Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 28 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 186 JÖDISCflg PRESSE Nr. 28 des Unterstaatssekretärs Studizinski und der jüdischen Parlamentarier Dr. ׳Reich, Dr. Reizes, Farbstein, Kirsch!braun, Senator Trussker!und Schreiber statt. ׳Trübe Stimmung innerhalb des jüdischen Klubsj Warschau. (J. T. A.) Innerhalb des Klubs der jüdH sehen Deputierten und Senatoren herrscht trotz Annahme des Paktes eine trübe Stimmung. Einer der Führer des! Klubs sprach sich in einem Interview mit dem J. T. A.-! Vertreter äussemt pessimistisch über die Möglichkeit den Durchführung des Abkommens aus. Er sei der Meinung,' dass im Herbst die Krisis im Klub der jüdischen Depu-I tierten akut werden wird, da man dann eingesehen haben! werde, dass das Abkommen keine realen Resultate se-l bracht hat. 6; Ankündigung eines Gegenmanifestes der Ukrainer' W,ars ch a u. (J. T. A.) ״Moment“ teilt mit: Ein ukraini- Scher Senator besuchte am 2. Juli einen jüdischen Senator und erklärte: Die jüdische Deklaration über die Unverletzt lichkeit der polnischen Grenzen wird von den Ukrainern als ein Angriff gegen sie betrachtet; wir werden in einer Sitzung des ukrainischen Klubs dazu Stellung nehmen und1 ein Manifest an das ukrainische Volk erlassen mit dem!, Hinweis, dass dit Juden unsere Feinde sind, indem sie! sich in die Reihen, derer gestellt haben, die die ukrainischen׳ nationalen Forderungen bekämpfen. Die polnische national•( demokratische Zeitung ״Rzeczpospolita“, die jetzt von( Korfanty redigiert wird, tritt gegen die jüdisch-polnisch^ Verständigung auf und bezeichnet sie als *einen ״Sieg( ׳der westeuropäischen Juden“. Die Zeitung ״Dwa Grosze'1 führt aus, das Abkommen werde die Nationaldemokratief nicht daran hindern, den Kampf gegen die Juden weite!( zu führen. ן ... 'P^r -T0?4 de,r. , Fomel. Die Abstimmung 1m jüdischen Parlamentsklub über das Abkommen zwischen! der polnischen Regierung und der jüdisch-parlamentarid sehen Vertretung wurde in der Nacht vom 1. auf den! 2. Juli vorgenommen. Für das Abkommen stimmten 40 Abgeordnete, gegen das Abkommen die 4 Vertretet( der Hitachdut. Mehrere Abgeordnete fehlten. Der Text( der Formel, über die abgestimmt wurde, lautet: ״Ded Klub der jüdischen Abgeordneten und Senatoren, deF dauernd auf dem Standpunkt der Unverletzlichkeit det( polnischen Grenzen, des Schutzes der Grossmachtinter־* essen Polens sowie der Notwendigkeit innerer KonsolM dierung beharrt, stellt fest, dass der Klub seine Politik׳ zum Schutze der jüdischen Interessen in allgemeiner wie! in nationaler Beziehung auf dem Boden des Sejm 5rt Uebereinstimmung mit diesen Prinzipien führen wird.“ Der Präsident des Klubs, Dr. Leon Reich, gab die Ver- Sicherung, dass er während des feierlichen Aktes dert Verständigung in seiner Ansprache ausdrücklich betonen' wird, dass die Abmachung in keiner Weise gegen die( anderen nationalen Minderheiten gerichtet ist und dass der; Klub die nationalkulturellen Forderungen der Minderheiten unterstützen wird. Auch der zionistische Oberrat wird! über die vollzogene Verständigung eine öffentliche Er-I klärung herausgeben, in welcher aie Stellung der Juden( zu den anderen Minderheiten gekennzeichnet werden wird.׳ ־— Durch die Annahme der Formel des Paktes ist die' Gefahr einer Spaltung des jüdischen Klubs, die in den letzten Tagen sehr akut war, bis auf weiteres behoben.! Das britische Weissbach über Sir Herbert Samaels Palästina-Bericht. 