Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 42 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42 Seite 274 JÜDISCHE PRESSE In En Ganim, . ■Schechunath ,Boruchow, Tel-Awiw, Rischon-le-Zion, Rechobötli, Chederah,!Bemjaminah usw. hestehen ■eine Anzahl Geflügelzuchtbetrieb e, die mit Brutapparaten arbeiteh. iln Cfoarod (iHmek Jesreel) befindet sich, ein iRiesenbrutapparat für 5100 ׳Eier, mit dem schon im ersten Jahre gute Erfolge erzielt wurden. Die ,Bedeutung der S t a d t n ä h e für das!Gedeihen der neuen Siedlungen wird!jetzt allgemein anerkannt: die American Zion ׳Commonwealth kaufte jenseits des Jarkon 13000 ■Dunam (״Herzliah“); ein zweiter!Komplex , (״!Ir Schalom“) 3000!Dunam grenzt an. Die!Entfernung von . Tel-Awiw beträgt etwa 12 km. ׳In dieser!Gegend soll auch in!Kürze die Schechunath ׳Owdim entstehen, wenn möglieh noch näher zur Stadt (die erste Ansiedlung von städtischen!Arbeitern, die mit Hilfe des!Keren!Hajessod begründet wird), sowie die iSoskinsche!Kleinsiedlung. Zur!Frage der ״!A11 f f ü 11 u •n g“ der ad •t e!n K 010nien erfahren wir, dass Chederah (Samaria) jetzt, besonders ׳wohl durch Zuzug jüdischer Arbeiter, an 1300 Einwohner haben soll, gegen nur zirka .300 vor dem Kriege. ׳In Migdal, nahe Tiberias in illntergaliläa, macht man weitere :Fortschritte bei seiner!Umwandlung ln eine Kolonie (vor dem Kriege war hier nur ein Farmbetrieb; für neu erwartete Siedler der ,,)Migdal Gardon City Inc“ (!Amerika) wurden 12. Häuser fertiggestellt. Aus Migdal ist auch ein!K1 e i n s i e d 1 u n g s v e rsuch der »Vorkriegszeit zu berichten: der!Administrator übergab einem alten Arbeiter der;Baumschule, der eine zahlreiche Familie •besass, wenige Dunam Boden zur eigenen Bearbeitung in den Freistunden; bald sah man die erwachsenen Familienmitglieder in der Freizeit, die Frau und die iRinder den ganzen Tag beim!Gemüsebau, der sehr guten Ertrag brachte; die Familie gilt jetzt als wohl- ,habend und •baute sich schon van drei Jahren ein• Haus. Um aus dem Bereiche ׳der!deutschen 1K 010 n isa.t ion ein Beispiel zu geben, wollen wir den Betrieb des Gärtners iMader in!Haifa anführen, der bis zu dem kürzlich erfolgten Verkauf seines Besitztums 8 Dunam mit Bewässe- ■rung ׳bearbeitete; ausser zwei Töchtern!beschäftigt er nur ab und zu eine!Hilfskraft, hatte auch öfters Juden zur Ausbildung.. Die Bewässerungsanlage war vor dem!Kriege eine ׳arabische ,Nuriah“ (primitives Sohöpfrad, •das durch einen ׳Esel gedreht wurde), zuletzt benützte ׳er einen Petroleummotor. Er hatte Orangen,!Mandarinen, Zitronen, Gemüse aller Arten und Blumen, galt als reicher Mann, soll aber seinerzeit ohne jedes Kapital angefangen haben. Der!Betrieb war eine Musterwirtschaft in jeder Hinsicht und zeigt uns, wie wir es machen müssen. Seine ׳acht Dunam brachten beim Verkauf an 5000 Pfund. Iln iSarona (deutsche Kolonie bei .Tel-Awiw) arbeitet ׳seit ׳einiger ׳Zeit , eine Gruppe junger Gemüsebauern aus Ungarn auf ׳Boden, ׳der von einem bekannten Deutschen gepachtet ist — der erste Fall dieser Art. Die Gruppe verkauft ihre Erzeugnisse zu guten Preisen in Tel-Awiw, wirtschaftet und wohnt gemeinsam auf dem P'ächtgelände und benützt so aufs Beste •die!Zeit bis zu :ihrer definitiven Ansiedlung, ־ die in der ׳Umgebung Tel- •Awiws im Rahmen einer grösseren Gruppe geplant ׳ist, ׳der diese ׳Gärtner als Instruktoren für!Gemüsebau dienen sollen. 