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Jüdische Presse · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · p. Seite 43

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Seite 43 JÜDISCHE PRESSE Der persönliche Messias. Eine Wiener Erinnerung. Von :Rabbiner Dr. Raphael!Breuer. .Am 31. ׳Dezember 11863, ׳vormittags 11 1U.br. Vor einem Drc i-R ich t e r-.Kol legiwtn des ׳Wiener Landgerichtes stehen Dr. Leopold Kompert als Angeklagter, Dr. Lichtem ster.n als Verteidiger.. Prediger Mannheimer und Rabbiner Horowitz als Zeugen. Zweimal schon!war ■der Prozess vertagt worden׳, heute endlich soll er verhandelt werden. Der Schriftführer verliest ■den An'klagebesohluss. Eine gesetzlich anerkannte ReligionsgeseHschaft, ■die ■jüdische, ist beleidigt worden. Es liegt ein Vergehen vor nach § 303 des Strafgesetzes, das nicht ungesiilmf!bleiben ׳darf. Was war geschehen,? Der Staatsanwalt erhebt sich ,zur ׳Begründung der Anklage. Er beginnt mit der Lehre des Christentums, die aus dem Judentum hervorgegangen sei und noch tief in ihm wurzle. Beiden ■Kulten ׳sei der ■Glaube an die heilige Schrift gemeinsam, beide glauben an die Ankunft eines Messias als des Abgesandten׳ ׳G-ttes, dessen Aufgabe es sei, das 'Erl ösangs Werk 7ju ׳vollbringen. Dann folgt ein Zitat aus einem ׳Grundbuche jüdischen׳ ■Glaubens. Der .zwölfte Glaubensartikel lautet: ״Ich glaube fest und wahrhaft an die Ankunft des Messias und wenn er auch noch so lange weilt, so hoffe i'ch, dass er dennoch kommen wird׳, jeglichen• Tag.“ Allerdings, so fährt der ׳Staatsanwalt ■fort, gibt es unter den heutigen Israeliten nicht wenige, die .diesen Glauben ablelmen. Zu ■diesen ,Leugnern der Lehre ,von dern einstmaligen •Erscheinen eines 1persönlichen ■Messias gehört auch Dr. Grätz in ׳Breslau, der in dem ,.Jahrbuch für Israeliten“, ■das Dr. Kompert iherausgibt, einen..Aufsatz veröffentlichte über ,Die Verjüngung des Judentums“, worin er aus,dem Propheten Jesaias darzutun sucht, dass das jüdische Volk selber der Messias und! berufen! .sei, durch ■die eigene Verjüngung sich selber ■zu erlösen׳, nicht aber die Ankunft einer einzelnen .Person als Erlöser ׳zu erwarten habe. Damit sagt sich Dr. -Grätz von der!Messiaslehne der ,in Oesterreich gesetzlich anerkannten ׳jüdischen Kirche los. An und für ■sich ׳liegt ׳darin ׳noch!keine ׳strafbare Handlung. ',Allein!der Verfasser kämpft in diesem Aufsatz nicht bloss ,mit ■Gründen der ■Vernunft, er tritt auch mit Schmähungen gegen die von ihm bekämpfte Messiaslehre der orthodoxen Juden׳ auf, indem er den׳ ׳Glauben an den persönlichen Messias als Karikatur, •lilinsteilt und ׳als eine romantische Schwärmerei ׳bezeichnet. Somit hat Herr Leopold Kompert als!Herausgeber des Jahrbuches durch die Aufnahme ׳des Artikels die orthodoxe!jüdische!Kirche verspottet und verschmäht und ׳sich!des Vergehens nach § 303 des Strafgesetzes •schuldig ■gemacht. Herr Dr. ■Kompert hat׳ [das Wort: Orthodoxe Judenlehre? Ich ׳kenne keine orthodoxe Juden!ehre. Es gibt kein Gesetz in Europa, das eine orthodoxe •Judenilehre auerkennt und ich ׳muss mich ׳entschieden, ■dagegen verwahren, dass ,man׳ Dr. iGrätz wnlcl■ mich als sogenannte .,'Reformjuden“ hinsteilt. ,Es gibt keine orthodoxe Judenlehre, es gäbt׳ nur eine Judenilehre. Es