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Jüdische Presse · 1925-08-07 · 32 (7.8.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
32 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 JÜDISCHE PRESSE Seite 211 Vom Tom. & ' Neutralität. Eine bestimmte Veranlassung, über die wir am Schluss© dieser Darstellung berichten möchten, zwingt uns zum soundsovielten Male, über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Neutralität in jüdischen Dingen einige Worte zu sagen. ’ Bekanntlich ist der Begriff Neutralität! aus dem Völkerrechte entnommen; man bezeichnet als . neutral ,einen solchen Staat, welcher im Kriegsfall keinem( der beiden Gegner zu Hilfe kommt oder die Vorteile, die er dem einen gewährt (zum Beispiel Lieferung von Lebensmitteln und Munition), auch dem anderen zuteil werden lässt. Immerhin haben die Erfahrungen des jüngsten Weltkrieges gelehrt, dass auch die meisten neutralen Staaten gerüstet hatten und kriegsbereit waren. Man konnte eben nicht wissen, wie der Gang der Dinge denn doch! den einen oder anderen neutralen Staat zwingen möchtet Partei zu ergreifen. Im allgemeinen bezeichnet man alsj ״neutral“ einen solchen Menschen, der ari der Ausfy-a-1 gung von vorhandenen Gegensätzen nicht interessiert ist, vielleicht nicht einmal an ihrem Vornandensein; hier ist die Schwelle, an der die Neutralität aus dem Bereich! der äusseren Geschehnisse in das Innenleben übergreift.' Dies muss man im Auge haben, wenn man ermessen will, was es eigentlich bedeutet, wenn jemand behauptet, er wäre in bezug auf irgendeine •religiöse Frage neutral; denn selbst der plausibelste Grund, dass man die betrefJ fende Frage nicht für religiös hält, ist doch schon eine? ausgesprochene Stellungnahme. Die Kriterien, ob eine! Sache religiös ist oder nicht, liegen doch in der Religion! selbst. Es ist also der Ausfluss der religiösen Anschauung, wenn jemand an einer Frage, die immerhin eine grosse Anzahl Juden für und wider ins Feld ruft, sich desinter-, essiert erklärt. Allein, täuschen wir uns. nicht, gewöhn lieh wird so tief gar nicht geschürft, man gefällt sich in der Rolle eines Friediensengels und hält es für neutral, wenn man einen unleugbar vorhandenen Gegensatz als; nicht vorhanden betrachtet und den Kämpfern zumutet das Opfer der Ueberzeugung zu bringen. Im übrigen liesse <es sich historisch nachweisen, dass alle Versuche, auf diese Weise einem faulen Friedeif’das Wort zu reden, niemals auf die Dauer gelungen sind. Man kann es allenfalls begreifen, wenn das Alter, des Kampfes müde, sich um jeden Preis nach einem Ausgleich sehnt. Ganz unbegreifn lieh ist es aber, wenn nun gar die wahrheitsuchende!' und nach Klarheit ringende Jugend in die reizlose Ebene der Neutralität einschwenkt. Wir sind zu dieser Betrach־ tung gekommen durch einen Bericht über die Würzburger Tagung, in dem uns gemeldet wird, dass die Organisation der Jugend die Esra-Neutralität beschlossen hatte... Wir müssen allerdings eigentlich erst den genauen Bericht ab-׳ warten, denn so, wie wir es vernehmen, scheint es un- . glaublich. Die Esra-Führer sind^ doch Jugenderzieher, und wie kann man es der Jugend zumuten, dass sie von MänJ aiern, zu denen sie mit Verehrung aufzublicken gewohnt ist, in beiden Lagern, annehmen soll, dass diese Männer um nichts und für nichts kämpfen. Wie kann man als Jugenderzieher neutral bleiben in der Frage, ob im Leben, des Juden alles von der Religion .zu bestimmen ist oder flicht?'Daran knüpft sich die weitere Frage: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, in welchem eine jüdische