Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 12 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 _JÜDISCHE PgESSE_Seite 3 Xionsgemeinde (dieser .Ausdruck wäre viel richtiger und entsprechender als das gang und gäbe gewordene Knltusgemeinde, geschweige denn als der direkt falsche Ausdruck Synagogengemeinde) massgebend sein muss. Das Religionsgesetz verlangt dies nie und nirgends und auch der verwaltungsrechtliche Gebrauch hat bisweilen von dieser Identität Abstand genommen. So ist es in Grosstädten nicht selten vorgekommen, dass bei Eingerneinchmgen in Vororten noch längere Zeit selbständige jüdische Religionsgemeinden bestehen blieben. Aber auch wenn wir von solchen nicht ganz normalen Uebergangszuständen absehen, unterliegt es keinem Zweifel, dass ein Parochialsystem sowohl nach dem Religionsgesetz wie nach den in fast allen Staaten geltcndcn Verwaltungsmaximen sehr wohl denkbar wäre. Es könnte also beispielsweise in Warschau eine Religionsgemeinde rechts der Weichsel und eine solche links der Weichsel ohnewciters nebeneinander bestehen; es bliebe sodann dem freien Ermessen der einzelnen Parocliialgerneinden Vorbehalten, ob sie die eine oder andere Institution gemeinsam erstellen wollen. Es könnten ferner in einem politisch selbständigen Ort wohnende einzelne Juden sehr wohl einer nahegelegenen Religionsgemeinde zugewiesen werden. Dies ist ja allenthalben bei sporadisch siedelnden Bekenntnisgenossen in allen Kirchengerneinscliaften der Fall. Aus alledem geht hervor, dass die politisch geltende Konimunalabgrenzung kein zwingendes Moment für ein Religionsgemeindegesetz bilden muss. Von diesem rein technischen Verwaltungsstandpunkt aus betrachtet, hat diese Materie mit ■der Einheit des Judentums und mit der,sogenannten Gemeindetrennung nichts zu tun. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Beth-Jakob-Bewegung. Ein Gespräch mit Fräulein Betty Rothschild. Be.ly R 0 t h s c 11 i 1 d, dieser Narre hat bereits guten Klang. Trotz ihres jugendlichen Alters hat die Trägerin dieses Namens als Führcri-n der orth.)ilcxen Fratienbeweg 1111g der Agudas Jisroel auf verschiedenen Gebieten bereits Grosses und Bleibendes .geleistet-. Bis vor .knrze.n1 arbeite::• Fräulein Rothschild .hauptsächlich auf humauitärem und' sozialem Gebiet. Seit einiger Zeit erprobt sie ihre hervorragenden pädagogischen und organisatorischen Talente auf dem Gebiet des thora-treuen Erzielumgsweseiis. Anlässlich des R o b o w e r Ferienkurses für die Bcth-Jakob- Lehrerinnen begab sie sicli nach Polen, und es gelang dem Kuratorium der :Bet h-Jakoib-Le her innen birdungsaustalt in Krakau, FiäüJein Betty Rothschild zunächst für ein Jahr für diese Anstalt zu gewinnen. Die Chamikaferien verbrachte Fräulein Rothschild!in ihrer Heimat 411 Zürich: auf der D’irchroise stattete sie unserer Redaktion in Wien einen Besuch ab, bei welcher Gelegenheit s.ie über den momentanen Stand d^r, .Beth-Jakob-Bewegung . folgende A.ufklärungeri gegeben hat: Ich habe mich ׳in die Verhältnisse in Polen überaus rasch. (•:!)gelebt.!Die hervorragende Intelligenz und die starke Willenskraft der Führer der ,Beth-Jakob-Bewegung haben cs 1;ir leicnt gemacht, an dem grossen Werk der Beth- Jakob-Schule mitzuarbeiten. Meine ׳Hauptarbeit gilt der ■neuerrichteten Be 111-Jakob- Lchrerinnenniidungsanstalt in Krakau. Frau Sara Sehe- 111 ־.