Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 38 , Seite 249 ויעשו כלם אגודה אחת לעשות רצונך בלבב שלם. ,*Mögen sie alle e i n Bund ■werden, um Deinen Willen zu erfüllen mit ganzem Herzen.“ So beten am Jahresbeginn •alle Juden, •die beten. Nicht nur •um den Frieden in Israel, sondern um den Frieden der ganzen Welt beten wir, zur Erfüllung des g-ttliehen Willens. Wenn sich die reine G־tteserkenntnis, •die uns am Sinai offenbart wurde, zum Gemeingut der!Menschheit wird entwickelt haben, wenn die hohe Ethik des!Judentums, ■die von keiner anderen übertroffen werden ■kann, Herz und Verstand der Menschen erobert haben wird, dann, aber nur dann wird das menschliche Geschlecht die Vollkommenheit erreichen, zu der es bestimmt ist. ״Zum ■Propheten der Völker habe ich Dich, Israel, bestimmt, — spricht der Herr.“ Dieses hohe Ziel kann erreicht werden, wenn Israel vorerst an der eigenen sittlichen Erhebung arbeitet, zu. der es nur einen!Weg gibt, das Studium der Thora, das Bemühen, in •ihren Geist einzudringen, die treue 'Betätigung ihres Gebotes. 1 Die Erkenntnis der Wahrheit, der Friede in G-tt wird uns befähigen, Israels Mission zu erfüllen, die Zeit herbeizuführen, von der es heisst‘ ״Alle Völker werden sehen, dass! G־ttes Namen auf Dir ruht und an dem Tage wird G-tt einzig und sein Name einzig sein.“ Die mehrtausendjährige Gew schichte unseres Volkes lehrt uns, dass Israel nur blüht, wenri es in den Wegen G-ttes wandelt, lehrt uns auch, dass dieses• kleine Volk durch seinen geistigen und ethischen Schatz allen Stürmen von innen und aussen Trotz bietet, •dass Scheiterhaufen ebensowenig wie Abfall im Inneren seine Kraft zu brechen vermögen und ■dass es in seiner Aufgabe, den reinen G-ttesgla>uben zu verbeiten, immer und immerfort fortschreitet. Sind doch heute schon viele hunderte Millionen Menschen, durch den Einfluss unserer Thord׳ der reinen Erkenntnis nähergebracht. Auch die 250.000 Hebrewf Christians (Juden-Christen), ■die eben ihre Weltkonferenz abhalten, sind ein!Zweig am blühenden Stamm des Judentums, wenn auch ein verdorrter Zweig, der dem Untergang geweiht •ist. Auch Bibelkritik oder!Reformjudentum können!uns nicht so ■weit schwächen, dass wir nicht unsere Mission der Erleuchtung •der Welt erfüllen, •wenn wir nur alles tun, in unseren Reihen das Bewusstsein zu erhalten, dass Körperstärke und Schönheitssinn, so wertvoll sie sein mögen,! nicht das Um und Auf der Menschheit bilden. Vertiefen wir uns in die Thora, folgen wir den Geboten G-ttes, dann werden wir ■uns dahin aufschwingen, dass wir würdig ,sein, ■werden; ■in׳ *׳Zion ■das Beth-Hamikdosch erstehen zu ' sehen, ׳ von wo G-tt׳eserkenntnis und höchste Ethik zum Besitztum der ganzen Welt werden. Wolf Pappenheim.! Vier Franengestalten. Das Thora- ■und Prophetenwort, welches uns am Roschhaschonotag vermittelt wird, zeigt uns ■das' Bild von vier Müttern, Sarah, Hagar, Hanna ■und Rachel. Die Zusammenfassung der Empfindungen und Gedanken, welche uns in diesen vier •Gestalten entgegentreten, sind eine wunderbare Wiedergabe dessen, was ein jeder ernste Jude in bezug auf Sorge und Hoffnungen für die Zukunft in sich trägt, und zwar eine Wiedergabe, die sich konzentriert in der erhabensten Form, in ■der die Zukunft zu uns spricht, in. der die Zukunft an uns Forderungen