Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 36 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 236 JÜDISCHE PRESSE Nr. 36 blieben ist, nicht zerreissen.“ Der XI׳V. Zion 18 t e nkongress hat mit seiner Resolution die Zerr eis sung dieses Dokumentes beschloss e n. ׳Wir hoffen, dass in dem Abwehrkampf gegen die!Folgen dieses )Beschlusses nicht nur jene Orthodoxie auf ■den Plan tritt, die in richtiger Erkenntnis der Kulturtendenz der zionistischen Organisation ausserhalb derselben ■blieb, sondern auch jene thoratreuen Söhne des;jüdischen Volkes, die bisher sich über die wahre Tendenz dieser Kulturarbeit täuschen Hessen.!Es geht u!m das Ganze. P. ״Im Ebenbilde Gottes“. Vom B. S.-Korrespondenten der ״Züricher Presszentrale“ Zürich. Ein homerisches Gelächter erschüttert den Olymp der Gelehrtenwelt und Halbwelt und sein Echo rollt über ׳Länder und Meere. Es gilt, dem grossen ״!Affentheater“, in dem plötzlich zur ■Zelebrität ersten Ranges gelangten Städtohen Dayto!n,!im Staate Tenessee. 'Im Mittelpunkte der!weitumspannenden Zuschauerschaift, aus deren Mitte spröiizige gelehrte Deklamationen, gellende Missfallenspfiffe der Presse und ׳höhnisches Gejohle der Masse ertönen, sitzt im blendenden Rampenlicht der Oeffentlichkeit eiiine Schar van einsichtigen Farmern da, von einer Laune ׳der Kulturgeschiohte zu einem Weibgerichtshofe über die uralte und ewig neue Streitfrage: ,vHlie Gott, hie Tier!“ erhoben. Die beleidigte ,jKulturiwelt“ richtet besonders alle Pfeile ihres Spottes auf den einen biederen, gottergebenen Landmann, von dem die Drahtlose, das Telephon, zehntausende von!Federn und Schreibmaschinen die ergötzliche Kunde allen Menschenkindern •zutragen, dass ,er, der Analphabet, über eine der tiefsten Probleme menschlichen Wlissens zu Gerichte sitzen werde. •Aber niemals hat ein Geschworner, ein!Richter mit!solch felsenfester, unerschütterlicher Ueberzeugung sein Urteil gesprochen, als der des!Lesens ׳und Schreibens unkundige Bauer von Dayton. Sein Kodex 1ist die Bibel, ׳umd er, dessen Geist!nicht beschwert ist mit iRlie sein last der modernen!Bildung, hat es sich tiefer als einer von ׳uns׳, ins!Gemüt!geprägt, dass der weiseste aller Menschen gelehrt hat: ״Es gibt keine Weisheit un!d Vernunft gegen Gott!“ Wenn er auch nicht ׳in den Büchern zu lesen vermag, liest er täglich im grossen Buche der Natur. Noch lange, ehe •diese Neunmalweisen erwachen, steht er täglich vor Gott, sieht über seinem Felde Gottes Sonne neu erstehen, er •nimmt mit heiissem Dankgebete Gottes Segen, den Regen und ׳den Sonnenschein entgegen, ohne die sein hartes Händewerk vergebens wäre. Er lebt :i!n ■ewiger Verbundenheit •mlit Gott und mit der Natur. Er glaubt •mit tiefster Seele an ■den Satz: ״Und wenn Ihr gehorchen werdet meinen Geboten, so werde ich Eueren Landregen geben, zu seiner Zeit.“ Vom ganzen Weltgeschehen ist ihm •nichts mehr bewusst, als die Geschichte, die Gesetze und die Mähnungen der Bibel. Wie auf der einfachen weissen •Leinwand 'berückende Lichtbilder geleiten, spiegeln sich in seiner primitiven Seele rein die Wunderbilder der heiligen Schrift ab. Die Erzväter ■sind seine Hausgeister. Die Bibel wurde ■nicht auf Universitäten geschrieben. ׳Sie ist ■selbst ein Stück Natur, slie atmet Erdgeruch, es blinken die Sterne darinnen, ■es rauschen die Wälder umd braust das Meer. Alle erhabenen Gestalten der Thora sind Figuren des Landschaftsgeimäldes. Im Haine Mamre, an den Brunnen von ׳Beer Schewa lind Midjann geschah das ewig Vorbildliche. Darum fühlt sich der Farmer den Gestalten der Bibel so nahe. Darum ergreift keine Andacht uns