׳ r e r ha: ja immer für einen Lelircriuuemiächwuchs gesorgt abtr von einer entsprechen Jen Ausbildung der Lehrerinnen konnte bisher 'kaum die Rede .sein. Erst der Robower Ferienkurs hat die richtigen Ansätze zu einer eriolgre׳ci׳en Ausbildung von •Lehrerinnen geschaffen. Die momentane Ausbildung der Lehrerinnen fändet auf Grund jener pädagogischen ׳Grundsätze statt, weiche erfahrene Pädagogen wie Dr. Leo ׳D e u t s c h I ä n d e r, Or. Ernst Eh :תe n t r e u, Fränkin Judith R o s •e 11׳ b a 11 in, Fräulein Rosalie!Mannes aufgestellt haben. Zurzeit wird an der Lehreriunenbilduiigsaustalt in Krakau .in 32 ׳Woehenstunden Der Kampf um die Eidesformel in England. (Eine historische Erinnerung.) Anlässlich der!merkwürdigen ׳Rede, die der ehemalige ungarische Justtzminister ,Vazsony'i vor ׳kurzem über die Königsfrage in Ungarn hielt, wurde mehrfach in politischen Blättern an die Schwierigkeit erinnert, die seinerzeit bei der Verleihung der Geheimratswiirde dem Juden Vazsonyi durch die ׳Eidesformel entstanden, i!n welcher auch der Hinweis auf die christliche Religion nicht fehlt. ׳Die ׳Ueber- ,Windung dieses Hindernisses gelang in dem damals so freilieblichen Ungarn, ohne dass es vieler!Kämpfe und vielen Kopfzerbrechens u!nd vielen .Zeitverlustes bedurfte. In wenigen ■Tagen oder gar in wenigen Stunden war Rat geschaffen. Es dauerte etwas länger. bis in England, dem Mutterlande des Parlamentarismus, der Antrag, Juden, die ms Parlament gewählt wurden, durch die Weglassung der ln der vorgeschriebenen Eidesformel ,befindlichen Worte ״auf den wahren Glauben eines Christen“ auch tatsächlich den Eintritt ins Parlament zu ermöglichen, Gesetzeskraft erlangte. Der!Kampf um diese fünf Worte, den das Unterhaus gegen die Majorität des Oberhauses führen musste, hatte elf Jahre gedauert. Erst im Jahre 1858 streckte diese Majorität die Waffen und das Prinzip siegte, von dem in einer der zahllosen Debatten, die diese Angelegenheit beanspruchte, Disraeli einmal gesagt hatte, es müsse zur Aufklärung gelangen, nicht aus Gründen eines hacken Liberalismus oder der religiösen Indifferenz, sondern im Gegenteil aus christlicher Gläubigkeit, denn das Christen־ tum sei der legitime Sprössling des Judentums und demseihen zu ewigem!Danke verpflichtet. ׳Bei einer dieser Gelegenheiten sprach Disraeli, der Mann, ,unter dessen Pi emiermiiiisterseliaft England seine höchsten Erfolge erziehe, das Wort: ״Die jüdische Rasse ist noch immer die auserwählte und kein Land, das die Juden verfolgte, sei dem •Verfalle entgangen.“ Disraeli, der immer mit׳■ ׳Stolz an seine •jiidisclie Abkunft erinnerte — auch zur Zeit, in der ihn die ׳Königin von!England, der er den Titel einer Kaiserin von kidien verschaffte, zu.m Lord ,Beakonsfield ernannt hatte waj* '1*Ingens nicht •der einzige englische Minister, der in solcher Weise die• Verfolgung der Juden brandmarkte. Tefilah, Ch,umeseh,. N.a.c-11, pik.d־u.k,. jüdische Ge- •x.c J|!e,lt t'e.’ P {*•Iä sit i n•a kund •e, p0,111׳i■s׳che Sprache. Pädagogik, Psychologie und Methodik unterrichtet. Der Lehrkörper besteht derzeit aus Frau Sara Schenierer, Fräulein G ii n z i.k und Fräulein Hirsch und meiner Wenigkeit. Die Schülerinnen, deren Zahl 30 beträgt, essen und wohnen in •der Anstalt. Die Kosten: der •Lelirerinnerdbildungsanstalt betragen monatlich 200 Dollar. Die׳ Geldauf'bringung ist die Sorge eines Kuratoriums, das sich aus folgenden .Herren zu stimmen setzt:■ Senator •Dcntsc 11 e r, M. L a 11 •f e x, A. S c h a p i r a und!P a n z ׳e r. Als fachliche Beraterinnen stehen dem Kuratorium!Frau Sara ׳Schenierer, für die fachliche ׳Ausbildung der Lehrerinnen Fräulein S c h e re i n s k a sowie ich zur Verfiigmvg.!Die Lehrerinnen :gemessen nämlich auch eine f a c )1 Li c h e Ausbildung (Nähen. Sticken, Modistenseluilc). , Praktische Uebung gewinnen die Lehramtskandidaten all der Beth-Jako'b-Sc'hulc in Krakau. Diese Uebungssdiule hat eine grosse Bedeutung, da w.ir jetzt fest ׳entschlossen sind׳, keine Lehrerin in die Provinz gehen zu lassen, bevor wir nicht •die UeberzeugHiug gewonnen haben, dass sie ,theoretisch und praktisch ihr Facli verstellt. Wir haben mehrere : Lehrerinnen, die von früher her nicht genügend au »gebildet waren, zurückberufen und sie ver 11 alten, das ׳Versäumte nachziihoieii. ■Wir wollen jetzt eiiilbringen, was in der raschen Arbeit der Griindunigsjalire versäumt worden ist. Damals ist die Bewegung so .rasch vorwärts •gekommen, dass es unmöglich war, ■die enorme Nachfrage zu .befried!־ gen. Da es sich aber gezeigt hat, dass es nicht gut war, an die Schulen Lehrerinnen zu schicken, die ihre Aufgabe trotz des besten Willens!auf die :Dauer nicht befriedigend lösen konnten, so sind wir jetzt fest entschlossen, nur vollkommen und gut ausgebildeten Lehrerinnen das wunderbare Schüler.material auzuvertraueii, dass sich überall in unseren Schulen meldet. Wir legen jetzt auch auf die fach bi ehe Ausbildung einen grossen Wert, so dass unsere Lehrerinnen den Schülerinnen in den Betli-Jakob-Schulen nicht mir ׳theoretische Kenntnisse, sondern auch Fertigkeiten im Nähen, Sticken und in der;Modistenarbeit be.ilbringen. Mit O0©0 Telephon 74■ 226־ Telephon 74■2■26 i o o o o o יס Wien, I. Graben 12 ÄS״־ Die neueröffnete, grösste u. modernste Werkstätte für H dar arb eiten hat den Verkauf von Perücken, Scheiteln und Transformationen begonnen Der internationale Meister Karl Sch iroky haftet jeder Dame, für grösste Haltbarkeit trotz geringstem Gewicht (kein Kopfschmerz bei festem Sitz). und für allererste H aarq'ualität Die Preise sirid statt nend niedrig E I NF Ü H R U NC SP R E IS E BublperUcken von S 90.— aufwärts Transformationen mit Scheitel v. S 55.— aufw.!y ohne n מ S 45•!, Für Reinigen, Wasserwellen u Reparieren jedweder Perficken werden die billigsten Preise berechnet Versäumen Sie daher k e inesfalls einen unverbindlichen Bestich im Gral!en־F₪eElal0D,!.Graben 12 Jede Perücke zuird individuell der Gesichtsform angepasst, daher vollkommen unauffällig!! O I o I o o o | § o « o f i o o o o >0!Im Jahre 1863 hat Graf Shaftesbury, •der Abkömmling einer der ersten!, •vornehmsten und christlichsten■ englischen ■Familien, anlässlich der grauenhaften Leiden, d!ie die Juden in!Russland' erlitten, in •einer von tiefster Empörung •durchgliihteii Rede au »gerufen״ :׳iDc'berliaupt glaube;ich, hat noch niemand seine 'Hand auf das ׳jüdische Volk gelegt, sei es, um ihm weh oder wohl zu tun, ohne ein Leid für das eine oder eine!Belohnung für •das andere davon zu trage 11.