Seele zu dieser höchsten, letzten Frage Stellung zu nehmen lernen soll? n: . Robovv heisst die kleine Ortschaft am Fusse der Kan pathen, wo jetzt ungefähr 50 Lehrerinnen der Betb Jakob-Mädchenschulen in Polen versammelt sind, um unter fachmännischer pädagogischer Leitung sechs Wochen ihres Sommerurlaubes der weiteren Ausbildung zu widmen. Dieses Ereignis kann als eine kulturhistorische Tat ersten Ranges gewürdigt werden. Die revolutionäre Bestrebung» aus dem Gottesvolk eine moderne Nation zu machen, hat weite Schichten unserer Gemeinschaft ergriffen. Dieserri Prozess der Nivellierung ist auch die jüdische Frau er* legen. Die jüdische Tochter entledigt sich der jüdischen Tradition, um sie für wertlosem, aber modernem Tand׳ einzutauschen. Die Rabbiner, die berufenen Lehrer unseres Volkes, nehmen gegen diese Selbstentjwürdigung und Zerstörung der jüdischen Tradition in erschütternden! Kundgebungen in Schrift und Wort Stellung, jedoch ohne! viel Erfolg. Reden und Aufrufe allein reichen heute nicht mehr aus. Die Jugend und besonders die weibliehe Jugend muss das Gut verteidigen, das den Eltern als kostbare Erbschaft geheiligter Jahrtausende teuer war. Eine einfache Frau, Frau Sara Schenierer, hat diese Wahrheit nicht nur erkannt, sondern ist mit einer Energie, die mit keiner pessimistischen Voraussage, mit keiner superklugen Ueberlegung schwach zu machen war, an die praktische Arbeit gegangen. Und nun' geschah das Wunderbare. Frau Sara Schenierer entpuppte sich als ein Genie auf dem Gebiete der Mädchenerziehung in Polen. Sie warb Schülerinnen, sie schrieb Lehrbücher, die bildete Lehrerinnen aus, sie richtete Schulhäuser ein. Von Krakau aus, wo sie ihre, Arbeit begann, unternahm sie Reisen in die Provinz. Sie eroberte Warschau und Lemberg, und in weniger als/ fünf Jahren schuf sie hundert Beth-Jakob-Schulen in Polen. Die Unterstützung, die Agudas Jisroel bisher dieser guten Sache gewidmet hat, war bloss eine moralische, doch wollen wir hoffen, dass der Sommerkurs in Nowy Targ eine Kursänderung in der Stellungnahme der Aguda brin־i gen wird. Die Leiter dieses Kurses, die Lehrerinnen aus Westeuropa, haben jetzt in der Kolonia Wakacyjna nicht nur fünfzig ideal veranlagte junge Mädchen in ihrer Weiterbildung zu fördern, sondern werden sich selbst über die Grösse einer Sache belehren lassen, die man in den Kreisen der Orthodoxie in Westeuropa bisher bloss ge-! ahnt, aber nicht in ihrer weitwirkenden Bedeutung er-4 kannt hat. Wenn dann die Sache Frau Sara Sehe*’ nierers eine gewaltige Beth-Jakob-Bewegung wird, die alle Schichten der Orthodoxie ״ ergreift, dann wird die Beth-Jäkob-Schule die Stätte werden, wo die: jüdische Tochter lernen wird, ihren eigenen Wert zti schätzen, auf die Aufgabe zu achten, die ihrer als Jüdin harrt, und sie wird nicht mehr im Gegensätze zu der Mutter die jüdische Tradition wie ein unmodernes Kleid ablegen, sondern sie wird mit jugendlichem Eifer die Mutter verständnisvoll für die Hochhaltung jüdischer Tradition, jüdischer Sitte unterstützen und so Dank der Beth-Jakob-Schule das Beth-Jakob, das jüdi* sehe Familiennaus, das jetzt in schwerer seelischer Not gegen einen nivellierenden Modernismus kämpft( in seiner alten unerschütterlichen Stärke, in seinem unüber^ troffenen Glanz hersteilen. Li Seiden- und Woll-Tatesim זיידעך & וואלל־טליודם עוציינט David Windschauer, Wien IX., Servitengasse Nr. 10 / Telephon 1617־2־ »w׳j3!1«aap Adas Jisroel (Schifischul) Wien, II., Grosse Schilfgasse 8. Kanzlei: II., Grosse Schiifgasse 1. Z. 510 ex 925. P. T. Mit dem heutigen Tage beginnt die Vermietung