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Jüdische Presse · 1926-01-01 · 1 (1.1.1926) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
12 (1926)
Issue
1 (1.1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE PRESSE ' ׳; ־Nr. 1. .spräche. In den an Rumänien angeschlossenen Gebieten wohnen Juden ,mit verschiedener Muttersprache. Die transsyivanischen Juden sprechen grösstenteils das Ungarische, die Bukotwinaer das Deutsche, die Juden in der Marmarosch das Jiddische (Jargon),, die bessarabischen Juden־ das Jiddische und Russische.. Es wäre nun logisch gewesen, einer jeden Gemeinde zu überlassen, jene Unterrichtssprache in ihrer Schule •einführen zu dürfen, die sie fiir die zweokmässigste hält und die den Schulizöglingen am meisten entspricht. # Bekanntlich hat aber die Logik in unseren Zeiten zu existieren, völlig aufgehört. Pädagogische Gesichtspunkte werden sehr oft vor politischen Gesichtspunkten in den Hintergrund gestellt und so kam es, dass im Gesetzentwurf •sämtlichen jüdischen Schulen des rumänischen Reiches die , rumänische Unterrichtssprache vorgeschrieben worden ist. tAngeordnet wurde eigentlich der Gebrauch der־ ru- ׳mänischen Unterrichtssprache in den jüdische!! Schulen mittels einer ministeriellen Verordnung schon vor drei Jahren,, wobei beim Religionsunterricht konzessioniert wurde, dass diese — hebräisch unterrichtet wenden kann. •Durch Annahme des Gesetzentwurfes sollte demnach die ministerielle Verordnung zum Gesetz erhöben werden. Als nun der Gesetzentwurf bekannt geiworden ist, hat. ein Teil der transsylvanischen Juidenschaft — mit Hin- ׳weis auf die Tatsache, dass ihre Muttersprache die ungarische ist — in einem Memorandum verlangt, diese als Unterrichtssprache in ihren Schulen einfüihren, resp. auf- .rechthalten zu dürfen. Ein anderer Teil hat die Rechte •der hebräischen Sprache gefordert. Die Baikowinaer haben das Deutsche forciert und ׳die bessarabischen Juden das I Jiddische. Nach vielen Verhandlungen ist im Gesetz auf- I genommen worden, dass die Unterrichtssprache der jiidi- I sehen Schulen entweder die rumäitisc 11• e oder ■die jüdische Sprache sein kann. Was unter der jüdischen . Sprache gemeint ist, ob das Jiddische (Jargon) oder das Hebräische, weiss man nicht. Wahrscheinlich kann das so interpretiert werden, dass die Gemeinden das Recht haben, zwischen ■diesen beiden zu wählen. ׳Es ist allerdings e׳in Erfolg, dass das Gesetz das Recht ׳der jüdischen Sprache konzediert hat, immerhin aber ist dies nur ein theoretischer Erfolg. Praktischen Wert hat es einstweilen nicht, denn mangels hebräischer Lehrkräfte und hebräischer Lehrbücher und besonders der ׳Kenntnis der hebräischen Sprache ist es fast völlig ausge- •schlossen, auf die hebräische Unterrichtssprache übergehen zu können.!Es muss immerhin mit Genugtuung hervorgehoben wenden, dass die jüdischen Deputierten des rumänischen Parlamentes — es sind deren zusammen nur fünf — bei ,:der Verhandlung dieses hochwichtigen Gesetzes sich in- . tensiv beteiligten. Oberrabbiner Zirlsohn aus K'ischcnew tat dies mit besonders jugendlichem Eifer und mit staunenswerter Energie. Wenn er auch sehr oft mit der .grössten Ungeduld angehört und in seinen Reiden und Ahtrügen oft mit höhnischen Zwischenrufen gestört wurde, ׳er . stand fest, Hess sich nicht einschüchtern und hat sein (Möglichstes angewendet, eine Milderung der ■strengen!Paragraphen zu erzielen. 