Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 43 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JL nI 4i: vieüeiehfc <w|fd* auch<Tt0gfC,^4fw׳'|*?' l\emmt sich., entwickeln könneih die!Einwanderung nach Erez Jisroel. . * ....־ (Vielleicht sogar auch die Einwanderung de! ־Wortes der Thora in das Land der Thora. Bericht der Zentralieituiig der Agudas Jisroel - Landesorganisation in Erez I Jisroel Aber das Jahr 5685. ב Das abgelaufene Jahr war eine Glanzperiode des orthodoxen Judentums in Ergz Jisroel wie für vdie Aguda׳ überhaupt. Kaum ein Tag verging in diesem Jahr,׳ der nicht 'seinen,,Segen für das gesetzestreue Judentum :in Paläst1na--; gezeitigthätte; •Wir ־ lassen .Tatsachen1 sprechen׳. 5|wölf Erzieliungsstatten für Knaben und Mädchen in Jerusalem, TepAwiwj Safed, Tiberias, Pethach Tikwah uncf Bßej Brak stehen als lebendige Zeugen dafür da, dass es eine Agudas Jisroel gibt und dass diese Ihre Aufgabe! erfüllt. Fünfzehnhundert Schüler, die die Bänke der •|ge־*־ nannten Erziehungsanstalten besetzen, verkünden den allmählichen Fortschritt 4er Aguda, zeigen, dass die Aguda nicht allein für die Gegenwart, sondern auch tfür die Zukauft arbeitet und Erez Israel eine der Thora und1 Tradition treue Generation verliefest. / Im abgelaufenen Jahre jind Agudakanzleien eröffnet worden in den Hafenstädten Tel-Awiw und Haifa. Die Organisation in Tel-Awiw mit ihren 700 Mitgliedern;komm!! gleich nach der in Jerusalem, das als Zentrum der Aguda und des gesetzestreuen Judentums gelten darf. Zurzeit hat die Agudas Jisroel Gruppen in den Städten Jerusalem, Tel-Awiw, Safed, Tiberias, Haifa und Pethach Tikwah. In diesem Jahre hat die Aguda einen Schönen Anlauf zujn Bodenerwerb genommen. Agudas .Jisroel erreichte in diesem einen Jahre mehr als andere Organisationen in׳ Jahrzehnten. Der in diesem Jahre erworbene Bodenkomplex beträgt ungefähr ein *Drittel des gesamten Bodens,׳ den der Keren Kajemethder Zionisten ־ von Anfang seines1 Bestehens bis heute erwerben konnte,! . m ׳ . Zur gleichen Zeit wurde aber auch für den Jiscnuw, alles Nötige getan. Im Monat Tamus wurde der Grundstein zur Kolonie ,.:Macbane!Isroel“ gelegt, 'die!heute einen׳ Anziehungspunkt des Emek Isreel bildet, so dass!keiner die Ebene bereisen kann, ohne die Kolonie ’aufzusuchen. In den drei Monaten wurden 30 Häuser errichtet. 40 Ar■* beiter sind in der Kolonie beschäftigt, darunter!sechs Familienväter, alle treue Hüter von Lehre und Gesetz, arbeiten mit Stein und Mörtel und ringen sich Zeit ab für die Thoralehre, für das gemeinsame Gebet dreimal im Tage. Noch war die Niederlassung nicht vollkommen fertig;und schon stand im Mittelpunkte des Tales in .der Ansiedlung Kfar Gideon eine rituelle Mikwa, die die Aguda auf den• Boden des N. F. äfeT!einzige für alle Kolonien des' Emek errichtet hat. Ausserdem, besitzt ״Machane Isroel“ alles; was zum religiösen Lqb'en gehört,. Synagoge, Schochet usw. . 'trffrziellef'Stetfe ־׳afff 34'^׳־^rges^etz^|' freuen Jüdetrtums angesehen und beachtet. Ihre Zeug־‘| nissf ujid Gutachten werden endlich von Regierungsstellen!' ^־uifd Tr^ntdeh Konsulaten offiziell anerkannt. Zu Side d^) 'Jahres erhielt die Aguda eine Anzahl von Visen für die‘ ersten Arbeiter in ״Machane Isroel“, und es jist für die: Zukunft zu hoffen» dass sie;Wenigstens die'Zahl den. für ddnh Ausbau ihrer Arbeit nötigen' Zertifikate erhält. Agudas Jisroel. hat .