Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 44 JÜDISCHE PRESSE Seite 289 Vom Tage. jabotinski hofft auf die neue Jugend. Seinen grossen Vortrag im Bliither-Saale in Berlin Schloss Jabotinski, der Führer der zionistischen Revisionisten .mit dem Satze: ״Die gegenwärtige Zionistengeneration sei steril» es müsse eine neue Generation kommen, eine neue Jugend.“ Herr jabotinski ist in Opposition nicht nur zu der zionistischen Organistion, sondern fast zu den ganzen bestehenden Weltlordnung. Er ist ein Revisionist lind er verlangt nicht!nur eine Revision der zionistischen Organisation, sondern der ganzen bürgerlichen Weltordnung. So umstürzlerisch, so revolutionär auch Herr Jabotinski sich gebärdet, J30 muss festgestellt werden, dass seine Feststellung, dass die gegen־* wärtige Zionistenigeneration steril sei und es müsse ׳eine neue Generation kommen, eine neue Jugend, nichts neues enthält. Vor dreissig Jahren zogen die Propheten des jüdischen Nationalismus mit dieser Losung gegen die ji'idisehen religiösen Massen los, die von dem europäischen( areligiöseti Nationalismus nichts wissen wollten. Tatsächlich kam die .neue Jugend, die die Hoffnung der nationali־■ stischen zionistischen Idee, das Unterpfand ihrer Verwirklichung war. Eine kurze Menschengeneration genügte, und der neue Abgott der jüdischen Jugend, Herr Jabotinski, hat die gegenwärtige Zionistengeneration mit dem Makel der Sterilität belegt. Herr Jabotinski bestätigt ,1111willkürlich jenes Axiom der jüdischen Geschichte, die uns le!hrt, dass nur jene bleiben und blühen, die unter den! Kindern Israels der Thora treu blcibe'n'. Alle jene, die ihre Wege verlassen, welken nach kurzer Blüte, sie werden steril. Herr Jabotinski hofft auf die neue Jugend. Mag er auch in den nächsten Jahren einen ,grossen Zulauf in den Kreisen der jüdischen Jugend haben, ■seine Hoffnung kann nicht verwirklicht werden. Herr Jabotinski steht nicht auf dem Boden der Thora :und der jüdischen Tradition, auch seine Jugend, auch seine Generation muss steril werden und von dem frischen Baum des thoratreuen jüdischen Volkes als dürrer Ast abfallen. 1 Der Prozess Steiger. Der Student Steiger wird beschuldigt, gegen den Präsidenten der polnischen Republik ein Attentat begangen zu haben. Der Prozess, der nach vielen Monaten einer qualvollen Untersuchung zurzeit in Lemberg geführt wird, steht im Mittelpunkt des jüdischen Interesses. Der Prozess Steiger ist nämlich kein .Straf•!■ prozess, sondern ein politischer Prozess ersten Ranges: Die Tatsache des Prozesses an und für!sich ist geeignet, dem Judentume schweren Schaden zuzufügen. Zum Glücke meldete sich der wirkliche Attentäter, der geradezu stolz auf seine Tat ist, die er als Ukrainer als nationarte Tatj bezeichnet. Dieser Attentäter namens Olszanski flüchtete sich hach der Tat nach Deutschland und somit konnten die deutschen Behörden der Gerechtigkeit eine Gasse öffnen. Der preussische Artinister des Innern Severin hat auf eine Interpellation folgende schriftliche Antwort erteilt: ״Das Staatsministerium wurde gefragt: 1. Wieviel von: diesem Sachverhalt preussischcn Polizeibehörden bekanntgeworden; 2. ob Veranlassung genommen worden sei, diese Kenntnis an