Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 34 Seite 222 JÜDISCHE PRESSE gets־;decken konnten. Diese Deckung geschah aber mit Hilfeflahme von Krediten, die heute selbstverständlich infolge der gewaltigen Krise in Mitteleuropa für Wohlfahrts-־ anstalten nicht mehr zur- Verfügung stehen. So stehen diese Kultur־ und Wohlfahrtsanstalten mit erheblichen Schuldenlasten da. Wir zweifeln gar nicht, dass die Führer der Joint-Arbeit in Amerika,־ yon denen sehr viele 1ihre Urlaubsreise in Mitteleuropa verbracht haben, diese Tat- Sachen mit ihren scharfen Augen wahrgenommen haben und dass sie ihre hilfreiche Hand vor allem diesen An־!, stalten bieten werden. Wir möchten daher vor allem den Wunsch aussprechen, dass Amerika die alte jüdische Vorsdhrift über die Art des Gebens vor Auge ha'H ten möge. Die zentral europäische Judenheit, die auf dem ,alten Gebiete Deutschlands und Oesterreich-Ungarns •in 'der ungeTähren Zahl von 3,000.000 Seelen ein Kultur- Zentrum ersten Ranges geschaffen hat, mit Lehranstalten und Wohlfahrtswerken, die noch heute trotz aller Kriegs* greuel mustergültig arbeiten, hofft zuversichtlich, dass die amerikanische Judenheit nicht zögern wird, die nötigen Gelder zur Erhaltung dieser Anstalten aufzubringen. ES ist nicht übertrieben, wenn wir behaupten, dass die ameri* kanische Judenheit an dem Bestand dieser Kulturstätten zumindest so interessiert ist, wie die heimische jüdische Bevölkerung. Hat doch Amerika selbst die Segnungen dieser Anstalten im reichen Masse genossen. Wir hoffen, dass die amerikanische Judenheit, be>vusst der grossen historisehen Bedeutung gerade der zentral europäischen Judenheit, ihre Kultur- und Wohlfahrtslehranstalten entsprechend der Zahl und dem Budget dieser Anstalten berücksichtigen wird. Das wunderbare־ 1m׳überse׳tzbare hebräische Wort Z e cl a •k a bedeutet ebenso W o h 11 u n wie Gerechtigkeit. Möge die JointJ!Arbeit Zedaka im Doppelsinne!des Wortes leisten! _ ׳ P. Die zweite Weltkonferenz der Sephardim in Wien. Ein Gespräch mit Oberrabbiner Dr. Alkalay, Grandrabbiner von Serbien. :Der!Prozess ider iPiilitiisierung, der Drang, sich in der von neuen Ideen ׳u!nld ׳Kämpfen idurchwiihlten Welt zu betätigen und zu behaupten, hat auch die sephardischen Juden, die ihre Siedlungsgebiete weitab von den ,grossen Verkehrs- Strassen lind den mächtig pulsierenden europäischen GrO'Sstädten ,haben, ׳ergrfiiffen. Wir aschkenasisehe Juden tuii gut, wenn wir aus mannigfachen Gründen erhöhte Aufmerksamkeit dem Reaiktivierungsproizess der sephardischen Judenheit widmen. Der überwiegende!Grössten der sephardisclien ׳Judeniieit lebt in Staaten, die selbst,,noch in patriarchalisohem Zustande des politischen Lebens sich befinden. Die Juden ׳leben׳ hier noch mehr oder weniger im Geiste der Tradition ihrer Väter. Wenn auch Gelehrsamkeit und schöpferische Produktivität auf!wissenschaftlichem Gebiete die sephardische Judenheit heute •nicht mehr in dem Masse auszeichnen, wie vor einigen Jahrhunderten, wo die grossen Leuchten der jüdischen Wissenschaft und die grossen Träger der Kabala der sephardischen Judenheit entstammen, so leibt lim ׳diesen Nachkömmlingen!grosser Vor- •fahren noch ,immer!das!Bewusstsein, Träger einer glänizen- •den Vergangenheit •zu sein, der sie sich würdig erweisen wollen. lErez!J:isro e 1 nimmt selbstverständlich ebenfalls ׳einen!breiten ׳Ramm ׳in •der