11m Laufe des Monats Jänner wird im Parlament ebenfalls ein wichtiges Gesetz verhandelt werden. Es ist dies der Gesetzentwurf betreffs der Konfessionen, auf welche wir noch. zurückkommen werden., S. Leuchtmann. 001 Vom Tags. 100® Die Fahnenfeier in Jerusalem und die ״Jüdische Rundschau•“ Vor. zwei Wochen waren wir in der langenehmen La׳־ ge, in bezug auf die Fahnenfeier in Jerusalem1 mit der, Jiidisehen Rundschau“' gleicher Ansicht sein zu können. Will haben gleich ihr die ganze Fahnenweihe für :einen pölitisehen Fehler gehalten. In ihrer Üieswöchigen Ausgabe knüpft nun die ״Jüdische Rundschau“ an die Meldung, dass auch Oberrabbiner Kuk anlässlich der Fahnenweihe eine Festrede hielt., folgende Bemerkung: ״Schmerzlich bleibt nur noch zuerwähnen, dass auch;bei uns wie bei allen Völkern die Geistlichkeit sich scheinbar zu Dingen; hergibt, die mit Religion nichts zu schaffen haben.“ Es scheint ״dass Oberrabbiner Kuk seinen nationalen Freunden in der letzten Zeit es nicht mehr recht machen kann; Solange er restlos vom Geiste ״der Wiederbelebung desl Volkes“ beseelt war, wurde er gerade von jenen jüdischnationalistischen Kreisen,, deren heissestes Bestreben es war, das jüdische Volk zu ״normalisieren“ י es den übrigen Völkern anzugleichen, geradezu umjubelt und als die Verkörperung wahrer jüdischer Geistigkeit Und Geist-׳ lichkeit hingestellt. Nun gestalten sich die Dinge in Erez jisroel so, dass es selbst dem überkonzilianten Rabbi Kuk .unmöglich ist, allem zuzustimmen, über alles -denf Schleier liebevollen Verständnisses und Verzeihetis auszubreiten. Er musste sogar in der ,letzten Zeit seine Stimme zu einer ernsten Warnung erheben. Dieser Mufi wird ihm anscheinend sehr übel genommen. Selbst ,eirf sonst so verständnisvolles Organ, wie die ״Jüdische Rund- , schau“ in Berlin, vermerkt es schmerzlich, dass die jüdische Geistlichkeit von der anderer Völker sich nicht unter-, scheidet. Es bleibt nur unverständlich, wieso dann eigentJ lieh die Einweihung einer Fahne, die in einer Synagoge׳ aufbewahrt wird, ״mit der Religion nichts zu schaffen“ hat. Am Ende werden wir es noch erleben, dass diel ״Jüdische Rundschau“ protestiert, dass Oberrabbiner Kuk! warme Aufrufe für Keren Hajessod oder für den jüdiJ sehen Nationalfonds erlässt, oder dass manche Rabbiner in der Synagoge die nationalen Heroen des wiederbelebten! jüdischen Volkes feiern weil all das mit der Religion nichts• zu tun hat. 1 Es ist und bleibt ein politischer Fehler, wenn auf jüdischer Seite Fahnenfeiern veranstaltet werden. Wenn׳ aber einmal die zionistische Exekutive solche Feierlichkeifen vorschreibt und es durchsetzt, dass die Fahne; des jüdischen Regiments in einer Synagoge aufbewahrt( wird, dann kann eben geschehen, dass auch Oberrabbiner Kuk dabei ist und darin eine nationale Tat, die für i'htV gleichzeitig eine religiöse ist, auf seine Wejse feiert. Hingegen scheint diesmal die ״Jüdische Rundschau“ von! einer sonst nur jüdisch-konfessionslosen Sozialisten eigenen! Empfindlichkeit befallen zu sein, die überall schmerzlich; aufschreit, wo ‘die ״Geistlichkeit“ erscheint. Jose! Klausner macht Schule. Seit Josef Klausner zum Professor an der sogenannten he־: bräischen Universität in Jerusalem bestellt worden' ist, •scheint er Schule zu machen. Bisher stand er mit seinen Schriften, in denen er als warmer Anhänger und Bewunderer der christlichen