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Jüdische Presse · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 252 ־JÜDISCHE־ PRESSE Nt*.?38־ statten .mufsten ,erweitert, und ausgebaut werden, ״da sie immer zahlreicher wurden und sie der gesetzfestrieuen Judenschaft genügen sollten. Das;Ra b bin dt musste : ausgestaltet vyerden. Neben dem Öberrabhiner ־ F.ii r s׳t wirkt die. hervorragende Persönlichkeit des Rabbiners Josef Baumgartner als Rabbinatsassessor; def) von Herrn Rabbiner F 1 ei schm an ii kräftigst ,unterstützt wird.' Die vermehrte Aufgabe erforderte .einen grösse« Verwaltungsapparat mit einem tüchtigen Beamtenkörper. Die verschiedenen Religionsschulen der? gesetzestreuen Judenschaft iV&׳iehs wurden in der verschiedensten Form unterstützt , und . gefördert, ln den einzelnen Bezirken wurden Verkaufsstellen von Koscherfleisch und Koscher״ geflügel eröffnet, S p e i s e h ä u s e r, die den strengsten; rituellen Anforderungen entsprechen, geschaffen; S c h i 11-׳' rim würden abgehalten und imrher zahlreicher besucht. Diese überlieferungstreue Judenschaft in den verschiedenen Bezirken, für die durch alle diese Anstalten gesorgt wurde,1 bildet eine festgefügte wirkliche Einheit, die — ■ohne gesetzliche Einheitsformel — nur durch die Uebereün* 1־ Stimmung der Ziele und Grundsätze zusammengehalten1 wird, und es würde dem Ansehen und dem' Einfluss der gesamten Wiener Judenschaft f ö r d e r I i c h s e i n, w e n n d i e s e n.a t ü r 1 i c h e E i n־f li e i t u n d Zusammengehörigkeit der g 1 a ufr e n s t r.e u e n Judenschaft einen entsprechenden Ausdruck fände. | ׳' Der Wunsch, ein neues, würdiges, den geänderten1 Verhältnissen angemessenes Bethaus zu bauen, musste mit Rücksicht auf die derzeitigen Verhältnisse ziirückgestelDt werden. Jetzt musste man sich damit begnügen, ־ die( Schäden in dem Mauerwerk zu verbessern. Hoffentlich! gelingt es dem Opfersinn, der glaubenstreuen Judenschaft Wiens, überall würdige Heimstätten zu gründen). Sie darf nicht müde werden, vorwärts zu s t r eb e n, weiter zu schaffen und weiter zu baue n, auf dem alten Grund, der ewig f e s t u n d u nveränderlich ist. Zur Renovierung des Schifftempels. Von Ing. Ludwig Kritzler.! Die Renovierung eines Tempels stellt in der Regel kein so bedeutendes Bauereignis dar, dass sie, wie ein Neubau, zum Gegenstand einer Erörterung gewählt wird. Nun liegt die Sache bei unserer Schiffschul׳ inso1־ weit anders, als seit vielen Jahren die Bestrebungen zu einer Renovierung, bezw. zu einem Umb^i zurückreichen,( ohne dass es bisher trotz vieler theoretischer Erwägunר gen zur Tat gekommen wäre. In der Tatsache, dass etwas geschehen muss, liegt die Begründung der allgemeinem Interessennahme. Ursprünglich war die innere Aus-• Schmückung in Verbindung mit einer baulichen Veränderung gedacht,'hauptsächlich im Zusammenhang mit einer; Vergrösserung des Gebäudes, einer Verbesserung und Verbreiterung der Ausgänge und insbesondere mit der Auswechslung der Rundtreppen zu den.Frauengalerien,•. . ־׳ י ־ Der Uebelstand ’ der letzteren Stiegenanlage führte schon vor .dem Kriege zu Besprechungen und jschliesslieh zu einer Projektvorlage, die statt der derzeitigen zwei Stiegenanlagen; eine breite, geradlinige vorsah. Diese( Stiegenanlage׳ sollte jn erster Linie bezwecken, den damals1 * neugeschaffene^i,־ abgesonderten Frauenausgang wirklich vollständig abzutrennen — derzeit überquert der