Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-S'lt* jf ■ I f •' i־' ■■ 1'■'' Seite 330 sttna verkehren, Anschaffung von •Seforlm und Förderung aller, religiösen Angelegenheiten.;Es wurde beschlössen, mit Hiffe von guten Rednern eine eifrige Propaganda im ganzen!Lande zu eröffnen, um die nötigen Gelder, mindestens 9000 Pfim-d, atrfzttbringen. . Bericht des Wirtschaftsamtes der Agudas Jisroel für Palästina. Tischrl 5686. . . (Fortsetzung.) . ׳Machaneli Israel, •die erste Kolonie der Agudas Jtsroei im fruchtbaren Emek, hat •heute bereits 86 Ein- Wöhner, darunter 40 PoaHm und drei Gärtnerinnen. Alle arbeiten im .Dienste der. ״Habamth“ (hi ׳Deutschland eingeträgen als ״Habajis•‘ Heimstätten-Gesellschaft für Palästfna), der die Ausführung •der Bachscharah-Arbeiten von ...;der..;Pa.lästh1aze1rt-r!a׳te der Agudas Jisroel in Frankfurt am Main übertragen wurde. Zahlreiche Arbeiter haben bereits ■'׳ ihre Familien nachkommen lassen. Die gesundheitlichen Verhältnisse in Machaneli jisroelsind die denkbar besten. ׳Es gibt in der Umgebung keine Sümpfe, deshalb ־wurde auch die Kolonie von der Malaria vollkommen verschont. ׳Das Trmkwasser, das bisher von zwei sauber ansbetonierten ■Brunnen fliesst, ist klar und angenehm im Geschmack.!Ein Kolonialarzt verabfeicht in einem •eigenen Kranketibeime ärztliche Hilfe und Heilmittel. Zwei- bis •dreimal 11 m ■Monat werden vom Kolonialarzi: a I I e Siedler, Männer, ■Frauen, ׳Kinder —.00 gesund oder krank — untersucht. Auf Grund •eines genauen Befundes konnte der ärztliche Bericht stets .allseifeige, beste Gesundheitsverhältnisse konstatieren.!Sämtliche Arbeiter•!sind Mitglieder der Organisation Poale Agudas Jisroel. Charakteristisch für die Zusammen- «•etzung des Arbeitermaterials!ist, dass alle Altersklassen imd Qualifikationen vertreten sind: al-te und junge, gelernte und ungelernte Arbeiter schaffen am gleichen Werke. Die allseits anerkannten Erfolge, die in!Machauch Jisroel erreicht wir •den, •haben den Nachweis erbracht, ■dass selbst mit dem durchschnittlichen, ■unausgebrldeten Menschenmaterial, das die osteuropäische Emigration stellt, bei richtiger Anleitung wirklich Erstaunliches erreicht werden kann. Allerdings ist ׳die Zahl derjenigen, die so aus öffentliehen• ■Mitteln ausgehildet werden können; naturgemäss nur eine geringe. Zur Schulung stehen in Machaneh jisroel ausgezeichnete!Lehrer zur Verfügung: ein erstklassiger Fachmann aus der!Baubranche, ein :Obergärtner, mehrere;landwirtschaftliche Instruktoren etc., •die alle aus der deutschen Schule und Praxis hervorgegangen sind. Für die religiösen amd geistigen Bedürfnisse der Kolonisten wird heute bereits bestens gesorgt. Im eigenen Berb Batnidrasch findet selbstverständlich zweimal täglich ein Gottesdiehst statt. Abends wird stets in mehreren Sriii’iriin gelernt. Einige Arbeiter Jiaben sich eine kleine, aber vorzügliche Bibliothek zusammengestellt. Ein Schauchot wohnt ständig in Machaneh Jisroel. In der Nähe der Kolonie befindet sich eine Mikwoh, die Agudas Jisroel fiir die Umgebung erbaut hat. Am 15. Cheschwan wird in der Kolonie ein Rabbmer ständigen •Wohnsitz nehmen, der ausser der Entscheidung halactiischer ■Fragen mit den Schülern, und am Abend rnk den Arbeitern Gemoroh und Schulchan •Aruch lernen wird. 111 der Schule werden die 15 .Kinder ausser dem im Cbeöer •üblichen.