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Jüdische Presse · 1926-02-26 · 9 (26.2.1926) · p. Seite 66

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
9 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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Seite 66 JÜDISCHE PRESSE Nr. 9 Uebet* die flgudah in Amerika Vertrauenskundgebung des Wiener Geschäftstührenden Ausschusses der Agudas Jisroel für die amerikanische Delegation. Wien. (AJPB.) In der Sitzung des Geschältslührenden Ausschusses der Agudas Jisroel vom 7. Adar In Anwesenheit des Zentralratsoräsidiums Rabbiner Dr. Esra Munk, Berlin, Moriz Felsenburg, Wien, sowie des ehrwürdigen Ober: rabbiners Jesaja Fürst, als auch der Chassidimrebbelm Grossrabbiner Markus Friedmann (Sadagora) und Beer Friedmann (Czortkow) wurde der Aguda-Delegation in Amerika für Ihr!zielbewusstes Auftreten gegen die unerhört niedrigen zionistischen Angriffe wärmster Dank und uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen. Insbesondere wurde die treffliehe Antwort Dr. Schlomo Ehrmanns auf die tendenziösen Angriffe Louis Lipskis hervorgehoben. Für die überaus erfolgreiche Durchführung der Organisationsarbeiten sprach die Sitzung ihre besondere Anerkennung aus. Jakob Rosenheims und Leo Wreschners Ankunft in New-York. Das A. P. 0. vom 12. Februar meldet: Jakob Rosen,heim. Vorsitzender des G c sc 11 ä f t sf iil 1 r e rcde 11 Ausschusses, und Leo Wrcschner, Mitglied der Exekutive, einer der hervor- *nagendsten! ]111d.ust1i׳ellen׳ atud Phi la>n׳t!11׳r open in •Deutschland., kamen letzten Montag auf dem Dampfer ״Albert Baliin“!in New-York an. A:n der Londungsbrücke wurden die prom'inenten Gäste von einer grossen' Delegation von Vertretern versohiedener jüdischer orthodoxer Gemeinden und Organisationen empfangen und begriisst. Zu Ehren der Gäste findet am Sonnabend den 13. Februar in der ״Olieb Z e d e k“-Synagoge ein öffentlicher und feierlicher Empfang statt, Rabbi Klei 11, Rabbi Löwy, Rabbi Jung und Rabbi Heribert Goil'ds t e׳i n, Präsident der Vereinigung orthodoxer Rabbiner, werden feierliehe Ansprachen halten. Kantor Josef Rosen bla tt 11a׳t die liturgische Funktion übernommen. Heftige Presseangriffe gegen Agudas Jisroel in Amerika. Nach den Angriffen von Louis Lipskl, dem Präsidenten der zionistischen Organisation in Amerika, die van Agudas Jisroel ׳wirkungsvoll zurückgewiesen wunden!, ertab sich eine neue Kampagne gegen sie: In der letzten Woche erschienen zwei heftige Angriffe im ״Morning Journal“, einer von Rabbiner Meier, Berlin, dtsr andere von Ephraim Kaplan. Das A. P. 0. bemeiikt dazu: ״Ganz besonders bemerkenswert ist der Artikel von Rabbi Meier, Berlin. Seine Auseinandersetzungen sind nmso verwerflicher, als er ein orthodoxer Rabbiner ist und eigentlich der Agudas Jisroel näher stehen müsste als Stephen IWise. Rabbi Berlin war derjenige — so hat schon Rabbi Löwenthal bei dem Meeting der Zionistischen Organisation erklärt — der den Kampf gegen Stephen Wise im orthodoxen Rabbinerverbände 1ii!bet111!aupt entfesselt hat. Er ■muss' jedes Verantwortiungsgeifühl verloren haben, wenn er jetzt plötzlich sich gegen die Aguda wendet, an deren Spitze die prominenten Rabbiner der Welt stehen. Schleudert er seine Angriffe etwa, um jetzt wieder die Anerkennung von Dr. Wise .zu erlangen? Das A. P. 0. bemerkt, dass niemals in der Geschichte der orthodoxen Judemheit ein Rabbiner solch eine bemerkenswerte Rolle im religiösen Kampfe gespielt