die polnische Staatsregierüng weiterzuleiten. In der Antwort des preussischen Ministers des Innern! wird, wie der Amtliche Preussische Pressedienst mitteilt, folgendes ausgeführt: Zu 1. ״Die auf Grund der kleinen Anfrage angestellten Ermittlungen haben folgenden Sachverhalt ergeben: Am; 3. Oktober 1024 nachmittags wurde der Studerijt Theophil Olszanski, geboren nach seiner Angabe am 17. März 1005 in Chyrow (Polen), ukrainischer Staatsangehöriger, wegen unbefugten Grenz- Übertritts durch Beamte des Polizeiamtes Beuthen (Oberschlesien) festgen.ommen und eingeliefert. Bei seiner polizeilichen Vernehmung am gleichen Tage hat Olszanski c r k 1 ä r t u n d durch e i g e n h ä 11 d i g e Namens- Unterschrift bestätigt, dass er aus Polen geflüchtet sei, weil er vor einigen Wochen an einem Freitag nachmittags gegejii 3 Uhr ein Attentat auf den p o 1 n i s c h e n S t a a ts p r äs i d eil t e n W oj c i׳e c h o ws k i in Lemberg verübt habe. Er habe auf den am Mariatzkyplatz in Lemberg vorbeifahrenden Staatspräsidenten eine Bombe geworfen. Den Auftrag hieztf habe er von der ukrainischen Organisation (Ukrainska- Wischkowa-Organisatia) erhalten. Gleichzeitig machte Olszanski genaue Angaben über eine Reihe von;Personen, die ihm bei seiner Flucht aus Polen be■ hilf l ieh gewesen seien. Bei seiner gerichtlichen! Verneh m u n g hat Olszanski in der öffentlichen Sitzung des Amtsgerichtes Beuthen am 4. Oktober 1024 diese Angaben vor dem Richter wiederholt. Das Gericht hat sein Geständnis für glaubhaft erachtet Zum Wochenabschnitt■ Der Mitläufer. Es ist das Schicksal aller!Parteien, dass sie in den Reihen ihrer Anhänger solche Menschen wissen, *die aus dem oder jenem Grunde sicli der Partei angeschlossen haben, in denen aber ■das Wesen des Programmes :nicht zum vollen Eigentum der lUeberzeugung geworden ist. Solche Mitläufer laufen Gefahr, in kritischen Stunden •der Fahne, der sie bisher folgten, untreu zu werden. Es ist aber durchaus nicht an dem, ׳dass derartige Menschen durchaus wertlos sind, im Gegenteil, es bergen sich ln ihnen Werte, ■die in absehbarer Zeit in ihnen oder ihren Nachkommen sichtbar zutage treten, um der Welt vieles, sehr vieles zu geben. Das ist der ■Sinn des Wortes unserer Weisen, dass man Lot nicht gering schätzen sollte, denn einer seiner ■Nachkommen war König ■David. ׳Es ist über jedem Zweifel ׳erhaben, dass der prophetische Blick Abrahams seinen Schwager und Neffen Lot ganz genau erkannt hatte und ׳in Erkenntnis dessen, was in Lots Wesen beschlossen lag, nahm er ihn mit sich. Es mag ja sein, dass Lot ganz unter ■dem ragenden Einfluss der Perönliehkeit Abrahams stand und er bewundernd zu ihm aufblickte, und das iLebensprogramm Abrahams, Altäre zu bauen, und das Wesen des Allmächtigen z׳u verkünden, auch zürn!Inhalt seines Daseins zu .machen ׳zu versuchen, mit Abraham, ein Suchender zu werden;. denn auch Abraham wusste ja nicht, welches Fleckchen!Erde der Allmächtige ihnen zeigen wollte. lEr ging auf die Stätte, auf der später ,Sichernsjch erhob, um an der Stelle, an der später seinen Nachkommen das׳ erste!Leid der scheinbar Schutzlosen widerfahren sollte, seinen Altar zu bauen, und Lot war dabei, Kenaani, der unerbittliche