stellt, im Rahmen der Seele des Kindes. Wir •sehen diese vier!Mütter leiden• Vom Jahre. Das Jahr 5685 war in wirtschaftlicher Beziehung ein Katastrophenjahr. Oekonomisahe Momente wirken sich erfahr,ungsgemäss ,auch!im geistigen Laben aus ׳und •auch die thoratreue Judenheit konnte sich dem Einfluss der traurigen Wirtschaftslage ■nicht entziehen. Infolge •der andauernden Wirtschaftskrise fehlten vor allem die •materieWen Voraussetzungen zur Ausnützung der grossen Möglichkeiten, die sich in diesem Jahre der thoratreuen Judenheit reichlich!geboten haben. Durch ■die fortschreitende Konsolidierung der politischen Verhältnisse in Europa liess der gewaltige Druck, den nationalistische und extrem sozialistische Strömungen, auch innerhalb ■des jüdischen Volkes in den letzten Jahren ausgeübt hatten, merklich nach. Die Erleichterung, die da für die thoratreue Judenheit eintrat, konnte■ nicht vollauf ausgenützt werden. Am klarsten spiegeln sich diese Tatsachen in den Schicksaien des Ostjudentumes wider. In Polen gelang es der thoratreuen Judenheit nicht, den■ Sieg bei den Gemeindewählen, die in den letzten Monaten des Jahres 5684 im harten Ringen erfochten wurden, auszunüfzen. Nach den. grossen Anstrengungen im Wahlkampfe zeigten sich Zeichen einer Ermüdung, die infolge der lähmenden Wirtschaftskrise fast einem ■Zustand /der Lethargie wich. Die grossen Anstrengungen,• die die Führer der polnischen Orthodoxie mit ׳Unterstützung westlicher Gesinnungsfreunde unternahmen, das einzige orthodoxe Tastylatt der polnischen Judenheit, den Warschauer ״Jud“ zu beleben» brachten nicht den erwünschten Erfolg, Das hochgesteckte Ziel,!die Orthodoxie organisatorisch fester zusammenzufassen und ihren Forderungen eine tägliche publizistische Vertretung m schaffen, kannte, nicht verwirklicht werden.' Man . musste, sich mit. Teilerfolgen zufrieden geben, die man. in nicht unbeträchtlicher Ziabl verzeichnen kann. Auf* dem Gebiete der Erez-Jisroel-Arbeit hat die thoratreue JÜDISCHE PRESSE und sehen, wie ihr Leid sich in Hoffmingsfreude und Siegesgewissheit löst. Wir möchten, dass alle Mütter Israels, die zu Eingang des Festes ihre!Kinder segnen, Jm Geiste und im Streben dieser vier Mütter die Hände auf das Haupt des Kindes legen, die Lippen zum Wort des Gebetes bewegen. Da bangt Hagar ■um das körperliche Leben des Kindes, um den Augenblick, da, wie sie fürchtet, Seele und Körper sich trennen; um des Kindes willen hat sie gelitten, um des Kindes willen das Haus Abraham verlassen, das ihr, der ägyptischen Königstochter, zur zweiten Heimat geworden war. •Ihr sagte die Stimme des Ewigen, dass das Leben des Kindes gerettet werden soll, und dass dem Kindd und seiner ■Zukunft grosse physische und materielle Mächte bestimmt seien, und so stellt denn Hagar stillbescheiden unter Verzicht auf Seelenentwicklung die •ganze Zukunft des Kindes auf äusseres ■Glück, •und in der Einsicht, dass das Kind nicht aufnahmsfähig wäre für ■die sittliche Grösse ■des abrahamitischen Hauses, sucht sie ihm eine Frau aus ihrer ersten Heimat Aegypten, aus dem Lande der Macht und äusseren Geltung. In diesem Bilde werden alle jüdischen Mütter vor die ernste Frage gestellt•, wie sie sich wirklich und tatsächlich das ■Glück ■des Kindes vorstellen, was sie ersehnen, was sie erträumen. An diesem