׳Unterricht auch Hebräisch (als Umgangssprache), Rechnen, Lesen, Schreiben. Geographie und ׳Geschichte gelehrt, wofür ein eigener Lehrer bestellt wurde. Am Abend werden neben zubessern und im übrigen resigniert auf die Hilfe von oben zu hoffen, die es auch ihnen einmal ermöglichen würde, Häuser auf Höhen, auf den Höhen des Landes zu er1־' bauen, das nach der'■Tradition das höchstgelegene detf ganzen Erde ist. ' Wir flüchten aus dem Treiben der Gasse ,in die Stille der Gemeindestube und besichtigen alte Gemeindebücher, die von der peinlich genauen Amtsführung der Altvordern Zeugnis ablegen und einen;Eüiblick in das Leben und (Treiben längst vergessener Geschlechter gewähren. Auch kostbare alte und neuere Vorhänge und Thora-Mäntel-! ehetv für alle hervorragenden Tage des Jahres werden uns gezeigt und schliesslich nehmen wir auch noch das rituelle Bad in Augenschein. Das jüdische Volk hat!mit seinen rituellen Bädern überallhin einen gewissen Grad von Ge-! sittung mitgebracht und in manchen Ländern ist an kleinen Orten das einzige Bad das Jüdische. Auch der deutsch* österreichische Bauer, so hoch ׳er verhältnismässig kulturell steht, kennt jahraus, jahrein kein anderes Bad, als gelegentlich eines im Freien. Nur da, wo Juden,. nanientlieh gesetzestreue Juden wohnen, gehört das Bad zu den! ,notwendigstell Requisiten auch der :kleinsten Gemeinde: So gibt es auch {in Mattersdorf wohl zwei Schwimmbäder, aber kein Warmbad ausser dem jüdischen. Leider ist aber auch dieses Bad in!seinem heutigen Zustand kaum benützbar. Und doch dürfte wohl, wenn unsere Jugend von heute dem Tauchbad mit seiner weihenden Funktion nicht entfremdet werden soll, berechtigten technischen Neuerungen nicht länger der :Eintritt verschlossen bleiben. Wirkliche Freude bereitete mir dagegen wie immer der Anblick der vier Lehrhäuscr, die Mattersdorf besitzt, ln diesen anheimelnden alten 'Stuben lernten und lehrten! einst R. Löb Schotten!aus Frankfurt a. M. und sein Sohn׳ R, Nathan Nate Schotten,!R. Issachar Bär Bloch aus Hamburg, R. Mosche Sofer aus Frankfurt a. M. (der Chatham Sofer) und noch viele andere Leuchten am Himmel der rabbiuischeti Weisheit, die das Licht der Thora im 18. und 19׳. Jahrhundert nährten und mehrten. Namentlich das um die Mittagsstunde, während die Bachurim in der Mensa speisten, verlassen daliegende Zim■׳ iner der ״Schass-Chewra“, das mit seinen auf den Tischen j hemmliegenden Folianten, den armseligen Petroleumlampen 1 süDtscm Psgessc den Schiurim auch Fortiwkhmgskufse für die Arbeiter ' veranstaltet. . ■•׳■■״ Die Arbeiten in Machaneh Jisroel zer* fallen ln sechs Gruppen: Häuserbau, Brunnenbau, Gärttierei, landwirtschaftliche Scliuliuigsarbcrt, •Wegebau- und Kanalisationsanlagen, ■Fuhrwerksbetrreb. Die sichtbarsten Erfolge wurden beim Häuser bau erzielt. Es stehen bereits 24 Objekte in ‘Machaneh Jisroel, die ■alle ausschbesslieh von Poalim der Agudas Jisroel. errichtet wurden. Alle Haitstypen gelaugten zur Aufstellung, von der einfachsten Baracke um 55 Pfund. (1 Zimmer, 1 Küche, Veranda, Türen, Fenster, gutes Dach) bis zum komfortablen Einfamilienhaus, das nach ■den neuesten!Bausyst-emen errichtet wurde. Unsere Arbeiter haben in dem ersten Vierteljahr dank Ihrer ausgezeichneten fachmännischen Anleitung bereits eine ziemliche