Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 290 JÜDISCHE PRESSE Nr. 44 »•*»•*»•«MO»•*»•«»*«»•«»•«»•*»•«»•«* TT m cli echosl o w akei I; )•«•«»ft Die Jaden and die Wahlen in der Tschechoslowakei. ln den Wahlbezirken. Die Nachrichten aus den einzelnen Wahlbezirken lauten sehr zuversichtlich. Die Gründung der ״J ü d isehen Wirtschaftspartei“ ruft überall Genugtuung hervor und wird auch von den ,nichtjüdischen Wählern mit sichtlicher Sympathie aufgenömmen. Gegner־ schaft findet sie bloss bei den Zio;nisten, die einen machtigen finanziellen und agitatorischen Apparat gegen sie in Bewegung setzen, gerade in dem Momente, ,da sie —! die bisher in allen Tönen verbreiteten, dass pie sich mit der nichtzionistischen Orthodoixe nicht einmal verhandeln wollen — sich zu sehr ernsten Einigungsverhandlungen; verstehen müssen und sogar zur Preisgabe ihres ganzen bisherigen Programmes bereit finden, um einen Teil der Mandate für 6ich zu erringen. Die Kandidatenlisten der ״Jüdischen Wirt- Schaftspartei“ werden pünktlich überreicht werden. In allen Wahlkreisen sind Kreiswahlkommissionen der Partei an der Arbeit. In Kosice u,nd Presov geht die Vorbereitung rüstig vorwärts. In Podkarpathska Russ ist von seiten der jüdischen Gegner (die Nicht־ juden verhalten sich korrekt) eine Schar von ׳Agitatoren! am Werke, um die unsinnigsten Lügen über •die ״Jiidi־. sehe Wirtschaftspartei“ auszustreuen. Immer wieder tauchen irreführende Flugzettel auf, wonach eine Einigung zwischen den Orthodoxen und den Zionisten zustande gekommen sei. Damit wird nur eine Hemmung, ,in dei? Aufklärung der Wähler in den kleinen Orten!beabsichtigt, ln der gesamten jüdischen Bevölkerung fängt man jetzt an zu begreifen, dass es sich bei diesem Wahle kämpfe um die Entscheidung über die zukünftige ,Gestaiturig des innerjüdischen Lebens handelt. Der Ausgang derWahlen hängtau sschliesslich davon ab, ob die orthodoxen Massen in der Ostslowakei und Podkarpathska Russ im e n t־< scheidenden Augenblicke sich selbst und ihrer eigenen Gesinnung treu bleiben werden. Die ),jüdische Wirtschaftspartei“ in Bratialava. (JNP,.) Am 24. Oktober fand in ^jpatipiavaj eine aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung stark besuchte Vorbesprechung über die Stellungnahme der Juden zu den bevorstehenden Wahlen statt. Herj;Markus' Fürst, Präses des Zentralkomitees der ״Jüdischen Wirt', schaftspartei“, eröffnete die Sitzung mit einer schwungvollen Ansprache, in der er den Standpunkt, der 01{th0f doxeu Juden zu den Problemen des staatlichen Lebens däriegte und auf Orund der Prinzipien das .Programm( der ״Jüdischen Wir,tschaftspartei“ erläuterte. Er schilderte die Zustände, die sich im Verhältnisse der Juden 'in unserer Republik zu den nichtjüdischen Bürgern infolgei der von den Zionisten bei allen Gelegenheiten JU1 den Vordergrund gerückten nationalistischen Bestrebungen entwickelten und wies mit besonderem Nachdruck auf;die? innerjlidischen Gefahren hin, die entstehen müssten, wenn die jüdisch-nationalistischen Bestrebungen durch die Wahl von zionistischen Abgeordneten in das Parlament einen Schein von Legitimität erhalten würden, obgleich es bekan!nt ist, dass nur ein verschwindend geringer Bituch־! teil der Juden solche zionistische politische Forderungen billigt. Redner beantragtdeshalb, dass alle Juden, £ofern sie die jüdisch-nationalistische Politik nicht geförf» dert wissen wollen, sich in der ״Jüdischen Wirtschafte-1 partei“ vereinigen und für das Programm dieser Partei eintreten sollen. Zur Durchführung der Wahlen solle sich in Bratislava auf der Stelle ein Lokalwahlkomitee konsti־* tuieren. Die Ausführungen des