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Jüdische Presse · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · p. Seite 76

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Seite 76 JÜDISCHE PRESSE. Nr. 10 ii if. 1-f s f. tj fl■ ||! 1; t | f ■l t, i- Markus Klein. Sonntag am Purim verschied in Mattersdori eines der geachtetesten Gemeindemitglieder, langjähriger Kultuspräses Herr Markus Klei n. Er genoss sowohl als Talmid- Ghochom, er war ein hervorragender Schüler des חתן סופר זצ״ל wie auch, als rechtschaffener, erfolgreicher Kaufmann hohes Ansehen weit über die Grenzen seiner Heimatstadt. Sein הל1י׳ fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde Montag statt. ״Der alte Rembrandt.“ Samstag, den 13. März, 8 Uhr abends, spricht Univ.-Prof. Dr. Max Eisler, als Gast der Vereinigung Jüdischer Akademiker (V. J. A.) über das Thema ״Der alte Rembrandt“, welches nicht nur durch seinen kiinstlerisehen Stoff, sondern auch durch seine jüdischen Beziehungen reges Interesse beanspruchen darf. Der Ort des Vortrages wird noch angegeben. Purim ln der Jugendgruppe. Samstag, den 28. Februar (14. Adar) fand bei vollbesetztem Hause, im grossen Festsaale der Agudas Jisroel-Jugendgruppe eine Purimfeier statt, die einen äusserst gelungenen Verlauf nahm. Eingeleitet wurde der Abend durch ein heiteres Spiel in Versen, ״Die Regiesitzung in der Jugendgruppe“ von Ernst Tauber. Der Devise des Abends, ,,Radiorummel auf Welle 590“ entsprechend', folgten nunmehr lustige Parodien auf den Tagesbetrieb des Wiener Radiosenders, die den ungeteilten Beifall des Publikums fanden. Die Radiorevuie, die neueste Errungenschaft auf dem Gebiete der Radiotechnik, fand hier ihre Uraufführung. In 'einer Reihe köstlieh gelungener Bilder taten die als hervorragende Komiker hinlänglich bekannten Herren Emil Adler, Leo Neumann und Leo "Winkler das Beste, um das Publikum in angeregter Stimung zu erhalten. Herr Leo N e u m a 11 n stellte in einem, von ihm!selbst verfassten Sketch einen Wiener Dienstmann dar, und erntete rauschenden Beifall. Sein vom kräftigen Humor getragener ״Wienerischer Sprachkurs“ fand begeisterten Auklang. Sigi Stern, der Hausdichter der Wiener Jugendgruppc, wurde für eine von ihm verfasste, scharf pointierte Khillerevue stürmisch akklamicrt. Den Clou des Abends bildete die nun■ schon zur Tradition gewordene ״Kuriose Gerichtsverhandlung“, dargestellt vom Ensemble der Wiener• Jugendgruppen-Radiobühne. Namentlich wurde Herrn Emil Adler, der einen echt jüdischen Verteidiger mit vollendeter Meisterschaft verkörperte, mit nicht endenwollenden Applaus gedankt. Seine von starkem inneren Gefühle getragene Darstellung, ein Muster vollendeter Gharakterohronik Hess ihn geradezu zum Star der Jugendgruppenauffiihrungen prädistiniert erscheinen. Leo W i k 1 e r entfesselte mit seinem urwüchsigen Wiener Humor wahre Lach- Salven. Die Herren Emil Sprinzeles, Dawid K r 0 c h m a 1 und Sigmund Schliff gaben in ihren Rollen ihr Bestes. Das technische Arrangement lag in den bewährten Händen des Herrn Paul Richter. Das Gelingen des Abends lag nicht zuletzt an der umsichtigen Spielleitung, um die sich Herr Oscher Stroh redlich und mit vielem Erfolg bemühte. Purimfeier in Mattersdorf. Die Mattersdorier Jugend veranstaltete im grossen Saale der jüdischen Volksschule unter Leitung des Herrn