Vorsteitungswelt der 'sephardisehen Juden ein. Erez Jisroel •ist für sie das Land der Väter, ׳wo!sie ׳ungestört von ifremiden ׳Einflüssen tauf eigenem ׳Boden erst ■recht getreu der Tradition der •Väter leben können. Wo sie Verfolgungen ausgesetzt sind, wie ■z. •B. •in * באו ח ש בו ן 4. b. m. Cap. 21.27 על כן יאמרו המשלים באו חשבן Ein Feldarbeiter, der seit seiner frühesten Jugend im Dienste vieler strenger Herren stand, hatte keinen sehm licheren Wunsch und ׳ kein anderes Ziel vor Augen als dies: Einst, am Abend seines Lebens, in seine Heimat zurückzukehren und dort den Rest seiner Tage sorgenfrei und in Ruhe zu verleben. Diesem Ziele opferte er die Ruhe seiner Tage und den Schlaf seiner Nächte; er arbeitete unermüdlich und unverdrossen Tag und Nacht! gönnte sich keine Freude, keine Freiheit und Erholung, um möglichst viel zu erwerben und zu ersparen. So vergingen viele Jahre in emsiger Arbeit, im rastlosen Schaffen1 und Erwerben. Er wurde alt und schwach und, da er •genug, erspart zu haben glaubte, beschloss er, den sehnlichsten Wunsch seines Lebens zu erfüllen, in seine Heimat zurück-׳, zukejiren. Freudig traf er ׳,die nötigen Vorbereitungen zu seiner Wanderung, tat die glänzenden und schimmernden Gold- und Silbermiinzen, die Frucht seiner jahrelangen, mühsamen Arbeit in eine Truhe, die er sorgfältig verschloss, stellte sie auf einen Handwagen, den er selber zog,!und begab sich so, yon 'den; schönsten Hoffnungen und freudiger Erwartung erfüllt, auf den weiten Weg nach seine!' Heimat. Mit jugendlichem Eifer zog er den Wagen, der seinen kostbaren Schatz enthielt; er achtete nicht de!( Schwierigkeiten des weiten und beschwerlichen Weges, er schritt, über Stock und Stein, durch Wald, Feld und Flur, 1nur von dem einen Wunsche beseelt, möglichst schnell sein (Ziel zu erreichen) in seine Heimat zu gelangen, \V0 er!Ruhe, Frieden und־ Freude zu finden hoffte. Und in seinem Eifer* möglichst schnell sein Ziel zu erreichen, beachtete er nicht,־ dass der Boden der Holztruhe, der seinen kostbaren Schatz barg, s'ich״allmählich lockerte, und dass eine Münze nach! der andern langsam zu Boden fiel und verschwand. Er lief Immer rascher, immer schneller und — je mehr er Tief, desto mehr büsste!er von seinem kostbaren Schatze einJ Unter einer schattigen Linde, hart an der sonnen- *) Wir entnehmen diesen!beachtenswerten Aufsatz (dem im ״Jüdischen Buch- und Kunstverlag״, Brünn, erschienen nen Werke ״Gleichnisse Und Parabeln״, Betrachtungen zu zeitgemässen Fragen, von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwittau. Jemen/dort hat diese ideelle Sehnsucht praktische Formen angenommen inid es sind bereits über 10.000 jgmitische Juden, die alle bedürfnislose und tüchtige Arbeiter sind, bereits nach Erez Jisroel eingewandert. ׳Diese Arbeiter, die ebenfalls alle streng nach den •Gesetzen der Thora und Tradition leben, haben bisher nicht die ,!Möglichkeit ge- '!funden, lin Erez Jisroel Sich ׳organlisch einzulebert,'•da •ihre. Art zu leben und ihre Art die •Weit anzuschauen sich von, jeher der aus Osteuropa eingewanderten aschkenasischeh Arbeiter unterscheiden, die nun «z. M. mit der Tradition der ׳Väter ganz gebrochen, sich auf Grund!der 'in Europa entstandenen sozialen ilideen organisiert haben. Wir!'