Rednere fanden rauschenden Beifall, Herr Eduard Schienger beantragt, noch einmal den Versuch zu machen, die Zionisten von jhr!en, auch von ihm perhorreszierten nationalistischen Bestrebungen abzubringen und auf diesem Wege eine geeignete ,Wahlfront aller Juden herzustellen,* da es doch klar sei, dass nur eine kaum in Betracht kommende geringe;Anzahl von Juden auf eine eventuelle zionistische Sonderliste •stimmen würden, wenn eine jüdische Partei mit;einemj Programm, wie die der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“, auf den Plan tritt. Er mahnt die Parteiführer z׳ur Vorsicht und zu gegenseitigem Entgegenkommen. Ihm erwiderte Herr J. J. Braun, indem er den Beweis erbringt, das6j die!orthodoxen und nichtzionistisch orientierten Juden Jahre hindurch in weitestgehendem Masse bis an!die äusserste Grenze der zulässigen Geduld und Nachsicht gegen die schädliche Tätigkeit der Nationalisten untef den Juden geübt haben. Der grösste •Teil der Judeijl tritt nicht gern als Juden in den!Wahlkampf ein, er sei aber durch das selbständige Hervortreten der Zionisten und ihrer ganzen Tätigkeit, während der letzten ,Jahrö! genötigt, durch die Gründung einer den jüdischen Interessen entsprechenden Partei den jüdischen Wählern Gelegenheit zu geben, ihren Anschauungen bei der Abstimmung einen adäquaten Ausdruck zu verleihen. Unte!1 stürmischem anhaltendem Beifall wurde darauf die Grün' düng der ״Jüdischen Witfschaftspartei“ und die Konstituierung eines Lokalkomitees in Bratislava einstimmig ausgesprochen. Ein Komitee von 180 Mitglieder^, in dem alle Interessenkreise unter den Juden vertreten sind,;würde darauf konstituiert. Zum Präses des Lokalkomitees wurde Herr David Kraus, Präsis der jüdischen Gemeinde, ein■* stimmig gewählt. ... Die ״JHtflscfie Wfrtschaffspartel“ in Nitra, Die Nach־ rieht von der Gründung der ״Jüdischen Wirtschaftspartei/‘ hat auch hier grosse Begeisterung in allen Kreisen aus- •gelöst, Sofort hat sich ein LokaTwahlkomitee aus allen jüdischen Interessenten gebildet, das die Aufgabe über nommen hat, die Organisierung der Wähler und die Pro?, paganda durchzuführen. Der Leitung des Komitees ge* hören an die Herren: Grundbesitzer Kobi Adler, Ju־ welier Jul. Schick, Spenglermeister Wilh. Deutsch, Kaufmann Hilel •Klein, Jos. Barna, Kaufmann Viktor Linkenberg, Tapezierer und Möbelhändler M. Gold־ mann, Kaufmann Joel Neuwald, Kaufmann Willi. W e i s z sen. u. a. ׳ Die Zionisten und die Wahlen. (JNB.) Wälirend die Zionisten und politischen Nationalisten noch in einer vor kurzem in Trencin abgehaltenen Landesversammlung zur Vorbereitung der Wahlen den Beschluss fassten, über den Kopf der orthodox-jüdischen und der sonstigen nicht nationalistisch orientierten jüdischen Bevölkerung hinweg und ohne deren Befragung gesondert in die Parlaments־ wählen zu ziehen und dementsprechend auch ihre Wahl־ listen bereits zusammenstellten, hat die Nachricht von der Gründung einer orthodox orientierten allgemeinjiidi,־' sehen nichtzionistischen Wahlpartei, der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“, im zionistischen Lager vollständige Ver־ wirrung hervorgerufen. Die in, der ״Jüdischen Wirtschafts־ partei“ vereinigten jüdischen Bevölkerungsschichten ver־ hielten sich bisher in bezug auf die Landespolitik äuSserst reserviert und sahen teilweise aus prinzipiellen und an־ derenteils aus praktischen Gründen von der Zusammen־ fassung ihrer Anhängerschaft in eine politische Partei ab. Die zionistischen Juden glaubten sich demnach auch jetzt allein in ihrer Werbung um die jüdischen Stimmen, die ihnen unter populären Wahlparolen vielleicht auch in der Tat zugefallen