Oberlehrers S. Mendelsohn, eine wohlgelungene Purimfeier, deren Einnahmen für den israelitischen Frauenverein bestimmt waren. Renee Steinhof, Irene Kolm. Grete Deutsch,. Vilma Breuer, Mathilde'Kerpel, Rosalie Neufeld haben an dem Gelingen der Feier hervorragend mitgewirkt. Zehnjähriges Bestehen des Kriegswaisenfonds der Aguda. Der lim Februar 1916 vom Gruppeniver.bamd' deir Agudas Jiisröieil •in Deutschland ,begründete״ •Knieg-swalsen- •fonds blickt inunimieihr auf eine zehnjährige Tätigkeit zurück. 1:11 den Jahren 1916 bis 1918 wurden in iKalisoh, an der deutsch-polnischen Grenze;, ■im Warschau!und in iBialystok fünf Waisenhäuser ׳ins Leiben gerufen, welchen sich zwei Jahre später das Wiaisemhaus in Baden!bei Wien־, eine Gründung des österreichischen iKriegswäisemfands. zugeseilte׳. Diese Häuser bergen etwa 225 Kinder de.r verschiedensten ׳Altersstufen. Eine grosse Zahl 'der Zöglinge ■ist .inzwischen heranigewachsen und den, verschiedensten Berufen zugefühnt ,worden1. Der Fonds hat■ auch!Institutionen ,für WaisenihiiMe ׳in polnischen, litauischen ■und ehemals galizi sehen Städten dauernd oder einmalig mit nennenswerten Summen ,unterstützt. In den Jahren 1916 bis 1921 (Nachdruck verboten.) Die Operation. Der berühmte Berliner Professor, •der Leiter der chirurgischen Abteilung am jüdischen Krankenhaus in Berlin, Dr. James Israel, ist am 20, Februar in Berlin, 78 Jahre alt, gestorben. Es ist nocli in allgemeiner Erinnerung, welches Aufsehen es in der ganzen Welt hervorrief, als der jüdische Professor auf den nichts weniger als judenfreundlich gesinnten Zarenhof nach Petersbürg berufen wurde, um den Zarewitsch zu operieren. Aus Leserkreisen erhaiten wir nun die nachfolgende Erzählung, die in einer ganz anderen Be- Ziehung eine überaus interessante Episode aus der Lebensgeschichte des grossen Chirurgen darstellt. Als ich vor einigen Tagen in den Zeitungen die telegraphische Nachricht las, Professor Adolf James Israel, der berühmte Chirurg, sei gestorben, erwachte plötzlich in mir die Erinnerung an eine merkwürdige Geschichte, in der auch er eine bedeutsame Rolle gespielt hat. Ich gestehe aufrichtig, einen so tiefen Eindruck die Geschichte seinerzeit auf mich geübt hatte, in dem Momente, in dem ich die Nachricht von den! Hinscheiden des Berliner Gelehrten las, standen die Details der Sache nicht mehr klar vor meinem Geiste. Aber ich wusste bestimmt, dass ich in einem meiner alten Notizbücher genauere Aufzeichnungen finden würde. In der Tat fand ich unter der Aufschrift ״Erzählung des Herrn W—k.“ (Wien, 4. Februar 1923) eine Reihe von Notizen, die mich zu der Behauptung berechtigen, dass in den nachstehenden Zeilen lückenlos die mir von ehrenwerten, glaubwürdigen Männern gemachten Mitteilungen wiedergegeben sind. Ich lege kein Gewicht darauf, durch den Versuch, meinem Berichte eine kunstvollere literarische Form zu geben, das Interesse der Leser zu gewinnen. Im Gegenteil, ich möchte gerade durch die schlichte, schmucklose Wiedergabe den Verdacht, dass ich des Effektes willen die Wahrheit korrigiere, verscheuchen. In den Wintermonaten des Jahres 1912 wohnte ich in einem Hotel in Wien, in welchem ich die Bekanntschaft einiger polnischer Familien machte, die gleichfalls den Winter in dieser Stadt verlebten. Es war darunter ein Herr N., ein talmudisch gelehrter Herr, der auch