hat. Die Agudas Jisroel in Amerika hat ein warmes Begtiissangssohreiiiben an den Lord-Mayor New-Yorks •gerichtet. Der Lor'd-Mayor hat der Agudas Jisroel in überaus herzlicher Weise seinen Dank und Anerkennung für ihre religiösen' Bestrebungen ausgesprochen. Gründung des Agudali Press Office in New York. New Y 0t 1k. (AJ'Pß.) In!New York w!unde elim lAgitdaih Press!Office ׳(!A. 1P. 0.) (673 Broad Wlhite) igegrtinidet. •Es gilbt ׳regelmässig iBuieitiais zur Iuifonrriiierung 'die!r!Presse heraus. ■ Gründung neuer Agudafilialen in Amerika. Ausserordentlich guter Fortgang der Organisationsarbeit. N e w ,York. (AJPB.) Oie Orgairti!sa#onsarbeüiten! der Agudas Jisroel wenden!mit;täglich erhöhtem Eifer fortgesetzt, ln vielen, Stadtteilen■ New Yorks bestellen1 bereits gut fainlk- ׳Monierenden ,Filialen der Agudas Jisroel, in Chicago, Boston, PMitadeiphia, Cleveland, Buffalo ’wurden׳ Ortsgruppen ins Leben gerufen. Die Hetze gegen die Aguda. Die Agudadelegation in- Amerika scheint sehr erfolgreiche Arbeit zu leisten. Mehr als durch eigene Berichte wird diese Tatsache durch die ■unglaubliche Hetze bestätigt, die in zionistischen Zeitungen gegen die Aguda geleistet wird Die Exekutive der amerikanischen Aguda hat sich bemüssügt gesehen, gegen das offizielle zionistische Organ, das alles bisher Dagewesene an ■Verleumdung der Aguda überbot, gerichtliche Schritte ein zu lei ten. Wir wissen nicht, ,ab das rabbinische!Gericht, das in erster Reihe angerufen wurde, Oder ob dn weltlicher Gerichtshof über diese Dinge urteilen! wird. In unseren Augen richten sich die Zionisten selbst. Was ist in Amerika geschehen? Der Leiter der Palästinazentrale hat sich nach Amerika, begeben, um fiir!die in Angriff genommenen Siedlungsarbeiten der Aguda in Palästina Mittel zu beschaffen. Die Palästinazentrale der Aguda hat •im Laufe des verflossenen Jahres grosse Bodenkäufe getätigt, urid rückte so auf die dritte Stelle der palästinensischen Boden'besitzer vor. Die Kolonisierung dieses Badens wurde zu einer Zeit in Angriff genommen, da man noch mit grossen Eingängen von Mitteil- und Osteuropa rechnen konnte. Da •infolge der verheerenden VVirtschaftskrise alle europäischen Geldquellen versiegten, blieb bloss Amerika übrig. Dr. Salamon Ehrmann, der Leiter^ der Palästinazentrale, fand einen geeigneten Boden fiir seine Tätigkeit in Amerika. In seiner Arbeit hielt er sich ängstlicli von jedem Angriff gegen Zionisten und Zionsmtis zurück. Er hatte an Arbeit gerade genug, um setine uranittelbaren Aufgaben zu ,meistern. Als es ',ihm gelang, weitere Kreise in Amerika zu ,interessieren, horchten a׳uf einmal die zionistiisehen Führer nervös auf. Wenn diese feinen Bdelmäuner augeben,_ dass die Arbeit der Aguda in Amerika den grossen 5 Mlllionen-Drives der Zionisten •zu stören geeignet ist, so ist dies ein glatter Unsinn. Unzählige Körperschaften und Emissäre, darunter auch zionistische und zionistisch-sozialistische, entfalten eine rege propagandistische Sammeltätigkeit in Amerika, ohne dass hied'uroh eine Gefährdung des zionistisehen Palästinadrives von irgend jemandem empfunden worden wäre. Die GrüiKle der erbitterten Hasskampagne der Zionisten gegen die Aguda müssen daher anderswo gesucht werden. Unseres Erachtens kann diese Hasspropaganda nur damit erklärt werden, dass die Zionisten׳ in ihrer Monopolstellung, die auf sehr schwachen Grundlagen z׳u stehen scheint, sich be-!droht fühlen. * Den leiichtgiäubigen amerikanischen Massen haben s!ie in lügenhafter Aufmachung eindrillen wollen!, dass!der »Aufbau Palästtfoias nur!durch, die zionistische! Organisation durchgeführt werden könne. Die .leichtgläubigen Massen haben nur miit Widerwillen ,ihr Ohr der zionistischen Propaganda geöffnet. Die Massen in Amerika wünschen ein religiöses Palästina.