Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 40-41 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40/41 Sfeite 265 mmffi p mmt, inüssen die eigenartigen Verhältnisse der einzelnen Länder berücksichtigt werden. Wir halten an dem Grundsätz der Agudas Jisroel fest, welche jede Einmischung in die Er- Ziehungsverhältnisse der einzelnen Länder ablehnt. Trotzdem glauben wir, dass der Keren Hathora auf dem Gebiet des Schulwesens nutzbringende Arbeit vollbringen darf und vollbringen kann. Es erscheint angemessen, in den einzelnen Ländern eine Merkas HacWinuch dem Keren: Hathora-Direktorium anzugliedern, dessen Aufgabenkreis hier nur ungefähr beschrieben werden kann. Von allen Seiten wird über Mangel an geeigneter Jugendliteratur geklagt. Besonders aus der hebräisch geschriebenen und also der jüdischen Welt des Ostens leicht zugänglichen Literatur dringt unjüdischer Geist in die Seele des Kindes, so dass schon aus diesem Grunde für ,geeignete Literatur gesorgt werden muss. Die Bestrebungen zur Heranbildung und Weiterbildung von Melamdim und Lehrern müssen unterstützt werden. Die Schulen des Westens müssen in ihrem Streben nach jüdischer Vertiefung Förderung erhalten. Das vorliegende dritte Heft der Keren Hathora־ Blätter enthält den Bericht über die Hamburger ןErziehungsד konferenz. Die dort gefassten Beschlüsse werden von den Lehrkräften der einzelnen Schulen durchgearbeitet. Als Sekretär des Merkas Hachinuch fungiert Herr Bernhard S. Jacobson. י י In Polen haben wir uns in der 'Berichtsperiode hauptsächlich mit der Bes Jaaka uw- Bewegung befasst. In Warschau hat am 25. Februar eine pädagogische Konferenz stattgefunden, deren wichtigster Beschluss in der Einrichtung von Lehrerkursen gipfelte. Der Kurs selbst wurde vom 25. Juli bis 4. September in Robow bei N o w y T a r g abgehalten und hat unzweifelhaft beste Erfolge gezeitigt. Ausser dem Leiter fungierten als Dozenten Rabbiner Dr. Ehrentreu, München, Fräulein Judith Rosen bäum, Frankfurt a. M., Fräulein Rosalie Mannes, Zürich’.,• Während des Kurses und bet Beendigung desselben, fanden in Robow und in Krakau eingehende Beratungen über den pädagogischen Ausbau der Bewegung statt,. Es bestehen jetzt 5 0 Schulen, die in ständiger Verbindung mit der Zentrale stehen und sowohl von Wien als auch von Krakau• aus ideell und materiell gefördert werden. Zur Unterstützung der Leiterin, Frau Schenierer, Krakau, har sich Fräulein Betty Rothschild, Zürich, dorthin begeben. Die nächste dringendste Aufgabe ist die •Errichtung einer Lehrerinnen- Bildungsanstalt, für welche die Zentrale die Mitarbeit! der Mädchengruppen aller Länder erbittet,, die sich bisher schon, ganz besonders in Deutschland und der Schweiz, für das grosse Werk eingesetzt haben. Ueberreiohung des!Kaufvertrages. .■ io./ 'S mm Palästinaschau.