Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^et'te 216 JÜDISCHE PRESSE Nr. 32 hö^׳ män sjö an, im seltensten befolgt man sie. Ferner haf :Misrachi noch: die Aufgabe gehabt, *äls^I n k a s s a n t . der zionistischen ';.prfänisatipff'/ anscheiniich;als Gegen־• leistung, weil mäh dort ,die Moralpredigten angeHört nat,. Geld zu sammeln. Diese Situation ist nun für den Jung־« misrächisten infolge.eines radikalen psychischen Umschwunges fast Unerträglich geworden.’ Dr. Feldmann selbst führt in den angeführten Artikel aus, dass Misräfchi, ״fast in!bezug auf alle jüdischen Probleme im prinzipiell eh Gegensatz zu der zionistischen Organisation steht, und er kommt zu dem bemerkenswerten Schluss, d a s s Misrachi von der Aguda nur darin sich unter scheidet, dass Misrachi nach aussenhin, getragen vom jüdischen Solidaritätsgefühl, unter allen Umständen eine jüdische Einheitsfront haben will. Es ist hier nicht der Platz, mit der Frage sich zu beschäftigen, ob die obeüj geschilderten Gedankengänge nicht mit zwingender NotJ Wendigkeit ergeben, dass jene, die sich in allen innerjüdischen Prinzipien einig fühlen, in einer Organisation sich vereinigen; ob es nicht aller Vernunft, allen histori-l sehen Belehrungen Widerspricht, dass Menschen und Organisationen, die in allen Wesenspunkten den gleichen Zielen zustreben, mit Rücksicht auf aussenpolitische EH wägungen sich voneiriander durch Schaffung von wesensfremden Verbänden trennen? Wir wollen uns — wie ge* sagt — nicht mit diesen Fragen beschäftigen. Wesentlich für uns in diesem Zusammenhänge ist die Tatsache, dass die Jungmisrachisten in den jüngsten J a hren mit zielbewusster Energie durch die' Schaffung selbständiger ,Institutionen ihre Selbständigkeit, ihre bisher nicht vor* hahdene Autonomie vorbereiten. Es ist selbstverständlich, ׳ dass, in der gehässigen Atmosphäre, die' leider — wie wi^ zugestehen —־ intra et extra muros mit grosser Beflissenheit künstlich produziert wird, diesen Tat- Sachen nicht die nötige Beachtung geschenkt wird. Wenn! man aber die zionistischen, besonders die linksorientierten Zeitungen liest, so merkt man es bald, dass infolge der misrachistischen Versuche, sich zu verselbständigen, . MisJ rachi fast mit der gleichen Gehässigkeit als die Aguda. behandelt wird. In den wüsten Angriffen der linksorienJ tierten Zionisten wird Misrachi sicher nur eine BestätP giing der Richtigkeit, des neuerlich eingeschlagenen Wegesl erblicken. Wenn wir nun nach den Gründen forschem wieso denn Misrachi auf einmal die während langer Jahre befolgte Politik geändert hat? Wieso die Erkenntnis, dass der frühere Weg falsch war, mit zwingender Notwendigkeit sich der jungen Generation aufdrängte? so haben wir darauf bloss eine hinreichende; Antwort: Die Aguda. Seit dem Jahre 1911, wo führende Misrächisten, als Antwort auf den Kongressbeschluss, nach welchem die zionistische Organisation auch Kulturarbeit zu leisten hat, aus' der Organisation ausgetreten sind und die Gründung einer׳ selbständigen unabhängigen Organisation, der Aguda nämJ, lieh, beschleunigten, hat die tiefe Einwirkung der Aguda! auf die Misrächisten und . ihre Organisation nie aufgehört.. Die dichten Wolken der Gehässigkeit Hessen, nur nicht diese gesunde Entwicklung bereits im Keime erkennen; Heute stellt es aber fest, dass die aktivsten Mitglieder* des Misrachi es als ihre Lebenswahrheit erkannt haben» dass sie; nicht nur in kultureller Beziehung selbständig sein müssten, sondern auf allen Gebieten, auch, des wirb« schüft liehen und sozialen Lebens dies anstreben müssen. Sonst würden sie nie eine ernste Rolle, die einer grossen Partei gebührt,! besitzen