Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 40-41 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 264 JÜDISCHE PRESSE ■1 v ד■ vw Nr. 40/41 Bf das Jahr § Organisation• D.er Ausbau unseres Werkes hat in der Berichtsperibde! erhebliche Forschritte gemacht. ln Deutschland bestehen jetzt 40 Kommissariate. Nach wie vor arbeitet das deutsche Landesdirektoriüm Vorbildlieh, erfüllt nicht nur die Wünsche der Zentrale, sondern dient ihr auch n\it wertvollen Anregungen. In (einem Sonderbericht gibt die Landesverwaltung Aufklärung über ihre erfolgreichen Arbeiten, vor allem über ihre Berrtühungen ziir Förderung des Limud im Lande ,selbst. Hier sei mit dem Ausdruck der Bewunderung und!Dankbarkeit an das gewaltige Werk gedacht, welches das deutsehe Landesdirektoriüm, vor allem sein Vorsitzender Oberfäbbirter Dr. Spitzer, für die litauischen Jeschhvaus jm׳ letzten Jahre vollbracht hat. Auf Grund der ,eindrucksvollen Schilderungen auf der Hamburger Keren Hathora- Tagung zu Chanuka, wo die Rabbiner von Suwalki, Poniewics und Rakow von der furchtbaren Schuldenlast berichteten, die auf den dortigen Anstalten lastet, war beschlossen worden, die für die gegenwärtigen Wirtschafts- Verhältnisse geradezu ungeheure Summe von GM. 120.000 aufzubringen. Der grösste Teil dieses Versprechens ist eingelöst worden, ein unvergleichliches Beispiel für wahres .ערבות An zweiter Stelle nennen wir Polen, das grosse Anstrengungen gemacht hat, um seine Lehranstalten zu festigen und neue ins Leben zu rufen. Seine Führer, der Gerer und Sokolower Rebbe, der Piotrkower Raw, Rabbi Meir Don, die Senatoren Deutscher und!Mendelsonn und andere hervorragende Persönlichkeiten waren Wochen und Monate in den grösseren und kleineren Städten Polens mit gutem Erfolg tätig. Die Zentrale hatte zu ihrer Hilfe Rabb. Thobias Horowitz entsandt. Das materielle Ergebnis betrug etwa Dollar 12.000. י In Polnisch-Litauen ist ein unter Leitung von Chofez Chaim und Rabbiner Grodzenski bestehendes Komitee tätig, um systematisch alle Jereim zur Hilfeleistung für die 17 grossen Jeschiwaus heranzuziehen. Es war ergreifend, zu sehen, wie der greise Gaon trotz seines hohen Alters im Winter selbst von Ort zu Ort fuhr! Im Februar dieses Jahres hat der Direktor der Zentrale Krakau, Lemberg, Przemysl, Lublin, Warschau, Bialystok . und Wilna besucht, um dort neben organisatorischen Massnahmen die äussere Lage der Jeschiwoth und Schulen zu erforschen und im Einverständnis mit den rabbinisehen Autoritäten sich auch mit den inneren Fragen der niederen Schulen zu beschäftigen. Nach Rumänien hat die Zentrale die Herren Wolf Pappenheim und Rabbiner Dr. Pollak entsandt, die ׳das dort für Keren Hathora schlummernde Interesse organisatorisch gestärkt, Landesverwaltung und Kommissariate gegründet haben, die Uns auch ansehnliche Beträge übermittelten. Die westlichen Staaten wurden im April und Mai besucht. Die Landesyerwaltung des Keren Hathora in der S c h w e i z , (Vors. Rabb. S. Brom-Luzern).. arbeitet mit einer gewissen Stetigkeit. Zu Pessach wurde im Lande eine besondere Mazzot h ־ A k t i o n durchgeführt, von deren Erlös Jeschiwoth in Jeruschokjjim, Tiberias, Wifna, Nowogrodek, Radin, Slobodka, Poniewics, Kibutz. poln. Bachurim in Wien, mit dem Gesamtbetrag von etwa( Frcs. 1600 bedacht wurden. — Die Verhältnisse im E1 s a s sl sind durch