Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 JÜDISCHE PRESSE Seite 329 Sitzung kommen eine Reihe neueingctroffener Delegierter. Den Vorsitz .׳führt •Sejnideputiertcr Oberrabbiner Schapira. .Rabbiner Dr. Pinchas Kolm referiert über die Ve'rhanafuftgen der politischen Exekutive mit der englischen Mandätarmacht und dem Völkerbund. Bei dieser •Gelegenheit streifte er auch den Vorgang der Verhandlungen mit •den Zionisten. Nach einer Reihe von Anfragen seitens einzelner Delegierten wurde der einstimmige!Beschluss gefasst, den Zentralleitung den Dank der polnischen Landesorgauisation für ihre ausgezeichnete Führung der politischen Verhanddüngen auszuspnechen. Die Sitzung trug vertraulichen Charakter, doch werden offizielle Bulletins in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. •Dienstag nachmittags fand die d r i 11 e'S i t z u n g statt. Nach einer Reihe von Resolutionen von Organisationsfragen wurde das vorgelegte Budget einstimmig angenommen. Unter grosser Begeisterung samttlicher Sitzungsteilnehmer wird Sejmdeputierter. Oberrabblner Schanira als autoritativer Leiter des ״Waad hapoel“ ernannt. Es wird eine neungliedrige Kommission ernannt, die Vorschläge für die Waad hapoel-Wahlen zu unterbreiten hat. Die vierte Sitzung wird vom Vorsitzenden Rabbi Meir Don P10 t z k i eröffnet. Redakteur Meschulim Kaminer referierte über den nächsten Punkt der Tagesordnung:: •das Erziehungsproblem, in erschöpfender Weise. Eine Reihe von Resolutionen!beschäftigt sich mit dem Aufbau des ErzLehungswesen:s und.!insbesondere der Frauen- und Bejs-Jakow-Bewegung. Sejmdeputierter Oberrabbiner Sclia pira berichtete über die Vorschläge der Wahl körn-■ mi'ssion für den Waad hapoel (Exekutive) der Aguad in Polen. ׳Nach diesen Vorschlägen •setzt sich der Waad hapoel folgender-massen zusammen: Au der Spitze. des Waad hapoel steht ein Direktorium, bestehend aus drei Mitgliedern, die durch eine geheime Wrahl gewählt werden. Ferner sind!Mitglieder des Waad hapoel die ortliodoxen Sejmdeputierten ׳und Senatoren (derzeit neun). Ebenso die in Polen ansässigen Mitglieder •des Geschäftsführenden Ausschusses der Weltorganisation •Agudas Jisroel (Waad hapoel haolami). Ferner je zwei Delegierte ׳der Zeire- und Poale ׳Agudas Jisroel. Ferner elf gewählte Mitglieder, von denen sechs in •Warschau und fünf in der Provinz ihren Wohnsitz haben. Hiezu kommen noch drei Vertreter von Ostgalizien und zwei Vertreter des Sekretariates des Rabbinischen Rates der polnischen Aguda. Die vorgenommenen Wahlen halben •ergeben, dass dreigliedrige Direktorium, •also die nunmehrige oberste Leitung ׳der Aguda in Polen aus folgenden Herren besteht: Sejindeputierter Oberrabbiner Schapira, I. M. Lewin, Rabbiner Tobias Horowitz. Die S c 111 u s s i tz u n g der Tagung ׳fand Mittwoch nachts bereits unter ■dem Vorsitz des neugewälilten Präsi-: deuten, Sejmdeputierten Oberrabbiner Schapira, statt. Sejmdeputierter Oberraibblner Lewin •erstattete» ein dreiständiges Referat, in'welchem er alle Probleme der innerpolitischen Situation der Orthodoxie •mit glänzender;Klarheit betrachtete. Nachher hielt Rabbiner Tobias Horowitz das Erez-Jisroel-Refcrat, wobei er praktische Vorschläge zur erfolgversprechenden Durchführung einer grossen K'eren-Ha׳jischuw-Aktion erstattete. An diese Referate knüpfte sich eine längere Diskussion, an der sich auch Rabbiner Dr. Pinchas •Kühn beteiligte. Die Nachtsitzung fand erst bei Morgengrauen ׳ihr Ende, wobei der Vorsitzende warme Worte •der. Dankbarkeit und des Vertrauens im Namen des Zentralrates der polnischen Aguda an den sich verabschiedenden Dr. Pinchas Kolm gerichtet hat. Rabbiner Dr. Pinchas Kdfin In Wien eingetrolfen. Wien (AJPB.) Rabbiner Dr. Pinchas •Kohn ist. nach zehntägigem ■Aufenthalt in Warschau,!Freitag früh in Wien ewige troffen. Seine Mitarbeiter ׳in Wien, •die inzwischen aus Warschau über die glückliche Reorganisierung der Zentralleitung, die gleichzeitig einen grossen ■persönlichen Erfolg Dr. Pinchas Kolms bedeutet, ׳Kenntnis erhalten •haben,!bereiteten ihm am Bahnhof •einen herzlichen Empfang. Brief aus Jerusalem. Jerusalem, 25. November. sich noch werter an den Beratungen zu beteiligen. Der Waad iiair tritt mit einer öffentlichen Erklärung hervor, die schwere Anklagen gegen die Stadtverwaltung Eine Feuersbrunst im ׳B u c h a r e n v i e r t e 1 richtete viel Schaden an. Der Brand.brach am Freitagabend .infolge der Explosion einer Stehlampe im Hause einer sephardischeu Familie aus. Um den Sabbat nicht zu entweihen, liess man •die Flamme eine Zeitlang gewähren, und al׳s man nachher die arabischen Nachbarn zum Löschen herbeirief, war es bereits zu spät. Chaluzim leisteten tapfere ׳Hilfe, während unter den Bewohnern des Viertels die atrs1breoher.de Panik jede ■Hilfeleistung verhinderte. Viele warfen ihre Möbelstücke oder sprangen selbst vom Oberstock in die Menge, wodurch cs Verwundete ga׳b. Die offizielle Feuersvehr erschien mit ihren Löschapparaten, nachdem einige Häuser bis am den Grund abgebrannt waren und weitere Gefahr schon vorüber war. Die W a s s e r 11 0 t hält an und führt zu!werteren. Verstimmungen. Von jüdischer Seite wird darüber geklagt, dass den jüdischen Ansprüchen nicht Genüge geleistet wird und jüdische Vertreter zu den ׳Beratungen nicht zugezogen werden. Wohl waren jüdische Vertreter ,in die Wasserkorninis&ion abgeordnet, sie erfuhren aber bei den Sitzungen eine solch unwürdige Behandlung, dass sie es ablehnteu, enthält. Der Grandrabbi Israel Levy aus Paris dementiert in einer Zuschrift an den ״Doar ׳Hajotu“ 'die ihm in den Mund gelegten (auch von uns gebrachten) Aeusserungen über die, hebräische Universität. . Insbesondere verwahrt er sich dagegen, von der ״Protektionswfrtschaft“ im Sinne, des angeblichen Interviews gesprochen zu haben. Er könne schon deswegen das Wort nichtgebraucht haben, da andere Professoren, wie Gutmahn,!Klein und MarguW.es, auf Protektion von Paris und Löndon ihre Aerntcr erhielten. Auch stimme die angebliche Aeusserung über Klausner nicht ganz. Er habe nur bestätigt, was er!Herrn Klausner selbst ins Gesicht gesagt habe, nämlich dass seine historische Lehrmethode nicht als die richtige befunden werde; Rabbi •Levy verwahrt sich ferner ganz entschieden dagegen, eine abfällige Aeusserung gegen Magnes getan zu haben, für den er höchste Verehrung habe. Man weiss nach diesem Dementi nicht mehr, was vom Interview noch übrigbleibt, da der Korrespondent des ״Doar Hajom“ ׳eine Aufklärung schuldig bleibt. Der Obersekretär der Palästina-Regierung hatte eine längere Besprechung mit •dem!Präsidium des Waad leumi, OOOO « O § i i § i § i o § | I o Telephon 742-26יי Telephon 7426י»2יי Wien, I. Graben 12 (gegenüber der Pestsäule) Die neueröffnete, grösste u. modernste Werkstatte für Haararbeiten hat den Verkauf von forntii begonnen Der internationale Meister Karl Schiroky haftet jeder Dame für grösste Haltbarkeit