Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 JÜDISCHE PH ESSE Seite 223 band von vornherein einseitig fcstzulegen, beeinträchtigt werden. Diese Ausführungen wurden beifällig aufgenommen und von mehreren!Delegierten warm unterstützt. Es ist anzunehmen, dass der Weltverband der Sephardim auf solchen Grundlagen aufgebaut wird, dass er wirklich die Vertretung der gesamten s e p h a r d i s c h e •n Welt moralisch für sich in Anspruch nehmen kann. Das kann er aber nur dann, wenn der Welfcverband den grossen religiösen Idealen, die die überwiegend grosse!Majorität der sephardischen Juden besitzt, in hervorragendem Masse Rechnung trägt. J• Vom XfV. Zionistenkongress. * Der Kongress. Durch die Strassen Wiens tobte in dieser Woche der Hass irregeleiteter Menschen, die von üblen Drahtziehern dazu missbraucht wurden, um auf dem Umwege des ent־ fesselten Judenhasses andere politische Ziele zu erreichen. Die Regierungsorgane Wiens haben vortrefflich funktioniert ,Und der zionistische Kongress nimmt einen ruhigen Verlauf. .Wir allerdings hätten es aber, wie dies auch füll* rende zionistische Organe äussern, lieber gesehen, wenn sich an eine feierliche jüdische Veranstaltung: derartige Nebenerscheinungen nicht als eine Erinnerung knüpfen würden, und hätten in weiser Voraussicht den Kongress an eine andere Stätte verlegt. Allein, was geschehen ist, daran ist füglich nichts mehr zu ändern, und es ist tniissig, geschichtliche Ennnc-j rungen wachzurufen, geschichtliche Perspektiven aufzu־• stellen. Allein, wir gestehen offen, dass viel tiefer, als diese Tatsache uns berührt und schmerzt, die Kundgebung des Hasses gegen den Allmächtigen und sein Wort, welche aus dem im offiziellen Organ des zionistischen Kon• grosses vcroffentiioh-tcn •Veranstaltimgslcalenider״■ spricht. Wir betrachten diesen Kalender direkt als ein Dokument der Schande, wenn für Samstag, den 22. Äug u s t,' Rundfahrten um .10 Uhr vormittags, für Samstag, den 29. Ausflüge in das Programm aufgenommen worden sind. Wir wünschen nicht, dass es von diesem Wiener Kongress heissen soll: Le congre4 ne mm rohe pas'i-1 danse, narnenfclidi!sollte es kein Lainz auf den Trümmern des religiösen Wollens werden. Einen so gemordeten Sabbat können alle politischen Erfolge, und alle Dunamreichtümer in Erez Jisroel nicht aus4 gleichen. , ' ׳ ׳ i Das Problem. Dr. Weizmann bleibt sowohl bei der Eröffnung» wie bei der zweiten Sitzung, in welcher er sein politi;־ sches Expose hielt, der l a t s a ch ^nmensc h. Man merkt schon an seinen bedächtigen Worten, dass er eine gegenständliche Gegenwartspolitik macht. In dieser Po״ litik scheint die Jewish Agency-Frage und ihre rasche und richtige Lösung die Hauptsache zu sein. Dr. Weizmann verlangte auch' vom XIV. Kongress eine klare Stellung* nähme, ob er die Jewish Agency will oder nicht will. Dr. Weizmann scheint die Unklarheit in diesem Belange nicht mehr ertragen zu können. Mit merklicher Deutlichkeit sprechen auch andere Würdenträger der zionistischen Organisation bereits, wohlweislich unterscheidend zwischen Zionisten und Schekelzahlern, zwischen Palästina-Freunden und Mitgliedern der zionistischen Organisation. Der Kongress hat es nicht unterlassen, Baron Edmonde Rothschild anlässlich seines 80. Geburtstages als ״einen Zionisten“ zu feiern, ja sogar als ״d e ri Zionisten“, der Tag und Nacht an Palästina denkt, ohne dabei Mitglied der zionistischen Organisation zu seinJ Einerseits dies anerkennen, andererseits die Jewish Agency, bloss für die zionistische Organisation in Anspruch nehmen* erscheint für Weizmann, wie für einen .grossen Teil der führenden Mitglieder der zionistischen Organisation unmoralisch und ungerecht. Die ״unparteiischen“ Amerikaner und an ihrer Spitze Louis Marshall haben mit Weizmann Vereinbarungen getroffen, die von diesem Kon״, gress ratifiziert werden sollen. Dass Marshall trotzdem vor der Stellungnahme des Kongresses bereits sich ent- *) Wir stellen miit BeMe׳d'igunK ׳fest, dass _;das .S.abb׳at1pro׳!?