wären und zu ein oder mehreren Mandaten verholfen hätten. Sie wären dadurch in die Lage gekommen, mit einem Schein‘ von Anrecht im Paria־ ment Ideen und Forderungen im Namen der jüdischen Wählerschaft zu vertreten, die der jüdischen Bevölkerung ganz und gar nicht genehm sind. Die ״Jüdische Wirt•־ schaftspartei“ hat diesen Illusionen ein Ende bereitet und schafft überdies mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit^־ rechnung die Aussicht, Abgeordnete ins Parlament zu bringen, die zu der nationalistischen Politik der Zionisten1 im programmatischen Gegensatz stehen. Um .ihre Situation einigermassen zu retten, nahmen sie nach dem Erscheinen des Programmes und des Wahlmanifestes der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“, von der Existenz einer nichtzionistischen jüdischen Wählerschaft Kenntnis und Mittelspersonen fan* den sich natürlich gleichfalls, um einen Ausgleich zwischen den beiden jüdischen Parteien, bezw. deren Fusion und Einigung auf ein gemeinsames Programm herbeizuführen. Während des am 25. Oktober in Bratislava tagenden Zentralwahlkomitees der ״Jüdischen Wirtschaftspariei“ erschienen die obersten Führer der jüdischen Nationalisten im Sitzungssaale, um Verhandlungen in dieser Beziehung;zu pflegen. Es waren dies die׳;fierren: Dr. .Ludwig Singer (Prag), Präsident des zionistischen ״Jüdischen National* rates“; Dr. Angelo Goldstein (Prag); Dr. Leo Sipos (Bratislava), Listenführer der Zionisten, in Brati־ slava; Dr. Bernat Fürst (Bratislava); Dr. Karl Ferbstein, Listenfiihrer der Zionisten in Presov; Herr H. Willner (Presov); Ludwig P r e i s, Präses der. ortli. Gemeinde in Presov und Dr. Hilf, Präses der jüdischen Gemeinde Olmütz. Von seiten der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ waren anwesend die Herren: Oberrabbiner Weber (Piestany), Oberrabbiner H i r s c h I e r (Modra), Markus Fürst, Präses des: Zentralwahlkomitees der ״Jiid. Wirtschaftspartei“ in . Bratislava, . Gaspar B i n e 111 e r (Nove Zamky), Salomon G r o s s und Salomon P o 11 a k (Trnava), Dr. Wellwart (Topolcan), Dr. Salomon Rotte r (Bratislava), Moritz Po llak (S.ala n. V.Yy Wilhelm Reich (Trnava),.1 J. J. Braun (Bratislava);, Ludwig W i e s e n b e r g , (Kosice), Heinrich Schwarz! (Bratislava), Alfred Rosenbaum (Bratislava). Den Vorsitz führte Herr Markur Fürst. Nach mehrstündigen, teilweise sehr erregten Verhandlungen, die sich bis spät in die Nacht hinein zogen, endete die Sitzung ohne positives Resultat. Der Vorsitzende schloss die Sitzung mit der Konstatierung, dass eine Einigung auf ein gemeinsames Programm zwischen der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ und! den Nationalisten wegen unüberbrückbarer prinzipieller Gegensätze sich als unmöglich erwies. Namens der Zionisten gab Dr. Angelo Goldstein, Prag, eine Schlusserklärung mit gleichem Wortlaute ab. Nach Schluss der Sitzung fanden noch zwischen einzelnen Vertretern beider Gruppen private Besprechungen statt, die aber — nach Informationen aus! zuständiger Quelle — ebenfalls ohne Re־ sultat blieben. 1,Wahlmanöver In Podkarpatsko Russ. (JNB.) Wie. sämtliche Zeitungen aus Podkarpatsko Russ melden!, tauchte dort vor einigen Tagen der Bratislaväer Advokat Dr. Julius Reiss als Anwerber auf das jüdische Mandat auf. Bei den vorigen Wahlen kandidierte er als Listen־ ftihrer der ״Jüdischen demokratischen Partei“, die auch unter den orthodoxen Gegnern der Zionisten zahlreiche Anhänger fand. Diesmal ist es der offizielle Listenfiihrer der Zionisten, deren Gunst er sich durch reiche Spenden für das vor kurzem von den Zionisten errichtete Gym־ nasium in Munkacs erwarb, Aus taktischen