können. Selbstverständ** lieh atff politischem, besonders aber'auf aussenpolitischem' Gebiete, wollen sie noch die unbedingte Einheit behalten. Es scheint so, als ob' sie in diesem Punkte, in diamentraleiri Gegensatz zu der Aguda stünden. Wir glauben, dass dieä bloss ein trügerischer Schein ist, denn Agudas Jisroel .hat nicht den Ehrgeiz, auf politischem Gebiete und besonders[ nach aussenhin, immer selbständig im Gegensatz zu der zionistischen Organisation oder neben ihr, aufzutreten. Sicherlich, Agu'das Jisroel hat nie daraus Hehl gemacht; dass sfe der zionistischen oder irgend1־ einer anderen Organisation allein nicht, d as R e cht z u b i 11i gt, vor den Mächten der Welt und vor nicht jüdischen politischen Faktoren, das Juden׳־ tum zu vertreten, und besonders dann nicht, wenn man aus dies e r p o 1 iti s c h e n A rb.e i t Rechte a.bleitet»; die dann zu ungunsten der thoratreuen Juden heit gebraucht werden. Ebenso sicher ist eö aber auch, dass Agudas Jisroel das gesonderte Auftreten nach aussen, immer!nur ׳ aus Not gemacht hat,' das in keiner Zeit eine Tugend in ihren Augen geworden ist. Es hat sogar die Geschichte der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass Hand in Hand mit der inneren Erstarkung der Aguda .die Geneigtheit zunahm, nach aussenhin gei meinsam aufzutreten. Die . Sepa ration hat i ml Selbsterhaltungstrieb des Schwachen ihre׳ triftigste Begründung. Nach diesen Voraussetzungen kann jeder thoratreue Jude zukunftsfroh den kommenden Ereignissen entgegensehen. Der .von den Besten det Orthodoxie• stets gehegte Wunsch, die versprengten!" ..11 m1am«Hg1M8 Herren-, Knabenand Kinderkleider ■V ••••'.£ ertjjr und n'd eh M a s s ■ . V•, Ma&abteiluug bis zu dein feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu-, Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vernieidung von ן. י wird geudtiestens geachtet;, ־, J. STERN, Wien, II., aiookengaase 25. T< 46913. __ Beachten Sie die Hausnummer. \v Teile der thoratreuen Jüdenheit in einer Organisation. zU vereinen, kommt. Dieser Wunsch arbeitet unaufhaltsam, er ringt 'Sich durch. Die Vereinigung wird aber nicht auf dem Verhandlungstisch erreicht, nicht durch schale Schölaum-Reden gefördert* auch nicht durch Zeitungsartikel gestiftet. Tatsachen werden sie herbeischaffen. Wird Agudas Jisroel das Tempo ihrer bisherigen Arbeit in und für Erez Jisroel, für Keren Hathora, für ihre so׳־ zialen Werke beibehalten können, wird ,sie ihre Organlsation festigen können, so wird ihr mächtiger Einfluss auf Misrachi, auf den Prozess der Verselbständi־ g u n g desselben in den nächsten Jahren eine ׳steigende Tendenz behalten. Dieser Einfluss wird Misrachi zur Schaffung von selbständigen, autonomen Institutionen an־< treiben, bis in ihm das• s ou ve r ä n e Ge f ii h 1 der! Autonomie, der Selbständigkeit heimisch sein wird. Die überzeugende Sprache dieser Tatsachen de!1 inneren ’Selbständigkeit Wird Aguda und MisH rachi einander näherbringen, wird es ermöglichen, dasä eine orthodoxe Einheitsfront hergestellt wird, und diese starke Einheitsfront wird den Thoratreüen das überlegene Gefühl der Kraft geben, so dass es ein -Leichtes sein( wird, die Position in der jüdischen Welt zu erringen! die der Orthodoxie gebührt. Es wird sich dann von! selbst ergeben, dass man mit den übrigen Organisationen nach aussenhin, nicht mehr getrennt, sondern vereint auftreten kann, ohne hievon einen Schaden für die OrthoJ doxie befürchten zu müssen. Für Anfänger soll aber zum Schlüsse ausdrücklich hervorgehoben werden, dass! trotz des gehässigen Zerwürfnisses, das jede Zusammen arbeit zwischen Aguda und Misrachi scheinbar unmöglich