- Die■ national,1istiscben , sozialistischen Allüren! der meisten Zionisten •in Palästina sind ein Greuel in ihren Augen. JU!m über 'diese Schwächen und Blossen himwegzutäuschen׳, muss mit allen Mitteln ein Feind des palästinensischen Aufbau-!Werkes konstruiert werden. Eine antiarafoische Hetze würde ln Amerika nicht sympathisch aufgenommen werden. Auch der Papst würde! eine Hasspropaganda mit genügend! . scharfen Mitteln hintanhalten können. So tritt das Gesetz vom schwächsten' Widerstand in! Geltung. Die Aguda ist nicht stark genug, um sich gegen eine ausgiebig unterstützte, von reichen Keren-Hajessod-Miitleln unterhaltene Hasskampagne wehren zu können. Also wird die Aguda ails die ärgste Feindin des Palästinawerkes hingestellt.’ Die Aguda, die man jahrelang ■deshalb angegriffen hat, weil sie sich gegenüber Palästina passiv verhält, wird nun deshalb angegriffen, weil sie zu grosse Aktivität ■ für Erez Israel entfaltet. Wir haben die zionistischen Führer, die jetzt am Ruder sind1, immer für schwache Psychologen gehalten. Dass sie aber solch erbärmliehe Stümper sind, haben wir uns doch nicht vorstdien können. Die unverantwortliche Hasspropaganda in den amerikartischen zionistischen Zeitungen ist für uns nicht nur ein Beweis für die Erfolge der Aguda in Amerika, sondern gleichzeitig ein erschreckender Beleg für die erbärmliche moralische Schwäche der! zionistischen ■Sache. Für ׳eine!gute• Sache arbeitet man!unmöglich!mit solchen ׳■Mitteln,. TIFERES BACHURIM, ״־££״״ unterstützt Wiener Kinder, die auf Jeschivoth lernen. $0*'Fördert daher diesen Verein! Postsparkassen-Konto Nr. 51.807. .EInj&hrlger Hanoelakurt ־Wiener Einjähriger Handelskurt Talmud -Thora - Schulverein Volks- und BQrgerschule für Knaben und Mädchen Wien, II■, Malzgasse 16 Oest.Postspark.-Kto: 182.169 Spendet für das älteste und grösste jüdische Schulwerk Wiens! Hamans Schilderung der Juden. Nach Samson Rafael Hirsch. , Es sieht nichts schärfer als der Neid, es zeichnet nichts wahrer als der Hass —.und es urteilt!nichts falscher als alle beide. Die Tatsachen erfasst das vom Hass geschärfte Auge, das Urteil fällt die blinde Leidenschaft. Wer kann dieses עם מפוזר ומפורד dieses zerstreute und gesonderte Volk betrachten, ohne sich nach der Seele um- Zusehen, die es allein über den Gräbern der Zeiten lebendig erhalten, nach dem Talisman, der es geschützt nach der Quelle seiner Kraft und seines Mutes, hach dem ewigen Born, aus welchem es immer neu sein frisches Dasein getrunken, und aus dem ihm der Geist der es sondernden Eigentümlichkeiten quillt! Wer kann dieses עם מפוזר ומפורד betrachten, ohne mit Hatnan דתי דו ם שונות מכל עם ihrer von allen Völkern abweichenden Gesetze, und damit zugleich des Bodens zu denken, der sie in der Zerstreuung trägt und ihre Sonderung erzeugt! jawohl, דתיהם שונות מכל עם jawohl sind ihre Gesetze verschieden von jedem anderen Volke! Und eben diese Grmidversclnedenheit seines Gesetzes, nicht die Verschiedenheit seiner!Nationalität und Abstammung sondert dieses Volk von den Völkern. Nationalität und Abstammung standen überall sonst nicht immer hindernd lim Wege, dass sich nicht die verschiedensten Völkerstämme zu