Ausgangs-!weg der linken Galerie den des Männertempels ,—!und gleighzeitig sollten Lehrräume für die Jesod-Hathora, die damals noch nicht ,ihr eigenes Heim besass, ,gewonnen; ׳werden. An der Befürchtung, dass bei Ausführung■ dieses' Projektes der in Aussicht genommene Tempelbau ver- ־zögert werden kön!nte, scheiterte es. ' 1 ■der Nähe von Jerusalem mit dem Namen ״Neweh Jisroel״!in die Wege geleitet. Im März 1925 reiste der Bruder ded Rabbi von Ger nach Palästina, um die Gründungsarbeiten für eine grosse Gerer Kolonie zu leiten. Zu gleicher Zeit 1begab sich eine Delegation aus Lublin nach Palästina, um Boden anzukaufen und eine Lubliner Kolonie zu gründen. Die Palästina-Arbeit der ״Aguda״ hat bereits die Gründüng einer Gruppe agudistischer. Arbeiter ermöglicht, die quantitativ und qualitativ gute Fortschritte macht. Die ^Agudas Jisroel״ erhält auch in Palästina ein umfassendes Schulwerk in! Jerusalem und in den anderen Städten!sowie in einigen Kolonien. Die Aguda-Schulen in Jerusalem werden von etwa 2000 Schülern besucht. In Polen stehen 240 Talmud-Thora-Schulcn mit 46.000 Schülern unter der Leitung von führenden Aguda- Kreisen. Ebenso 75 Jeschiboth mit 10.000 Hörern. Eigene Lehranstalten unter dem Namen ״Jessode Hathora״ gründete die Aguda 140 mit 25.0000 Zöglingen. Ferner wurden für die schulentwachsene Jugend, für Arbeiter und Angestellte 40 Abendkurse mit etwa 4000 Besuchern organisiert.: Für die Mädchenerziehung bestehen 20 Schulen mit etwa; 5000 Schülerinnen unter dem Namen ״Beth Jakob״. Ed wurde auch versuchsweise in Krakau eine Handwerkerschule für Mädchen gegründet, die 150 Besucherinnen zählt.' Die ״Messiwta״ in Warschau ist eine ״Jeschiba״, die untert der Leitung eines Rabbinerkomitees steht und in deR Talmud und talmudische Disziplinen systematisch gelehrt werden. . ' Zur Erhaltung des religiösen. Erziehungs- und Schul-; Wesens wurde über Beschluss der ״Kenessio Gedauloh“ ein eigener Fonds, ״Keren Hathora“, gegründet, über dessen Aufgaben und Tätigkeit an anderer Stelle ausführlich berichtet wird. Der ״Keren Hathora״ erfreut sich der För-! derung auch seitens solcher orthodoxer Kreise, die der׳ ״Aguda” nicht angehören. Die ״Agudas Jisroel״ ist auch im Osten lebhaft politisch tätig. Gelegentlich der im Sommer 1924 in Kongresspolen stattgefundenen Kultusgemeindewahlen entfielen auf die Listen der ״Aguda״ in Warschau, Lodz und in anderen grösseren Städten die meisten Stirnmen. Insgesamt erhielten die Agudalisten 59 Prozent der •j . Nach Kriegsende wurde die. ■Idee einer, VergrösseT rung; wieder äufgegriffetf und darüber Projekte' eingeKÖItj an deren. Verwirklichung durch die tristen Geldverhältnissei nichjt geschritten Werden konnte. /; . . sl;( Schliesslich .konnte eine Renovierung; des im argen! Zustande sich befindlichen Tempelinnem über dringenden Wunsch der Mitglieder und des Vorstandes [nicht ■־mehr gut aufgeschoben werden. ,/ : Die Vereinsleitung, eingedenk der Erfolglosigkeit der Enqueten und Kömiteesitzurigen* die eine Adaptierung seinerzeit vorbereiten, sollten, erteilte kurzerhand am 64 Aw den Auftrag zur Renovierung des Tempels. Dem Architekt ten wurde innerhalb der allerdings' enggesteckten Geld-; grenze unter Vorbehalt der Aufrechterhaltung des Bethaiisbetriebes, jede Freiheit gewährt. Alles in allem standen 35 Arbeitstage, vom 13. Aw bis 29. EUul, zur Ver4• fiigung. " ז Die kurze Frist und der enge materielle Rahmen, ferner, die