über moderne Bildung Verfügte, und mit dem ich im Laufe!der langen Winterabende über manche, mich interessierende Fragen mien unterhielt. Es kam einmal auch die Rede auf die ״Wunderrebben“, und da hörte ich zu meiner höchsten Ueberraschung, wie der Mann, der soeben ziemlich kritisehe Bemerkungen über die Verhältnisse in seinem Heimatsorte geäussert hatte, mit wahrem Enthusiasmus von dem Rebben in Sz. zu sprechen begann. Er schilderte mit begeisterten Worten das schier heiligenmässige Leben des Mannes, seine tiefe, durch unausgesetztes Studium in der Gotteslehre gewonnene Gelehrsamkeit, die Milde seines Wesens, seine unerschöpiliche Güte, und. mefir als das alles, seine grenzenlose Wohltätigkeit. L ׳ —--imnv Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien, II., Flossgasse x—8 Vortrag Dr. Nathan Birnbaum ,!Missverstandene Aussprüche1' findet 6) מש״ק פ׳ כי תצא• März) um 8 Uhr abends im Saale der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Wien, II., Flossgasse 1, statt. Regiebeitrag 50 Groschen. hat der Fonds mehr als eine Million Mark ausgegeben. In den Jahren 1924 und 1925׳etwa 30.000 Goklmank. Generalversammlung des Schweizerischen Waisenfonds der Agudas Jisroel. Zürich. (AJ1PB.) Letzten Sonntag fand!im Gemei’irades'aai!der IRiGZ.!diie!Generalvcrsammhing ■des Schweizerischen׳. Kriiegswaisenifonds!der Agudas Jisroel statt. Herr G11. J. Efes ׳eröffnete die Ve׳rsa1mm;lu׳ng und ־begrüss'tc d1i!e Anwesenden,!hierauf ־erstattete ׳er den Bericht •über d)i!e bisherige Tätigkeit des Fonds, ׳dem wirr entnehmen, dass der K׳riegswa־isenfomds mehrere Waisenkiinder!im Davos!mit grösseren. Summen unterstützt hat.. Es wiarden ׳auch rvcrsc.11ic.done Waisenhäuser!in Osteuropa mit grösseren Beträgen subventioniert. Das neu erworbene Waisenhaus .in!Baden Ibeti iWiiem, welches mit den1 Umbauten u;nd der!Einrichtung auf ׳zirka Fr. 40.000 zu stehen kommt, wurde ausschliossliiCh vom Schweizerischen Fonds bezahlt ׳und ,wird ־deshalb Eigentum desselben ׳bleiben־, U!m dies zu 1ermöglichen!, musste:!sich der!Fonds als juristische!Person ׳im Handelsregister!eiinbragen. Der Vorsitzende verlas den StatutenentW'urf, welcher genehmigt wurde. .Auif Antrag von Herrn Max!Mannes (Zürich)׳, unterstützt von!Herrn Ernannel /Herz (Luzern), ׳wurde der 1N;a!m׳e!in ״Schweize- ׳rischer Waisemfomds der Agudas Jisroel“ abgeändert. Es ,wurden dann!diie Wahlen ,vorgenommen, welche folgendes Ergebnis erbrachtem:!Konsul Saliy Guggeniheiim (!B!asel), Präsident; Cli. J. Eiss (Zürich), Vizepräsident: J. Brandete (Zürich),!Kassler; Dr. Samuel •Örtlich (!Zürich),, Aktuar, und Joseif!Rothschild (Zürich), ׳Bei3.itzer. Zum Sitz des Vereines ׳wurde Zürich!bestimmt. ׳ ’ Chewras Bachurim, Jungjugendgruppe der Agudas Jisroel, Zürich. Z ü r 1 c 1h. (AJRB.) Es ist!uns!nun doch gelungen!, •vor Abschluss!des Wintersemesters eiiinen •ausrwärtligen!Redner zu hören,!und zwar ׳Herrn Simon Ascher von Luzern. Der Referent führt aus, was •die Arbeit der Jugend •von heute /und!auch ׳immer gewesen׳ seii, .nämlich. Thaurolernen!und die, Gesetze!der Thauro •auszuüben; Die Jugend muss ■dafür sorgen׳, dass das Judentum ׳gefestigt Modell- ״Lizema” im Geschäftslokal FRITZ WASSERVOGEL, WIEN, I., Salzgries 18 Billigste Einführungspreise. — Modernisierungen promptest. wie* Tallis- und Tefillinbeutel, Porauches, Thoramäntelchen