11. Die jüdische Einwanderung. Zur Zeit des Abschlusses des Waffenstillstandes zählte die jüdische Bevölkerung, die sich im Kriege offenbar stark vermindert hat, etwa 55.000 Seelen. Es begann damals unter den Juden in der Welt ein Drang, nach Palästina wirkend zu werden, der bis zum heutigen Tage anhält. Ein starkes seelisches Gefühl für Palästina herrschte unter den Juden all die Jahrhunderte hindurch; es vererbte sich von den Vätern auf die Söhne. Als erster Niederschlag des Gefühls wurden vor etwa 40 Jahren, dank der Energie und Opferwilligkeit des ,Baron Bdmond de Rothschild, die ersten!jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina begründet. Gegenwärtig wird die Einwanderung durch Beiträge der Zionisten in der ganzen Welt finanziert. Der Antagonismus und die Verfolgungen, denen die Juden in vielen Ländern Osteuropas ausgesetzt sind, verstärkt den Strom nach Palästina, der, wenn er nicht geregelt werden würde, das kleine unentwickelte Land wirtschaftlich!zerbrechen würde. Der Palästinaverwaltung oblag die Aufgabe, diesen Strom der Lage gemäss einzuschränken. Diese Aufgabe ist nicht leicht, da man nie präzis den Arbeitsmarkt abschätzen kann. Die in der Welt herrschende wirtschaftliche Depression im Jahre 1923 hatte zur Folge, dass in Palästina damals• etwa 2000 jüdische Arbeitslose gezählt wurden. Herren-, Knabennnd Kinderkleider fertig ond sich Mas* Massabteiluug bis za den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Za- 80hneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von WWW wird genaueste« geachtet. J. STERN, Wien, II., Olookengaa«« 28. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. Im folgenden Jahre hatten all diese Beschäftigung und es herrschte Bedarf nach ,weiteren Arbeitskräften. Zwischen 1. September 1920 und 28. Februar 1925 wanderten insgesamt 48.252 Personen in Palästina ein; von diesen waren 46.225 Juden und 2027 Nichtjuden. Von den 31.542 Juden, die zwischen 1. Jänner 1922 und 28. Februar 1925 einwanderten, waren 12.944 Männer, 10.119 Frauen und 8479 Kinder unter 16 Jahren. 32 Prozent der seit Jänner 1922 Eingewanderten gehören der Arbeiterklasse an. Die jüdische Bevölkerung, die nach dem Waffenstillstand 55.000 Seelen zählte, war im Oktober 1922 auf 84.000 und im März 1925 auf 108.000 angewachsen. Die palästinensische Jüdenhelt. Die Juden Palästinas weisen verschiedene Typen auf. Sie unterscheiden sich in ihrer religiös -orthodoxen Auffassung, in der Charakterbildung, die von den verschiedenen Herkunftsländern beeinflusst ist, sowie in ihrer Stellungnahme zu sozialen und politischen Problemen. Es sind dort Juden aus Buchara Persien •und Irak akademisch!gebildete!Männer und Frauen aus New York!und Chicago, Juden aus Yemen, die sich in SHiber- und Elfenbeinarbeit sowie in der Landwirtschaft auszeichnen, landwirtschaftliche Sachverständige aus dem College de France, Ingenieure aus Deutschland, Bankiers aus Holland, Fabrikanten und Kaufleute aus Polen und Russland. Es sind dort Studenten, Schriftsteller, Aerzte, Rechtsanwälte, Architekten, Musiker, soziale Funktionäre aus Ost- und Westeuropa, aus Asien und Amerika. Wenigstens die Hälfte der gesamten jüdisehen Bevölkerung stammt aus Osteuropa und ist in der!Mehrzahl streng orthodox. Drei Viertel der Juden lebten in Städten, ein Viertel in den landwirtschaftlichen Kolonien. Das jüdische Natlonallielm. Schlussfolgerung. Das sind, fährt Sir Herbert fort, im Umriss die Resultate!der bisherigen jüdischen Anstrengungen in Palästina. Sie sind beträchtlich. Man geht nicht fehl, wenn man die jüdischen Investitionen im Lande auf sechs Millionen englische Pfund beziffert. Bedeutsamer noch sind die geistigen und die moralischen Resultate, die sich quantitativ nicht ,abschätzen lassen. Die Menschenkräfte stammen meist aus Osteuropa, die Gelder meist aus den Vereinigten Staaten. Das Mandat sieht das Bestehen einer Jewish Agency vor, die die Juden der!ganzen eW.lt und alle dem Wiederaufbau Palästinas sich