so •mächtig, als die der betenden Bauern im den Gemälden Millets; sie empfangen Gottes Gabe unmittelbar von seiner Hand, sie sehen ihn nicht in Vorstellungen und Zeichen, sondern Angesicht zu Angesicht. Alber mehr als ein persönliches Glück weiss der Puritaner das Gedeihen umd die Sicherheit des Bestandes seines Staates ׳abhängig von ׳dem Masse, wie Gottes Wort richtunggebend für d!as ganze öffentliche Leben sein werde. Dem einfachen Manne!ist es Sache ■des Glaubens. Aber wir haben es ja aus!dem Munide Coolidiges in seiner denkwürdigen Rede bei der Einweihung ides ״Jewish Centre“ in Washington gehört, ■dass ׳die Autorität!der Bibel für die Herren^, Knaben' und Kinderkleider fertig und nach Miss M»ssabteilm!£ bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu• Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird genauestens geachtet. J. STERN, Wien, II., Glookeng&sae 25. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. Vereinigten Staaten ein Gelbot der Staatsklugheit sei, dass nur die Bibel allein die 13 Kolonien zu einer Nation zusammengeschweisst hat, und das die heterogenen Elemente der Farbe, der Nationalität, des Glaubens, die in diesem grossen Staate chaotisch ineinander wiallen,!nur durch den gemeinsamen Kodex der Ethik zu gleicher Gesinnung und Tat zusammengefasst wenden können. Das fühlt •d׳eV einfache Mann intuitiv, wie in den apokalyptischen Traumgesichter Daniels ist aus dem ״kleinen Hörnchen“ der Kolonisten das mächtigste Staatengebilde im wunderbarer Weise entstanden, dass alle bisherigen Weltbeherrscher zu seinen Füs׳sen zwingt. Es ist in Gottesfurcht entstanden: durch Gottesfurcht glaubt der amerikanische Puritaner. Allein bei allem stolzen Bewusstsein seiner Grösse, durohifröstelt den Amerikaner ein Gefühl der Un- Sicherheit. Der Neid der Völker brennt geheim in deren Seele:, Rassenhass glimmt heimlich i!n seinem eigenen Gebälke. Die Disziplin, welche •die Widerstandsfähigkeit der Nation gewährleisten soll, wird durch!das sybarithisohe Leben gelockert, das Volk entnervt. Die Sitten sind im Verfall beigriffen,. ..׳die Verbrecher welle steigt besongniserregend. Will man das Verhältnis zum Glauben, zum Staate in Amerika recht begreifen, so muss man auf das Communique ׳des Polizeihaupte-s ׳in Ghicago hören, das •dieser Tage veröffentlicht wurde: ״Wir verlieren die Herrschaft über das Verbrechen. Die Mordstatistik übersteigt schon den Durchschnitt von einem Morde per Tag, ■der Raub geschieht öffentlich un!d macht reichliche Beute, von welcher kaum etwas zuriückgeibraoht werden kann. Wir m ü s ׳s!e ,n uns an die K i r c h e 11׳ m Mitarbeit bei der Bekämpf unig des Verbrechens wen- ׳d q n.“ Das Staatsgebäuide ׳ist von Korruption zerfressen. Die Sucht nach dem Gelde benebelt die Sinne. Es gibt nur ein Amulet gegen das goldene Kalb — die Bundestafeln. Und ׳das Judentum? Gibt es in einem anderen Volke ׳noch grössere VersoJ^edeniheiten, als bei ׳diesem über allen Zonen verstreuten Volke? Was anders kann diese verwirrende Mannigfaltigkeit zu einem einheitlichen Ziele, zu einem einheitlichen Denken und Arbeiten verschmelzen, als die allen bewusste, allen mehr oder minder heilige' Bibel? Wird nicht einmal der Nachfrage so verwundert •alle Reden und ׳ Schriften ׳des Judentums zur Zeit der Renaissance Erez Israels ,prüfen, wie wir. das Buch Esther, das einzige Buch, in welchen der Name Gottes nioht genannt, sein Walten nicht betont, seine Hilfe nicht angerufen wird, sondern nur von Regierungen und klugen Interventionen die Rede ist? Kein einziges der jüdischen Blätter in Amerika, selbst •der ״religiösen“ nicht, stellt sich voll und ganz an die Seite Bryans. Und es gibt doch kein zweites Volk der Welt, dass dein lapidaren Bibelwort: ,4 e n 11 i׳m Elb ein 113 i 1 d e Gottes /h׳at er den Menschen e r s c׳h a׳׳f׳f e.n׳“!, soviel zu verdanken hat. Wie oft ■hat sich das bedrängte Israel auf diesen Satz berufen, wie oft ist er mahnend aus dem Mnndie edler christlicher Se׳elenhirt׳en erschollen, wenn sie der Flut deis Judenhasses einen־ Damm setzen wollten! Die in der Nähe Daytons wirkende Expositur des jüdischen Landesverbandes ״Young men heibrew association“ wusste aber nichts klügereis zu tun, als D׳arrow zu einem Vorträge einzuladen. Der alte Rabbiner und Zionistenifiühner Dr. Silverman musste partout‘ eine Erklärunig in ׳den Zeitungen abgelben, ׳dass die Evolutionstheorie mit der Bibel vereinbar sei. Gar nicht zu reden von der grossen Masse der jüdischen Universitätsjugend, die durchaus ״izum Baume hinaufrufen: Du bist mein Vaterland ,und z׳um Steine: Du hast mich geboren“. Es ist mehr ein pathologischer Zug als Wissendrang. Es ist die Abneigung gegen den Zwang, ■der aus biblischen Vorbildern entsteht. Es ist kein Schrei mach Wiissensifreiheit, ׳sondern auch sinnlicher Freiheit. Es liegt ein ׳unheimlicher, ,ursächlicher •Zusammenhang ׳zwischen dem dringenden Bedürfnisse, vom Affen äbzustammen und dem sich ausbreitenden W.unsohe, sich mit Affendrüsen zu verjüngen. Der entnervte Epigone scheut den!Zwang der Tadition, der ihn!zu schwer drückt, wie er die Rüstung der Vorfahren nicht zu tragen vermöchte. Es wäre zu banal, hier den alten Jeschiba-Diisput über Genesis ■und Evolution zu repetieren. Was sie Wahrheit nennen, ist halbe Wahrheit, wie positive Elektrizität unstreitig Elektrizität ist, aber ohne den negativen Partner nichts beideutet. Die wahrste Wissenschaft ist nur ein Teil der Memschheitsseele. Denken und Fühlen sind zwei Elemente, aus deren Vermahlung erst die schöpferische Wahrheit entsteht• Denken und Mann sind in der sinnvollen hebräischen Sprache synonim. Sochor! Die Produkte menschlicher Denkkraft für sich allein, wären steril ohne das Element des Glaubens. Die höchste Wahrheit ist der ewig waltende ßchöpferwille, sein muss, wie England englisch ist, behauptet, dass auf die von ihnen propagierte Weise , die Araber nie zu einer friedlichen Mitarbeit, nie zu einer erträglichen Nachbar- Schaft zu haben sein werden und sie haben nun •endlich klugerweise das unmögliche n׳ur jüdische P a 1 äs t i n a zugunsten eines möglichen z w e i n ׳a t i 0n a 1 e n, j ii d i s c h ־ a r a b i s c h c 11 Palästina aufgegeben. Es bleibt nur fraglich, ob und wann die böse Wirkung ihres so viel bejubelten, aber kurzsichtigen Wortes, dass das arabisch-jüdische Verhältnis so vergiftet hat, aus der Welt geschafft wird. Wir warnen nochmals! Ihre hebräische Universität, die den Unglauben, den Abfall von G-tt, die Entheiligung der Bibel, •dem Orient als Geschenk des heimkehrenden jiidisciien Volkes bringt, i s t kein ־Friedensinstrument. Sie wird vielmehr ein Stein des Anstosses werden, für alle Kinder ides Orients, die in . den Enkeln ׳Abrahams auch ■die Träger ׳der am .Sinai Offenbarten Zehn-Worte, zu sehen gewohnt sind. Die b i •b; e 1 ׳k r r t i s c 11 e hebräische Universität in Jerusalem ist nicht nur eine religiöse, sondern auch eine ,politische Gefahr. Hingegen hoffen wir, dass dieser Beschluss des ■Kongresses ׳nicht ohne tiefgreifende Folgen innerhalb der zionistischen Organisation blei'ben wird. Wir ■können es nicht glauben, dass die einzelnen ■Gruppen, die an der ׳Universität!interessiert sind, und zwar. Baron Edmund