-ramm!korrigiert wurde. Nach!der Ankündigung!in 1N׳r. 2 der iKongresiszeiitamg ist die Rundfahrt durch Wien,!Albifaihrt iRonzerttaus 10 Ohr vorm, (am 22. VIIM.) und die Ausflüge am 29. VI.IL!in Wegfall!gekommen. schlossen hat, sich den Joint-Arbeiten zuzuwenden, ist zu* mindest merkwürdig. Ob er schon Grund hat, von der Stellungnahme wichtiger Faktoren der zionistischen Or ganisation enttäuscht zu sein, wissen wir nicht. Weizmann will anscheinend nicht persönlich zu dieser Ent* täuschung Anlass geben. Ob er. nicht selbst von dem XIV. Zionistenkongress enttäuscht sein wird, kann man heute noch nicht sagen. Er will aber zumindest am Schlüsse des Kongresses Klarheit haben. Im offenbaren Gegensatz zu der gegenständlichen Politik der Gegen1־ wart, wie sie Weizmann vertritt, stehen Oberrabbiner Chajes, Präsident des Aktionskomitees, und Nachuni Sokolow, Präsident der Exekutive. Oberrabbiner Chajes hielt abweichend von der bisherigen Kongresstradition bei der Eröffnungssitzung na all den zwei Präsidenten einen tlieoretischen Vortrag über das Thema ,Zionismus als Welt- Problem“, wobei er nacManveiseti versuchte, dass der Zionismus hauptsächlich nicht nur dem ■jüdischen Volke, sondern der Menschheit und Menschlichkeit einen grossen Dienst ׳erweisen wolle.!In seinen Ausführungen feierte der M׳iss:i o׳nsge danke seine Auferstehung. Nur haben die vielfach verdammten Protestrabbiner, an ihrer Spitze der Vorgänger Dr. Chajes‘ im Oberralbb'ineramte von Wien, Dr. (Gtiidemann, in den seligen Assimilationszeilen die Miss'ion Israels in der Verbreitung des G-ttesgeidankens und einiger daraus fliessender ethischer Postiulate erblickt. Oberrabbiner Chajes .hingegen glaubt, dass der arch.inredisehe Punkt, von welchem aus das jüdische Volk der Menschheit und der Menschlich,keilt gute Dienste erweisen kann, in Palästina erblickt wenden, müsse. Was Oberrabb'iner Chajes am Abend in Form eines doktrinären Vortraiges gesagt hat, ergänzte diplomafisierend S o k o 1 o w nächsten Tag in seiner Einleitungsrede zu der politischen• Generaldebatte. Er zeichnete in geistreichen Worten die Linie der zionistischen Politik auf weite Sicht. Mit kühnem Schwung setzte er sich über die Gegenwart, über die Mandiatarrnacht hinweg und verlor sich in einer weiten Zukunft, in welcher nationale R e i b־u ngen (Araberfrage), religiöse Befürchtungen (heilige Stätten, Vatikan), durch Liebe, Verständigung, Fr Fe df e r •t (i g k e i t, also durch ’K ,u 11 u r,־p 01 i t ä k aus de r Welt geschafft sein würden. Durch diese Politik des jüdischen Volkes mache es Vö 1 k ■e r b׳u n d p 0!111 i k im besten Sinne des Wortes und ■man dient so am besten der immer besser, menschlicher werdenden Mensc׳hhellt. Also will!auch Herr Soikolow gleich Oberrabbiner Chajes eine Mensch; h.eiit spol itiik der Zukunft machen. Die rauhe Gegen* wartsarlbeit der einstweilen noch nationalen Politik haben sie scheinbar!Herrn Weiizmann überlassen. Ob Hier eine geschickte parlamentarische Verteilung der •Rollen oder eine noch geschicktere Verhüllung der Gegensätze vorhanden .ist, überlassen wir getrost der nahen Zukunft f es t'zus teilen. - Nebenströmungen. Zur Zeit, als!diese! ■Zeilen geschrieben werden, s'ind idlie Wortführer der!Föderation״ noch nicht zu. Worte gekommen. Oie!Nebenkongrasse dieser Gruppen haben aber!bereits eine tiichtiige Vorarbeit geleistet. Die Arbeiterparteien werden gegen die Erweiterung der Jewish Agency