<^י besondere Aufgabe, übe«! die Bewegungsfreiheit des gesetzestreuen Judentums in; Erez Isroel zu wachen und hat in diese« Beziehung Hand in Hand mit der orthodoxen; Gemeinde, zü Jerusalem ihre Aufgabe erfüllt. Mit grosser Energie wehrte sie den Augriff auf die religiöse Selbständigkeit der Ges etzestreuen ab, der mit dem'Gemeihaegesetz geplant war.!Mit Hilfe! der ״Zeire Agudas JisfoeF* konnte der Protest‘Von 4000' Familienvätern Zustandekommen,, dem wir es verdanken, , dass der gefährliche Entwurf, wie in den vergangenen fünf JaHren, auch dieses Jahr nicht Gesetz würde.* Die Stimme der Aguda erreichte die Zentralregierung und wurde auch vom Völkerbund gehört, und es ist Hoffnung vorhanden, dass diese!Frage auf der Grundlage von Freiheit und ׳ Gerechtigkeit ihre Lösung findet;1 v Auch die Verhandlung mit der Zionistischen Or-t ganisation, wenn, auch ihre praktischen Erfolge bishe« ״minimäl sind, kann nur auf Rechnung des (SiegeszügesT gebucht werden, den der Agudagedanke durch die fjüdisehen Massen macht. Die Versuche, die Aguda zu ignorieren, sind fehlgeschlageh, man muss fürderhin wohl oder übel mit ihr rechnen. , Die. Methode der Aguda wirbt für sich. Die Massen lassen sich vom Strome nicht mehr mitreissen lund wollen׳ nicht mehr leidendes Objekt der zionistischen Politik ifo! diesem entscheidenden Augenblicke sein. Auch die Manne« an der Spitze der in der Mitte schwebenden Organisation, müssten sich überzeugen, dass die Menge nicht hinte« Ihnen ist, und fühlten sich in der Frauenfrage bis zu! einem gewissen Grade gebunden an den Willen der. Thoratreuen. Dieses Jahr erhielt das gesetzestreue Judentum in! Palästina eine wesentliche Verstärkung durch den Charakter der Einwanderung. Das .Jahr, in dem'(die Einwanderung die höchste Ziffer erlangte, zeichnete sich auch ׳durch die Qualität der Einwanderer aus. Während in den früheren1 Jahren die Alija zu 90 Pröfeent aus Jünglingen, die dasf Joch der Thora von sich abgeworfen, bestand;und welche eine Gefahr für den Jfechuw bedeuteten, hatten Wvi« dieses Jahr eine Alija, die sich zu 90 Prozent aus selb׳־ ständigen frommen Baalebatim aus dem Mittelstände zusammensetzte, die sowohl in wirtschaftlicher wie in geistig ger Beziehung reichen Segen ins Land brachten. ’ An der Schwelle des Jahres, voll der Freude und erfüllt von Dank gegen Gott, wollen wir nicht zurückhalten mit unserem Danke gegön die Männer an der Spitze der Agudabewegung und besonders gegen die Palästinazentrale in Frankfurt* a. M., die mit kleinen ׳Mitteln Grosses gewirkt und an ihrer Aufgabe mit mustergültiger Energie gearbeitet hat. Der Lohn ist ihnen sicher. Schreiten wüi mit Hilfe Gottes weiter"zur Tat und zum Gelingen! Mit Entschlossenheit ging man an die Organisations-;arbeit. In kürzester Zeit organisierte Agudas Jisroel die besten Arbeiter unter den* gesetzestreuen Olim und;ein’' gut organisierter Verband der Arbeiter der Agudas Jisroel wirkt . in den Arbeitszentren Jerusalem, Tel-Awjw!und Petach Tikwah zum Segen. ״Macharie Isroel“ hat die Vorstellung der Identität der. Begriffe ״neuer Jfechuw und Religionslosigkeit“ umgeworfen, ebenso, hat die orthodoxe Arbeiterorganisation! gezeigt, dass ein Arbeiter nicht unbedingt ein 5 ab bat!־ entweiher und Thoraverächter sein muss. ״Machane Isroel“ rettete die Ehre des neuen Jfechuw!in dem Masse* wie die Arbeiterorganisation der Agudas Jisroel die Ehre der jüdischen Arbeiter rettete. Zur Erleichterung der Lage der Arbeiter wurden! in diesem Jahre von der Agudas Jisroel Arbeiterküchen'’ in Jerusalem und Tel-Awiw eröffnet und ansehnliche Vorschösse wurden an die Arbeiter verabreicht für'Anschaffung! von Baumaterial. Eine Leihkasse wurde zugunsten der Olim aus dem Mittelstand gegründet für industrielle Bei-' *hilfe. Jüngsthin öffnete in Tel-Awiw auch ein Nachtasyl( seine schönen Räume. Auch soll dieser Tage ein A'usft kunftsbureau der Agudas Jisroel eröffnet werden, das alle