiner Salomon Spitzer und in der von ihm begründeten Adas Jisroel (Schiffschul) gewannen die Thoratreuen den geeigneten Stützpunkt, um nicht nur die für einen thoratreuen Juden nötigen Institutionen zu errichten, sondern auch den Geist der Kultusgemeinde im jüdischen Sinne zu beeinflussen. Dieser historische Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Die Kulttisgcmeinde hat durch den Weltkrieg neuen wertvollen Zuzug erhalten und vielleicht kommt noch die Zeit, wo der Tempel in der Seitenstettengasse auch den Geist der Thoratreue, der in vergangenen Jahrhunderten die Wiener Judengemeinde auszeichnete, beherbergen wird ... Die thoratreue Judenheit in Wien begeht die Jahrhundertieief der Wiener Kultusgemeinde in der Hoffnung, dass sic die Bahn für diese neue Entwicklung eröffnet. Die Generation, die die Feier des zweihundertjährigen Bestehens des Wiener Stadttempels feiern wird, wird, so hoffen wir, kein Verständnis mehr haben ifiir einen ״Fortschritt^. dei aus der jüd’scilpn Synagoge das hebräische Gebet, die Zukunftshoffuung auf'■den Messias,“den alten, mit religiöser Autorität ausgestatteten Rabbiner, verbannen wollte. Ihr wird es vielleicht ver-. gönnt sein, •in der ehrwürdigen Judengemeinde Wiens eine Synagoge nach ׳altem Ritus, einen Rabbiner vom alten Schlag, ein Lehrhaus von ewig jüdischer Jugendfrische vorzufinden. ge- Aguda sich .nicht geltend gemacht, hätte. Die Aguda hat es ver standen, aus der dumpfen, amorphen orthodoxen Masse einen bestimmte politisch-kulturelle Ziele verfolgenden Organismus, dem eine bedeutende sozialdynamische Kr.aft innewohnt, zu formen. Es' mag für manches zionistische Ohr unangenehm sein, all das feststehen zu müssen. Zu seltf waren wir• in den letzten Jahren daran gewöhnt, von innenlind aussenpolitischen zionistischen Erfolgen zu hören, um jetzt in aller Kaltblütigkeit die neuen Kräfte, welche sich itn Judentum gegen den Zionismus organisieren, in ihrer Bedeutung rechtzeitig zu erkennen.“ Die erfolgreiche Niederringimg der Aguda liegt diesem Herrn sehr am Herzen. Um dies erfolgreich vorzunehmen, glaubt Dr. Melzer, muss man sich auf das Wesen und den Ursprung des Zionismus besinnen. ״Im Zionismus lebte einst“, sagt Dr. Melzer, ״die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Säkularisation des Judenturns. Das Judentum sollte eutkonfes'sioualisiert und verweltlicht werden. Der Zionismus lehnte die Festlegung des Judentums auf einen bestimmten, konkreten Inhalt ab. Er wendet sich mit aller Kraft gegen jeden Versuch, das geistige jüdische Leben unter irgend eine konfessionelle Zensur zu stellen, oder die geistige Freiheit im Judentum, zu knebeln. Im Lichte der zionistischen Theorie waren als Hauptkomponenten des jüdischen Volkstums nicht irgend ein sozial-philosophischer Inhalt oder irgend welche religiöse Idee des Judentums, sondern bloss der besondere Rhythmus des jüdischen Geistes und die derzeit noch atrophisehe nationale Form es jüdischen Lebens anzusehen. D a r u rn w i d e r s e t z t s i c (1 auch der Zionismus schroff jedem Versuch, die Zugehörig kc i t zu rn Jude 11t u m von dem Bekenntnis z u irgend einer religiösen oder s0 z i a 1 e 111 i s c 11 e 11 Idee ab-!1 ä n g i g z u m a c 11 e n. U 11 d e s w a r auch sicherlich kein Zufall, dass die O r 1110 d 0 x i e sich v 0 in ersten Mo m ent au dem Z i 0 ni s m u s f c i 11 d 1 i c 11 gegen ii be r s 12 11 te. Die Orthodoxie empfand instinktiv, u n d 11 ic 111 m i t U11 r e c 111, d e n Z i 0- 11 i s 111 us als i 11 r e 11 T 0 d f e i 11 