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Jüdische Presse · 1926-01-08 · 2 (8.1.1926) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
2 (8.1.1926)
Date
1926-01-08
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE PRESSE Nr. 2 Für die konfessionelle Schule. (Aus einer Rede des Grossrabbiners für Bessarabien, L. Z i r e 1s o n, Abgeordneter von Chisinau, in der rumänischen Kammer.) Hochgeehrter Herr Präsident! Meine Herren Abgeordneten! Herr Unterrichtsminister Dr. Anghelescn verfolgt mit sehr viel Energie nur den einen Zweck, zirka eine Million Juden gewaltsam zur Assimilierung zu treiben• Aus der systematischen und schonungslosen Sperrung( einer ganzen Reihe von jüdischnationalen Schulen in; Bessarabien — die bis jetzt vom Staate erhalten wurden —י ersieht man dieses Bestreben am klarsten. Dadurch werden, aber verletzt die Bestimmungen des königlichen Dekretes׳ Nr. 2092 vom 14. August 1918, A!r,t. 1 und 8 (betreffend die nationalen Schulen in Bessarabien), sowie die des/ Pariser Friedensvertrages vom 28. Oktober 1920, Art. 3,׳ und des Regierungserlasses vom 26. März 1923. 1 Aber das unheilvolle Bestreben des Herrn Ministers Dr. Anghelescu spiegelt sich noch deutlicher in dem' sechsten Abschnitt des heute zur Besprechung vorgelegten* Entwurfes wieder. Nämlich1: t Zur Erhaltung ihrer Religion, für welche sie im! Laufe des Jahrhunderts fast alle Teile der Erde mit ihrem Blute getränkt haben, bedürfen die Juden eines gut ausgebauten Kaders von konfessionellen Lehrern, Schach5־ fern, Kantoren, Daianirn (d. 11. Assistenten der Rabbiner) und Rabbinern. Alle diese Beamten werden herangebildet in unseren in drei Gruppen sich scheidenden konfessionellen Schulen,׳ und zwar: Cheder, Talmud-Thora und Jeschiba, die von! den Schülern zwischen dem fünften und neunzehnten{ Lebensjahr besucht und absolviert werden- ׳ ׳ ( Gegenwärtig bestehen in Grossrumänien über 2000 solcher Schulen. Ihre Auflösung muss bewirken, dass das grossartige, jahrtausendalte Gebäude der jüdischen Religion, welches heute durch die Absolventen dieser Schulen' gehütet wird, früher oder später zusammenbricht. Durch dieses Gesetz muss also die ganze rumänische Judenschaft einer gewaltsamen Massenassimilation zum Opfer fallen.1 Um diese Salve auf die Judenschaft abfeuern zu! können, hat der Herr Minister ruhigen Blutes seine/ Schusswaffen mit der hier besprochenen Gesetzesvorlage geladen. Anstatt den konfessionellen Schulen die Pflicht aufzuerlegen, ihre Schüler zum Besuch der Kindergärten und Elementarschulen in den von denselben zu bestimmenden Stunden und Orten zu verhalten und anstatt die konfessionellen Schulen durch das ortszuständige Schulrevisqrat zwecks Ueberwachung der Gesundheit und der Einhaltung der Ordnung kontrollieren zu lassen, übt der Herr Minister, seinem־ Zwecke getreu, einen gewaltsamen! und demonstrativen Eingriff in das Allerheiligste anderer,• in ihren Glauben. Im Artikel 75 der Gesetzes Vorlage werden konfessionelle Schulen nur für Kinder zwischen fünf und sieben Jahren bewilligt, in welchem Alter die Kinder bloss Gebete und Anfangsbegriffe der Bibel lernen können; ferner werden die konfessionellen Lehrer einer speziellen Qualifizierung durch zwei Ministerien (Ministerium des Unterrichtes und Ministerium für Kultus) unterstellt). Imi Artikel 77 wird die Approbierung durch die zwei, genannten; Ministerien auch' in bezug auf den jüdischen Religionsunterricht vorgeschrieben, welcher mit den anderen Vortragsgegenständen nichts zu tun hat. Im Artikel 77 wird ferner für die konfessionellen Schulen ausschliesslich die hebräische Sprache und nicht auch das ״Jiddische“ also nicht die eigentliche Umgangssprache der in der Moldau,1 in Bessarabien, Bukowina und Siebenbürgen lebenden׳ Juden, als Unterrichtssprache bestimmt, wodurch ein Usus abgeschafft wird, der in der überwiegenden Mehrzahl dieser Schulen seit langem besteht. 