der Betsitze. Die bisherigen Sitzmieter werden aufmerksam gemacht, ihre Sitzkarten je früher, unbedingt jedoch bis spätestens 17. Ellul (6. September) in der Kanzlei der Adas Jisroel während der Amtsstunden (von 9 bis 1 und von 3 bis 5 Uhr) zu beheben. Ueber die bis dahin nichtbezogenen Sitze müsste die Bethausverwaltung aus zwingendem wirtschaftlichen Interesse, ohne!irgendwelche Rücksichtnahme ausnahmslos anderweitig verfügen. Jeder Sitz kann nur von dem Mieter benützt werden, auf dessen Namen er lautet. Es ist unstatthaft, einen Sitz ohne Zustimmung des Vorstandes weiter zu vermieten oder unentgeltlich weiter zu vergeben. Dies müsste sonst den Verlust des Sitzes zur Folge haben. Alle Bethausbesucher sind verpflichtet, die Bethausordnung in allen ihren Teilen einzuhalten. Alliällige besondere Bestimmungen werden jeweils bekanntgegeben werden. Wien, am 3. Ab (3. August) 5685. Die Bethauskommission: Der Vorstand der Adas Jisroel: Jacob Stern m. p.; Siegmund Bondi m. p. 9 Zu ראש'השנה wünschen Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Gästen u. Bekannten כתיבה וחתימה:טובה in. der . Sie ersparen Mühe, Porto und Zeitaufwand! Wolf Pappenbeim II.,. Kleine Pfarrgasse Nr. 1 Das Inserat laut nebenstehendem Muster kostet einschliesslich aller Steuern nur S50— resp. Kc 25.- Bestellungen sind zu richten : Für die S 1 o \v a k e i an die Adresse: f, Jüdische Presse“, Bratis&ava,'Yumerg. 14 Für Wien: ״Jüdische Presse“, Wien, 19., Leopofdsg. 26 11 Jubiläum. Am 14. August feierri״D i e W a h r h e i t“, die österreichische Wochenschrift für jüdische Interessen; das Fest des 40jährigen Bestandes. Gegründet wurde diese Zeitung von Oberkantor Jakob Bauer als Fachblatt־! welches sich speziell mit den inneren Angelegenheiten’ der jüdischen Gemeinden der ehemaligen österreichischungarischen Monarchie beschäftigte. Allmählich wuchs! der Aufgabenkreis dieses Blattes über diesen engen! Rahmen hinaus und wurde, als der bekannte Journalist Ludwig Hirsch'feTd, welcher sich als langjähriger Fachschriftsteller einen hervorragenden Namen geschaffen' hatte, dasselbe übernahm, zum Zentralorgan der österreichi■‘! sehen Juden. Durch ihre Tätigkeit hatte sich ״Die Wahrheit“ so viel Ansehen und eine so grosse Verbreitung erworben, dass die ״Union deutschösterreicht scher Juden“ dieselbe zu ihrem offiziellen Organ machte. Die aus Anlass des 40jährigen Bestandes der ״Wahrheit“ erscheinende Festnummer (erhältlich irrt Verlage, Wien, II., Heinestrasse 13) vereinigt eine grosse Zahl von aktuellen Aufsätzen und interessanten Beiträgen der hervorragendsten Männer der Wissenschaft und Feder. Eine Gesellschaft für Herausgabe der Werke Rabbi Joset Engels. In Wien wurde eine Gesellschaft ״Ohabe, Torah“ (Freunde der Lehre) gegründet, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die hundert Werke über Talmud! und Kabbalah des verstorbenen Gaon Rabbi Josef Engel; des einstigen Krakauer Rabbiners, herauszugeben. Die Mitglieder der Gesellschaft sind Schüler des verstorbenen Gaons. ־ * Die Wählen des Misrachi in Wien. Am Sonntag wurden die Wahlen der Misrachi-Föderation für Oester1־ reich zum 14. Zionistenkongress durchgeführt. Trotz des strömenden Regens war die Beteiligung sehr rege. Insgesamt wurden 186 Stimmen abgegeben, von denen vier ungültig waren. Die gültigen Stimmen verteilen sich auf die beiden eingeneichten Wahllisten wie folgt: Liste J. S, Retter 169, Liste Austerlitz 13 Stimmen. Somit erschein^ Herr J. S. Retter als gewählt. ־ > Sejmdeputierter Oberrabbiner Lewin aut Erholungs- Urlaub, Wien (AJPB). Der Sejmdeputierte Oberrabbiner Lewin aus Sambor ist zwecks mehrwöchentäichen EH holungsurlaubes nach Gastein gereist. Auf der Durch•; reise hat er mit den Agudafiihrern in Wien mehrere Kon1־ ferenzen abgehalten. Hochzeit Dr. Salomo Birnbaums. Wien (AJPB).