Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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0mm FÜR OSE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUIHS. JODBCNE PRESSE Redaktion u. Administration! Wien, 11.,Leopolds-!?aase 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss:" Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag« Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschechoslowakei tschech. K. 10, Einzelnummer öst. K 3000, das übrige Auälfnd 2 Dollar. Zahlungen ffir Oesterreich: PosisparkasaenamtWJen, Konto Nr. 13.45S; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; ffir Ungarn: PostsparkaBsenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; ffir Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ke. N. ' 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; ffir Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 ja*. 32 Wiea-Bratisiava, 7. August 1928 .ביה וינה־פרעססבות ייז אב תרפיה . II. Ja6u*$« Politische Streiflichter. Chronik den Woche* Der Empfang des Agudapräsidiums durch Lord Plumer. London (AJPB). Der neue Oberkommissär für Palästina Lord Plumer hat das Agudapräsidiutn zwecks einer Aussprache zu sich geladen. Dr. Pinchas Kohn! leistete in Begleitung des Sekretärs der politischen Exei kutive Hary Go od mann am 27. Juli dieser Einladung Folge. Lord Plumer, der sich über alle Phasen der Ent- Wicklung im heiligen Lande bestens informiert zeigte) liess sich von den beiden Herren über Wünsche und Ziele der Agudas ׳tjisroel eingehend referieren. Im Laufe des Gespräches bekundete der Oberkommissär besonders• grosses Interesse für die Bestrebungen der Orthodoxie und sicherte deren wärmste Förderung zu. Eine Agudadelegati'on bei Colonel Symes. J e r u s a* letn (AJPB). Der Stellvertreter des Oberkommissärs von Palästina, Colonel Symes, empfing Mittwoch, den 23. Ta4 mUs, um 11 Uhr vormittags eine von Oberrabbiner J. C11: S o n n e n'f e 1 d. geleitete Abordnung der Agudas Jisroei mit den Herren Rabbinern Bernstein, J u n g r e i s und Dr. Salomon Elirmaifn, Colonel Symes empfing die Delegation mit grossen Ehrungen und. Oberrabbiner׳ Sonnenfeld überbrachte die Grüsse der orthodoxen Juden״ heit anlässlich der Uebernahme seines hohen Amtes und gab den Hoffnungen, die die gesamten gesetzestreuen Juden an ihn knüpften, beredten Ausdruck. Dj*. Salomon! Ehrmann referierte als Mitglied der Paiästina-Weltzentrale über die bisherigen und zukünftigen Leistungen der Agudai in Erez Jisroei und überreichte ein diesbezügliches Memo״ randum. Colonel Symes sprach, seine Anerkennung für die Leistungen. der Aguda mit grösster Befriedigung aus und bekundete besonderes Interesse über Werden und Gedeihen der neuert"•Agudakolonie Machne Jisroei im Emek. Rab־< biner R. S;:Jungreis überreichte ein Memorandum überi die Förderungen der palästinensischen Orthodoxie, dessen Studium Colonel Symes zusagte. Die Unterredung nahm einen überaus freundlichen Verlauf und dauerte mehr als'..' eine-halbe-Stunde.* ־w-״L————-־ - י;-—————״-ך_ Sir Herbert Samtiei bei dem Staatsverweser Horthy. Am 29. Juli gab der britische Gesandte in Budapest, Sir Colville Barclay, zu Ehren des in Budapest weilenden Sir Herbert Samuel ein Diner. Am 30. Juli wurde Sir . Her bert vom ungarischen Staatsverweser, Admiral Nikolas Horthy, empfangen. Hakenkreuzlernetze. gegen Sir Herbert Samuel. Sir Herbert Samuel, begibt sich bekanntlich von Wien nach Igls in Tirol zu längerem . Kuraufenthalt. Das Hakenkreuzlerblatt. ״Deutschösterreichische Tageszeitung“ empfiehlt den ,״Tiroler guten deutschen Bauern“, dem ״jüdischen Oberkommissär den gebührenden Empfang zuteil