.:eben •dieses!Moment deshalb!hervor, wdi! es leicht dazu kommen könnte, dass die ׳jetzt in!Entstehung begriffene sephardische Weltorganisation unter Einflüsse gerät, die wir für die ׳grosse Majorität der sephardischen Welt für überaus schädlich betrachten. •Es bringt die Natur der!Sache mit, dass das Bedürfnis, Organisationen zu schaffen, meistens ,von solchen Menschen am meisten empfunden wird, die sich schwach fühlen, da sie •das festgefügte Leben in der!Heimat bereits geistig verlassen haben. Es i!st nun!zu befürchten, dass diese Kreise, ׳die ׳•be-. leits von starken zentrifugalen Kräften ergriffen sind, die sephardische Judenheit nicht nach •den inneren Bedürfnissen der grossen religiösen!Majorität, sondern mach /der An- ,schaumig ,dieser von modernen ilideen •durchtränkten Minorität organisieren möchten. Um über die Tendenzen des sephandüschen ׳Kongresses!uns Klarheit ׳z׳t1 verschaffen,!halben wir uns an Grandrabbiner Dr. ׳Alkalay ■gewendet. •Grandrabbiner (Dr. Alkalay hat •sich als Oberrabbiner ■von Serbien unvergängliche Verdienste •erworben. In ganz!kurzer!Zeit hat er es fertig gebracht, dass alle!Schichten ׳der jüdischen Bevölkerung der S.-H.-S.nStaaten mit •gleichem Vertrauen zu ihm emporblicken, ob sephardim oder aschk׳enasim, ob streng orthodox oder indifferent-liberal, schätzen sie alle in ihm den grossen ׳Fulirer, ■der es weiss, •dass gerade in reli- •giösen!Dingen nicht einmal ein leiser Hauch von Gewissenszwang aufkommen darf, •wenn man wirklich Respekt vor 'einer religiösen Ueberzeugung hat. Selbstverständlich schenkt ■er!auoh der ׳Orthodoxie in •den S.-H.-S.-Staaten jenes •Mass von ,Beachtung, das gerade dem •konservativen 6.—12. September 1925 (Rotunde: 6.—13. Segt. 1925) Günstigste Einkaufsgelegenheit für alle Branchen 9... Motorrad-Ausstellung ״Flugzeug- und Flugverkehr“ Ausstellung für Nahrungs- und Genussmittel Weinkost Bedeutende Fahrpreisermässigung auf den österreichischen Bahnen und den Donauschiffen o0׳ o Auskünfte, Messeausweise erhältlich durch die Wiener Messe A.-G., Wlen.VII. durchglühten Landstrasse, stand gebückt ein Greis, dei* diesen Vorgang beobachtete. Von Mitleid ergriffen, rief er den Wanderer an, doch dieser achtete seiner nicht; er deutete ihm durch Zeichen und Gebärden an, Halt zu machen, ein wenig uz rasten und den von ihm zurückgelegten Weg zu überblicken und zu überprüfen, doch der Wanderer glaubte, keine Zeit verlieren zu dürfen; er sah nicht und hörte nicht und lief immer weiter, immer schneller seinem vermeintlichen Ziele entgegen. Und je! mehr er lief, desto ,"mehr fielen die kostbaren Münzen zu Boden und versanken im Staub der Landstrasse. Und als er endlich seine Heimat 'erreichte, sah er es mit Entsetzen: Sein kostbarer Schatz war — verschwunden! Als er so ratlos und verzweifelt dastand, trat auf ihn der Greis zu, der ihn unter der Linde anrief. ״Freund1,״ sprach er unter Tränten, ״warum hast du meine warnende und mahnende Stimme nicht gehört! Ich sah dich laufen, ich sah dich rennen und eilen, aber ich sah auch deine Münzen zu Boden fallen, deinen kostbaren Schatz zerrinnen. Wisse, mein Freund, je mehr du dich deinem Ziele zu nähern glaubtest,!.desto mehr hast du dich von ihm entfernt. Du wolltest Zeit gewinnen und hast dein mühsam Erworbenes verloren. Nun hast du dein vermeintliches Ziel erreicht, aber wie stehst du da? Arm, einsam und verlassen und kannst jetzt deine Arbeit von neuem! ׳beginnen, wenn du die nötige Kraft dazu besitzest^ Wir alle rennen und jagen