sowie MODERNE HANDARBEITEN erstklassig u. kulantest hei Firma Lock-Löwy, Wien, II., Krummha&img. 16 NNNMM—NHMN—N———I—■N1MUNNNH—■—N—NN—N—— ״Der alte •Mann — sagte er unter anderem — wird von seinen Verehrern und Anhängern, die zu ihm wie zu einem Propheten emporblicken, '׳ mit . Geldgeschenken schier überschüttet, aber er verwendet cs fast vollständig für die Armen. Er selbst lebt mit seiner an Alter ihm gleichen Gattin wie der Aermste der Armen, er isst ausser am Sabbat und an den Festtagen keinen Bissen Fleisch. Seine Wohnung ist mit den arn> seligsten, jede Bequemlichkeit aussehliessenderi Möbeln ausgestattet, und bei all dem blickt er mit heiteren, fröhlichen Augen in die Welt: sein Antlitz strahlt völiig von der Glückseligkeit, die er einzig lind allein irn ״Lernen“ findet.“ ״Wie kam er zu dem Rufe, ein ״Wunderrebbcn“ zu sein?“ fragte ich. . '־ ״Das weiss ich,nicht — meinte Herr N. —, seitdem ich denke, waren die Leute alle, die Juden, wie die Nichtjuden, von' der Ueberzeugtmg durchdrungen, dass er ein heiliger Mann ist,• dessen Wort man geheime Kraft Zutrauen .müsse. Seine Anbänger blicken zu ihm wie zu einem höheren Wesen empor, sie bitten ihn ln den wichtigsten Fragen ihres Lebens um seinen Rat und befolgen ihn. wie wenn es eine himmlische Offenbarung wäre.“ ״Er ist wohl eip sehr ׳weiser, kluger Mann, mit grosser Menschenkenntnis?“ fragte ich. Herr N. lächelte. ״Ich verstehe — meinte er — wohin Sie mit Ihrer Frage zielen. Gewiss, er ist ein weiser, kluger Menschenkenner. Aber Sie würden anders denken, wenn Sie wüssten, wie man seine Worte, seine Lehren, seinen Rat auffasst. Wenn Ich Ihnen er-, zählen würde, was zum Beispiel mein Freund W—k mit einem• Rat des Rebben erlebt hat, würden Sie staunen.“ Auf meine Bitte erzählte mir Herr N. folgendes:• ״W—k ist mein Freund, aber was Sie jetzt von mir vernehmen werden und für dessen Wahrheit ich einen Eid zu leisten bereit bin, weiss ich nicht bloss aus seinem Munde, sondern auch durch dis Berichte der Talniidc Hachomim, die, wie Sie gleich hfiören werden, 111 die Angelegenheit verwickelt wurden. W—k ist ein sehr reicher Mann, den der Rebbe als einen wahren W0111-. täter sehr geschätzt hat, und W—k wieder gehörte zu den hingebungsvollsten Verehrern des Rebben. Eines Tages bekommt der. Rebbe von meinem Freund׳, der, auf einer Geschäftsreise begriffen, in Berlin erkrankt war, ein Telegramm, in welchem er ׳ihm mitteilt, dass er sich in einer verzweiieiten Stimmung bsfinde. Er sei bei Professor Israel gewesen, der ih.n nach wiederholten Untersiichungen, zu denen noch ein hervorragender Arzt zugezogsn worden war, erklärte, er müsse sich einer Operation unterziehen. Er bitte nun den Rebben, er möge für ihn beten und ihm sofort raten, was. er tun solle. ’ Der Rebbe antwortete, wie von ilim gewünscht wurde, sofort telegraphisch mit den Worten: ״Nicht operieren!