Scheideweg können jüdische Mütter ■ermessen, was ihnen die Seele ■des Kindes wert ist. Wie ganz anders steht Sarah da! Sie kennt nur ■die Sorge für die Seelenreinheit ihres Kindes, ■sie muss •und will es schützen vor allen fremden, ׳unheilvollen Einflüssen, sie nimmt selbst die furchtbare Aufgabe auf sich, hart erscheinet! zu müssen und Gefahr!zu laufen, eines Augenblickes Dauer selbst von Abraham nicht verstanden zu werden. Aber der Allmächtige hob ■durch sein Wort ihre scheinbare ■Härte empor zum vollendeten Bilde der Mutter, die für ׳und um die Seele •des Kindes ringt. Stolzer und reiner kann ■der Mutter ■Adel nicht gewürdigt werden als •in den Worten, die der Allmächtige zu Abraham spricht: ״In allem, was dir Sarah sagt, ■höre auf ihre Stimme.“ ׳Die Grösse und Unfehlbarkeit der Mutterliebe geleitet ׳uns von Jahr zu Jahr. Wohl von diesen Gedanken getragen tritt Jahrhunderte später Hanna ■in das Heiligtum, von Sehnsucht verzehrt nach dem Kinde, das ihr der Allmächtige bis dahin versagt ■hat. Sie ■hat schwer darunter gelitten, auch unter den herben Worten einer anderen Frau, die ihr die scheinbare Zükunftslosigkeit izum Vorwurf gemacht hat. Aber auch das war schliesslich nur geschehen dm Geiste einer wunderbaren Zeit, der die Mutterschaft als die höchste Vollendung des Menschentums .erscheint. Hanna schweigt und will den braven!Gatten nicht kränken, der ihr die Frage v,orlegt, ob.er ihr nicht ■mehr wert.sei. wie zehn Söhne, und dann nüstete sie.sich,zu׳m-׳Gebe|jv..so.keusch und rein, dass der ׳Hauch, des Wortes kaum zum Schall sich verdichtete. Tatsächlich war es etwas!Grosses, was sie in diesem Gebete verspricht und ■später in Wirklichkeit leistete; nicht für sich, sondern für die Gesamtheit, ■für die Menschheit erbat sie das Kind, weil sie in dem Kinde ihre Welt sah, weihte sie ׳unter Verzicht *auf •all die Freuden, ׳die sonst einer Mutter ׳im Heranwaohsen eines!Kindes beschieden sind, ihr Kmd dem (Dienste ■für den Allmächtigen an der Menschheit.!Dieser Grösse ■gab der Allmächtige. Erfüllung und der Mutter ward es vergönnt, in dem Augenblick, in dem sie •ihr Kind in das Heiligtum ■brachte und ■sich von ihm trennte, prophetischen Geistes betend schauen zu dürfen den ׳Gang •des Ewigen durch Werden und ■Geschichte der Menschheit. Wie wunderbar ,aber sich •die Grösse der Mutter über das Irdische Leben,׳ über das Grab hinaus wirksam erweist, wie sehr in der'Mutter die Unsterblichkeit Judenheit Polens nicht nur der Erez-Jisroei-Arbeit orthodoxer Organisationen das Gepräge gegeben, sondern die Eraz-Jisroel-Arbeit überhaupt dauernd beeinflusst. Die •vierte AJia'h, die •Einwanderung bürgerlicher, konservativer Elemente rekrutiert sich aus den Kreisen, die zu •den Mitgliedern der Agudas Jisroel zählen o/der ihr sympathisch gegenüberstehen. Auch auf dem Gebiete der' Er- Ziehung wurde in Palen so manches erreicht. Der Ausbau des Keren Hafhora, •!dieser weltumspannenden Organisation zur ׳Hebung des Thoralernens ■und zur Erhaltung der Thoralehranstalten, hat beträchtliche Fortschritte gemacht. Der Bau der Lubliner Jeschiwah konnte wenn auch infolge der lähmenden Wirtschaftskrise nicht vollendet, so doch weitergeführt werden. Das Netz der Beth-Jakob- Schulen, dieser so überaus segensreich wirkenden Anstalten zur Erziehung der Mädchen