Feind und Olszanski wegen unbefugter Grenziibersclireitung zu einer Gefängnisstrafe yo!n 2 WioGlfen und zu den Kosten! des! Verfahrens verurteilt. Es wurde ihm Strafaussetzung bis zum L Oktober 1926 unter der Bedingung ,gewährt, dass er alsbald eine Geldbusse von 30 Reichsmark; bezahlte. Bei der Bemessung der Strafe:; hat das Gericht als strafmildernd berücksichtigt: seine Jugend, sein Geständnis, ferner, dass er durch Vorlegung von Aüsweispapieren seine Person glaubhaft ausgewiesen habe, und dass er ein p o 1 i t i s c her F 1 ü c h 11 i n g sei. Olszanski hat sich an! 15. Oktober 1924 in B erlitt unter Vorlage einer Bescheinigung des Amtsgerichtes, Beuthen des Inhalts, dass er politischer Flüchtling sei, o f d 11 u n gsm ä s s i g angemeldet. Seine Berliner Adresse hat er alsbald dein Amtsgericht Beuthen mitgeteilt. Am 2. September 1925 hat Olszanski sich von Berlin nach Marieiibti r g abgemeldet. Von Marienburg ist er wieder nach B e r 1 i n abgemeldet, ohne jedoch bisher in s e i h e f r ii- Here Wohnung z u r i't c k g e k ehrt zu sein. Die Ermittlungen nach seinem gegenwärtigen Auf enth a 11 s o r t sind noch nicht abgeschloss e n. Zu 2. Ob der vorstehend geschilderte Sachverhalt zur Kenntnis der zuständigen polnischen Behörden gebracht worden ist, ist gegenwärtig noch Gegenstand von Ermittlungen. Unabhängig davon habe ich jedoch im Hinblick auf das in der Anfrage erwähnte Verfahren gegen den Studenten Steiger in Lemberg das A u s w ä r t i g d Amt gebeten, den zu 1. geschilderten Sachverhalt mit tunlichster Beschleunigung zur Kenntnis der zuständigen polnischen Dienststellen zu bringen.“ Er wäre aber fälschlich, zu glauben, dass nach dieser klaren Antwort für uns der Prozess Steiger. utmfmehr kein politisches Interesse hätte. Das Judentum ist vielmehr sehr daran interessiert, ob die polnische Justiz den ,Mut hat, der Gerechtigkeit freie Bahn zu schaffen. Fiat Justitia, ln dieser zerrütteten Welt ist sie, die Gerechtigkeit, erst recht der Kulturmesser der Staaten. Rabbi Os'cher Marx ,זצ״ל Und so sinkt, eine ragende Säule nach der anderen. Einer der letzten von denen, die unentwegt und unerschrocken sich in die erste Reihe( der Kämpfer gestellt sahen, als nach den betäubenden Schlägen durch Reform und Emanzipation die 014!10ל doxie auf sich selbst zu besinineti anfing ist dahin:,' denn Professor Rabbiner . Dr. Marx bedeutete nicht nur! für Darmstadt und das Hessenland eine unauslöschliche Phase der Entwicklung, er war ein Programm für Deutschland. Mit reichen Gaben ausgestattet und im Besitze eines1 tiefen Wissens,, getragen von dein Ernst einer tiefen Ueberzeugung, Meister eines unbeugsamen Willens, so :ging Rabbi Öscher Marx durch das Leben. Schwere'Schicksalsschläge trug er wie ein guter Jude, furchtbar ernste! Situationen, ■für Thora wort und Thorageist zwang er!mit der opferfreudigsten Hingabe. Die Geschichte wird ihn einreihen zu den 'Heroen der sieghaft kämpfenden Ortho־ doxie. Sein Angedenken ist und bleibt ein Segen. Wien. Sonntag, 1׳ חשון fa״d 'die ה לו יה des Herrn Weiss משה יואב ז״ל aus ,Mattersburg statt. ,Herr Rabbiner Baumgarten, Rabbiner Jeruche m, Rab־ biner Benedikt und Herr E. H ö n i g s b e e r hielten □ הספרי die die zahlreiche Zuhörerschaft tief erschüttert ten. Der נפ ט ף, der nahezu ganz ■Mattersdorf zu׳ seinen Schülern zählte, war das Muster eines pflichttreuen׳ מלמד. Selbst ein grosser תלמיד חכם verstand er es mit dem Unterricht im Lernen, den Anschauungsunterricht zu verbinden. Man musste ihn sehen, um: Achtung und Liebe zu gewinnen für das Wesen eines echten יהודי. Seine ausgezeichneten Eigenschaften, tiefe יראה, Be־ scheidenheit, Dienstwilligkeit wirkten beispielgebend. Der ם ת wurde nach Mattersdorf überführt, wo die ganze Gemeinde an der הלויה teilnahm. Im בית המד׳ wurden הקפות gemacht. Oberrabbiner Ehrenfeld und Rabbiner Ben e-. di kt hielten □הספרי, denen die tieferschütterte Ge־ meinde andächtig lauschte. Jerusalem. Aus Jerusalem kommt die Trauerbot־ schaft,. dass Deutsch, ח מ א נדל daselbst an den, Folgen eines Bienenstiches gestorben sei. Der Verblichene זצ״ל, der in Topolcsany eine lange Reihe von Jahren^ in verdienstvollster Weise als Jugendbildncr gewirkt und ganze Generationen zu חורה ויראה erzogen hat, war vor zwei Jahren nach Jerusalem gegangen. Seine* des Seins und der ׳Seele Israels, schweifte damals nomadi-' siereiiid durch das Land. Weiter ging Abraham in das Gebiet, auf dem sich später Schuld und Sühne des jiid'isehen Kindes in furchtbarer Weise vollziehen sollte (Äciian ■bei Ai) und verkündete den!Namen G־ttes; und Lot war dabei und betete. Südwärts ging der W׳eg, und dann, von Hunger getrieben, kam Abraham in das Land der klassischen Fremdeiwerfolgungen, in das Land der Rechtlosigkeit der Fremden, und Lot war dabei und zog m:it ihm zurück, reich׳ geworden gleich ■Abraham. Alles hatte er auf dem W.ahderpfad mitgetragen und ,fühlte wohl gleich Abraham 'die Verantwortung für kommende Geschlechter. Als aber durch subalterne ׳Geister in das Verhältnis zwischen Abraham und Lot ein . materieller Gegensatz getragen wurde, ■da versagte Lot. Er fühlte in sich nicht die Macht, seine Beamten, die mit ■den ׳Hirten Abrahams' um Weideplatz, um Weideland Hader begonnen hatten,, zur Ordnung zu rufen. Dabei war der Gegensatz umso bedenklicher, als damals sich Kenaani und Perus!. bereits im Lande festgesetzt ■hatten. Abraham, ■der einsah, dass er den in der jetzigen Situation bedingten. Gefahren für die materielle Wohlfahrt gewachsen sein würde, Hess ihn •■■uni des Friedens willen ziehen; Allein, einsam, im allerengsten Kreis einer Familie, die nichts niehr* wusste von Abrahams Verkündung, des Namens des Allmächtigen, beschloss Lot seine Tage. Die Spuren grosser Seelen, mit denen er trotz allem verwandt war, und die Spuren׳ des Zusammenseins mit Abraham kamen erst in den ■späteren Enkeln Wieder zum Vorschein. Es ist und bleibt unaiislöschüiclier Wert des Lebens, im Dienste• eines Ideals zu stehen, und wenn auch die Blüte :eines• solchen: Strebens nur in voller Hingäbe sich äussert, Früchte, gute Früchte trägt eine *auch zeitweilige Hingabe.!K. ausgezeichneten Eigenschaften, besonders eine seltene Herzensgüte gepaart mit Energie, sein absoluter אמת verschafften ihm ,bald eine hervorragende Stellung in der organisierten Orthodoxie. Die an seine Wirksamkeit geknüpften grossen Hoffnungen sind nun •,בעו״ף zunichte