widmenden Kräfte representiert. Bis 'eine solche Agency vorhanden ist, wird die Zionistische Organisation diese Funktion ausüben. Es scheint jetzt möglich, .dass die Jewish Agency sich bald definitiv konstituieren wird. Einige arabische politische Führer hören nicht auf zu versichern, dass die Regierung Palästinas ihre Haupt- ,anstrengungen der Etrichtung des Jüdischen Nationalheims widmet und die Juden in der Zuteilung von Land, in Angelegenheiten der Erziehung, Beamtenernennung •usw. begünstigt. Von jüdischer Seite wird Klage geführt, dass die Regierung den Artikel des Mandats, betreffend Aufbau des Nationalheims, sehr ungenügend erfüllt und alle Anstrengungen allein den Judan überlässt. Man muss zugeben, dass die Klage der Juden mehr Berechtigung hat, ׳als die der Araber. Aus den angegebenen : Gründen •konnte ׳die Regierung die Bestimmung der Zuteilung von öffentlichem Boden an Juden nicht erfüllen. Die ganze Bürde der Er- Ziehung des jüdischen Kindes ruht allein auf den Schultern der Juden, auch tragen sie ihr Teil für . das arabische Erziehungswerk in Form von Steuerleistungen bei. Von den vielen sehr fähigen Juden, die sich für Regierungsstellen angeboten haben, konnte nur eine kleine Anzahl angestellt I Spezialhans für כשי Spezerei-11. Kolonialwaren LEOPOLD SCHISCHA Wien, II., Krmnbanmgasse 6, Telephon 47-2=63 Filiale: Baden, Neustiftgasse 11, Telephon 1072/IV Täglich frische Butter, Käse, Topfen, hergestellt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Ehrenfeld, Mattersburg. ־ ־־ - - - י werden, well man den Arabern gegenüber nicht ungerecht sein wollte. Die Folge all ■dessen ist, dass die-Jüdische Bewegung eine selbstbestimmende geworden ist. Was man ihr gegeben hat, war allein die moralische Ermutigung durch die Balfo־ur־De!klaration ■und die offizielle Anerkennung der hebräischen Sprache, fernerdie Möglichkeit, sich auf die Regierung Palästinas, betreffend die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu stützen. Im übrigen hat sich die jüdische Bewegung auf Ihre eigenen inneren Hilfsquellen, ihren eigenen Enthusiasmus, ihre eigenen Opfer und eigenen Menschen verlassen müssen. Niemand!kann Vorhersagen, was die Zukunft bringen wird. Es sind zuviele Faktoren wirkend, als dass man mit Sicherheit Voraussagen könnte, wie weit ■die jüdische landwirtschaftliehe und industrielle Kolonisation erfolgreich sein würde, welche Unterstützung aus anderen Ländern kommen, wie wirksam die eigene innere Verwaltung im Zusammenhang mit der Zunahme von Menschen sein wird. Ein Faktor spricht zugunsten des Zukunftserfolges: der Aufbau des jüdischen Nationalheims ist nicht die Arbeit einer Regierung gewesen; er ist nicht eine künstliche Konstruktion von Gesetzen und offizieller Fürsorge; er ist das Ergebnis der Energie und der Arbeit des jüdischen Volkes selbst. Die arabischen Aengste beschwichtigt. Sir Herbert Samuel schliesst seinen Bericht mit einer Darstellung der gegenwärtigen Position der Araber. Er stellt fest,!dass das arabische Volk allmählich eingesehen hat, ■dass man es mit Gespenstern geschreckt hat. Es kamen keine bewaffneten Angriffe auf Dörfer seitens der Jungzionisten, es schifften sich nicht 100.000 Juden an einem Tage aus, das Land wurde ihnen nicht fortgenommen, Moscheen würden nicht in Synagogen verwandelt, sondern im Gegenteil, es spielte sich ein friedlicher Aufbau ab, bei welchem der arabische Bauer gewinnt, indem er ■durch Verkauf eines Teiles seines Bodens in die Lage versetzt wird, den restliehen Teil gut zu bebauen und Kapitalien anzulegen. Alles wurde durch die Araberpresse und ■durch eine ihr befreundete englische Presse ungeheuer aufgebauscht. Die Araber verstehen endlich, was die Balfour-Deklaration will