d, als eine neue K r a f t i 111 J 11 d e 111 u m, welche geeignet war, die Mach t- OOOO9OOO9O(9O9OOOOO0OOO9O9C vom Tage Man mobilisiert gegen die Agudas. In namhaften zionistischen Zeitungen wird der Ruf nach einer Mobilisierung gegen die Aguda laut. Die Publizisten, die. diesen Schlachtruf ertönen lassen, finden, dass die Tätigkeit der Aguda seitens der Zionisten bagatellisiert wird. So schreibt Doktor Nathan Melzer in Nr. 17 der Berliner ״Jüdische Rundschau“• wie folgt: ״Die von der Aguda geführte und beeinflusste Orthodoxie hat in den letzten Jahren bedeutende Erfolge zu verzeichneu. Es wäre nutzlos, diese Tatsache etwa yerselileiern zu wollen. Es gibt kein von Juden bewohntes Land und kein Gebiet jiidisehen Lebens, in welchen die Wirkung und der ׳Einfluss der Telephon 74 Telephon 74«2**2G (,gegenüber dem Trattnerhof) Diese neueröffnete, grösste und modernste Werkstätte für Haararbeiten u. SchÖnheitspflege erzeugt Perücken, Scheitel u, Transformationen, für deren allererste Qualität der internationale Meister Karl Schiroky :eder Dame persönlich haftet Unsere Einfiihrungspreise sind sensationell billig! Ein unverbindlicher Besuch zeigt Ihnen die schönsten Bubiperücken . . vonS75aufw. die schönsten Transformationen von S 35 aufw. dieselben mit Scheitel . . . . von S 45 aufw. und werden Ihnen für Reinigen, Wasserwellen u. 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Die Orthodoxie erblickte im Zionismus tatsächlich vom Anbeginn an den geistigen Nachfolger der'rationalistisehen Haskala, der die Verweltlichung des Judentums •auf seine Fahne geschrieben hat, der gegen jeden Versuch, das geistige jüdische Leben unter die Herrschaft der Thora zu stellen, sich auflehnt. Weil der Orthodoixe dies alles von allem Anbeginn an klar war. hat sie im Zionismus ihren Todfeind erblicken und gegen ihn ins Feld ziehen müssen. Der Erfolg dieses Feldzuges ist G-tt sei Dank .nicht ausgeblieben, er wird von Dr. Melzer voll und ganz anerkannt. Wie es bei dieser Sachlage um seine Hoffnung bei einer Mobilisierung der Zionisten gegen die Aguda bestellt ist. wissen wir nicht. Das eine können wir Herrn Dr. Melzer und seinen Gleichgesinnten sagen, die Aguda steht gerüstet da. Stimmen zur Generalversammlung der Schiffschul. Aus Leserkreisen erhielten wir nachstehende Zuschriften, denen wir mit Rücksicht auf das׳ Interesse, das allenthalben der Schiffschul entgegengcbraclit wird, Raum geben. Die Einsender,׳ deren Namen der Redaktion bekannt sind, wollen einstweilen ihre Anonymität bewahren. (D. R.) . Die Pflichten der Adas Jisroei. Adas Jisroel heisst offiziell ein Bethausvereiu. Der I citi^ketitsb-sricht, der vorn Vorstände lienuissejjcben wurde, erzählt aber nicht bloss von den beschränkten Aufgaben eines solchen; wir .finden darin vielmehr in kurzen knappen Worten die Darstellung einer umfassenden, vollständigen Täti״- keit einer grossen jüdischen Kehillah. Und dabei muss jeder, der die Verhältnisse als unbefangener Zuschauer kennt, diesem Berichte bedauerliche Unvollständigkeit zum Vorwurf machen. Die Mikwali, diese fiir eine jüdische Gemeinde lebenswichtige Anstalt wurde während der Not des Krieges und der Nachkriegszeit, wenn auch nicht offiziell von der Adas Jisroel, so doch durch die materiellen und moralischen Mitteln, die aus den Kreisen der Aadas Jisroel beigestellt wurden, für alle in Wien lebenden Juden erhalten. Warum blieb dies unerwähnt? Verschwiegen wurden auch die zahllosen Fürsorge- und Wohltätigkeitsaktionen für einzelne und fiir die