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Jüdische Presse · 1925-11-06 · 45 (6.11.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
45 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 294 JÜDISCHE PRESSE Nr. 45 den t englischen und 4 palästinensischen Regierungsstellen durch ihre rastlose AufkläruhgS'täKgkeit ׳eine 'Atfliosphäre geschaffen, die die Hoffnung zuliess, - dass England seine Tradition, ■deren glänzendster ׳Punkt die Respektierung des heiligsten menschlichen Gutes, der Gewiisserosfreiheit, ist, nicht verletzen werde. Die ׳orthodoxe 'Publizistik hät die Propaganda gegen den zionistischen Gemdindegesetzent* Wurf in die jüdischen Massen gebracht. Rs hat sich!herausgestellt, dass kein ithoratreuer Jude mit den Tendenzen des Zionistischen Gemdindegesetzentwtirfes einverstanden!sein konnte. Es!fehlte bloss vielen der Mut, einen Gesetzemtwnrf zu bekämpfen, ■der die Zustimmung einer ziomistisehen Behände gefudnen hatte. Aber •einer der glänzendsten schriftstellerischen Begabungen der Agudas Jisroel, Doktor Isak Breuer, trat mit einer Broschüre ״Das jüdische 'National heim“ huf den Plan,. die selbst •in den führenden publizistischen!Organen der nichtjiidischen Welt grosse Beachtung und sympathische Würdigung fand. Die!Klagen und Beschwerden der thoratreuen׳ Judenheit wurden durch eine. ■Petition des Waad Hair!Haaschkenasi der aschkenasisehen Gemeinde, an'deren Spitze Rabbi Chaim Sonnenifeld in ’!Jerusalem stellt, dem Völkerbund dargelegt. Dankbar •muss anerkannt werden, .dass; diie .!Klage über die bedrohte; Gewissensfreiheit Gehör •gefunden hat. Nach •!zuverlässigen■ Schilderungen׳ hat die Petition, die ׳durch;eine Delegation der pbiitisbhen Exekutive der Agudas Jisroel. auch' der^ einzelnen Mitgliedern der';Mandatskommission; überreicht (worden ist׳, auf diese ihre moralische Wirkung nicht veffehlte. Die Orthodoxie, die . bis dahin den Weg 1zu ׳den politischen Paktoren der grossen Mächte ׳kaum noch gefunden hafte, Agudas Jisroel, die bis dahin noch, nicht den; politischen Apparat hatte schaffen ■können, der für eine .Wirkungsvolle diplomatische Arbeit notwendig gewesen!wäre, Agudas Jisroel ׳konnte mir die Waffe des Recht e s und der G e r e c 111׳ i g k e i t in diesem!Kampfe führen. Und es ist ein wohltuendes Bewusstsein, ׳dass ׳der Tag von* Genif nicht nur Agudas Jisroel, sondern auch dem geheiligten Rechte der ׳Gewissensfreiheit einen Sieg gebracht hat. Der grosse Tag von Genf ■wird seine fruchtbare moralische Wirkung in der ■Zukunft beiwähren. Nach ׳der Aeusserung des englischen Vertreters Ormsky-Gore beschäftigt sich.das Colonial Office mit der Vorbereitung eines neuen Gesetzentwurfes über die Rechtsverhältriisse ׳der Konfessionen!in Palästjina^ nach dem׳ der von der Orthodoxie stark frühere Gesetzentwurf endgültig‘ ®urüdeg-ezogen ״worden ist. Jeder,!der die parlamg nt arische Tradition ,Englands kennt, weiss, dass eine, politische Partei׳, die •in einer Wahl die Majorität errungen hat oder der es zumindest gelungen ist, ׳den ■Gegner;zu stürzen, das Anrecht auf Führung oder (Mitbestimmung der; politischen!Geschäfte‘ hat: Da^def 'zionistischer Gesetzentwurf durch den Kampf, den die (Orthodoxie gegen ihn führte, gefallen ist, list zu ■hoffen, dass beider Ausarbeitung; des neuen Entwurfes durch die englische Regierung die nur allzu berechtigten Wünsche der Orthodoxie, .Beachtung finden werden, sei es ■nun in Form des seitens der Agüda vertretenen