*) Von Dr. S. Ehrmann. •Zur Erstarkung des Einflusses der Orthodoxie in Erez J.isroel trägt; zum nicht geringen Teile auch die Tatsaclie bei, dass •in immer steigendem Masse Agudisten sich •wirtschaftlich, vor allem agrikulturell, in Erez Jisroel •betätigen und damit der allgemein •verbreiteten Meinung entgegentreten, als ob die sogenannte 4. lAliah hauptsächlich aus ״Luftmenschen“ bestehe. •Neben dem agudistischen Siedlungswerk in Emek, welches ׳von Freund und Feind gleichermassen;Beachtung und Würdigung findet, hat neuerdiiigs eine Gruppe, deren geistige Leitung dem!Bruder des Gerer ׳Rebbe, Rabbiner •Nechemia Alter, , untersteht, unter dem •Namen ״Sichron ,Dovid“, südlich von Jerusalem auf dem Wege nach •Hebron in nächster Nähe der Salomons-Teiche eine Kolonie gegründet.;Auch der zionistische ״•Haolam“ sieht sich veranlasst, seiner Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass in dieser bisher von der jüdischen Kolonisation vernachlässigten Gegend •durch den Erwerb von 5000׳ Dunam ein vielversprechender :Anfang gemacht wurde, der dazu führen dürfte, weiterhin und auch über •Hebron hinaus jüdische Zentren zu schaffen. Dass Hebron selbst auch wirtschaftlich ׳durch die unter •Leitung von Rabbiner •Epstein (Mitglied des Rabbinischen •Rates und des •Waad :Hapoel der ׳Agudas Jisroel) stehende Jeschiwall aus dem Stadium des Verfalles zu neuem Leben emporbliiht, ist allseitig bekannt. (Noch bedarf freilich Hebron *) Wir entnehmen folgenden Artikel den sehr instruktiven 'Ausführungen von Dr. •S. Ehrmann, •die unter dem Titel ״Palästinaschau“ in Nr. 7/8 •der Monatsschrift für den Aufbau von!Erez Jisroel im •Geiste der Thora ״iMoriah“ an leitender Stelle erschienen sind. ׳(Die Red.) . /4*0 5'״!׳V*. ־• ' i '׳ ׳ Keiner widersetzte sich; als galt es, einem höchsten Befehle nachizukommen. . Still war es auf der staubigen Strasse geworden, wie beim Abläufen eines aufgezogenen Uhrwerkes. Rädergeknarre und Pferdegetrappel und K'indergeschred verstummten jäh. Und oben brennt der Himmel. Und Krach auf Krach grollt von fernher in unregelmässigen Zeitabständen der Donner der Kanonen. ׳ Von Wagen zu Wagen geht der Greis und verteilt Talgkerzen. ״Schwestern!“ ruft er den Frauen zu, ״die schwere Stunde •darf euch das, was zu eures Lebens höchstem Gute gehört, nicht rauben. Entzündet!-“ Wie ein Bienenschwarm ergoss sich der Menschenhäufen auf die zerstampfte Wiese. Mit den Fingern gruben die Kinder Löcher in d׳en weichen Grund, darin die Haustrauen je zwei Talgkenzen steckten. Am . nahen Bache wusch man sich die Hände und bald hatten d׳ie Frauen aus den Bündeln in den Wagen allerlei saubere Tücher, Schürzen, weisse Decken herausgekramt. Und nun erstrahlte die Wiese, über die gestern noch die Hufe der Kosakenpferde gestampft^ in hundertfachem Lichterglanze. Oben am Baume hielt die Drossel mitten im Singen itine, noch röter wie ׳zuvor flammte der Himmel. Scharen verfolgter, obdachloser Engel schwirrten ä׳m Weltenraum, sich aus brennenden Regionen rettend, und hielten auf der Wiese still, darauf die Sohechina f,ür eine Weile ihr Lichtzelt abgeschlagen hatte. Da wirbelte plötzlich der Staub hoch in •der Luft auf. Ein langer Zug Soldaten kam in ehernem Qleichtritt des Weges. Einen Augenblick erzitterten die Lichtlein im Wiiesemgrunde. Dann flackerten sie •ruhig weiter. Es waren Oester reicher, Freunde ... Eine Weile standen die Krieger wie bezaubert vor den ׳Lichterreihen. Dann . kommandierte der Major: .,Achtung! Stfllgestanden!“ Wie eine schützende Mauer standen die Soldaten hochaufgerichtet in Reih und Glied um die flackernden Lichter, um die betenden Menschen. Von fernher dröhnt der Donner, züngeln die Flämindien und steigen zischend Rauchwölkchen auf.