eine sorgfältig vorbereitete und eindrucksvolle Kundgebung in Strassburg am 17. Mai, zu welcher neben Delegierten aus der Stadt selbst, zahlreiche Rabbiner und׳ andere prominente Persönlichkeiten aus elsässischen Kehillaus erschienen waren, gefördert worden. Eine Reihe vort Gemeinden, Vereinen und anderen Körperschaften־ vollzogen den korporativen Anschluss an Keren Hathora, ebenso schlossen sich eine grqsse Anzahl von Einzelmitgliedern deip Keren 'י Hathöfa an. Die gezeichneten |!ettäge dürften etwa 10.0,0p ^r^ncs betragen. Ein‘Lanpes- Vorstand wurde gebildet, dem folgende Personen hngehören: Gr^ndrabbin. E. Weill Colmar, Vorsitzender, Rabb. Bloch Saverhe, Rabbin ' Jerome Levy Obernai, Rabbin Brunschwig, Dr. med. Myrtil Weill, S. Strauss, Redakteur Grossvogel, Strassburg, Mons. Neher, Obernai. In Besprechungen mit dem neuen Vorstand wurden neben der allgemeinen Arbeit für Keren Hathora auch die Notwendigkeiten berührt, für Chisuk Hadas im Lande selbst zu sorgen. Ein Zentralinstitut zur Heranbildung von religiösen Beamten ist dringendes Erfordernis; die Errichtung einer Jeschiwoh ketanno •wurde beschlossen.! ln Antwerpen (Landesvorstand K. Spira, M. Lamm, Figatner) war Rabbiner Schapiro (Piotrkow) in der S.chwuoszeit tätig. Bei einer Massenversammlung gelang es ihm, dem Keren Hathora 110 neue Mitglieder zuzuführen. Auch in materieller Beziehung war ein glänzendes Ergebnis zu verzeichnen. (50.000 Francs.) In ffoHand hat der Direktor der Zentrale gemeinsam mit Oberrabbiner Schapiro mehrere Wochen geweilt. Grössere Volksversammlungen fanden im Haag» Amsterdam, Scheveningen und Hertogenbosch, Konferenzen ausserdem in Rotterdam, Nymwegen, Utrecht statt. In allen diesen Städten sind Kommissariate gegründet worden, mit den Rabbinern an . der Spitze. Die Landes- Verwaltung des Keren Hathora besteht aus fünf Personen. Kommissariate sind gegründet worden in Amsterdam (Rabbiner Onderwyzer und Rabbiner Saarlouis), in Rotterdam (Oberrabbiner Ritter, D. Hausdorff), Hertogenbosch (Oberrabbiner Heertjes Os, S. Goldsmit, Tilburg, M. Elzas, Bosch, I. Hofstede), Haag (Oberrabbiner van Geldern, I. Abrahams), Utrecht (Oberrabbiner Tal, Dr. Hamburger). Vorläufig überwies die holländische Landesverwaltung die gesamten Beträge der Zentrale im Hinblick auf die Notlage der östlichen An•» stalten. Es besteht aber die Absicht, eine 'Jeschiwoh ketanno im Lande zu errichten, ferner will man für orthodoxe Jugendliteratur in holländischer Sprache Sorge tragen. Die ö s t e r r e i c h i s c־h e Landesorganisation (Vorsitzender Akiba Schreiber, Sekretär Rabb. Moses Blech) ׳ist in ihrer Arbeit durch die schwere wirtschaftliche Krisis und durch die gewaltigen Forderungen für die Jeschiwoth im Lande selbst (in Wien allein sind 23 Talmud! Thoras) stark in Anspruch genommen. Mit Dank sei hier die Mitwirkung des Herrn Rabb. Moses Blech bei den* Arbeiten der Zentrale in Galizien hervorgehoben. In der Slowakei ist Herr, Jakob Jozel Braun, Bratislava, bemüht, besonders bei der Jugend aktive Mitarbeit für die Ziele des Keren Hathora zu erwirken. In Böhmen, und Mähren hat Herr. Rabb. Dr. Nürnberger durch Propagandavorträge, ebenso die Herren Dok־: tor Beer, Mähr.