macht, die Macht der Idee der Aguda, das souveräne Selbstbestimmungsrecht der Orthodoxie sich über alle Hindernisse hinwegsetzt. ״Es ist daher gut, wenn man nicht auf Menschen,, auf menschliche, rasch hinfliegende Worte* achtet, sondern auf Tatsachen. Diese Tatsachen spre-, chen von Tag zu Tag eine eindringliche Sprache, die mächtig den fortschreitenden Sieg der Aguda kündet. P. . Bundes- Jisroel- Wür'Zburg (AJPB). Vom 12. bis 14. Ab wurde der Delegiertentag der Agudas Jisroel-Jugendgruppen Deutschlands in Würzburg abgehalten. Der :Vorsitzende der Agudas. Jisröel-Jugenligruppe*. Herr Leo.Munk, Köln* eröffnete die Tagung, und erstattete den Bericht deä Organ!1־ sationsvorstandes. Er betonte die besonderen Schwierigkeiten der gegenwärtigen ׳ Lage in den Jugendgruppen» umsomehr da, als: Folge [der Kriegs- und Nachkriegsjahrd sich der sittliche Ernst auch in unseren Reihen gemindert habe. Unser Bestreben war-es, möglichst zu verhindern, dass irgend ein schulpflichtiges oder schulentlassenes Kind ohne Thauro verbleibe, Wi£ bedauern, dass der ״Esrä“.* der hier die meiste *Arbeit,,;leistet, nicht .in ein organn‘ satorisch enges Verhältnis ^zir; uns gelangt 'ist. Referent verweist sodann auf die anderen Zweige der A. J. J. Oarbeit. Insbesondere bei der Stellenvermittlung und der sozialen Fürsorge würden ‘schöne Erfolge erzielt. Leider erschienen. Soeben JUDEN UNDJUDEjNTUM ® VON HEUTjE VON REG. -R AT J. KREPPEL 900 Seiten mit 200 Portrats. In Ganzleinen 30 Mark / Geheftet 25 Mark Ein Handbuch von Weltbedeutung 1 Der Verfasser ist ein bekannter Publizist, hat mehrere Blätter in deutscher, jiddischer und hebräischer Sprache redigiert und legt seine Lebensarbeit in anziehender Form einer breiten Oeffentlichkelt vor. 200 Porträts bedeutender Juden erhöhen den Wert des Buches. AMALTHEA־VE.RLAG / WIEN 111. tw/isogama haben wir noch viel zu wenig an Erez Jisroel-Arbeit geleistet, obwohl ja eigentlich unsere gesamte Arbeit Ziort und das Mikdosch als letztes Ziel hat, denn unser Bestreben ist es, die Thauro zum Zentrum deä Lebens eines jeden Juden zu machen .und dann wird auch beim Un1־ willigsten Chibath Zion die natürliche Folge. des Denkens sein. Es wird sodatln in die Gen e r a l d e b a tt e ein־« getreten, in der die Vertreter der einzelnen Jugendgruppen zürn -Bericht des Orgänisationsvörstandes Stellung nehmen. Am Abend tagten die Kommissionen, ausserdem wurde gesondert eine Sitzung der Vertreterinnen der Mädchen- .gruppen abgehalten. Montag, den 13. Ab, wurde die Oe* neraldebatte fortgesetzt. Sodann referierte Herr Dr. Munk über die Zusammenarbeit zwischen den Jugendgruppen und dem j,Esra“. Stürmisch begrüsst ergreift sodann Herr Jakob Rosen heim vom Qeschäftsführenden Ausschuss der Agudas Jisroel das Wort. ״Eine Erziehungsorganisation wie ״Esra“ hat die Pflicht, zu der entscheidenden Frage Steilung zu nehmen: Wie soll das Aussehen der jüdischen Gemeinschaft gestaltet werden? Soll sie so kon׳־ stituiert werden, wie es Q־tt am Sinai gewollt hat? Hiei* muss klare Stellung genommen werden, sonst entstehen heillose Konflikte in der Kindersjeele. Wir werden keine Charaktere erziehen können, wenn wir auf diese grundlegendste aller Fragen keine eindeutige Antwort geben. Detl Kampf zwischen dem Gemeinschaftsprinzip der Thaurq und dem Gemeinschaftsprinzip des Blutes muss ausge-‘ kämpt werden.