werden zu lassen“. ' , Die palästinensischen Oberrabbiner Delegierte des 14. Kongresses־. Die beiden Oberrabbiner Palästinas, Rabbi Kook und Rabbi Jakob Meir, wurden von• der Landes- Organisation. Misrachi in Palästina als Delegierte zum! 14. Zionistenkongress gewählt. . Rabbi Berlin resigniert als Vizevorsitzender des amerikanischen Keren Hajessod: wegen Unterstützung die Religionsvorschriften nicht beachtender Institutionen. Der Präsident der MisrachirOrganisjation in Amerika, Rabbi» Meir Berlin, hat seine Würde als Vizevorsitzender des amerikanischen Keren Hajessod-Komitees niedergelegtl Als Grund gab Rabbi Berlin an, dass er in der Sitzung . des Komitees daran gehindert worden ist, seine volle Meinung über die religiöse Lage in Palästina aus•‘ zusprechen. Dr. Klausner erhält eine Lehrkanzel an der Universität Jerusalem. J e r u s a 1 e m (AJPB). Wie verlautet! wurde Dr. Klausner, dem Autor des berüchtigten Wer•« kes ״Jeschu Hanozri“, eine Lehrkanzel an der Universität zu Jerusalem übertragen. Klausner hat nicht bloss durch' dieses Werk, sondern durch seine ganze antijüdische EinJ Stellung grosse Erbitterung unter den Juden hervorgerufen und wird vielfach angefeindet. 'י Der LehrertanenTorfbildungskurs von Beth Jakob.׳ Robow (AJPB). Robow ist ein lieblich idyllisches Dorfchen in den Karpathen, das zum ersten Male Juden beließ bergt. Die Leitung vom Bejs Jakob hat diese herrliche! Gegend von 600 Meter Höhe gewählt, um den vom Unterricht stark in Anspruch genommenen 45 Lehrerinnen zur geistigen Fortbildung auch entsprechende Erholung1 geben zu können. Das Lehrerinnenmaterial, ein Werk de!i genialen Frau Sehe nie rer, ist ganz ausgezeichnet. Das Wissen jeder einzelnen ist gross und deren Interesse für die Fortbildung zum Besten der jüdischen Jugend Polens noch bedeutender. Senator Deutscher, der von der Grösse des Werkes durchdrungen ist, leistet schätzens1־, werte Mithilfe. Die ganze technische Einrichtung ist ihm( zu verdanken. Direktor Dr. Leo Dettts ch 1 ä n de r leitet mit grosser Umsicht den Unterricht und wird von DrJ Ehrentreu, sowip den Damen Rosen bäum; Mannes und Schreiber wärmstens unterstützt. Sämt*' liehe Lehrkräfte haben sich überraschend schnell auf diö neuen Verhältnisse eingestellt und sind dementsprechend mit grösstem Erfolge tätig. , Der deutsche Keren fiattiora eröffnet die dritte! Talmud Thora. H a m b u rg'v(AJPB). Am Samstag den! 19. Tamus wurde in Gels-gnkirchen eine Talmucf Thoraschule des Keren Hathora feierlichst eröffnet. Sie ist die dritte Gründung dieser Art in jüngster Zeit. Der! Vorsitzende des Keren Hathora-Kommissariates Gelsenkirchen, Dr. Max Meyer, Rabbiner Dr. L i c 11 t i g Harnt bürg, als Vertreter des deutschen Landesdirektoriumsj sowie Rabbiner Dr. Weiss, u. a. hielten die Fest^ referate, bezw. Begrüßungsreden.! Der־ Warscnauer Magistrat für :die Chadorim. —/ Der Erfolg der amtlichen SchßL'nspektionen. Warschau (AJPB). Da die 'regierangsamtlichen Inspizierungen der Chadorim das überaus glänzende Resultat zeitigten, selbst die Anforderungen der Regierung, in bezugauf die technische und pädagogische' Führung• übertroffen zu haben»' beschloss, der Warschauer Magistrat, die Warschauer Chadorim monatlich mit fünfzehnhundert Zloty zu subsidieren- Die Warschauer Kultusgemeinde warf für deri1 gleichen' Zweck dreitausend Zloty monatlich aus. ’ : Anwachsen der ״ßejs ־ jakow - Literatur!