“ W—k teilte dies dem Professor Israel mit und fügte daran, wie wenn dies ganz selbstverständlich wäre, dass er sich nicht operieren lasse. ״ Der Professor, der vielleicht das Verständnis für die Be- Ziehungen hatte, in denen der Patient zu seinem Rebbe stand, wird. Mit wohldurchdachten Gleichnissen sagte Herr Ascher, dass .in jedem jüdischen Verein ׳diie geselligen Zusammenkünfte, Veranstaltungen. Vorträge usw. nur als Mittel zum Zweck dienen •sollen, um die Leute zum T.ha׳urostud!i׳um iheranzuziehen. ׳Mit überaus grossem Applaus endete der so Inhalts- und ■belehrungsreiche Vortrag. Der Präsident eröffnete soda.nn die Diskussion, ׳woran sich 11. a. auch die Herren A. W. Rosemzweig!und Halpern beteiligten. Kundgebung für Keren Hathora in Mährisch-Ostrau. Wien. (AJPB.; Auf Einladung des Beth-Hamidrosch- Vereines hielt der Direktor der Keren-Hathora-Zentrale Wien, Herr Dr. Leo D e u t s c h 1 ä n d e r, am 2. März einen Vortrag über ״Die Lage der Judenheit in den Gegenwart“, welcher von allen Anwesenden mit gespannter Aufmerksamke't verfolgt wurde. In der Versammlung waren das Rabbinat, der Vorstand und alle Gruppen der Gemeinde vertreten. Unter dem Eindruck des Vortrages traten die Anwesenden mit namhaften Spenden dem Keren Hathora bei. Oberrabbiner Dr. S p i r a, Gemeindepräses Dr. H 1 ft, Obmann des Beth-Hamidrosch Dr. Max Beet dankten in herzlichen Worten dem Referenten und forderten alle Anwesenden auf.!dem Keren Hathora mit ständigen Beiträgen beizutreten. Dein Appell wurde ausnahmslos unter grosser Begeisterung Folge geleistet. Brotlosmachung der jüdischen Angestellten in Konstantinopel. Das Han׳clelsd:e׳parternent •begann!m!i!t ׳der. ׳Durchführumg ׳des Gesetzes,!wonach ln!dien Warenhäusern •das nichtimoslemltische Personal!durch •Moslieimlten :zu •ersetzen ist. D־er Inhaber ׳einer •der grössten jüdischen! Firmen! Konstantino'pels, Herr Orosd׳i־Back, wurde .aiiifgeifordert, binnen wenigen Tagen sein jüdisches Personal zu entlassen ׳und Türken einzustellen. Man ,befürchte!(!, dass ,ausser Armeniern und Griechen auch Tausende Juden: durch •dieses!Gesetz brotlos gemacht werden. Ueber die Juden in Griechenland. Das neue Griechenland besitzt etwa 25 grössere jüdische Gemeinden, so u. a. in Athen, Korfu, Kreta, Kavalia, Drama usw., voü allem in Saloniki, das mit seinen mehr als 80.000 jüdischen Seelen die führende Gemeinde ist. Im ganzer! zählt Griechenland über 125.000 Juden. Die jüdische Gemeinde in Saloniki existierte schon in der Zeit vor Christi Geburt: Sie war stets und ist noch heute der Brennpunkt des! sephardischen Judentums. Eine Regeneration dieser Gemeinde wird das gesamtsephardische Judentum befruchten. Dies aber liegt im alljüdischen Interesse. Die Annäherung des sephardischen an das aschkenasische Judentum macht ia immer weitere Fortschritte; dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass zum erstenmal in der Geschichte einem ״Aschkenasi“ das Oberrabbinat von Saloniki angeboten wird. Die jüdische Gemeinde von Saloniki ,ist in den letzten anderthalb Jahrzehnten durch wiederholte Kriege heimgesucht worden. Die schwerste Heimsuchung war der Brand im Jahre 1917, der die ganze Judenstadt mitsamt 30 Synagogen, zahlreichen Schulen und charitativen Instituten dem Erdboden gleichgemacht hat. Bewundernswert ist es, wie sich diese schwergeprüfte Gemeinde wieder aufgebaut hat; noch bewundernswerter sind die ungeheuren Opfer die für die wirtschaftlich Schwächeren gebracht werden. Die Wohnungsfürsorge ist unvergleichlich. Vier Stadtviertel wurden für die Obdachlosen erbaut, viele hunderte Familiert sind in hygienisch einwandfreien Wohnungen untergebracht. Der Mietpreis für, eine abgeschlossene Wohnung (1 Zimmer; 1 Küche) entspricht einem Wert von 6 Mark imi Monate In der Mitte jedes dieser Viertel stehen eine