1In iBalfouria bei Merchawüah!(!Emek Jesreel) besteht seit einiger Zeit!ein mit!1115 Kindern belegtes Waisen¬ Seidenstoffe, Samte, Jaclfenfutter Unerreicht In Auswahl und P״eisen Seidenhaus KOMORNER, Wien I., Fischeistiege 3, II., Tabors!rasse 14 haus für Knaben und in Schiefeijah ׳(Tochterkolonie von Sichron Jakob) ein solches für Mädchen, in denen die!Kinder, fern von der!Stadt und ihrem Getriebe, in der freien Natur aufwachsen und ■für ihre ׳künftigen!Berufe ■auf dem ■Lande aufs Beste vorbereitet werden, ׳während sie ׳gleichzieit'ig durch ihre . Zahl einen grossen Zuwachs für die Kolonien ׳darstellen und den .inneren Markt derselben stärken. Für Sohefejah —!bisher ■eine kleine, unbedeutende Kolonie — kann das der Anfang ׳einer neuen .Zeit sdU und manche der Zwergkolonien der Vorkriegszeit sind in derselben Lage.!Wir erinnern daran, dass vor ■dem Kriege schon das alte deutsch-jüdische Waisenhaus von Jerusalem nach Petach-Tikwah verlegt wurde. Dafür, dass ■auch schon vor diem Kriege, die Anlegung von £ u k a 1 y p t u s p f :1 a n zungen für •besonders . ren- ׳tabel galt, ein Beispiel: die Gebr. Streit ׳aus Petach-Tikwah legten in Kafr Saba eine Pflanzung von!100 Dunam Eulkalypten an (10.000 Bäume), ׳die sie selbst vorher in der Baumschule gezogen hatten; letztere ׳brachte schon vor dem Auspflanzen dadurch einen Ertrag, dass viele •Leute in Petach-Tikwah Bäumchen kauften. Ueberall im Lande, wo Baumschulen angelegt wurden — auch schon vor dem Kriege, z. B. in Migdal ־- fehlte ׳es niemals an Käufern, •die selbst die ׳Mühe der Anzucht scheuten und die Bäume ׳in den Baumschulen kauften. Für Anlegung von Gärten in Tel-Awiw gibt es dort schon einige Baumschulen, auch .gutgehende ׳Blumengärtuereien, die früher ,fehlten, sind jetzt da. Die Deutschen!in■ ׳Haifa legten Jahrzehnte vor dem Kriege einen Oel baumwald ■in ׳der Gegend an, in ■der jetzt das Technikum ist, und zwar pflanzte jede Familie einige wenige Bäume, von!denen sie seit ־vielen Jahren ihren Eigenbedarf an Oel ■und Oliven deckt. Einen zweiten Wald — diesen von Nadelbäumen — pflanzten sie auf dem Karmel, den ■einzigen wirklichen ,;Wald“ im europäischen Sinne, den es in ׳Palästina gibt; er macht die ‘deutsche Siedlung auf dem Karmel zu einem der ■schönsten Punkte i׳m Lande und ■brachte reichlichen ׳Ertrag wie ,alle An- Pflanzungen von Holzbäumen ,in dem holzarmen Lande.!Bin bekanntes Beispiel aus dem!Auslände ׳ist ■das einer süddeutschen Gemeinde, ■die einen solchen Ertrag aus ׳ihrem Gemeindewald zieht, dass sie!nicht nur keine Gemeindesteuern und Schulgelder erhebt, sondern auch nach Belieferung aller Gemeindernitglieder mit ■Holz noch einen ■Ueberschuss behält. Wer hindert uns, bei allen Neugründüngen ( und auch ׳in •alten Kolonien) ׳mit ganz geringen Kosten dieses Beispiel nachzuahmen?!Die kleine Kolonie ■M 0 z a h •bei Jerusalem hat :in letzter ׳Zeit einigen Zuwachs bekommen. Ausser dem Er- ,holungsheim der Arbeiter-Krankenkasse, das bereits :in!Betrieb •ist und solche Arbeiter aufnimmt, die