Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 40-41 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 40/41 JIDDISCHE PRESSE Seite 267 H. Man (wundere sich nicht, wenn man viel Aufhebens von dieser ״Kleinigkeit“, von dieser Formsache macht. Das Leben ist ja schliesslich auch nur ״Formsache“. Das Leben hat Formen bitter nötig, denn das!Leben wirkt sich in Formen aus. Man antworte auch nicht: nun, da es einmal geschehen seiv wäre es besser, sich mehr um das Reale, um den Aufbau der Kolonie zu kümmern. Das wären Redensarten. Denn das Reale allein hat überhaupt keinen Sinn.!Das Reale allein wäre Illusion. Man braucht Symbolik im Leben, man hat!Illusion und Phantasie so notwendig, dass man fast sagen, könnte: eben die Phantasie ist das Reale. Von einer Namensnennung hängt gar vieles ab. Jüdische Namen werden meistens Schicksal. Den orthodoxen Massen, die unter dem Namen Schauschanas Jaakauw seit Zürich mit Begeisterung für Erez Jisroel Mittel sammelten, die unter dieser Devise für Erez Jisroel propagandistisch arbeiteten, ist dieser Name (ausser ,Beweis eines Zeichens der Liebe und Verehrung für den Gründer und Führer der gesetzestreuen Organisation): Symbol, Programm und Ansporn. י III. f2 Eröffnungs-Anzeige! P. T. Erlaube mir einem P.T. Publikum liöfl.bekanntzugeben, dass ich Dienstag, den 29. September 1925, ilt* Herminengasse 10! Ecke Hochedlingergasse eine בשר IVIilclispeiselialle כשר unter der rituellen Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der ״Adas Jisroel11 (Schiffschul) eröffnet habe. Sukko im Hause. Ich werde durch Verabreichung vorzüglicher Speisen, aufmerksamste Bedienung und mässige Preise bemüht sein, mir die Zufriedenheit des P. T. Publikums zu erwerben und zu erhalten. Um zahlreichen Zuspruch bittet Hochachtungsvoll JOHANNA DEUTSCH. Was diese Anfrage ■bezweckt? Mir ist unbekannt,!welche Instanzen der Agudas Jisroel für diese!Benennung verantwortlich sind. Die Stelle aber, die ■die Verantwortung hiefür trägt, bitte ■ich um Antwort auf die ■Frage: Wie kam• man dazu und iwas war der Grund ■dafür, einen’von Vertretern der Orthodoxie für diese erste Kolonie einmütig gewählten :Namen ■achtungslos bei!Seite zu legen und ■die eben im Bau befindliche Kolonie mit einem anderen Namen י zu benennen? Und an die Palästina-Zentrale der Aguda geht die Frage: 'Was beabsichtigt man zu unternehmen, um diese Taktlosigkeit (es ist eine• Taktlosigkeit!) ■wieder gutzumachen? Gesetzestreue Juden als Pioniere des heiligen Landes. Warschau. (AJPB.) Montag, d. 25. Elul referierte -Dr. Schlomoh Ehrmann den Warschauer Besitzern von! Grundstücken in Emek über die wirtschaftlichen und geistigen Erfolge der agüdistischen Pioniere für den Aufbau Erez Jisrpels. Er begann mit der :Schilderung der Anfangsarbeiten zur Errichtung der Kolonie ״Machno Jisroel“, dieer als :historisch einzig dastehendes wich.