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Jüdische Presse · 1925-11-06 · 45 (6.11.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
45 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 298 JflPlSCBfE PRESSE Nt. 45 Zum Wahlkampfe der Juden. I Von Advokat Dr. Wilhelm Welwart, Topolcany. ' Auf ■diie in den •letzten1 Tagen zum Zwecke der Agitation von den Wortführern der ״Jüdischen Partei“ gegen die ״Jüdische Wir tschaf t־s- Partei“ gerichteten Angriffe, sehe ich mich •als Matglied.'der Parteileitung und als derjenige, der den 'etzterf Versuch zur ■Herbeiführung einer . Vefständigütig zwischen den beiden Parteien und der Schaffung cine^Wahlpakt^s gemacht hat, veranlasst, zur Auf• tf All* A»■• . . klärung der Oeffentlichkeit folgendes bekanntzugeben: Die Angriffe verfolgen in der Hauptsache die Tendenz, den Glauben zu erwecken, dass •die ״Jüdisehe Wirtschaftspartei“ eine, von seiten der Regierung 5U91 ,Zwecke der ״Zerstörung der jüdischen Einheit“‘ ins Geben!gerufene ׳Organisation sei, und apostrophieren uns ganz unverhüllt als eine Partei gleich den Canki u. dergl. #, . Vor allen Diti^Ch/weisen wir diese Verdächtlg-ung '־als eine boderiipse, aus böser!Absicht erfundene Behauptung ׳aufs entschiedenste zurück, die keinen anderen Zweck •hat,,יals unsere Partei; in den Augen der Wähler zu misskreditieren.. Unsere Partei• ist ausser dem im Namen; und im Programm besonders beton'ten iFördierlmgder wiiftschaftliohen Interessen ■der Juden miit dem Ziele gegründet worden, die von uns im wohlverstandenen Interesse der gesamten, jüdischen Bevölkerung unserer Republik als schädlich und gefährlich ״erkannte jüdisoh-nationale Bestrebung, das Judentum hier;im;Lande' als eine p 01 i tis ch e M;ind er 11eit snation alit ä t ■ zu ׳Inaugurieren uridädadufch::miit dem(Juclentum ein ■••politisches• Experiment; zu machen,' von der 1Bildfläche der PoMtik g fftndj 1chvuinf... eri d'g.ü.l.ti׳g a b zu seh a f׳i.e׳n, Wi r :Sähen’ies •in ׳ uhSfiiiEiLPrsfen‘: öffentlichen^Verlautklar und unzweideutig ausgesprochen: ״Wir •nicht und' •sollen nicht in .׳diesem Lände •eine’ poiitische Minderheitsnation,alität werden/‘. wollen wollen ■ . ,^ohon als 'im Jahre 1920 ׳zum ersten1 ׳Male, eine jüÄc^e’politische Partei gegründet, wurde^ hatte sie ürspfSng^c$f5}lin;‘Pro||lmM;; id^/dCm heutigen ״Jüdischen ,Wirtschaftspartei“ glich. .;Bloss def zionistische <Uebereifer drängte’die Partei — ent-. gegen dem Willen einer Minorität, ׳der auch ich an- gehörte —-J .in das Fahrwasser' •der schädlichen nationalistischen Politik, die ' ■ ihren Höhepunkt •er; /eiäitijiatte,, als1 ׳die •Parteiledtuhg im vorigen Jahre ■den heutigen Listenführer der Partei,!Dr. Julius Reiss, aus der! Jj*ä£t4, •aus schloss. Schon damals trat ich in Be- Ziehungen zu den!heutigen Führern ,der ,-,Jüdischen Wirtschaftspartei“ in ׳der, .';Absicht; diese, schädlichen und gefährlichen Tendenzen . aus den Kreisen des. Judentums' auszuschliess'en. *Das allein beweist; schon zur Genüge, daSsvriicftt "die Regierung/erst!jetzt die ״Jüdische. Wirtschaftspartei“ •ins Leben riet ' :^rrtjris&e Gegner begnügen sich!jedoch mit dieser Öehadptung nicht. ‘$4^e|1en . weiter