-Ostrau, und Dr. Lieben, Prag, für uns gewirkt. ׳ B e s.s a,r a b 1 e n-untery Füjirung von Rabbiner Ziresl- V sohn, die N o r dis c h e h' Staat e n. unter Leitung von Rabb. Lewitan, Oslo, und Rabb. Dr. Winkler, Kopenhagen, übersenden uns regelmässig schöne Ergebnisse ihrer Tätigkeit.! Leider war es der Zentrale nicht möglich,;nach Amerika, Argentinien, Kanada, Transvaal, die. von dort gewünschten, Delegationen zu entsenden, (so dass bisher nur einzelne Persönlichkeiten, wie Rabb. Doktor Jung, Rabb. Lipschitz, Wyscheik und Parmet in den Grenzen ihrer LeistungsmöglichKeit für uns tätig sein konnten. Förderung des Limud. Unsere Hauptsorge konzentrierte sich in materieller Beziehung auf die grossen Jeschiwoth, die für Klall Jisroel arbeiten ipid deshalb, yom Klall eilten werden Rüssen• flauen bereits fre^VQfgefioberb pa§s auf utisefe yeranlasspng1 cfie dfeutsche Lhndesver\ya|*hhg eihe Eptschuldigurigsaktion "für 21 litauische Jeschiwoth durchgeführt hat. Die Verteilung dieser Summen erfolgt durch ein spezielles Komitee, bestehend aus den Rabbinern Israel Meier Hakohen (Chofez Chaim), Radin, Rabbiner ־ Grodzenski, Wilna, und dem Rabbiner von Suwalki. In Anbetracht dieser gewaltigen Leistung berührt es uns besonders schmerzlich, dass die Meschulochim einzelner Jeschiwoth, die selbstverständlich ihre Arbeit fortsetzen müssen, wiederholt Angriffe gegen den Keren Hathora richteten. Es ist schon des öfteren vort uns erklärt worden, dass wir die Sorge für die Bedürfnisse aller Jeschiwoth’ nicht übernehmen können. Kollusionen sind daher nicht zu vermeiden; durch ungerechtfertigte Angriffe und Beschuldigungen werden die Spender in ihrer Gebefreudigkeit nur gelähmt; 1 Auch für das zweite Kraftzentrum jüdischer Geistigkeit, für Polen, haben wir in der Berichtsperiode erhebliche Leistungen aufgewen.det. Fast das ganze Ergebnis der mit Hilfe von Rabbiner Horowitz betriebenen Aktion kam den Jeschiwoth des Landes zugute. Der Bau in Lublin wurde mit unserer Hilfe!stark gefördert* Leider! ist es uns nicht geglückt, ihn ׳in dieser Periode zu Ende zu führen. Die einzelnen Landesorganisationen müssen deshalb auch für diesen Zweck Mittel bereitstellen. Da ein dahinzielender Beschluss der Kenessio Gedauloh vörliegt und die Grundsteinlegung im vorigen Jahr unter Anteilnahme von 50.000 Menschen stattgefunden;hat, wäre die moralische Einbusse bei Aufgabe des Unternehmens unermesslich. Auch die wirtschaftlichen Verluste sind nicht abzuschätzen, wenn in dieser Bauperiode ,nicht wenigstens das Dach fertiggestellt wird. Auch die!neue Jeschiwoh in Przemysl, die sich der besonderen Fürsorge von Grossrabbiner Friedmann, Sadagora, erfreut, bedarf grösserer Förderung, als ihr bisher von uns zuteil wurde. Da eine anerkannte Autorität die Leitung der Jeschiwoh übernommen hat, dürfte sie bald zentrale Bedeutung für Galizien gewinnend Ueber weitere Bewillir gungen berichtet der Kassabericht. Die Zentrale hat sich dabei ausschliesslich von der Schwere des Notstandes in den einzelnen Lehranstalten leiten lassen. Es ist begreiflich, dass eine Einigung und Befriedigung aller beteiligten Stellen in dieser Beziehung schwer zu erreichet ist. Die Zentrale wird deshalb einen Schlüssel 'aufstellen, der die Verteilung ständig regeln soll. Beim (nächsten׳ Zusammentritt der Zentrale soll darüber Beschluss gefasst werden; ׳ . Propaganda. Die Propaganda anlässlich der Bar Mizwah, ferner die Einführung eines Keren Hathora-Buches, welches bei allen freudigen Ereignissen den Festteilnehmern