Erwägung, dass der Tempel in absehbaren, Zeit einem Neubau weichen muss, schlossen von vorn-i herein die Verwendung eines edlen Baumateriales, wiä Belag der Wandflächen mit Marmortafeln, oder monumentale Ausgestaltung des Oraun-Hakaudesch aus. Des-, gleichen war jede räumliche Bauveränderung unmöglich,1 da die Planverfassung und Erwirkung der baubehördlichen( Zustimmung nicht mehr zeitgerecht zu erlangen war.! Es blieb somit, nebst der Auswechslung der ausserordentlich mangelhaften elektrischen Installation und deren Versenkung in den Mauerwerkskörper, ferner detf notwendigsten Instandsetzungen der Putzschäden an der Decke und den Wänden, nur eine Belebung der letzt־: teren durch eine abwechslungsreiche und architektonisch׳ gegliederte Malerei und die anpassende Erneuerung des: Holzanstriches übrig. 1 Das Prinzip der äussersten Oekonomie verwies auf die Notwendigkeit, an die schüchternen Anklänge einen Architektur, .die einige Teile des Tempels boten, ,anzu־! knüpfen. Seinerzeit ist aus der Absicht, nur einen Utili-, tätsbau £u errichten, ein ganz eigenartiges Baugebilde entstanden, das keinen ausgesprochenen Stil, aber Motive verschiedener Stilrichtungen aufwies, darunter auch Mo־\ tive aus dem maurischen Stil, woran nun die Ausmalung des Tempels anklingen sollte. Die Grundfarben dieses Stiles, Gelb-Gold, an den Wänden und Decken vorherrschend, sollen mit den eingewirkten Komplementärfarben Rot-Blau, in der Misrachwand, der in unserem Kultus eine erhöhte Bedeutung zukommt, eine gesteigerte Wirkung erfahren. Weiss-schwarze Umrahmungen vermitteln!den Uebergang von den lebhaften maurischen, sich harmonisch ergänzenden Form- und Farbenvariationen zu den ernsten und ruhigen nur in Weiss-Gold gehaltenen Brüstungsflächen. Diese erhalten ihren Auftakt in der reich in Gold gehaltenen Thorah schrein-Architektur, die wieder ihren Höhepunkt in den gänzlich vergoldeten Türen •zum Thoraschrein erreicht. Die ziemlich, willkürlich in den Raum gesetzten drei grossen Mittellaternen, erscheinen durch Anordnung von Gurten und Bändern gefasst und geführt. . Die seitlichen sechs;OberIicnten, die' untereinander und gegenüber den Mittelläte'rnen nicht genau symmetrisch! angeordnet sind, wurden deshalb in eine Kassettenreihe ein־: gegliedert. Die angestrebte.Harmonie der Farben und'Fori men soll durch die rhythmische Verteilung der Beleuchtühgs-; körper und ’ die' Felderteiliing( (der Wandflächen erhöht werden. Schliesslich erfährt die Farben Wirkung in der;Sym- י phonie der Oraun-Hakaudesch-Nische ihre .höchst^ Steigpj ■rung;;kontrastiert. yon^dpm;jtmhfgea; Wjeisg-Gola der Brü-, stungen, *das' gleichfalls 1m Öraün-Hak’audesch seinen KülJ minationspunkt erreicht. ' Die Farben und Formen des maurischen Stiles;um-!rahmen nochmals die Basis der grossen Laternen, (um. Jeder Jude Bepdasrfnan Schuhen in dem bekannten Schuhhaus ,,Zum Strassenhof“ (Inhaber: Sa!B hj e Pluznik) Wien, II., Taborstrasse 24a, Tel. 48-8-67 ■ Bei Vorweisung dieser. ,Annonce 5 Prozent Rabatt | in verschiedenen Orten abgegebenen Stimmen und der gewählten Kandidaten. Gelegentlich der im November 1922 stattgefundenen Wahlen zürn polnischen Sejm und Senat schloss sich die ״Agudas1 Jisroel״ nach einigem Wider-׳ streben dem Minoritätenblpck an und erhielt sechs Mandate für den Sejm und zwei für den Senat. Die Aguda- Deputierten bilden im jüdischen Klub eine eigene Gruppe. Die ״Agudas Jisroel״ besitzt in den