und schwärzen uns! vor der׳ Oe.ffentMchkeit •auch mit. der,!Behauptung an,: dass ׳die Regierung unsere ״Jüdische Würtsöhafts- Partei“ fin an z i ere. Die Herren wissen wohl, •dass wir lange •nicht über so viel finanzielle Mittel verfüge״n Wae sie. Sonst1 hätten wir ■wahrlich nicht unter״!assert, ■gleich ihnen in allen ©ezlirken unsere Kandidaten aufzusfeilen.; ..;Sie versuchen, uns auch ׳damit diskreditieren ^u wollen, dass sie uns/• als ׳eine die Regierung u!n t e r stütz e nd ׳e ׳•: P arte!i; hinstellen.!Hiezu bemerke, ich,1 zunächst! dass im Jahre 1920 bei der Gründühg׳ ihrer Partei gleichfalls •ein Gerücht von Mahn. zu Maiin geraunt wurde, die Partei sei •auf Wunsch •der Regierung, gegründet. . •Ich spreche offen aus ■—und. ׳ich; glaube, •dass ich damit •der Gesinnung der überwiegenden Mehrheit der Juden Ausdruck gebe•—־ dass wir insoferne, als' unter,iRegierungsparbei‘‘ d׳as verstanden wird, dass wir dii'e •Staatsmacht durch die!Gründung einer neuen Nationalität im ■Staate nicht schwächen, wollen,1 gern den: Vorwurf, eine •Regierungspartei zu sein, auf uns nehmen,,.obgleich dieser prinzipielle Standpunkt nichts anderes besagt, als dass wir staatstreu, nicht aber um jeden Preis regierungstreu sein wollen. Wtie wenig begründet die Behauptung ist, wiir verfolgen bloss das Ziel» das einheitliche politische Auftreten «der Juden; •bei den Wahlen •zu stören,;beweisen •die Verhandlungen zur Herbeiführung /eiher Biiiiguhg aus den letzten' Tagen» deren ׳Einzelheiten ich hier im wesentlichen der Öeffentlichkeiit übergeben will: Es handelte sich bei diesen Verhandlungen keineswegs um Mandatshascherev sondern darum,, dals verlangt wurde, das gesamte Judentum sollte sich unter dem Narben, ״Vereinigte!jüdische; )Vi;rt־! schaftspartai“ mit dem Programm der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ zusammenschliessen und geschlossen zur Wiahl schreiten. Dieses Programm enthält einen Punkt, der 'die j ü d i s c 11 ־ n a t i 0 n a 1 is t i s c '11 e n B e s t r e b ungen •a u s d r ii c k 1!1 c •h aus der Politik aussc>h 1 ies s t. An •diesem Pürfkt scheiterten ׳alle Versuche, •die Einigkeit während der, Verhandlungen in Bratislava herbeizuführen. Am nächsten Tage׳ ,׳am '(). Oktober, wurden die Verhandlungen in Uzhorod wieder au'fgenommen •und sie endeten in einer Nachtsitzung, die bis 5!Uhr : morgens dauerte, mit dein •Ergebnis, dass man prinzipiell dahin übereinkam, dass •die gesamten Juden unseres Landes mit deih Namen unserer Partei und dem unverkürzten •Programm unserer Partei in den!;Wahlkampf ziehen, •mit; dem Vorbehalt, ,dass im, Laufe des nächsten Tages ■die selbstverständlich erforderlichen juridischen , und politischen Garantien ' für die ׳iinversehrte Einhaltung des Uebereünko’m mens geschaffen würden.