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Jüdische Presse · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · p. Seite 42

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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Seite 42 JÜDISCHE PRESSE Nr. 6 es iliclit übertrieben, wenn wir vom Anbruch einer neuen Epoche >i׳m jüdischen Leben Amerikas sprechen. Es zeigt sich, dass auch solche jüdische Kreise, die Jas Galuth politisch und religiös assimiliert hat, für Palästina wenigstens eine 1konservabi.v-relig,iös׳e Entwicklar.1v,g würtscihen!und zur Unterstützung ,des!Pal äs t in aairfbau werk cs der Aguda und der För1dem1!11g des Keren Haijisöhuw;herangezogen ־werden können, und dass auch •in!misraohistischen Kre'iisen der Entschluss •reift, ׳sich •von der zioniis tischen ■Organisatiio« loszulösen. Rabbi Goldsteiu schreibt, ich sehe fiir Misraclti nur einen Weg. den Anschluss an Agudas Jisroel; was (ich für meine ,Person •auch tue. Hoffen wir, dass auch Misraolii ׳diesen ■einzig!möglibhen W׳eg bald betreten•■ wird. Uns Aiüliäugcnn. ■der Agudas Jisroel •obliegt ■es nun. die iMöglicliikeiten, diie!in der jüngsten Vergangenheit zu keimet! ׳begannen, im Auge zu ׳behalten, in der Erkenntnis, dass unserer ■hingelbungs■ vollen Arbeit fiir Erez Jiroeil-, die bereits so schöne Erfolge gebracht iiat, noch Grosses beschieden ist. Es gilt, den Keim zum Reifen zu bringen... P. Die Lehren der Stephen Wise-Episode In seiner Stellungnahme zu־ ,dem Streit um Stephen Wise erklärt Josef!Klausner,!dessen Gedankengang eigentlich Wise aufgenommen und kanzclfäliig zu machen versucht hat, dass im Judentum Nationalismus ■und Religion eine Einheit bilden. Mail kann diese Aeusserung ״ nicht ernst genug nehmen, nicht;ihres Jiiihaltes wegen, sondern deshalb, weil die Gefahr;bestellt, dass wieder einmal eine ׳Phrase aus dem anderen Lager die Orthodoxie verblendet.!Wir hören schon, wie der eine oder andere erleichtert aufatmet, dass nun auch die andere Seite eine ,Verbeugung ׳vor der Religion .vollzogen bat, dass ■nun ׳auf ■der ganzen!Linie die Einheit zwischen Religion und ׳Nation anerkannt ist. Und wer weiss, welche ׳Konsequenzen aus ׳einer derartigen Begriffs־ Verwirrung gezogen werden. Gewiss, dem denkenden Menschen ׳ist Her ׳himmelweite ׳Unterschied klar. Für Klausner ■u,nd isleüne Gen10׳ssen .!s;t die Identität, dadurch gegeben, dass sich die ■Nation •ihre ׳Religion selbst geschaffen hat, ergo ■die!Religion ein Instrument in •der Hand •der ■Nation, der Einfluss der Religion auf die Lebensäusserungeii der Nation •von den politischen Interessen derselben bedingt «st. ׳Für •11,11s!hingegen■ ist die Religion das!konstitutive Moment «der ■Nation ■unter, souveränem Diktat ■der ׳Religion ■fiir. alle!Beziehungen der Nation. Wer von ■der ׳Religion ,abfällt,!ist aus der Nation ausgeschlossen, wer ׳sich der!Religion!ansehliesst, ist unabhängig von Geburt und sonstigen!nationalen, sogar völkischen• 1Be- Ziehungen Jude. ׳Die Religion ist ■niclil eine Schöpfung der •Nation,, sondern von aussen (Offenbarung) an sie herangebracht. Man ersieht leicht aus diesen Ausffiilirungen, dass es zwischen diar Orltilioidoxfte, ׳wieildhe ■die!Begriffe iRdliigion- Nation, melliiigi1äs-׳n!atii!0,n׳all idder ireliigiio'nsinatioiniall!geprägt ih.afc, und dem Klausner-Wiiseschen1 Gecankengaug keine Drücke ׳gfubt. . . .Vielleicht aber ׳wird ׳tnan doch endlich in besonnenen orthodoxen!Kreisen stutzig werden und ׳allmählich sich!zu der Erkenntnis durchringen, dass dieses!halbe Akzeptieren