1 Im Sinne des Artikels 7S wird ferner vorgeschrieben, ,dass die Kinder in den konfessionellen Asylen den halben Tag nur die staatliche Kindergartenschule besuchen sollen, sofern eine solche in dem betreffenden Schulkreis besteht! TIFERES BACHURIM, unterstützt Wiener Kinder, die auf Jeschivoth lernen. a^־־ Fördert daher diesen Vereinig Postsparkassen-Konto Nr. 51,807. Wie der So wjetkommissär einem Juden den Rauch von ganz Russland verkaufte Einer russischen Anekdote nacherzählt von Regierungs־, rat J. Kreppei, Wien. Anmerkung des Berichters? Einer meiner Bekannten aus Russland, der vor kurzem aus Moskau in Wieii eintraf,' erzählte mir verschiedene Anekdoten, die1 die dortigen Verhältnisse besonders charakterisieren, wenn sie auch nicht immer wörtlich) genommen werden dürfen.! ■Wie bekannt, unterband das Sowjetregime zunächst den ganzen Handel im Sowjetreich. Alles ward.zum Mono־! pol der Regierung, und die Volkskommissare hatten über! alles zu befehlen und konnten nach Belieben schalten' und walten. Es, dauerte etwa drei Jahre, bevor die׳ Moskauer Gewalthaber eingesehen hatten, dass Russland hiebei vollständig zugrunde gehe, dass Handel und Wandel stocken, dass die Hungersnot immer schrecklichere Dimensionen annehme, dass die Leere in den Staatskassen immer gähnender werde und dass man einer Katastrophe zueile, falls nicht noch rechtzeitig umgesattelt werde.; So wurde denn auf Drängen von Lenin;beschlossen,' den ״Nep“, die ״neue ökonomische Politik“, einzuführen., d. h. einen Teil des Handels im Innern wieder freizugeben.1 Als dieser Beschluss durchgeführt werden sollte, tauchte unter den Volkskommissaren die Frage auf, wie denn dieses Problem zu lösen sei. Im alten Russland beJ fand sich fast der gesamte Handel, mit Ausnahme desjenigen einiger landwirtschaftlichen Produkte, in den Händen der Juden. Sollte man diesen weiterhin dieses indirekte) Monopol überlassen und sich damit der Gefahr aussetzen, seitens der Gegner verdächtigt zu werden, Russland zuJ gunsten der Juden verraten zu haben, oder sollte man lieber den Versuch machen, die breiten russischen Klein-* bürgermassen zum Handel heranzuziehen? Nach längeren Diskussionen, bei welchen das Pro und Kontra beider Eventualitäten reiflich erwogen wurde, fasste man schliesslich den Plan, es zunächst mit einem1 Einjähriger Hanceltkufs 1IVicttei* Einjähriger Handelskur» Talmud -Thora ■ Schulverein Volks- und BOrgeischiils für Knaben und Mädchen Wien! Il.y Malzgasse 16 Oest. Postspark.-Kto. 182.159 Spendet für das älteste und grösste Jüdische Schulwerk Wiens! nicht aber eine private Kindergartenschule, wo sie ihren Sabbat achten können. Schliesslich werden im Artikel 79 den konfessionellen Lehrern diejenigen vollständigen profanen Studien vorgeschricben, die von den Lehrern der( I Profanfächer gefordert werden, also in Fächern, deren' j Vortrag in den konfessionellen Schulen dieselbe Gesetzesj Vorlage nicht gestattet; auf diese Weise wird die Massenj entfernung aller spezialisierten konfessionellen Lehrer und! deren Ersetzung durch Profanlehrer erreicht, die wohl' j Kenntnisse in ihren Fächern, aber keine Ahnung vom j dem jüdisch-religiösen Wissensstoff haben. י So sieht das Opfer aus, welches