״ In diesen Verhandlungen wirkte auf die örthodoxen Vertreter störend und'!Misstrauen1 erweckend die Taktik der 'Ztoriisten, dass sie, trotzdem sie in־• mitten von Verhandlungen standen und in bezug auf .! den ,Namen der Partei׳'bereits •eine' Einigung ■erzielt wurde,!in einigen Bezirken; voreilig •noch• am selben : Abend ihre Kandidatenlisten mit dem Namen• der'; zionistischen Partei •einrejchtCrt •und ׳mit dieser vorwpggenommenen Legalisierung ׳ihrer Partei die jyiiög- '■■;,*lUrXi/• Die jüdischen Nationalisten; kennen keine!! Skrupeln im Wahlkanipfe. Eilt jedes ־ Mittel ist ihnen׳; gut/ um die׳ jüdischen Wähldr irräziifüjhreh. י ,! Sie verbreiten in d.en Zeitungen und mittels. Telegrammen in allen Gemeinden des Landes die falsche und afsolut unrichtige Nachricht, ein Pakt sei /zwischen der orthodoxen , ״Jüdischen Wirtschaftspartei (L1 steNummer 1,9) und der jüdisch-nationalistischen ״Jüdischen Partei“ zustandegekommen, während sie die Wahrheit wohl kennen, dass eine solche Einigung gerade aus ihrer Schuld nicht ermöglicht Svtirde. Es ist nicht w a h r, dass im entscheidenden Bezirk ־— Karpathorussläiid — die Liste der ״Jüdisehen Wirtschaftspartei“ zurückgezogen worden sei. Wahr ist allerdings, dass der Listenführer Marek Ungar aus Prag die Partei im Stiche Hess und Zu "den Zionisten überging. Dieses Vorgehen wird die jüdische Oeffentlichkeit gebührend würdigen. Die Wahlliste der ״Jüdischen; Wirtschaftspartei“ — Nummer 19 — bleibt aber selbstverständlich auch dort wie anderwärts aufrecht Listenführer ist aus Huncovec (Hunsdorf). Das ״Jüdische Nachrichtenbureau Bratislava“ veröffentlicht ׳hiierüber folgendes Tefegramm: NachrdcHt Prager! Blätter, wonach!zwischen' Jüdischer Partei und Jüdischer Wirtschaftspartei Ausgleich zustandekani, .:ist •absolut •unwahr,■ Der Tat- Sache ervtsprieht, dass bisheriger •Listenführer Marek Ungar zu d׳en!Ziioiiisten. überging.!Liste bleibt jedoch unter Führung Hunsdorfer Oberrajbbiners Hörowitz auch in Uizhorod wie anderwärts a1׳t|recht.; . iichkeit der geforderten Garantien erschwerten. Diese Taktik ,und die Tatsache, •dass eine •Parteü, die stich״ bereitfmdet, den K a r d i n alp u n k t ihrer gan-i z e n. b i s 11 e r i. g e n T ä t i g k e i t, die. nationatisti-1 sehen Minderheitsbestrebungen, an• den Nagel zu hängen, auf die anwesenden orthodoxen Vertreter . vertraucnerWeckehid nicht' z« wirken ־ vermochte, < liesseii bei uns die Ueberzeugung aufk&mnien, dass für. die Einhaltung ׳des Programmes die angebotenen Garantien in genügendem Masse nicht gegeben/sind* Damit erschienen auch die Uzhoroder- Verhandlungen als ■gesoheitert. Wie sehr •dieses Mlissfrauen begründet war, wird auch nachträglich dadurch deutlich •be־' wiesen, dass ein Führer der Zionisten in Bratislava, Dr. Leo Sipos, jetzt nach dem Scheitern der Verhandlungen in einem •Zeitungsinteryliew ausdrücklich, .hervorhebt, die ״Zionisten hätten ihr, nationalistisches Programm in!ihrer parlamentarischen׳ Tätigkeit nicht preisgeben wollen. •Das oben bereits;geschilderte ׳,Misstrauen erhielt neue Nahrung durch die erst ׳jetzt bekanntgewordene Tatsache, ,׳dass die Kandidatenliste der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ in Presov infolge von Wahltricks: der Gegenpartei nicht eingereicht wurde. ' D!ie Anklage wegen Zerstörung der einheitlichen jüdiisöhen Wahlfront trifft also nicht unsere, sondern ausschliesslich die Gegenpartei •und ihre Taktik. 