und laufen und eilen, um möglichst rasch und schnell unser Ziel zu erreichen!! den Wunsch zu erfüllen, der ups als der schönste und verlockendste erscheint. Das Ziel unseres Strebens, der Wunsch, der uns erfüllt und beseelt, wir kennen ihn zur Genüge und brauchen ihn nicht erst zu nennen: E3 ist dies der Wunsch und das Ziel des Strebens unseres! Zeitalters überhaupt, das so arm ist an Idealen, und das Seiden' und Woll-Taksl» זיידען־ & וואלל־טליתים ערציינט David Windschauer, Wien IX., Servitengasse Nr. 10 / Telephon 16-2-17 Teil der jüdischen Bevöliefipig mit Recht zukommt. Herr Grandrabbiner Dr. Alkaiaj' war so liebenswürdig, unseren )Beiiicliterstattef zu empfangen und sich ,über den Sephardim- Kongress ganz vorbehaltlos ׳zu äussern. Der jetzt tagende Sephardim-Kongress —. begann Grandrabbin Dr. Alkalay seine*Ausführungen — stellt blöss einen Versuch •׳iar, die saphardische judenheit ,׳in einer einheitlichen . Organisation zusammenzufassen. Die erste Zusammenkunft fand vor einiger Zeit ■in Jerusalem statt, wie überhaupt, die Jerusalemer den Hauptirmpuls zur Orgänisierung der sephardischen Judenheit gegeben haben. •In Erez Jisroel bildet jetzt das jüdische öffentliche Leben Institutionen, an deren Zustandekommen auch die sephardischen Juden in ׳Palästina interessiert sind. Die glauben nun, ׳dass sie naturgemäss sich einen grösseren Einfluss sichern können, falls sie nicht nur die sephardischen Juden in Erez ׳Jisroel, sondern auch jene der ganzen Dia-!spora (zu vertreten .berechtigt wären. Unsere lpalästinensisehen Brüder streben nun die Schaffung des sephardischen Weltverbandes ganz und gar unter dem Gesichtspunkte der Bedürfnisse ,Erez ׳Jisroels an. Nebst ׳der. palästinensischen Delegation sind an der Konferenz in grösserer Anzahl besonders die 1B a 1k a n s t a a t e n vertreten, unter denen die serbische u.nd bulgarische Delegation ׳die;Hauptrollen spielen. ׳Die!Bulgaren unter der Führung von Herrn ׳Farchi sind .;energische Gegner der •Schaffung eines sephardischen Weltverbandes und somit in heftigstem Gegensatz •zu den Palästinensern. ׳Merkwürdigerweise sind die beiden Griippen trotz •des schroffen Gegensatzes von denselben!Motiven geleitet. Die Jerusalemer benötigen •den Weltverband für Erez •Jisroel, die!Bulgaren bekämpfen wiederum die Schaf- ■fung des Weltverbandes, weil sie •der Ansicht sind, dass die saphardisohen ׳Juden und!Gemeinden auch ohne eigenen Weltverband •die 'Möglichkeit haben, in ׳den •einzelnen Frak- ׳t'ionen umd!Föderationen •der zionistischen Organisation sich ganz auszuleben. Ein neuer Verband würde vielmehr eher Zersplitterung als ,Förderung der ׳Arbeit bedeuten.!D‘ie 'serlbisdhe!Delegation nlimmt, ׳wie sich ׳das gleich bei ׳der ersten!Besprechung ׳der Landsmannschaft herausgestellt hat, eine vermittelnde Stellung •zwischen den zwei Extremen ein. •Dieser Anschauung habe ich am zweiten Tage des Kongresses nach ,den offiziellen Referaten Ausdruck gegeben. Wir halten d i e 'S c 11 a f f u n g e i n e s W e 11verbandes f «ii r ■11 ii t z 1 i c h und notwe n d i g. •Dieser Weltverband ist vor allem dringend nötig nicht nur •für Palästina und für die ■dort wohnenden sephardischen Juden, sondern für die sephardischen Juden und ׳Gemeinden in der ganzen Diaspora. Ich würde es auf Grund der Kenntnisse der inneren Verhältnisse meines Heimatlandes, aber ich ,glaube, dass meine Ansicht nicht nur für die 1S.