von ,Sahlagworten, ׳weiche •im religionslosen Lager geprägt sind, gar nicht so ׳unbedenklich ■ist. Vielleicht dämmert doch dfas Vienständinils lauf fiär ׳die is&Wsiaime Erschieiimns׳, dass während ׳des!Krieges zur Zeit der!deutschem Okkupation in Ländern grosser ׳jüdiiiscih'eir ßiedllungen der jüldiisabnaltiomailen ׳ Itdeoflo!gi׳e von Idfetr ■Vemtaeterin ‘diar!protestan tischen Theologie ׳autffalemdJe Syimpatliülen entgegengebrach't ,wurden. Gewiss sprachen auch!politische!Erwägungen bei!dieser Erscheinung ׳mit, allein mail sollte aus dieser' Reminiszenz .wenigstens Vorsicht ׳lernen. Die Logik ist!ein grausamer D'ikbafor. Wiiir stellen .nlildlit lan, ׳zu erklären, dass .idSe Predigten von ׳Stephen Wise ,nicht ׳nach dem Willen׳ der Champions des ■jüdischen Nationalismus sind; aber der ,bis zu Ende durchgedachte reine Nationalismus ■führt ׳eben doch zu ׳solchen ■Anschauungen. 1Da׳s musste sich •auch ׳die!Union!orthodoxer ■Rabbiner!in!Amerika •sagen und musste zugestehen, •dass •die!konsequentere Logik ■auf Seite von Stephen Wise steht. Wenn ,man es •ein Jahrhundert lang ruhig, geduldet!hat, dass mit diesem oder jenem ׳Argument das Spezifische •der jüdischen ׳Religion vollkommen vernachlässigt und negiert ,wurde, wenn ■man ׳es!unter!Beifall geduldet ■hat, dass;bei allen Forderungen, welche Juden׳ an die politischen Faktoren der Welt gestellt ,haben!, kein Wort von ■dem Primat ,der (Religion!Erwähnung fand, wenn man •es ruhig mitangesehen׳ hat, dass sieh ׳eine Judenheit auf der (Basis eines :relligtoinsfei'nd'liiohen N,atiomälismus.;ihre Gesetze des Handelns gab, dann darf man . sich nicht!wundern׳, wenn " ■audh bei dem ■Kriterium für 1d!ie Zagteihärigkeit!zur Nation der Faktor der Rteiitgiilon ׳odler׳ ״besser!gesagt,!der Faktor der Thora ganz ausser ■Acht!bleibt. Der ,niationale Separatismus, der in •die grosse Welt (führt, hat es leichter ■als der ״Separatismus“, welcher in ■das (Bet iHamidrasch strebt, in ■den ׳Keren sowliis, an de׳m idler! Thoira eiinie Zufluchtsstätte erzwungen werden, muss. iKlausner-Wise :haben die Situa- ׳tilou beileucihitet. Es äst ein ittr.übes, bet1r׳iib!e1n1des Licht,!aber Elnjährher Hancelakm■« Wiener Einjähriger Handelskur» fFalmud -Thora ■ Schulverein ] Volks- und Bürgerschule für Knaben und Mädchen Wien, II.y Malxgasse 16 Oest.Postspark.-Kto. 182.169!Spendet für das älteste und grösste Jüdische Schulwerk Wiens S Was ist und was leistet der Keren Hajfschuv? Keren Hajisehuw ist der Wirtschaftsfond der Agudas Jisroel für Erez Jisroel. ' Keren Hajisehuw ist das Finanzinstrument für den Aufbau von• Erez Jisroel im Geiste der Thora und Tradition. Keren Hajisehuw ist der einzige Erez-Jisroel-Fond,. dessen Gelder laut Statut nur für solche Siedlungen verwendet werden dürfen, welche auf der Grundlage des Thoragesetzes errichtet und geführt werden. Keren Hajisehuw hat die Gründung •der ersten agudistischen Kolonie ״Machaneh Jisroel“ in Emek Jesreel ermöglicht. Keren Hajisehuw hat ■durch die Beschaffung' von Baumaterialien die Errichtung billiger und solider Heimstätten in Erez Jisroel gefördert. Kereu Hajisehuw hat •in Tel-Awiw ein Emigrantenheim für die erste Unterkunft mittelloser Einwanderer errichtet. Keren Hajisehuw hat in Jerusalem und in Tel-Awiw eine von meh• reren Hunderten täglich frequentierte rituelle Arbeiterkiiehe eingerichtet. Kereu Hajisehuw hat Hunderten gesetzestreuen Arbeitern in Erez Jisroel Arbeits- und Verdienstmöglichkeit geschaffen. Keren Hajisehuw hat gesetzestreue Aulim als Handwerker und Bauarbeiter