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Jüdische Presse · 1926-02-19 · 8 (19.2.1926) · p. Seite 59

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Seite 59 JÜDISCHE PRESSE sie dem Juden von heute? Dies anscheinend lauterste Liebe bezeugende Rebellentum, welcher anderen jüdischen Eigenart kann es entstammen, als der. Güte? Wo ist im jüdischen Schrifttum, das soviele Beweise der Menschenliebe enthält, ein Hinweis auf eine andere Wurzel der heutigen jüdischen Teilnahme an der Befreiung der Welt? Aber es gibt solcher Hinweise wirklich einige. Und wer bei näherer Beschäftigung mit dem alten jüdischen Geist notwendig an dessen einseitiger Liebesrichtung zu zweifeln beginnen muss, der mag.stutzen und die merkwürdige Tatsache feststellen, dass diese dem Wohlwollen entstammende Rebellerei wahrlich urjiidisch ist. Dasselbe ״Volk des harten Nackens“ ist es, das, wie seinerzeit gegen die gottgewollte Härte seines grossen Führers — sich noch heute erhebt gegen die Härte, mit der die Welt von G—tt geleitet wird. Schwächliches und oberflächliches1 Mitleid, Unverständnis der Notwendigkeit des Bösen in der Welt, Auflehnung gegen G—ttes Härte — das sind׳ heute wie damals die Wurzeln dieser echt jüdischen Rebellerei. Und dazu ein ebenso jämmerlicher wie eingebildeter Gerechtigkeitssinn, kraft dessen heute jeder jüdische Bolschewik die Welt weit gerechter glaubt einteilen zu können als der ewige G—tt. Aber so urjüdisch das Streben nach Weltverbesserung auch scheine, die tiefste Tiefe des jüdischen Wesens ist anders. Wie bei allen Völkern, so tritt auch bei den Juden das geheimnisvolle Gesetz in Kraft, das aus wertlosen und wertvollen Einzelmenschen Pöbelhäufen gruppiert, die Pöbelgruppen zusammenfasst zu urteilslosen Menschenmassen, die Menschenmassen jeden Zeitalters weiters vereinigt zu einer verkommenen Generation und aus verkommenen Generationen ein grosses Volk aufbaut — ein Volk, gross wie die Griechen, gross wie die Deutschen —• gross wie die Juden! Und nicht das ist massgebend für ein Volk, was einer seiner Einzelmenschen denkt, nicht Urteile von Pöbclgruppen und Urteilslosen Menschenmassen sind entscheidend, nicht einmal die Geistesströmung jeweils der ganzen Generation zeigt in Wahrheit das Wesen des Volkes: Das innerste Wesen eines Volkes kann nur einer Betrachtung sich entschleiern, die das Volk als ein über viele Generationen sich erstreckendes Ganzes nimmt. Daher es gar nichts besagt, wenn ein jüdischer Kommunistenpöbel am 1. Mai demonstriert oder wenn eine jüdische Massenversammlung liberale! Resolutionen fasst oder wenn eine jüdische Generation bestimmten geistigen Strömungen verfällt, wie eine frühere dem Hellenismus und unsere dem Zionismus: Nichts und wieder nichts besagt all das von der wirklichen Seele des grossen jüdischen Volkes. Und der in Demonstrationen,! Resolutionen und Geistesströmungen sich äussernde Wille ist nur eine scheinbare Kraft, mehr ein Krampf, als eine Kraft — der wirklich wirkende Wille des Volkes ist anders. Er demonstriert nicht und resolutioniert nicht und!ist keiner Zeitmode unterworfen; sondern er wandelt wie in wunderbarem chemischen Prozess alle die einander und allesamt ihm widerstrebenden kleinen Willen zu geschiehtlieh wirksamen Werkzeugen seines grossen Willens. Wie die Welle im Meer immer an der gleichen Stelle bleibt und nur immer andere Wasserteilchen bewegt — so tut ein grosses Volk, wie das jüdische: Stets.gleich eit Geistes