der Herr Minister dem von ihm angebeteten Assimilationsgott in feierlicher Weise darbringen will! ' Ich frage aber: Ist derartiges in einem Kulturstaat im 20. Jahrhundert denkbar? Ist cs möglich, dass derartige, von der ganzen gebildeten Menschheit seit langem! verurteilte und abgeschafftc Massnahmen wieder aufleben,׳ in einem Lande, dessen Toleranz der Herr Minister mit solchem Nachdruck in seiner Gesetzesbegründung her־' vorhebt und verkündet? <! Kann noch ein Zweifel darüber bestehen, dass eine j derartige, gegen die Seele eines ganzen Volkes ausgeübtej i Gewalttat zu der neuen Verfassung Grossrumäniens in! schreiendem Widerspruch steht und gegen die Friedensvertrage eklatant verstösst? Und werden diese Massnahmen zu einer Zwangsassimilation ,nicht eine neuer־; liehe Diskreditierung Grossntmänicns in den Augen dei{ kultivierten Völker und ein Gefühl tiefer Verstimmung , in der Judenschaft unseres Landes hervorrufen? •' Jawohl, meine Herren Abgeordneten, solche Massregeln seitens der Staatsgewalt, die die zivilisierte Welt schon längst verworfen hat, sind unnütz und gefähr-׳ lieh. Sie können in keinem Kulturland, zu dessen Wohl sie nie und nimmer gereichen, Gesetzeskraft erlangen,1 aber sie rufen bei den Verfolgten Verbitterung hervor- Seit Jahrtausenden ist das jüdische Volk, gerade1 wegen seiner Abneigung gegen die Assimilierung, den schrecklichsten Gewalttaten in den verschiedenen Ländern' seitens der verschiedenen Antiochus Epiphanius ausgesetzt. Aber nicht mir, dass all diese Versuche das jüdische Volk nicht vernichten konnten, sie haben seine Seele gestärkt,׳ sein religiöses und nationales Bewusstsein .gestählt. Zahllose Juden sind den Unterdrückungen, Inquist־ tionsmartern und Scheiterhaufen zum Opfer gefallen. Aber die ganze, gegen sie heraufbeschworene Unterwelt des1 Hasses und der Vernichtung vermochte den Nationalismus nicht zu verhindern und hat die von den Verfolgern' angestrebte Assimilation nicht erreicht. Israel hat es ver־! standen, sich auch in den schwersten Zeiten zu verteidigen* und überall und immer hat es seine national-religiöse Kultur gerettet und gewahrt. Gegen das Gesetz-vdes Herrn Ministers Anghelescu,' das eine neue Vergewaltigung des jüdischen Volkes be־' deutet, den Juden, neue moralische Qualen bereitet, wer־! den sich' die rumänischen Juden zu verteidigen wissen! Ueberall, wo sie leben, lieben und ehren die Juden ihre1 Heimat, sind sie gute und treue Patrioten ihres Landes•' Aber sie haben auch immer für ihre Nationalidee gekämpft• Sie haben gekämpft und sie werden kämpfen, nicht mit den Waffen der Gewalt, sondern mit den Waffen des1 Geistes, des Geistes, den sie von ihren Propheten geerbt Waben. 1 '׳ I Ich wiederhole, dass die Gesetzesvorlage, die wir heute hier erörtern, dem Lande nur Schaden bringen wird.1 Wir beantragen: Der die Juden so beleidigende' Schlussabsatz'des Artikels 35, lautend: ״Für die jüdischen Schüler wird in den Schulen In der Staatssprache vorgetragen“, ist zu streichen und durch folgenden Satz zu ersetzen^: ״In den Privatschulen der jüdischen Minorität wird! in rumänischer, hebräischer oder jüdischer (jiddischer)' Sprache je nach Beschluss der Schulgründer oder-Erhalter* vorgetragen.