Gememdegesetzentwürfes, oder in Form ׳eines!Kompromisses miit der zionistischen Organisation, ■der ■den Hauptforderungen der thoratreuen Judenheit Rechnung trägt. lEs wäre verhängnisvoll für uns, Siege zu feiern. Vor der Orthodoxie steht noch eine schwere Arbeit. Die jüdischen!Heimstätten (in Palästina zu einer Heimstätte der!Thora , und Tradition zu gestalten, verlangt hingebungsvolle und opferfreudige Arbeit am materiellen׳ und geistigen 'Aufbau Erez .Israels. Viele von uns sind noch in dem Irrtum befangen, dass es genügt, gegen!die!Gesetzesleugner und Verächter der Thora in Palästina zu kämpfen. Es muss Gemeingut aller,!tboratreuen Söhne unseres Volkes werden, dass die jüdische Heimstätte nur.dann das Heimatland .der Thora und des unverfälschten jüdisehen!Geistes werden kann; wenn sie für den Wirtschaftliehen Aufbau ׳des Vaterlandes mit ungeschwächter Energie arbeiten. .!Dass die (Balfour-Deklaration für die Sicherung ׳der jüdisch-religiösen Werte u'n :Palästina nicht (im auSreichendem Masse Vorsorge traf׳, dieser Mangel entsprang dem allzu optimistischen!Glauben, dass lim Lande ׳der Bibel der Geist ׳der Bibel selbst sich zu neuer wunderbarer Bljite entfalten wird. An uns liegt es, diesen Verhängnisvollen Irrtum wieder gutzumachen. Der!Erfolg von Genf ist ein Anfang. Aber ein Anfang, der uns zu den schönsten Hoffnungen berechtigt und ein Ansporn!ist, mit dem Einsatz aller (Kraft dafür zu kämpfen, dass Erez Israel!seiner w ähren Beistimmung zurückgegeben werde. . In eigener Sache. Es geht wirklich nicht an, den ursprünglich nur im Bereiche der zivilrechtlichen Grundsätze, dass Schweigen1 einem Eingeständnis gleichkomme, nun ohnevveiters auf 1 alle Lebensbeziehungen anzuwenden. Insbesondere möchten׳ ' wir uns "dagegen verwahren; dass all‘!die Angriffe der gegnerischen Presse, auf die wir nicht ■reagieren, auch nur die geringste Spur von Berechtigung!hätten. Will haben da nicht geschwiegen, wo auch pur eine entfernte' Möglichkeit vorzuli.egen schien, den Gegner zu!überzeugen, Wenn es aber sonnenklar ist, dass gegen uns nichts insr Feld geführt wird, als der Pfeil des Hassgiftes ,und der Versuch, die öffentliche Meinung gegen uns einzustellen, so pflegen wir zu schweigen. Wir können dies umso eher tunj als wir überzeugt sind, dass (die abständigen Menschen unter unseren Gegnern sich mit demselben Gefühl des Ekels von diesem Revolverjournjalismus abwenden, wie wir selbst. . . . י . ׳ , Wir beschränken uns deshalb darauf, noch einmal nachdriicklichst folgende Tatsache zur Kenntnis der Öeffent־j lichkeit zu bringen. Noch im Stadium der Verhandlung! wurde zwischen der Zionistischen Organisation und' Agu־j das Jisroel die Vereinbarung getroffen, dass sich die beiden verhandelnden Seiten die Freiheit der Handlung vollstän-i dig Vorbehalten. Eine ander.e Taktik wäre ja auch schlechterdings unmöglich gewesen, denn es war vorauszusehen, dass sich Situationen ergeben würden, in denen es eine . einfache Gewissemspflicht :auf beiden Seiten sei, die Faktoren, die über jüdische Dinge zu befinden haben, zu informieren und aufzuklärehj. So hat!niemand in der Aguda es sich b'eifallen lassen; darüber :ein Wort zu verlieren,. dass Professor Weizmatui sich nach Genf be^ab, .um ד den /Mitgliedern 'dci:^'^a11.i^^o1111ni§sio^r'^beip׳ diejenigen Punkte Vprtrag zu־ halten,׳ die Gegenstand;der VerhandH Jungen zwischen Zionistischer Organisation und Aguda *bildeteri; so hat es sicher Professor Weizmann als selbstverständlich