Lehre und besonders der Persönlichkeit des Schöpfers dieser Lehre auftrat, so ziemlieh allein. Nun hat er einen würdigen Schüler gefunden. Rabbi Stephen S.'Wise war bis vor kurzem ein amerikanischer Reformrabbi assimilatorischer Observanz. Er tat sich bisher nur mit der Propagierung der Verlegung des' Sabbats aut Sonntag hervor; nun ist er Zionist geworden׳ und hat den Anschluss an Josef Klausner gefunden, dessen Ideen er eifrig propagiert. Diese seine Tätigkeit stösst aber auf den lebhaften Widerstand der orthodoxen Kreise Amerikas. Die Union orthodoxer Rabbiner Amerikas ver־! öfftntiiehte soeben eine Protestresolution gegen Rabbi Stephen S. Wise, die im jüdischen öffentlichen Leben Amerikas grosses Aufsehen erregt.' Rabbi Wise hat am' letzten Sonnabend im Tempel seiner Gemeinde eine Predigt! gehalten, die an das bekannte und vielumstrittene Werk( von Dr. Josef Klausner (Jerusalem): ״Das Leben Jesu“, anknüpfte. und in der er ausführte, die Juden müssten Jesus als einen aus dem Judentum hervorgegangenen Lehrer anerkennen und seinem ethischen Kodex zustimmen• Die Juden seien weit mehr als die Christen dazu bestimmt, diese ethischen Ideen in die Wirklichkeit lumzu׳־ setzen. Rabbi Wise lobte rückhaitslos Klausners Werk,׳ welches vor kurzem vom Priester der St. Georges-Käthedrale zp Jerusalem, Danby, aus dem Hebräischen in das Englische Überträgen und herausgegeben worden ist. , Die Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas! nennt in ihrer offiziellen Protestresolution Rabbi Dr. WM einen Ketzer und Verführer und fordert kategorisch, dass, Dr.-Wise, der von der zionistischen Organisation Amerikas! zum Präsidenten des Komitees für die Aufbringung von' 5 Millionen Dollar für den Palästina-Aufbau gewählt wor-] den ist, diese Würde unverzüglich niederlege, da sich die Union sonst veranlasst׳! sehen ■würde, ‘ die Judenschaft Amerikas zum Boykott dieser Kampagne aufzufordern. Herr Dr. Stephen S. Wise sandte an die Jüdische Telegraphen-Agentur eine Gegenerklärung, in der es unter anderem heisst: ״Ich verstehe diese Erregung nicht. Keiner, der mir zugehört hat, könne es wagen, zu behaupten, ich hätte die Juden aufgefordert, ihren Glauben zu verlassen und Jesu Lehre anzunehmen. Es bleibt aber die Frage, weshalb es einem Juden nicht gestattet sein soll, objektiv über die Lehre eines galiiäischen Juden zu sprechen, wo es doch gilt, jene Völker, die sein Dogma angenommen haben, daran zu mahnen, dass sie gegenüber den Juden׳ ein unchristliches Benehmen an den Tag legen. Es ist traurig, dass es einem Juden nicht gestattet sei, über Jesus, der in vollkommen jüdischer Umgebung gelebt hat und aus der jüdischen Lehre heraus seine Ethik für seine Zeit und für alle Zeiten geschaffen hat, zu! sprechen. Diese Ethik Christi ist ja unsere Waffe gegen! alle Anfeindungen und Verfolgungen, die wir durch did christlichen Völker zu erleiden haben.“ Wir glauben, die Antwort von Rabbi Stephen S. W*sd ist klar genug und begründet vollauf die scharfe Stellungnähme der Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas. 0 NACHRICHTEN Mitteilungen der Adas Isroel. Am 26. Tebeth, dem Jahrzeittage nach מו״ה בן ציון שי5ף ז״ל gelangt ein vom Vorstande bestimmtes Stipendium für einen unbemittelten würdigen בחיר dessen Eltern in Wien wohnen, und der in einer ישיבה dem Thorastudium obliegt, zur Vergebung. Gesuche sind bis zum 22. Tebeth (8. Jänner) an den Vorstand der Adas Jisroel •zu richten. 