trotz geringstem Gewicht (kein Kopfschmerz bei festem Sitz) und für allererste Haarqualität Die Preise sind s t au n 6 n d niedrig *UjJFÜJIRUMfl^PRIISI Versäumen Sie daher keinesfalls einen unverbindlichen Besuch im Grato-Frisier-falim, I. Graben 12 Jede Perücke wird individuell der Gesichtsform angepasst, daher vollkommen unauffällig!! O o o i o s 8 § das •dem ■Obersekretär ein Memorandum über das Gemeindegesetz' und das Erzichungsbudget überreichte. Die Ausfiihruiigen über das Gemeindegesetz sind im Sinne der bis- ׳hörigen Verhandlungen mit dem früheren Oberikommissnr gehalten. Es wird darauf liingew,lesen, dass solche Orgaiiisat.ioiien heute überall bestellen und dass die ’Steuergeldei' liir religiöse und Kclrillazwecke verwendet werden. ׳Es wird noch kurz die Geschichte des Gemeimdegesetzes gcstreift und gesagt, •dass ״widrige ׳Umstände" bis!jetzt die Bestätigung des Gesetzes verzögert hatten. (Die ״widrigen Umstände“ sind die verzweifelte Gegenwehr der Gesetzestreuen gegen den geplanten religiösen und Gewissenszwang und die sind heute weniger überwunden denn fje. Die Red.) Der zweite Punk׳t betrifft die •Scliulfrage. Das Memorandum schätzt die Zahl der ■Schulkinder auf 23.000 und verlangt, dass •die ■Zuschüsse demenitsprecliend und nach dem Verhältnis der den arabischen Schulen bewilligteil Subventionen sein müssten. Der Obersekretär zeigte eine grosse Vertrautheit mit den jüdischen Fragen und sagte, dass ■sowohl er wie der Oberkommissar zurzeit mit dem Studium all dieser Dinge •beschäftigt׳ sind. Er ■sprach sich auch sehr befriedigt über die letzte Einwanderung aus, ■die wertvolle Elemente und produktive Arbeit ins Land gebracht hat. — •In einer gemeinsamen •Sitzung ■des Misrachi mit den Mitgliedern des Oberrabblnats wurde' über •das 'Kultusbudget des Misrachi beraten. Auf dem letzten Zionistenkongress ist von •der Forderung des!Misrachi (6000 ägypt. Pfund) nur ein Teil bewilligt worden, wovon ■ein Dritte( noch abgestrichen wird. Es bleiben ungefähr 3000 Pfund! die nicht zur •Hälfte ausreichen. -Es sei daher, so sagte Herr Berlin, Pflicht der Oberrab bin er, die nötigen1!Mittel zu beschaffen. Die nächsten Aufgaben erstrecken sich auf Errieh'tung von Mikwoaus, Talmudkursen, Koscherküchen für Arbeiter und auf den Schiffen, •die •von und nach Paläaufgefundenen Oellcänncliens, von dem es ■heisst, dass sein Inhalt so gering war, ״dass er nicht •einmal für einen Tag“ reichte. Nach dieser Lesart dauerte •das Wunder also volle acht Tage, und das •ist dann wohl begründet, dass •auch wir an acht Tagen, das Chanukahlicht entzünden. Zum!Schluss sei •noch einer geradezu verblüffenden Bemerkung des Rabbi Zwi Hirsch Chajes gedacht. Er meint, dass •die Megilath Taanith selbst die •Antwort aut unsere!Frage gibt. Wenn man nämlich •in dem •Bericht über die ׳Geschichte •des Chanukalifestes weiterliest, findet!man . die •Frage, warum •die ׳■!Bestimmung getroffen wurde, ׳Lichter ׳zu entzünden, und darauf wird die Antwort erbeilt, dass •die ׳Hasmonäer, nachdem sie den Tempel betreten hatten, an sieben Spiessen die Lichter befestigten. Das Wort sicben •ist nun zweifellos durch das Versehen •eines Abschreibers in den Text gekommen und in acht zu korrigieren. Denn auch in •der Pesiktha rabbatlii wird erzählt, •dass die Hasmonäer, als sie den Tempel betraten, dort acht eiserne Spiesse fanden, •die sie befestigten und an denen sie •die Lichter entzündeten. ■Darauf-gebt nach ׳Rabbi