Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 8 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite öO Nr. 8 JÜDISCHE PRESSE österreichischen Union nahestehen,, beginnen sich allmäh- Uch zu ernüchtern. Schrittweise befreien sich diese Schichten von dem moralischen Terror der Zionisten und sie .erkühnen sich schon zu bescheidenen Anfragen bei anderen , Gemeinden, ob es denn wirklich wahr .־.ist, dass man; heute nunmehr nur eine jüdische Pflicht kennt, clenf Keren Hajessod den Tribut zu entrichten. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn die Zionisten sich hierüber aufregen. Sie haben sich in ihrer Sache so sicher gefühlt. Vom Rausche leichter Erfolge betört, glaubten sie, dass jedermann ihren Propagandaschriften Glauben und Gefolgschaft schenken muss. Sic begannen einen neuen jüdischen Kalender zu fabrizieren, in welchem als Festmonat ״der zionistische Monat“ verzeichnet wird und die übrigen Gedenktage den zionistischen Fonds und den Versammlungsreden zionistischer Führer gewidmet sind. Sic begannen eine neue jüdische Pflichtenlehre zu verkünden, in welcher der jüdische Pflichtenkreis bei Schekelzahlung beginnt und bei Keren Hajessod endet. Sic haben; es so entworfen, die Zionistenkongresse haben es so beschlossen und die Zionisten haben es so lange wiederholt, bis sie selber daran wie an ein Dogma glaubten. Wi!t wollen auch dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren lassen und wir sind weitherzig genug, anzuerkertnen, dass das1 Erwachen aus diesem Schlummer nicht sehr angenehm, ja sogar sehr ärgerlich ist. Aber gerade im Aerger zeigt es sich, dass die Vorsicht die Mutter der Weisheit ist und es ist sicherlich keine politische Vorsicht, Herrn Dr.1 Josef Löwenherz sich äussern zu lassen. Diese Aeuss,erungen kompromittieren gleichmässig Dr. Josef Löwenherz wie das zionistische Landeskomiitee von Wien und nicht zuletzt auch den Keren Hajessod. Wenn schon Fier? Dr. Löwenherz die Wendung gebraucht hat, ״dass wir Palästina offen vor der ganzen Welt gleichsam wie in einem Glashaus aufbaueii“, so hätte er sich füglich im Bilde halten sollen und sich nicht so gebärden sollen wie ein.Statt einer ruhigen und aufklärenden Erwiderung erging sich aber der schneidige Zionistenfiihrer in Beschimpfungen, gegen die wir kein Wort der Entgegnung verschwenden wollen. Unsere Sache ist es,׳ die Vorgänge innerhalb des jüdischen öffentlichen Lebens mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Es schien vor einigen Jahren schon ganz sicher zu sein, dass jene Kreise, die der österreichischen Union und dem deutschen Centralverein nahestehen , der zionistischen Propaganda rettungslos erliegen und ihr durch ein Jahrhundert der Reform ge-> schwächtes Zugehörigkeitsgefiihl zum Judentum im Opfern für den Keren Hajessod vollkommen befriedigen. Nun, dem ist es erfreulicherweise nicht so. Der Keren Hajessod,1 der zumindest ebenso für den Aufbau der zionistischen Propaganda und Presse gedacht ist, wie zum Aufbau Palästinas, kann kein Organ für all jene Kreise