60jähriges Jubiläumsfest des orthodoxen israelitischen Bethausvereines ״Emunas Awes“. Der orthodoxe Bethausverein Emunas Awes, XIV., Storchengasse 21. feiert am 3. Jänner 1926 das Jubiläum seines 60jährigen Bestandes. Der Festg-ttesdienst findet unter Mitwirkung!hervorragender Kantoren um 4 Uhr nachmittags im Vereinsbethause statt. Die Festrede hält Vereinsrabbiner Herr A. Weiss. Nach dem Festg-ttesdienst findet eine gesellige Zusammenkunft im jüdischen Volksheim, XV., Herklotzgasse 21, statt. Das Arrangement liegt in den Händen eines aus hervorragenden Mitgliedern! ■der westlichen Bezirke bestehenden Komitees, die die Fahne des traditionellen Judentums in den westlichen Bezirken'ihochhalten möchten. Sijumfeier in der Stumperschul. Am 2. Chanukahtag fand eine Sijumfeier auf ■den Traktat׳ Sanhedrin bei dem Lernzirkel der Stumpersynagoge, die unter der bewährten Leitung des Herrn Rabbiners Moritz Flesch steht, statt. Nach dem Hadran von Rabb. Moritz Flesch haben noch Herr Moses Felsenbürg, Mordechai Bl ׳um, Mordechai Weiss, Menachem Strauchen. Um das Arrangement des Festmahles haben sich Herr Mosche Benan und Herr Abraham Glatter sich bemüht. Sijum׳־Feier in der Tomche-Thora für den 20. Bezirk. Donnerstag •den 17. v. ׳fand •im iLehrsaal unserer Talmud- Thora-Anstalt eine Chanankalind 'S ij um-!Feier, ׳verbunden mit einer סעודה של מצוה statt. Herr Rabbiner ׳Gerschon Hager natte!in seiner schwungvollen und gediegenen Festrede über ׳die Bedeutung des Tage!s gesprochen und die Tätigkeit dieser Anstalt. w׳elche über 140 •Kindern einen gründlichen ,Religionsunterricht gewährt.!hervorgelioben. Herr Rabbiner Moses B l e e h sprach in ׳vornehmer (Weise über die Bedeutung der Sijum.־iF׳ei׳er. Die Ausführungen׳ ׳der Festredner landen grossen Beifall bei allen Anwesenden. Einige Schüler der Anstalt gaben ׳dann einige!Proben ihres gediegenen Könnens. 'Nachdem ׳die Verteilung ׳der Mesechtes vorgenommen wurde, schloss spät abends die schöne ■Feier. ״Gast-Derascha“ in Deutsch-Kreutz. Am ׳vergangenen Sabbat-Chanuka 1hatten wi׳r einen!vornehmen Gast. Herr Oberrabbiner ■Isaak Koh.n aus Forro (Ungarn) weilte ■in unserer •Mitte ־zu :Besuch •bei seinem Väter, unserem ehrwürdigen ׳Herrn •Oberrabbiner. Oie Gemeimdele'itung nahm die Gelegenheit wahr und beehrte ■den illustren Gast mit einem Vortrag. Durch die Vornehmheit seiner ׳Vortragsweise die Erhabenheit seiner Sprache eroberte der Gastredner die Herzen ׳der fast׳ vollzählig erschienenen •g. G׳emeindemltgiicder. Im Verlauf seines Vortrages ■ge,iss׳elte der Redner ln' zu Herzen gehenden Worten die utnsichsreiifende ■Modeunsitte der ■Fnauem, welche ׳leider auch ■in ansonsten religiösen Häusern Platz greift. Silberne Hochzeit. Herr Aron C h a 1 f 0 n und 'Frau Regine, Inhaber der Eiergrosshandlung im Werd 15, feierten dieser Tage ihre silberne ׳Hochzeit. Herr Chalfon ist ein geadhtetes Mitglied der Adas Jisroel und ein warmer Förderer aller Wohlfahrtsanstalten der Wiener Orthodoxie. kiiriich wendeten sich danii die Blicke der meisten!auf — Disraeli. Mit •unbeweglicher Miene •sass dieser auf seinem Platze, ׳das!blasse, für seine jüdische Abstammung zeugende Antlitz bestrahlt von einem freudigen Schimmer. ׳An diesem Tage hatte nn England die •Idee der ׳Gerechtigkeit und der Humanität• einen Sieg errungen, für ׳die die besten! Männer