meisten Ländern eine eigene, offizielle, beziehungsweise nicht offizielle Presse, unter anderen ״Jüdische Press״ und ״Haderech״, Wien; ״Der Israelit״ und ״Moriah״, Frankfurt a. Main;! ,Jeschurun״, Berlin; ״Kol Jisroel״, Jerusalem; ״Der Jud״^ Warschau; ferner eine Reihe jüdischer und hebräischer Blätter in Polen, Litauen, Lettland, Bessarabien, Amerika usw. Die Jugendgruppe der ,;Ägudas Jisroel״, deren es in allen Ländern, eine grössere Anzahl gibt, entfalten eine lebhafte Tätigkeit־und besitzen eine eigene׳ Presse. Die führenden Kreise. der ״Agudas Jisroel״ sind: Die Rabbiner Dr. Breuer, Frankfurt a. M.;;Dr. Hildesheimer, Berlin; Dr. Klein, Nürnberg; Dr. Munk, Berlin; Dr. Auerbach, Halberstadt; Dr. Simon, Mannheim; Hirsch, Zwolle; Deutsch, Subotica;*Nissim Nahum, Bagdad; Sejmdep. Lewin, Sambor; Sejmdep. Schapira, Piotrkow; Perlmutter, Warschau; Dr. Ritter, Rotterdam; Schorr, Bukarest; Senator Zirelsohn,, Kischenew; Grodzensky, Wilna; Dr. Loewenstein, Zürich; Fürst, Wien; Schreiber, Bratislava; Weber, Pistyan; Fuchs, Grosswardein; Dr. Kleiny New York; Dr. Jung, New York; Rottenberg; Antwerpen; Bloch, aZbern; Dr. Winkler, Kopenhagen; Lewitan, Oslo׳ (Christiania); Dr. Carlebach, Hamburg; Dr. Carlebach, Leipzig; Sonnenfeld, Jerusalem; ferner die Herren Dr. N. Birnbaum, Hamburg; Professor Dr. Eisler, Wien; Sejmdep. Dubin, Riga; Dr. S.. Lieben, Prag; Adolf Franklj Budapest; L. Wreschner, Jakob Rosenheim, Julius Holländer, Dr. J. Breuer u. a., Frankfurt a. M. Schliesslich eine Reihe der bekanntesten Rabbiner und Gelehrten Jn den verschiedensten Ländern. Die hervorragendsten Chassidimrabbis, Rabbi Israel Friedmann, Czortkow, Nestor der Dynastie Ruzyn-Sadagöra und Rabbi A. M. Alter, Gora- Kalwarya, gehören der Leitung der ״Aguda“ an, ebenso .schtiesslieh. in das;jfeitte Weis* der grosse»;Late.rn$lif lächelt.. äuszüklingen»;;■; .'r s . Bereits, zwei Generationen dient der uns allen liebgewordene alte Bäru. : Als Provisorium . war er!nach den, Ueberlieferungen unserer Voreltern gedacht., Das altöster* reichische. Schicksal hat ihn erreicht; er wurde!ein Defuinitivum. Auch die jüngste,Renovierung ist nur ein Provisorium; soll doch aer Tempel einem Neubau ■weichen, unt.: dem erfreulichen Zuwachs an jungen Balbatim Platz!zu ־ schaffen. Möge er nun von einem solchen abgelöst werden!:.׳ Die Zeit, in der wir lebeny die die gewagtesten Utopien verwirklicht,: berechtigt zur Hoffnung;, auch einen:: neuen, unserer Gemeinde, würdigen Tempel erstehen zu: , lassen., : ־ ׳. .. . , .■;־. ־.. ,; ■ Also auf, zum Bau des neuen, grossen, [schönen,\ modernen Tempels mit dem alten, ewigen Gedankeninhalt,■ wie er an der Stirnseite des derzeitigen Gotteshauses sym-- bolisiert ist im Posuk: גמה ■נורא המקים הזה אין זה כי אם בית אלסים וזה שער השמים Die Durchführung der Renovierungsarbeiten. An der Durchführung der Um'bauarbeiten,, die in!bezug auf Gediegenheit und Gefälligkeit der■■ Ausführung dem jüdischen Handwerk :in Wien das:; beste Zeugnis ausstellen, haben■ sich folgende Unter-• nehmungen beteiligt: Bauleitung: Ing. Ludwig Kritzler. Baumeisterarbeit: Bau- und Adaptierungs-־ Unternehmung von Hoch- und Eisenbetonhau G. m.\ b. H., I., Bauernmarkt 21. Maler- und Vergolderarbeiten: Moritz Forschern IX., Rögergasse 24. Anstreicherärbeiten: Emil Zimmentstark, II;״ Obere Donaustrasse 73. Elektrische Installation: Josef Eisner, II.