Informationen auf dem Gebiete der' Landwirtschaft, des! Handels und der Industrie den Interessenten bieten feöll: Auch in geistiger Beziehung gelang es der Aguda, dem öffentlichen Leben im Lande bis zu einem gewissen1 Grade ihren Stempel aufzudrücken und sie wird ,ngn auch Volksentscheid. Das Vollzugskomitee des Jüdischen Nationalrates in Palästiria (Waad Leumi) hat soeben die Entscheidung jgetroffen, dass die Frage des ״Wahlrechtes der Frauen zur jüdischen Nationalversammlung auf dem Wege einer jüdischen Volksabstimmung gelöst werden soll. Bekanntlieh hat die Erörterung über das Frauenstimmrecht zu einer Sprengung der bisherigen Nationalversammlung ge-, führt, da sich die orthodoxen Gruppierungen gegen die Verleihung des Stimmrechtes an Frauen mit aller Entschiedenfieit wehrten. Das Plebiszit wurde zuerst vorn 1M!isracM beantragt1)1 .׳T1A.1 Unsere Leser sind über die Entwicklung des!schweren1 Konfliktes, der in Erez Jisroel die ״Delegierten Vers am mlung“ gesprengt und zum Austritt des Mferachi!sowie de« ״gemässigt Orthodoxen“ geführt hat, durch die ausführ- Jichen Berichte aus Jerusalem, die wir veröffentlichen konnten genau unterrichtet worden. * Die Idee des ״Volksentscheids“ in der Frauenfrage 'Herren׳, Knabenand Kinderkleider fertig undn ach Maas Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste 'Ausführung. Auf Vermeidung von שעט5ז wird genauestens geachtet. J. STERN, Wien, XI., Olookengaase 25. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. i staiöttt Vöm Mfefächi; dösefttül^ärfitef Sie erbe! ühpheüerfttihe # 1sicherfKh äite tÜihe\Vus$ttr ^ssimilätioii 1 gef$f#ie!־;־׳^ ' Verleug^üiit aller iteiigiö$eü "Tfädition des! jüdgütUihs. ‘ 'v £=?«־> _;*■.;■• ■•;;v' ׳.’r׳\ .. f ׳< Dte Bezicihiingeh :VönJMfnii ufta Weib, die Stellung. vdeT Ffäu ift Familie und Geselkchäift, Mr..4f£ Regelung ־ de« faäÄhigfacheri seelische!! und Spzialett Spariiiüitgen, die sich aus dem ineinahderwirken der Geschlechter ergeben! —^ nehnfdn innerhalb des ' Gesamtkomplexes des Thora- > rechtes einen ausserordentlich^ weiten Kaum ein. Es würde; geradezu ׳ eine Degradation dieses Rechtes sein, das auch;*dem ״Misrachi“ ein göttgegebenes ist, . wollte man. annehmen, dass er sich an der entscheidenden (Frage, ob! die jüdische Fraü in die politische Arena teintreten dürfe öder nicht, für desinteressiert erklären könnte. ׳-י"־‘!׳ In der Tat hat man bis zum heutigen Tage zwar : verschieden gerichtete Entscheidungen der rabbirtischen Autoritäten über das aktive und das passive!Wahlrecht, niemals ^aber eine Stimme aus sachkundigen Kreisen gehört, die behauptet hätte, dass die Frage überhaupt keiner!׳ religionsgesetzlicheii Charakter hätte. Die Verkündung dieser seltsamen Behauptung ist dem ״Misrachi“ in Erez Jisroel Vorbehalten geblieben,!Uind als ob es mit dieser Ern’engung des Herrschaftsbereiches des Gottesgesetzes noch nicht genug sei, hat die Partei schliesslich den verhängnisvollsten Schritt getan, *der ■möglich w,ar: Sie ׳verlangte, »!dass ■die, Volksmebrheit über eine bisher allgemein als halachisches Problem betrachtete Frage entscheide und erklärt, sich aer Volksmehrheit in jedem Falle unterwerfen zu wollen. Selbst wem! der ״Mferachi“ die unbedingte Sicherheit haben sollte, dass die Volksentscheidung gegen das Frauen Wahlrecht ausfällt, hätte er der Konsequenzen nicht vergessen dürfen, die seine Forderung al9* solche ■mit sich bringt. Sie führt ein in der jüdischen Geschichte bisher unerhörtes Prinzip in das politische Leben des jüdischen׳ Volkes ein: die Herrschaft der Masse über ■das Gesetz, die Entthronung der Autorität der Kundigen, die Anerken" nuag der Volkswillkür und der״ Volksinteressen an Stelle des sinaitfechen Gesetzes. , . . ־! Was will ״Misrachi“ antworten, wenn morgen *die Frage der öffentlichen Sabbatruhe, übermorgen die Rechtsgestaltung der Agunoth einem Volksreferentium unterworfen werden und die demagogischen Künste der besten! Wahlagitatoren die Entscheidung darüber bringen sollen, ob das jüdische Volk im neuen Erez Jisroel das געשה ונשמע Gelöbnis der Väter bestätigen oder widerrufen will? Wir wissen wohl, dass der ״Misrachi“ wahrscheinlich beteuern wird, seine Forderung, fusse eben auf der Prämisse, dass die Frage der בחירת נשים ein דבר רשות sei, das die Halacha nicht interessiere. Aber wir fragen: (wo ist die rabbinische Autorität, auf die sich ״Misrachi“ bei dieser bequemen Theorie berufen kann — und wenn j$T richtig wäre, wie durfte ej״ dann um einer!blossen Stimmung/ willen ohne religiöses Motiv Einheit und Frieden;aufs1 Spiel setzen? Kaum sechs Jahre sind es, dass die gewiss höchste Autorität des ״Misrachi“, Oberrabbiner K u k, in de« Frage des Frauen Wahlrechts folgendes veröffentlichte: ״Ich bin um meine Meinung in der Frage des Frauenwahlrechtes für das jüdisqhe Parlament ,in Palästina angefragt worden :und '■v^ll.;mich^hieqj•ge^;׳-. drängter Kürze dazu äussern. Es‘ kommen für mich! ' bei der Behandlung der Frage drei Gesichtspunkte jn Betracht: 1. Das Religionsgesetz. 2. Der praktische Wert der Einrichtung für die jitdiscche Gesamtheit. 3. Die moralisch-ideelle Seite der Sache. 1 Was die religionsgesetzliche Seite der Frage anbelangt, so habe ich dein übereinstimmenden Gutachten meiner rabbinabischen Kollegen nur wenig hinzuzufügen. Haben sie es doch aus Thora, Propheten, Kesuwim; Halacha und Agada bewiesen, dass die Pflicht der Gemeindearbeit nur den Männern obliegt, und dass die Aus-, übuttg von Gerichtsbarkeit, Verwaltungsgeschäften und dergleichen der jüdischen Frau nicht zusteht. Das Bestreben, in der öffentlichen Betätigung eine scharfe Tren- -nungsgrenze zwischen Mann und Frau zu ziehen, geht wie "ein roter Faden durch die ganze Thora. Somit unterliegt es keinem Zweifel, dass jede Neuerung, die zu eine« gemeinsamen Betätigung beider Geschlechter in Ver- Sammlung und Gesellschaft führe'n muss, gegen den Din verstösst.“ ״Fragen wir nun nach dem praktischen Nutzen, der uns in politischer und sozialer Hinsicht aus dieser Neuerung entstehen könnte, so müssen wir uns vor Augen hatten, dass die englische Deklaration, die unsere! Rechte auf Palästina anerkennt, aus der Grundanschau-; Bibelkritik. Eine Studie von Prof• Ed. Ungar, Mitglied des Lehrkörpers der Talmudthora-Scnule.! (Schluss.) Gewiss hat die Hochschule die Pflicht; ihre Höre« auch mit den Problemen und Hypothesen, welche die (Jjeister beschäftigen, bekannt zu machen. Aber Hypo־* thesen dürfen nicht als geeichte Wahr■* heiten proklamiert werden —! Und wozu das alles? Es ist der alte Kampf des Materialismus gegen den• -Spiritualismus, des Atheismus gegen den!Theismus.!Das Schlagiwort von der ,*freien“, von der ״voraussetzungslosen ׳Forschung“ wurde noch stets im Zusammenhänge' mit der Bibel g־e-' braucht und stets war sie das Objekt der heftigsten Attacken. Sie hat widerstanden, gar keinen Schaden erlitten. Muss das ein solider Bau sein! V Nun, der Materialismus mitsamt Epikur, Ludwig Büchner und Karl Vogt sind nach dem heutigen Stancjl der Wissenschaft, zumal der physikalischen Chemie er- “Tedigt und der mit ihm innig verknüpfte Monismus! nichV minder. Der rohe, brutale Atheismus hat aber, so alt er auch sein mag, ernste Denker niemals zu befriedige!. Vermocht. Noch weniger als die Biologie und Psychologie ist die BJbel ihrem innersten Wesen nach ein Objeki einer exakten Forschung. Ihr gegenüber ist die induktive Methode machtlos. ..!Nichtsdestoweniger begann ■Spinoza, der das alles, trotzdem die Naturwissenschaft damals noch in den Kinderf schuhen steckte, hätte wissen sollen, die freie BibelforscKung (Theologisch-politischer Traktat und Ethik) und endigte mit dem Pantheismus, einem wenig verfeinerten; Atheismus. 