gibt mehr •unid minder fromme Juden mit kleiinen׳ Abänderungen in ׳der Liturgie, aber ■die .Basis :ist allen Juden׳ gemeinschaftlich. Ferner berührt ja Dr. Grätz die Messiaslehre gar nicht, er sagt ja gar nicht •seine •eigene Meinung, .sondern •er spricht• nur von einer Exegese des Kap. 63 aus dem Buche Jesaias. Der ׳Messias •selbst ist gar nicht!persönlich gemeint. In diesem ,Kapitel ist immer׳ nur von dem jüdischen Volksstamm ׳die ,Rede.!Auf ׳die■ Frage des Verteidigers Dr. Liohltenstern ״Gibt es ein orthodoxes Judentum?“ erhält der ׳Prediger Mannheimer das ,Wort: ■Ich ,muss :entschieden In!Abrede stellen, dass im Judentum eine schismatische!Spaltung existiert• und 1011■ muss m'üoh ■noch mehr dagegen! verwahren, •dass eine ׳solche!Spaltung von deir Just® als bestehend angenommen wird, ln!jedem!Glauben gibt es laxere und eifrigere Anschauungen, diese ■existieren •auch freilich!bei uns. ■Aber die Abänderungen■, ׳die •stattgefuiiiden haben, sind nicht •einmal!liturgische,, wie!der iRerr Angeklagte behauptete׳, •sondern sie ibetirelffen, lediglich das Aeussere. Aehnlioh wie der Geschäftsmann nicht so ■strenge Grundsätze ■vertritt ׳wie ׳der Jurist. Bezüglich' der messianischen ■Lehre aber stehen! allle Juden׳ ■auf demselben Standpunkte, ,nur dass der eine sich ■ihn mehr;als moralische Person!denkt, ׳der andere hingegen ,ihm mehr ׳einen! ■persönjichen Gharakter beilegt. Ich!füge auch noch hinzu, dass der -Inhalt des ׳Kapitels 53 Um Buche Jesai'a ׳sich auf das ganze jüdische Volk zu!beziehen׳ hat. ׳Darauf wird ■die Richtigkeit' dieser Aussage vom Prediger Mannheimer ,mit׳ ■einem heiligen Eid beschworen׳. An ׳den zweiten! Zeugen, Rabbiner Lazar .׳Horowitz, stellt der Verteidiger dieselben;Fragen wie an Mannheimer. Auch Horowitz äussert auf!das bestimmteste, es gäbe keine Spaltung ■im Judentum׳, keine ■orthodoxen und keine Reformjuden. Wenn man ׳von1 der ׳Sekte der 1Karäer absehe, sei das Judentum einig ■mit sich selbst. Im übrigen׳ äussert sich Horowitz in derselben Welse wie Mannheimer. Und ,auch er ■beschwört die Richtigkeit׳ seiner Aussage mit einem heiligen Eid. Auf Grund dieser!Zeugenaussagen, aus denen׳ hervorgehe, ,dass der Glaube an den־ persönlichen Messias ,kein Dogma der jüdischem Lohre ,sei, beantragt ,der!Verteidiger die ׳Freisprechung des Angeklagten. Kompert wind freiigesproclien. weil — ■wie es in den Gründen •des Gerichtsurteils heisst — einzelne!Sekten1 ■der jüdischen Religion, ,falls solche bestehen sollten׳, auf den Schutz des Staates keinen׳ Anspruch machen könnten■. Es würde ,also •ein Angriff wider e i n <v o rn!G e s.am t׳j׳u ׳d c nt u im s i c!11 s c ih 1e!1 id e n d ׳e s 0 •r t h 0 d 0 x e ■s J u d •e n t ׳u m unter die Strafsektion der §§ :1212 ■lit. b und 303 ׳St.-G. niemals fallen׳!können. Abgesehen hievon׳, erscheint!durch die beschworenen A u! s s ä g e n der Zeugen1׳ ׳. N. Mannheimeir und Lazar iHorowitiz, welche mit ׳Rücksicht auf ihre Amtseigenschaft jedenfalls a:1s vollkommen1 sachkundig anzusehen, sind, gemäss § 269 St.-P.