‘ Mittwoch, den 5. August, fand in der Synagoge der Adas! Jisroel zu Wien die Trauung Dr. Salomo Birnbaums mit Fräulein Irene G r ü n w a 1 d, bachelor of arts, aus( London statt. Dr. Salomo Birnbaum ist der älteste Sohrt von Dr. Nathan Birnbaum und lebt wie diesen in Hamburg, wo er eine Hochschuldozentur innehat. : Bar-M!zwoh-Feier im Badener Waisenhaus. Am Schabbos Nachmu war das jüdische Waisenhaus in Baden der Sammelpunkt aller Mitglieder der Kultusgemeinde, an deren Spitze Oberrabbiner W. Reich, Rabbiner Salamoi Friedmann, Kultuspräsident Alexander Braun, Waisenhaus- Vorsteher Dawid Daniel, die Kultusräte Chaim Ingwer, Da*׳ wid Schey, Ehrenstein erschienen sind. Auch viele Kurgäste sind gekommen, um an 'der Bar-Mizwah-Feier des zweiten Sohnes des Waisenhausdirektors Friedmann teilzunehmen. Mit lauter und sicherer Stimme trug der Bar-Mizwah-i Junge beim Morgeng-ttesdienst seine Parascha vor. Nach dem Minchagebet hielt der Bar-Mizwah _ eine schöne Drascha. Nachher richteten der Grossvater, Rabbi Nechemia Friedmann, Wien, und der Vater Dir. Friedman« warm empfundene Worte an ihn. Bei dieser Gelegenheit versäumten es die Gäste nicht, das Waisenhaus zu besichtigen und freuten sich alle, eine musterhafte, echt jüdische Anstalt gesehen zu haben. Felix M. Warburg und David A. Brown über die jüdische Kolonisation in Russland. In einer Konferenz jüdischer Zeitungsvertreter sprachen der Präsident des Joint Distribution Committee Mr. Felix M. Warburg und der zum Leiter der 15 Millionen Dollar-Kampagne ausersehene Mr. David A. Brown über die Aussichten der jüdischen Kolonisation in Russland. Einen tiefen Eindruck machte die Rede Mr. Warburgs, der ausführte, die Aufgabe des Joint in Russland sei nicht, Propaganda für Kolonisation unter den Juden zu machen, denn die Bewegung für Landansiedlung ist unter den russischen Juden selbst entstanden und nahm elementare Formen an. Die Aufgabe des Joint ist es, diese Bewegung zu unterstützen. Angesichts der jetzigen Lage der Juden in Russland ist eine Landansiedlung die einzige Lösung. Mr. Brown schilderte die Eindrücke seiner Russland-Reise und skizzierte den Plan der Kolonisation. Zwecks Ansiedlung einer Familie seien 750 Dollar erforderlich. Von dieser Summe muss die Siedlerfamilie 200 Dollar aus eigenem mitbringen, 200 Dollar leistet die russische Regierung, die auch das׳ Land unentgeltlich zur Verfügung stellt, die restliche« 350 Dollar muss Joint aufbrijngen. Keine Behörde darf sich in die inneren Verhältnisse der Kolonisationsarbeit einmischen, Joint hat vollständig freie Hand. Es besteht keinerlei Gefahr, dass die Kommunisten Einfluss gewin-1 nen und den Plan schädigen. Mr. Brown sagte weiter/ 80 Prozent der russischen Juden würden freilich Palästina vorziehen, allein die Kosten der Uebersiedlung nach und der Ansiedlung in Palästina seien zu gross, als dass Glück für Palästina, grosse Massen ins Land zu bringen, bevor das Land für deren Aufnahme vorbereitet ist. Auf die lautgewordene Befürchtung, dass die Kolonistenkinder dem Judentum entfremdet werden könnten, weil die , Sowjetregierung Religionsunterricht verbietet, erwiderte Mr. Brown, die Praxis habe gezeigt, dass auch die Regierung nicht die Macht habe, das religiöse Leben zu unterdrücken. In den Kolonien zum Beispiel bestehen jüdische Schulen und an den Sabbattagen