Stellung nehmen, da ׳sie hievon nur die Erstarkung der ,bürgerlichen Front, sie sagen der Reaktion, erwarten. Hingegen'wird Miisriaclili für •eine Erweiterung •sein, da er die Erstarkung!der iBügenlichen nur begrüssen könne. Müsraöbi sollte selbstverständlich nicht nur die Er- Stärkung der Bürgerlichen, sondern auch!die Kräftezunahma der Religiösen erstreben. . Es waren* auch Stirn men. •auf der Misrachl-iKonfereniz,!die verlangten, dass auch andere rellgi öse!Organisationen, ja horribiie die tu, auch Aguidas J'isroel der Jewish Agency zugeizogen werden. Diese ׳Stimmen!blieben aber vereinzelt. Hingegen 'ist nicht zu erwarten, dass die Fl'ügeignuppen auch religiöse Probleme in der Hauptdebiatte zur Diskussion stellen werden. Die Arbeiter fangen!an, auf Wunsch der ,ihnen beügetretenen Po'ale Hamisrochi und •anderer religiöser Arbeiter auch koschere Küchen ohne feierliche Kongressbeschliiisse •eiinzurichten, anderer* seits hat es Mlsrach! vorgezogen, in seinem eigenen Kongress -zum Gaudium der erstaunten Welt die Schulchan- AruCih-De/batte abzaiführen. Herr Lazarus Barth meinte im Gegensatz z־u den fast aigudistisch anmutenden ideologischen Ausführungen von Dr. F elcl m.ann aus Warschau, dass 'Misrach!sten bestrebt sein sollten, in Erez Jisroel die künftige religiöse Entwicklung• des jüdischen Volkes nicht an den Schulchan-Aruch, ׳sondern unmittelbar an die Bibel anzuknüipfen. Schon der Talmud sei ein Zwitteridlng, unter Palästinensischen- und Diaspora-Einflüssen zustandegekommen. Der ScJiulchan-Ar u c h se'i aber ganz und gar ein ״G׳a 1 u th p r od,u k t“, das füglich im Galulh vcibleiben sollte. Es soll der historischen Treue z!u Liebe festgehalten werden, dass Lazarus Barth mit seiner' Ansicht isoliert blieb. Der Misrachi-Rongrcss beschloss, dem Schufchaii-Aruch Treue zu halten, selbst auf die Gefahr Hin, dass flerr Lazarus Barth nunmehr keinen Unterschied zwischen Aguda und •Misrachi wird machen können. Von der Hitachdufh-Weltkanferenz. Wi e n. (J. T. A.) Die Hitachduth-Weltkonferenz widmete einen grossen Raum ihrer Beratungen dem Problem der Jugenderziehung. Ein! Teil der Delegierten verlangte die absolute Entpolitisierung der Jugendbewegung, während andere Delegierte eine Ent1־ Politisierung als unmöglich erachteten' und die Meinung ven vertraten, dass die Hitachduth sich ihren Einfluss auf die Jugend rechtzeitig sichern muss, damit diese nicht den Einflüssen extrem linker Gruppierungen verfalle. S p r i nzak referierte über seine Tätigkeit' als Mitglied der Zionistischen Exekutive und als Vorstand der Machlakath4 Awodah. Die ersten drei Jahre waren infolge Arbeitslosigkeit und Mangel an Geldmitteln schwere, jedoch verhielt sich die Zionistische Organisation den Bedürfnissen deb Arbeiterschaft wohlwollend gegenüber. Das vierte Jahr sei im Z t! s a 111 m e n h a n g mit der ״Vier־! t e n A I 1 i j a h“ das sch w ers f e, da in diesen P e r i o d e d i e Haltung der Zionistischen 'Org a n i s a t i 0 n gegenüber den Bedürfnissen der organisierten Arbeiterschaft sich zum׳ Nachteil geändert hat. Auch ׳ Dr. Spiegel legte dar, dass die Hitachciuih-Fraktion am Kongress die Auf-1!gäbe habe, das Interesse von den politischen Fragen weg auf die ökonomischen zu lenkan. Die Beteiligung der Hitachduth an der Exekutive sei davon abhängig, dass in deren Programm das soziale Minimalprogramm den Hitachduth aufgenommen werde. Die Taktik der Hitachduth müsse auf die. Schaffung einer, Koalition der Linken und des linken Zentrums gerichtet sein. Von der Misrachf-WeItko!njerer1Z. Wien. (J. T. A.) In Fortsetzung der Generaldebatte führte Sejmdeputierter Federb'usch aus, man hätte es in der Sache des Frauen Wahlrechtes in Palästina nicht so weit