sei:1‘, die das jüdische Volk nicht im völkischen Sinne nach dem europäischen Muster auffassen, sondern noch eine Ahnung vom jüdischen Volke als dem G—ttesvolke bewahrt haben. Die Orthodoxie hat diesen Kreisen gegenüber eine grosse erzieherische und religiöse Aufgabe. Der Wille dieser Kreise, zum Aufbau Erez Israels beizutragen, soll nicht unterschätzt werden. Dieser Wille kann wahrlieh nicht mit Peitschenhieben der Beschimpfung und' Verhöhnung geweckt werden; hingegen sind wir ganz! sicher, dass ruhige Aufklärung das richtige Mittel ist, diese wertvollen Menschen zum Aufbau des ^heiligen Landes im Geiste der Väter heranzuziehen. Kann die zionistische Organisation diese Aufgabe nicht lösen, und Führer wie Dr. Josef Löwenherz taugen herzlich schlecht zu dieser Aufgabe, so muss eben Ägudas Jisroel mit ihrem Keren Hajischmv die Sache vollenden. Der Aufbau Palästinas ist eine heilige jüdische Aufgabe. Sie kann im zionistischen׳ nationalchaii'vinisttsehen Geiste wahrlich nicht gelöst werden. Dr. Nathan Birnbaum spricht am Samstag den 20 Februar um 8 Uhr abends im Festsaale des Ing.- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, als Gast der Vereinigung Jüdischer Akademiker über das Thema: ״Der grosse Einsame“. — Katten erhältlich in den Buchhandlungen Jos. Schlesinger, I., Seitenslettengasse 5, und Hirschler, I.. Rabensteig 6. Spendet für den nachrichtbSHS Mosches Tod. Zum 7. Ador. — Nach B. Segel. An einem Sabbat Nachmittag war es, zur Minoliazeit. Still und friedlich neigte sich der heilige Tag seinem Ende zu. Da verliess Mose ׳das Lagerzelt un׳d schritt seinen einsamen Weg den liiehtgekrönten Berg Hinan, während sich das Volk weit unten im Tal!noch der :behaglichen. Sabbatrulre pflegte ... Und 1M0S2 stieig von den Ebenen!Moa'bs 'deniBergNöbo ■hinan. bii!s zum höchsten Gipfei, gegen Jericho, und G—tt zeigte ihm das ganze Land, den Gilead bis Dan . . . Und als wollte der Erzähler seine Ergriffenheit beschwichtigen׳, um sich von ihr nicht iib׳erma1n1;1en m lassen, fängt er an, einen ganzen trockenen Katalog von Städtenamen und Grenzen aufzuzählen . . . Und G—tt sprach zu ihm, siehe, dies ist das Land, welches ich geschworen habe, den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs zu geben, ich zeige cs dir, sich cs mit eigenen Augen an, aber dorthin kommst du nicht . . . Wozu auch? Es liegt eine tiefe und schmerzvolle Erkenntnis vom Leid der Weit und vom Sdiilicksal der Mensdhen darin, dass Mose das Land s:׳i׳ncr Sehnsucht nur von ferne sehen, aber nicht betreten darf. So soll der Held sterben: mit der grossen reinen Vision seines Ideals vor der Seele und dem schmerzlich beglückenden Heimweh nach dem Reich seiner Hoffnungen im Herzen. Aber die Verwirkiiclmng seines Ideals begehre er nimmer zu schauen. Nichts Trübseligeres, nichts Kümmerlicheres gibt es in der Welt, als den Anblick eines verwirklichten, eines fleischgewordenen Ideals. Und zum einzigen Lohn für sein ׳Leben und seine Mühsal logt dem Heiden G—tt litt letzter Slu1:,de״!als!das!Ideal1 reif