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Jüdische Presse · 1926-02-19 · 8 (19.2.1926) · p. Seite 58

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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Seite 58 JÜDISCHE PRESSE. Nr. 8 schüft der religiösen Gemeinden bcizubehalten und sie gegen jeden feandlldien Angriff zu ■verteidigen׳, zustreben. Der polnische Rabbinerverband hat während seiner jüngsten Konferenz!keimen Awgenblirok ausseracht gelassen!, ■dass seine Existenz, seine Beratungen und seine Beschlüsse, mögen sie zunächst nur für :Polen igedadlit sein, von weitgehendster Bedeutung für die gesamte Jmleniheit sind.!Die offiziellen׳Mitteilungen des Vertreters des Bildungsministeriums, dass unter 232.1 gewählten Repräsendatiten 1774, also über 70 Prozent Agudisten und unabhängige Orthodoxe sind, werden nicht verfehlen, überall dort ■cimen tiefen ׳Elndnuek zu madhert, wo eine unverantwortliche und hemtnmigslose zionistische Propaganda in das Bewusstsein der Massen einhämmern wollte, dass die Agitdisten bloss eine winzige, widernatürliche Gruppe im jüdischen Volke bilden. Die hochbedeutsameu Beschlüsse der Rabbinerkonferenz, die f ti r den religiösen Charakter der Gemeinde und gegen Frauenwahlrecht, gegen Missbrauch der Gemeindegeider für zionistische Zwecke eintreten, werden aber auf dem ganzen Erdenrund, wo treue Söhne des jüdischen Volkes für die Erhaltung der teuren Erbschaft ihrer Väter so schwer kämpfen, nicht nur einen tiefen Eindruck machen, sondern als wertvolle Unterstützung und Aufmunterung aufgefasst und befolgt werden. Die zweite Konferenz des polnischen Rabbinerverbandes• ist nicht nur ein bedeutsames Ereignis innerhalb der polnischen Judenhcit, sondern eines der wichtigsten Geschehnisse in dem stürmischen Leben des jüdischen Volkes der Gegenwart. :2: :1111 der Eröffmingssiitzung, über die wir bereits in unserer vorwöchigen Nummer berichtet haben:, besprach noch Rabbiner Libschütz (Kalisch) die schwere materielle Lage der Rabbiner in Polen, die auch den geistig-religiösen Aufschwung behindert. Rabbi Michclson begriisste im Namen des Warschauer Rabbinats die Konferenz, auf die das gesamte religiöse Judentum mit Interesse blickt,!Beere srabibüneir Oberst Doktor Md<s e׳s sprach über religiöse Arbeit unter den jüdischen Soldaten und ersuchte die Rabbiner, ihn bei der Ala.on für Erriclitung eines Denkmals fiir den ״Unbekannten jüdischen Soldaten“ zu unterstützen. Es wurden dann Telegramme au den Staats- Präsidenten Wojciecliowski, den Ministerpräsidenten Grafen Skrzynski und den Unterrichtsminister abgeschickt. Vom früheren Präsidium des Rabbinerverbandes wurde der Bericht über die vierjährige Tätigkeit seit der ersten Rabbinerkonferenz erstattet. ׳Dem ■Benicht Ist 11, a. zu entnehmen: In 30 Städten ■wunden! ■kleine Jesclü'woth gegründet. Eim Moimtsjoiirnäl wind iherausgegeiben. ■Beil!der Regierung wurde gegen ■dias Erm1en:wah:lrecht be!i• den Wahlen zu den jüdischer. Gemeiiniden, ׳sowie!wegen d!e!r Aufhebung ׳der ZwangssoiMitagsnuihe iintenveniiert. Gegen die Judenverfolgungen 1i׳n Russland: wunde scharf protestiert und ein religiöser Fasttag deswegen ■ungeordnet. Betreffend diie jüdischen Synagogen!und Ritualien!iin den ׳von Juden verlassenen Städten der Provinz Posen wurden entsprechende Verfügüngen getroffen. Mit Erfolg wurde Interveniert, dass jüdische Kinder in den Staatsscliulen an den׳ Sabbattagen :frei :haben sollen. Es wurde gegen ■die Ausschreitungen der Frauenimoden lautoritatiiv!Stellung genommen. 