geworden. ־” Trauerfeier nach Rabbi Meir Arak. Sonntag, 7. Mar cheschwan, fanden in Wien Trauerkttiidgcbtingcn für den verblichenen Gaon von Tarnow, Rabbi Meir Arak, statt Ifi der Sitzung der G. A. der Agudas Jisroef, in Air Wesenheit des ehrwürdigen Grossrabbiners Markus Friedmann von Sadagofa, widmete der Vorsitzende dem גאון הנפער warme Worte des Gedenkens und hob be-. sonders hervor seine unbedingte Zugehörigkeit zur אנדה deren Bestrebungen er für eine Notwendigkeit erkannte und in deren rabbitiischoni Rat er eine reiche Tätigkeit entfaltete. luder ־ שומרי הדתKlaus im.XX. Bezirk, hielt Herr Rabbiner Gerson Hager vor einem dichtgedrängten Publikum einen ergreifenden Nachruf. In der Acluhis Jisroel- Synagoge, Rembrandtstrasse, hielt Herr Jakob Bittermamr einen הספר, der grossen Eindruck machte. Die אגרת ישרי veranstaltete im Saale der Jugendgruppc einen, הספד den dei• Altstädler :״j 'ג אן Rabbiner Jcrttchcm hielt. Die vieihuiidertköpfigc Menge drängte sich zusammen und viele fanden keinen Einlass mehr. Redner würdigte) 111 warmen Worten die taimiidischc Grösse und clic glän״ zcntlen Eigenschaften des Verblichenen v׳j und erhielt die Zuhörerschaft in gespannter Aufmerksamkeit für die ausgezeichneten דברי חידה, im Geiste des נפטר. Mit scharten מוסר Worten eiferte Redner an, die grosse Lucke, die der Tod des גאון ןצ״ל;gerissen, auszufüllen durch □תשיבה ומעשי□ טובי. 1 ,®a^a u״d Vahom. Unsere Gemeinde wurde von a ,1״ ,blebc״ unseres beliebten שוחט Herrn Chajim A b r a 11 a m s o 11 n auf das schwerste betroffen. Die Ge־ meinde fühlt sich — nachdem ein Pcnsionsfoucls für die: Angestellten noch nicht besteht — moralisch verpflichtet', tur die Hinterbliebenen eines treuen Beamten in würdigen weise zu sorgen. Dementsprechend wurde der Witwe für mehrere Jahre der volle Bezug des Gehaltes ihres-, 1 צ" ל,. der Weiterbesitz der Wohnung und die Mithilte bei der Versorgung der Kinder schriftlich zugesichert. Einzelne Mitglieder haben auch׳ schon ent־ sprechende Vorsorge getroffen und damit eine beispielgebende gute Tat vollzogen. A. B. Z, ״ Nach Rathenau der grösste Jude in der deutschen Politik, Dr. Hugo Preuss, gestorben. Das plötzliche Ableben des' Landtagsabgeordneten Professors Dr. Hugo P r e u s s, des früheren Reichsinnenministers .und Schöpfers der Verfassung der deutschen Republik, hat in der gesamten deutschen Oeffentlicnkeit tiefes Mitgefühl und frauer hervorgerufen. Die Presse widmet dem grossen demokratischen Ftitirer Trauer- und Gedenkartikel, in denen zum Ausdruck kommt, dass Hugo• Preuss nach Walter Rathenau der grösste deutsene Jude in der deutsehen Politik: der Gegenwart und einer derjenigen war, die dem deutschen Volke in seiner tiefsten Not beigestanden haben. Die Berliner ״Welt am Montag^‘ schreib! über Hugo Preuss folgendes: ״Die Tragik, dieses bedeutenden Mannes war sein Judentum. Als Einjähriger hatte er eine so glänzende Stellung in seinem Regiment, dass seine Vorgesetzten ihn 'gern zum Reserveoffizier eiligegeben hätten. Aber — er war Jude!. ״Können Sic diesen kleinen Uebelstand nicht׳ absteüen?“ fragte ihn 'sein Ritt- ״meisten. ״Nein!“ sagte Preuss und war damit ausgeschlossen von-dem schwindelnden Glück des' Leutnantsdaseins. Als Privätclozent überschattete er alle seine Ko!