־ tiges Ereignis bezeichnete. Die Tatsache, dass glaubenstreue Juden wirtschaftliche;Tätigkeit nur in harmonischer Vereinigung mit ihren geistig •seelischen Bedürfnissen zu entfalten gewohnt sind, spiegelte sich im ganzen System! wider, das diese arbeitsfrohen Menschen zur Schaffung ihrer Kolonie wählten. Zugleich mit dem Errichte,n von Wohnhäusern wurde Bet- und . Lehrhaus sowie Mikwoil errichtet. Ein Schochet wurde angestellt. Vom ersten Tage an wurden die Mussestunden für gemeinsames Talmudr Lernen verwendet. Dieser ethische Ernst der Landarbeiten hat schon Schule gemacht. Die ganze Umgebung benützt bereits die rituellen Institutionen und viele Kolonisten! aus : den nachbarliche,n Siedlungen kommen selbst und schicken ihre ' Kinder, um; langentbehrte Thoraworte zu! hören. ״Machne / Jisroel“ liegt an der wichtigsten;Haupt-! strässe Palästinas, etvva sieben Minuten von Bälfouria entfernt. In nächster Nähe liegt ״Kefar Iadim“ und׳ ״Tel Adasch“. Letztere ist eine Kolonie Siebenbürger Juden] von welchen;eine grosse Zahl die ernste Absicht hegt, nach Machno Jisroel zu ziehen, da sie'dem Druck, dem! sie seitens des Bodehbes'itzers, des Keren Kajemeth, •zu1 masslosem Ueberdruss ausgesetzt sind, nicht mehr widerstehen können. Die Hcilighaltung des Schabbos wird ׳ihnen* wie sie vielfach klagen, durch starre, bureaukratischei Satzungen des Besitzers unendlich erschwert. Gegen dert Wunsch der Koloristen, die Schulen im echt jüdischen Geist fordern, wurde eine freigeistige Schulpragmatik eingeführt. Bis ׳jetzt hatten sie auch keine Mikwjoh. D,ie: Agudas jisroel hat diesem Mangel in wohlwollendster ■Weise durch den ,Bau eines geräumigen rituellen Bades, * abgeholfen. Als Schochet’dient ihnen dieser aus ,Machnd• Jisroel. In Maclrne Jisroel;wurde die zweite Hachscharab bereits •in ׳Angriff genommen, denn die erste!erübrigte sich, weil bei der höhen■■Qualität des Bodens eine Ent-, steinung und Entsumpfung unnötig war. Es musste also bloss für Strassenbau, Wasserversorgung;und gemeinwirt■ schaftliche Institutionen Sorge getragen werden. Interessant ist, dass etvva in Afulah bei 200 Meter Tiefe kein! Wasser gefunden wird, während auf dem Agudahboden schon bei 43/! gesundes Wasser zutage gefördert wird.׳ •So hat zum Beispiel ein Araber bei der Eröffnungsfeierlichkeit der Kolonie,, zum Beweise seiner .Sympathie Herrn! Dr. Ehrmann persönlich ein Geheimnis anvertraut, das als Ueberlieferung von vor hunderten Jahren in seiner Familie fortlebte. Er erzählte, dass in dieser Gegend einmal ein Brunnen existierte, der .deshalb . von, seinem Besitzer!mit Steinen verstopft,•wurde, weil die Bewohner von!weit und breit dorthin um Wasser pjlgerten. Glücklicherweise wurde diese Stelle nach einigem Suchen aufgefunden und;nach1 Entfernung der Steine zeigte sich ein sprudelnder grosser Quell mit ganz hervorragend gutem• Wasser. Die Stadt Afulah, welche schrecklich an Wassermangel leidet, wird voraussichtlich von Machne Jisroel ihren ganzen Wasserbedarf decken müssen. Zuerst' wurden 20 Mitglieder ׳der Poale Agudas Jisroel aus Jerusalem und ebensoviele aus. Tel-Avyiw nach Machne Jisroell dirigiert. Es sind meistens junge Leute aus Polen und einige aus Litauen und Deutschland. Si,e verdienen durchschnittlich dreissig Piaster־ täglich, wovon sie sich noch etwas, ersparen können. Es sind bereits seither eine Anzahl Bodehbesitzer eingetroffen, die ihr Eigentum persönlich bearbeiten; Wiewohl strqnge Disziplin in der Kolonie herrscht, sind allesamt höchst zufrieden und .voll Arbeitsfreude. Es befinden sich1 in. Machne Jisroel vierzigtausend.Eukalyptusbäiime, die voraussichtlich genug Holz liefern, werden für den Bedarf der Kolonie. Es wird jetzt an Ort und Stelle ein System ausprobiert, um wesentlich billigere, jedoch qualitativ bessere Ziegel als