Synagoge; eine prachtvolle Schule und andere öffentliche Institutionen. In den Schulen wird das Hebräische besonders gepflegt. Man konnte sich mit 10- bis 12jährigen Knaben und Mädchen zwanglos hebräisch unterhalten. Auch die Talmud Thora besitzt einen Prachtbau. Die öffentlich bespeisten Kinder sehen alle sehr frisch und wohlgenährt aus. Die Waisenhäuser werden mustergültig verwaltet. eröffnete hierauf meinem Freunde, dass sein Zustand ein hoffmmgsloser sei, falls die Operation unterbliebe. Und es wäre auch höchste• Zeit, dass diese erfolge, jede weitere Verzögerung erhöhe die Gefahr. W—k entschloss icli hierauf, auch diese Erklärung des Arztes dem Rebben letegraphisch zu übermitteln, erhielt jedoch abermals die Antwort: ״Nicht operieren!“ Als Professor Israel dies von W—k erfuhr, der absolut, nichts mehr von der Operation wissen wollte, soll ef zuerst ganz fassungslos, dann aber höchst empört gewesen sein, Aber er fühlte sich , offenbar durch sein ärztliches Pflichtgefühl gedrängt, nun selbst eine Verständigung mit dem Rebben herbeizuführen, lind jetzt telegraphierte er ihm: ״Operation muss und wird stattfinden!“ Der Rebbe antwortete: ״Operation muss nicht und wird nicht stattfinden!“ Bevor dieses letzte Telegramm abging, gab es jedoch im Beth-Hamidrasch eine ungemein bewegte Szene. Die Erkrankung W—ks und der TelegrammWechsel waren begreiflicherweise in dem kleinen Ort kein Geheimnis geblieben, und als die frommen Gelehrten hörten, dass der Rebbe unerschiitterlich auf seinem Rat beharre, wurden sie bei aller Ver-, elirung für ihn von einem gewissen Angstgefühl ergriffen. Einer der angesehensten Gelehrten, der 80jährige W—z, entschloss sich, dem Rebbe Vorstellungen über die furchtbaren Folgen zu machen, die möglicherweise bei Niclitbcfolgung der ärztlichen Entscheidung eintreten könnten. Er beschwor den Rebbe, doch bedenken zu wollen, dass er schliesslich eine schwere Verantwortlichkeit auf sich nehme, da er gegen die Meinung der Aerzte sich auflehne. W—k habe auch Frau und Kind . . . Der Rebbe berief hierauf die Taimide-Hachoniim zu sich und sagte zu ihnen: ״W—z hat mich zur Rede gestellt wegen W—k. Ich erkläre vor euch, dass ich die Verantwortung übernehme. Wenn W—k sich operieren lässt, soll ihm Gott helfen; wenn er es unterlässt, wird er mit Gottes Hilfe gesund werden.“ Das Telegramm des Rebben wurde richtig abgeschickt. W—k reiste von Berlin ab, ohne operiert worden zu sein, obgleich Professor Israel und auch die anderen Aerzte, die einem Konsilium zugezogen waren, der Befürchtung Ausdruck gaben, mein Freund' werde nicht lebend in seiner Heimat ankommen . ■. . Seitdem ist mehr als ein Jahrzehnt verflossen lind W—k er- /freut sich der besten Gesundheit.“ Damit schloss Herr N. seine Erzählung, der ich, ich ge-•■ stehe es, mit steigender Verwunderung• gefolgt war ... Einige Wochen später sagte mir‘Herr N.: ' ״Denken Sie׳ nur, meine Freund W—kv ist gestern mit seiner Tochter angekommen, er wohnt auch hier im Hotel und bleibt längere Zeit in Wien, Wenn Sie wünschen, mache ich Sie mit ihm bekannt.“ Am 4. Februar 1913 erfuhr ich von W—k die noch durch verschiedene Einzelheiten erweiterte Wiederholung der vorstehenden Erzählung. Ich gebe sie getreulich wieder mit Vermeidung jeder kritischen Bemerkung. A n i. ^055

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