Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630099-2630139--1990-2633809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nrr43 1■ «» s 1 o in ■ ״•v. >,׳־.'■< ־ ,. V•• v f ~ ־ ■ Die Jüdische Wirtschaftspartei. Die Wahlen ln die gesetzgebenden Körperschaften ■ Wünsche .gezwungen, .unter .׳jüdlsoher Flagge ■an!die Wahl־, uriie'zu schreiten. Das orthodoxe Judentum *ist sich bei diesem ,Entschlüsse der . grossen Verantwortung /bewusst, : W-:$6 _ .• ׳ '־/ ■,־ 'י - ' ל_/ _ ■ auch der ni c 11׳tn a t io nalis tisch orientierten Judenheit nichts!anderes übrig, als der;Herausforderung/nach- * zugeben ün׳d sich gleichfalls in eine politische Partei, äu- -der tschechoslowakischen Republik sin'd!auf den 15. No vember .anberaumt.־ ‘ Das neue Wahlgesetz weicht nur in wenigen Punkten Bestimmungen ab. Die Anordnungen,׳ den bisherigen׳ von die zum Zwecke der . Eindämmung der Wahlkämpfe geplant ,waren, wurden . von den iRegierungsparteien im letzten und scharfer׳ Augenblicke fallen gelassen. Ein heftiger -schon in den nächsten .Tagen ein׳!Wahlkampf wird also setzen ■und die *politischen .!Leidenschaften bis in die׳. aufgepe'itscht werden.׳ •breitesten ,Volksschichten hinein Wir hätten gewünscht, dass dem Judentum.in Republik dieser!Kampf, •der er-׳ ■der tschechoslowakischen .faiirirngsgemäss alle Instinkte des!Hasses und des Haders d der׳an die!Oberfläche treibt, erspart geblieben wäre , un י Gemeinschaftss'inn der jüdischen iBewölkerung auf den .noch sehr vernachlässigten!Gebieten •der sozialen!Wohlfahrt und des wirtschaftlichen!Aufbaues ein fruchtbares iRetätig.ungs- •fehl gesucht hätte. Vielleicht wäre es •auch zu erreichen ’gewesen, dass ■die Juden nicht genötigt würden, als jüdischen Wahlparolen •und mit jiidi-׳ Juden, mit .,sehen Schlachtrufen!in den .Wahlkampf einzutreten. Alle Ermahnungen jedoch!an diejenigen (jüdischen!Gruppen, die unter ■allen!Umständen ,alles mitmachen und alles nach-׳ ahmen wollen, was!jeweils in der ausserjüdischen Welt aktuell list und!in der Oeffentlichkeit Geltung hat, blieben.־ erfolglos. Dadurch wird auch der politisch reserviertere׳ ‘Teil der .Judenschaft ganz gegen seine ureigensten die mit jedem seiner Schritte und mit allen Aktionen verbun'den ist', die. ׳es angesichts der ganzen Welt unternimmt. Nachdem die Z i 0 n i s t e n ,!in ihrem nationalisti'scheh Draufgängertum jede Rücksicht auf die wichtigsten Interessen des Judentums ausser acht Hessen, sich von •der Gesamtheit ,der jüdischen,Bevölkerung abson derten und ohne mit den berufenen Vertretern der‘anderen Juden auch nur Verhandlungen gepflogen zu haben, für sich eine eigene politische . Wahlparte'i mit nationalistischem 'Programm . gründeten* die .ausgesp.rocl1enermas.sen! . 'ihren zionistischen, ganz vpn der nationalistischen politischen Ideologie be,he!rrsol׳Tten S 0 n d e r w ü n s c h e n und S 0 11 d e r b e ׳s t ׳r!e b u n g e ׳n nicht mehr — wie bisher — im Wege der innerjüdischen Agitation zunächst im Judenturne selbst ,eine'!Anhängerschaft verschaffen, sondern ihnen durch Beeinflussung!der staatlichen Gesetzgebung im Parlamente Eingang in! den ׳Organismus ■des Judentums, in seine Religion »gemeinden und '!ihre kulturellen ׳und ׳organn sator׳isc׳hen (Einrichtungen erzwingen soll, ■lind .nachdem sie!auch ׳davor ■nicht zurückschrecken, die ■von ihnen allein, sonst ׳aber von keinem Juden erstrebte ׳Um- Wandlung des Judentums in unserer Rep 11 b 1׳!i!k!in e i n •e p 011i t i s c 11 e 1M i •n d ׳e r h ei t s n a •t I 0n a 11 tat als Anliegen der Gesamtheit ׳zu verkünden und dadurch!leichtfertig. ,über die ganze hach Frieden und Ruhe sich sehnende Gemeinschaft ■die grössten politischen und wirtschaftlichen Gefahren heraufzubeschwören, bleibt sammenzuschliessen und den wahren Anschauungen des Judentums!auf •diese Weise den politischen!Ausdruck