Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. m , . Rabbiner Horovifra und dS׳e anderem Kandidaten, der Wirtscftaftspairte!, die aber nach dem Prinzip der Zionisten immer besser getaugt hätten, als <Nid1tiuden, die nach dem Wahlgesetz gemäss «der 100.000 jüdisehen Stimmen in der Legislative Sitz und Stimme erhielten. Haben ־sie dies -aber nicht getan, sondern die Liste der Jüdischen Wirtschaftspartei zu Falle «gebracht, dass die Judenheit ohne jedwedes Mandat geblieben ist, so kann sie niemand anderen für diesen unglücklichen Misserfolg .verantwortlich‘ machen als s-i c h s e׳l b s t, ,1 h r e tt n r i c 111 i ge P*0 1 i tik u n d verfehl te Taktik.. . Gewiss, die Herren Dr. S׳i n g e r und Dr. G 01 dstein kann in dieser Richtung nicht der geringste Vorwurf treffen. «Diese «beiden intransigenten zionistisehen :Führer können mit gutem Gewissen sagen, dass sie frei von jeder Schuld sind, wenn sie der ihrer Führung ■folgenden Jitdenhefit nicht raten konnten, durch Abgabe der Stimmen auf die Jüdische Wirt- Schaftspartei eine jüdische Vertretung zu ■ermöglichen.; Ich bin einer derjenigen, die auch dem politischen ׳Gegner Gerechtigkeit widerfahren lassen, den guten Glauben des andern nie 1in• Zweifel ziehen und, insofern die Mittel rein und die Waffen blank bleiben, . dem Gegner Anspruch auf Achtung nie versagen׳. Und ich muss der, Wahrheit die Ehre geben, die beiden Herren, haben, in meiner Gegenwart wenigstens, poli- ■tisch einwandfrei gehandelt. Als die Debatte über den 6. Punkt unseres Programmes am höchsten ging, der lautet: ״Ablehnung aller. jüdisdinationaiistischen Mmderheitsforderungen politischer Natur“, erhoben -sich Dr. Sänger und Dr. Goldstein und erklärten, es wäre eine Ehrlosigkeit, diesen ■Punkt anzimehmen. Lieber. wollten sie hundertmal auf ein Mandat verreichten, •als Üire ״jüdischnationale“ Ueberzeugung im Stkhe lassen. Diese mustergültige Prinzipientreue musste jedermann imponieren und ich war von diesem Momente überzeugt, dass die Herren mit ihrer ganzen zionistischen Bewegung ein zweifaches Ziel vor Augen haben. 1. •Durch dlie ■Er werbung und Ge winnung möglichst vieler Anhänger für die zionistische Idee und durch Zuführung möglichst׳ zahlreicher Stimmen auf ihre׳ Partei, eine־ Parlameiitsvertretung zu bekommen, durch die vor der gainzen Welt von der Tribüne der Gesetzgebung dokumentiert werden könnte, dass die Judenheit der tsdhechoislowakischen!Republik eine ״nationale“ Einheit, eine ״völkische 'Minderheit“ *darstellt. Zweitens aber, *wenn dieses .erste und oberste Bestreben ihrer ganzen Bewegung Schiffbruch erleiden׳ sollte, müssten ■diese Führer alle Energien daran wenden, dass wenigstens keine amtizionistischen Mandatare im «Wege der Jüdischen ’Wirtschaftspartei siegreich aus ■dem Wahlkampf her- , vorgehen, wodurch die zionistische Bewegung einen tödlichen■ Stoss •bekommen müsste. Dr. Singer «und: Dr. Goldsfceim handelten daher, am Sinnie *des Pariamentarisnius .richtig und korrekt,!wenn!Sie *die z!ionistische Partei nicht aufgelöst und ■die orthodoxe Liste zum Fallen ■gebracht haben. Aber auch wir befanden 11ns ihnen gegenüber in •derselben Lage und könnten in bezug auf eine Partei, die :wir für die Interessen ■der . Jiidenheit als gefährlich halten, unmöglich anders .handeln, als •diese uns *gegenüber. Dass ein solches1 Vorgehen •im politischen Parteileben kein׳ Novum ■ist und vielmehr nach *den einfachsten Regeln der •in allen europäischen Staaten geltenden parlamentarischen Gepflogenheiten geradezu geboten erscheint, wissen die HerrennDr, Singer und Dr. Goldstein als ״gute Europäer“, die die Rolle der