Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Seite 250 JÜDISCHE PgßSOE später, am Fusse des zweiten!Berges, ׳der in Israels Geschichte ein ragendes Siegeszeichen ward, ertönte aus dem Horn jenes Zeugen der!grosse Ruf, an die Gesamtheit des gänizen Volkes und• fand die!Nation in herrlichster Einheit.?ויחן שם ישר׳ נגד ה Seit ijenefn Tage fühlt das' jüdische Völk die .Kraft der Thauro, die Kraft, die die'׳versprengten Teile des Volkes zueinanderfiihrt und sie einst wieder zu den Stätten ׳der Sehnsucht geleiten'wird. Ferner als je ׳ist unserer ׳Zeit ׳da!s ewige ildeal unseres Volkes. מימיהם של אבותגו לא פרשה ישיבה ,;seit den Tagen-der Väter sind die Stätten des Thaurolernens aus der' Mitte unseres Volkes nicht gewichen.“ Bis an ׳die Schwelle der Gegenwart, bis vor einem Jahrzehnt noch hat ׳der grössere Teil der jüdischen Jugend in der Jeschiwoh allein die Stätte gesehen, aus der!jüdische Kraft und jüdischer Geist ׳fliessen. Unnötig zu wiederholen, welch unersetzliches Gut der unglückselige Krieg ׳utid seine Folgejahre hier zerstört.haben,.Kein!Wunder, also, wenn die Kluft zwischen dem Denken der Väter und dem Wollen der •Kinder ins Riesengrosse schwillt. Wenn die Rettung unseres :Volkes in diesen Tagen als heisses Gebet von unseren Lippen dringt, wenn unsere Jugend den Vätern gleich ׳den Weg zur Höhe ׳beschreiten will, dann ruft sie an jene Stätten zurück, die unseren Stolz und unsere Kraft bedeuten! Ruft sie an die Stätten der!Thauro, ruft sie zu den Jeschiwos!! . ׳Wenn die Völker der Erde alle Vorbereitungen treffen, durch einen Friedenshand aller Nationen den Krieg .von dieser Welt zu bannen, schreiten wir jüdisches Volk ihnen voran!, ׳zeigen wir ihnen durch die Tat, auf welche .Weise man dem Menschengeschlecht eine glückliche Zu- .kunft baut! Für das Wehrjahr — das Lehrjahr! Die Er- Ziehung, die unsere Kinder, sei es in der Schule, sei es in •den Jugendverbänden erhalten, darf nur eine Krönung und .!einen Abschluss kennen — in der Jeschiwoh. Dort, nur dort, wirken Väter und Söhne für das Glück •und die Zukunft unseres Volkes — der ganzen Welt. Talmud Thora. Ein neues Schuljahr beginnt. Das verflossene Jahr war ein schweres, nur an Sorgen und Mühen reiches Jahr, und das Häuflein ernster jüdischer Männer, das die Verwaltung der , Schule ׳übernommen hat, bedurfte seiner ganzen Kraft, um selbe zu erhalten. Das ne,ue Schuljahr bringt der Sorgen u׳n׳d Kämpfe nicht weniger. Es ist ungeheuer schwer, die finanziellen Mittel, ׳die diese in Wien einzige jüdische Talmud Thora-Schule erheischt, aufzubringen, und sie müssen dennoch aufgebracht werden, denn wir brauchen die Talmud Thora heute notwendiger denn je. — ׳Früher war, das Elternhaus auch Schule, heute ist es das Haus nicht mehr. Früher kam der Vater nach getaner Arbeit nach Hause, nahm die jüdischen Lehrbüeher aus dem Schranke, setzte sich zu seinen Kindern und lehrte und lehrte, und wurde des Lehrens und Wiederholens nicht müde, und der auch kleinste Erfolg brachte Eltern und Kindern ihöch-ste Glückseligkeit. So , war es früher, heute •ist es wesentlich anders. Der Vater ist vom Geschäft und Beruf ganz, ׳in Anspruch genommen, die Lebensbedürfnisse wachsen ins Ungeheure, der Haushalt Seidenstoffe, Samte, SacKenfutter Unerreicht in Auswahl und Preisen Seidenhaus KOMORNER, Wien I., Fischeistiege 3, II., Tabors!rasse 14 OMaBHHmBBHBBOnBSKnnBRBDHBnBB&BBBHBHBBaSEnRBBBBBKBBBBBBBBfl Kochet Backet Bratet nur mit dem altbekannten KUNEROL Kunerol ist 100°/, reines Fett aus Kokosnüssen und wird unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S.B. Ehrenfcld, Mattersburg, hergestellt. Es sollte in keinem Haushalte fehlen! Eunerolwerke Wien stellt schier unerschwingliche Ansprüche, wo bliebe da Zeit übrig, die Kinder zu lehren, wo ein •ruhiger Kopf, sie überhaupt anzuhören. Früher, das alles war früher, wussten auch die jüdischen Frauen, dass es ihre Pflicht sei, sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen, heute sind die jüdischen Mütter durchwegs ״nervös“, und ihre Mithilfe bei der Erziehung der Kinder kommt nicht in Betracht. Aus all dem Gesagten ergibt sich, dass das Schwergewicht der Erziehung des jüdischen Kindes in die Schule verlegt und den Lehrern überantwortet werden muss* und zwar in eine jüdische Schule, denn ׳die staatlichen! Lehranstalten halben für alles, was mit Religion zusammenhängt, im besten Falle ein mitleidiges Lächeln übrig. Wien besitzt eine einzige, im echt jüdischem Geiste geführte Schule. Es ist dies die Talmud Thora-Schule in der Malzgasse, welche aus einer Knaben- und Mädchenrvolksschule und Knabenbürgerschule besteht. Die Schule leistet Vorzügliohes. Den Kindern wird jüdisches Wissen, wie an keiner anderen Anstalt gelehrt, auch die profanen Gegenstände werden im jüdischen Geiste unterrichtet. Die Lehrer der Anstalt werden ihrer!hohen Aufgabe voll und ganz gerecht, und nur einen Faktor gibt es, der seine Pflicht .,und Schuldigkeit nicht tut. Es sind dies die. jüdischen Eltern, die aus geistigerH.Trägheit und Sbumpfihedt nicht wachizuriitteln sind, die noch immer nicht begriffen haben, dass die Talmud Thora die einzige Schule in Wien ist, in der ihre Kinder in religiöser Hinsicht ihnen nicht entfremdet werden. ׳Erst wenn die Eltern einsehen und begreifen werden,' und wir werden es ihnen immer wieder erklären, Zahnärztl. und zahntechn. Atelier Med. Dr. J. Müller Wien, II., Schiffamtsgasse Nr. 7 :: 1. Stock, Tür 9 :: u. Adr. Josef Brody dass die Talmud Thora in dieser schweren Zeit, der einzige Rettungsanker in der -jüdischen Erziehung ihrer Kinder ist, und in dankbarer Erkenntnis dessen ihren finanziellen Pflichten der Schule gegenüber nachkommen werden, erst dann kann die -Schule gesichert dastehen. Das neue Schuljahr beginnt. Jüdische Eltern, wir erinnern Eu c h: hei fetderSch ule: Ihr helfet Euch und Eure n.K indem!!! H. t Wie hilft man am besten der Talmud Thora-Schale?*) 1. Indem sich die Eltern schulpflichtiger Kinder bewusst werden, dass die Wahl einer jüdischen Schule die beste Gewähr für eine gedeihliche Er- Ziehung ist. Der Besuch einer jüdischen Schule muss einen dauernden segensreichen Einfluss {unterlassen. Wenn Sie Ihre Kinder in die Talmud Thora-Volks- und Bürgerschule schicken, so nützen Sie Ihren Kindern und dem jüdischen Schul werk! 2. Durch Aufbringung des Schulgeldes armen Schulkindern den Besuch der Schule zu ermöglichen. (Im letzten Schuljahr haben unter 300 Zöglingen 200 überhaupt kein Schulgeld gezahlt. Da ein Schulkind der Verwaltung S 200 jährlich kostet, ist es unmöglich, die Schulgeldbefreiung in diesem Ausmasse armen Schulkindern zu gewähren. Zahlen Sie daher das Schulgeld für ein armes Kind. Sie üben Wohltätigkeit in edelster Art und unterstützen zugleich die Schule. 3. Wird man zur Thora aufgerufen, so ist das Naheliegendste, für Talmud Thora-Zwecke zu spenden. So ehren Sie die Thora in jeglicher Beziehung. 4. An den jüdischen Fasttagen gedenkt man der armen Schulkinder, die öfter fasten müssten, falls die unentgeltliche Schülerausspeisung an der Talmud Thora-Schule, die bisher hundert Kindern täglich gute Nahrung bot, eingestellt werden müsste. 