“ Es hatte •grosser; nicht eiideinvol.iender!Kämpfe bedurft. bis der Streit des •Oberhauses mit dem Uiuterhause wegen der Eideshill!mit dem Siege des Unterhauses endete, bis in ■dem ׳Lande, in welchem die grossen Prinzipien der Gewissensfreiheit und der Pressfreiheit ■schon seit •iangeni festbegrfindet waren׳, endlich auch diese letzte mittelalterliche Ruine liinweggeräumt wurde. Stockkonservative und fanatische Klerikale hatten ׳im Oberhause sicli mit!Erbitterung gegen die Zulassung ׳jüdischer Parlamentsmitgli'eder gewehrt, aber es war» •auä ein Diktat der Klugheit, dass das Oberhaus schliesslich sich zu einer Nachgiebigkeit entschloss, be'vor es durch einen• weiteren unvermeidlichen Verlust an Autorität zu einem Bekenntnis seiner Olmmacht gezwungen wurde. Es war ein Gebot der Zeit, dass ■in dieser Frage •der unbeugsame Wille des Unterhauses siegte, unbekümmert 11 ui das Zetern der Toryblätter, die den Verfall des!Staates und der Sittlichkeit durch die Annahme der Eides bi 1:1 prophezeiten. Der Rückzug, den die!Majorität des Oberhauses antrat, wurde durch die!Annahme einiger, das Wesen der Sache nicht berührender ׳Klauseln gedeckt und die ׳Frage, die so lange die Gemüter!bewegt'•hatte, war erledigt. ׳Die Sitzung des englischen. Unterhauses am 5. Oktoher 1858, in der zum ersten Male ein gewähltes jüdisches Parlamentsmitglied auch seinen Platz ׳im!Hause einnelimen durfte, gehörte, abgesehen von ihrer historischen ׳Bedentiing, auch zu den gesellschaftlich interessantesten Ereig- Hissen, über die die Londoner Presse spalfeniange Berichte veröffentlichte.!Baron Nathan Rothschidl war dieses erste jüdische Parlamentsmitglied. Die feierliche Stille, die im Hause mir bei ganz ausserordentlichen Anlässen das lebhafte und geräuschvolle Treiben zai unterbrechen pflegt, kündigte bereits an, dass alle unter dem Eindrücke standen, eine Frage von grosser ׳prinzipieller Bedeutung werde an diesem läge zur Erledigung gelangen. Lord John!Rassel, der sich all die ■Jahre hindurch als der hingebungsvollste und überzeugteste Vertreter der Gleichberechtigung aller .Rücksicht auf die unaussprechliche!Not weiter Schichten ist es: eilte nicht genug hoch einzuschätzende soziale Arbeit, die die Beth-Jakob1־Schulen hier leisten. Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, mehrere Schulen in der Provinz zu besuchen. Sie arbeiten durchwegs ausgezeichnet. Die grosse Wirtschaftskrise hat es mit sich gc- ,bracht, dass man einige dieser Schulen durch Zusammen- Ziehung von Klassen und durch Abbau und Austausch der Lehrerinnen sanieren musste. Aber■ im grossen und ganzen sind diese Schulen so fest ׳verankert •in dem jüdischen Bewussts&in der orthodoxen Bevölkerung, dass es nicht zu befürchten ist, •dass sie infolge der andauernden VVi'rtschaftskrise noch wesentlicher