־H.-S.-'Staaten •zutrifft, f •ii r einen u 1111 e i 1vollen S c •h r 111 h a 11 e 11, f a 11 s der zu gründende Weltverband •j ii d i s c h - p 01 i t i s c h e, Z i e׳l e sic 11 stecken würde. Wir brauchen nämlich vor allem •dringende Massnahmen, u m 'Heb u 11 g •des kulturellen Niveaus ׳der sephardischen Judenheit zu treffen. Leider lässt der Zustand •unserer Schulen viel ,zu wünschen •übrig. Die sephardische Judenheit braucht •vor allem gute jüdische!Lehrer und jüdische Schulen, •die im Geiste der •grossen ■und glänzenden Tradition der sephardischen ijudemheit eine ebenso schöne Zukunft für sie vorberei'ten. Es soll!selbstverständlich nebst dieser Hauptaufgabe auch •die ,grosse Arbeit ,für Erez Jisroel nicht vernachlässigt werlden. Es :i׳s׳t aber auch hier eine selbstverständliche Voraussetzung für uns, •dass diese Arbeit für Erez Jisroel •nicht •politisiert werde und dass vor allem die grosse ׳Begeisterung ■und die grosse Sehnsucht •der sephardischen Juden •für. bezw. nach Erez •Jisroel nicht •durch •voreilige!Beschlüsse, die geeignet •wären, den Vermit vollem Rechte als das Zeitalter des krassesten Egois-1 mus und Materialismus bezeichnet wird. Und so finden wir in diesem Zeitalter keine Zeit, an uns selbst zu'denken; uns auf uns selbst zu besinnen. ' 1 Zuweilen glauben wir zwar eine mahnende und׳ warnende Stimme zu vernehmen, zuweilen regt sich in uns das, was man die Stimme des Gewissens nennt. Wenn die Sonne' untergeht, die Nacht heranbricht und wir unser Lager aufsuchen, um nach des Tages Mühen und Sorgen uns zur Ruhe begeben, dann glauben wir eine Stimme zu vernehmen, die mahnend und warnend zu uns spricht: Freund, halte ein! Bedenke, je mehr du dein Ziel mit aller Macht und Kraft verfolgst, desto mehr entfernst du dich von ihm. Frage dich selbst, ob der Gewinn, den( du am Taget ׳erzieltest, vielleicht für dich nicht einen Verlust bedeutet, den Verlust hoher und höchster Werte* mindestens aber den Verlust deiner Kraft und Gesundheit•) Doch diese Stimme erweist sich in den meisten Fällen als viel zu schwach, um dauernden Widerhall in unse-f rem Herzen zu finden. < Viel eindringlicher sprechen zu uns die Tage den Busse, der Einkehr und Umkehr, die Elultage und die Selichoth-Tage, eindringlicher noch spricht zu uns die Schofarstimme am Beginne des kommenden Jahres. Diese Stimme mahnt uns besonders einen חשק הנפש anziH stellen, um zu prüfen und zu untersuchen, ob unser liebereifer für uns nicht von Schaden war, ob der scheinbare Gewinn, den wir im Laufe des Jahres erzielten, in.Wahrheit nicht einen Verlust bedeutet, den yerlust hoher und höchster Werte, den Verlust von Religion und Glauben.• Unser Uebereifer hat sich tatsächlich als schädlich erwiesen. Wir haben grosse Verluste erlitten: Wir haben unsere Religion verloren, wir haben unseren Glauben eingebüsst und haben noch viele andere Verluste zu ver- Zeichnen: die Innigkeit und Sinnigkeit des jüdischen Familienlebens, die Weihe der Sabbate, der Fest- und Feier-׳ tage, die Schlichtheit und Einfachheit, die Zufriedenheit und Genügsamkeit unserer Väter und Mütter dies alles haben wir durch unsere Hast und Eile verloren. Und nun gilt es, zu untersuchen, ob diese grossen Verluste im Verhältnisse stehen zu dem scheinbaren Gewinne, den will, im Laufe des Jahres erzielten. Dashalb muss das Losungs׳־ wort dieser Tage lauten: באו השמן