Gründen ver breiten jedoch die Zionisten und wohl auch er selber1, er sei als Vertrauensmann der Orthodoxen dorthin ge* kommen und werde von den Zionisten nicht in erster Reihe kandidiert, sondern als Konzession an die Ortho־ doxen unterstützt. Auf diese Weise soll der Anschein erweckt werden, als ob der zionistische Listenführer vom beiden einander gegenüberstehenden Wahlgfuppeh kandidiert werde. Wie dem JNB. von absolut autoritativer Seiner mitgeteilt wird, ist diese ganze Art des Auftretens de« zionistischen Listenführers Dr. Reiss, nichts anderes als ein Wahlmanöver. Dr. Reiss wurde von den riiehtzionisti־• sehen Orthodoxen in keiner Weise empfohlen und wirdi von ihnen auch nicht als Kandidat nominiert. ׳ Die Zionisten und־ die Wirtschaftsinteressen de« Juden. (JNB.) Nach der. Gründung der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“ befolgen die Zionisten zweierlei Taktik. Einesteils haben sie ihr jetzt verlautbartes neues Pro* gramm auf Wirtschaftsinteressen eingestellt, und die nationalistischen Tendenzen in wenige einzelne unklare Rede- Wendungen gehüllt, andererseits aber versuchen sie im Gegensätze hiezu, das Vorhandensein gemeinsamer jüdischer Wirtschaftsinteressen zu leugnen und das Programm' der ״Jüdischen Wirtschaftspartei“, das die jüdischen Man* datare verpflichtet, die ökonomische Wohlfahrt der Juden mit den Mitteln der Gesetzgebung zu fördern, zu. verhöhnen. Das führende zionistische Bratislavaer Organ, die ״Jüdische Voikszeitung“, schreibt hierüber folgende kennzeichnenden Sätze: ״Jüdische Wirtschaftspartei“! Ja־ wohl, es gibt eine jüdische Wirtschaft. In den von den sogenannten orthodoxen Führern inspirierten Körper־ schäften. Ansonsten gibt es nur Wirtscliaftsinteressen gewisser Stände, ohne Rücksicht auf Konfession, Nationalität und staatspolitische Richtung. Laut der von diesen Führern gepredigten Auffassung sind wir Juden keine Minorität, weder eine konfessionelle, noch nationale, noch kulturelle. Aber die Wirtscliaftsinteressen der Juden, die jüdischen . Wirtschaftsinteressen, wollen sie unter dem Gesichtswinkel einer jüdischen Separatstellung behandeln. Die jüdischen Schuster in der Pressburger Jüdengasse, die bisher ihre Erwerbsinteressen im Rahmen der allgemeinen Schusterkorporation und mit Hilfe derselben wahren, werden von; nun ab, wenn sie sich verkürzt glauben sollten, nicht zu dieser Korporation gehen, sondern zum Rabbiner. Es wird daher in Erwägung zu ziehen sein/ ob in Zu־ lcunft in der slowakischen Jeschiwoth, nebst den י Disf' ziplinen des Rituals usw., nicht auch solche über Fuss־ bekleidung eingefiihrt werden sollen. Es gab ja unten den Schöpfern des Talmuds auch Schuhmacher, auf welche die jüdische Geschichte mit Stolz hinweist. Aber diese! dürften aus der Verbindung des Schustcrgewerbes mit) der Talmudgelehrtheit kaum das Substrat zu einer anti־ jüdischen Parteibildung geschöpft haben.“ Die Sonntagsruhe in der Tschechoslowakei. Dem ״Prager Tagblatt“ vom 25. Oktober entnehmen wir die folgenden, die weitesten Kreise der Judenschaft lebhaft interessierenden Mitteilungen über den gegenwärtigen! Stand der Sonntagsruhe-Frage: Die Sonntagsruhe in den Handelsgewerben. Die. Prager Kammer hat als Resultat der bisherigen Ermittlungen ein Referat au$gearbeitet, in welchem die Forderung erhoben wird, dass keine weiteren Einschränkungen der bisher gestatteten Sonntagsarbeit in den Handelsgewerben platzgreifen, wo hieftir keine Voraussetzungen wären und wo sich insbesondere für die Arbeitsruhe nicht mindestens eine Zweidrittelmehrheit der interessierten Kaufleute und Gewerbetreibenden.aussprecheu würde, ln jenen Städten und