des Landes seit mehr als ׳einem Jahrzehnt mit unerschiitterüicher Ausdauer und!einer nie ׳wankenden, lUelberzeugungstreue gekämpft hatten. Und zwar zum ׳Heile des Landes, zu ■dessen patriotischesten Bürgern die Juden׳ ׳zählen. _ mn. Chanukafeier der Mädchengruppe.!Unmittelbar nach Erscheinen der jungsten. Nummer unseres Blattes erhielt die R!eidaktion die nachstehende Zuschrift. Wlir geben den interessanten Ausführungen der Londoner Dame — obwohl durch den Ausfall der vor- »wöchentlichen ״Jüdischen Presse“ ■erheblich verspätet — gerne Raum. D. R. Sehr geehrter Herr Redakteur! Durch eine befreundete Dame der Wiener Orthodoxie erhielt ich eine Einladung zur Chänuka-Feler der Mädchengruppe •der A. J., die ich wohl gern, aber mit der Skepsis,׳ die mir derartigen Dilettantenvorführungen gegenüber aus Erfahrung stets geboten scheint, annahm. Nun, ich muss sagen: .ich kam׳, sah und — war besiegt. Die Darbietungen, die, wie ich mir sagen liess, durchaus von Kräften’aus dem'Kreise der Mädchengruppe und ausschliesslich für weibliches Publikum bestritten wurden, wären so hervorragend gut und auch der streng- •sten Kritik standhaltend, dass ich, als ich der! knappen, trockenen Bericht über diese Veranstaltung in der soeben erschienenen Nummer Ihres Blattes las, mir sagen musstet •Die Mä'dchengruppe hat wohl talentierte• Künstlerinnen׳, aber es fehlt ׳ihr die talentierte Feder, die Leistungen dieser Künstlerinnen entsprechend zu schildern. Und wenn ich rp׳ir auch nicht im Entferntesten einbilde, eine vollkomimene Feder zu führen,‘ so will ich es doch hier versuchen, die Eindrücke dieses wunderschönen Abends wiei äerzugeben. Sie ׳ werden Cs •■׳ mir ohne weiters glauben, Herr Redakteur/ dass ich Sie nicht aus Gründen meiner persönlichen Sohriftstellereitelkeit, sondern lediglich im Interesse gerechter, objektiver Würdigung de!r ausge,zeiichneten Leistungen dieses Abends bitte, meinen Ausfübrungen vollinhaltlich Raum zu geben. lieh habe mir die Mühe gegeben, mir die Namen der Arrangeuninnen und Miitwirkenlden zu verschaffen, und sollten meiner Geiwährsmännin hiebei einige Irrtümer unterlaufen sein, so bitte ich im voraus um Entschuldigung- ' ׳Eine von Frl. Hanrai Deutsch gehaltene Begrüs'siingsansprache, die in kurzen, prägnanten Worten Anlass und Zweck ■der Feier auseinandersetzte, leitete den Abend •ein. Als erste Nummer bq't Frl. Grete Bach mit der Rezitation de,! Gedichte ״Judith Simon“ und ׳״Mirjams Schlaf- Held“ Leistungen von echter! Meisterschaft. So mitreissemd war!ihr Vortrag, dass man sich in• das Milieu der Dichtung hineinversetzt glaubte, dass man Frau Judiths Reue und Mutterschmerz, ihren ganzen Leidensweg bis zur Erlösung mitfühlte und die ganze Zuhörerschaft unwillkürlich leiser atmete bei Mirjams wehmütig-sanftem, därhtnerdunklem Schlummerlied-!Frl. Thetfla Adler errang sich durch!ihren Klaviervontrag wohlverdienten warmen Beifall und nun folgte als dritte Nummer eine originelle Szene, die wo;h׳l ausser mir noch mancher anderen der Zuhörerinnen etwas Neues und Interessantes war: Ein chassidischer Schaalos-iSudes-Tisc'h beim Rebben, Im mystischen Halbdunkel sitzen der Rebbe und seine Chassidim um den Sohaa'losiSudes-Tisch und. singen die herrlichen, uralten jüdischen Weisen, immer mehr in Ekstase geratend. Wundervoll in Kostümierung, Ausdruck und jeder kleinsten Bewegung der Rebbe des Frl. Sara Arkusch, nicht