aus dem Krankenhaus entlassen,' •aber noch •nicht imstande sind, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen (ein lErweiterungsbau ist bereits begonnen) — :besteht seit kurzem ׳eine• Gerberei in Mozah. Es liegt ,kein!Grund vor, nicht noch weitere gewerbliche •und industrielle Unternehmungen nach Mozah zu legen, zumal dort seit langer!Zeit der 'Weinkeller des bekannten Kolonisten!Bros e existiert,;in •dem besonders guter Weiin!und Kognak hergestellt wird; der M׳ann fabriziert ausserdem ,Fruchtkonserven, die :i׳m ׳vorigen ׳und ■in diesem Jahre nach Wembley ׳zur Ausstellung gesandt wurden. Uebrigens ist das ■Unternehmen von Brose ein׳ Beweis, dass es keines iRiesenkellers wie ׳des Rischoners bedarf, um guten Wein ’iherzustellen,. sondern dass, wie sonst auch in vielen Fällen, der Kleinbetrieb dem Grossbetrieb unter ׳Umständen überlegen sein kann. Vor dem Kriege befand sich in!Mozah eine Oelpressier ei, die die bei der Oliivenpressung' vierbleiben-!den Rückstände verarbeitete. Die!Gebäude sind .noch vor- ,banden und die Gegend ist wohl ■die geeignetste in ganz Palästina. In. der Nähe der Fabrik wird jetzt ein Bet 11-ha- Ghaluzoth durch den Misfachi erbaut. Im ganzen befinden sich in der direkt an der Chaussee!liegenden Kolonie (bei Kilometer 7 von Jerusalem) ׳bedeutend mehr Häuser als vor dem Kriege; eine weitere Verstärkung. dieser besonders günstigen Position wäre sehr zu begrüssen. Jedem, der durchs Land fährt, muss der besonders ■gute Anbau der Gegend um Bethlehem auf fallen, die augenscheinlich denselben steinigen — nur anscheinend unfruchtbaren — Boden hat, den ׳di!e weitere Umgebung von Jerusalem durchgängig aufweist. Ausser Oliven und anderen Fruchtbäumen wird Gemüse angebaut; die!Initiative soll ■von einem Geistlichen ausgegangen sein, der vor einigen Jahrzehnten nach Bethlehem kam. Das!Beispiel von D i 1 b ׳(Kiriath!Anawirn) an der Chaussee von Jaffa nach Jerusalem bei Kilometer 13 zeigt, dass auch ■an an- ׳deren Stellen dieser Weg schon mit Erfolg beschritten!wurde. Ein Beispiel aus dem Auslände ist die!Insel K re t a. auf der schon seit!längerer ׳Zeit.der Getreidebau zugunsten des weit• rentableren Olivenbaues •eingeschränkt wird. Die kleine Kolonie Bne iBra׳k, nicht weit von Petach-Tikwah und angrenzend an Ramath Gan gelegen, die erst' i׳m zweiten Jahre besteht,־ macht weitere Fortschritte •in der Richtung •auf das von!uns vertretene Kolonisationsprogramm: kleine Parzellen, Milchviehzucht, Geflügelzucht, kleine Industrie. Auch die Idee der .Selbstarbeit dringt in immer weitere Kreise: ׳Zwei Mädchen aus dem Handwerkierviertel Tel־Aw,iws — Merkas Ba׳ale Melacha — Hessen sich ■kürzlich in Bne Brak nieder und!begannen damit, •sich ihr Haus selbst zu errichten, und zwar in der im ganzen vorderen Orient seit Urzeiten geübten Lehmbauweise. Nicht weit davon haben in Holland., ausgebildete junge Leute den ersten selbständigen ׳Samenzuchtbetrieb in Palästina begonnen. Was ■intensiver Gemüsebau bringen kann, erhellt aus folgenden Beispielen: Ein Araber be'i •Hebron •erzielt« von 15!Dunam Blumenkohl (11׳ Dunam — 1 Hektar) brutto 800!L. E.!