155!Streitfälle Iin den jüdischen Gemeinden wurden geschlichtet. De! Rabbiner verband zählt ■etwa 5'00 Mitglieder.!Nach der Vorlesung ׳einer Begriissungsdeipeschc des berühmten Rabbi ״Gliofez Ghajiim“ hielt ■der Ostrower Rabbiner!Meir-Oan Ploakii ■ein Referat über ■die schwere Lagie! der ■polnischen Judenbeit. Daun wandte er sich scharf gegen Rabbi ׳Stephen S. Wiise wegen seiner bekannten .Aeusserungen lind beantragte, die Konferenz möge schärfsten Protest gegen Wiise ausspnechen, Sowie gegen das beTüchitigt'e ■Buch: )Klausners, dessen!sich idle Mlissioinäre bedienen. — Die Konferenz nahm eine!Reibe ■die religiöse Erziehung betreffender Beschlüsse an. Die traditionelle jüdische Chede!r-׳Er,׳/Jieh׳u.n!g und das Jeschiwo.hwe'set! wurden! ,als!die liöaliste ■Stufe ■jüdischer Erzieliung ■prakiamlert und' das gesamte Judentum aufgefordert, die Thora-!Institute) izu Stützen. /Abgeordneter Rabbiine r Lewin ׳refenieTte lülbe.r jüdisches (Ge■ melinidewe׳sent. Er verlangte eine Stärkung der Position!der ■Rabbiner .in!der Gemeinde und sprach sich mit grosser Entschiedenheit ■gegen alle Be- Strebungen!für Fnaueiiiwialrlrecht ,aus. Es wurden auf seinen Ehtährlfler Hartfleinkur« ' WlÖHer Einjähriger Handetskur« Talmud-Thona ■ Schul verein Volksand Bürgetschufa für Knaben und Mädchen Wien, ll.y Malzgasse 16 Oest. Postspark.*Kto. 182.1B9 Spendet für das älteste und grösste Jüdische Schulwerk Wiens! WEHES BACHURIM, unterstützt Wiener Kinder, die auf Jeschivoth lernen. Fördert daher diesen Verein! Postsparkassen-Konto Nr. 51.807. ׳Antrag die folgenden Beschlüsse angenommen׳: Die Be- ׳tailigung der Frauen an den Wahlen in die Gorneindeverwaltimg ist vom religiösen Standpunkt verboten. Der Rabbinier hat das Recht, ■jeden׳ gegen ■das jüdische Gesetz ver- S10ssen׳den!Beschluss einer ׳Gemeindeverwaltung aufzuih'Cben.• Die-Rabbiner müssen׳ an den Sitzungen der Gemeindeleiltung teitnehmen׳. — Abg.!Rabbi Scltapira referierte ■sodann über die ■Frage der SdhccMta. Er forderte die Ein- Setzung eines Rabbinerausschusscs, ■der überall über das Ritual ■der Schecliita wachen׳!soll. Diesem Ausschuss ■haben sich ■die Gemeinden zu unterwerfen. Der Sokolower Raw regte •an, mau möge der Regierung die ■Aiusarbeitung eines Gesetzes empfehlen, wonach Ffeischhändler, die Fleisch nicht rituell geschlachteten Viehs als iKoscherfleiiscii verkaufen, der Strafe verfallen. Mehrere Redner traten Jagegen ■auf, •dass ■mau di!e Schechita •der Kompelenz der Gemeinde, entzieht. Die Regelung der ■Frage wurde der Leitung überlassen. Ueber die ■Lage ■des Rabbitierstandes rc'feric! c •der 1bipuer iRaw, Abg, Brodt. Er machte Vorschläge, wie ■die materielle!Lage und ■das moralische Ansehen' ■des Rabbiner:• Standes gehoben werden!können׳. Ueber ■die Frage ■dei Agimoth (Frauen ׳verschollener :Männer) referierte Rabbi Kalme-WarsChaiu. Tausende jüdische Frauen leben in Polen, deren!Männer in ■den Krieg gezogen ■und auf verschiedenen Schl ach tfe'ldenn verschollen sind. Die Lage dieser Frauen, die nach idem Gesetz nicht wieder heiraten dürfen,!ist;gna1uenlv.dll. Vielem, ,wunde!dadurch geholfen, dass mit ׳Hülfe: ׳ausländischer Organisationen der Nachweis erb rächt wurde, dass ihre!Männer!im Felde gefallen sind. Sie dürfen nun eine neue Eine ׳etngehen׳. Tausende Frauen •harren aber noch eines •solchen;Nachweises. 