5. Man stiftet Stipendien für Schüler durch Legate, die gleichzeitig ein teueres Andenken lebendig erhalten. 6. Bei freudigen Anlässen, Brith Milah, Bar Mizwah und Hochzeiten gedenkt man der armen Schulkinder. 7. Man bestimmt der Schule einen regelmässigen Monatsbeitrag, um die Sicherstellung des Monatsbudgets von S 5000 zu ermöglichen. 8. Man wird Mitglied des Talmud Thora-Schul- Vereines (S 5 jährlich). 9. Man verlangt im Sekretariat der Schule, TL, Malzgasse 16 (Bureaustundeh von 9 bis 1 und von 3 bis 6)' einen'1 Sammelbogen, um in Freundeskreisen für das älteste und grösste jüdische Schulwerk Wiens Spenden zu sammeln. (Postscheck-Konto ■Nr. 182.159.) 10. Man schickt für den Kalender zumindest eine Spende von S 1, um auch auf diese Weise sein Interesse an der Förderung der Schule zu dokumen־ tieren. *) Aus dem soeben erschienen diesjährigen Luach idjer Wliener Talmuid Thora-Schade. Herren׳, Knabennnd Kinderkleider fertig und nach Maas Massabteitaug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird geaauestens geachtet. J. STEHST, Wien, II., Olookenga88e 25. T. 46913. __ Beachten Sie die Hausnummer. ״ kann bei der Betrachtung dieser traurigen Sachlage eine Feststellung nicht' unterdrücken. ,Die!zionistische Exekutive ׳berichtete irri Jahre 1921 auf dem X1M. Zionistenkongress wie folgt: ״Parallel ■mit den palästinensischen Arbeiten gingen Bemühungen׳,, die Lage der Juden in den neuen Staatswesen des Ostens im .Sinne nationaljüdischer Fortde- ׳rangen zu gestalten. Gelegenheit izu solchen Versuchen boten sich, als in Polen ׳und Litauen eine deutsche, bezw. österreichische Ve'nwaltungsorganisation gesäha/flfen und die administrativen Grundlagen zu -den späteren selbständigen Staatswesen gelegt wurden. Damals bestand die Gefahr, dass die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse der• polnischen und litauischen Juden ׳infolge ihrer Identifizierung mit׳ den ganz anders gearteten Zuständen der Juden in Deutschland in die Bahnen einer As&iimilations- Politik gelenkt würden. Diese Gefahr war besonders gross in Polen, da in Warschau an leitender Steile je ein Veritreter 1d!es!liberalen! ainld orthodoxen Asslmilationsjuidentums aus Deutschland stand. Iu Litauen war es dagegen gehingen, die entsprechende Verwaltungsstelle durch einen Zionisten!zu besetzen.“ ׳(ßeriohbe ׳der Exekutive ׳der Z. O. III. Organ. Bericht. S. 33.) Die Entwicklung in knaptp zehn Jahren hat es nun mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass die grundlegende Arbeit der sogenannten Asslmilanteu, besonders aber der ,,orthodoxen Assimilanten“ tragfähig und! für d!ie Zukunft segensreich war. Hingegen sind die nationalen Errungenschaften in Litauen, die wahrscheinlich von den nationalgesinnten Vertretern vorbereitet wurden* verloren gegangen. Selbstverständlich hat dieser Verlust die gesamte jüdische Bevölkerung Litauens, auch jene, die heftige Gegner der ׳nationalistischen Politik waren, empfindlich geschädigt. Nach dem Zusammenbruch der jiidischnationa'len Politik in Litauen haben die Vertreter derselben׳, der gewesene jüdische Minister Dr. S. Rosenbäum und Dr. Solowejazik, das Land verlassen. Leider hätten die (orthodoxen Vertreter nicht die organisatorische! Kraft, ein politisches Wiederaufbauwerk ״grossen Stiles, zu inaugurieren. Ihre Kräfte waren vollauf gebunden durch die schwierige ׳Arbeit,!die berühmten Jeschiwos!und Thoralehranstalten zu erhalten. Die alten Jeschiwos haben einen schweren Kampf um ihre Existenz zu führen. Die Amerikareäse von Rabbi ׳M. 1M. Epstein-Slabotka und Oberrabbiner Sohapiro-Kowno haben nur eine momentane Erleichterung gebracht, ebenso die .grosstziiglge Entschuldungsaktion, die unter der Äegide des Keren-iHathora- Direktoriums in Deutschland mit einem Erfolg von 30.000 Dollar unternommen wurde.!Unter!diesen Umständen entschloss sich Rabbi M. M. QEpstein, einen Teil seiner Jeschiwo nach Erez Jisroel, nach Chebron zu verlegen.!Gute!Fortschritte hat das Jabne-Schulwerk in Litauen gemacht, dem es gelungen ist, sich in dem grossen Kampf gegen die nationalistische Tarbut und sozialistischen Kulturliga-Schulen zu behaupten und noch an Terrain zu gewinnen. Die Sehnsucht und. Energie der wirtschaftlich so schwer geprüften Juden im Osten galt in ganz hervorragendem Masse Erez Israel. Da unter den 30.000 Juden, die im Jahre 5685 nach Erez Israel einwanderten, der grössere Teil thoratreu ist, so hat die Beziehung der Orthodoxie zu Erez Israel einen ganz anderen Charakter als bisher angenommen. Die ״vierte Aliah“, der Zustrom bürgerlicher thoratreuer Elemente nach Erez Jisroel, die grosses Bodenkäufe der Aguda haben die politische Bedeutung der Orthodoxie und ihrer vornehmsten Organisation, der Agudath Israel wesentlich gehoben. Sie wurde fortan als ein verhandlungsfähiger und vertragsfähiger politischer Faktor behandelt. Es wurde in diesem Jahre erreicht, dass nunmehr die verantwortlichen engfläsoheai. Regierungsstellen mit Agudas Jisroel, als Vertreterin der' orthodoxen Judenheit, ernstlich rechnen. Lord P Immer, der jüngst ernannte High-Kotnmlssionär des heftigen Landes, lud vor seiner Abreise nach Erez Jisroel das Präsidium der Aguda zu sich, um über den Standpunkt der Orthodoxie sich informieren zu lassen, ein Ereignis, dessen Bedeutung wir wohl nicht übertreiben möchten, jedoch als Zeioben der politischen Wertung der durch die Aguda ‘ vertretenen Orthodoxie verzeichnen können. Infolge dieses Umstandes ist nun auch die Situation zur Anbahnung von Verständiguugsverhandlungen zwischen Agudas Jisroel und der zionistischen Organisation rerf geworden. Da ׳diese Unterhandlungen noch ׳im Zuge sind, können wir über säe kein endgültiges Urteil fällen. Nur die symptomatische Be- 'deutung dieser Tatsache •soll hier, ohne Rücksicht auf Gefingen adier Misslingen derselben, als ein Gradmesser• der politischen Bedeutung, •der Aguda verzeichnet werden. I» Erez Jisroel selbst ist die Position der Orthodoxie nicht zuletzt infolge der ־ erhöhten!praktischen Tätigkeit der . Aguda wesentlich ,gestärkt worden. Der Ausbau ihrer Organisation, die Erweiterung ihres Schulwesens, ihr wachsender Einfluss im öffentlichen Leiben, zeigen trotz der Vorgänge im letzten Jaihre, dass ׳die Orthodoxie auch in Erez Jisroel sich behaupten und dank ihrer Zähigkeit sich durchsetzen kann. Ein bewundernswiertes Zeichen dieser Zähigkeit ist ihr Kampf gegen das vom jüdische« Natäonalrat in Palästina projektierte Gemeindegesetz. Der ■literarische Niederschlag ׳dieses Kampfes, die Broschüre Dr. Isaak Breuers ,Das Jüdische Nationaüihelm“, hat sowohl in jüdischen wie in nichtjüdisoheu Kreisen in / Europa ,viel Beachtung gefunden. Das grosse Interesse, das diese Broschüre in West- und Mitteleuropa weckte, ist nicht nur ein Beweis für die geniale Darstdlungskunst Dr. Breuers, sondern auch für die leibendige Anteilnahme, mit welcher die west- und mitteleuropäische Judenheit die Enfwiokliuiig der Ereignisse sin Erez Jisroel begleitet. Mit dieser lebhaften Resonan2: ’fet ',hur das Echo zu vergleichen, welches .das Ersiel»e4|1än",',';ejto׳er^ jäcttsohie*