‘. Lodz: (AJPB). Das bisher als . Monätsjournal erschienene ״BejsL Jakow“ wird über mehrfachen Wunsch von nun ab zwei-1 mal monatlich erscheinen. Bekanntlich erscheint seit kurze«* Zeit in dem gleichen Verlage,;ebenfalls unter der bewähr״ ten'redaktionellen Leitung von F.rie densohn eine Monätsschrift für Kinder ״Der;Kindergarten“. Beide Zeit- Schriften erscheinen in hoher Auflage: Sie sind in jiddischer Sprache verfasst und .enthaltemwertvolle Beiträge bekannte«* -orthodoxer Schriftsteller. י - Sistierung; der Kultusgemelndetätigkeit in Lodz} Lodz (AJPB). Da nach dem,neuen Gemeindegesetz; sämtt liehe Gemeinden auf religiöser Grundlage zu stehen haben! wurde verfügt, dass bei sämtlichen• Sitzungen ein Vertreter, des Rabbinates mit entscheidender Stimme anwesend sein muss. Die Zionisten in Lodz wollten diese gerechte Be- Stimmung unter keiner Bedingung anerkennen, weshalb die Regierung durch das ׳Bildühgsministerium die Sistierung der;kultusamtlichen Tätigkeit ,.verfügte. Die Zionisteit haben gegen diese Entscheidung zu den• Gerichten Zuflucht genommen, wiewohl seitens des Ministeriums erklärt wurde, dass die Tätigkeit sofort aufgenommen', werden könnte, wenn der rabbinische Vertreter zu den Sitzungen zugelassen würde. Reorganisation des agudistischen Sejmklubs in Polen. Warschau (AJPB). Der Klub der agudistischen Senatoi-en und Sejmdepuf!ierten isf reorganisiert worden/ Als Sekretär fungiert der •bewährte Redakteur A. Bi Eckermann. ׳׳ Eine agudistische Handwerker - Organisation in Polen. Warschau (AJPB)r'Eine grosse Gruppe von Handwerkern hat sich im Rahmen der Agudas Jisroei unter dem Titel ״Emunej Agudas Jisroei“ organisiert. Zionistische Gewaltakte m jüdischen Kehilos. —׳ Verwundung des Gemeinderates Mondry. M 1 a w a (AJPB)l Am 2. Aw fand in der jüdischen Gemeinde zu Mlawä unter dem Vorsitze von H. P. M o n d r y (Agudist) eine Sitzung statt, in der über die zionistische Forderung, dass, antireligiöse. Gymnasium in das Budget der Kultusgemeinde aufzunehmen, verhandelt werden sollte. Da der Antrag von der Mehrheit abgelehnt wurde, begannen die Zionisten Lärm zu schlagen, der in einem Faustkampfe mit ernste«! Verwundung des Vorsitzenden endete. \ J-zchok ßauminger — Senator. Krakau (AJPB) Herr Isaak Bauminger, leitendes Mitglied der polnischen Aguda und Vizepräsident der Krakauer Kultusgemeindei tritt an Stelle des jüngst verstorbenen Rabbiners Ko* walski in den Senat aer polnischen Republik ein. Die Bestattung des verstorbenen Misrachisten-Führers Rabbi Kowalski. Die sterblichen Ueberreste des in Bre'slati nach einer Operation verstorbenen Rabbiners und Senators Juda Leib Kowalski, des Führers der polnischen MiSh rachisten, wurden nach Vlöclawek, wo der Verstorbene» Jahrzehnte lang als Stadtrabbiner wirkte, gebracht. Die Bestattung fand am Dienstag, den 28. Juli, unter Beteili׳* gung der jüdischen Bevölkerung der Gemeinde ,* und de« nahen und fernen Umgebung statt. •-־׳.׳ < , ■ 'M ' II. Wenn nun die Grundzüge der polnisch-jüdischen Verständigung einen grossen Erfolg der Agudapolitik in bezug des Verhältnisses der Juden zu ihrem Staate be*< deuten, so zeigt uns eine kurze Analyse der jüngsten pölrtH sehen Geschehnisse nicht minder deutlich, dass Agudas! Jisroei in der jüdischen Welt (auch im allgemeinen)( grosse Fortschritte erzielt hat. Es wird wohl füii mancht bizarr klingen, wenn Wir da die Behauptung auf■» stellen, dass Agudas Jisroei den wesentlichsten Fortschritt auf dem politischen Gebiete den masslosen Angriffen der zionistischen Presse, die vor etwa drei Jahren mit einer systematischen Verratspropäganda einsetzte, zti verdanken hat. Dem ist aber doch so. Die politischen: Faktoren wurden durch diese Angriffe auf Agudas Jisroei aufmerksam ge1 macht, und durchaus nicht in üblem Sinne. Sowohl in det! Innenwie in der nichtjüdischen Aussenwelt wurde, die Tätigkeit der Aguda seither mit wachsendem ‘ Interesse! verfolgt.