Rothschild, Oiberrabbiner K 11 k und die M ׳i ׳s r a c h i- Organisation mit diesem ■Beschluss sich abfinden werden.!Es sind zwar Superkluge •unter uns, die da glauben, •d׳as׳s die Opposition dieser Faktoren von vorne herein bescitigt worden wäre, ■die da glauben, dass •der Zionistenkongress, un׳d besonders sein Präsident Herr Sokolow, den ■Baron Edimund Rothschild, den sie 30 Jahre ,lang auifs heftigste befehdeten, nur deshalb ■anlässlich seines achtzigsten Geburtstages als einen Zionisten, ja ׳a׳ls ׳den Zio- ׳nisten, ,ja noch ׳mehr, als ebnen Chaluiz gefeiert haben, um ׳ihm angesichts dieser überwältigenden Lobhudelei ׳die Möglichkeit eines heftigen!Protestes gegen •einen Beschluss eines;ihn so demütig feiernden Kongresses;zu nehmen. Vollends •am!Schlüsse ׳des Kongresses wurde ,in ׳der Form einer sinnvollen Ehrung ■Herrn Rothschild bedeutet, dass sowohl er w׳ie ,auch ׳die zionistische Organisation sich wohler!fühlen würden, wenn er ׳nicht ׳in!den ׳geistigen Bezirken ׳des judaistischen Instituts seinen ׳Einfluss geltend!macht, ׳sondern sein Interessee und sein Geld der zu seinen Ehren zu stiftenden landwirtschaftlichen Fortbildungsschule!zuwendet. Was!wiederum!Rabbi K uk, ׳der ׳anlässlich ׳der ׳Gründungsfeier, ■die hebräische!Universität in einer ebenso langen wie warmen Ansprache, ׳die in •einem förmlichen Schehechojone ausklang, und die Misrachi- Organisation betrifft, so glauben diese Klügler, dass die 5000 iPIfund, die ׳das neue ׳Budget für religiöse Angelegen- ׳heiten ׳bestimmt, welcher Betrag duroh den Misrachi im Einvernehmen mit dem Oberrabbinat zu verwalten ׳ist, hinreichen ׳wird, um jede ernste Aktion gegen ■den bibelkritischen Beschluss ■des Kongresses von dieser Seite hintanizuhalten. Wir ■hoffen, ׳dass diese Klügler nicht recht behalten werden. Wir ׳glauben nicht, dass selbst nur einer ׳dieser ׳drei Faktoren sich ■durch Geld oder höfUche Aeusserliöhke'iten von seinem Standpunkte wird abbringen lassen. Rabbi Arniel hat noch am 29. August, also 28 Stunden vor •der Forderung.;des •Kongresses nach ׳Bibel'kritik, in ׳einer öffentlichen ׳Kongressrede sich als Vertreter des Misrachi scharf gegen ■die ׳Bibelkritik gewendet. Br!hat ■es tief beklagt, ׳dass seine zionistischen Gesinnungsgenossen das einzige Dokument, das uns das Land ®usichert, vernichten. Er zitierte Woifssohn, der •gesagt hat, ״mit der Bibel sind wir von Erez Israel gegangen, ׳mit ihr kehren wir ׳dorthin zurück.“ Er!berief sich auf England,!von welchem wir Erez Israel bekommen haben, weil es ein Bibelvolk ist. Er schloss mit einem feierlichen jj Appell: ״Wir sollen das einzige Dokument, das uns ge- | Juden und Judentum von heute. Die Ereignisse des!laufenden Jahrhunderts, besonders die der Weltkriegsjahre, haben ׳die Judenfragen noch mehr •als früher kompliziert. War es schon früher nicht leicht, ׳in diesem ׳Urwald von Fragen,!Strömungen kultureller ׳und ׳sozialer Natur sich auszukennen׳, so ist es in der!Gegen- ׳wart noch weniger der Fall. Selbst Berufspolitiker finden •sich oft nicht zurecht •und selbst diejenigen, die den ernsten Willen haben, sich ein klares Bild über ׳die Verhältnisse zu verschaffen, gehen oft ׳irre. Viele jüdische Kreise, dar- •unter auch solche, die!gelegentlich als Wortführer des ׳Judentums auftreten, sind über ׳die Einzelheiten des Juden- Problems nur lückenhaft informiert!und!gar manche Fehler, die in der sogenannten jüdischen!Politik geschehen, sind in der Hauptsache ׳diesem Stande der Dinge zuzusohreiben. Jeder, der sich mit jüdischen Angelegenheiten befasst, empfindet es als einen grossen Mangel, ׳das Fehlen eines objektiven ׳und sachlich umfassenden Handbuches. Es ist daher ׳das erste (übersichtlich ׳dargestellte Handbuch.