-O. der Beweis erbracht, ׳dass in dem Gesamfjudenitum kein iSchisma. keine Sekten׳ bestehen•, dass 'die Erwartung :des Messias zwar Glaubenssatz sei, ohne ■dass jedoch hierdurch ׳dem Forschungstrieb der Juden ׳darüber, in welcher Art der Messias erscheinen werde, •jemals ,Schranken׳ gesetzt ׳worden wären, endlich dass. eiben!bezüglich!der Messiaslehre eine verschiedenartige Anschauung im Judentum herrsche, in dem ein Teil׳ ■den persönlichen Messias ־ erwarte, w ä :11 r■ e 11׳ ■d der grössere Teil ׳die M e s s ׳i a sp r 0 ׳p 11 e t i, 0 11, a u f d ,a s •Volk s ■e 11b s t ■b ׳e z i e ■11 e ... ׳Warum graben wir diese Wiener ,Erinnerung heute heraus? Warum ,lassen׳ wir die löten nicht ruhen:? Haben wir heute ׳nicht andier'e: Sorgen als den! persönlichen Me'sslas? Nicht andere Fragen, praktischere, dringlichere׳, aktuellere, zu ׳erledigen•, als die nach •dem •Bestehen einer ,Spaltung im Judentum,? Damals, 1864, ging ein Schrei der Entrüstung durch die ganze orthodoxe 1W!elt. Dr. (Hildesheimer, der Unerniüld- O0C*0 I >o< 8 8 8 o I o 8 8 o 8 8 1 c 8 8 8 Wien, I. Graben 12 der Pestsäule) Die neueröffnete, grösste u. modernste Werkstätte für Haararbeiten hat den Verkauf von Perücken, Scheiteln und Transformationen begonnen Der internationale Meister Karl Schiroky haftet jeder Dame für grösste Haltbarkeit trotz geringstem Gewicht (kein Kopfschmeiz bei festem Sitz) und für allererste Haarqualität Die Preise sind staunend niedrig EINFÜHRUNGSPREISE Bubiperücken von S 90.— aufwärts Transformationen mit Scheitel v. S 55.— aufw. 1» ohne n מ S 45. ״ Für Reinigen,‘ Wasserwellen u Reparieren jedweder Perücken werden die billigsten Preise berechnet Versäumen Sie daher keinesfalls einen unverbindlichen Besuch im § Graben-Frisier-lalOD, I. Graben 12 a Jede Perücke wird individuell der Gesichtsform O angeoasst, daher vollkommen unauffällig!! liehe, •fing diesen Schrei auf und ׳legte ihn dem weiten Kreise der Ahnungslosen, die fiiiclit wussten', worum es ging, in ■der ׳Form ,einer!Protesterklärung .aller namhaften Rabbiner •vor. •Und ׳Salom'on IKuitna׳. Hildesheimers ׳Nachfolger ln Eisenstadt, damals noch ii.n iKaposvar, legte seinen ilammenden. Zorn in einer Streitschrift nieder, die grosses Aufsehen erregte und in welcher es, 32 Jahre vor dem Erscheinen von Hcrzls Judenstaat, 11. a. heisst: ,Den persönliehen Messias ׳״in seinem!We'sen leugnen, wie er von den Propheten verkündigt, ׳von den! •Weisen׳ ׳geiiehrt, seit Jahrtausenden tradiert!wurde und in das ,Volksbewusstsein gedrungen ist, in allen Gebeten sich ausdrückt, in allen jüdischen ■Herzen, tief ■empfunden• wird, ihn leugnen: und dafür ein politisches, national-ökonomisches, idealistisches oder realistisches Einzelwesen׳ oder als Rivale.>m die Arena der ׳Nationalitäten- und Rassenkämpfe ,hineinstossen: ist nicht nur der grösste Verrat a׳n dem jüdischen Volke und 1seine,m Glauben׳, sondern ist auch der grösste palitisehe Humbug, die schwächste aller Seifenblasen׳, das traurigste Armutszeugnis' der eigenen ׳Nicht zu summe 11־ gehörigkeit mit dem grossen Ganzen, des jüdischen Volkes Nicht dem Urteil!des •Wiener ׳Landgerichtes, soudem den Zeugenaussagen, die dieses Urteil erst ermöglichl hatten׳, galt der Entrüstungsschrei aller ■um ׳ihr Vätererbe ' treu Besorgten. Denn in diesen׳ Zeugenaussagen■ siegte die ,Politik über die Religion; ■die unehrliche Taktik eines י krampfhaften Festhaitens an eine längst in die Brüche ge׳־ gangene Einheit des Judentums über die sachliche A11׳er-S kennung