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Jüdische Presse · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 38 JÜDISCHE PRESSE Seile 25t Die Schiffschtii. ׳:::; Von Joseph!.: ־׳•:. Die Öesdhictite der Schiffschul ist die Geschichte des gesetzestreuen Judentums in Wien seit iS Jahren, fn der zweiten Hälfte des 18. und;ersten Hälfte des! 19. Jahrhunderts stand das Wiener jüdische Leben unter dem unbedingten Einfluss der Mendelssohnschen Aufklärung und ■der Mannheimerischen Reform. Die An־? hänger des altüberlieferten Judentums, die zahlreich genug in Wien wohnten und sich immer opferbereit für jüdische Aufgaben bewiesen hatten, wurden belächelt und verhöhnt. Sie konnten sich nicht zur Geltung bringen;׳ sie bildeten da und dort Gemeinschaften zur Grün־« düng von Gebetstätten. Zur Schaffung von Grundlagen, die zu einer wirklichen selbständigen Pflege altiiber־• kommenen jüdischen Lebens geeignet wären, kam ed nicht. In den Stürmen des Jahres 1848 war die Be•* Schränkung des Aufenthaltes in Wien für die Juden aufgehoben und der Zuzug der an den Grundsätzen des über1־ lieferungstreuen Judentums Festhaltenden ein stärkerer geworden. Um diesem eine Stütze und einen Halt zu bieten,! hatten im Winter 1848 unter der Führung des energischen I. L. Freistadt s. A. einige Männer sich zur Grün-f düng der ״Ankerschul" zusammengefunden. In dei“ Ankergasse, dzt. Hollandstrasse 3, war das. bescheidene( Lokal derselben. Von dem natürlichen jüdischen Empfinden geleitet, dass nur das Thorastudium allein jüdisches Leben und jüdisches Wesen zu erhalten imstande ist, schritten sie zur Gründung einer Lehrstätte im An- Schluss an dieses Betlokal׳. In der Person des geniale» Schwiegersohnes des Chatham Sofer, des sei. Rabbiner^ Salomo n Spitzer, waren sie so glücklich, den berufensten Führ e r zu finden. Seine persönliche Liebenswürdigkeit ebenso wie seine unbeugsame Charakterfestigkeit gewannen der!Vereinigung immer mehr Freunde', und der ursprüngliche Raum wurde viel zu eng. Der! eisernen Energie des vorgenannten unermüdlichen Freistadt gelang es, den Besitzer des Hauses, II., Grosse. Schiffgasse 8, dazu zu bewegen, auf dem Grunde seinesl Hauses ein stattliches Bethaus zu erbauen. Mit grosser Festlichkeit wurde dasselbe im Beisein der Vertreter;der verschiedenen Behörden im Ellul 5624 eingeweiht. Nulr Wenige sind noch unter uns, die dieser Feier anwohnten. Der alte Bethausinspektor Hermann Kunstadt erzählt noch gerne von der damaligen Festfreude. Herr־ IgnaZ B a c k, dessen 70. Geburtstag heuer gefeiert wurde, hat als Knabe an der Seite seines Vaters, Philipp Back, des' nachmaligen Obmannes der, Adas Jisroel, der Feier angewohnt. Eine Reihe Avertvoller Geschenke wurden• ausl Anlass der Vollendung des Bethauses gewidmet. Sie,־ ben fromme Frauen widmeten einen prachtvollen Porauchesvorhang zur Einweihung; von Heinrich Berg e r wurde ein Porauches für die Jomim Nauroim ge-, spendet. Frau Cäcilie Königswarter spendete eine herrliche, wertvolle M e n o r a h. Die liebevolle Opferbeteitschaft für das Beth'aus hielt an, und es kamen im! Laufe der Jahre zahlreiche Zuwendungen an wertvollen Gegenständen von den Freunden des Bethauses, von denen( ganz besonders Herr Ignaz Back zu erwähnen ist, der eine Schatzkammer mit solchen Wertgegenständen de!! verschiedensten Art anfüUte. Auch das Lehrhaus musste( eine ־ Erweiterung erfahren. Es wurde im Nachbarhause! des Bethauses, II., Grosse Schiffgasse 6, untergebracht., Delegation vor dem Volkenbunidrat anlässflic-h der Behändlung der Kalenderreform erweckte. Es war ein grosses Ereignis, dass ׳gerade der Salbbtagadamike,!dieses >une־igent־ lichste iRundeszeiühen des jüdischen• Volkes, das durch die Kalenderreform bedroht ist, Vertreter der verschiedensben jüdischen Richtungen zur Verteidigung desselben in die Schranken gerufen hat. Ansonsten konnte die west- und mitteleuropäische Judenheit sich nicht über den Alltagsk.ampif erheben. Teils die würgende Wirtschaftskrise, teils der militante Antisemitismus haben eine Stimmung geschaffen, die wenig