einer Nation verschmolzen. Sein Gesetz ist es, dass dieses Volk sondert. Nicht dass die übrigen Nationen sich einer Gleichheit bürgerlicher lind religiöser Gesetze erfreuen. Vielmehr sehen wir ja gerade :in diesem Punkten die grösste Verschiedenheit unter ihnen herrschen. •So verschieden der Boden, der. sie trägt, der Himmel, der sie deckt, das Klima, das sie umfängt, so verschieden an Gesichtsbildung, Geistesanlage und Sprache, so. verschieden sind sie an Gesetzen und Gebräuchen des sozialen und religiösen Lebens. Jedes Volk erzeugt sich seine Gesetze und seine Götter aus dem tiefen Fonds seiner Eigentümlichkeit und Bedürfnisse und wechselt dieselben, sowie es sich selber!im Laufe der Zeiten verändert. Aber eben in dieser Verschiedenheit liegt ihre Gleichheit, in diesem Wechsel ,ihre Uebereinstimmung. In Ursprung und Wesen, :in Zweck und Bedeutung sind sich die Gesetze aller Völker gleich. Und gerade an seinem Ursprung und Wesen, in seinem Zweck und seiner Bedeutung ist das jüdische Qesetz von allen anderen bis zum völligen Gegensatz verschieden. Ueberall entspringt das Gesetz aus dem Volke, hier aber entsprang ׳das Volk aus dem Gesetz. Ueberall ■ist das Gesetz für das Volk, hier aber das Volk fiir das Gesetz. SPEZIAL-WISSOTZKY-TEI '"""י*י "ליל bereits של פסח י««ייזי»3י«י» ,,"""ו״ווו״״וווו" NIEDER LAGE IX.! Liechtensteins!!•. 87 Telephon Nr. 17-1-75 Gründungsjahr: Moskau 184g Die Juden in Wiener-Neustadt. (Fortsetzung.) Im 13. Jahrhundert hatten die Juden in Wiener-Neustadt schon einen geistigen Führer in R. Chain! ׳ben Mosche1). Wir dürften kaum fehlgehen, wenn wir annehmen, dass R. Chaim gegen Ende des 12. Jahrhunderts geboren wurde. Sein Schwiegersohn R. Awigdor b. Elija ha Koheir) war in Wien urn 1240 Rabbiner und •erfreute sich grossen Ansehens3). Wenn Awigdor damals auch nur 25 Jahre alt gewesen wäre, musste sein Schwiegervater mindestens 45 Jahre zählen und dürfte schon zwischen 1190 lind 1200 geboren sein. R. Chaim stand mit den Gelehrten seiner Zeit, wie zum Beispiel dem berühmten Verfasser des ״Or Sarua hagadol“, R. Jizchak aus Wien*) und dem!Prager R. Schlomo b. Machir in Verbindung.5) Unter seinen Schülern finden wir seinen Nachfolger R. Chaim b. Jizchak, den Verfasser des ״Or sarua ha-katan“ °). Von R. Chaim b. Mosche selbst sind nur wenige Aufzeichnungen erhalten, die so recht die armselige Lage der Juden in Wiener-Neustadt beleuchten. Einige Gemeindemitglieder wollten die hohen Feiertage fern von Wiener-Neustadt verbringen, wodurch ׳die Zurückgebliebenen, die nicht einmal zehn Männer zählten,. 1j Response 11 des R. Chajim b. Jizchak Aschkenasl (Or sarua hakaton), Leipzig 1860, Z. 118, 37 b: ופ׳ הדר חיים כד משה זצ״ל מנאוישטט בתשובתו 2) Moses Minz, Responsen (Lemberg 1851) Z. 69, 55 a u, Grätz VII, 157. a) Iosef Kolon, Responsen (Cremona 1557) 74, 536; R. Jizchak b. Mose, Or sarua liagadol I, II, (Shitomir 1862), III. (Jerusalem 1887) 1, 198, 205, 206 und Or sarua hakatan 199, 66 a. Avigdor äst auch bekannt unter dem Namen Avigdor Kohen Zddek. 4) Or. sarua hakatan 199. 5) iibid. 