kommen? lassen sollen, es wäre möglich gewesen, den Bruch zu verhindern. Rabbiner Gross (Wien) übte scharfe Kritik an Rabbi F i s c h m a n n und seiner Tätigkeit in der Misrachi-Zentrale und regte an, den Merkas Olami (Weltverbandsbureau) nach Europa zu verlegen. Dr. B a r t lij (Deutschland) findet die Kritik an Rabbi Fischmann be4 rechtigt;/di.e Spanung im Hapoel Hamisrachi hätte ver״ mieden werclen können. Philip Mayer (Palästina) empfiehlt weniger Kritik und mehr praktische Arbeit in Palästina. Er beantragt die Auswahl fähigerer'Persönlich-־ keiten für die Führung der Misrachi-Weitzentrale. Auch' Rabbi De vri es (Harlem) findet die Kritik an sich unfruchtbar, man solle lieber die nötigen Mittel für ■eine grosszügige Arbeit auftreiben. E. M. L i p s c h'i t z (Palästina) sprach über das Erziehungswesen und führte; aus, der1 Misrachi bestrebe sich, in Palästina einen Schultypus zu schaffen, der keine Trennung von religiösem und profanem! Wissen herbeifiihrc. Religiöses Wissen muss in moderner! Methode, modernes Wissen in religiösem Geiste geführt werden. Das Misrachi-Schulwesen schafft so den Dualismus, cler bjs jetzt in jüdischen religiösen Schulen,, beispielaweise in Deutschland, geherrscht habe, ab. י Die Forderungen der Poale Zion. Wien. (JTA.) Die Weitkonferenz der Poale Zion beriet über die dem Zionistenkongress zu unterbreitenden politischen; und wirtschaftüchen Resolutionen. Tabenkin stellte fest, die Poale Zion und ihre, palästinensische Landespartei Achduth Awodah verharren auf ihrer absoluten Gegnerschaft gegen eine Erweiterung der Jewish Agency in den vorgeschlagenen Formen. Die neue Jewish Agency würde undemokratischi und noch reaktionärer als der Kongress sein, der dies4 mal auch nur ein Uebergangskongress ist. Er forderte für die Histadruth Haowdim eine entsprechende Vertretung in; der Verwaltung des Nationaifonds, sowie in den anderen finanzwirtschaftlichen Institutionen., Die Arbeiterschaft Palästinas dürfe nicht mehr erlauben, dass die Zionistische‘1 Organisation in die Arbeiteranstalten Kontrolleure entsende; In das neue Budget der Zionistischen Organisation müsse diesmal ein besonderer Posten für Arbeiterkolonisation ein4 gesetzt werden. Dies seien die minimalsten Forderuingen! der palästinensischen Arbeiterschaft, auf die kein Ver-1 zieht geleistet werden׳ darf. Von Abron Jeruchem. Unter den führenden Chassidim des Ostens zcichnete sich Rabbi Chaim Halberstam aus Neu-Sandez durch seine Wohltätigkeit und Mildherzislceit besonders aus. Alle in seiner Gegend wohnenden armen Juden halten in ihm einen warmen, mitfühlenden Gönner. Er wurde nicht nur von seelisch bedrückten, Heil suchenden Menschen aufgesucht, sondern auch von solchen, die einer materiellen Unter- Stützung bedurften. Er gab jedem, ohne Unterschied! Was er von seinen reichen Anhängern bekam, wurde! unter den Armen aufgeteilt, und wenn die Kassa erschöpft war, verpfändete er einige Wertsachen, damit kein Hilfe4 suchender sein Haus ungetröstet verlasse. 1 Nicht wenig erstaunt war daher Dawid Samuel, ein zugrundegegangener Kaufmann, der zu den ältesten Chassidims Rabbi Chaim Halberstams zählte, als er an den' Rabbi mit der Bitte herantrat, ihm einen peitrag zur Hochzeit seiner Tochter zu gewähren, dieser jedoch ihm jede Hilfe verweigerte. . ■ 1 ״Wie ist es, Rabbi,“ fragte Dawid Samuel verblüfftj ״bei mir, Ihrem bewährten treuen Chassid wollen Sie eine Ausnahme machen?“ '. -״Fahre nach Wien,“ erwiderte der Rabbi, ״dort wirsij du von einem Mosche-ben-Chaim einen viel grösseren Be* trag bekommen, als du zur Hochzeit deiner Tochter benötigst.“ _ ' ״Werde ich in einer Grosstadt erfahren können, wo! ein Mosche-ben-Chaim wohnt, wenn ich seinen Familien^ namen nicht kenne, noch seine Adresse weiss?