und was sie nicht will, es ist keine Ursache mehr zu neuem Alarm. Noch wurde eine Mitarbeit der Araber an öffentlichen Angelegenheiten nicht erzielt!und es ist nicht vorauszuselien, wann diese Haltung geändert wird. Schuld ist auch die politisch uninteressierte Haltung eines grossen Teiles des arabischen Volkes. Briefe aus Berlin. ׳ Sehr geehrter Herr־ Redakteur! Wenn es. meinem Wissen entspräche, müsste ich •dieses ,Mal recht gebildet kommen, mit Theorien um mich werfen!usw., mit oder ohne Grazie. Allein, ׳das alles muss mir ja’versagt bleiben. Ich kann nur die!Wahrnehmungen und die ■Eindrücke eines schlichten Menschen .wiedergeben. Und ,ausserdem gehöre!ich ja •nicht zu ׳den oberen 425 und weiss ja gar .nicht. so recht, was ,vorgeht. Bin also auf Mutmassungen und Nachrichten ,aus dritter Hand angewiesen. Manchesmal versuche ich auch zwischen den Zeilen der Zeitungen zu lesen. Denn neugierig :bin ׳ich, vielleicht auch — Sie. •Denn das ׳ist ja!heute so Made, dass man nach Informationen schreit und gegen die Geheimdiplomatie — der ,anderen wettert. Also ,man sagt. Der in ■den Rafabinischen Rat!des Landesrates berufene Dozent habe albgelehnt — .Gründe!werdennicht •ibekanntgegeben. Aber sie •müssen schwer-!wiegend gewesen sein. ׳Denn!flugs ,war ,die Quittung da. Bei der Subvention für ■das orthodoxe Rabbiner-Seminar haben die Herren sich demaskiert — vielleicht etwas voreilig. Da wurde ein Zweifel laut, ab man!diesem ■Seminar, ׳das׳ bedenklich nach der separatistischen!Seite neige, . etwas ,bewilligen dürfe. Neugierig!wäre •50h,!wie sich die Konservativen und sonstigen reohtsschillerniden Herrschaften benommen haben. Aber ich verstehe •das!Ganze nicht, warum :hat man!denn ,diese so furchtbar ,tiefe Schaaloh ' nicht einfach dem Rabbinischen Rat!des Landesverbandes zugewiesen? Wer weiss, ־!yer!weiss, vielleicht wäre dann; eine niedliche, nette, runde 'Issur gegen die ,/Separation“ lierausgekommen. Denn ich halte!die Herren!Mitglieder dieses Rates noch!immer!für ehrlich und bin überzeugt, sie werden sagen, was ■sie denken. Oder ׳zweifeln S'ie daran, ,dass jeder einzelne' dieses •Ralbhinisohen Rates ■mehr ist, wie iHindesheimer und. Hirsch? Oder vielleicht hätte man ,einen ■saohpalitischen Psak gefunden und ■hätte dahin enschieden, ׳dass man . doch ,den ׳Separatisten etwas entgegerikommen müsse, •um sie nicht ■ganz :albzustossen1, oder >um sie •als ehrwürdiges Museumsstück zu konservieren. Ach, ich könnte den Herren •so ■viele gute!Ratschläge geben, aber ■ sie wollen mich nicht hören. :Was soll 'ich tun? Raten Sie Ihrem S p r e e m a n n. Unter Rennenkamps Fahnen. Von S. Schachnowltz. (Nach Aufzeichnungen eines russisch-jüdischen Soldaten.) (Fortsetzung.) Und ,mit ׳diesen■ Helden soll es ׳direkt auf Hindenburg losgehen. Denn Berlin!haben wir ja schon so gut wie in der Tasche , . . So lesen wir es in ׳den Zeitungen,!die ׳uns täglich ,ins Quartier geworfen werden. Ueberhaupt das •arme Deutschland! ,Unser jüdisches ׳Herz bewegt sich in tiefem ,Mitleide ,׳mit dem armen Lande ■Wilhelms, wenn!wir da all seine Niederlagen und die russischen •Siege Jesen. 60.000 gefallen, 100.000 gefangen. Wieder so und soviel Armeekorps vernichtet. Der Kölner Dom von englischen Fliegern zerstört, der Frankfurter Bahnhof durch eine Bombe glatt abgedeckt . . . Der deutsche!Kaiser bittet kniefällig um Frieden, aber •umsonst . . . Die Soldaten lesen es und ,wiehern vor Begeisterung . . .!Nur Simson, idem Badchen, will es ׳nicht recht in den Kopf. Wenn, ׳meint er, Berlin in unserer Tasche ist, warum frieren ׳und hungern wir hier und ziehen nicht lieber in die schöne Stadt ein? Und •dann: Warum ibleiben nicht Wilhelms Truppen!dort, um ■die Kaiserstadt!zu schützen, statt sich so weit ,her zu bemühen •und uns ihre ,Granaten zu schicken, die ihn, Simson, jedesmal in Todesschrecken ׳versetzen? . , . ,Dann ist wohl ,Ipcho mistabro!