geeignet ist, schöpferische Taten reifen zn lassen. > Der jüdische Optimismus, •der gerade in schlechten Zeiten mit lebenserhaltender Kraft emsetzt, wartete beharrilich in diesem schweren Jahre auf, eine bessere Wendüng der Dinge. Diese bessere Wendung kam auch. Die. neue Hoffnung ist Amerika. Amerika ist durch die Einwanderungssperre als Hoffnung für die einzelnen jüdisehen Individuen für unabsehbare Zeit geschwunden. Hingegen bewährt es sich als der festeste Stützpunkt für die jüdische Gesamtheit. Die Wiederaufnahme der Joint-Tätrg- •keit, die grosszügige Unterstützung des Krimprojektes böweisen klar genug, dass die amerikanische Judenlheit sich der Pflichten bewusst ist, die sie der europäischen Heimat und der palästinensischen Heimstätte gegenüber schuldet. Es wäre aber falsch, die Bedeutung der amerikanischen Judenheit nur vom materiellen Standpunkte aus zu be- ׳urteilen. Auch in geistiger Beziehung entwickelt sich in Amerika eine jüdische Tätigkeit, die restlose Bewunderung verdient. Die amerikanische Judenlheit versteht es, dass die Zukunft einer jüdischen Gemeinschaft im engsten Zusammenhang mit der .Pflege und Unterstützung der Tihora stellt. Die amerikanische Judenheit hat in den Nachkriegsjahren auf dem Wege des Central Relief Committees nicht nur eine Million Dollar für die europäischen palästliü C «iii s'N ' ' *j gifiUg; *מ »» -—•** I :.*SpB mm® ftg&A. jOüüaPAriuWjvw Wi’nn'iiiWiaji'r n!j»»11u1p»1»»1>1>i־Brn ח־<^יו'i:^־וü^^ ÜÜÜ [ (üujfirrriräi^ wmmm Die Schiffschul, die an die Stelle d e 1ז Ankerschul getreten war, begnügte sic 11) nicht bl,oss Bet haus zu sein. Allmählich übernahm sie alle Aufgabe ns die der überlieferungstreue Jude von seiner Ke hi Ita hf erwartet. Man brauchte Koscher-Fleisch; es wurde! also koschere Schechitah in einer Fleischbank er׳־ richtet. Man war gewöhnt, arme Kranke und Freunde mit Verköstigung für Sabbat und Festtage zu versorgen; und es wurde der Verein Tomech Ewjomim von| Prof. Hoffman» gegründet. Der Thoraunterricht der her1־ anwachseriden Jugend ist die Voraussetzung des Bestandes!; des Judentums; .es wurde die J es o d Ha thora uncf׳ die R e 1 i g i o n s s c h u 1 e ins Leben gerufen, mit welchen Schöpfungen die Namen Wilhelm Kritzler und Aron B o n d i unvergesslich' verknüpft sind. Der Ver-' ein Tiferes Bachurim hat die Förderung des!Thora- Studiums, durch Unterstützung der Besucher der Jeschiwoth, der Verein Ez Chaim die Unterstützung der Lomde Thora in Wien zum Zwecke. Die immer steigende Entwicklung der Schiffschul und ihre Festigung ergab sich daraus, dass ihre Mitglieder in; ihr nicht nur ihre gelegentliche Gebetgelegenheit sahen;, sie lernten in ihr ihre religiös-sittliche Heimat, die Kehillah lieben. Obwohl die Mitglieder aus den verschiedenen Gegenden, aus den verschiedenen Ländern zusämmengekommen waren, hier wurden sie zu einer einheitlicher^ mensisahen Thoralehranstalten aufgebracht,!sie hat auch Thofalehranstalten in Amerika selbst geschaffen. Wenn man bedenkt, dass die Sammlung zu Zwecken der grossen Jizchok-Elohanan-Jescihiwah mit 2,5 Millionen Dollar Bareingängen die grandioseste Leistung auf dem Gebiet der Geidsamimlung in den letzten zwei Jahren bedeutet, so muss man zu der Ueberzeugung kommen, dass die aus (den europäischen Oststaaten durch wirtschaftliche, politische und soziale Wirren vertriebene Thora im Begriffe ist, sich in Amerika eine wohnliche Heimstätte zu bauen. Dass die Thora und׳ die fchoratreue Judenheit die Kraft (besassen, in den letzten Jahren sich• in Amerika ein Heimatsrecht zu schaffen, ist ein Ereignis, das eine wertvolle Bürgschaft für die Zukunft der Orthodoxie in sich birgt. Trotz aller Wirrnisse, trotz allen Leids des verflossenen Jahres, steht sie stark und hofifnungsfroh an der Schwelle des neuen Jahres. P. Juden und Judentum von heute. (Schluss.) 