wird nicht gearbeitet. Die Norm für rituelle Schächtung in Russland. Das/ Sowjet-Exekutivkomitee der Kreisstadt Winiza in Podori lien erliess eine Instruktion an die Distrikt-Exekutivkomitees, nach welcher diese angewiesen werden, das Monopol recht gewisser Personen für rituelles Schächten zu annullieren. Die Existenz eines solchen Monopols, wird in dem! Zirkularschreiben _ weiter erklärt, begünstigt eine gewisse ״parasitäre Geistlichkeit“. Das rituelle Schächten soll von' nun an jedem erlaubt sein, der die Sanitätsvorschriften' beachtet. j Brand in einem jüdischen Städtchen Litauens. Da9 Städtchen Doig, Distrikt Olita, Litauen, wurde dieser Tage! voneinem Brande heimgesucht, dem 45 von jüdischen Familien bewohnte Häuser, das jüdische Bethaus samt den Thorarollen, zum Opfer fielen. Skandalöse Zustände in den modern-jüdischen Er-! ziehungsanstalten Polens. — Beanstandungen durch die. Schulinspektorate. — Minister Grabski geisselt die U«•; moral unter den jüdischen Sportvereinen. Warschau (AJPB). Der zionistische Abgeordnete Wigodski wurde! kürzlich vom Bildungsminister Dr. Grabski wegen des modernen jüdischen Erziehungswesens in Audienz emp*i fangen. Minister Grabski erklärte, dass in Anbetracht dessen, dass die Wilnaer hebräischen und jiddischen ,moder*׳ nen Seminarien gewisse Oeffentlichkeitsrechte erhalte« haben, zwei höhere Beamte, die als Faclimäfiner und( Kenner beider Sprachen bekannt sind, mit der Inspizierung dieser Anstalten betraut wurden. Das ׳Resultat ist über■/ aus ungünstig ausgefallen. Vor allem sind die sani4 tären Verhältnisse unter aller Kritik. Sie entsprechen nicht den elementarsten Anforderungen der Hygiene. Auch die!, pädagogische Seite steht auf sehr niedriger Stufe. Aehn־j liehe Zustände — betonte Minister Grabski — würden in einem polnischen Institute keinen Augenblick geduldet werden. Wigodski konnte die schweren Anschuldigungen! nicht widerlegen und versuchte unter Hinweis auf die, materiellen Verhältnisse Entschuldigungen vorzubringen. Im weiteren Gespräche versäumte Minister Grabski nicht die Gelegenheit, auf eine entsetzlich traurige Erscheinung im jüdischen Leben hinzuweisen, die im engen Zusammen! hange mit der modernen Erziehung steht. Er geisselte! mit scharfen Worten die Zustände in den jüdischen Scautenverbänden, die unter dem Vorwände sportlicher Uebungen der Trunksucht und Unzucht frönen. Er wart ihnen auch gewisse Verbindungen mit dem Kommunismus! vor. Die Aeusserungen Minister Grabskis haben auf die» weitesten Kreise der jüdischen Bevölkerung.^ nachhaltige« Eindruck ausgeübt. Man hat es verstanden, den Scauten den Nymbus nationaler Würdenträger anzudichten und manche Eltern konnten nur schwer ihre Kinder von dert Sportveranstaltungen beiderlei Geschlechter zurückhaltend Die Enthüllungen Minister Grabskis über die unmoralH sehen Zustände bei diesen Veranstaltungen veranlasst©« diese Eltern zu erhöhter Vorsicht. Eine Mensa für Jeschiwoh-Bachurim in Warschau. Warschau. (A. J. P. B.) Um der ,grossen Not, die unter den Jeschiwoh-Bachurim herrscht, zu steuern, wurde beschlossen, für die armen Bachurim einen Freitisch zu errichten. Die Ortsgruppe der Agudas Jisroel in Warschau hat einen Teil ihres Lokales zu diesem Zwecke zur Verfiigung gestellt. ׳Es werden dort siebzig Bachurim ausgespeist. Eine orthodoxe Tageszeitung in New York. Das ״Jiddische Licht“, das orthodoxe Organ, welches bisher in allwöchentlicher Folge erschienen ist, wird in kürzester Frist in eine Tageszeitung grossen Stiles umgewandelt werden.

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