״ Praterstrasse 52. Beleuchtungskörper: Pragan Arnold, VI., Wind-• mühlgasse 24. Tischlerarbeiten: Leopold Frankl, II., Franzensbriiekenstrasse. 13. Glaserarbeiten: Adolf Blatt, XX., Karl MeiSslstrasse 10. Bleiverglasungen: Berthold Kubie, IX., Hätingasse 8. ׳־•׳ ׳- Steinmetzarbeiten: M. Schestopal, XX., Jäger» strasse 77. Spenglerarbeiten: M. Bergmann, II., Haidgasse 7 a. Auswandererlos. Das Wort ״Auswanderer“ hatte stets für mich etwas besonders Trauriges und Ergreifendes. Und so war •;es mir nicht leicht im Herzen, als ich -beschloss,, utisleiret Chalü^zim,, die sich1 jetzt־;inJWien'■;aü'ffraltäfr,‘(zü:' besuchen. *Ich hatte: 'meih ‘׳Ftefr rrmt der unbedingt notwendigen־ Härte gewappnet, um den zu erwartenden Bitten um!Hilfe auch] nur ein wenig stamihalten zu können. Aber es! sollte anders kommen! 'Gleich ihr Aussehen überraschte mich. Das waren keine Leute, die daheim nichts mehr zu verlieren hatten und sich leichten Herzens zu neuen Abenteuern aufmachten.. Urwüchsige, jüdische Gesichter blickten mich an und bitteres Golusreid sah aus schwermütigen Augen dieser jungen, jüdischen Menschen! Ich erfuhr bald, dass §ie alle Söhne aus dem besseren Mittelstände Polens sind. Einige ,von ihnen sind schon jung verheiratet, nie hatten sie auch nur im. entferntesten an ein so bitteres Loä, gedacht. eine Reihe anderer führender Chassidimrabbis. Rabbi Isa-■ char Ber Rockach-Belz steht zwar abseits,, äusserte jeduch wiederholt seine Sympathien für die Bestrebungen der ״Agudäs Jisroel״. Rabbi Schneersohn-Lubawicz verhält sich grundsätzlich ablehnend, erachtet jedoch, die Tätigkeit, den־ ״Aguda״ nach verschiedenen Hinsichten als nützlich. Ab,־־• solut gegnerisch ist das Verhalten des. Rabbi Scbapiro■ ■ Munkacs, der sogar gemeinsam mit einigen Rabbis,!und Rabbinern einen ״Issur” (Verbot) gegen die Zugehörigkeit zur ״Aguda״ erliess. Gelegentlich der Völkerbundaktiion zur Reformierung des Kalenders entsandte die ״Agudas Jisroel״ die Oberrabbiner Fürst, Wien, und Dr. Loewenstein, Zürich, nach Genf, die in energischer Weise auf die Gefahren hinwiesen, die dem religiösen Judentum durch die geplante Ver- Schiebung des Sabbats auf einen anderen Tag (in jedem Jahre drohen. Die ״Agudas Jisroel״■ entwickelt auch: seit ihrer Gruftdüng eine umfassende Tätigkeit auf charitativen Gebiete- .Neben der Gründung einiger Kriegs^Waisenhäuser in Baden bei Wien, Polen usw., der Repatriierung der palästinensm sehen Flüchtlinge und einer Emigrationsfürsorge׳ leitete( sie gelegentlich der furchtbaren Hungersnot in Russland im Jahre 1922 eine grossangelegte Hilfsaktion ein, die in wenigen Monaten einige Milliarden Kronen einbrachte. Im Winter 1923, als die Not in Deutschland immer mehr um sich griff, unternahm den ״Aguda* Jisroel“ in Wien und in den anderen Ländern eine Lebensmittelpakete{-Akti01\ und brachte auch eine grössere Anzahl von unterernährten Kindern für Wochen und Monate bei Familien und Anstalten unter. Sie beteiligte sich auch an allen sonstige^ Aktionen der sozialen Fürsorge, an der jüdischen Welthilfszentrale usw. In Wien unterhält die ״Agudas Jisroel״ ji\־ dische Lehrwerkstätten, in welchen eine Anzahl Zöglinge im Handwerk ausgebildet werden‘.,! Die ״Agudas Jisroel“ besitzt in fast allen europäi* sehen Ländern sowie in Palästina, den Vereinigten Staa•״ ten usw. Landeszentralen, die neben den allgemeinen Aguda-Aufgaben für die lokalen Bedürfnisse der orthodoxen Juden tätig sind.!

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