1800 Agu!10th gibt ■es, deren ■Männer als Emigranten, in!fremde Länder gegangen sind!, ohnie! von!sich hören; ,zu .lassen. Auch hier!ist ׳eine iharte Aufklärungsarbeit erforderlich. Joint hat •seine lUnterstützunig!I11e:rlin ■versprochen. Auch gibt es nicht wenige lAgmnoth, deren ■Männer sich ׳taufen liessen. Es ,.wird ■in!den bischöflichen A!om,tern verhandelt!, dass •sie die Täuflinge ׳veranlassen, ähren Frauen den Scheldebriief ,zn geben. Der Rabbiner schloss, ,e!s wäre das schönste Mo-!lTument für!das jüdische Vollk, wenn ein Verzeichnis aller Agimoth und der näheren Umstände der ,verschollenen Männer ,veröffentlicht werden würde. Es wurden, auch tu.!a. die!folgenden ,Re׳so׳lutionen angenommen.: E!s wind!!in Warschau ■eine (Zentrale fiiir Agunoth geschaffen. ' Sämtliche׳ Rabbiner werden ׳ver-!pflichtet, nach ■verschollenen!Kriegsopfern ,zu ,forschen. iBinie Abordnung aus ■drei!Rabbinerm .Wird!nach Russland entsandt1, u:m über ׳dort verschollene Männer Auskunft einzuho!len. An!die amerikanische Regierung ,ist ein Appell ■z!11 ׳richten׳ ,׳den׳ Fnauen, ׳deren ■Männer •in!Amerika weilen, Visa aus'ser!der ׳Quotenordnainig zu!geben. An ׳das Warschauer icrzbisohöfliicKe .Amt ist ein Memorandium ■zu richten, mit der!Bitte, ׳die Täuflinge izu zwingen, Ihren jüdisch gebliebenen Frauen! ׳den Scheiidebrlef zu geben. Jo:int wind um Unterstützung ׳der verlassenen Frauen• ge- ■beten. Von Zeit zu Zelt sollen Publikationen über •den Stand ■der Agunoth frage erscheinen. Der Vertreter ■d׳es UinterridhtsmSinisters.!Herr Adelsberg, hielt eine :zweistündige׳ Rede, in ■der er ׳die ■Konferenz auch im Namen des WohlfahrtsmüniisteTtiums begriisste iiuid ausführte*.!die!Regierung wolle gern in;Zusammenarbeit mit ׳den Rabbinern׳ idle!!jüdischen׳ Beilangd5 ׳erfüllen׳ helfen1. Nach Wahl ׳des ׳leitenden! Rates wurde ■die Konferenz ׳Donnerstag in später!Nachtstunde׳ geschlossen!. Des Volkes Wille. Von Uriel Birnbaum. Unter den Vorwürfen* die Judenfeinde den Juden zu machen pflegen, ist nicht der seltenste der ihres erschreckenden Mangels an Naivität. Und wirklich will ja auch unbefangen urteilenden Juden der einseitige Intellektüalismüs selbst der jüdischen Massen als eine höchst bedenkliche Eigenheit erscheinen. Da mag es ein Trost sein, dass bei schärferer Betrachtung jener Mangel an Naivität gar nicht mehr so gross scheint, dass es Gebiete gibt, auf denen gerade bei Juden äusserste Naivität sich zeigt, oder, deutsch gesagt: äusserste Einfalt. ׳ Allerdings sind es nur einzelne Geistesgebiete, deren Berührung Juden naiv zu machen vermag; dass aber diese Geistesströmungen während der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte in der nichtjüdischen Umwelt immer mehr jim sich greifen, das lässt gerade heutzutage jene Naivität fast als eine jüdische Eigenart, erscheinen. Von vornherein sei betont, dass diese Naivität, diese Einfalt* das beste Zeugnis ablegt, wohl nicht für den; Verstand, aber für das Gern i't t derer, die sie besitzen. Und ein Judenfreund könnte es einen jüdischen Ruhmestitel nennen, dass mehr als alle Völker die Juden begeisterte und opferbereite Vorkämpfer überall dort stellen, wo gegen Gewalt und Unrecht fiir ״M e n s c 111 i c 11־ k e i t“ gekämpft wird. Wer aber weder Judenfeind noch Judenfreund ist, der wird, ohne von Zeiterscheinungen sich täuschen zu lassen, überlegen, wie weit diese jüdische Hinneigung zur ״Menschlichkeit“ als wirklich ursprünglich gelten kann. Die Antwort auf diese Frage scheint so selbstverstündlich, dass diese Frage überhaupt lächerlich klingen könnte. Wo sind die Grundsätze der Menschenliebe früher ausgesprochen, schöner und inniger gesagt worden als im jüdischen Schrifttum? Unzählig