geworden!, um in die Niederungen herabzusteigen und irdische, tönerne Gestalt anzunehmen, die Hand auf die Augen und lässt ihn sterlben . . . Und Meso war 120 Jahre als er starb, nicht' war sein Auge trübe, noch waren seine Säfte geflohen . . . Stolz und kraftvoll, wie er einst ein Jüngling noch, die Wüste durchmass, schreitet er jetzt den Berg hinan, und sein strahlendes Auge blickt in die untergehende Sonne. Hinter ihm lag ein langes Leben voller Kämpfe und Siege, Mit seinem Ich hatte er g;. :kämpft, rniitdiemiKömg'dcs mächtigsten iR׳e!iches und ׳mlit dien Menschen und ihrer Feigheit und Hartnäckigkeit und Dummheit und Eitelkeit, er hatte den Haufen mit starker Hand zu einem Volke gehämmert, und hatte dieses Volk zum ewigen Erbteil ׳setes ■ewigen׳, einzigen Weiten«—ttes .gemacht ׳und!!iebte ׳cs •in!Demut amd grenzenloser!Hingabe 11!:1d trotziger Hoffnung und unendlicher Sanftheit, und mit Kraft und!Zorn umd!Hass. Uind!er!führte e׳s wie ein treuer IHinte, u׳nd ■wie ein ■grosser ׳Feldherr,!wie ein strenger, iireuindl'idher Lehrer und •wlie ■eine sorgende Mutter, und er hegte es, wie ein Gärtner seinen Garten hegt, und er trug cs, wie ein Adler seine Küchlein trägt, und er schützte es vor dem Zorn seines Herrn, und wollte lieber aus dem Buche, das G—tt geschrieben ausgelösclht seiin, als dass er dieses• Volk seinem Schicksal iibcrliess, um selber zum Stammvater eines grossen Volkes -zu werden. Und jetzt batte er ihm den letzten Segen gespendet und sich still abgewandt, und schritt nun seinen einsamen Weg, um auf lichtumflossenen Berge zu sterben. G—tt zeigte ihm weit und breit das Land seiner Sehnsucht, wie cs zu seinen Füssen dalag im Lichte des sinkenden Taiges. Dann küsste er Uhln . . . Und es starb dort1'Mose, der Knecht G—ttes, im Lande Moabs, nach dem Gelieiss G—ttes . . . Ganz wie die Sonne drüben in das purpurstrahlende, unendliche Meer still niedertauchte . ... Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moabs, gegenüber Beth-Peor, und kein Mensch kennt sein Grab bis auf den heutigen Tag . , . Der siebente Adar. Der Todestag umseres .grossen ׳Lehrers Moses gilt dem pietätvoMen Gedenken jener iim Laufe des Jahres daihiingeschiiedenen treuen, Jünger!Masche Rabeimis, d!i'e seine׳ Tllvo׳ra!!roahgel!alten, entwickelt',!gelehrt und ans Leiben mmigesetzt haben,. Im ׳vergangenen •Jahre Ihat der Tod' ielne!überaus ,reiche Ernte aiuf ■dem Gefilde!!der Thora gehalten. Es!gingen van 11ns: דרבנים הנאונים הצדיקים דל Josef Alter, Warschau;!Meter tAraik, Tiannow; Meier Atlas, Schaulen, Litauen; ׳Samuell Bornstein, iSochaczower iRe'bbe; Mendel Deutsch, Ta׳polcsany-Jeruisatam;!Jod!Felihierl, Satoraljaujhely, Ungarn; Mosche Fink ei, Rosch-ijieschüwah, Kindergarten und Jessode Hathora der Adas Jisroel, Wien, II., Nest'oygasse 11 Oeatprr. Post8pHrk.