eines in den Grundbüchern ■des jüdischen׳ Glaubens klar ■vorliegenden religi011 s'wissen׳schaftlicllen Tatbestandes; die am Amt klebende ■Feigheit und Angst vor •dem Stirnrunzeln ׳der Wiener ■Kultusgemeindegewaltigen über die Würde und Selbstachtung ■der zu geistiger ׳Führung, aber nicht zu geistiger Unterordnung Berufenen. Da stellt ■Lazar ׳Horowitz, ein Rabbiner alten Schlages, ׳vor dem Wiener Landgericht und 'beschwört mit einem heiligen Eide, es gäbe kehle ׳Spaltung!im!Judentum, keine •orthodoxen •und keine neologen׳ Juden, nur Juden schlechthin, ,nur Juden mit •mehr oder!weniger elastischem Gewissen, und auch das, was Dr. Grätz über ,die Messiaslehre sagt, sei in Wirklichkeit1 gar •nicht so!schlimm, denn wer kann letzten Endes über!das Wie ׳und Wann der Ankunft des Messias ■etwas 1wirklich ׳Ausgemachtes sagen. Zwar welss •dieser gelehrte Zeuge gamz!genau, •was der Rambaim •in seinem Mischna-iKommentar •Sanhedrin!10 über die grundlegende Bedeutung •des Glaubens an den persönliehen;Messias sagt; ׳auch 'ist ihm •der '11. Absahnitfc der ■Hilchot Mclachim sehr wohl bekannt, :wo Idle Leugnung diesse Dogmas einer Leugnung Gottes unid der Thora gleichgestellt wird: e׳r wells« genau, ׳dass selbst!der systemalische Gegner des Rambain, Atbo, bezüglich ■dieses Glaubens sachlich mit :ihm durch'aus übereinstimmt, von Abarbanei und David ben!!Simra gar ,nicht zu ■reden;; auch weiss er genau, dass, wenn Ras'ohi lind •andere Erklärer d'ie Prophezeiungen ׳von Jesaias 33 auf ■das jüdische iVolIk beziehen, sie ■damit wahrhaftig nicht •den Glauben an den persönlichen■ •Messias ablehnen wollen, vielmehr auch im Sinne ihrer Deutung der •von!Jesaias verheissenc Aufsebwung Israels ׳durch ׳die Ankunft d'er ׳Messiasperson bedingt ist. Gleichwohl schaut er über die כפירה eines Grätz ■hinweg•, der in seinem Artikel ׳״Die Verjüngung .des Judentums“ ׳den׳ Jesaias ׳des 53. Kapitels ais ׳babylonischen Deuterojesaias, als ,den!fortschrittlicher Gesinnten, gegen den׳ rückständigen Sohn •des Amoz, der noch an ■der •Karlkatur ■des persönlichen Messias!festhält), auszuspielen'(sucht, indem ׳der JesaiaS 1d׳e׳s Exils kraft seiner!geläuterten! Anschauung ׳die IMessiasprophetion auf 1das ganze ׳jüdische Volk •beziehe, ׳während der andere an ׳der kindlichen! Auffassung ׳der Persönlichkeit de sMes s!i׳as festlialte. Allein; so mag ■der gelehrte ,Zeuge sein!Gewissen׳ :beruhigt!haben, was gehen■ ,diese :internen! 1Meinungsverschiedenheiten das Wiener Landgericht an? Nach aussen׳ steht das Judentum nach w׳ie vor als!Einheit da, ׳und solange ■es In Europa kein Staafcsgesetz gibt, das den Gegensatz zwischen ׳Orthodoxie und •Neologie anerkennt, sind auch ■die geistigen! Führer des Judentums •nicht ׳befugt, von ׳diesem Gegensatz offiziell Kenntnis zu ,nehmen. Was bileb idem Wiener Landgericht anders übrig, •las Kompert freizusprechen? Ja aber:, noch einmal, warum graben! ,wir denn diese Wiener Erinnerung •heute■ heraus? 