vorgelegt wird, Spendensammlungen in den Synagogen an ש ״ ק יתת׳ ואתךזני; bewähren sich an, allen Orten, vyo;man sieb nach dieser Richtung'hin bemüht. Von den Dollarcoupöns sind bisher 5,0-000 ausgegeben worden. Es. bedarf allergrösster Anstrengung, um den von der Krakauer Zentralratssitzung bestimmten Betrag, der die doppelte Höhe aufweist, aufzubringen. Nur ,wenn alle Länder diese Form der Propaganda zu der ihren machen, wird sie-sich einbürgern können1. ' ־ ■ Pädagogische Tätigkeit• (Arbeit des Merkas Hachinuch.). Die pädagogischen Forderungen, die an die Zentrale herantreten, bedeuten für uns ein schwieriges Problem;; welches zentralistisch nicht zu lösen ist. Die!orgartisatorisehen Massnahmen und finanziellen Subventionen können , wohl von der Zentrale aus durchgeführt, aber auch hier ™»»«»»י ׳der iKabbalah, welcher sich um ׳diese Ze.it vollzog. Und wie einst Jaakob, zogen in jenen Tagen Rabbi Jehuda Halevi und Rumban nach Erez Israel. Die ׳vierte Aera, deren .Anfang dem Judentum Bedrückung und Erniedrigung, dann Ruhe und ׳Reichtum brachte, ähnelte dem wechselvollen Schicksal Josefs, des ■Gerechten; so wie er mit seiner Weisheit Aegypten ,Glück ■brachte, bereicherten die eingewanderten Juden mit ihren mütgebrachten!Kenntnissen ■und ihrer hochentwickelten Kultur die spanische!Halbinsel.־ Die Zeit, in der wir gegenwärtig leben, setzte der Meister fort,, die Zeit der Scheiterhaufen und des׳ bodenlosen Elends, in der die in Spanien ■und .Portugals wütende Niedertracht und Bestialität Orgien feiert, erinnert uns an die Tyrannei Pharaos, welche in den Tagen Moses ihren Höhepunkt ׳erreichte.!Der von unserer Mitte hervorgegangene Rabbi Josef Karo trug mit seinem ״Schulchan Aruch“ erheblich zur Erstarkung von Thorath-Moscheh bei. , Die .kommende Generation wird nicht mehr so viel unter ■dem judenfeindlichen Drucke zu leiden haben, die .jüdische!Position wird eine bedeutende!Besserung erfahren. Mit dem allmählichen Schwinden der!Not, dem!Fallen der Fessel werden manche unter ■den wieder frei aufatmenden Juden ihrem heiligen!jüdischen!Ideale untreu werden und ■dem schwergeprüften Judentum den Rücken kehren. Eine zerstörende Reform wird einsetzen ׳und eine Parallele zwischen!ihr und der Anbetung des ■goldenen Kalbes zur Zeit Ahrons liegt nahe. Genau ׳so wie Ahron sich nachgiebig zeigen musste, damit •er im Kontakt mit dem ■auf!Irrwege geratenen Teil seines Volkes verbleibe, werden sich in jeher Zeit Männer finden, welche schweren Herzens der neuen!Richtung gewisse Konzessionen machen werden. Der siebente Tag kennzeichnet ■die letzte •traurige Szene des •an erschütternden Momenten reichen Galuth- Dramas. Den ganzen!Erdball wird eine unmenschliche antijüdische Welle überfluten, das himmelschreiende Jijderielend wird Israel abermals den Wanderstalb in die Hand drücken, ■an den Toren aller Staaten wird es pochen, diese aber werden ihm das ׳Gastrecht ■versagen.!Die Völker werden ihm ein schmales Tiirchen — ■Erez!Israel — öffnen, der sich dorthin bewegende Wandererstrom wird grossen Schwierigkeiten und Erschwerungen preisgegeben _ sein, denn nichtjüdische Ungunst ,vereint mit jüdischer ‘Un- ■elnlgke.it werden die Besiedlung Erez!Israels durch jüdische ,Menschen fast!möglich machen. Es werden unzählige Parteien und Strömungen ,im jüdischen Volke entstehen, darunter solche, die demselben