-Ko״tn \r. 177.855 Tel. 65-3-71, 65 160־ Slobotka-Gh!e׳bron; Amrom FtsCher,!Gyönk, ׳Ungarn; Josdf Ohaim;Fiisahmann, Mezöidegd, 7 ranssylwanien; Rabbi Arle Jakob!Friedmann, Kodinia!, (Polen,;!S'iimon Friedmann, So- ׳brancz, Slowakei; iZwii׳ Arie iGelibaind׳, iWii'skower ׳Rebbe; Josef Chajim Giins, Hajduböszermeny, Ungarn; Ra'bb!i\Je!hu׳da Leib Gordon (!Lornzer Ga an). Chicago: Grossrabbiner Melier Hager, Kossow: Schalem Hakohen Jolles, Stryj- Jerusalem; •Elias Klein, Baiiny׳, Rumänien;!Sam:u׳e׳l Memachem Klein, Secowe,. Slowakei: Efrai'm Lapp, Virtualen. Litauen,: M,ordc!he,i Lericrowitsch, Kemecse, Ungarn; Isak Abraham iLomstein, ׳ReHae-Vicne, ׳Polen; Moses Mnmnsohn׳, Ozierna: Osclier Marx, Darm,Stadt: ׳Awrohom Oser, Rakower Relbbe; Jesala Palllak, Gross ward ein.; iMeir!Reichhardt, iKolta, Slowakei: Je-scdiaijüa Steiner,!Keresztur; Gha׳im Hersch Teitelbaum, Sziget; Bariuc.11!Dawiid Twerski, Wien. Stmclie Abele®, BrooklynrtJew York: Moses Link, Papa; Mas es Weis, Zborav. Mitteilung an die Aguda-Mitglieder. Das Central- :Ho teil, Wi'eni, 1IL, Tialborstrasse Sa, wurde ׳von iBratishaivaer Glaubensgenossen erworben.. Vollständig neu reno- ,Wert, (besitzt es iZentraliheizung, kalt- und war mfll essend es Wasser •und Telephon im Zimmer. Treffpunkt der Agudas- Jisroel-(M!i‘t1g]!i׳e1de׳r, welche ■van den ׳Zimmerprcisen, ■die S 5!bis S 6 pro Tag betragen10 ,׳ Prozent Nachlass ׳erhalten. Vortrag Dr. Ismar Freund. Dienstag, den 16. Felbruau fand!im!Festsaale des :Bezirksrates für den 1.!Bezirk der Vortrag!des Herrn Dr.!Ismar Freund au׳s Berlin ׳über ׳das Thema ,•,!Der!Kultarwert ׳des Judentums“ vor einem er- Jesenen Publikum statt. Der Referent :verstand es, in einem ll/2stün!dige׳n Vortrag sowohl durch den gediegenen Inhalt wie den meisterhaften .Aufbau seiner Ausführungen das Publikum ,zu fesseln. Dr. Ismar Freund bewährte sich liäei als ein grosser!Apologet,!der ,an!t1ise!m!itischen■ Anwärter, gegenüber ■den hohen!Kultunwert!dar Thora, ׳der ׳jüdischen Lehre, des Judentums überhaupt ׳mit ׳logischer Schärfe und mit gewinnender!Beredsamkeit 11 ach zu weisen versuchte. Immerhin ,waren ׳seine Zuhölrer keine '.AnUisemiiten׳, ■desungeachtet hat!der Vortrag einen grossen erzieherischen Wert gehabt. Aus ׳dem rauschenden Appilams, der!dem!Redner gespendet ,wurde■, :ist zu schliessen,!dass die Zuhör.er sich .gerne!dar,über!belehren .Hessen, dass!das Juden׳- turn, wenn!auch!sein Lehrgebäude van einer!hohen .Ethik durchflutet ist, nicht Ib'loss eine Summe von ethischen S׳entemzen ׳ist, ׳sondern eine ׳Lehre, die von ,ihren ׳Bekennerin die!Befolgung von praktischen Gesetzen wiie ׳d׳er Sabbat und der gleichen mehr!verlangt. Dr. Jakob Or n s te.i n,!der!den1 Gast Ibegrüsste, ׳dankte nach dem Vortrag in Iherzliehen Worten dein ,Referenten, dessen Vortrag e;im Beweis nelucrwachtier Intensität in!der ■Union österreichischer Juden ist. Die ausserordentliche Generalversammlung des Bethausvereines ״Achdus Israel“. Soinntag, den 30. Sohwat fand ׳die lauss er ordentliche!Gene r׳al.ver׳sam!m, lung das!Bethausvereines!Achdus Jisroel (Rembirandtsynagoge) uintei ausserordentlich starker ׳Beteilig 11 ng!der!Mitglieder statt.!Der ׳Generalversammlung!i׳st ׳eine!heftige;Propaganda seitens!der Opposition vorangegangen, ׳die ■unter dem!Namen' ״F.rieidenispartcii“ ikelne Mühe scheute,, ׳u׳m d!e;n!Frieden ׳dieses grossen und vornehmen. iBeth ans Vereines zu ׳stören. Trotz der schriftlichen!und .mündlichen ׳Propaganda gelang ׳es aber ׳der 1Fr.iedenspartei!nicht,!nennenswerte Anhängerschaft unter!den Mitgliedern!des iBethausverieiines;zu ■finden. So bald!es ,bekannt wurde, w!e,leihe Personen sich .hinter!dem wahlMiingenden ׳Namen ,jFriedenspartei“ verbergen, gm!