Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 45 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45 JÜDISCHE PRESSE ■ Seite 297 Hospödärska strana zidovskä Jüdische Wirtschaftspartei :־: Zsidö közgazdasägi pärt Liste Nr. 19 Der Wahltag׳ naht heran. Am 15. November wird auch darüber entschieden werden, ob Ihr, glaubenstreue jüdische Männer und Frauen, in klarer Erkenntnis Eurer politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen von Eurem Stimmrecht Gebrauch zu machen versteht oder ob Ihr der hohlen, wertlosen, demagogischen Phrase von einem politischen Minderheitsnationalismus zum Opfer fallen wollet. Die ״Jüdische Wirtschaftspartei“ umfasst alle jüdischen kreise, die von der Ueberzeugung durchdrungen sind, dass es ein gefährliches Spiel mit dem jüdischen Namen und den jüdischen Lebensinteressen ist, wenn versucht wird, ohne jede Notwendigkeit in der tschechoslowakischen Republik neue jüdische Probleme künstlich zu schaffen und die jüdischen Einwohner dieses Landes zu einer politischen Minderheitsnationalität umzuwandeln. Die jüdischen Fragen sind innere Angelegenheiten des Judentums und haben mit der Politik des Staates, dessen pflichtgetreue Bürger wir alle sein wollen, nichts zu tun. Wir erwarten vom Staate und von der Gesetzgebung im Parlamente nur die Rechte, die jeder andere Bürger ebenfalls geniesst: den Schutz unserer geistigen und wirtschaftlichen Interessen und die Sicherung der freien Betätigung unserer Religion. Wer sein Auge vor der grossen wirtschaftlichen Not, in der sich fast alle Schichten der jüdischen Bevölkerung befinden, verschliesst und das* jütiehlum in den Kampf der Minderheitsnationalitäten hineinzerren will, statt für die Wahrung der tffrteöhaftliehen Interessen uncl den Schutz unserer religiösen Gemeinschaften einzutreten, begeht einen Frevel am gesamten Judentum und an sich selbst. Wer das alte, jahrtausendelang bewährte Judentum umgestälten will und in das;öffentliche Leben des Staates neue jüdische Fragen hineinträgt, ruft Zwist und Hader hervor und unterwühlt den Frieden des Judentums. Verfassung und Recht in unserer Republik gewähren pns Gleichberechtigung־.:mit>allen Bürgern des Staates, Seien wir. auf der Wacht, dass unsere Rechte nicht verkürzt werden und d$s$ sie im praktischen 'Leben ihre volle Verwirklichung finden, treiben wir aber keinen Missbrauch mit diesem Rechte zum Schaden von Hiinderttäusenden der jüdischen Einwohner und gefährden wir nicht das Wohlergehen und den Frieden unserer Brüder und Schwestern in diesem Staate. Die ״Jüdische Wirtschaftspartei‘‘ fordert Euch alle auf, Eure Stirn men auf die Liste Nit. 1p abzugeben. Wer für 'diese Liste stimmt, der besagt damit, dass er das Programm der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ billigt, welches lautet: j •,־■ ׳ .■׳׳׳ « t ■ ׳ , 1. Wahrung der verfassungsmässig gewährleisteten Gleichberechtigung aller jüdischen Bürger auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. * 2. Besondere Pflege der wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Interessen aller jüdischen Gesellschaftsschi eilten. 3. Mechtsschutz des Binzeinen in konkreten Fällen. 4. Wahrung der religiösen Gewissensfreiheit und der freien religiösen Betätigung• 5• Wahrung der Autonomie der jüdischen Gemeinden auf allen Gebieten. 6• Ablehnung aller jüdisch-nationalistischen Minderheitsforderungen politischer Natur und das Streben nach friedlichem Zusammenleben mit der gesamte^ Etevölkerung. Hier ist in wenigen Sätzen ausgedrückt, was Ihr als glaubenstreue jüdische Bürger dieses Staates vom Staate erwartet. Werdet Buch der schweren Verantwortung bewusst, die Ihr anf Buch ladet, wenn Ihr gedankenlos und leichtfertig zur Wahlurne schreitet• Stimmet auf die Liste B81*. |9 und in bezug auf die Wahl in den Senat, für welche die ״Jüdische Wirtschaftspartei" eigene Kandidatenlisten nicht aufgestellt hat, weil selbst bei Abgabe sämtlicher vorhandener jüdischer Stimmen auf eine Liste die gesetzlieh erforderliche Stimmenzahl nicht zu erreichen wäre, prüfet Eure Interessen und Eure Gesinnung und stimmet nach bestem Wissen und Gewissen auf eine der allgemeinen politischen Parteien, die Eurer Ueberzeugung nach Euch die Gewähr bietet, dass sie nichts unternehmen wird, was dem Judentum Leid zufügen und den Antisemitismus fördern könnte. Unter keinen Umständen aber dürfet Ihr Euch selber untre!» werden und die gefährlichen ,Bestrebungen des politischen jüdischen Minderheitsnatiönalismus in diesem Staate mit Eurer Stimmenabgabe ermutigen. \ Höret nioht auf leere Phrasen! sondern schützet Euch vor Unheil und wahret Eure wirklichen Interessen, die das Programm der ״Jüdischen Wirtsohaftspartei“ allein zum prägnanten Ausdruck bringt. Die ״Jüdische Wirtschaftspartei״ wird die wirtschaftlichen und geistigen Interessen der Gesamtheit, einzelner Gruppen (Geschädigte der Uebergangszeit und dergleichen) und auch des Einzelnen wahren können, wenn Ihr unserem Programm mit Eurer Stimme znm Siege verhelfet!