jüdischen Parlamentarier für sich ambitionieren, viel besser als wir, ■die wir von ihnen wiederholt im'״Prager Tagblatt“ als die ״politisch unreifen *Führer der orthodoxen Landeskamzlei“ tituliert wurden. Zwei Beispiele aus dein :jüngsten Wahlkampf liefern uns den untrüglichsten Beweis fiir die• ׳Richtigkeit •dieser Auffassung. Die natioualdemokratische Kra mar -Partei hatte Jahrzehnte :hindurch mit der «Stransky-Gruppe an ■einem Klub, in einem Parteiverband für gemeinsame staatsrechtliche Ziele, für gemeinsame politische Ideale *gewirkt; erst kurz vor den Wahlen trennten sie sich und gewiss differieren• sie nur in ganz wenigen ■Nuancen voneinander. Und dennoch hat doch Dr.!Krarnar, •eiiin Pariamentarier von *europäischem tRuf, alles aufgeboten, dass die Stransky ־!Fraktion!zu keinem Mandat ge- *langt, ■und nicht verhindert, dass *die auf diese Fraktion .gefallenen 100.000 Stimmen — fast die gleiche Zahl wie die der jüdischnationalen Partei — ohne jedes greifbare Resultat bleiben. Dasselbe tat auch Ministerpräsident Svehla, dessen politische Gewandtheit sprichwörtlich geworden ist, mit den aus der Agrarpartei ausgeschiedenen Pra sek-*Dissidenten. ׳'Uns ״unreifen ■Führern ■der orthodoxen Landeskanzlei“ kann das •gleiche Verhalten noch viel weniger als Sünde vorgeworfen werden, zumal es sich um ■eine Konstellation handelt, die wir s eih 0 n a u s ,re 1 ig i ö s e n Gründe n bekämpfen müssen. Das Ge- ■sebrefi von der Verhinderung der Judenvertretung ist voll ״-darauf abgezielt, die .*gedankenlosen׳ Massen nufzureizen, vernünftige Menschen können aber über die Unstichhältigkeit dieses Vorwurfes *keineswegs .hinweggetäuscht ■werden. Wir können uns min mit *der Widerlegung der zweiten Anklage befassen. *Die orthodoxen!Führer haben eine Vereinbarung;zwischen den beiden jüdischen Gruppen zerstört und, JÜDISCHE PRESSE wie es in allen möglichen Tonarten der zäonistisclfen Presse und Versammlungen verbreitet wird, gerade in dein Moment, da Dr. Fe r bs tei n im Namen *der zionistischen Organisation erklärt hat, dass er unser ganzes Programm, alle; unsere Forderungen samt und sonders en :Woc ahzunehnieh bereit *sei. ' Diese Anklage ist so naiv und ’plump, wie sie nicht naiver und' plumper sein kann. Sie enthält die kräftigste Widerlegung in sich und muss wie eine Seifenblase beim leisesten ■Hauch der Wahrheit •in *Nichts zerfliesseil. Wir haben die Vereinigung nüt den ■Zionisten ■nicht trotz der en bloc-Erklärung •des Dr. Ferbstein, sondern gerade wegen dieser Erklärung für ■unmöglich «erklärt. Ein ■altes jüdisches Sprichwort besagt: ״Wer einen grösseren Geldbetrag *ungezählt übernimmt, beabsichtigt nicht; Um gezählt und ■fehllos zurückzuerstatten.“ Und eine Partei, die Jahre «hindurch ihr nationalistisches ״Minderheitsprogramm“ als alleinseligmachend verkündet und •durch die dernagogiischesten Mittel, durch das «Wecken von Massen- Instinkten eine Atmosphäre *schafft, aus der es kein ״Zurück“ mehr gibt, *und in •dem Moment, •da von Mandaten die Rede ist, «dieses ihr hundertmal beschworenes Programm ״en •bloc“ über «Bord •wirft, kann Vertrauen nicht geniesseil! Es stimmt, wir haben■ in der Tat nach «der Erklärung Dr. iFerbsteins den׳ iBcratungssaal in Uzhorod heben anderen bereits in anderen Veröffentlichungen hervorgehobenien Gründen auch deshalb verlassen, weil kein kontraktfähiger Partner da war. Dr. Singer und Dr. Goldstein, mit denen man hätte verhandeln müssen, haben! sich während unserer ganzen« Anwesenheit in *Uzhorod nicht blicken lassen« •und wir haben die Verhandlungen 100% REINES FETT AUS KOKOSNÜSSEN כשר : , *Mm in jenem Augenblicke als gescheitert *angesehen, als durch־ den Unernst und die Unaufrichtigkeit der Gegenseite jede *Grundlage entzogen wurde. •Wir mussten sodann «an *die Organisierung der Jüdischen Wirtschaftspartei schreiten und eine separate Liste selbständig ׳eingeben. Die• dritte Anklage endlich: Die orthodoxen Führer seien um jeden Preis entschlossen gewesen, •die Regierung oder die *Koalitionsparteien zu unterstützen und wollten für alle Fälle die jüdische Liste z׳u Falle •bringen. In *dieser Form ist *das unrichtig. Richtig «ist vielmehr, dass wir einer Sache unsere kräftigste Unterstützung geliehen, i.11 der *die vita 1 sten Int*eress qn der Judenheit mit den gewichtigen luteressen de׳s Staates kongruent sind und w o —ich sage es offen — nach unserem Dafürhalten unsere Meinung mit *der Ansicht ■der leitenden Staatsmänner der Republik ü herein s t i m raen. Ich habe mlich nie auf die Regierung berufen, habe nie ■den Namen« eines Ministers genannt, habe immer bloss auf unsere sechsjährige Praxis hingewiesen, wo wir mlit den Politikern verschiedener Richtung in ■Fühlung standen und den! unverwischbaren Eindruck erhielt, dass in allen in Betracht kommenden politischen Kreisen die (Meinung, ja die Befürchtung vorherrscht, dass ■durch den Einzug *einer ״jüdischnationaien Minderheits Vertretung“ ins Prager ■Parlament die •Aufrolking der ganzen jüdisehen Frage unvermeidlich und uuerqulickliche Debatten unausbleiblich wären, die aber dem demokratischen Ruf *der Republik keinen Nutzen un«d den wohlverstandenen Interessen׳ ■der Judenheit keine Vorteile bringen würden. Diese ■Ansicht hat kein geringerer als der gewesene ,Minister Bechy ne der Oeffentlichkeit *in einem Interview kundgegeben; der seinen Sympathien für die kulturziomstische •Be־ wegung schon früher dadurch beredten Ausdruck gegeben hatte, dass er einen Posten von tsch. K 50.000 ins Sohulbudget für das hebräische (*zionistische!) Schul werk in Rusinsko eingestellt hatte. | Seite 333 י Ini Zusammenhänge hiermit möchte ich ntir ertauben;" die Gegenfrage zu .Steifen: wo in ■der gärizeft Welt sind die; Juden nicht bestrebt, •eine dem Staatsinteresse ־.entspredfende PafitSk zu׳ befugen, in weichem Staate des Westens, wo •dochrdie Judenheit überall einen ganz geringen Prozentsatz der Gesamtbevölkerimg bildet, haben wir es gehört, dass die Juden das •gefährliche *Experiment einer ״naittonaiKstisehen Minderheit“ auch nur versuchen würden? Ist es je einem -deutschen Juden in Deutschland, wo 700.000 Glaubensgenossen leben und wo erne' ziemlieh i!ntensive zionistische Propaganda• betrieben wird, in eien« Shm gekommen, auf -Basis •der Mrnoritätspolifcik Reichstagsmandate anzustreben•.? Oder nehmen wir London, die *Hauptstadt der palästrnensisollen Mandatarmaclit, wo Zionismus mit englischem Patriotismus fast •identisch tet, pst es in London׳, •wo eine Viertelmillion Juden wohnen, demselben je eingefallen, sich■ den! Staate gegenüber als ,Minoritätenvolk“!zu geben? iHäbcn: die Montefiores, die ׳Samuels, Isaacs, Rothschilds u. a. nicht als Engländer jüdischer Konfession die spezifisch jüdischen!Interessen, wenn es solche gab, im Rahmen der anderen englischen Parteien geschützt und verteidigt? Nehmen! ׳wir Amerika, wo der ׳Goldstrom für dass ׳zionistische •Werk am reichsten fliesst ■und wo in New York allein anderthalb Millionen Juden wohnen, haben1 wir je vernommen, dass amerikanische Juden eine zionistische Vertretung in! amerikanischen Kongress ainstreben? Wenn nun aber in Deutschland, *England •und Amerika die Juden׳ das aus welchen (Gründen;immer unterlassen, warum sollen wir hier in unserer jungen, *nach aufwärts