“ fragte! der Bittsteller. ( f ״Wenn du in Wien dem Diener irgendeines Bet4 hauses ein Trinkgeld gibst, wird er dir den Wohnort des Mosche-ben-Chaim bezeichnen; begib dich zu ihm und sage, dass der Rabbi von Neu-Sandez ihn ersuchen lässt( dir die Summe von achthundert Kronen auszufolgen.“ Dawid Samuel vernahm’s und trat die Reise an. In Wien angelangt, begegnete er auf dem Wege zu einer Synagoge einen Juden, an den, er die Frage richtete, wo hier Mosche-ben-Chaim wohne. יי ״In Wien fragen Sie, wo jemand wohnt, ohne Zuname, Beziik, Gasse und Nummer anzugeben?“ lächelte ihn der Angesprochene höhnisch an. \ ״Dem glücklichen Zufalle nur,“ setzte er fort, ״haben. Sie es zu verdanken, dass Sie mit Ihrer komischen Frage gerade an mich geraten sind, der ich Ihnen Auskunft i erteilen kann, denn dieser Mosche-ben-Chaim betet in jener Synagoge, wo ich Diener bin. Geben Sie mir ein Trinkgeld, dann führe ich Sie zu ihm hin.“ \ Der Bethausdiener steckte freudig einige Zwanzig-t hellerstücke ein und Dawid Samuel war im Hause des) Mosche-ben-Chaim. Nach dem üblichen gegenseitigen ״Schaiom-AIeiJ׳ ehern“ sagte der Eintretende ein wenig schüchtern, abetf doch mit einem gewissen Sicherheitsgefühl: ״Der Rabbj von Neu-Sandez hat mich beauftragt, bei Ihnen, Reb? Moscheh, achthundert Kronen einzukassieren.“ . ״Ja, hat denn dieser Rabbi ein Konto bei mir, dass1 ich auf sein Geheiss ohneweiters eine solch kolossale! Summe hergeben soll?!“ fragte der reiche Wiener Kauf■! mann fassungslos. Dawid Samuel wusste darauf nichts zu erwidern, als dass der in Frage stehende Betrag für einen sehr wichtigen Zweck, Hachnassath Kalah, bestimmt sei. Mosch'e-ben-Chaim versuchte hierauf den seltsamen Besucher mit einer Fünfzigkronen-Note abzufertigen, wad aber Dawid Samuel entschieden zurückwies mit der Begründung, Rabbi Halberstam habe es ihm strenge unter! | sagt, einen Heller weniger zu nehmen, und kein Mensch dürfe es wagen, den Weisungen seines •grossen Rabbi zuwider zu handeln. Nachdem Mosche-ben-Chaim dem zudringlichen Bittsteiler hundert Kronen anbot und selber noch immer! von einer Reduzierung der Summe nichts wissen wollte* geriet Mosche in Wut und wollte mit dem bei seinem! Vorsatze Verharrenden nicht mehr verhandeln. Schon schickte sich Dawid Samuel an das Haus zu verlassen* als die Frau des Kaufmanns eintrat, um zu erfahren, mifj wem ihr Mann so heftig sich auseinandersetzte. Vothj Sachverhalt informiert, bat sie ihren Gatten, denf Mann( nicht unverrichteter Dinge fortgehen zu lassen, sondern ihm( den vollen Betrag auszufolgen, sie wär’s dem Neu-Sandezer Rabbi schuldig. ׳ ״Was heisst schuldig?“ fragte ihr Mann. ״Lass dir's erzählen,“ begann sie, ״du wirst dich’ wohl noch erinnern, dass ich mich vor einigen Jahren irt Budapest aufgehalten habe. Zur selben Zeit besuchte auch( Rabbi Halberstam, der sich auf der Rückkehr aus dem» Kurorte Teplilz befand, Budapest, wo er von allen, jüdischer! Kreisen ehrfurchtsvoll begrüsst wurde. Diese Gelegenheit benützte ein dortiger jüdischer Bürger, um den hohen( Rabbi zur Hochzeit seiner Tochter zu laden. Alle Gäste waren bereits versammelt, das Brautpaar stabd schori unter dem Trauhimmel, als Rabbi Chaim Halberstam, nachdem ihm alle Familienangehörigen vorgestellt wurden, an den Bräutigam die Frage richtete, wo denn seine Eltern wären. Dieser erzählte, dass er im zarten Alter in seinem! Geburtsorte von den Wellen eines Flusses, wo er an einem heissen Sommertage gebadet hatte, in die Nähe von Budapest verschleppt wurde, hier nähmet! sich edle Men4 sehen seiner an, erzogen und pflegten ihn, so wuchs er heran, ohne von seiner Vergangenheit auch nur die geringste Ahnung zu haben.