ausbilden lassen. Keren •Hajisehuw hat mit den Vorarbeiten zur Gründung einer Siedlerschule ׳in Emek Jesreel begonnen. Keren Hajisehuw hat den Erwerb von sechzigtausend Dunam Boden in Erez Jisroel für agudistische Kolonisationszwecke ermöglicht. , Keren Hajisehuw hat in Tel-Awiw eine Informationsstelle zur Beratung von Emigranten in allen wirtschaftlichen An• ׳gelegenheiten eingerichtet. Keren Hajisehuw will die begonnene Arbeit fortsetzen: weitere Bodenkäufe tätigen, dem Strom der orthodoxen Einwanderer durch Arbeit Verdienstmöglichkeit schaffen, Industrie und Handwerk im al!ten und neuen Jischuw fördern, die agudistische Arbeiterorganisation ausbauen, Lehrfarmen und Lehrwerkstätten für Hand- ' werker auch in Chuzoh Loorez einrichten. Das Direktorium des Keren Hajisehuw Zahlstelle für Oesterreich: Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Wien, 11., Malzgasse 12 a. Postsparkassenkonto: Wien Nr. 33.406. Bankkonto: Unionbank, Wien, Filiale Taborstrasse. Zahlstelle für Rumänien: Isac Sternberg, Oradea Mare, Piata Uniril 2, TIFERES BACHURIM, unterstützt Wiener Kinder, die auf Jeschivoth lernen. so־* Fördert daher diesen Vereinige Postsparkassen-Konto Nr. 51.807. doch hell genug, um ׳deutlich ׳zu zeigen, ־wohin der Weg führt, ,führen muss; ©ine Etappe von ׳vielen׳, von den vielen Versuchen, ׳den;wahren ׳Umversalismus des Judentums unrichtig darzustellen, Kind einer Augenblickskonjunktur, mehr nicht. Für uns ergäbt sich die Forderung: Klar in Wort und Weg. Dies ׳aber äst alles. P.!K. Die Liquidierung der Wise-Affäre. Die Lfnion der orthodoxen Rabbiner Amerikas hat in ihrer letzten Vollversamm־ lung beschlossen, ihren Mitgliedern fr e i e Hand zu geben, in betreff der vereinig־ ten Palästina-Aktion, deren Vorsitzender Rabbi Dr. Wise ist, nach Ueberzeugung. und Neigung zu verfahren, d. 11. diese Aktion zu unterstützen oder nicht. Diese Stellungnahme ist bezeichnend für den Geist, der in der Union herrscht. Infolge־ dessen haben sich achtzig Rabbiner separat organisiert und neuerlich einen Issur gegen den Keren Hajessod und gleichzeitig einen Appell für Kere. Hajisehuw veröffentlicht. Im übrigen veröffentlichen wir einige charakteristische Stimmen, die es beweisen, wessen Geistes jene Kreise sind, die so warm eine Lanze fiir Stephan Wise cinlegen. Eine Diktatur der Rabbiner? (״The Jewish Times“, vom 3. Jänner 1926.) Es ist gleichgültig, ob die Ansicht Dr. Wises, welche er in ^einer Predigt in einer amerikanischen Synagoge zum Ausdruck gebracht hat, geschichtlich richtig ist oder nicht. Viel wichtiger ist meiner Ansicht nach, sich zu sagen: selbst für den Fall, als wir annehmen wollen, dass Wises Meinung — welche, nebenbei bemerkt, nicht neu* ist und bereits von Dr. Klausner, Brenner, Zyd 1 o w s k y ausgesprochen worden ist — nicht richtig sei, hat wohl niemand ein Recht, eine akademische Meinung mit einem Banne zu beantworten. Wie darf der amerikani-1 sehe oder irgend ein beliebiger rabbinischer Verband gegen einen Menschen auftreten, der öffentlich seine Meinung) bekennt und überdies eine so wertvolle Kraft für die jüdische Arbeit ist? Ich meine, man müsste sich rechtzeitig die Frage stellen: Sind die heutigen Rabbiner — Amerikaner oder andere — die einzigen Sachwalter nationaljüdischen Denkens, die einzigen Autoritäten in Judaicis? Sind sie die inoffiziellen Diktatoren in unserem neuen nationalen Leben? Ist es so weit, dass jeder Jude seine Gedanken! unterdrücken muss, um den heiligen Zorn der Rabbiner nicht herauszufordern? Diese