Fertigkeit!im ׳Baufache •erlangt. ׳Eine sehr mühsame Arbeit war ■der ßrunnenbau. ■Aber gleich bei den ersten Bohrversuchen wurde •nach kaum 4,5 Meter Tiefe auf reichliche Wassermengen gestossen. In dem benachbarten Afuleh musste fman 130 Meter tief bohren, um zu den wasserhaltigsten Bodenschichten zu gelangen. Ferner wurde •in Machaneh Jisroel ein alter arabischer Brunnen, der Ber Tibas, vollkommen gereinigt •und ausbetoniert. Auch er gibt reichlich Wasser, so dass der Bedarf ׳für die erste ׳Zeit gedeckt ist. Weitere Brumienbohruugen werden in nächster Zeit in Angriff genommen werden. •Sehr schöne Erfolge hat die Gärtnerei aufzuweisen. Jede .Woche werden tausende von Obst- •und Nutzbäumen eingetopft, ׳sowie Gemüseaussaaten yorgenommen. ׳Unsere Baumschule ist beispielgebend für die Umgebung geworden. Sobald ■die Bodenkäufer von Machaneh Jisroel zur Ansiedlung •gebracht werden können, werden sie bei ihren Häusern bereits schöne Gartenanlagen v<^rfinden. Erst mit ■dem 10. Gheschw.an wird mit der eigentlichen landwirtschaftlichem Arbeit begonnen werden können. Bis dahin wurde probeweise gepflügt und gesät. Die landwirtschaftliche.■ Schulung bat die doppelte 'Aufgabe, einerseits Brot- und Futtergetreide für die Kolonie ,anzubauen, andererseits den׳ Heimstättenbe&itzern, die später zur Ansiedlung gelangen, Gelegenheit zu geben, •sich unter der ständigen Kontrolle erstklassiger Fachleute auszubilden־. Sehr wichtige ■und •dringende Arbeiten waren beim Wege- und Ka n a!l i s a t ׳l 0 n s b a 1u auszuführen. 'Eine breite Haupt- Strasse, •die durch die ganze Kolonie führt, wurde bereits solid gepflastert• und ׳Gehwege zu jedem Hause angelegt. Welte Landstrecken werden vollkommen von;Sternen, gesäubert und das gesammelte Material zum •Haus- und Wegebau verwendet. Der Winterfluss (Wadi), ■der neben der Kolonie fliesst, wurde weit über die Kolonie hinaus reguliert. Neue Senkgruben etc. wurden ■ausbetomert. Sehr gute Dienste leistete •der ■Kolonie •das •eigene Fuhrwerk. Unser Lastauto brachte Baumaterialien. von •Haifa ■nach Afuleh nach der Kolonie, wodurch die Rechnungen der Wiener Talmud -Thora - Schulverein Volles- und Biirgerschiil• für Knabon und Mädchen Einjähriger Handeiskurs Wien, II., Malzgasse Nr. 16 Oest. Postsparkassen-Konto 182.169 Spendet anlässlich des Chanaka- Festes dem ältesten and grössten jüdischen Schalwerk Wiens! und dem offenstellenden Bücherkasten einen Maier zur Festhaltung dieses echt jüdischen Stillebens anregen könnte, bot ein höchst reiz- und stimmungsvolles Bild; das mich daran erinnerte, dass das räumliche Niveau allein nicht hinderlich sein kann, wenn fcs gilt, die Menschen zu eri •heben. Man steigt ■ja hier am Synagogeneingang ׳noch einige Stufen hinab, um die Seele dann auf den Schwingen! des Gebetes noch höher emporsteigen zu lassen, und diese Lehrhäuser mitten im Kotmeer sind Inseln umiahbarer Reinheit und Gedankenhoheit, an die Gemeinheit und Schmutz nicht herankönnen . . . II. Im Rosaliengebirge. Senkrecht fallen die heissen ,Strahlen der Sonne aut uns, während wir nach dem nahen Forchtenau wander», um die feste j3urg der Esterhazy, Forchtenstein, die( die ganze Gegend beherrscht, •zu besuchen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren ■die Mattersdorfer Juden vorübergehend aus Furcht vor den