(ägyptische Pfunde). Seine Ausgaben hierauf betrugen insgesamt 17 L. E. Der Kolonist Brose!in Mozah erreichte bei Anbau ׳von Bumenkohl einen Nettogewinn von 20 •bis 30 L. E. per Dunam. Welche hohen!Erträge •bei Milchwirtschaft erzielt werden können, geht aus folgendem Beispiel hiervor: Ein ln Tel-Awiw ansässiger Agronom erzielte von einer holländischen Kuh, die ,100 1L. E. gekostet hat, ,einen Ertrag von 15 L. E. netto 1m Monatsdurchschnitt Er!bezog das Futter zuerst aus dem 55 Kilometer entfernten Benjaminah; jetzt verfüttert er importiertes griechisches Heu,!das billiger ist, und ebenfalls importiertes Kraftfutter. Gewiss ein Beweis für die von ׳uns beabsichtigte Bevorzugung der iMiichviiehhaitung ׳auf!kleinen!Parzellen, deren Besitzer das Butter nicht ׳selbst!bauen müssen. Wir konstatieren mit Vergnügen, dass auch in der zionistischen Organisation man von der Notwendigkeit der grossen ilnstallationskosten nach und nach abkommt: wie wir •aus ■der ״Jüdischen Rundschau“ ׳Seite 33!3 ersehen, schlug der . Agronom Wilkansky in der Sitzung des Wand •Poel der ״Hitachduth“ vor, dass ״in gewissen!Fällen und unter bestimmten Bedingungen auch geeignete Personen, die Mittel von 300 bis 500 L. •E. besitzen, in den Arbeitsbereich des Keren Kajemetnh gezogen werden •müssten. Herren-, Knaben- und Kinderkleider fertig und nach Maas Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von UtSVtP wird geuauestens geachtet. J. STERN, Wien, II., Glookengasse 25. T. 46913. •_Beachten Sie die Hausnummer.__ Bibelkritik. Eine Studie von Prof* Ed. Ungar, Mitglied des Lehrkörpers׳ der Talmudthöra-Schule. j! II. Entgegen der dualistischen ׳Psychologie, welche Seele ׳und Leib als zwei ganz verschiedene Wesen betrachtet, eine Seele ohne materielle Basis zur Voraus- Setzung hat, erblickt Hackel in Konsequenz der monistisehen Theorie, im Seelenleben eine Summe von Lebenserscheinungen, ׳welche ■an eine bestimmte materielle Substrat •gebunden ■ist und •die es mit dem Worte ,;Psycho- Plasma“ bezeichnet. Die Vorgänge des niederen Seelenlebens bei den einzelligen Protisten und — bei den Pflanzen sind bedingt, meint •Häokell, duroh ׳physiologische Vorgänge in dem Plasma ׳ihrer Zellen. Und ganz!dasselbe müssen wir auch für die höhere Seelentätigkeit der höheren Tiere und des Menschen annehmen. ׳״Physiologische Vorgänge‘* —!was •kann, was soll man sich darunter vorsteilen! Denken, Fühlen, Wollen und Bewusstsein erweisen sich somit nach Häckel als Funktion jener geheimnisvollen Seelensubstanz — ״Psychoplasraa“ genannt. ,Soll die Seele ■arbeiten, dann ist )für ijepe mystische Substanz» die ein differenzierter Bestandteil des Protoplasmas sein soll, eine gewisse (!) physikalische und chemische Beschaffen• heit unentbehrlich — meint ■Häckel. ׳Eine gewisse chemische ׳und!physikalische Reschaffenhejit!;Wie ge-, heimnisvolii das klingt! Was mag das nur sein? Eine Antwort ist da unbedingt erforderlich. Aber ganz vergeblioh, es erfolgt keine, v Die Wundermixtur sollte doch dem menschlichen Auge wenigstens Im Protoplasma der einzelligen Protisten sichtbar gemacht werden können — ganz vergeblich, kein menschliches Auge hat jemals dieses Geschöpf gesehen und selbst dem schärfsten Ultramikroskop bleibt ein Erfolg versagt. Nichtsdestoweniger ' können schon