zu Die!Juden dieses Landes können nichf dulden,׳ .verleihen dass das traurige Beispiel von Pol e n und L i t a u e n sich auf!ihrem Rücken wiederhole; sie!wollen nicht die zipnisti-׳ ■ jüdischen .Wählermassen durch den Einzug von walcische Paria-׳slo׳sehen Abgeordneten lin das tschecho ment zu Totengräbern!ihrer eigenen Lebensideale und zu Verwüstern •und Zerstörern!ihrer* eigenen Existenz machen. Dem ,jüdischen Wähler soll Gelegenheit gegeben kundzutun,׳ Hand selber׳!werden, mit!dem )Stimmzettel in der dass ihm sein Judentum!, für das!seine •Ahnen tausend das er‘ auch heute noch׳ Scheiterhaufen bestiegen und für Opfer •über Opfer ■bringt, über alles teuer und unantasi* bar heilig ist. Durch seine Stimmenabgabe auf eine jüdische Partei mit wirklich jüdischem Programm soll ■er in ■unbezweifelbarer Weise ■zum Ausdruck bringen können, dass er als Bürger dieser Republik auf Grund von Verfassung und Recht sich!in!jeder Beziehung mit ■den an- und ־ ■deren •Bürgern!als g 1 e i c h b e r e c h t i g t betrachtet e i t ■e s t g ■e h e n d e n S ch u t z׳• vom •Staate ausser dem \v ■de r ■0r g a nis!a 10•r 1 sche•n •und kulturelle n Einrichtungen,!im besonderen!Masse die Heilung ha f t lji c h •e n N ö t •e, keinesfalls!eine׳ seiner wirts c Einmengung in innerjüdische Angelegenhieiten und •die Befriedigung irgend welcher n a t!i 0!n a 1 i s t■i s c h e n •S 0 n- ' ■ .der wünsche •erwartet .Die ״Jüdische Wirtschaftspartei•‘ veröffentlicht folgendes Manifest an die jüdischen Wähler: Die bevorstehenden Wahlen der Abgeordneten in die gesetzgebenden JCörp er schäften unserer Republik stellen unsjuden vor wichtige und ent-׳ scheidende Aufgäbe:nv Es ״gilt, sämtlichen ׳Juden!unserer Republik ״die! Möglichkeit zu geben, Vertreter in das Parlament und in den Senat zu ■entsenden, die zu jeder Zeit der Gesinnung und. den wahren Interessen des Judentums in unserer [Republik Ausdruck zu gehen berechtigt u»d bereit sein sollen. Von der Ueberzeugung durchdrungen, dass bis zu diesem Augenblick der überwiegende Teil des Judentums eines politischen!verfassungsmässigen Aüsdrucksmittels entbehrte und dass es zur Vertretung der .Interessen des Judentums in unserer Republik erforderlich sei, die jüdische Wählerschaft .an dem Wählkampfe teilnehmen zu lassen, haben sich an dem heutigen Tage aus allen jüdischen Bevölkerungskreisen massgebende und ge«׳ «innungstüchtige Vertrauensmänner züsammengefunden und in einhelliger Begeisterung die Jfidische Wirtschaftspartei ins Leben gerufen. Hervorragende Persönlichkeiten aus allen Interessensphären des Wirt״׳ Schaftslebens, führende Männer des gesinnungstreuen religiösen Lebens, verantwortungsbewusste Gemeindeleiter' und , Sachwalter einflussreicher;gesetzestreuer jüdischer Körperschaften haben sich vereinigt und sich, das Programm der neuen Partei zu eigen gemacht. Pamit ist von vornherein <der Erfolg dieser wahrhaft jüdischen Partei in hohem Masse gewährleistet. Jüdische Mitbürger! Nach jahrelangen Erfahrungen hat sich dn euren Herzen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dass eure wichtigsten L,ebensinteressen"v 0 n der Art eurer‘Vertretung vor den Lenkern unseres Staates ab hängen. Nicht nur euer wirtschaftliches Wohlergehen, nicht nur eure Einstellung in das Getriebe des Staates, sondern auch euer ganzes Verhältnis zu den nicht j üdischenMitbärgern wird in höchstem Masse davon beeinflusst, ob ihr es verstehen werdet, hei den bevorstehenden Wahlen eujer Stimme jene Geltung zu ver•׳ :schaffen, die sie zu beanspruchen berechtigt ist. Es gibt wohl nur sehr *wenige Juden in unserer Republik, die die Gefahren immer noch nicht .ahnen,• die jeden einzelnen unserer Gemeinschaft in seiner Existenz bedrohen, wenn das Judentum gegen seinen’ Willen noch weiter in die Nationalitätenkämpfe hiheingezerrt würde, urid wenn