“ ' ׳ Es versteht sich von selbst, dass in Verbindung damit auch der Artikel 36 gestrichen werden muss. einfachen russischen ״Muschik“ (Kleinbürger) zu versuchen. Ein roter Soldat erhielt daraufhin den Befehl! einen russischen Händler von der Markthalle herbeizuholen und dem Rat der Volkskommissäre vorzuführen•! Der Muschik war zu Tode erschrocken, als der Rotgardist erschien und ihm befahl, ihn zum Kreml zu! begleiten. Er bekreuzigte sich unaufhörlich und glaubte,1 seine letzte Stunde habe geschlagen. Mit schlotternden1 Knien erschien er vor dem Rat der Gewaltigen und erwartete, gar bald der ״Tscheka“ (der politischen Polizei, die mit den ihr ausgelieferten ״Verbrechern“ in der Regel1 kurzen Prozess zu machen pflegte) überwiesen zu werden- Es kostete die Herren Kommissäre viel Mühe, den Muschik' zu beruhigen und von ihm herauszubekommen, wie eij heisse, woher er stamme und welchen Beruf er habe« Endlich war man so weit, zu erfahren, dass der Muschik aus einem Dorfe bei Kiew •stamme, Iwan Kwalenko heisse und mit Butter handle. Auch sein Vater, sein Grossvater und Urgrossvater bis hinauf zu Wladimir Monomach (der das Christentum in Russland einführte) hätten mit Butjteii gehandelt. Von anderen Dingen verstehe Iwan nichts.' Der Volkskommissär für den ״Nep“ versuchte, Iwan einige Waggons ausrangierter Eisenbahnschienen für* billiges Geld anzuhängen. Aber Iwan blieb dabei, ,nur( mit Butter zu handeln und etwas anderes nicht zu ver־( stehen. Dasselbe erwiderte er, als ihm eine Tonne Kupfer, eine Zugladung Holz und dergleichen angeboten wurde- Schliesslich legte ihm der Nepkommissär den Kauf eines Waggons Butter vor. Aber Iwan Kwalenko erklärte, sein ganzes Vermögen bestehe aus 40 Tscherwonetz; er könnte nur ein solches Quantum Butter kaufen, das' für dieses Geld erhältlich sei. Kreditgeschäfte mache er nicht, er stelle auch keine Wechsel aus. Er handle immer per bar und möchte davon nicht abgehen. ' So mussten denn die Verhandlungen mit Iwan; Kwalenko resultatlos abgebrochen werden, und man befahl dem Soldaten, nun von der Strasse einen jüdischen Händler herbeizüholen. , 1 Auch der Jude erschrak, als er hörte, wohin man ihn bringen wolle. Auch er zitterte vor Angst, als er den Sowjetkommissären gegenüberstand, auch er glaubte, nun! Wir beantragen ferner die Annullierung der Artikel 75, 76, 77, 78 und 79, welche das jüdisch-religiöse Leben zu vernichten bestimmt sind.! Diese Artikel sollen, so wie in unseren Amendements angegeben, abgeändert werden. Wir beantragen die Gleichstellung in bezug auf alle Rechte mit allen anderen Nationalitäten Rumäniens• Wir verlangen, dass uns diese Minderheitsrechte1 durch die gegenwärtige Gesetzesvorlage nicht beschnitten werden, sondern dass dieselben genau und gewissenhaft gemäss der neuen Verfassung und der Friedensverträge, welche Rumänien im vollen Bewusstsein der Notwendigkeit und der Folgen dieser Verträge abgeschlossen hat, geachtet werden. Wir fordern also: 1. Die Berechtigung, Privat-Normalschulen mit kostenloser offizieller Reifeprüfung der herangebildeten! Lehrer aufzustellen. 2. Die Erhaltung von konfessionellen Schulen aller Typen durch den Staat auch für nichtreligiöse Kinder• 3. Die Enthebung von jeglichen Prüfungstaxen für( die Schüler und Schülerinnen aller Privatschulen verJ schiedener Typen. Ueber die Gemeindeverhältnisse in Polen. (Fortsetzung.) Diese Frage jedoch, die nicht eine parochiale Selbständigkeit, sondern eine Gemeindegruppierung nach der religiösen Gesinnung beinhaltet, ist heute auch für Polen so aktuell geworden, dass ihre Erörterung nicht umgangen werden kann. Hier muss zunächst einer Fabelbildtmg vorgebeugt werden. Es ist schlechthin nicht wahr, dass eine Mehrheit von Gemeinden im Widerspruch zur Einheit steht. Weder das Religionsgesetz, noch auch die historische Entwicklung kannte bis in die neueste Zeit hinein eine obligate Organisation höherer