strebenden Republik, *die •unter der Natiomalitätenfrage so viel zu leiden hat und •durch das!Hinzutreten einer jüdischen Nationalität die Schwierigkeiten sich nur komplizieren könnten, warumsollen wir -da, so frage ich,, dein Staate nicht entgegenkommen, wenn wir dabei zugleich unserem alten jüdisehen Prinzip, unserer alten jüdischen Auffassung und unserer alten jüdischen Mentalität י voll entsprechen, wonach *das Wesen des in der ganzen *Diaspora zerstreut lebenden Judentums nücht ln ■dem *jüdisdbriationalen Bekenntnis zti suchen •ist, sondern in dem unverrückbaren und restlosen Festhalten an allen an! Sinai empfangenen Religionsgesetzen? . •Wir könneii daher ,ruhig den Vorwurf, die Regierung ■unterstützt zu haben, vor der Geschichte, vor der Judenhieiit und vor unserem jüdischen *Gewissen׳ verantworten«, ־ :Und *nun zum Schlüsse einige ׳wenige!Worte über •die scheatsslicheri persönlichen Angriffe, denen *ich seit «geraumer Zeit aiusgesetzt bin und die •darin gipfeln-, das« ich alles, was •ich getan, oder nicht *getan, nicht ,im Ausflüsse meiner Ueberzeugung, nicht weil ich dem Gemeinwohl oder dem Interesse des Judentums dienen wollte, sondern weil wir uns ״verkauft“ haben. Ich kann mich *gegen diese allerseh werste «Beleidigung, die «einem Manne ziigefügt werden, jkainn, wie ich oben bereits erwähnte, *aus *dem Grunde •nächt wehren, weil es noch!niemand «wagte, in k o '1k r e t e r Form aufizutreten, sondern «in ■nobler Weise dafür gesorgt wurde, dass nach jeder gegnerischen Versammlung diese ■Gerüchte von. der ״Käuflichkeit“ Webers und aller ״politisierenden Rabbiner“ Giftfliegen gleich an einem Sumpfherd zischern ■und herumsummen, wogegen es aber keine Waffen gibt. . Ich beschränke mlich daher, vor der jüdischen Oeffentiicihkeit feierlichst zu erklären■, •dass ich, der ich• im Dienste meiner heiligen Religion, im 'Sünne der *unverfälschten׳ Orthodoxie ergraut ■ bin! und *der Mi seit sechs Jahren ■immer, wo sich dlie *Gelegenheit •geboten, überall wo die Gelegenheit gegeben war, gegen• jede Rechts Verkürzung •in uneigennützigster un'd selbstlosester Weise Stellung genommen, *noch me,;X;aber noch nie einen Heller, auch nur •einen einzigeri Heller verlangt •und erhalten habe. Ich und meine *Mitarbeiter stehen einem Amte vor, das mit den grössten! geistigen Anstrengungen •und ■mit ununterbrochen aufreibenden, Aufregungen verbunden ist, und wenn es ein Amt in der Republik gibt, wo jedes wie •immer geartete korruptive Mittel absolut gemieden wird, so ist es unsere so viel geschmähte und arg verlästerte Bratislavaer Orth. Zentralkanzlei. Wer das Oe*genteil behauptet, ohne •die Beweisführung oder Klarstellung möglich zu machen, der ist ein Etwas, was auszusprechen!!mir mein Amt, meine Würde und meine Erziehung verbieten. Ich glaube, jeder anständige Jude, jeder anständige Mensch wird mir •nadhfüblen, was ich in ■diesem •Moment empfinde, und mich jeder weiteren Aussprache entheben. Ich hätte noch vieles zu sagen, ich will •es aber für eine ruhigere Zellt aufsparen. . Von der Jüdischen Wirtschaftspartei. (J. N. R.) Am 8. Dezember fand in Bratislava bei Teilnahme von Delegierten aus der Pod'karpatskä R׳us" *und der Ostslowakei eine Sitzung des Zentralkomitees der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ statt.' In eingehenden Beratungen wurden ■die Massnahmen zur definitiven organisatorischen Ausgestaltung der Partei besprochen •und die Vorbereitungen zum Beginne der praktischen Tätigkeit getroffen. Laut den Berichten der *einzelnen Mitglieder sind ■die Aussichten für die Verwirklichung des gesamten Programms der Partei sehr günstig. 787