52, 14b; 8, 4b; 110, 34a. ״) ibid. 122, 39 a: זה אשר כתב מורי הדר חיים כד משה זצ״ל Auch 52, 144 nennt er ihn מורי, keinen öffentlichen Gottesdienst hätten abhalten kön־ nen. Sie wandten ׳sich daher an R. Chaim um Intervention und verlangten, dass die Abwesenden für Vertretimg sorgen.1) Die ganze Gemeinde mit Einschluss der Frauen und Kinder konnte daher zu jener Zeit kaum mehr als fünfzig Seelen gezählt haben, dürfte aber bald durch Zuzug grösser geworden sein. Da Avigdor ben Elija ha Kohen, Schwager des R. Mosche aus Coucy (Frankreich) ־’) war,!ist R. Mosche aus Councy auch ein Verwandter unseres R. Chaim b. Mosche. Die Niederlassung der Juden in Wiener-Neustadt ׳dürfte nicht viel jünger sein als die Stadt selbst, die von Leopold V. (1192—1194) befestigt wurde.3) Im ersten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts wohnten, wie aus den Lebensdaten des R. Chaim .und seines Schwiegersohnes hervorgeht, jedenfalls schon Juden 0 Die betreffende Stelle lautet im Codex Halberstamm: z. 345 :(865) תתס׳ה ושאלנו עוד קהלינו יושבי נושטט יש מהן רוצי ללכת חוץ למקומי לי׳נ ומגיהי, חביריה, בלא מניי׳ אם לא שישכירו אחרי׳ תחתיה׳ כמותם בני מצו׳ כט׳ אחרי׳ שיצטרך להשכיר אף הנשארי׳ יפרעו חלקם וגם הגשים האלמנו, יפרעו חלק׳ המגיע להם דהשוה הכהו׳ אשה לאיש לכל,עונשי׳ שבתור׳ כדמפיק מואלה המשפטי׳ ואע׳ג דחוי כמו מצו׳ עשה שהזמן גרמא וגשי׳ פטורו׳ מאחר דקכלו עליה רמינו עלייה׳ כחוב׳ מ׳ד אלולב ותקיעת שופר. ושלום על״כ׳י נאום חיים. י Diese Entscheidung ist zwar undatiert, kann aber kaum aus einer anderen Zeit als der der Entstehung der Gemeinde stammen, da in Wiener-Neustadt sonst solche Verhältnisse nicht herrschten. Auch die Unterschrift deutet auf R. Chaim b. Moses, da der spätere Chaim b. Jsak nie bloss נאום חיים schreibt und ein anderer Chaim in Wiener-Neustadt nicht bekannt ist. '־) Moses!ben Jakob ׳aus Coucy ist ׳der Verfasser des bekannten ספר מצות גדול (Semag). 3) Honmayr, Taschenbuch fiir vaterl. Geschichte, Wien 1813. in Wiener-Neustadt und wir wissen übrigens, dass dies auch für das ganze übrige Land Niederösterreich gilt. II. 0 Die Rechtsverhältnisse der Juden in Wiener-Neustadt bis 1496. Die Juden waren im Mittelalter in den Städten Oesterreichs, wie überhaupt in den Städten, wenn auch nicht ganz unentbehrlich, so doch als Kaufleute ein bedeutendes, vermittelndes Element. In den Städten bildeten sie sozusagen eine abgesonderte Gesellschaftsklasse. Zu den von Rechtshistorikern in drei Klassen geteilten Einwohnern Oesterreichs im Mittelalter können wir in den Juden getrost noch eine vierte Klasse fügen: Adel, Bürger, Juden lind Bauern. Das ist 11m so mehr am Platz, als im 13. und 14. Jahrhundert nicht die Reihenfolge der Freiheiten, sondern einzig und allein der Beruf und die Lebensweise die Grundlage der Klasseneinteilung bildeten.1) Den Juden kann man weder vermöge seines Berufes, noch vermöge seiner Lebensweise unter die Bürger oder die Bauern reihen. Sein Wirken ist im öffentlichen Leben entschieden bemerkbar und er steht grösstenteils als Vermittler zwischen den anderen Klassen. Wie gross die Bedeutung der Juden in Oesterreich war, beweist, dass in dem im 14. Jahrhundert auf Initiative des österreichischen Herzogs gefälschten Privilegium maius als wichtiges Vorrecht des Herzogs von Oesterreich erwähnt wird, dass er in seinem Lande Juden halten dürfe, ohne dass ihn der deutsche Kaiser hierin behindern könne. 2) Die Juden verschafften sich in Oesterreich in den Verwaltungsangelegenheiten bald einen gewissen Einfluss. Im Jahre 1235 herrschte grosse Hungersnot und Herzog Friedrich II. verhängte auf den _ » *) Hasenöhrl, Oesterreichisches Landrecht, Wien 1867. 3)Et potest!in terris suis omnibus ׳tenere judaeos et usurarios publicos quos vulgus vocat Gavertschin, sifie imperil molestia ... (Wättenbach im Archiv für österreichische Geschichtsquellen VIII,)

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