bleibend, bewegt es die Ideen d e >rt Zeit. . Eine nur jüdische Eigenart ist es freilich, dass der! wahre Wille des Volkes mit so besonderer Hartnäckigkeit sich kostümiert und stets viel verborgener wirkt, als bei anderen Völkern. Während etwa bei den Deutschen die idealgesinnte Feigheit nur selten und immer nur für sehr kurze Zeit die strenge Tapferkeit verhüllt, die das eigentliehe Wesen des deutschen Volkes ist — verbirgt sich* die harte jüdische G—ttergebenheit fast unaufhörlich (und seit Jahrhunderten immer erfolgreicher) hinter empfind-! samer Menschenliebelei. Und während bei anderen Völkern! doch immer jeder Einzelne wenigstens Einzelzüge von! seines Volkes wahrer Art aufweist, ist es bei den Juden soweit gekommen, dass selbst bei ihren Frommen nichts mehr zu merken ist von gläubiger Ehrfurcht vor G—ttesj Welt, die, weil eben G—ttes, gut ist, so wie sie ist —, dass das ganze Volk dem denkbar Unjüdischesten verfallen ist: der Weltverbesserei. Und bei keinem anderen Volke sind es so wie bei den Juden stets nur wenige Einzelne,- die, die Seele ihres Volkes ganz erfühlend und hüllenlos offenbarend, ihrem Volke fremd und von ihm!, bestenfalls erbittert bewundert, in völliger Einsamkeit den! Weg gehen müssen, den das Volk ja doch ihnen nachgehen1 wird, da es des Volkes vorgeschriebener,Weg ist. Dies aber ist ein Trost: Dass der Weg vorgeschrieben ist, das Ziel abgesteckt, das Volk erwählt. Mag das’ Volk auch starren Nackens sein, mag es immer wieder abfallen und allen Zeitströmungen aller Zeiten sich hingeben; mag es voll übertriebener Menschenliebe empfind-* sam von sozialistischer oder pazifistischer Weltbegliickung schwärmen — sein Weg führt doch nicht zum jüdischen Staate, sondern zum himmlischen Jerusalem — .nicht zum Pazifismus, sondern zu Seelenfrieden — nicht zum Weltsoyvjet, söndern zum Messias — nicht zur Edelmensch־ heit, sondern zum Tage des Gerichts: ״Der Tag des! Ewigen kommt grausenvoll,t Grimm und Glut des Zorns, zu wandeln die Erde in Wüsteneien und ihre Sünder tilgt er weg von ihr.“ — ״Zerschmettert ist die Erde>! zersplittert ist die Erde, erschüttert ist die Erde. — Es wankt die Erde gleich einem Trunkenen, und schwankt hin und her gleich einer Hütte; dehn es lastet schwer ihre Missetat auf ihr, dass sie fällt und nicht wieder aufsteht.“ Ein Wort an die Wiener Agudajugend. Zwang oder Pflicht? Es ist eine alte Erfahrung, dass jemand, der ge-t wohnt ist, jahrelang Wohltaten von anderen zu empfangen, sich allmählich so daran gewöhnt, dass ihm nicht einmal mehr der Gedanke kommt, auch seinerseits Gegendienste zu leisten, sondern dass er umgekehrt sehr verstimmte ist, wenn man ihm eines Tages sagt, dass er nicht tnehi! weiter der glücklich Empfangende sein kann, weil die Not den Spender zwingt, seine Gaben einzustellen. Der edle Spender, von dem hier die Rede ist, ist die Agudas Jisroel-Jugendgruppc. Wer einmal eine! Woche lang Abend für Abend die schönen Räume unseres! Heims besucht, die grosse Anzahl unserer jungen Menschen beim eifrigen Lernen beobachtet hat, dem ist sicherlich schon der Gedanke gekommen: es wird doch noch etwas für unsere Jugend getan. Das ist der Eindruck‘ der Fremden, die oftmals in unser Heim kommen, und wenn diese Leute die jungen, blühenden Menschen dort sitzen sehen die ungestört, von einer schönen, reich-J haltigen Bibliothek unterstützt, sich jüdisches Wissen! aneignen, so müssen sie sich wohl denken, dass der Opfersinn dieser Menschen