bei dem einfachsten einzelligen ׳Protisten Empfindungen bleibende Spuren In dem legendären ״Psyohoplasma“ hinterlassen, und diese können von dem Gedächtnis als Vorstellung reproduziert!werden — meint ׳Häckel. ׳Auch diese Spuren hat natürlich kein 1menschliches Auge ■gesehen. — Bei den geselligen Protisten, noch mehr ׳bei1 den Geweben der Plflanzen begegnen!wir schon der zweiten Stufe der ׳unbewussten Vorstellungen, •was auf!dem Seelenleben zahlreichen, eng verbundener Zellen ׳beruht — meint Häckel. Hat der Mann Phantasie! Und das alles •wird •bestimmt!und geregelt nach!Gesetzen der ׳Physik und Chemie — natürlich ׳werden diese Gesetze seitens Häckel sehr sorgsam verschwiegen. Die moderne Wissenschaft ist nicht wenig ■stolz ׳darauf, im Gegensatz zu der alten Scholastik, •die sich der deduktiven Methode bediente, sich nur auf die!Induktion zu stützen. Der monistischen Theorie genügt weder die eine noch die andere Methode, sie muss noch überdies zu geheimnisvollen Kräften greifen — das wichtigste Ereignis ׳für jedes Lebewesen׳ findet i׳n dem Momente statt, in welehern die Geschlechtszellen der beiden Eltern zusammentreffen. Die!weibliche!Eizelle ׳wird von Millionen iSpermatozoen (männliche Geiselzellen)׳!umschwärimt, aber nur einer gelingt es, in das Plasma der Eizelle einzudringen, und nun werden die Kerne beider Zellen, nach •Häckel, durch eine — geheimnisvolle Kraft zu einander hingezogen. ■Ist es zuviel gesagt, wenn angesichts solcher ,Lehren“ schon der alte Sohmarda •meint: ״Zahllos sind die ׳Fragen, welche nach Darwin •nicht beantwortet werden können und wo eine solche zu geben versucht wird, klingen sie, als ■kämen sie ׳vom ipythischen Dreifnss,“ Eine andere ׳Stütze!der monistischen Theorie,!das .*phylogenetisghe ׳System — ein־ natürlich sein sollendes System der Organismen auf Grund ihrer Stammesgeschichte, hält nicht, was von ihr erwartet wurde — ׳Lücken und Unebenheiten rauben ׳ihm den Charakter der Gesetzmässig•• ■keit. Die hier angeführten Thesen bilden so ziemlich das Gerüst der man'istischen Theorie ׳und auch der Bauplan ist deutlich zu erkennen, Momente zur objektiven Be- ■urteilung ׳jener Theorie ■mehr ׳als genug. Und da muss man unwillkürlich ׳fragen: So •schauen :Ergebnisse exakter •Forschung aus; ist ■das ׳wirklich ■die .van der modernen Wissenschaft so gerühmte induktive Methode, die hier gehandhabt wird, oder ist hier nicht ein Rückfall in die gerade von Häckel so verpönte Metaphysik :deutlich zu erkennen? Das Material, das Darwin seiner Theorie zugrunde gelegt, war schon lange Jahre vorher auch anderen, namentlich Lamarek •und Geoffroyde St. Hilaire: bekannt. Auch Kant war es nicht entgangen, auch er trug sich mit revolutionären Gedanken, fand aber später, dass das vorliegende Material zum Aufbau einer neuen Weltanschauung noch lange ׳nicht ■hinreicht und hielt ׳Umkehr. Aehnlioh erging es Rudolf Virchow, Wilh. Wundt und Du Bois- Reymond, drei ganz Grossen im Reiche der Geister. Vom glelssnerischen, schillernden Aeussem ׳der monistischen Theorie geblendet, ergaben sie sich 1i׳n jugendlicher Begeisterung ■ganz •der neuen Heilslehre. Aber ׳mit der reiferen Einsicht des Alters vollzog sich eine Wandlung. Die un-