*) Wir glauben, dass •das Krempels che Buch ein guter, klarer Wegweiser zur!Erforschung ׳der Strömungen, Parteiungen und überhaupt der Gesamtlage in der zeitgenössischen Judenheit ist. Wir ,bringen zur Orientierung!unserer Leser *) ״Juden!und Judentum von heute“ von Regierungs- ׳rat J. Kreppei mit 132 Porträts ׳und!28 Illustrationen. Amalthea-Verlag, Zürich, Wien-Leipzig. •1925. jenes Kapitel des 900 Seiten starken Buches, ׳das über ״Agudas Jisroel“ handelt. ,Asudas Jisroel.“ Diese Weltorganisation orthodoxer ׳Juden ׳ist wohl eine!der jüngsten unter den!jüdischen Organisationen, hat aber in der kuzen Zeit •ihres Bestehens wesentliche Fortschritte ,aufizuweisen und ist ׳zurzeit •die extremste Rivalin •des Zionismus. Sie“ verfügt ebenso wie dieser ׳in fast allen Ländern!über zahlreiche Anhänger; ebenso zählt sie Anhänger, die •nicht direkt der Organisation angehören und ist bis zu einer gewissen Grenze die aktive Wortfiührerin ׳des orthodoxen ׳Judentums. Die .Agudas Jisroel“ ist im Frühjahr 1912׳ ■gegründet worden. Der ׳Gedanke, eine Weltorganisation orthodoxer Juden ins Leben zu rufen, ging von Frankfurt a. M. aus, wo sich bereits im Jahre '1910 ein provisorisches Komitee!bildete, •das sich mit ׳den hervorragenden Rabbinern im Osten in Verbindung setzte ■und die ersten Vorbereitungen traf. ׳Es war zunächst nicht leicht, dam Ruf aus Frankfurt im Osten Gehör ®u verschaffen. Die ■breiten orthodoxen Massen in den östlichen Ländern, in Russland,!Galizien aisw., waren bis dahin politisch passiv und Hessen die Dinge gewissermassen an sich herankommen. Ihre erdrückende Mehrheit!gab ׳ihnen die Gewissheit,!zu jeder Zeit und unter allen!Umständen den sogenannten liberalen und assimilatorischen Bestrebungen Widerstand leisten •zu können; Ihr angeiborener Konservatismus Hess sie von ׳der anderen Seite in jeder Neuerung •eine Gefahr eiblicken, gestützt a׳uf den Ausspruch des Talmud: ״Chodosch ossur ׳min Hathora!“ —׳ •jede Neuerung widerspreche dem Geiste der Thora! Sie hatten ausserdem ein gewisses Misstrauen gegen alles, was vom!Westen kommt und waren nicht!geneigt, sich von Frankfurt führen zu lassen. Dennoch gelang ■es schUesslich, ■dem ׳Gedanken einer Weltorganisation ׳der Orthodoxie Anklang zu verschaffen׳ ,׳als sich einige ׳der hervorragendsten rabbinischen Autoritäten dafür erklärten, unter anderem ׳der ׳berühmte Gaon Rabbi Chaim Söloweitsohik, Brest Litowsik, und andere. Am ׳stärksten wirkte hierzu das lUeberhandnehmen des Nationalismus mit, in dem die Glaubenstreuen viel eher eine Gefahr für die Religion er- ׳bückten, ׳als in der Assimilation. Die Assimilation sei je etwas eklatant ׳uhjüdisches!und kein glaubenstreuer Jude könnte der Versuchung ׳unterliegen, ׳da mibzutun. Der NatianaHsmus aber habe ein ultrajüdisches Mäntelchen an, ■seine ׳Wortführer erklären!bei ■jeder Gelegenheit, die ,besseren Juden“ zu sein, sie haben sich des ׳Palästinagedankens bemächtigt, der jedem frommen Juden heilig ist — da ist schon die Gefahr־ vorhanden, dass diese Ideologie in die orthodoxen Massen eindringe und in ׳religiöser Hinsicht Verheerungen anrichte. So trat dann nach längeren vertraulichen Vorbereitungen Ende Mai 1912׳ in Kattowitz die erste Konferenz der Orthodoxie ®usammen, an ׳der etwa 100 Vertreter aus den verschiedenen Ländern teilnahmen, darunter Rabbi Chaim Soloweitschik, Rabbiner Rabinowitz, Poltawa, ׳mehrere Rabbiner Galiziens, Deutschlands, Litauens, Ungarns usw. Nach zweitägigen Beratungen wurde beschlossen, eine Weltorganisation