*■!der ganze Zauber ■des!wohlklingenden ■Namens verloren,. D׳i׳e Grossmannssiucht der Opposition, ׳die sich nicht gescheut hat, statt eines ׳jüdischen ׳Forums!die ,Polizei in Anspruch zu nehmen,;zeigte sich Uber erst während!des Wahlaktes;in!ihrer vollkommenen ׳Erbärmlichkeit. Sie •konnte!!ins- ,gesamt 28 Stimmen gegen 72 der!Majorität aufb,ringen, wobei zu ׳vermerken ,ist, ׳dass ׳eine grosse Anzahl von Mitgliedern der Major'itätsparte! noch ׳vor ׳dem Wahlakt, angeödet von den ׳Reden dejr Opposition, die Gerneralversammlung veriiess. Die ausserordentliche ׳Generalversammlung, ׳der :i!n Vertretung ׳der Israeli tischen Kultusgemeinde Amtsdiiireiktor ׳Guido iFuehsgelb beiwohnte, wählte, .in den Vo.r,s׳tan!d die ׳Herren׳: lAltmiann Karl, ׳Fremder Julius, Haas 'Bela,!Klein!Rudolf, Ro׳b!it׳schek Dawiid!, ■Schwarz Michael, 'Schön .Hieimnicih, Steiner Hermann׳. Stern Ernst, ln den Ausschluss: iBiischitz ■Emitl. Dinger ׳Daw.id, Gronich iNaftalli, Schischa Dawid, SchönfeH Abr., Hersch, Wadak Jakob. Synagogenstickereien wie Tallis- und Tefillinbeutel, Porauches, Thoramäntelchen sowie MODERNE HANDARBEITEN erstklassig u. kulantest bei Firma Lock-Löwy, Wien, II., Krummbaumg. 16 ments sur les Juifs de Wiener-Neustadt“ im Jahrgang XXVIII der ״Revue d'es Etu'des juives“ Urkunden lind Grabsteine aus Wiener-Neustadt, und ein Jahr später teilte im Jahrgang XXIX derselben Revue S. Hammerschlag neunzehn für ihn von dem Leibarzt des Kaisers Max von Mexiko, namens Semeleder, kopierte Grabinschriften aus Wiener-Neustadt mit, unter denen sich auch die in der vorliegenden Arbeit enthaltenen, jedoch in schlechterer Lesart, befinden. Auch Böheim in seiner ״Chronik von Wiener-Neustadt“ gibt die Uebersetzungen von zwölf Inschriften aus Wiener-Neustadt wieder, und schliesslich schlägt David Kaufmann im Jahrgang XXX der Rev!1e einige Verbesserungen der im ungarisehen Original, dieser Arbeit gegebenen Lesarten vor, die hier berücksichtigt werden sollen. ׳Fünfhundert Jahre nach der ״WRner Geserah“ erschien dann endlieh auch!im Jahre 1920 Krauss, Wiener Geserah, die erste wissensdhaftlicheTJntersuchung der Vorgeschichte jener grössten Katastrophe in der Geschichte der Juden in Oesterreich, die zugleich auch manches neue Licht auf die inneren Zustände und die örtliche Verteilung der Juden in jenen traurigen Zeiten wirft und sich auch mit der Persönlichkeit des Therumath Ha-Deschen (Israel Isserlein) an verschied-'nen Orten beschäftigt, einer Persönlichkeit, die gewiss die grösste war, die Wiener-Neustadt jemals aufzuweisen hatte und die wahrscheinlich auch längst gleich so vielen anderen berühmten