120 Jahre nach ihm, im Jahre 1781, Ist{ Kantens ״Kritik der reinen Vernunft“ erschienen, vom Spinozismus durchweht. Aber schon vier Jahre nachhe« ihi Jahre 1785 wurde Spinoza in der ״Kritik der prakti־; sehen Vernunft“ abgeschüttelt und Gott, Willensfreiheit( und Unsterblichkeit als Postulate der praktischen Vernunft , verkündet. In seiner ״Theorie des Himmels“ heisst es (in der Vorrede): ״Die Materie, der Urstoff aller Dinge; ist an gewisse Gesetze gebunden. Sie hat keine Freiheit von diesem Plane abzuweichen. Da sie also sich eineii höchst weisen Absicht unterworfen befindet, so muss sie 1in solche Verhältnisse durch eine über sie herrschende erste Ursache versetzt worden sein, und ■es ist ein Gott( eben deswegen, weil die Natur auch selbst im Chaos nicht anders als regelmässig verfahren kann. Ein anderes Bild: Um die Mitte des 15. Jahrhunderts hat sich in das imttejalterfiche Dunkel de« Humanismus angekündigt, als Morgenrot einer neuen Kul-J tur. Johannes Reuchlin, Erasmus von Rotterdam, Ulrich( (von Hutten, Thomas van Kempen u. m. a. Repräsentanten dieser Bewegung, waren bemüht, die Bildung und ■Er« Ziehung der Jugend rationeller zu gestalten. Neben deh klassischen und profanen Bildungsmitteln, war auch die Bibel Gegenstand eifrigsten Studiums, und als Frucht desselben wurde die Autorität der Bibel als die reinste Quelle des wahren Glaubens der Autorität des Papstes entgegengestellt. Man merkt, es bereitet sich etwas vor, das Gewitter bricht herein, Martin Luther tritt auf den) Plan, die Reformation gewinnt Gestatt und Luther, de« die ethische und politische Macht der Bibel erkennt, macht sich daran, sie ins Deutsche zu übersetzen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, den Weg vom Frankreich nehmend, begann in Deutschland die Aera der Aufklärung. Für Bildung und Humanität, Kampf gegen׳ pfäffische Unduldsamkeit und Herrschsucht, gegen Miss- ' brauch der Religion, gegen kirchlichen Aberglauben, gegen Barbarei, und konventionelle Lüge, gegen Gewalt und Unrecht — war das Losungswort. Ist das alles nicht der reinste Mosaismus?! Man merkt schon: ■Dem einen *ist die ׳Bibel ein Leuchtturm, der seine Strahlen hinaussendet, den Irrenden auf schwankem Böden ein Wegweiser in den sicheren Hafen. Von dem anderen wird sie als Tummelplatz metaphisischeF Bocksprünge missbraucht. Aber die Herren Atheisten — die denkfaule, ahnungslose, mit einem mehr oder minder hohen Grad von Leichtsinn behaftete Masse der Mitläufer ist da nicht gemeint — haben sich ihre; Sache stets gar leicht gemacht. Welche positiven Werte vermögen sie, die geborenen Verneiner, denen das Verneinen ^ne sadistische Lust gewäht,r weil es auch die( Eitelkeit!befriedigt und einen Nimbus verleiht, mir zu geben? Meinen ^positiven Glauben wollen sie, gut, was tausche ich dafür ein? Vielleicht eine absolute Wahrheit? Ach nein, im' günstigen Falle einen negativen Glauben, ein hohles Phan*׳ tom! Wo ist da mein Gewinn? Nein, auf dieses schlechte! Geschäft gehe ich nicht ein. ' Nun, zum Kern der Frage, zu der schon eingangs! erwähnten Frage der Bibelkritik. Was will sie? Was; soll sie? Aufbauen oder zerstören? Es ist doch klar*, dass ein iBibelstudium ■je nach der Einstellung des Forschers j •positiv fördernd oder negativ lähmend wirken kann. Es ist