eingeschränkt werden müssten. Besonders unterstützen die Chassidim-Rubbis und die Gemeinderahhiner unsere Schulen. Ich habe selbst Gelegenheit gehabt, zu beobachten, dass selbst dort, wo einige eliassidiselie .Richtungen sich der Aguda gegenüber ablehnend ׳veriialten, die!Betli-Jakob-Schulen von ihnen unterstützt werden. So ■ist zum Beispiel in Sosnowicc mit hervorragender Beteiligung der Radomsker Cluassidim (der Radomsker Reibbe selbst wohnt in Sosnowicc) die Betli-Jakob-Scluiie gegründet worden.!Diese .Sympathie für die Beth-Jakob- Schulen ist leicht erklärlich. Es ist geradezu unfassbar, weiche Umwälzung diese ׳Schulen im geselischaftliclieit Leben der jüdischen Frau in Polen liervorgeriiifen haben. Frau Sara Schenierer, die 1Gründerin, ■hat ׳einen Geist in diese •Schalen liineltigetragen, •der auch den strengsten Anforderungen entsprechen muss. Die ׳Schülerinnen fasten an jedem Rosch-Cliodesch und gehen an Slichothtagcn schon zur mitternächtlichen Zeit in die Schul. Dass sie bei ihrer Kleidung peinliehst auf Zen Lut 11 achten, is׳t eine Selbst- Verständlichkeit. Ebenso selbstverständlich ist ■es.׳ •dass die jungen Mädchen ihre Familie in ■diesem Sinne beeinflussen. Nebst meiner Lehrtätigkeit and organisatorischer Arbeit für die Bei'h-Jakob-Schulen widme icli einen grossen Teil!meiner Zeit der Organisierung von Mädchengruppe 11. Diese Gruppen, B’n 0 t ■11 A g u d u 111 J> i s r 0 e I gemannt, .׳umfassen ■die schulentwachsene orthodoxe we:ibliehe Jugend i.11 Polen. In .Krakau selbst haben wir eine Gruppe von 300 Mitgliedern, die unter •der Führung von ungefähr 15 Gruppeiileiterinncn wunderbare Arbeit leisten. Viermal •in der Woche haben wir Lernkurse. Freitag •abends haben wir Heimabende, die hier geradezu einer überwältigende Wirkung ausgelöst haben. Auch auf charitativem Gebiet wird gearbeitet. Ich hoffe, •dass wir ui Krakau bald eine Volksküche ins Leben rufen werden. Ausserdem sammeln diese Mädchengruppen für die Erhaltung der. Betli-Jakob-Schulen, wie sie überhaupt einen Grossteil der agudistischen Arbeiten willig und freudig auf sicli nehmen. Sie werden cs ■verstehen, schloss Fräulein Betty Rothschild ihre Ausführungen, dass in dieser Atmosphäre mir die Arbeit gut misch,lägt. Aguda» Jisroel und die grosse orthodoxe Welt weiss es noch nicht, was die Beth-Jakob-Bewegung für sic bedeutet. Wer sie aber einmal in der Nähe kennen gelernt hat, der weiss es. dass die Zukunft der jüdischen Familie ausschliesslich von •der jüdischen Frau abliämgt. Hat ■m a'n die jiidisclie F r a u f ii r das Id c׳a 1 des o r t h 0 d o x e n J 11 d e 11t u m s g e w 0 n n •e n, so s t e 111 es s i c 11 c r t'r ö t z aller St ii r m e d -e r m 0 d e r 11 e n Z 0 J t. E s i s t mir e i n e g 10 ־ s s e F r e 11 d c. für •dieses Ideal z u a r h e i te 11. P. Brief aus Rumänien. Das neue Schulgesetz. Den Gesetzentwurf betreffs der Privat- und kotifessieneMen Schulen hat das rumänische Parlament votiert. Somit ist ans dein' Entwurf Gesetz‘ geworden, der die Minoritäten des Landes Monate hindurch in Erregung hielt. Zwischen den Vertretern der Minoritäten und dem Unter- . richtsn.iii'istei fanden v.iele Verhandlungen