‘Sie wurde fortan als ein verhandln» gs׳־ f ä h i g e r u 11 d v e r t r a g s f ä h i g e r politischer Faktor behandelt. Ihre gross zügige Arbeit auf Sozialem Gebiete Hess bei den leitenden Faktoren der grossen internationalen Wohlfahrtso'rganisationen .den Wunsch keimen, mit Agudas Jisroei zusammenzuaH beiten. Ihr ernster Wille, ihre scharf umrissenen Prinzipien in bezug auf den Aufbau Erez I s r a l s durch praktische Arbeit zu verwirklichen, liess es erreichen, dass׳ die verantwortlichen englischen Regierungss t e 11 e n mit Agudas Jisroei zu rechnen begannen. Infolge! dieses Umstandes ist nun die Situation reif geworden" zuil Anbahnung von Verständigungsverhandlungen, zwischen! Agudas Jisroei und der zionistischen Organisation. Däi diese Unterhandlungen, noch ״im Zage sind, wollen wir! uns mit ihnen nicht meritorisch beschäftigen. Nur die symptomatische Bedeutung, dieser Tatsache, ohne! Rücksicht auf Gelingen oder Misslingen derselben, soll, h'ier als' ein ^Gradmesser.' der 'politischen .Bedeutung "der. Aguda hingestellt werden. ' Man kann aber bei der zionistisch-agudistjschen Verständigung Misrachi nicht ausseracht lassen. , Nun», die Ereignisse im Misrachi lassen es hoffen* dass er nicht nur kein Hindernis, sondern gerade! im. Gegenteil die Brücke zur Verständigung sein wird. Denn 'einen grossen Erfolg, wir möchten sagen! f ast einen vollkommenen Sieg, der Agudas idee bedeutet.nun in unseren Augen die innere Um^ W.a'n.d lifn.g des Misr achi. Wir wollen da auf Einzel-׳ heiten nicht eingehen. Es ist in diesem Zusammenhangel, ganz belanglos, ob Misrachi bei irgendeinem Anlasse diö[ zionistische Exekutive zur Beschlussfassung in bezug auf. Heilighaltung der Thoragesetze und jüdischen Gebräuche zwingt; ob er in Frage des F r a u e n \v a h 1 r e c h t e s i« Erez Jisroei mehr oder minder rigoros ist; ob der Aust tritt aus dem jüdischen Nationalrat in Palästina Demonstration oder ernster konsequenter Entschluss ist. All dies! ist nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Dass aber Mist, rachi erkannt hat, dass die' Politik, die er zwanzig Jahre, hindurch befolgt hat, nicht zum Erfolge führen kann, und dass die Erkenntnis dieses Misserfolges' die Jungmisrachisten bestimmt,, den Prלס zess der. Versel b s t ä n.d i g u n g mit allen Kräfte# zu betreiben, dies ist ein Erfolg der Aguda, deä nicht ho c h g e n ug e i n g esc h ä t z t w erden kan ni Welche Politik hat Misrachi während der ersten zwanzig! Jahre seines Bestandes befolgt?,Man kann diese Politik nicht zutreffender charakterisieren als es Theodor Herz! in seinem Tagebuche (Seite 105, II. Band) mit folgende« Worten tut: ״Während des Kongresses bestand ich auch einen geheimen Kampf mit ׳den Rabbinern von der schwär zesten Couleur, die gekommen waren, um sich der Bei vvegung anzuschliessen. Sie wo Uten Zuge'ständ4 nisse, die ich verweigerte. Ich fühlte, dass sid sich verloren geben und noch aus ihrer Niederlage׳־ heraüsschlagen■wollten, was möglich ist. Als ich ihnen keine. Konzessionen machte, gingen sie( ohne s 0.1 c h e mi t.“ Misrachi hat diese Rolle während zwanzig Jahre getreulich beibehalten. So schreibt de«! Misrachiführer Dr. Feldmann in Nr. 17 des War schauer offiziellen Misrachiorganes ״Das Jüdische Leben", dass Misrachi während zwanzig Jahre die Rolle de# R a b b i n'e r s in der zionistischen י Organisation gespielt hat, jenes Rabbiners, der seine Aufgabe darin erschöpft, Moral zu predigen. Mit dem Erfolge, wie Dr. Feldman« selbst melancholisch bemerkt, der im allgemeinen de», Moralpredigten der Rabbiner gegönnt ist. Im besten Falle(