empfunden, dass die Aguda ihren ^Standpunkt an derselben Stelle vertrat. Korrekt denkende Menschen! hätten darin,!nie etwas gefunden, das!im Widerspruch! stünde zu dem augenblicklichen Stadium der Verband- Hingen. > '•■•׳־ Wir haben diesen einen Punkt nur hervorgehoben, um zu zeigen, welche Brunnenvergiftung es ׳darstellt, wenn; man solche Schritte einer!Verbindung mit Hakenkreuz1 und Sowjetstern gleichstellt. Wir wissen, dass man weder in England, noch in Jerusalem, noch in Genf, in diesem1 Schritt etwas Unkorrektes sah, und wir haben, das Vertrauen zu unseren Gesinnungsgenossen, dass sie sich durch hämische Aeusserungen, welche die Diskussion auf;ein anderes Geleise drängen möchten, nicht beirren lassen. Zu ihrer Aufklärung sind diese Zeilen geschrieben. Vom Tage. |®®Q Die ״Wiener Morgenzeitung“ bleibt sich (treu. Seit die ״Wr. Morgenzeitung“ sich als das jüdische ״Weltblatt“ empfindet und empfiehlt, das durch den Ernst seines Auftretens zu einem, führenden,.Organ,;der .offent־ liehen Meinung Europas geworden‘‘, wenden wir der Lek* türe dieser Zeitung jene Aufmerksamkeit zu, die d äs jüdische Weltblatt schlechthin von jedem ’ Juden vertangen darf. Diese Aufmerksamkeit ׳ liess auch dann nicht nach, als der zionistische Parteitag in Oesterreich die politisehe Führung mit Zustimmung des Herausgebers ideg jüdischen Weltblättes unter seine Kontrolle gestellt;!hat. Trotz der Ueberfütterung mit Sensationen ist )es nöd| immer ein nicht alltägliches Erlebnis, ein jüdisches WelH. blatt unter Kontrolle zu sehen. Besonders wir orthodoxe Juden, die gewohnt sindj unsere leibliche Nahrung, soweit sie einer Haschgacha bedarf, nur aus;solchen Bezugsquellen zu decken, die unter der strengen Kontrolle einer verlässlichen' rabbinischen Instanz stehen, für uns׳ war es ein besonderes Vergnügen, nun die geistige Nahrung — und eine Zeitung, die sich gerne als das jüdische Weltblatt ankündigt, sollte geistige Nahrung bieten —, aus Quellen zu schöpfen, die unter Kontrolle {stehen. Die! ״Wr. Morgehzeitung“, das wollen wir freimütig eingestehen, befriedigt uns seit der Verhängung der Kontrolle überaus. Da sie jede Meinungsäusserung, die etwa der Partei unangenehm werden könnte, unterdrücken muss, bleibt ihr bloss die einzige Freiheit,!ihre überschüssigen Energien gegen die Orthodoxie, speziell aber ‘gegen Agudas Jisroel loszulassen. Seit der Einführung der Kontrolle vergeht kaum ein Tag, an dem die Orthodoxie nicht einen Kübel von Unrat als Morgengabe von der unter Kontrolle stehenden Leitung des Weltblättes empfängt. Da wir unsere ן Dankesschuld, die wir gegen die ״WL Morgenzeitung“ empfinden, gerne iri der Form einer regen Abonnenten■* Werbung für das Wiener ״Weltblatt“ abtragen möchten, wollen wir unseren Lesern ein paar bezeichnende Proben! bieten. ״Seit sich wieder jüdisches, Leben regt, ist diese Partei der Ketzerbrater (nämlich Agudas Jisroel) /auch! lebendig geworden; Sie kauft Land und verkauft es mit gutem Nutzen.“ ״Gegen den Zionismus v e r,b r ii d e'rt sie sich mit Vatikan und Hakenkreuz, mit Halbmond und S o w j e t s t e r n.“ ״Die Aguda bricht die selbstverständliche Loyalität und läuft zur .Mandats- Kommission sich beklagen, .... diese Partei .des Verrates und des jüdisch-religiös angestrichenen Antisemitismus.