1Nu׳n deshalb, kurz, gesagt, we 11 sic h s •e i t j e ,11 e im 311. Dez emb e r 186 3, wie ׳diese ■Wiener Erinnerung an einem ans c 11 a u liehen Beispiele■ zeigt׳, im geistigen Habitus!des mf׳t t e!l e ur o p äi so 11 e!n׳ J u d e n- 111 in s ׳nicht v i e 1 geändert h a t. Denn unbewusst beherrscht noch heute die Frage ■des" persönlichen] Messias in allen• ■jüdischen Fragen1 1die öffentliche Diskussion. Die Das Spielen ist osser kemikedem! Diesen.Ausruf hört man im Tempel ׳der KMla Bistenstadt alljährlich zwlelilmia'l, ׳und zwar •an einem Montag oder Donnerstag (K׳r1i1at-'Haith,ora־T,ag), der ׳nach dem 6. Jammer folgt,!unid ■am Montag oder Donnerstag nach ׳R!osch״ Chodesch Nissan. An •einem solchen Tag schlägt ׳der . Vorbeter nach dem Leiinen imiit!der Faust ׳auf den׳ Schulchati, wie wenm er die ■besondere Aufmerksamkeit!der An- ׳wesenden wmahrufen -■wollte, und sagt;: ,Das Spielen .ist osser keimiiikedeiml“, d. h.!das iSiplileden 1is׳t verboten׳ •wSle ehede/m. Nach diesem Akte, wird 'M!dler ganzen K'hiiila die Nachricht verbreitet: Das Spielen wurde. verrufen . odier vtrklopfi. .. . . . ' E׳s!soll id!a gleich verraten wenden, dass 11101er keiiines van /den gewöhnlichen KimdlarspMen• ׳ge:m׳efint '1ist, •vielmehr •soll!hier vom Kartenspiel erzählt wenden!, welches in .Eisenstadt durch Rabbi Mair Asch mit dem strengsten Che rem-Verbot ׳untersagt ist. Wozu gehört ■dann■!das Ausrufen Im Tempel!■, wenn es ohnedies verboten ist? wird ein jeder fragen. Ja, Idle Frage!ist :schon riiChitiig,!aber — . Aba! Also gibt es doch dim 1Alb!e;r. Ganz 1richtig. Keine Regel ׳ohne Ausnahme; dieser Satz ‘ gilt bei uns auch. Es gibt nämlich eine Zeit, wo ih ■Bisenstadit dias Karienspileil ,auch erlaubt list, und zwar nach ׳dem letzten Leimen vor Cbaniuka bis zum 6. .Jänner (an weilchen Tag Drei-Könige, dler sogenannte ׳rusisisclhe NiittjeJ, fällt), fermer ■nach dem letzten Leinen .vor ■Bu!r|i1m bis Rosch-Ghodesch Nissan und!ausserdem bei einer Wöchnerin. ■Die erste SpieilsiaiSom. dauert ׳beiläufig 5 bis .6 Wachen, die zweite ibloss 2 Wochen! :unid •die ׳dritte dauert 30 -Tage. Angeblich durfte man :bei •einer Wöchnerin, ■diiie•!ein Knäbleiin zur Welt, brachte, nur bei •der Wacbnacht!spielen, dias wurde aber mit der Zeit;bis ׳zu 30 Tagen verlängert. . , . . Interessant waT eigentlich nur '■dias Spielen bei ׳einer■ Wacbnacht.. Der gliücfclichie Vater ׳des jungen Knäble/ins hatte vo'Jlaui ׳mit ■der Vorbereitung, ׳respektive mit der Beschaffung all jener Gegenstände, welche •zur Ver.berrlialmmg des grossen Abends unbedingt notwendig!waren,, zu tun. In erster R׳eä!he!mussten ׳eliniwanidfrleiie Spielkarten im gehöriger Menge׳ versorgt wenden; sodann Tische, Stühle (in׳ alten' Zeiten׳ Kerzen) ׳und• in reichlicher ׳Menge Bss- ׳und Trinkwaren, je nach dem Veirmögcnsviembältnilsse •odleir!der igeseillscb,ältlichen!Stellung ׳des Gastgebers, re־ spektive des Gevatters. Denn!eine Waahnaciht war!gewähn:],ich schon des Spielvergn/ügens •wegen ,stark besucht und es w׳urlde dort wenigstens!biiis .Mitternacht gesp'iieilt. Während des Spieles war auf jedem Tiischiel qiieben!den S׳p,,Menden eine Büchse oder! Schale angebracht, Sn welche ־■dler durch Fortuna ■besonders Begünstigte seinen Gewiinn gab. Und ׳da ׳es ,in!dleir Weit von jeher schon so ea'ngieführt!i<st, dass ׳dler Kindersegen; sich meistens bei armen Leuten elnstellte׳, kam es öf;e׳rs ׳vor, dass so eine Wachnacht dem ׳an Glücksgitterin lärmen, /aber doch glücklichen Vatieir .zum .Segen wurde, weil di׳e. in dien Büchsen emtbaillteme Summe, welche! man gewöhnlich ״SdholdCrgeM“ nannte, Ihn .