sind ja die Stellen in Bibel und Talmud, die als Belege geführt werden können für einen uralt jüdischen Willen zu Menschlichkeit — zu Menschenliebe! Und aus einer Zeit stammen jene Worte, da die grossen Gewaltstaaten, da Babel und Rom die Welt mit Unmenschlichkeit erfüllten von Rand zu Rand. Hat es da nicht ganz den Anschein, als spiele das heutige Judentum nur die Rolle des damaligen weiter, wenn cs so begeistert Menschlichkeit in jeder Form vertritt in dieser Gegenwart, da die Völker der Welt die Welt wieder von Rand zu Rand mit Unmenschlichkeit erfüllen? Und ist es, all das bedacht, nicht wirklich nur ein Beweis fiir die eingeborene Menschenliebe des jüdischen Geistes, wenn immer wieder gerade Juden mit so ganz unintellektueller Naivität — mit so unjüdischer Einfalt sich für alles begeistern, was als Menschlichkeit auftritt? Ja, wie sonst liese es sich den erklären, dass immer wieder Juden es) sind, die jeder täglich wechselnden Menschheitserlösungsmode am hemmungslosesten dienen? Wie sonst Hesse es sich den erklären, dass gerade Juden am leichtesten der Verführung selbst der oberflächlichsten Utopien erliegen? Was anders als ein ererbter jüdischer Wille zur Güte kann erklären, dass heutzutage unter den vielen Hilfsbereiten die Juden die hilfsbereitesten Schreier, die fanatischesten Allerwelthelfer sind, in freilich verschiedenen Schattierungen und Formulierungen am stärksten erfüllt von der grossen Idee der radikalen Weltbeglückung? Ob es die einen als echte Bolschewiken sind, andere als Ethiker, Zionisten, Expressionisten, Demokraten, Pazifisten, Aktivisten, Sozialisten — menschenliebende Welterlöser sind sie alle. Ja sogar die sogenannt konservativen Juden, insbesondere also die Orthodoxen, sind, ob auch selbst den modernen Ideen gegen über in der Verteidigung, innerlich auf der anderen Seite und bei jedem Zusam me nstoss zwischen Reaktion und Revolution selbstverständlich revolutionär. Wahrlich, wahrlich, was anderes ist das,. als ein triumphierendes Hervorbrechen des eigentlich jüdischen Geistes, der ein Geist der Menschlichkeit ist, der Menschenliebe, der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit und des Friedens . . .? Oder nicht? Wenn die tätige Menschlichkeit der heutigen Juden nicht wirklich ein grossartiges Sichbeweisen der jüdischen Güte wäre — welcher Ureigenscjiaft des jüdischen Geistes könnte sie entspringen, da doch ihre Allgemeinheit, ihre echte Jüdischkeit beweist? Die gegen alles Elend der Welt sich auflehnende revolutionäre Gesinnung — woher kommt ■BBBBBBBBBBDBBBDBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBDBBBBDDBBBBiBBnBBBBBDBBBBBBBBBBBBIBBDBBBBDBBBBBDBBBBBBBBBB ■ V . ■ dass sich in Erez Jisroe! ein gesundes Wiirtschafts8 ״ leben entwickelt? 8 ■ dass in Erez Jisroei ein jüdisches Gemeinschaftsleben S im Sinne und Geiste der Tradition entsteht? 5 B ■ dass E1*ez Jisroel zu einem Bollwerk des gesetzes״ g treuen Judentums wird? g Willst Du illst Du Willst HA JISCHUW I ■ den Palästina״Aufbaufond des thoratreuen Judentums! | ■ Das Direktorium des Keren Hajischuw■; dann tue Deine Pflicht für den ■ Zahlstelle für Oesterreich: 8 ■ Palästina-Zentrale | der]• Agudas Ji3roel, Wien, II., Malzgasse 12a. Postsparkassenkonto: Wien Nr. 33.406. g J ״Bankkonto: Unionbank, Wien, Filiale Taborsträsse. ■ ■ g 8 Zahlstelle für Rumänien : 8 9 ISAC STERNBBRG, Oradea Mare, Piata Uniril 2. 8 BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBI

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