ein ganz ausserordentlicher sein muss. Welches Opfer müssen diese Menschen bringen, um es zu ermöglichen, dass Tag für Tag etwa SO junge Leute in schönen, geheizten, hellen Räumen sitzen können und ausserdem noch über Werke verfügen, aus denen sie ihre Wissenschaft schöpfen können! Ist es so, Mitglieder der Jugendgruppe? Habt ihr tatsächlich den! Opfersinn bewiesen, den diese Fremden von euch als selbst verständlich erwarten? / Auf diese Frage gibt es leider nur ein: Nein! Und 0000009090( O •0< o I o I o o I o o o o o I o o o o o o Telephon 74■2-26 Telephon 74-2-26 Wien, I. Graben 12 alf?SÄ Die neueröffnete, grösste u. modernste Werkstätte für Haararbeiten hat den Verkauf von Perücken, Scheiteln und Transformationen begonnen Der internationale Meister Karl Schiroky haftet jeder Dame für grösste Haltbarkeit trotz geringstem Gewicht (kein Kopfschmeiz bei festem Sitz) und für allererste Haarqualität Die Preise sind staunend niedrig EINFÜHRUNGSPREISE Bubiperücken von S SO.— aufwärts Transformationen mit Scheitel v. S55.— aufw. »» ohne ״ ״ S 45■— ״ Für Reinigen,.Wasserwellen u Reparieren jedweder Perücken werden die billigsten Preise berechnet Versäumen Sie daher keinesfalls einen unverbindlichen Besuch im Griben-Frisier-falin, I. Graben 12 Jede Perücke wird individuell der Gesichtsform angeDasst, daher vollkommen unauffällig!! ODmOi »04*000« 10004 § % o e § § o e o o o § o o o damit ihr wisset, wie der Vorstand, den ihr selbst gewählt :habt, und der euer Sprachrohr ist, über euren Opferstnn denkt, so möget ihr erfahren, wäs sich jüngst in einer Veftrauensmännerversammlung, die über das Wohl und Wehe der Agudas Jisroel-Jugendgruppe beraten sollte, zugetragen hat. Es war wie ein Schmerzensschrei, als! ein Mitglied des Finanzausschusses mitteilen musste, dass! unsere Jugendgrttppe auf das Niveau der (wir gebrauchen den Ausdruck ungern) Schnorrer herabgesunken ist und dass die Mitglieder des Vorstandes Monat für Monat a!t den Türen der leider so wenigen noch zahlungsfähigen1 Gönner unserer Idee klopfen müssen, um unsere Verwaltungskosten, die monatlich weit mehr als 200 Schilling ausmachen, zu decken. Wir glauben, es wird keinen geben, der angesichts dieser Tatsache nicht der Meinung wäre, dass dieser Zustand unwürdig ist und dass es in der Tat nicht so weitert gehen kann. Ihr braucht nicht mit dem Einwand zu! kommen, dass die heutige Zeit so schwer ist, dass mau von vielen nicht verlangen kann, dass sie auch nur ein kleines Scherflein für die Bedürfnisse der Gesamtheit aufbringen. Dieser Einwand ist ganz und gar nicht stichhältig und er beruht auf einer völligen Unkenntnis unserer Bedürfnisse. Wenn nur ein jedes Mitglied wöchentlich den gewiss auch für heutige Zeiten noch recht unerheblichen! Betrag von 20 Groschen regelmässig leisten würde, so wäre unser Budget gedeckt! Wir wollen keineswegs auf die Spenden unserer Gönner verzichten. Was wir aber wollen, das ist, wenn sie uns fragen: Wollt ihr eine Unterstützung zur Deckung eurer Schulden oder zur Hebung eurer ideellen Güter? so wollen! wir ihnen antworten: Unsere Schulden können wir Gott sei Dank selbst bezahlen, aber wir brauchen mehr, wenn wir in Wien eine Macht darstellen wollen und wenn wir, wie ihr es wünscht, eine Jugend erziehen sollen, deren sich die Alten nicht zu schämen brauchen. Wir sind fest überzeugt, dass jeder einzelne von euch, wenn er sich die Sache überlegt, zu der Erkenntnis׳ kommen wird, dass der von ihm verlangte