׳auf Monate hinaus von miatcriellen Sorgen beifreite. Dies war;!auch ׳angeblich!dler Hauptgrund, weshalb der grosse■ Zaddik!bei!einer Wachnacht das Kantens-pilel!erlaubte. War die W.aohniacht!bei einem reichen Manne, so wiuride das ״Scboldergöld“ dem .Wöchnerinnem- oder 1de:m ׳Holzvereine!gegeben. Kaum wären die Jomliim tanwiirn Viorübeir״ so b׳egannen auch!schon d(i!e. Spie,!hungrigen!die Sidroth zu ׳zählen. Zu ׳Beginn ׳de:s Monats Kislew ergriff ׳das Spielfiebfer selbst die klelinen: ScWüfer ׳der׳ Volkisschule. ■Auch (djiiesie e׳rwa!nte!tle!n, schon Woclien vorher diie 'Spielzeit. Nicht nur wieiill ,sie ׳auch׳ gerne mit /Karten splielten, sondern hauptsächilüah idarium׳, well In der ״SaiLsön“ die '•Schul־ •d'iszipin sehr ׳golobkept warMDie ’׳Scihüleir wussten . ganz gut, dass in ׳dl;|eser Zeit ׳der strenge ׳Hierr ,Lehreir ׳milder gestimmt ׳war •und etwaige׳ ׳mangelhaft ge schriebe nie!Aufgaben /viel naahsichtiger bcur,feilte als!sonst. Diese Frei- ■beit ■ging igar so weit, ׳dass vor vielen׳ Jahren׳ ׳ein Schüller an seinen Lehrer folgende Fragte stellte: ״Ich bitte,!Herr Lehrer, wenn ׳be׳i ׳Klabrias dler eine vier Unter!und der andere ׳eine Quint halt, welche, gilt mehr?“ Der Herr Lehrer, der ein gewaltiger Kenner ■der klassischen׳ ׳und modernen Literatur ׳und1 dabei ׳auch!ein ausge.zeiiehnotier •Pädagoge war, wusste ,auf ׳dlile.se. Frage :keime Antwort.!Da aber ein׳ ganz alter :pädagogischer Satz dahin׳ la/irfie't, dass der Lehrer allle's wissen ׳muss, •so •sagte der weise Mann zum •Kinde: ׳״Nach ׳den־ Pause erhältst du die Antwort auf ideliine■ iFriage.“ Mittler,wehe begab sich der Lehrer zu idlcn ebenfalls ii)m Schulhaiiise befindlichen Kollegen und von ihnen zum Herrn Direktor; allein d׳!ie ■aufgeiworfene Frage ifanid ldeäne ,nichtige Amtiwort. •Es wuirlde ׳eliine rlege'lrechte Lehirerberütnmg eiimbeniilen׳, aber auch dies/e!!blieb crge/bniislos. Am melilsten verdross diite'Geschichte den ,H/e'rinn Direktor, demi ׳der Fr!age stell er, ׳der diesmal •dien, ganzen Lelhrlkörper •1!n ,solch grosse V!er׳legemhei׳t bradiite, war sein elünizügcs Söhnchen. Dia endlich — es ,war /bereits die Zeit Idter Schul- . pausle׳ — besann sieh der Herr Direktor, winkte ,den ,Kollegen :und der ganze Lehrkörper •begab sich Sn die iKllasse d׳e's Fr/a׳ge1stell.le1r׳s, aiüiwo iwähtrerld!der Abwesenheit des Lehrers die veTscMe1d׳e1n׳ar/tögsten spiielzeitiliclien Probleme eirörteri iwur'dten. Ein! Lärm wie •auf eiinem Jahrmärkte empfing ׳den. he;re1:׳ntrtefen|dfeln Lehrkörper, ׳aber /beim Eintritt der gefürchteten!Personen w-urdie es: ׳plötzlich ׳mäuschenstl;/!׳!, ,,Lass ׳mal hören,“ fuhr ׳,der Herr Direktor seinen Sohn an, ״wie la/utet dlile Frage, ׳d!i,e idu an den Herrn Lehrer stelltest!“ 1 ״Bitte, ■Pppa — ich — ׳ich —“ stotterte ׳der ■Kleine. ״Was, Papa?' Nichts P!apa!“ seihriie! •dteir; ■Herr ,Dlrektor. ״Hier steht ■nicht ׳dein iRapa, sondern ■deine Herren Lehr!e׳r• sind' lensclilleneni!und ׳wollen)!deine Frage hören, ■die ,'du in solch auffälliger Welse am ׳deinen Herrn Lehrer stelltest.“ Der . Junge zitterte am ganzen Körper,!al׳s ׳eir ■die strengen Worte seßnes Vaters ׳vernahm, ,begann zu weinen' •undi stotterte ׳unter Schluchzen .־ f

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