1 III. Die ״Agudas Jisroel” hat seither eine ziemlich gün׳־ stige Entwicklung genommen. Sie gilt heute innerhalb und ausserhalb des Judentums als die legitime Wortführerin der Orthodoxie. Ihr Programm bringt sie oft in Streit mit dem Zionismus und dem ״Misrachi”. Die Differenzen zwischen der Aguda und dem Zionismus haben besonders hinsichtlich der Palästinafrage eine besondere Schärfe angenommen, und es kam wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen und Weiterungen zwischen beiden Richtungen (siehe Kapitel 5), Erst in der letzten Zeit wurden zwischen der Aguda und der zionistischen Organisation Verhandlungen wegen der Teilnahme der ״Aguda” an der ״Jewish Agency” geführt. Die ״Aguda” macht diese Teilnahme von der Gewährung Residenz-Atelier, Wien, I., Fleischmarkt 1 Kehillah mit wahrhaftigem Zusammengehörigkeitsgefühl. So wahr es möglich, dass nach etwa 27jährigem Bestände das Haus und der Boden, auf dem es stand, von deri Schiffschul eigentümlich erworben werden konnte. Da das Komitee, das die Schiffschul repräsentierte׳, den Charakter einer juristischen Person entbehrte, musste die Erwerbung auf den Namen des Beth-Hamidrasch Thorah Ez Chaim, das mittlerweile als Verein konstituiert war, erfolgen. Damals wurde an Stelle des alten kleinen Häuschens, das vor dem Bethause stand, ein drei Stockwerke hoher Bau nach dem Entwurf des Baurates Wilhelm Stiassny ausgeführt und das erste Stockwerk als 'BethJ Hamidrasch eingerichtet. Der grosse Gründer der Schiffschul, Rabbiner Spitzer r konnte die Einweihung dieses neuen Heimes der Thorah־! Studien noch sehen. Im Winter desselben Jahres schloss er seine Augen für immer. Sein Werk ,war so fest begründet, dass auch der Tod des Gründers seine stolze! Entwicklung nicht störte. Der Gedanke des überlieferungs־! treuen Judentums hatte in Wjien feste Wurzel gefasst und. wusste allenthalben, mit dem Wachstum der Wiener Judengemeinde, in immer weiteren Kreisen;' sich Geltung zu verschaffen. In den verschiedenen Bezirken entstanden Bethäuser mit den gleichen Grund-׳ sätzen und Zielen wie die Schiffschul. Diese hatte sichl als Adas Jisroel konstituiert, und unter Führung des Oberrabbiners S. Fürst sich mächtig entfaltet. Die alten An-* bestimmter Garantien hinsichtlich der religiösen Postulate beim Aufbau Palästinas abhängig. Wie Dr. Weizmann Ende März 1925 in einer Unterredung erklärte, sei Aussicht vorhanden, eine Uebereinstimmung herbeizuführen. Unbeschadet dieser Verhandlungen hat die ״Agudas Jisroel”. in der letzten Zeit auf eigene Faust eine lebhafte Tätigkeit in Palästina begonnen. Die Palästinazentrale der ״Aguda”' fasste nach dieser Richtung gelegentlich ihrer im Februar 1925 in Frankfurt a. M. abgehaltenen Konferenz wichtige Beschlüsse. Die ״Aguda” besitzt bereits Boden in Pa- Iästina, auf welchem einige Siedlungen und industrielle{ Unternehmungen errichtet werden. Unter anderem erwarb der Chassidimrabbi von Strykow 2000 Dunam, die füll seine Chassidim' bestimmt sind, von denen sich 50 bereits nach Palästina begaben. Eine im Frühjahr 1924 nach Palästina entsendete Aguda-Delegation erwarb zwischen Petach-Tikwah und Jaffa 3200 Dunam Land. In der Nähe von Tiberias wurde von Mitgliedern der Delegation eir\ grösseres Stück Land gekauft, um dort eine Gartenstadt zu gründen. Ferner ist in Tiberias von einem Mitgliedqi der Delegation eine Holzfassfabrik gegründet worden, deren Existenz durch Lieferungskontrakte auf 40.000 Fässer pro Jahr mit der Rothschildschen Zementfabrik in Tiberias• gesichert ist. In Til-Awiw hat die Delegation einen Plattf für 31 Wohnhäuser gekauft, um dort ein orthodoxes Viertel zu gründen. Die Delegation hat ausserdem eine Textilfabrik ״Matweh” gegründet. Die Mitglieder der Delegation haben sich schliesslich an der Gründung einer Bierbrauerei beteiligt, für welche in Palästina ein fühlbarer Mangel vorhanden ist. Bei der Kolonie ״Rabbania” wurde seitens der ״Agudas Jisroel” eine kooperative Farm unter den* Namen ״Nachliel” mit 50 Teilnehmern gegründet, in.wejeher nicht bloss gemeinsam gearbeitet, sondern auch gemeinsam religiöse Studien gepflegt werden sollen, um auf diese Weise Talmudbauern entstehen zu lassen. Die ״Agudas Jisroel” hat auch die Gründung einer Gartenstadt in

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