Zwi Hirsch Chajes die Vorschrift, ■an aöht Tagen das Chanukahlicht ■zu entzünden, •zurück. Die Makkabäer im Lichte talmudischer Geschichtsphilosophie. Zu dem Satze •in Wajehi (I. M. 49, 10). Es wird nicht weichen das Szepter von Juda, bemerkt ׳Ramban!in seinem Pentateuchkoinmentar : Seitdem David, aus dem Stamme Juda das Szepter •geführt ׳hat über Israel, •Ist es keinem andereil Stamme Israels mehr gestattet, •dauernd' die Königsmacht über Israel auszuiiben. Die Könige, •sagt er, die . nach Davids ,und Solomons Tod über •das vom Reich Juda getrennte Reich •Israel •regierten, ׳stützten sich auf das Wort des Propheten •Aciiiija aus Silo, der •eigenhändig den Jorobeam, den Nebenbuhler ׳Rechabeams, zum König über das Zelinstäramereich Israel •salbte. Aber der Prophet Achija hat, wie er ausdrücklich sagte, dem königlichen Haus Davids nur a׳uf Zeit ■und!nicht für immer •diie Königsherrschaft über Gesarntisrael entzogen. Wenn •also, sagt Ramban, das von Juda losgelöste Reich ׳Israel seine Königsherrschaft •dauernd :festlegbe •und nicht wieder unter das Davidshaus sich imterordnete,׳ •haben׳ sie •damit das Testament ihres Vaters Jakob gebrochen. Und die Strafe ist nicht ausgeblieben. Dieselbe Strafe, fährt Ramban fort, •traf!auch das ■Haus der Hasmonaeer, die zur Zeit des zweiten Tempels die Königsherrschaft über Israel ausübten׳, •Die •Hasmonaeer haben ih׳r Leben für Gott und sein Gesetz ׳hingegeben,• sie waren. fromme, dem Höchsten hingegebene Männer. Ohne sie wäre die Lehre und das Gesetz in Israel •in Vergessen- ‘ heit geraten,. Dennoch -traf ׳sie eine harte Strafe. Denn die vier Söhne des Hasmonaeers, des!frommen Greises', •die nacheinander die Regierung bekleideten, fielen ׳trotz ihrer Heldentaten und ihrer wunderbaren Erfolge •durch das Schwert ihrer Feinde. ■Ja׳, die!Strafe war eine so allgemeine und eine'•so־ gründliche, dass;unsere Weisen sagen: Wenn einer auftritt und sich als Abkömmling dier Hasmonaeer ausgibt, •ist er sicherlich ein SklavenstämmÜng. Denn die ganze Familie •ist leider infolge •dieses Fehlers ausgerottet worden. Unter den Nachkommen dc׳s weisen ׳Simon, des Hasmonaeers, ist zwar ׳eine neue Versündigung hiinzugekoinmen. Simons Sohn, Johann Hyrkan, •ist nämlich zu den Sa׳duc,acc.ru übergegangen, den Feinden׳ des überlieferten Gesetzes. Dies war natürlich eine •unverzeihliche •Untreue. Nichtsdestoweniger ist •daran festzuhalten: Das ganze Haus der Hasmonaeer ׳ist nur deshalb bis aufs letzte Glied vernichtet worden, weil sie sich ׳die iKönigsherrschnft anmussten, ohne vom Stamme Jiudä und von der Familie •Davids zu sein. Sie haben damit das Szepter von Jeliuda entrissen. Und die Strafe für •diesen Treubruch an •dem letzten Willen des •Ahnen Jakob entsprach ׳der'Sünde. Gott verlieh •ihren• Dienern, •den Herodianern, •die Gewalt über sie. Die Herodianer rotteten sie mit Stumpf und Stiel in grausamem Blutdurste aus. Möglich wäre es auch, sagt Ramban, dass •die grosse Versündigung des!Hasmonaeischen Hauses •darin bestand, dass sie als Priester •sich den Uebergriff gestatteten, nach der Königskrone zu greifen. Gott hat •docli den Priestern, den Nachkommen Arons gesagt: Gebet acht auf euer Priestertum und •übet ׳in •gewissenhafter ׳Hut euern priesterliehen Dienst aus in bezug auf alle Obliegenheiten, die am Altäre und im Heiligen ׳innerhalb des Vorhangs zu erfüllen sind. ״Als einen hingebungsvollen, •opferwilligen Ehrendienst gebe ich •euch euer Priestertum.