Orten, wo berechtigte Be-: schwerden gegen die bereits eingeführte Sonntagsruhe erhoben werden und wo keine Zweidrittelmehrheit der. Kaufleute und Gewerbetreibenden für dieselbe besteht, soll . die Einschränkung der kaufmännischen Arbeiten wieder fallen, bezw. die Zeit des Sonntagsverkaufes nach den .speziellen Verhältnissen des betreffenden Ortes neu ge,־ regelt werden. Im allgemeinen sollen die Vorschriften!. über die Sonntagsruhe; welche den ״'heutigen Verhältnissen,׳ nicht mehr entsprechen, einer Revision unterzogen werden. Zuschriften der Redaktion. Das orthodoxe Judentum und die Wahlen. Auf die in unserer Zeitung von unserem Mitarbei' ter Helevi erschienenen Bemerkungen über das Verhalten der religiösen Orthodoxie gegenüber den bevorstehenden Wahlen, ist in Nr. 41 des in;ungarischer Sprache erscheirienden Uzhoroder zionistischen Organs ״Zsido Neplap“ von einem ״Ben Nathan“ ein Gegenartikel erschienen. Wir geben hiezu unserem Mitarbeiter nochmals das Wort, ohne uns mit allen Einzelheiten seiner Ausführungen iden1־ tifizieren zu können. ״Es ist nicht meine Gewohnheit, mit zionistischen Blättern zu polemisieren. Diesmal will ich mit!dem in Uzhorod erscheinenden ״Zs. N.“ eine Ausnahme machen, nicht etwa, weil er mich in seiner;letzten Nummer direkt apostrophiert, sondern weil ich mich verpflichtet. .fühle; die Unrichtigkeiten des Artikelschreibers bei der Wiedergäbe meiner ^Ansichten richtigzustellen. Ich habe niemals in Abrede gestellt, dass wir Juden in der Diaspora überall, also auch in der Slowakei, eine Minorität sind. Ich gebe auch zu, dass wir uns nach innen auch als ״Nationalität“ bezeichnen können, nati'in lieh in dem Sinne, dass wir als Angehörige des. G־ttes־ Volkes ein thoratneues Leben führen müssen. Wir. treh ben aber keine Nationalitäten- und keine Minderiieits-i Politik. Eine solche Politik hätte für uns keinen Werty Es fehlen hiezu auch die Grundbedingungen. 1. pie Juden׳ wohnen nirgends in unserem Lande in einer ׳Anzahl,: die ihr gestatten könnte, zu erstreben, eine ,Majorität zu werden. 2. Nirgends bildet der Boden 'zum grössten Teil jüdisches Besitztum. 3. Es existiert kein :Staat( in Uer Welt, dem clie Aufgabe zufiele, für die jüdischem Bürger anderer Staaten und deren Interessen einzutre' teil. Wir sind auf das Wohlwollen des Staates angewiesen! Obzwar wir in jeder Beziehung Gleichberechtigung beanspruchen, als jüdisch lebende Juden haben wir 'jedoch auch besondere Wünsche. Wir streben darnach, dass 'der Staat ujjs ein Leben im Sinne unserer!Religion auf allert Gebieten — im Wirtschaftsleben, bei Gericht, in den Schulen usw. ermögliche. Wir bitten um die Erfiilhing unserer Wünsche, weil wir wissen, dass •wir darum nur bitten können und nicht etwa deshalb, als ob uns —- Avie die Zionisten es darstellen — ■van Selbstbewusstsein mangelte. Wir thoratreu lebenden Juden haben wohl ein jüdisches Selbstgefühl, denn wir haben auch den Mut, vor aller Oeffentlichkeit unserer!spezifisch jüdischen Lebensweise treii zu bleiben, während diejenigen, die immer nur laut schreien, sie haben jüdisches! Selbstbewusstsein, sich in Wirklichkeit so geben, dass man weder an ihnen selbst noch an ihrer häuslichen Lebensfiihrung zu erkennen vermag, dass sie —• Juden sind. Die orthodoxe Landesorganisation ist nicht politisch — und doch wird sie von den* Zionisten zur Zielscheibe ihrer Anfeindungen genommen. Wenn keine anderen; Gründe da. wären, würde dies allein auch schon zur! Genüge begründen, ־ dass die Orthodoxie jede Gemein- Schaft mit den Zionisten ablehne. ׳ In einem Punkte hat aber Ben Nathan .׳recht: darin nämlich, dass der Wähler bei dem heutigen Wahlsystem