• Da fahren die Frauen mit der flachen Hand ülber die Augen und beginnen ganz weltentrückt aus dem Techina'buche zu beten. Ein verhaltenes Flehen, ein ersticktes Schluchzen erfüllt die Luft. Auch der Männer Augen feuchten sich immer mehr. So ganz langsam, ohne jeglichen Befehl, nehmen die Soldaten die Mützen vom Kopfe und langsam sinken sie, wie auf stilles Kommando, in die Knie. Sie beten leise auf ihre ‘Weise und denken ebenfalls an Mutter, Weib und Kind daheim, und gierig schlürft ihre Seele den Glanz des Sabbatlichtes. ,Und über die Lichtwiese trägt der Wind das laute 1״Le c •h 0 d a u d i“, den Wülkommgruss an Königin Sabbat, durch die brennenden Welten, in ferne, unbestimmte Höhen .... Und jedesmal, wenn der Knall einer platzenden Granate die Luft erzittern macht, erbeben auch die־ Lichtlein, schütteln ängstlich das Flammenköpfchen und י— flackern weiter ... Man singt und betet •und ״heiligt“ den Namen des Höchsten. Kaddisch und hundertstimmiges Omen, als wäre nichts geschehen, als wäre man in der heimatlichen Synagoge. Und am Schlüsse segnen die Väter ihre Kinder und reichen sich die Männer die Hände zuni Sabbatgrusse. Da befahl wie in einer plötzlichen Eingebung der Major: ״Holt aus dem nächsten Bagagewagen Brot herbei!“- Es wird Brot verteilt, grosse, grobe, pechschwarze Laibe. Sie sind aber in der Leute Augen so blendend weiss und mürbe wie der schönste Kuchen; es sind in diesem Moment kunstvoll geformte ״Berches“ auf der weissgedeckten Tafel im •hellbeleuchteten Sabbatheime. Mit hungrigen Augen schielen die Kinder nach dem so lauge entbehrten׳ Leckerbissen. ״Warten!“ befiehlt der Greis. ״Eine jüdische Seele, vom heiligen Sabbatliichte umflossen, darf nicht so erpicht auf irdischen Genuss sein .... ״Warten!“ Und im Scheine der Liohtlein bildet sich ein Kreis, ■ in dessen, Mitte der Greis das ״Scholaum alechem“ anstimmt. Und mit dem lieblichen Gesänge sind alle Engel» die, aus flammenden Welten flüchtend, im ׳Himmelsrauim herumschwirren, in den Kreis geflockt, in dem die Schechina ihr Liohtzelt aufgestellt ... ' Es donnern die Kanonen, es pfeifen die Kugeln. Und auf der Liohtwlese singt!der Sabbat sein ewiges Lied .... Zwei riesige. Kommissbrote in der Hand, stimmt der Greis das Kid •du sch an. ,;Und es ward Abend, es ward Morgen, der sechste Tag!“ ... Und still hält alles ringsumher. Es lauscht eine in hellen Flammen, stehende- Welt auf das Wunder der Schöpfung ... ״Lebet wohl, liebe Briiicler und Schwestern,“ grösste der Major zum Abschied, ״und möget ihr bald die Ruhe und den Frieden .finden, aus dem euch Hass und Bosheit gejagt!“ Bibelkritik. Eine Studie von Prof. Ed. Ungar, Mitglied des Lehrkörpers der TalmudthorarSchule. Im Hinblick auf den Daytoner ,Prozess, dessen wahre Ergebnisse selbst in *religiösen Kreisen keine innere Wertung erfahren haben, geben wir dieser ׳instruktiven Studie gerne Raum. D. R. Baron ׳Edmohd Rothschild ist schon alt, hat!keinen Sinn für Fortschritt und Kultur und — *was besonders schwer ins •Ge/wicht fällt —• kein Verständnis für den höhen Wert der Bibelkritik. •Was hat der Mann' in der