“ Am Nachmittag wurde sodann der Bundestag er־' öffnet. In der Versammlung erschienen, mit Jubel begrösst, die Herren Jakob Rosienh'eim, Rabbiner Dr; Pinchas Ko hn, Oberrabbiner S c h a p i r a, Piotrokow, und Herr Leo Wreschner, Frankfurt a. M. Namenä des Geschäftsführenden Ausschusses begrüsst Rabbiner Dr. Pinchas Kohn den Bundestag. Wenn in unseren Reihen bei manchem ein• Zug von Müdigkeit vorhanden ist, so hat die Jugend ihrer Pflicht nicht Genüge getan. ,Denn die Jugend ist *es, in der das Leben einer .Organisation׳ am stärksten pulsiert. Es wurde Agudas Jisroel oft vorge־* worfen, dass sie sich zu sehr mit. politischer Arbeit beschäftige. Aber wir alle wissen, dass es heute bereits keine Aufgabe des Judentums gibt, bei der nicht Agudas Jisroel gebührend zu Worte kommen muss. So haben wir auch die Gewissheit, dass in Erez Jisroel sich durch uns ein inniges, wahrhaft jüdisches Leben entfalten wird; dass dort vorbildlich jüdische Gemeinschaften entstehen werden. Wir haben die begründete Hoffnung» dass auch die neue Regierung die Gevvissensffei heit des gesetzestreuen jüdischen Menschen zu schützen wissen werde. Lebn haffer Beifall folgte den Ausführungen Rabbiner Dr. Kohns. Sodann' ergreift Herr Jakob Rosen beim das Wort«1 um namens der Palästinazentrale über die Erez Jisroel1־ Arbeit der Aguda zu berichten. In ־ wirtschaftlicher Be־. Ziehung sind gerade in den letzten Jahren sehr bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Auf dem Grunde der agudistisehen Kolonie ״Machne Jisroel“ werden bereits , die ersten Häuser gebaut. Im Emek wird •in den nächsten Tagen eine Siedlerschule errichtet, sowie in Kürze eine landwirtschaftliche Ausbildung'sstätte in Deutschland. Ebenso zuk'unftsteich ist das Kulturwerk der Aguda in Erez Jisroel. Heute schon besuchen 1500 Kinder unsere Schulen. Auch i n p 0 li ti s c h e r Hinsicht sind Fortschritte zu verzeichnen, auch u n s e r e u n r e l i g i ös e h Brü'.der und Geg wi r oft ״N ein“ sagen müs s e n, das ni cht aus Politik, nicht aus Intransigenz, sondern! nur aus Furcht vor einer Uebe'rtretung des Gesetzes erfolgt. Beifall der Jugend, der nach den* Ausführungen Rosenheims fast kein Ende nehmen wollte» zeigte, wie sehr die Worte des Führers Echo bei der Jugend gefunden haben. . .., ׳ Sodann sprach Herr Wolf Ja.cobs'ohn über die• Keren Hathora-Arbelt. ■In längerer Rede rief Oberrabbiiner Schapi'ra die Jugend Deutschlands zur Fortsetzung und Intensivierung ihrer Bemühungen um das eigene Thauro- Studium und um die Erhaltung der auswärtigen Thora־* Iehrstätten. . Montag abends fand im Festsaale die Festsitzung statt, an der sämtliche Delegierte sowie zahlreiche-Gäste teilnahmen. Oberrabbiner E sre h w eg e . leitete den Abend mit einem wunderbaren Boruch haboh ein und Leo M u n kl Vorsitzender der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, hielt die Begrüssungsansprache. Ferner sprachen Rabbiner Dr. H anover, Würzburg, Hermann Engel im Namen der Gemeinde Würzburg, Rabbiner Dr. Br a der, Ansbach, im Namen des bayrischen Jugendverbandes der gesetzestreuen Juden, Herr Gottfried Goldschmidt für die Landesörganisation, Herr Jakob R o s e n h'exi m für den! G. A. und Palästina-Zentrale, Dr. Nathansohn, Würzbürg, im Namen der Vereinigung gesetzestreuer Juden/ Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, und ferner Oberrabbinei* Schapfra, Piotrokow. ׳' Unter Rennenkamps Fahnen. Von S. Schachnowitz. (Nach Aufzeichnungen eines russisch-jüdischen Soldaten.) (Schluss.) ׳ Mosche Bär, so heisst der Mann, gehörte noch vor einem halben Jahre zu den Wohlhabendsten und Ange sehensten im Städtchen. Sein Gemischtwarengeschäft auf dem Markte war so ■etwas wie das Warenhaus des Ortes, ,in denn man ebenso 1Heringe wie 1Baum\voll!zeug ■in ״bester Qualität zu den billigsten!Preisen“ einhandeln konnte. In den ersten Augüsttagen holte man ihm aber beide Söhne» ■der eine fand in den masurischen!Seen sein Grab, der