Söhnen dieser alten ״allzeit getreuen“ Stadt wenigstens durch eine Gedenktafel geehrt worden | wäre, wenn sie nicht eben eine jüdische Persönlichkeit gewesen wäre. Wie ■dies bei fast allen jüdischen Siedlungen in Mitteleuropa der Fäll ist,, liegt auch die älteste Ge- ׳ schichte der jüdischen Gemeinden in Oesterreich im Dunkel der Sage. Die alten österreichischen Chronisten, Hagen, Lazius usw., erzählen von einem jüdischen Reich ״Ju'daisaptae“ (Schewet Jehuda), da's mitten i׳m heutigen Niederösterreich gelegen hätte. Wirkliche Spuren jüdischer Ansiedlungen wurden aber meist durch die Stürme der Jahrhunderte verweht und Moos bedeckt die verfallenen Gräber. Nur hie und da gelingt es, dem gierigen Rachen der Zeit etliche Ueberbleibsel der Denkmäler grauer Vorzeit zu entreissen, die un's einige, wenn , auch lückenhafte Aufklärungen bieten können. Byron , sagt: ״The wii!d-dove bas her nest, he fox his cavb-, ־ Mankind their country-Jsrael but the grave“ und das ist auch heute noch so. Aus den längst vergangenen Tagen der Vorfahren besitzen wir oft nur eins: Das Grab. Auch was Wiener-Neustadt anbelangt, das in der Geschichte der österreichischen Juden eine grosse Rolle, spielt, ist es nur ein noch ziemlich gut erhaltener Grabstein, der uns die ersten authentischen Angaben liefert. Au׳s demselben geht hervor, dass in Wiener-Neustadt schon im 13. Jahrhundert ein jüdischer Friedhof bestand. Wiener-Neustadt istdaher nach Wien die älteste Judengemeinde Oesterreichs und wetteiferte im 13. und namentlich im 15. Jahrhundert an Bedeutung mit der . Wiener Brüdergemeinde. Im Schosse der Wiener^Neuj Städter Judengemeinde nahm das geistige Leben mit der Zeit einen solch gewaltigen Aufschwung, dass ihre Schulhäupter nicht nur auf die Judenschaft Oesterreichs,־ sondern auf die Ungarns, Deutschlands, Böhmens, Mährens, der Steiermark und Krains, ja ׳sogar auf die Bulgariens und Italiens Einfluss hatten. Dies nachzuweisen, idie Ent- Wicklung der jüdischen Gemeinde in Wiener-Neulstadt in ihren verschiedenen Phasen zu begleiten, ihre rechtliche und gesellschaftliche Lage zu beleuchten und ihr inneres, geistiges Leben teils nach den in Archiven befindlichen handschriftlichen, teils nach in der Stadt gefundenen Altertümern und auch auf Grund der hierher gehörigen Literatur zu behandeln, wird das Bestreben dieser Zeilen sein. Im zwölften Jahrhundert finden wir in der Ostmark schon ganz unzweifelhafte Spuren von Juden. Namentlich in den an der Donau gelegenen Teilen dieses Landes trieben sie schon im zehnten Jahrhundert lebhaft Handel und waren unter der Kaufmannschaft so stark vertreten, dass sich die Gesetzgebung in den Jahren 903 bis 905 mit ihnen als Kaufleuten par .excellence befasst. Unter* Ludwig dem Kinde besagt die Zollordnung für. ״Rafoltestetün“1), dass die ״Juden . . . sowohl für Sklaven als auch für andere Waren die normale Maut bezahlen müssen, ganz so wie es in den Zeiten der früheren Könige war“. ׳(!Fortse'thmng folgt.) 0 iRaffelstätiten oder ׳Raffdstetten bei ,Emvs a׳n der Donau.