- ' legen. Er war der beste Kenner cles Verwaltungsrechtes in ganz •Deutschland. Aber ordentlicher Professor an der Beriiner Universität'konnte er nicht werden. Für diskrete Hinweise von Vorgesetzten, ob er sich nicht taufen lassen wolle, hatte er nur ein spöttisches Achselzucken. Dieser in religiösen Dingen ganz freidenkende Mann war zu stolz, sich das berühmte Heinesche ״Entreebillett zur europäisehen Kultur“ .durch einen Akt ־ der Gesinnungslosigkeit zu erkaufen. Die Revolution räumte für ein paar Wochen' jnit den Religions- und Rassenvorurteilen auf. Preuss wurde Reichsminister des Innern und schuf die Reichsverfassung, die in seinem Entwurf kühner und noch besser war als in ihrer endgültigen Form. Trotz seiner leuchtenden Verdienste um die deutsche Republik ist Preuss nie wiedeir bei einer späteren Ministerkombiuation in Frage ge-■ kommen. Nicht einmal für den Reichstag stellte diesen geborenen parlamentarischen Führer seine eigene Partei auf. Er selbst hatte das Gefühl, dass sein Judentum als zu schwere Belastung für die öffentliche Agitation angesehciiv werde. Nur ein paar Monate hat er auf dem Platze gestanden, der ihm gebührte. Das deutsche Volk,• das wirklieh über keinen Ueberfluss an politischen Köpfen verfügt, hat einen der besten von ihnen kaltgestellt, weil er —f Jude war. Dennoch — sein Name ist unauflöslich miJ der Geschichte Deutschlands verbunden. Er hat der Rei publik' ihre Grundlage gegeben. Sein Werk überlebt ihn.“ in Wie« und Umgebung Uber die fSST Jeder muss staunen und kaufen! ׳ Ab Montag bis Freitag! Gediegene letzte Warenbestände. Am Samstag geschlossen S 4.50 Damen-Chiffon-Nachthemden S 4.50 Reich geputzte Petkailn-Kombinegen S 6—8, Damenhemden mit Stickerei geputzt bis S 2-3, feine Damast-Bettüberzüge, Säum■• chenUbarzüge, 2 Tuchenten, O PülsterS 13.— bis S 18.— per ן Beit Leinen-Bettüberzüge mit feinen Handstickereien, farbige | Bottzeuge, Inlette alle breiten,, schlesische Weben, ChiffoHe 3 bis S 1.50. Extra prima Leintuch ohne Naht S 3.—. Prima Ge- 1 birgs-Lelntücher ohne Naht bis S23.80 per m. Tischtücher, 3 . Servietten. Damasthandtüeher, Geschirrtücher S 5,— \ S 1.80 Frottierhandtücher bis S 4.—, 130 cm lang j S 3.50 Prima Gradl-Unterhosen bis S 4.— | S 6.- bis S 13.— Deckenkappen mit Stickerei | Künstler-Vorhänge, 2 Teile, 1 Draperie, erstickt, S 6 50. 5 MutratzengradJ, ßettgamiluren, ßoreit2 ,׳ Bett-, 1 נ Tischdecke; einzelne Ttschdecken S 9.80. S 1,50 bis S 2.50 Seidenklothsteppdecken Geblümte Se!denfi:k, Steppdecken S 2.— bis 3:50, grosse Bukli - Speisezimmer •Teopiche S 26.50, Laufteppich, 4 m-Resfe S 7.60, alle Breiten, PlüschüberwUrfe S 65.—, Plüsch-Tischdecken S 32,—, Riesenauswahl. S4.- Kammgarnstoffe, alle Farben, doppeltbreit, feine Herren- und Damenstoffe, grosse Auswahl re nste Brautausstattungen, Riesenauswahl, auch nachMass binnen 14 .Tagen , .. Auf dem.besonders ralchsortlerten Lager bis zur feinsten Sorte alles, was Sie suchen. Nur besondere Gelegenheitskäufe, es soll niemand gleichgü tig .vorübergehen, denn Sie werden staunen, und kaufen Iruarlit,Orient‘ Wien, VII. LeiüienfeiMi. 01V Aufpaasen 1. Nur Eoko Ziegler *aase, sehen dem Kino