alle bisherigen Erzeugnisse zu machen. Die Verwendüng dieser Ziegel wird vorteilhafter und preiswerter als Beton und Stein sein. Allenfalls ist man bedacht, die Häuser billig, gut und von gefälligem Aeussern zu schaffen, um neuerlich den Beweis zu liefern, dass die Palästinazentrale der Agudas Jisroel dank ihrer fachmännischen Berater und des gemeinwirtschaftlichen Betriebes erhöhte Konvenienz biefet. Nach genauen Berechnungen werden auf dem Böden von Machne Jisroel sechshundert Familien angesiedelt werden. Selbständige orthodoxe Gemeinden in Polen. Von Sejmabgeordneten ■Ellas Kirschbraun in Warschau. Der Gedanke, dass ■eines Tages auch ■die!polnische Orthodoxie sich ■gezwungen sehen wind, nach ׳dem Muster Westeuropas an das!Problem ■der ■selbständigen orthodoxen Kehillos ,heranzugehen, ist ■rrair!zuerst vor ■drei Jahren auf einer Sitzung der Warschauer Gemeindeverwaltung auf gegangen, als der Beschluss ■gefasst wurde, ein ״Oberrahbinat“ einzurichten. Auf Grund meines Mandates in der Verwaltung!bemühte ich mich, meine Kollegen im Rate davon!zu überzeugen, .wie unsinnig und unberechtigt ein solcher ׳Schritt sei ■und ׳zu welchen weitgehenden Konsequemzeu er ■führen würde, lieh ,fand in der Kehillo-Verwaltung vom ׳Jahre ll!922 taube ,Ohren. Auch die von orthodoxen Stimmen gewählten..•Abgebrdneten verstanden mich nicht, ■und so ■wurde mit Stimmenmehrheit das ■Projekt angenommen.!Es nützten auch nicht die grossen Dernonstrationen der Tausende vor den Toren ■der Verwaltung, die Delegationen ■der Gelehrten ■und!Philanthropen, der!Protest ■der orthodoxen Deputierten mit iPrywes s. A. an der Spitze, die Intervention des ■gesamten Rabbinates. Die Kehillo-Verwaltung gab den ׳Plan ■nicht auf und führte ihn mit ׳Hilfe 'ihres Gesinnungsgenossen!Adelsberg durch. Damals schon gelangte ich zur lUebezeugimg, dass, je früher es ■uns gelingt, ׳unser Gemeindewesen selbständig auf der Grundlage ׳von Tliora und Ueberlieferung ■zu orgairisieren, umsom-elir und zweckmässiger wir unsere ■Kraft o'lvne ׳Störung von aussen!positiv entfalten können. ׳Auf ein Referat über dieses Thema im 1A. C. der polnischen Aguda erhielt ich die Antwort:■״iln!Polen besitze die Orthodoxie Macht genug, sich 'innerhalb der Gemeinden durcheusefzen, ■darum sei die Trennung verfrüht.“!inzwischen ■aber!häuften sich die ׳Beweise ■für die Notwendigkeit unserer!Autonomie. Es Ikam die Uebergabe des Grundstückes •für ein •Studentenheim ■neben der Mikwo'h, es 'kamen’׳die!Machenschaften ׳bei den iRablbinerwa'hlen, die Beleidigung ׳und 1Herabsetz!t1n׳g '!von ■bekannten Rabbinern, die bis izum tätlichen Angriff auf offener!Strasse gingen. Am drastischsten ■taten aber die Notwendigkeit der Trennung die letzten Wahlen zur Kelil'Uo-Verwaltung .dar. Es ist noch in aller ■Erinnerung,; mit welchen schändlichen Mitteln gegen unsere!Kandidatenliste gekämpft worden ist. Zionisten und Assi'milätoren. die •sich das ganze ,Jahr hindurch in den!Haaren ׳liegen, reichten sich die!Hand »zum Kampfe ־ gegen Agudas Jisroel (so in Kalisch).:!Bezahlte Annoncen von der ■Kanzlei ■der Aguda ׳fanden in der ׳Presse keine Aufnahme. Man wagte es sogar, einem Aufruf, der ■von den berühmtesten Thoragrössen unterschrieben war, die Spalten auch gegen!Bezahlung ׳zu!verweigern. Da trotzdem in!Warschau, Lodz, Lublin usw. die grösste Stimmenzahl der