“ Diese Auswahl־ von Zitaten findet sich (bloss im Leitartikel. Aber auch der Nachrichtenteil derselben! Nummer weiss von. den verschiedensten Verrätereien der Aguda zu berichten. Un!d da jede Zeitung, selbst das' jüdische ״Weltblatt“, jenen Leserkreis hat, den {?ie verdient, erscheint Tags darauf eine Zuschrift!aus dem Kreise der Leser, die mit sehlöcht •verhehlter 1Schadenfreude allerhand Interessantes und Pikantes von dem (jüdischen Hilfst *werk, das in schweren Fitianznöten sich befindet, zu erzählen weiss. Selbstverständlich in der frommen 1Absicht, diesem Hilfswerk, das ausserhalb jeder Politik dem jüdisehen Kürde, der jüdischen Jugend, den jüdischen Aus4• Wanderern und den jüdischen Heimatlosen seit Jahren unschätzbare Dienste geleistet hat, materielle Förderung1 angedeihen. jzuv lassen....׳Ja \ das!jüdischeu,,Welthlätt“ .v dag durch den Ernst .־ seines Auftretens zu einem:״,;führenden‘׳'״ (wenn auch scharf kontrollierten) Oragen der öffentlichen Meinung Europas geworden ist, gibt in der letzten Zeit kräftige Proben einer europäischen Moral, \vie!sie das׳ jüdische ״Weltblatt“ ,versteht• Ob der Parteirat mit der Wirkung seiner Kontrolle zufrieden ist, ist :freilich ׳eine andere Frage. Uns genügt. das Bewusstsein, 'dass nun die ohnmächtige Wut gegen die moralischen Werte der Orthodoxie zu solcher Roheit verleiten kahn, die ein jüdisches ״Weltblatt“ auf das niedrige Niveau der antisemitP sehen Hetzblätter herabdrückt, die gleich der ״,Wienier Morgenzeitung“ der Aguda gegenüber das gesamte ,Judentum, ohne hiefür Beweise erbringen zu ,können, äüfs1 schwerste beschimpfen und in den Kot zerren. Herren׳, Knaben׳״ uni Kinderkleider fertig und nach Maas Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von שעטנז wird genauestem geachtet. J. STERN, Wien, XI., Olookengaase 25. T. 46913.! _Beachten Sie die Hausnummer._ Wie ein Familienzwist endete. (Schluss.) Das Mädchen, das die hinter •ihrem ׳Rücken geführte Zeichensprache merkte, wandte ' sich um und sagte entschlossen: ״Ja, ich liebe!Kobele!“ ״Um Gotteswillen!“ rief ■der Alte, ״weiss Gedalijah davon?“ ״Kein Wort,“ seufzte Vögele, ״Kobele getraut sich's ihm gar nicht zu sagen. Eisler hat ja noch’einen härteren Kopf als du. Ich habe ■das mit Kobele schon hundertmal besprochen.“ ״Ein schöner •junger Mann das,“ ruft ׳der Alte, der seine Freude kaum zu verbergen ׳imstande list, aus, ׳״der seinem Vater nicht zu trotzen wagt, wenn er ein Mädel wie dich zur Frau bekommen kann! Bist ׳du denn eine Hergelaufene? . Muss sich nicht jeder Vater ׳glücklich schätzen, so eine Schwiegertochter wie dich zu bekommen? Aber ich kenn’ Gedaljah, er ist ein schlechter Mensch, er sähe!Kobele lieber tot, als in unsere Verwandtschaft gebracht. Auch ich bin mit dem!Sch'iduch nicht einver-' standen; aber wenn es das Glück meines Kindes gilt, füg׳ ich ■mich. Soll’s .meinetwegen Kobele sein, wenn er auch solch einen Vater ■hat.“ Nach •einigen Tagen sprach man allgemein in der Gasse von der nahe bevorstehenden Verlobung Kobeles mit Vögele. Die ganze Gasse war aber in die Intrige ׳eingeweiht. Wer . zu Gedaljah kam. erzählte ihm, wie Srole wüte und was sich das arme Vögele von dem Vater alles ausstehe. Sie werde doch noch vor •der Hochzeit aus dem Hause gehen müssen, denn sie‘ wird’s nicht ■aushalten können, wie er sie sekkiert. Wenn nicht ׳die Mutter zürn Glück schon die Ausstattung versteckt liegen hätte, müsste Sie refn wie ä1!s einem Stein gesprungen unter. die Chnpe gehen ׳und auf die Nedan wird!Kobele schon warten müssen, bis der Alte über hundert Jahre stirbt. Und wer Srolen begegnete, wusste nicht genug zu erzählen von ■den