Beitrag keine unbillige Forderung ist, sondern dass er damit nur iu ganz kleinem Masse das wieder gutmacht, was ihm Jahr für Jahr geboten wird. Nicht Zwang soll es euch sein, sondern selbstverständliche Pflicht! Und darum erwarten wir, dass׳ ihr nach besten Kräften nicht nur den Mindestbeitrag zählt, sondern dass die meisten weit darüber hinaus ihrer Pflicht in der Jugendgruppe nachkommen. Fällt unser Appell nicht auf fruchtbaren Boden, so sehen wir uns gezwungen, unsere Pforten zu schliessen und -wir Viüssten allen denjenigen, die sich ihrer Pflicht( nicht bewusst wurden, die Verantwortung für dieses grosse Unrecht auf laden. Darum bitten wir euch, mit euch selbst zu Rate zu gehen und wir rechnen bestimmt damit, dass ihr freiJ willig, wenn unsere Beauftragten euch um die Mitgliederbeiträge angehen, eurer Pflicht nachkommen werdet. H. A. , Vom Tage Zionistisches Missgeschick. Die österreichischen Zionisten werden in den letzten Jahren geradezu von einem tragischen Missgeschick verfolgt. Kaum gelang es ihnen,; ihren früheren Landesobmann, Herrn Robert Stricker, der mit seinem verbissenen Trenn,ungszionismus ein gedeihliches Vorvvätrskommen der Partei andauernd behinderte, kaltzustellen, komprimittiert sie nun ihr anderer Führer Dr. Josef Löwenherz, der als Vizepräsident dert Wiener israelitischen Kultusgemeinde berufen sein sollte, von dieser hohen verantwortlichen Stelle aus, die Wiener und österreichische Judenheit für die zionistische Idee zu gewinnen. Herr Dr. Josef Löwenherz Hess sich, verleitet vom Vertrauen auf das Sprichwort, ״Wem G—tt ein׳ Amt gibt, dem gibt er auch Verstand“, zu öffentlichen Aeusserungen hinreissen — das jüdische Weltblatt, die ״Wiener Morgenzeitung“, veröffentlicht sie dienstbeflissen —i die mit trauriger Klarheit 'zeigen, dass schöner Wuchs und studentischer Schneid noch durchaus nicht zur Führerschaft, zur verantwortlichen Stelle der Vizepräsidentschaft in der israelitischen Kultusgemeinde legitimieren. Was ist geschehen? Dr. Jakob Ornstein, erster Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, hat sich in ׳ seiner Eigenschaft als Präsident der Union österreichischer Juden in׳ einem vertraulichen Rundschreiben an einige Persönlichkeiten und Institutionen gewandt, um ihr Verhalten gegenüber dem Keren Hajessod zu erfahren. Diese Anfrage,ist zur Kenntnis der Wiener Zionistenführef, unter ihnen! auch Dr. Josef Löwenherz, gelangt und schon' die blosse! Fragestellung hat diese Führer ausser Rand und Band gebracht. Bis daher wäre die Angelegenheit von unserem' Standpunkte aus ganz in Ordnung. Jene Kreise, die der Alle Rechte Vorbehalten!. Nachdruck verboten. Die Juden in Wiener-Neustadt. Von Rabbiner Dr. Max Poüak. (Nach der von Moriz M e z e i besorgten Uebersetzung ans dem Ungarischen bearbeitet von L. Moses.) Einleitung. Wenn wir eine historische Karte der Judensiedhingen im heutigen Oesterreich entwerfen sollten, so müsste diese Karte auf den ersten Blick zeigen, dass diese Siedlungen im wesentlichen zwei grosse Strassenzüge begleiten, die im Mittelalter die Hauptverkehrs־ wege im Gebiete unserer Republik bildeten, die Donaustrasse von Westen nach Osten und die alte Römerstrasse von Wien nach dem Süden. Im 17. Jahrhundert stellte sich die Verteilung der jüdischen Gemeinden, wie in einem anderen Zusammenhang noch dargetan werden soll, ganz anders dar; vom 11. bis zum 15. Jahrhundert aber reihte sich die Donaustrasse entlang ein Kranz blühender