minder ׳gut die jungen Chassidim. der Damen Breuer, Stella Leitner, Th'era Ehrenfeld, MarthaL Schreiber, Neily Schreiber und Netty Schreiber. Sehr fein nuanciert war das Spiel von Frau Manie Schönfeld und Frl. Rosa Schreiber, die ziwei alte Chassidim darstellten, 'Frau Stella Schiff sang Lieder zur Laute und nicht endenwollender, herzlicher Beifall dankte ihr für die Frohlichkeit•. die ihre Lieder ,auslösten.!Und nun eine Strassenszene . aus der Grosstadt: ,Leierkasten“. Die Vorführung war dem Repertoire des ״•Blauen Vogels“ entlehnt, aber ich ־— und mit.mir noch, viele andere, die Gelegenheit hatten, diesen Vergleich zu ziehen — behaupten hier frank •und frei!, dass die ,»Im.it.ation“ der Originalschöpfung nicht nur. nicht nachstand, sondern sie womöglich übeftraf. Unnachahmlich die groteske Komik, mit der' Frl. Elise Kritzler die Strassen- Sängerin darstellte, und geradezu . beispiellos die unbeholfene, plumpe und ganz und gar verbrauchte Grazie und die schrecklich mlsstönige Stimme, die befreiende Heiterkeitsstürme entfesselten. Den dazugehörigen Musikanten gab Frl. Grete Pollak mit gleicher Meisterschaft. Der blinde Leierkastenmann des Frl. Anny Herzog schaute so blicklos .ins Leere, dass man :hätte schwören mögen, diese Augen seien wirklich blind —- Die Pause ist zu Ende, der Vorhang teilt sich und e׳in entzückend-anmutiges BiLd bietet sich dem׳ Publikum: ״Altwiener Porzellan“. Sind das nicht wirkliche Porzellanfiguren, das wunderschöne junge Menschenpaar auf der Bühne? Nein, das Bild wird lebendig, die bildhaften Gestalten beginnen sich langsam zu. regen •und aus dem Bild wird ein Tanz, der zierlichste und graziöseste Tanz, den man sidh denken kann. Es ist ein Lied ohne Worte in sb wunderbar beredter Ausdrucksform•, •dass jeder es ver-.; stehen muss. Ungestümer, jubelnder Beifall dankt den beiden, Darstellerinnen׳, Frl. Netty Schreiber, dem reizendsteil Altwiener Mädel, und Frl, Stella Leitner, ihrem galanten Kavalier, sowie Frl. Berta Sputz, die zu diesem Tanz ' die Walzermelodie in meisterhafter Weise auf •dem Klavier interpretierte. Und dann tanzt Frl. Netty Schreiber, beglückt und ermutigt durch den starken, begeisterten Beifall, voll Frühlingsfrische und Anmut mi׳t bezaubernder Grazie zu den zarten Klängen des ״Frühlingsstimmenwalzers“, die Frau Gisela Braun dem Klavier, entlockt, .einen köstlichen Tanz, den Tanz des Frühlings, ׳der Jugend. Frau Rosa Wosner singt mit strahlender Stimme ein paar jüdische Lieder, und singt sich sofort in ׳die Herzen aller Zuhörer hinein, die ׳ihr immer wieder Zugaben ab- . schmeicheln .׳!׳ •Und dann tanzt Frl. Netty Schreiber, von Frl. Berta Sputz verständnisvoll begleitet, ■den ״Donauwellen“-Tanz. Wie grüne •Dpnauwellen wagt und ׳ebbt und schillert der Tanz — — —!Den Abschluss des Abends bildet ein komischer Einäkter: ,Die kuriose Gerichtsverhandlung“. Wie mir von verschiedenen Seiten gesagt wurde; war mit diesem Ein-' äkter insofern keine glückliche Wahl getroffen, als es ein schon oft dargestelltes Stück ist. Dass trotzdem׳ so viel, und so herzlich gelacht wurde, beideutet wohl die grösste Anerkennung für die Schauspieler, Frl. Grete Pollak,• die den renitenten Angeklagten mit einer köstlichen. Unverfrorenheit •und naiven Frechheit gab, Frl. Martha Schrei■; , ber, die ihre steife Richterwürde auch in der komischesten

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