Kuruzzen im Schatten der Burg ihres Schutzherrn in Forchtenau untergebracht gewesen; das von ihnen damals benützte Betlokal ist aber schon längst Umbauten gewichen und heute wohnen nur zwei jüdische Famalien im Orte/ Steil geht es berganj zur Burg, in der Wir, *je näher wir kommen, immer mehr das klassische Bild einer mittelalterlichen Ritterburg erkennen, die uneinnehmbar auf schwindelnder Höhe wie das Felsennest eines Raubvogels, durch Mauern, Schiessscharten, Graben und Zugbrücke beschützt, hier oben thront. Es muss ein starkes, aber auch weitherziges Geschlecht gewesen sein, das £ier die weiten Gemächer füllte, durch die uns ,jetzt der Kastellan führt. Wir finden hier die Ahnengalerie einer der führenden Familien׳ des alten Ungarn neben ,Bildern aus der Bibel und Trophäen aus den Türkenkriegen. Den Höhepunkt der Schätze aber, die die Burg Forchtenstein birgt, bilden die unterirdischen Waffenkammern, die ein Stück Mittelalter mit den raffiniertesten Künsten der Verteidigung zeigen, der auch der mehr als '140 Meter tief, bis an aie Sohle de» Berges reichende Brunnen, der die Wasserversorgung der Feste bei Belagerungen sichern Sollte, dient. { (Fortsetzung folgt.) Nr. 30 Lieferanten um die sonst Sehr bedeutenden Prachtspesen vermindert werden könnten. Die Hinfracht wurde •meisteris für fremde Rechnung ausgeführt, Sö dass der Rück- Transport von Waren fiir die Kolonie nicht mir ohne Kosten vor sich ging, sondern meistens auch einen Nutzen •an Fährlohn erbrachte. Die Haustischlerei ■arbeitete hauptsächlich beim7 Bau, in letzter Zeit hafiisie bereits mit der Möbelfabrik a t i 011 begannen. Zunächst Wurden nur Einrichtungen fiir den Koloniebedarf hergestellt, in kürzester Zeit wird man jedoch auch an den Vertrieb ausserhalb der. Kolonie schreiten. ■Ehie Ziegelei ist in Machaneh Jisroel in Gründung begriffen. Schliesslich ist in der Kolonie bereits eine Brot- und Kuchenbäckerei, eine Grösswäschc-rci und eine Restauration vorhanden, in der man sich fiir וש gef ähr TO Piaster pro Tag gut und sch'mackhaft verköstigen kann. Die Stimmung unter den Arbeitern!ist eine vörzügliehe, wenn man von kleinen Zwischenfällen• absieht, die bei ׳einer so bunt zusammengesetzten Belegschaft iravermcrdiicli sind. Das Wichtigste ist, dass ein jeder der Arbeiter von ׳Machaneli Jisroel ohne Ausnahme sich bcwusst Ist, an einem Werke von heute noch unübersehbaren Konsequenzen nittzuarbeiten. Dies alles Wurde von den Hachscharahgeldern geschaffen,׳ die von der Palästiuazentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt am Main für die!Bodcneigenfiimer von Mchaneh Jisroel vorgelegt wurden. Es ist dringend erforäerlieh, dass die vertragsmässig ernzuzahlenden ■Hachscharahbeitrage der Bodenkäufer pünktlich ■eingeheu, damit das so verheissungsvoll begonnene 'Werk in Machaneh Jisroel nicht zum Stillstand komme. - Sobald . die ersten Arbeitergruppeii ■in ■Machaueh Jisroel ihre Ausbildungszeit beendet haben, werden sie zu den 1Erschliessungsarbeiten zuden •45.000 DünanT Land berangezogeh, die von der Agudas Jisroel in der Nähe‘vo-n Tiberias angekauft wurden. , 3. Arbeitsvermittlung, 1Eh1 weiterer wichtiger Arbeitsbereich des Wirfschaftsamtes ist in der Arbeitsvermittlung ■gegeben. Die: zunehmende Arbeitslosigkeit stellt das Wirts chaftsamt täglich vor die Aufgabe, arbeitslosen , gesetzestreüen Arbeitern zu einem Erwerb zu verhelfen. Da die gesetzestreuen Unternehmer und Geschäftsinhaber im Lande vollkommen desorganisiert sind amd •— was noch schlimmer ist —für die Schaffung eines Arbeitsnachweises fiir gesetzestreue Poalim vorläufig wenigstens noch wenig Interesse bei den gesetzestrenen Unternehmern besteht, konnten nur wenige Arbeitsposten vom •Wirtschaftsamt ausgeforscht und besetzt׳ werden. Bereits im Monat Cheschwan dürfte durch die Anlage eines zuverlässigen Betriebskatasters, zunächst ln Tel-Aviv, die. •Arbeitsvermittlung einigermassen!.;-erleichtert .werden, 4. Einwanderungsorganisation. In 34 Fällen wurde ,in■ Zusammenarbeit mit der pölitisehen Vertretung der Agudas Jisraelhi Jerusalem bei der. Regierung interveniert, um. Zertifikate/' Daueiyisa,. An- . forderungeii etc. zu beschaffen. Ferner wurde mit ■der Einweihung eines provisorischen ■Arbeiterheimes begonnen. Mitteilung! •Das Wi'rtschaftsamt ist für den PubMkumvierkehr täglich von 3 bis 5 Uhr geöffnet. Die Bureauräumlichkelten befinden sich in der Rchow Lilienblum 36 A (neben, dem Hauptpostamt). ׳Die ׳B rie f a d ress e des Wirtsohaftsamtes lautet: Tel-Avfv (Pale&tine) •P. 0׳. B. 366. Tel e g r a m madresse: Ecäguda Tel-Aviv. Tel-Aviv, 30. Trschri 5686. Agudas ■Jisroel-Weltorganisation. Wirtschaftsamt fiir Palästina. Gez.: Dr. Robert ■Weiss. Der Steiger-Prozess. Die Pasternaak (die Belastungszeugin) als Hysterlkeriü und Lügnerin blossgestellt. Der Vorsitzende, Präsident Franke, verlas bei der Verhandlung am 6. Dezember ,den Akt über ein Gerichtsverfahren gegen die Belastungszeugin Pasternak. Aus dein Akt geht hervor, dass die Pasternak am 9. Mai 1923 den in der Wohnung des Ingenieur Sczepanski, erschieneneu Gerichtsvollzieher tätlich angriff, ,bespuckte und mit schwer beleidigenden Worten beschimpfte. Bei dieser Gelegenheit habe sich die Pasternak, die mit Sczepanski! in gemeinsamen Haushalt lebt, als!dessen Schwester ausgegeben.' Ein andermal sagte sie, sie sei die Frau Sczepanskis. Gegen die Pasternak wurde damals ein Vcrfahren eingeleitet, sie verantwortete sich aber damit, sie sei damals in einem Zustand der Besinnungslosigkeit gegewesen und hätte nicht gewusst, was sie tue. Ami 22, November 1925, also vor wenigen Wochen, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Pasternak eingestellt. (Grosse Bewegung im Saale.) Die Verteidiger ersuchen um die Protokollierung, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren erst eingestellt hat, als die Rolle der Pasternak als Hauptbelastungszeugin {gegen Steiger klar war und die Staatsanwaltschaft gegen Steiger einen wenig belasteten Zeugen brauchte. Verteidiger Dr. Landau hält einen Appell an die Geschworenen, in welchem er• wieder einmal auf die entscheidende Bedeutung der Angelegenheit Qlszanski hin weist. Er wendet sich sodann an das Richterkollegium mit der Bitte, den Anträgen der Verteidigung auf Ergänzung des Beweisverfalirens in {ier Sache Olszanski, beziehungsweise auf Anforderung der in Berjin beim Polizeipräsidium vorhandenen Kleider Ölszanskis!usw. .stattzugeben. Es sei unerträglich, zu sehen, wie der Gerichtshof das blutvolle Geständnis Ölszanskis als Bagatelle behandelt und der Staatsanwalt ׳dieses menschliche Dokument damit abzutun versucht, dass Olszanski sich das