statt, bei denen der Minister unbestreitbar. gewisses Entgegenkommen •zeigte. Uns interessiert das neue. Gesetz selbstverständlich aus dem Standpunkt der jüdischen Schulen. Vertreter verschijedener jüdischer Körperschaften hüben ebenfalls Verhandlimgen mit dem Unterriclitsminister, re׳s׳p. mit seinem •Bevollmächtigten im Interesse der jüdischen Schulen gepflegt: es gelang ihnen auch, einige Resultate zu erzielen, welche jedoch eher einen theoretischen als praktischen: Wert haben. Das. schwerste Problem der jüdischen Schillert in Rumänien ist •allerdings die Frage der U n t e r r!i c.111 s- Konfessionen bewährt hatte, war •es, •der in einer kurzen, aber meisterhaften!Rede ein. ׳Resiwne aller ׳Argumente bot׳, die für •einen Juden׳ die Weglassung jener ,Worte;in der Eidesformel forderten, die seinem Eintritt in das Unterhaus im .Wege stehen. Aber auch die!Gegner, an denen es auch■ 1111 Unterhause nicht fehlte, hatten ,trotz der Gewissheit ihrer Niederlage zwar noch einmal ihren Standpunkt ,betont,, der sie zwinge, ■im Namen des .,׳zwölfhuiidcrtdähr-igen: britischen Christentums“ gegen •einen;Soliritt zu protestieren, •der nach ihrer Ueberzeugimg unterbleiben müsste, aber ke׳in Wort der Schmähung fiel gegen• die Juden. 1111 Gegenteil, die Redner •der;Majorität sprachen mit!Anerkennung von den! •moralischen und geistigen׳!Eigenschaften ■der Juden, denen •die Welt so Grosses danke, und naahdriicklfch wurden!insbesondere die ausgezeic'lmet'eir Eigenschaften des Mannes gelobt, dess'eu Zulassung das Baus so lange beschäftigt• hatte. Unverkennbar war die Absicht, •den ,Vorwurf ,zu widerlegen,־ dass sie von niedrigen persönlichen Antipathien und nicht von prinzi-piellen Ueberzeiigimgeii geleitet seien. Zum Schlüsse sprach ,noch unter stürmischem Beifall der greise •Fox, der berühmte unitarische Prediger, der den Gedanken ausführte, es ■sei unmöglich, die völlige Gleichstellung der Juden vom .Standpunkte der!Religion aus zu 'bekämpfen, denn •die Moral des ■Neuen Testamentes sei aus der Moral des Alten Testamentes entlehnt. Es war das die Antwort auf •die letzte Rede des Bischofs von Oxford, der es i!n Obcrhause als religiöse Pflicht bezeichnet •hatte, gegen diese Bill zu stimmen. Nach ׳erfolgter!Abstimmung, die den Sieg des frei- 11e־itlichen Prinzips proklamierte, nahte Baron Rothschild, von Lord John Russe! und John A. ,Smith eingeführt, dem l’ische des ■Hauses. Er sprach die gewöhnliche, vorgeschriebene ׳Eidesformel mit Ausnahme der Schlussworte, küsste die Bibel mit bedecktem 'Haupte, verbeugte sich vor dem Sprecher des Hauses, der ihm herzlich die •Hand schüttelte, und nahm seinen Sitz neben Lord John •RusseI am der liberalen Seite der Kammer ein. Die Sensation war beendet imd das Haus ging an seine Arbeit. Ein hervorragendes Londoner Blatt hatte seinen Bericht über die denkwürdige Sitzung beiläufig mit!Worten geschlossen, die auch heute noch Interesse erregen׳ dürften. Da hiess es ,u. a.: Die Aufmerksamkeit der Mitglieder des Hauses galt während der Eidesablegung Rothschilds, die geradezu ׳von dramatischer Wirksamkeit war, sicherlich in erster Reihe dem neuen Parlamentsmitglied. Aber unwili•