orthodoxen Liste zufiel, wurde überall ein ■Block geschaffen, in dem sich Bundisten, Zionisten ■und alle!Mitläufer der antireligiösen!Parteien gegen die Orthodoxie ■vereinigten, welche es ■gewagt ׳hatte, ■in ihrer ■Organisation ״Agudas Jisroel“ gegen die organisierte Gottesleugnung in den Kampf zu treten. Und!was erleben wir ■in den neuen Gemeindeverwaltungen? ,In ■Lodz wird der dem!Gemeinderate angehörende Rabbiner boykottiert und ׳zu ■den iSitzungen nicht zugelassen. •Es kam so weit, dass der christliche ■Beamte die Herren Räte ermahnen musste, ׳ihrem Geistliehen mehr Achtung entgegenzubringen. Man ist!in Lodz ■gewillt, es auf ■eine ■Gerichtsentscheidung ankommen •zu lassen un'd •den ״Chilul )Haschern“ aus der Gerneindestube in die weite Welt!hinauszaitragen. 111׳ iPiotrikow, ,einer ■Stadt mit vorwiegend religiöser Bevölkerung,!haben die Herren ■Räte den ersten Mai als, öffentlichen ■nationalen Feiertag ׳proklamiert, dagegen.wird jede Unterstützung der Chedarim ■verweigert. Dort nehmen ■die orthodoxen A'bgeordneten überhaupt keinen Anteil mehr an den Sitzungen. In Mlawa wird der orthodoxe Vorsitzende, der streng darauf sieht, die Beschlüsse der Mehrheit ■durchzuführen, mit Fäusten bearbeitet und!blutig geschlagen. In ׳Bendin versagt mau ׳dem allgemein ,verehrten und beliebten Rabbiner das!Gehaltsminiimum, aus ׳persönlicher Schikane, noch mehr jms Hass gegen die!Religion, deren Vertreter ׳man im greisen Rabbiner sieht. Es ■ist einfach■ unmöglich, all ■die Unternehmungen gegen die Religion und ihre ׳Vertreter von seiten der neuen ׳Gemeindeverwaltungen aufzuzählen. ■Die orthodoxen Forderungen werden ,mit Beschimpfungen beantwortet, dagegen werden alle Institutionen unterstützt, die, wie die jiddisohistischen Schulen, ■den!Abfall züchten oder, wie Keren ■Hajessod, Parteizwecken dienen. Religiöse Anstalten werden boykottiert. ■Mit ■einem Worte: die Tätigkeit der neuen Kehillaus erschöpft sich!in ■der!Propagierung unjüdischer Zwecke und ׳Parteiziele, ■die ■mit den!Interessen der Ortsbevölkerung nichts izu tun;haben, dafür aber auf den Ruin der Anstalten hinausgehen, die zu ,halten ■und zu־ fördern erste Pflicht der!Gemeindeverwaltung!wäre. In Erwägung all dieser Tatsachen ׳müssen sich die verantwortlichen Führer ■der orthodoxen Bewegung docli ernstlich fragen, ob sie es .mit ihrem Gewissen ׳vereinigen können, ׳diese Zerstörungen ruhig.;hinzunehmen, ob es nicht an der Zeit sei־, vom Westen zu ׳lernen, wie man die ■Orthodöxle vor dieser reissenden Welle retten kann. Oder sollen wir warten,!bis der Niedergang in Bolen den ׳Grad erreicht ■hat wie im ׳Ausland •vor siebzig Jahren? Die Antwort ist klar. Die Schaffung besonderer orthodoxen Gemeinden;und einer Gesamtorganisation dieser Gemeinden •mit eigenem ׳Oberrat ist reif. Und da wir eine grosse ■Organisation besitzen, fehlt es uns nicht an eigenen orthodoxen Deputierten und Senatoren, ,!die die Sache bei der Regierung durchsetzen. Heute ■sind wir-auf der ■jüdischen Gasse noch stank ■genug-, dieses durchzuführen. Länger warten darf ■man nicht.!Selbstverständlich dürfen wir ■uns in der Arbeit ■nicht absohrecken lassen durch die marktschreierischen ■Artikel in den Zeitungen, die von Verrat der Orthodoxie oder vom Zerbröckeln des -Judentums faseln. ■Ueber all diese Anrempelungen gehen wir ,zur Tagesordnung über, das Ziel ■fest im ■Auge, ohne nach rechts und links zu schauen* Wir gehen nicht auf Kampf aus und arbeiten keinem zju Lieb oder zu Leid. Wir wollen nur die heiligen Fundamente unserer Religion schützen und ■da wir mit den Zerstörern unserer Heiligtümer innerhalb der Gemeinde nicht kämpfen können und wollen, müssen wir unsere eigenen Gemeinden haben. Wir können es nicht ,zulassen, dass religiöse Fragen, die für uns keine Fragen sind, einer ■Abstimmung und einem Mehrheitsbeschluss unterworfen werden. Wir können keine ■An־ stalten unterstützen, aus ■denen ׳Gottesleugner hervorgehen. Wir mögen nicht eure Missionsreden hören, darum müssen ■wir unsere eigene ■Kehillo haben.;Wirwerden sie ohne Kampf, aber ernst und würdevoll, mit Energie und Entschlossenheit uns erwerben.־ Wir werden izai den anderen Gemeinden, soweit es an uns liegt, freundschaftliche Be- Ziehungen ׳pflegen, nachdem die Reibungsfläohen ׳im engen Raume aufgehört haben. •Es ist dies auch ein Gebot der Gewissensfreiheit. Wir wollen keinen zwingen, dass er denke wie wir. ׳Ebensowenig können wir uns aber, Anderer Gesinnung aufzwingen lassen. Daher ■ist der einzige Weg: friedliche Trennung. So ist es in Deutschland, so in!Ungarn, so in der Tschechoslowakei und in der Schweiz. Jetzt ist die ■Reihe an Polen. Wer da weiss, was hinter ׳den Kulissen vorging, als ich aus Anlass 'der Sejm- und Senatwahlen den!jüdischen Block anstrebte, kennt auch die!Hemmungen, auf •die ,.ich innerhalb der Aguda gestossen bin.!Es bedurfte übermenschlicher Kraft, die Freunde davon ׳zu ■überzeugen, dass das Judentum nach aussen eine Einheitsfront :zum Schutze unserer Rechte darstellen ,muss. 'Bei der Innenarbeit im Kehillowesen kann aber diese solidarische Geschlossenheit nicht walten, solange sich alles gegen die Religion ■zusammentut. Hier muss es ■eine reinliche Scheidung gelben. |• Wir müssen ■mithin eine äussere!Front haben, die geeint ■und geschlossen ,dasteht, und eine ■innere, in der getrennt marschiert wird. ,In Dingen des Glaubens gibt es ■keine Kompromisse, ,und kein Paktieren.!Es ׳muss beiden!Partnern erwünscht sein, Herr im eigenen!Hause zu sein׳ und. ,die religiösen ■Angelegenheiten ■nach dem Diktate des Gewissens zu ordnen. Unser Gewissen ist einizig der •Schulchan Arucli. Nichts könnte ich ■mir sehnlicher wünschen, als geiwürdigt zu s-eiri, diese Errungenschaft ׳zur Stärkung der Religion, wie ■sie unsere Gesinnungsgenossen in Westeuropa •längst erreicht und ■für ■die unsere Besten in Palästina mit Rabbi Chasim ■Sonnenfe׳kl an der Spitze vcr.zweifel;t;׳׳kämpfen, hier auch in Polen durclvzuführen und. das grosse *Werk zu vollführen, zu Ehren Gottes u׳nd seiner Thora. , Golde Felge Moscovici. Die 44jjihrige rumänische Staatsangehörige! Golde Feige Moscovici überschüttete nach! einem vorangegangenen Streit ihren״Mann, den 43jährigen Kaufmann Salomon Moscovici,׳ in der K01־Nidre־Nacht mit Salzsäure, wodurch er im Gesichte schwere Verletzungen erlitt■! An diesem grauenhaften Ausschnitt aus der Tageschronik der Grosstaät, der hier (in; einer trockenen ׳Ze Rungs ר notiz gemeldet wird, dürfen wir gesetzestreuen' •Juden nicht gleichgültig Vorbeigehen. Der Name der beiden Ehegatten deutet darauf hin, dass sie dem jostjüdiischen; Milieu entstammen und den Gesetzen' altjüdischer Sitt־ lichkeit,. die auch das Zusammenleben in der (Ehe in die Sphäre g-ttgewelhter Heiligkeit rückt; noch. nicht; allzu sehr entfremdet w,aren. Die jüdische Familie; die Reinheit der jüdischen Ehe, war die festeste Grundlage ‘(unsere!! Existenz. Jahrhunderte finsteren' Hasses und wuteridstei] Verfolgung konnten dem'gesunden Kern unseres Volkes! nichts anhaben, solange das unerschütterliche Gesetz rieh Thora die Moral der jüdischen Ehe regelte.u'Di:ese Moral ist in der modernen Grosstadt der härtesteh■• Belastuhgs־! probe, ausgesetzt. Es׳ ist für •unsere: Zeit bezeichnend, ■dass! die Tagespresse; der‘treueste Spiegel des! ׳Grosstädtlebeins, immer wieder ihre Spalten!füllt mit Berichten, /die von dem sittlichen Tiefstand weiter «Kreise einwahrhaft' er-, schreckendes Bild geben. Eine Zeit,׳ in der Körperkultur das Höchste bedeutet, in der Fussballkämpfer und!Sportüeröen bewundert und bejubelt werden; hat:־״für׳.! die! feineren geistigen und sittlichen Werte keinen Platz־. Auch! vor unseren Kreisen hat die Schwächung des sittlichen Bewusstseins nicht Halt gemacht. Auch vor der -Türei des jüdischen Hauses ״lagert die Sünde“.׳ Frau! ,Golde Feige! ist ihr zum Opfer gefalen. Sie hat Dinge gehört 1i!nd! gesehen, die sie früher einmal mit aller Kraft'• von sich ferngehalten hätte. Die Predigt vom unbeschränkten Selbst־* bestimmungsrecht des Menschen über den Leib; ist aiich an ihre Ohren gedru|ngen und da mochte!sich' inי ׳;ihn ein Kampf abgespielt haben, dessen ganze Tragik» wir nur ahnen können. Sie wusste nicht mehr (aus nochl ein. Es half ihr nichts mehr, dass sie; ׳mit '!ihrem Mann am Kol-Nidre-Abend am G־ttesdienst teilnahm.k.Als sie mit zitternden Lippen das Al-Chet flüsterte, und ■ sich über geheimste sündige Wünsche und Triebe Rechen־: schaft gab, da mochte sie Wohl den Zwiespalt •ihreij armen Seele in seiner ganzen!furahtbaren Härte ■emppfunden haben. Aber sie fand nicht mehr!zurück.;D1״e| Rückkehr zu G־tt, zur Thora, zum jüdischen Leben: war ihr verschlossen. Im Kampf zwischen -altjüdischer ׳!Sittenstrenge und laxer Grosstadtmoral wurde sie aufgerieben• Ein Opfer der Zeit...; Spanien gegen Oesterreich 1:0. Spanien, das ׳alte ■Spanien, das in der jüdischen ׳Geschichte mit ’unauslöschlichen Lettern eingeschrieben stellt, teils durch das ■goldene Zeitalter der ׳jüdischen Literatur .im. Mittelalter, teils ■durch die schwarze Grausamkeit der Inqu'isition hatte ׳am ׳jüngsten!Sonntag durch seine!Auswahlmannschaft auf dem Sportplatz der Hohen *Warte!Gelegenheit, den Geist, ■der unsere zeitgenössische Jugend!beseelt, kennenzu lernen. Der Länderkampft zwischen Oesterreich und ׳Spanien in der iFussbalilmeisterschaft ■fand. Sonntag, ■ain Rüsttage des Jom-Kipur, statt. Der Andrang zum Sport- ■platz war überwältigend und alle׳ polizeilichen Vorkehrungen erwiesen sich als ■unzulänglich angesichts der •65.000 Zuschauer., ׳die es sich trotz ׳des schlechten, kalten Wetters nicht nehmen lassen hatten, dabei gewesen zu (sein.;•Zumindest die Hälfte ■dieser Zuschauer war, nach vorsichtiger Schätzung der Wiener :Sportbeflissenen, Juden. 'Die Sport- Berichterstatter halen in ihren ,Stimmungs- und Situationsberichten!ihre Bilder und!Phrasen aus •der Liturgie: dgs Versöhnungstages •bezogen,! Die ■Länge einzelner Spieler wurde in •Proportion gebracht ■mit ■dem Tage, ׳der irp Völksrnund als der ״lange“ bezeichnet wird.!Nur Versöhnung