ganz wesensfremd sein und ■mit dessen Lebensnerv, •der heiligen Religion, .in gar keiner Beziehung ׳stehen werden. Alle werden einander bekämpfen, der tobende Kampf wird auf Kosten Erez Israels ausgefochten werden. .Dieser 'Parteienzwist wird sigh derart ׳ausdehnen, dass selbst jede Partei wieder in verschiedene Lager gespalten sein wird; die Rechte wird nicht wissen, was die Linke will, und die ■Linke wird ■nicht wollen, was die Rechte wünscht; ja sogar jeder Jude wird von verschiedenen Meinungen hin- und hergeworfen werden.!Inzwischen wird aber ein Teil des jüdischen Volkes die Sache selbst .in die (Hand nehmen und während sich die Parteien in der Diaspora in dem zum Schaden der ׳jüdischen Allgemeinheit geführten Krieg völlig aufreiben werden, wird im Lande Israel ein gesunder ׳religiös-jüdischer Jischuw entstehen, welcher als ״kleine Rettung“ zu werten ist •und ■als Vor-Messias-!Etappe unter dem Zeichen Davvids, dem Erbauer Zions, stehen wird.!Gesegnet und beneidenswert sind die, welche das grosse Glück haben werden, den achten Uschpisa zu bewirten, auf den unsere Hoffnung und Sehnsucht gerichtet sind. Mit freudigem Gefühle hochschlagender!Herzen und himmlischer Begeisterung •wird Salomo, •der Bote des Friedens, der göttliche Erlöser von jahrtausendelanger Knechtschaft, bewillkommnet■ werden! Aus dem tiefsten Abgrupd wird er die zerstreuten, treugebliebenen Glieder Judas emporheben ■und sammeln. ׳Und in einem Prachtwagen wird er die wieder auserwählt gewordene!Nation an ihre zu neuem Leben erwachte Scholle führen, wo sie wieder ihren Platz an der Spitze der Völker ■einnehmen wird, wie es dem einzigen Volke des einzigen!Gottes gebührt. Das ist der ״Sod“ unserer ״Gäste in der Sukkoh!“ schloss ■der Meister. Auf der Lichtwiese. Von S, Schachnowitz. Nein, es!sind keine Zigeuner einer!besonderen weissen Rasse, keine Nomaden, die, weil ׳ihnen der Wüstensand des ■Ostens ׳zu brennend geworden, hierher ■auf die schmutzige Landstrasse verschlagen wurden. Es sind Menschen von königlichem Blute, die, .gehetztes ■Freiwild, jetzt das Arbeiten dieses Blutes in all!ihren Adern verspüren und •in gehobenen Stunden ■ihres Wanderlebens aus unberührten Tiefen eine Königskrone hervorholen, die ihr Elend!mit Licht und Glanz' übergiesst. A׳u!f •die Felder van H. in der galizischen Sandebene hat sie die Kriegsfurie gejagt. Denn ins Städtchen, das die Gräber ihrer Väter und Väterväter birgt, hielt ein Feind seinen Einzug, dessen blosser Name schon Schrecken ver״ breitete. Nun hiess es wandern, wandern. Grosse, von müden Kleppern gezogene, gedeckte Wagen nahmen Greise und die Kleinsten der Kleinen a׳u׳f. Die anderen hinterdrein zu Fuss. So geht der Golusmarsch ■die Landstrasse hinan, ohne Ziel, ohne Ende, ohne Rast. Und einmal machten sie dennoch Halt. Ein hochsommerlicher Freitag ging!zur Neige. Rot glühte der Westhimmel auf, als wollte der Schöpfer all seine .Welten in Brand setzen. Unten fielen einzelne Strahlen, auf Feld und Flur und imalten lange goldene Streifen auf den graugrünen Grund. Da trat aus einem Wagen ein •Greis heraus, eine gebeugte Patriarchengestalt, sah!mit erloschenem Auge spähend in die endlose Ebene hinaus und zu dem glühenden Westihimmel,!der das!wandernde Elend wie mit Scheinwerfern. bestrich, hinauf, und nun befahl er mit fester Stimme: ״Steheribleiben! Lichtöenschen!“