“ Die •Hasmonaeer hätten als Priester nie die weltliche Herrschaft beanspruchen sollen, der Dienst Gottes im Heiligtum hätte ihnen genügen müssen! fin Jer.uschalmi im Traktat Horijotli habe ich gesehen, sagt ■Ramban, Priester darf man nicht zu Königen salben. Warum nicht? Weil es heisst, sagt R. Jehuda Antorija: Das Szepter soll nicht aus Juda ׳weichen. R. Chiia ibar Abba aber sagt: Weil •es heisst: Damit (der •König) lange auf seinem Throne ׳bleibe, er •und seine Söhne!inmitten Israels und •gleich darauf heisst es: Den Priestern, den Leviten sollen kein Teil und kein Erbe zuteil werden. Siehst du also aus dieser Stelle, dass es nicht gestattet ist, die Priester, die Söhne Arons zu •Königen zu •salben. Und •zwar wird zunächst •erklärt, dass nur dem Stamme Juda die königliche Wüirde zugefalien sei. Verlangt auch die Not der Zeit, einen Regenten aus einem andern Stamme einzusetzen, salben darf man ihn nicht. Der Nimbus königlichen Glanzes darf nämlich nicht auf •ilum ruhen. Er darf nicht mehr sein als •ein Verweser •des Reichs..Ja, selbst die Priester,, die •doch infolge •des Priestertums der Salbung würdig;sind, dürfen zu •Königen nicht gesalbt werden. •Das Szepter •darf nämlich nicht von J.uda weichen. Nur die Nachkommen Davids dürfen zu Königen über Israel gesalbt werden R. Ghi'ja bar Abba aber sagt: Die Thora hat es ausdrücklich verboten, dass die Priester, die Leviten, der ganze Stamm Levi Anteil ,und Erbe am Königtume beanspruchen ,und erhalten. Dr. E. W. Bilder aus Oesterreich. Von L. Moses. I. Mattersdorf. Schon von ferne grossen den Ankommenden die jüdischen Wahrzeichen Mattersdorfs, der grössten Judengemeinde im Burgenland: die grosse Holzfahne auf der Synagoge und der weitläufige Friedhof. Seit kurzem heisst der Ort eigentlich Mattersburg (und dies nicht mit Un* recht, da diese altehrwürdige Gemeinde eine Burg des überlieferten Judentums auch zu Zeiten war, in denen andere, mächtiger scheinende Bollwerke längst in Tri'im־ mern lagen. - ' Es ist Sonntag und geschäftiges Treiben herrscht in der Judengasse. Wenn aber die Fahne auf dem Syna•: gogengebäude den Zweck hat, die Synagoge zum hoch: sten Gebäude im Orte zu machen, so ist das vergeblich, da das Judenviertel ja doch den niedersten Teil des Ortes bildet, und auf (der einen Seite die Kirche von stolzer Höhe auf die ,armseligen Häuschen der Juden herabblickt, während auf der anderen Seite in jüngster Zeit die christlichen Bewohner auf luftiger Höhe neue' Häuser errichten. Da, wo diese neuen Häuser erstehen, sog früher der Boden das Regenwasser auf, jetzt abet< wird es in Rinnen •abgeleitet und stürzt gerade in ,di4־ Judenhäuser. Die Juden haben also von dieser ,Bautätig? keit sonst nichts, als dass das Elend ihrer ohnehin schon dumpfen und ungesunden Wohnstätten noch grösser wird. Grosse Mengen angeschwemmten Schlamms liegen in den Winkeln der jüdischen Gässchen und gemahnen lebhaft an den Schianim, den das Exil an die jüdisch Volksseele spült und den fernzuhälten die grosse Kunst jüdischer Lebensweisheit zu allen Zeiten war und ist. (Freilich kann Schlamm unter Umständen auch heilsam wirken und so mag!auch einmal das Schlammbad des Exils in späteren reineren Zeiten als stärkendes Mittel für den alten Körper tles G-ttesvolkes erkannt werden.׳ Grund und Boden gehört auch hier den anderen und den Juden bleibt sonst nichts übrig, als die Schäden mit ihren geringen Hilfsmitteln zur Not immer wieder aus-