1 Wahrscheinlich erscheint mlir, dass das einzige ■erreichbare jüdische Mandat.in Podkarpatsko- Russ von den! ׳jüdischen •Wählern in der Ueberzeugung'. von der• Richtigkeit unserer politischen .Grundsätze dem •Listehführef u n sere f ׳Partei in jenem Wahl- 'bezirke, dem 0׳ berrabb'in er von LLunsdorf, : zu erkannt wird und auf diese!Weise auch manche; andere unserer!Kandidaten 'beim ,zweiten, Skrutinium!. in die Lage komnlensweMen, •im Parlament die ■ Inter■״•' , essen1, des. JTudentuni^. zu . vertreten.; Sollte, lieh’ mich, aber auch in dieser Beziehung täuschen oder sollte diese meine :Hoffnung noch verfrüht sein •und1 keine? : der •beiden!jüdischen Parteien ein Mandat 'erlangen; , auch dann״bekenne/1ich;m׳ioh zudem Standpunkt, dass׳! liebei; k e נ n; jüdischer Abgeordneter . im Parlament;; als;einer, •׳der ■ dort'1־ »üd|soh-nation:ale, Politiktfeiben, : will. ,Denn es list' meiiie 1Ueberzeugung;־: dass; jedwede;; jüdisch-nationalistische: •Bestrebung aus dem politi-/ : sehen . Leben 1 unseres Landes unter allen Umtänderc: •: ausgeischaltet werden muss.;Von dieser meiner Ueber-: zeugung ausgehend, halte .ich ■es...in dieser Stunde. iüJG •geboten, dass die. jüdischen Wähler überall.dort, wo־ i man entweder aus technischen •Mängeln oder (wie in Presov) •infolge der gegnerischen Tricks,, oder . .aber• י aus .Mangel an, Geldmitteln . von der .Einbringung eigener Kandidatenlisten der /Jüdischen Wirtschafte-*•;Partei“ absah, nach, ihreim besten Wissen und׳ Ge wass'e n auf welche •allgemeine •politische Partei; immer ihre Stimme abgeben mögen, un ter׳•kein e h Ums tä nde n sollten sie sich!jedoch dazu verleiten lässen, auf das'Programm der ״jüdischen Partei“ zii, stimmen, weil.sie dadurch mindestens negativ zum־ Ausdruck ,bringen, ׳dass ׳wiir Juden hier!in dieser Republik uns nicht (jüdisch-national-politisoh betätigen' wollen. Dadurch ׳wird offenkundig׳ werden, dass ׳war׳* :• Juden nicht nur ■der S t a a t s •m acht gegenüber,.' sondern ,auch in unserem Verhältnis zur g e s.a m.t e n B e v ü 1 k e r u n g und allen . n a t i 0 n a 1 •e •n und; , .anderen Bevö1׳ k e r •11 ng s g'r u p p i e r 11 n g e n ein .absolut korrektes politisches Verhalten ׳an den Tag legen. Auch diese :Bevölkeriingssohichten werden, dadurch erfahren, dass wir uns keineswegs den politisehen Charakter •einer ״nationalen •Minderheit“ •aufzwingen lassen, der nur dazu ausgenützt werden könnte, ׳uns gegen andere nationale Minderheiten ' als politische Gegenkraft anzuführen, weil, wir von.;denf Prinzip geleitet sind, dass wir •in keinem po׳Mti-> 'sehen Imperium als ״nationale Minderheit“ ihr •Er-; scheinung treten dürfen.' . V . Solohergesfalt erscheint die; p 0111 i s c h e• Neu t r a :l i t ä t d e r J u d e n in unserem Staate;, sonnenklar •und wenn unsere Partei durch :ihre:; poliifcis.che Stellungnahme gegen die ״Jüdische Partei“ auch •nur •died •erreiohenikainn, so werden wir einen vißl^; bedeutungsvolleren politischen Erfolg zu verzeichnen haben, als wenn einige. nationalistisch gesinnte jüdisehe Abgeordnete Sitz und Stimme im tschechoslowakischen Parlament erhalten, weil sowohl die•' jeweiligen Vertreter der Staatsmacht ־ als auch diA Bevölkerung unseres Staates En einer solchen -Neu■״׳

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