‘ anders und umge« kehrt!“ folgert ׳der ganze Junge mit dem schmalen ׳Kindergesichte, ■der Slabotkoer Jeschiwobaohur. ״Werde ich euch was sagen,“ erläuterte der Badchen. ״Bei uns in ■Smargon erzählte ■man sich ■einst in der Sehneiderklaus, Jankei Chajim, der Schames, ׳hätte dieses Jahr 5000 Rubel an •den ,,Hauschanaus‘ verdient. ,Unglaublieh!‘ schrieen alle und glaubten es. Ich ■aber ,wusste, wie es sich damit verhielt, und ■ich sagte: Rabbaussai, sagte ich', die Sache ist vollkommen wahr. Nur hat man sie nicht ordentlich wie der gegeben.!Es war nämlich nicht Jankel Chajim,!der Schames, sondern der reiche Rappaport.!Und dann waren es ■nicht Hauschanaus, sondern bin grosser Wald, den Rappaport beim Grafen ■Wladislaus gekauft!hat, und schliesslich handelt es sich nicht ׳um 5000, sondern um 30.000 Rubel, die Rappaport!bei!diesem!Geschäfte — verloren ■hat . . . ■Sonst stimmt!die Sache vollkommen!“ . . . ״Am!Ende,“ setzte ■Simson hinzu, und sein rechtes Auge lachte ■bedeutsam, ׳״am Ende lebt der Geist der Smargoner im russischen Zensor, der die Geschichte vom Glücke Jankel Chajims ja!ganz richtig erzählen, nur so ein bisschen die Namen und Zahlen verwechseln lässt . . .“ * Simson, der Badchen, ist uns unentbehrlich geworden; er ist mit seinem ■heiteren Wesen!die Sonne, in ׳der wir unser erstarrtes Herz wärmen und1 ׳uns alles We;h und Wohl so ganz von!der ■Seele weinen oder lachen können, je!nachdem, ob sein rechtes!Auge, ■das lachende, oder das linke, ׳das weinende, über uns Gewalt gewinnt. - ״Der Mensch ist das,“ ׳behauptet Simson, ״was er im tiefsten Innern izu sein wünscht•, und alle Dinge sind so, wie sie in ihm leben. Wenn ichs nicht will, dann nimmt mir kein Mensch das Ich aus des Herzens Schrein; ■wenn ichs nicht will, dann ist der Kosak kein Kosak, die Nagaika keine Nagaika und die ׳Schläge keine Schläge, und taghell ist in mir auch in ■finsterer Mitternacht. •Ich bin und bleibe, innerlich von all ■dem unberührt, der Smargoner Badchen, der die ■Menschen belustigt und sie in Freude ihrem Schöpfer dienen lässt . . .“ Was man wohl sagen soll zu •einer solch verrückten Philosophie? ׳Alber ,allabendlich,• am Biwakfeuer und auf •dem Strohlager, sind wir, die hundert Juden unserer Kornpanie, doch um ihn herum. ■Wie die Falter, von idem bunten Licht unwiderstehlich angezosen. # ״Jiiden, ■Brüder!“ schreit er •uns an. ״Was sitzt Ihr!da und träumt und trauert? Seht nun ■rauf׳, Ihr verbohrten Narren,!die tausend ,Sterne um den Mond und all das obenan und rundherum. Glaubt Ihr,!dass der da oben nicht für Euch und Euere Kinderchen sorgen ,kann? Narren, Juden, Brüder!“ Und nun erzählt er •eine!Anekdote. ׳Und da alles hell ׳auflacht, ist es gar kein Kalauer mehr, sondern ein ״Moschol“, ׳in dem ein tiefer Sinn■ steckt, der Wird mit beredten Worten herausgeholt, ׳dass die Tränen nur so fliessen. ,Kennt Ihr Rabbaussai, :Abele, den Schaute?“ fragt er. ״Keucht er da ■mit seinem schweren Packen am Wagen des!.eichen Rappaport vorbei, der des Weges ungefähren kommt, ■und wind •von ihm e'ingela׳den •mitzufah'reri. :Das tut er auch, aber• ■den Packen ibehält er behutsam in!der Hand. ״Warum legt I׳hr den schweren Kasten nicht hin?“ fragt Rappaport. ׳״Nun, ich möchte doch ׳dem Herrn ׳nicht ■auch das noch aufbürden“, antwortete Abele ■der ■Schaute . ,; Alles!lacht bell und wohlgemut. ״Warum laoht Ihr, Narren, Juden?“ schreit!der Badchen. ,/Macht Ihr es nicht ganz ebenso wie Abele der Schaute? Den■ ganzen weiten sWeg von der Wieg bis zum ״Kewer“ ׳lasst Ihr Euch von ihm ■fahren, von ihm, der über den Wölken thront. Und