Ordnung. Fast überall bestanden in einer Provinz, in einem Lande die Religionsgemeinden nebeneinander, und trotzdem wäre es keinem Mensehen eingefallen, die Frage der Einheit in Diskussion z׳u ziehen. ■Die Einigkeit der Anschauung war das ufigeschriebene, wirksame Ferment der Einheit, das irn Bewusstsein ruhte, ohne äusserlich irgendwie in Erscheinung zu treten. Als aber die Einheit der Anschauung zerfiel, suchte man merkwürdigerweise nach einer Dokumentierung ־ der tatsächlich nicht mehr vorhandenen Einheit, suchte man die innere Zerrissenheit mit der Lüge einer zwangsmässigen Organisation zu überkleistern. Die Auflehnung gegen •diese Konstruktion war eigentlich das wahre Motiv der sogenannten ״Austrittsbewegung“. Auch dieser Ausdruck ist falsch. Es handelte sich vielmehr bei diesem Kampf, zum Teil freilich unbewusst, immer und immer nur um eine; Auseinandersetzung über das Wesen der Religionsgemeinde, um die Stellung der Religion innerhalb der Gemeinde, um die Ehrlichkeit des Bekenntnisses, Deshalb ist bei jedem legislativen Versuch der neuesten Zeit eine Klärung des Gemeindebegriffes notwendig geworden, eine wahrhaft bittere Notwendigkeit, welche man früher nicht kannte, weil man den Begriff Religionsgemeinde tel quel voraussetzen konnte. Alle Kämpfe, deren Konturen wir eben zeichneten, begannen mit der Erschütterung dieses Gemeindebegriffes. Versetzen wir 11ns einmal in die Lage des Keren Hatora Unterstützt insgesamt über 500 Thoralehranstalten in Palästina, Oesterreich, Litauen, Lettland, Polen, Rumänien usw. mit insgesamt 250.000 Schülern. Spendet für Keren Hatora■ Ost. Postsparkassen״ konto Nr■ 143.05S werde er es bald mit der schrecklichen Tscheka zu tun! haben, und murmelte sein letztes Gebet. Wieder kostete) es viel Mtihej den Mann zu beruhigen und von ihm die nötigen Pcrsonaldaten herauszubekommen. Endlich er-l fuhr man, dass der Jude auf den Namen Samuel Kupec höre, aus Berdiczew stamme und ebenso wie sein Vater* Grossvater und Urgrossvater usw. Händler sei. ״Womit handelst du eigentlich?“' fragte der Nepkommissär. ״Mit allem, was sich gerade trifft,“ lautete die Antwort Samuels. Also,• mit Eisen? — ״Ja, auch mit Eisen!“ —־ Mit' Kupfer? — ״Auch mit Kupfer!“ — Mit Holz? — ״Auch mit .Bolz, wenn es sich gerade trifft!“ Da glaubte einer der Herren Kommissäre, den׳ Samuel Kupec zum Narren halten zu dürfen und fragte ironisch[: ״Wärst du auch bereit, Rauch zu kaufen?“ ׳ ״Es käme darauf an, was für einen Rauch, welche Qualität, was für ein Quantum und dergleichen,“ antwertete Samuel, ohne auf die Ironie des Kommissärs einzugehdn.!! ״Nun, es handelt sich um den Rauch von ganz Russland,“ setzte der Kommissär seinen Spott fort, ״wärst du bereit, das Geschäft zu machen?“ ״Ja,“ erwiderte Samuel, ״es kommt nur darauf an, [was die Sache kosten müsste, denn ich habe bloss 5 Tscherwonetz in meinem Vermögen.“ 5״ Tscherwonetz sind eigentlich zu wenig,“ sagte nun der Kommissär, ״das Ganze muss mindestens 40 Tscherwonetz kosten. Aber wir sind bereit, dir den Rest zu kreditieren, wenn du uns für .die restlichen 35 Tscherwonetz ein Akzept, zahlbar nach drei Monaten* ausstelien würdest.“ Samuel Kupec erlegte die 5 Tscherwonetz, unterschrieb das ihm vorgelegte Wechselformular und erhielt den Kaufvertrag für den Rauch von ganz Russland» auf einem amtlichen Formular mit dem. roten Sowjetstern, unterschrieben von dem Volkskommissariat für den ״Nep“ und gesiegelt mit dem grossen Sowjetsiegel. Die Kommissäre lachten sich ins Fäustchen. Nun!

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