Allgemeinheit, die aus dem geschlossenen Kreise der Adas Jisroei zum ällgcmeinen Besten ins Werk gesetzt wurden; 11. a. tri. Wohl mag die lange Bericlitszeit als Entschukligungsgrund fiir die vielfach ungehörige Kürze heraiigezogen werden; es muss aber im Interesse der Sache und zur Hebungder allgemeinen Teilnähme an den Aufgaben der Adas Jisroel der Wunsch ausgesprochen werden, dass der Vorstand zur alten Sitte zurückkehre■ und regelmässig mindestens einmal im Ja h r e einen genauen ■Bericht über die Tätigkeit erstatte. Je allgemeiner und verbreiteter die Erkenntnis wird, dass hier Arbeit fiir alle geleistet wird, desto eher ist es zu eiv ,warten, dass alle, die die Leistungen in Anspruch nehmen, an deren Erstellung mitnrbeiteu. Hier sind ■wir an einem wunden Punkt angclaugt. Obwohl die. Anstalten und Einrichtungen der Adas Jisroel zu ׳Nutz und Frommen aller bereitstehen und von allen in Anspruch genommen werden, wie gross auch das Ansehen der Adas Jisroel hier und ׳,uswürts ist, muss man sagen, dass sie doch nicht die einmütige Anerkennung findet, die sie nach der Sachlage verdient. Man hört gar häutig recht hämische Bemerkungeii und. Nörgeleien über das kleine Häuflein, das sich auf tut; über die vei schwindende Minorität, die vom Piedestal *) Von uns spationicrl. Die Juden in Wiener-Neustadt. (Fortsetzung.) Der erste bekannte Judenrichter in Wiener-Neustadt ist Wernhart in dem Thurm1) (1328).und ein zweiter irn Jahre 1401 Ko'nrad Parchheimer.2 3) Bis zum .15. Jahr-, hundert ist dieses Amt überall durch Christen besetzt. In Ungarn, welches das Judengesetz von Oesterreich übernommen hatte,״) finden wir angesehene Magnaten auf dem Stuhle des Lanäes-Judenrichters,!und auch in den' einzelnen Städten der Steiermark, wie Graz, Marbürg und Radkersburg, gab ■es christliche Judenrichter. Der sogenannte ״Judenmaister“ ist aber mit dem ״Judenrichter“ nicht identisch. Das Wirken des Judenrnaisters ist von solcher Beschaffenheit, dass wir unter demselben einen Rabbiner verstehen können; in ״manchen Orten aber, in denen ihnen die Steuerverteilung oblag, kann man in den ״Judenmaistern“ die Vorstände der Judengemeinde erblicken. Auch werden an manchen Orten Judenmaister und Judenrichter zu gleicher Zeit erwähnt. In Judenburg sind im Jahre 1478 beide vertreten. In Radkersburg amtiert ■in ein und demselben Jahre Hans Walkesrhofer als Judenrichter4) und Mosche als Judenmaister.5) Friedrich erliess־ in demselben Jahre ein Patent für die Judenrichter und namentlich für viele Judenmaister.6) In den x) Winter, Stadtrecht. 2) Gleich, Geschichte der k. k. Stadt Wienerisch Neustadt (Wien, 1808), 3) KohnS., A. zsidok törtenete Magyarorszägon (Budapest, 1884). 4) Archiv für k. öst. Geschichtsquellen 1852. ö) Mon. Habsb. I. 2, Z. 711. 8) Mon. Habsb. 1& 870. Um fränkischen Reich wird schon unter Ludwig dem. Frommen׳ ein ״magister infidelmm Judaeorum“ genannt (Sancti Agobardi opera, Paris 1665—1666). Ein solcher ״Judenmeister“ ist auch ׳״Evrardus . . . quv Judaeorum nunc magister ■est (Stobbs, Die Juden in Deutsch•!and, S. 198). ׳späteren Jahren stimmt die Tätigkeit ■des Judenmeisters immer mehr mit der eines Rabbiners überein. Allmählich wird der Rabliner sogar geradezu mit ,,Meister“, ״Judenmeister“, ״Obermeister“, ״Judengeneral“ und ״Judenbischof“1) betitelt, Namen, die denen der christlichen Würdenträger entsprechen. Der ״Judenmaister“ wird gegen das 15. Jahrhundert immer häufiger, der Judenrichter aber ■immer seltener. Dieser, verliert seine ursprüngliche Bedeutung, da• die