ln Polen, ■ist etwas dichter geworden und zählt bereits 50 Anstalten. Der Ferialkurs, der!zur Weiterbildung der Beth-dakob- Lehrerinnen am Ende dieses Jahres in Robow unter Führung einer Schar •begeisterter und hervorragender Pädagogen stattfand, hat das pädagogische und geistige Rüstzeug der Beth-Jakob-Schulen bedeutend gestärkt. Seit kunzer Zeit zeigt die Wirtschaftskrise nicht mehr so besorgniserregende •Erscheinungen wie zu Beginn dieses Jahres!und infolgedessen hat auch die stürmische Erez- Jisroel-Bewegung ruhigere Formen angenommen; mit um so grösserer Energie befasst sich nun das thoratreue polnische Judentum mit dem inneren Ausbau seiner Organisation und seiner Autonomie. In diesem Zusammenhange scheint ■uns ein Artikel des Führers der agudistisahen Sejinfraktion Elias Kirsahbraun bedeutungsvoll Afbgeordneter Kinschbraun lanciert!die Idee der Schaffung selbständiger orthodoxer Gemeinden dn Polen, Es ist noch!zu früh, an diesr Steile sieb!mit dem IMerdt-um dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Sic kann aber als Symptom \er-\ zeichnet werden. Die thoratreue Judenheit in Polen beverankert ist, das ׳zeigt uns endlich das Bild der Rachel. Weil nicht treu gehütet von ihren Müttern, hatten sich jüdische Kinder von dem himmlischem Vater entfernt ■und mussten dn die Verbannung ziehen, vorüber am Grabe Rachels, und hörten die, die Mutter Rachel . weinen/ weinen ob Leid und Seelenpein der Kinder. Der Tränei der Mutter erweist sich gütig die Gnade des Allmächtigen und er verheisst ihr, dass sie nicht •umsonst geweint haben wird, und er •zeigt ihr, wie die Kinder einst heimfinden werden. In der Wiedererkenntnis ■des eigensten Seins ׳und seines Sinnes durch die •Mutterliebe wird die Welt erlöst und allen Betenden an den Tagen von Roschhaschomo wird diese Offenbarung zuteil. Also mögen jüdische Mütter ihre Kinder segnen und also möge der Allmächtige den betenden Worten der Segnung ׳Erfüllung gewähren! P. K. Väter und Söhne.*) Von Dr. L• Deutschländer״ Alljährlich, wenn ■mit Jahresbeginn der Schofarton uns zu ■Einkehr •und (Umkehr ruft, steigt vor unserem Auge das unvergleichliche, unvergängliche Bild jenes Augenblicks am ׳Berge Moriah auf, da der erste Stammvater unseres Volkes in innigster Einheit mit seinem Sohne den Willen zur völligen Hingabe an G-tt ׳bekundete. ׳Geh’,!bring’ mir dein einziges IKind“ — hatte die Stimme ■G-ttes!gesprochen; an stummer Ergebenheit folgte der Vater, ahnungslos das •Kind לילכל שניחם יחדל •Auf der Höhe des Berges, am Ziel ■fast angelangt, ertönt die bange Frage: ״Wo •ist das Opferlamm?“ Eine dunkle Antwort erfolgt. •Aufdämmert in der Seele des Kindes die furchtbare Ahnung — und trotzdem, ■mit keinem Schritt weicht ■es vom Vater. לילכל שניחם יחדל Der furchtbare Augenblick ist überwunden, jubelnd treten Vater und Sohn• •in glücklicher Einheit die ׳Rückkehr an וילכל יחדל׳ אל באר שבע Dreimal betont das Bibelwort die innige Gemeinschaft dieser beiden Glauibenshelden״ Was in Israels ׳Geschichte am ״Ende der Tage“ glückliche Wirklichkeit werden soll לחשיב לב אבלת על בנים Steht als leuchtendes ,Ideal am Beginn seiner Geschichte, soll leuchtendes Ideal für •alle Geschlechter bleiben. Jene drei grossen Augenblicke an de׳m hohen Tage ■im Leben der beiden Väter, sie können und müssen nach