Differenzen zwingen zu der Lösung, welche bereits alle anderen Völker gefunden haben, nämlich das religiöse Volksleben vom weltlich-nationalen zu trennen. , . . '• Kämpfen unsere heutigen Rabbiner vielleicht für .ihre Hegemonie im neuen jdüischen Leben, sowohl des heiligen Landes als auch der Diaspora? Fürwahr, die Gefahr, dass die Rabbiner sowohl die Herren als auch die Zensoren; des neuen jüdischen Lebens werden, ist gar nicht so klein, wie es scheint. Sie bedeutet eine neue Mahnung daran; dass die Errungenschaften des jüdisch-nationalen, religions- -losen Freigeistes ernstlich bedroht sind. Und warum ist die Gefahr einer rabbinischen piktatur so gross? Weil die Einstellung ,der Rabbinen die kriti-1 sehe Stimmung in unserem Denken und in unseren grossen wie kleinen Organisationen mehren. Der jüdische Volksführer wird aufhören, nach' seiner Ueberzeugung zu. handeln; weil er vor der rabbinischen Zensur Angst haben wird. Wenn das jüdische Leben sich der rabbinischen Zensur unterworfen hätte, wäre seinerzeit auch Herzl verstossen worden. Jetzt halten Rabbiner Trauerreden nach Herz! und Nordau, während früher die Klerikalen diese noch1 schärfer prüften als jetzt Dr. Stephen W i s e, trotzdem! dieser noch frömmer ist als jene waren. Die Zeit, da der jüdische Organismus einen Acosta und Spinoza verstossen hat, ist längst vorüber. Wir wünschten, dass diese jetzt zu uns kämen; das nationale Judentum wird sich mit ihnen beglückend vereinen, ohne auf die lichtabgewendeteri Klerikalen zu schauen. Das Ende des Zwischenfalles. (״Das jüdische Volk“ vom 8. Jänner 1926.) Die Verhandlungen der jüdischnationalen Exekutive wegen des bereits der Vergangenheit angehörigen Zw?y schenfalles in der Stephen Wise- Affäre beweisen, dass sich unsere Genossen in ernsten Momenten durch hysterisehe Ausbrüche nicht zurückschrecken lassen. Doch;es,' ist verdriesslich, dass unsere Freunde vom Misrachi hier die Gelegenheit versäumt haben, der zionistischen Idee einen ungeheuren Dienst zu leisten: sic hätten die ersten sein müssen, welche die frommen Rabbiner beruhigten, um den Chillul Haschern zu vermeiden. Anstatt vom ersten Momente an um die zionistische Ehre besorgt zu sein; Hessen die Misrachisten den Mut fallen, denn sie hatteri Angst, dass irgend welche Rabbinen auch sie der Freigeisterei bezichtigen könnten. Sie begannen daher mit den Wölfen zu heulen. Glücklicherweise aber hat Misrachi 1m letzten Momente seinen grossen Fehler erkannt, und Rabbt Meier Berlin, der Präsident des amerikanischen Misrachi, hat auf einer grossen Sitzung deutlich erklärt, dass sich Misrachi der zionistischen Majorität fügen werde, gleichgültig wie der Entschluss ausfallen würde. Hätte der Misrachi vom Anfang an Verantwortlichkeitsgefühl und Disziplin gehabt, noch ehe die Atmosphäre im Rabbinerverband vergiftet war, hätten wir den ganzen Zwischenfall erspart. Die zionistischen Beratungen vom letzten Sonntag lassen keinen Zweifel mehr übrig, dass diese dies Meinung des gesamten amerikanischen Judentums wiedergaben. Die jüdische Oeffentlichkeit hat bereits geurteilt) Wir schliessen uns der Meinung Dr. Wises an. Es ist zu hoffen, dass der Rabbinerverband das Vergangene vergessen und die zionistische Arbeit unterstützen wird. Keren Hatora Unterstützt insgesamt über 500 Thoralehranstalten in Palästina, Oesterreich, Litauen, Lettland, Polen Rumänien usw. mit insgesamt 250.000 Schülern. Spendet fiir Keren Hatora■ öst. Postsparkassen- Konto Nr. 143«056

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