still-;[schweigend geduldet wird, dass im.Namen der ,Ges amtheit,natio׳״ xialistische Forderung;en aufgestellt werden, die weder eurer Gesin> Äuhg noch euren Wünschen, am allerwenigsten aber euren Lebepsinter«״ •essen entsprechen. ׳; : ״•;'/•׳ — ■■■-.:׳י. JVir; wollen! nicht und sölieh nicht in uns^rein Staate eine politische Minderheits-Nationalität werden I yfit lehnen jedwede politische nationalistisch*'p.Minderbeitsfordef ung grundsätzlich ab. Unsere;Verfassung bietet uns zur Wahrung unserer jochte, Rechte des einzelnen wie־ der Rechte de^ Gemeinschaft und der; Körperschaften, Handhaben in ausreichendem Masse< /Wir bedürfen nicht neuer 'gefährlicher^perinientfcr[ dievom;■;Wese»;? de* Judentums eine falsche Vorstellung erwecken müssen. lin Vordergründe unserer Bestrebungen muss die Wahrung unserer wirtschaftlichen Interessen stehen Unsere politischen Bestrebungen haben lediglich die Förderung und Si׳״ cherung unserer wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Interessen zum Ziele. Diesem Ziele will unsere Partei dienen. Beachtet also wohl unser Programm, das da lautet: 1. Wahrung der verfassungsmässig gewährleisteten Gleichberech׳״ Higung aUer jüdischen Bürger auf allen Gebieten d!es öffentlichen Lebens. ף:; •: a. Besondere IJflege der wirtschaftlichen, kultureilen und sozialen Interessen aller jüdischefi Gesellschaftsschichten. 3. Rechtsschutz des einzelnen in konkreten Fällen. 4• Wahrung der religiösen Gewissensfreiheit und der. freien reli' giösen Betätigung. 5• Wahrung, der Autonomie der jüdischen Gemeinden auf allen Gebieten. , 6. Ablehnung aller jüdischnationalistischen Minderheitsforderungen politischer Natur und das Streben nach friedlichem Zusammenleben mit der gesamten Bevölkerung.; ✓ Auf Grund dieses Programms übernehmen unsere Vertreter im Parlament die Verpflichtung, die G ewissensfreiheit jedes einzelnen Bürgers im Staate zu beschützen, dem religiösen G efühl im Rahmen des Gesetzes Geltung zu verschaffen, die religiösen Gemeinwesen in ihrer traditionellen Konstitution vor j eder Äntastung und Unterwühlung zu bewahr en und in ihrer gesetzgebenden Be׳״ tätigung dafür zu sorgen, dass die Rechte der Gern ein den[ in keiner .Weise gekürzt werden. Nicht nur die Gemeinschaft als Ganzes,nicht nur die Gemeinden als Teile des Ganzen, sondern jeder einzelne unter uns soll des weitestgehenden Rechtschutzes von seiten der Partei sicher sein. Ist jemandem eine Unbill widerfahren, so soll ihm Gerechtigkeit werden. Den Ansprüchen der Geschädigten aus der Zeit des ungewissen Ueberganges will die Jüdische Wirtschäftspartei im Sinne ihres Programmes die berechtigte Beachtung verschaffen, damit auch diese Frage einer befriedigenden Lösung endlich zugeführt werde. Mit einem Worte: Jeder Jude soll wissen, dass et in der Jüdischen Wirtschaftspartei all das findet, was er als treuer :Bürger und aufrechter Jude von, einer politischen Körperschaft erwarten darf. Jüdische Mitbürger2 Am Wahltage werdet. Ihr selber über ,Euer ferneres Schicksal entscheiden. Ihr sehet Namen auf unseren Kandis datenlisten, die vermöge ihrer Gesinnung eure Anliegen zu vertreten in der Lage sind und denen ihr euer volles Vertrauen schenken dürfet. Oie Jüdische Wirtschaftspartei rechnet auf eure Mithilfe.; ‘ ■.י•■•־־ Werdet euch der schweren Verantwortung gewusst, die,;äuf blich lastet, wenn •ihr in solchen Zeiten versagen und Euerer eigenen Gesinnung untreu werde» solltet. Werbet utfter euren Freunden f|ür un3ere Partei! Vereiniget euch zu lokalen, Wahlgruppen, örgani׳״ sieret euch, wählet eure Vertrauensmänner und sti[mm et ‘ am!5. November in geschlossenen Reihen f §r:r..d'ie..;‘:Ka;Äcl:i-' •dateil der [ v• :: Jüdischen Wlrtsohaltspartel. Bratislava, am 19. Oktober 1925. Das Zentralwahlkomitee

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.