andere ,hat bisher nichts von sich hören lassen. Darüber erkrankte die herz'leidende IMutter ■und wurde am Riisttage zu Roschhasc'hono zu Grabe getragen. Am Jomklppur waren die Kosaken im ‘Städtchen, und. deren Offiziere befahlen den Juden, am heiligen Tage ״ihre Läden!zu öffnen. Viele gehorchten, viele flüchteten. Mosche Bär tat weder das eine noch ■das andere. Er ging Ins Bethaus, als «wäre nichts geschehen und weinte um Brau «und Kinder. Da wurde er ■geholt, und unter heftigen Schlägen hinter den Tisch seines Ladens gesetzt. Mosche Bär!zag aber die Sterbekleider nicht aus und liess das Gebetbuch nicht aus/ der Hand. Kam ein Soldat um Ware, da deutete;Mosche Bär nur stumm nach dem Regale hin wo der Kunde das Gewünschte fand. Fragte dieser nach ■dem Preise, so schüttelte Mosche Bär nur verneinend mit dem Kopfe ... Das!hatte sich auf dem Markte rasch herumgeredet. Bald war der Laden* voll der Soldaten.!Und als sie gingen, waren Fächer und Regale, Kisten ■und Kasten wie ■reingewaschen. Jetzt konnte Mosche Bär ungestört wieder insjBeshamidrasch eilen. Er hat es seitdem nicht ׳ mehr verlassen ... Eit ■lebt im Wahne, den Versöhnungstag verletzt zu haben und Versäumtes nachholen zu müssen ... Wohltätige Menschen reichen ihm von ■Zeit zu Zeit: Speise und Trank. Er aber greift immer ׳und immer wieder!zum Ge'betbuche. Er hat noch so ,vieles nachzuholen׳. . .!Fluchtartig eilte ich noch am selben Abend wieder in die Front.!Hätten wir nur!Peltin, unseren Badchen, wieder bei uns. Die Wunde war bei Simsan Peltin ernster als man ahnen konnte. Er hatte sie lange unbeachtet gelassen und die Infektion war nicht mehr zu verhindern, Es musste ihm nach tagelanger schmerzreicher Behandlung der rechte Fuss amputiert werden. Er hat die Operation gut überstanden und ist wieder guter Dinge. ״Durch so etwas lässt sich ein Simson Peltin noch lange nicht runter,kriegen . •“ ״So sehet doch, was ■wir für einen grossen Gott ׳haben“, scherzte er. .,Hat ״ er gesehen, welche Pein und Qual «Simson Peltin,!der Badchen zu Smargon,. auszustehen hätte, die Festgäste immer durch neue Einfälle zum* Lachen zu bringen, ■die alten'!zogen nicht mehr. Was tut dann Haschern jisborach? Er verwirrt den Geist der Völker, I dass sie ■sich wie besessen aaifeinanderstürzen, stellt Simson I mitten in das Schlachtengetümmel, wo ihn der Schuss trifft. Und nun denkt doch, .Freunde, den Spass, wenn ich[, mit meinem Holzbeine in die Gesellschaft hineingehinkt komme, die Soldatenmütze schief auf dem Kopfe, die Medaille für ״Mess mizwoh“ im Knopfloche des Schabbos-, käftan, welch!Hallo,, welche!Freude!“ ... *t Gestern gaben wir alle unserem Badchen «das Geleite. Er kommt mit einem Verwundetentransport zunächst nach Minsk, von wo er als Invalide heimgelassen wird. Es war ein schwerer Abschied, bei dem Tränen flössen. Simson sprach und sprach, und zum erstenmal war es, dass auch sein linkes Auge ernst blieb.!Zu jedem unserer Angehörigen wollte er!mit seinem Holzbein hinhumpeln, um ihnen unsere Grtisse zu überbringen und neue Freude und das verlorene Lachen ihrem Herzen wiederzugeben. «Und ■den Kameraden der!Heimatstadt versprach er, ,für deren!Familien wie ein Vater zu sorgen und deren Kinder alle, an ihrer statt um sich zu sammeln, um sie ln ,der heiligen Lehre zu unterrichten und im Wege Gottes zu leiten. Und am Ende konnte er vor Erregung kein Wort mehr herausbringen. ״Jiiden, Brüder!“ keuchte er nur noch, indem er jeden von uns umarmte. ״Juden! — — Brüder!“ — Uns ist es, als wäre der letzte Rest Von Sonne uns genommen, als hätte sich der gähnende Abgrund mit all seinen Schrecken und Gefahren erst heute uns aufgetan . . .