Juden immer •mtehr nicht fiur ihre religiösen Angelegenheiten, sondern auch ihre ,bürgerlichen ■und sogar ihre Kriminal- Prozesse auf Grund des traditionellen jüdischen Rechtes durch den Rabbiner schlichten Hessen. Diese stützten sich hierbei auf den Talmud lind seine Dezisoren und hatten hierbei noch genug Raum zur Betätigung ihrer individuellen Auffassung. Zwar wurde ursprünglich das Urteil jedes autorisierten Gelehrten anerkannt; langsam ging jedoch die ganze Rechtsprechung in den Wirkungskreis der Rabbiner und seiber Gehilfen, die zusammen das Räbbinats- 1kollegium bildeten, ׳über. Er musste in all den verschiedenartigen Fragen des täglichen Lebens entscheiden.!Es ist also natürlich, dass der Judenrichter, der ursprünglich wahrscheinlich für alle Rechtsangelegenheiten der Juden zuständig war, immer seltener in Anspruch genommen wurde. Die Juden vermieden es, sich an ihn zu wenden, und sahen es, als Verrat an, wenn jemand unter ihnen sich mit Umgehung :des Rabbinats an den Judenrichter wandte. Schliesslich wurde der * D Auch. •in Köln gab es!einen ״episcopus Judeonim“ (Germ. Jiid., Frankfurt a. M. 1917, S.: 73, und vielleicht ist dieser Titel ״Jiidenbisdhof“ die Veranlassung zu dem eigentümlichen jüdischen Familiennamen Bischof. Der ׳in den Responsen von Jakob Weil (Venedig, 1549) genannt.^ שמואל המכונה ist, möglicherweise identisch mit Samuel Bischof aus Rothenburg (Aronius, 312). Im שלחן המערס ist überhaupt ״Bischof“ als Umschreibung für Samuel und auch fiir Jakob angegeben. J Jiidenrichter nur dann aufgesucht, ,wenn Juden mit Christen in Rechtsstreit standen. Sonst war der Rabbiner die Autorität der Juden, und seine Entscheidung anzunehmen, war •ihnen Ge wissenspf licht. Nur in Steuer- . ange'Iegenheiten kam es zuweilen vor, 'dass einzelne Juden sich nicht ,in die Lasten der Gemeinde teilen 1wollten und sich im Interesse ihrer ungterechten Sache an den christlichen Judenrichter wandten. Ueber solche Widerspenstige •wurde meist der Bann gesprochen. In Wiener-Neustadt kam man dahin überein, dass ein solches Individuum aus ,der Synagoge gewiesen und ihm ,׳ der Mohel verweigert werde. Später wurde auch auf einer Nürnberger, sonst unbekannten, Rabbinerversamnr lung gegen diese Renitenten ein Beschluss gefaisst.1) Dennoch konnten ,die Rabbiner nicht ganz ver-; hindern, dass sich Juden auch mit internen Angelegenheiten an ■den christlichen Richter wandten. Im 15. Jalir- . hundert ■geschah es in ,Wiener-Neustadt, dass eben diese Renitenten, die die Gemeindesteuer nicht tragen wollten, an den hohen Feiertagen den Richter in die Synagoge ־ riefen, wo dieser den vorbetenden Meisterlein vom - Podium herabzerrte.׳ Der beleidigte Vorbeter appellierte an!Weil, der den Schuldigen gehörig seine Meinung ־ sagte. ״Ich höre,“ schreibt ■Weil an die Wiener-Neu-‘ Städter Gemeinde, ״dass sich!in Eurer Mitte böse, siindhafte, niederträchtige Menschen befinden, die das Joch abgeworfen haben, ihre Angelegenheiten nicht nach jüdischem Rechte schlichten lassen und, sogar wegen der Steuern und Beiträge ans der Gemeinde schieden. Sie machen sich ׳damit zweier Verbrechen schuldig, indem ־■ sie das Gebot der Lehre verwerfen und ihr Gelübde ־ übertreten. Nun will• ich Buch auffordern, Euch Eurem ־ Versprechen getreu von jenen Treulosen abzu- ׳ sondern.,, Auch hörte ich, dass jene Hösewicljte am,;;; hohen Feiertage den Richter d-r Stadt in die Synagoge *) Jakob WeiS, Responsen, 140 und 147; vergi. Gra׳etz, VHIt 434.

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