eines Weisen Deutung!jedem einzelnen Richtung und Ziel •geben. Wenn ein jüdischer Vater sein junges Kind in früher Jugend auf ■den Weg der!Gr.ttes- ■lehre führt und zum Gehorsam gegen das :G-ttesgesetz ver- ■pflichtet, wie innig verbunden sind da zumeist die!Seelen beider! Dann aber folgt jene!Zeit des Sturmes und Dranges, da •in der Brust des Jünglings der ■eigene Wille sich gebieterisch ■regt. Jetzt.ist der.Augenblick gekommen, da seine Seele manchmal erschrickt vor der Grösse des!Opfers,. Jude zii sein, mit ganzem Herzen •und ganzer Seele. Jetzt ist der Augenblick gekommen, da ein jüdischer Jüngling, einem Jizchak gleich, nicht zurückschrecken darf, wenn es ׳gilt, die ganze Persönlichkeit für G,־tt, Glauben und Volk einzusetzen — wie die Väter es getan. ■Wenn dieser Sieg errungen,!wenn auf der 'Höhe des Lebens die Jugend sich zu Vätergeist und Vätermut bekennt, dann winkt ■der schönste Lohn, die jubelnde Heimkehr von Vätern ׳und Söhnen, .vereint ״zum Brunnen der Treue“. : Seit jenem Tage mahjit קרן■ חאיל,.■ das •Wid^erhprn, der Zeuge jener Szene am (Moriahbefge, Jahr für Jahr Israels Söhne, ein Bekenntnis abzulegen zu jenem Geiste, ■der ׳einen Awrohom ■und Jizchak beseelte. Jahrhunderte *) Aus dem Kalender der Jugendgruppe der Agudas Jisroel, Wien,!10. ginnt ihren inneren Angelegenheiten, den* Ausbau ihrer Organisation, ihrer Gemeinden, ein erhöhtes Interesse zuzuwenden. Man kann,, d,ie Ereignisse in, Polen nicht 1;egistrieren, ohne sich auch mit dem. polnisch-jüdischen, Abkommen ׳ zu beschäftigen. Es wurde im Sommer d. J. in feierlicher ,Weise zwischen, der!polnischen Regierung und den Vertretern des jüdischen Sejmklubs ein Uebereinkommen •getroffen, dessen, Bestimmungen offiziell bekanntgegeben wurden. Ihr Inhalt ist nichts anderes als die fast restlos ׳Anerkennung der Postulate ׳der Agudas. Jisroel in Polen. Wohl sind in der letzten Zeit von verschiedener Seite schwere Bedenken geigen das Abkommen laut ge-!worden, das überhaupt mit grosser Skepsis aufgenommen wurde. Unter allen Umständen ist aber das Abkommen ein Beweis dafür, dass selbst die nationalistischen Führer in Polen keine andere Möglichkeit sehen, •mit der polnischen Regierung zu einem Abkommen! zu gelangen, als durch die Anerkennung des orthodoxen Programmes hnisichtlich der Regelung der innerjüdischeh Verhältnisse. Dieses Uebereinkommen ׳ist aber ■noch von einem anderen Gesichtspunkte aus überaus •interessant. Die polnische. Regierung hat es für notwendig gefunden, ihre Beziehungen zu den jüdischen Bürgern des Staates in der feierlichen Form eines Ue b e r einkomme ns zu regeln. Wie■ immer auch das Schicksal des Uebereirikommens sein wird, der moralische ׳Erfolg!des feierlichen Aktes kann nicht so bald •verjwäscht werden. Besonders wertvoll erscheint dieser Regierungs- ׳ akt, wenn man ihn mit den litauischen Verhältnissen vergleicht. Die Juden Litauens hatten eine von der ganzen jüdischen W'elt mit grossem Interesse beachtete Autonomie. Sie ®ab ihnen ein jüdisches Ministerium, einen jüdischen Nationalrat, jüdische Lokalverwaltungen in der Form von mit Steuerrecht und weitgehender Autonomie ausgestatteten jüdischen Gemeinden. AU dies ist, in dem letzten Jahre verloren gegangen, ja nicht, einmal das Steuerrecht der jüdischen Gemeinden ist geblieben. Man