Streitigkeiten, die zwischen. ׳Gedaljah und seinem Sohne täglich und stündlich vergehen. Kobele esse gar ■nicht mehr bei Tische und es ist die Rede davon, dass er sich ganz separieren und den Alten allein ■lassen will, der ii׳h׳m wieder droht, er werde!ihm keinen!Pfennig geben, er solle sich nur an seine neue Mischpoche halten. Beide, Gedalijah und ■Srole, ׳rieben •sich vor Freude die Hände. Jeder glaubte, mit dieser״Verbindung dem anderen den ׳grössten Verdruss verursacht zu haben, und heimlich betrieben ׳beide Väter aufs eifrigste alle Vorbereitungen zur glänzendsten Ausstattung ihrer Kinder ׳und boten alles auf, lim den Verlobungsakt so ׳feierlich als möglich zu machen. ■Srole lud •dazu alle seine Freunde ׳und Gedaljah wieder die seinigen, so dass fast die .ganze Gemeinde geladen war. Für Gedaljah war es selbstverständlich, dass die Verlobung nicht wie sonst üblich ׳im Hause der Braut gefeiert werden könne, war doch ähr Vater gegen diesen Schiduch, und für Srole wieder war es selbstverständlich, dass sie nicht bei ihm gefeiert werden dürfe, weil er dooh die kindlichen Gefühle des Bräutigams schonen müsse, der kein solohes Freudenfest begehen wolle, im Feindeshause seines Vaters. Und so fanden es beide natürlich, dass die Verlobung %ur: •■äüF'«»ey:fe'fdehii־:׳feoden stattfinden könne.׳ ־ Kobele mietete zu diesem Zwecke ■das grosse Restaurantlokal der Gasse und arrangierte alles. Im Speisesaal, wo einige hundert Personen Platz hatten, sollte die Verlabungsfeierlichke׳i׳t ׳vor sich gehen und dann gespeist werden. . . ' , -־.;׳ ׳■ '־ ־ V .v׳; Der; h'iefür,. bestimmte. Abend ,:.war.. herangekommen. Tn'der Mitte ■eines mit weissen Linnen bedeckten langen Tisches, von dem mehrere Kandelaber Dicht über ׳den ganzen Saal ausstrahlten, ׳der von frohgesbimmten Gästen gefüllt war, sassen schon ■der •Rabbiner und der Gemeindenotar mit der Feder hinter dem Ohr und hatten die ׳bereits geschriebenen Verlobungspakten vor sich Hegen. .Da ■wurden die Ttiren an den beiden entgegengesetzlen Seiten des Saales geöffnet und herein traten zu gleicher Zeit von der einen Seite Gedaljah mit seinem Sohn, von der anderen Srole mit seiner Tochter. Als sich die Väter gegenseitig sahen, ׳erschracken ■sie und machten Miene, umzukehren. Da erhob sich der Rabbiner und sprach: ,Meine Herren, das ׳ist der Tag, den Gott gemacht, dieser Schiduch ist ׳vom Himmel, er vereinigt zwei unserer besten Familien, die ■bislang in Streit lebten, zum Schaden unserer Gemeinde. Treten Sie einander näher, beide Väter, und reichen sie sich die Hände zur Versöhnung.“ Stumm ׳und verwirrt befolgten beide diesen Wünsch des frommen Mannes. - ״Einer von uns ist gescheiter als der andere,“ sagte Gedaljah, ■nachdem er wieder zur Fassung gekommen, ,.aber unsere Kinderleben sind gescheiter als wir beide. Unterschreiben wir die Tenoim!“ Sie unterschrieben. Und aus ■der Menge drängte sich die Mutter Vögeles an den Tisch und schleuderte mit' aller Kraft eine!feine Porzellanschale zu ׳Boden, dass sie in hundert Splitter brach, und die Versammlung nief be״־. geistert: ״Masel töw!“ ׳ 1Ein so grossartiges ״Tenoimschreiben“ war׳ seit Menschengedenken in der •Gasse ,nicht gefeiert •worden. Schon tags darauf ׳wurde m׳St der Demolierung des strittigen Häuschens begonnen, um an dessen Stelle einen neuen schönen!Bau äufzüführen, den nach einem Jahre” Kobele Und Vögele als ’ neuvermähltes Ehepaar bezogen.•

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