Judengemeinden, von Regensburg und ׳Passau angefangen, über Linz, Steyr und Enns durch die schöne Wachau mit Ybbs, Spitz, Krems, Tulln und Klosterneuburg und anderen bis Wien aneinander, von denen Krems, dessen Würdigung einem späteren Aufsatz vorbehalten sei, die bedeutendste war. Nach Süden hin dagegen entdecken wir auf dieser Karte ausser den Getneinden Perchtoldsdorf und Tribuswinkel noch Mödling, Traiskirchen, Ebreichsdorf, Ebenfurt, Neunkirchen, Graz, Judenburg, Wolfsberg (Kärnten) | und noch manche andere; die nächst Wien und Krems an Zahl und Bedeutung wichtigste Gemeinde ist aber . Wiener-Neustadt. Es war den Kennern der mittelalterlichen jüdisehen Literatur und — dank der Nähe ihrer Wohnorte und lokalen Traditionen — überhaupt den Bewohnern der Judengemeinden des heutigen Burgenlandes nie ein Geheimnis, dass sich in Wiener-Neustadt im Mittelalter eine angesehene, ja •sogar durch den Ruhm der dort wirkenden Persönlichkeiten glänzende Gerneinde befunden habe, und jeder Bachur wusste wenigstens, wer Israel Isserlein gewesen. Nebenbei bemerkt, stammt!a Lun! grossen Teil die Bevölkerung wenigstens der Wiener-Neustadt am nächsten gelegenen Gemeinden Mattersdorf und Eisenstadt wahrscheinlich von den aus dieser Stadt freiwillig und unfreiwillig zu verschiedenen Zeiten ausgewanderten Juden ab. Die grössere Oeffentlichkeit ■in Oesterreich aber wurde erst auf die jüdische Geschichte Wiener-Neustadts aufmerk־ sam, als im Jahre 1847 bei Erdarbeiten in Wiener-Neustadt in der Gegend des ehemaligen jüdischen Friedhofes einige jüdische Grabsteine gefunden wurden, die auf Verwendung des Wiener Predigers Isak Noa Mannheimer nach Wien gebracht und im alten Friedhof in der Seegasse verwahrt wurden, wo sie sich noch heute befinden. Diese in Wien befindlichen Grabsteine aus Wiener-Neustadt sind von ׳Wachstein (Hebräische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert in Wien und Umgebung, Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, 181. Band, I. Abteilung, Wien 1916) eingehend behandelt. Auch der Arzt Dr. Gideon Brecher aus Prossnitz hat Inschriften aus Wiener- Neustadt im Literaturblatt des ״Orient“ 1847 p. 108 und 551 veröffenlicht, während Hermann Friedenthal in den ״Kochbe Jizchak“ XXVIII, p. 51, schon die auch in dieser Abhandlung besprochenen Inschriften . bekanntmachte, die einige Jahre später in der Gegend des heutigen Glacis (einer Parkanlage entlang der alten Stadt- . mauer) ausgegraben worden waren, und Szänto in der ״Neuzeit“, 1862, p. 246, Uebersetzungen dieser In- Schriften lieferte. Inzwischen hatte sich'aber die Auffassung des Stadtrates von Wiener-Neustadt über den Wert historischer Denkmäler gründlich geändert; es waren auch wieder Juden in dieser Stadt ansässig geworden, 4und so wurden die neu zutage geförderten Grabsteine nicht mehr der Transferierung hach Wien überlassen, sondern nahe ihrem Fundorte in der Stadtmauer eingelassen. In dieser Lage fand sie auch der Autor der vorliegenden Schrift, die unter dem Titel ״A Zsidok Becs—Ujhelyen“, Budapest, 1892, er־, schienen ist und nunmehr in deutscher Bearbeitung einem breiteren Leserkreis vorgelegt werden soll, und so sind sie dort auch-noch heute als seltene Monumente einer an Tränen und Seufzern reichen Vergangenheit und beredte Zeugen jüdischer Bodenständigkeit zu sehen. Kurze Zeit nachher (1894) veröffentlichte S. Schweinburg-Eibenschitz unter dem Titel ״Doch-

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