Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 26 JÜDISCHE PRESSE Seite 175 @@@ | Vom Tage.• 1 ©0© Unsere neue Armut. *Frau Sorge stattet in der letzten Zeit fleissig Besuche in unseren Häusern ab. Die Wirtschafts-׳ krise macht sich immer mehr und tneihr fühlbar. Die) schamhaft verhüllte Tatsache, dass man die früheren Lebcnsstandarte nicht mehr aufrechterhalten kann, wird zögernd preisgegeben. Der natürliche Egoismus, der in krttischen Zeiten mit der Pünktlichkeit des Naturgesetz«( zutage zu treten pflegt, lässt die notwendigen Einschräu!- kungelt zuerst auf dem Konto der öffentlichen Wohltätig!- keit vollziehen. Es ist zu verstehen, dass die Menschen in schwerer Zeit erst an sich1, und dann an andere denken Die Natürlichkeit dieser Erscheinung entschuldigt abe?־ die Führer unserer jüdischen Oeffentlichkeit nicht, wenn; auch sie, von der lähmenden Wirtschaftskrise betäubt, unter die Pessimisten gehlen und jede Hoffnung auf die Möglichkeit der Aufrechterhaltung unserer Wohlfahrtsanstalten in Wien, aufgeben. Der Schaden, der durch! den Zu!- sammenbruch auch nur einer unserer kulturellen oder humanitären Institutionen entstehen würde, ist uuermess]־ lieh, und das Unheil ist da, selbst wenn bloss eine zusammenbricht, denn Unglück bleibt selten ohne Gefolge. Die* andern folgen sicher nach. Es ist daher dringend notwendig, dass die verantwortlichen Führer den Wiener Juden zusaini mentreten und aus der Letargie des untätigen Ansichheran*’־ kommenilassens zur Aktivität übergehen. Es muss der Schut/wall geschaffen werden,, der unsere Institutionen vor dem Zusammenbruch hütet. Die Wiener Judensqhaft wird ihre Institutionen zumindest bis ,zu dem Zeitpunkt er■׳ halten müssen, bis die neue amerikanische JoinH-Hilfe die schlimmste Gefahr abwendet . Die Ein-Schilling-Aktion der Talmud-Thora. Die Verleihung des Oeffe'ntliehkeitsrechtes an die Bürgerschule] der Talmud Thora hat den Vorstand der Schule1׳ vor neue Aufgaben gestellt. Die überaus erfreuliche Tatsache, der• Gewährung dieses wertvollen Rechtes, hat selbstverständ•] lieh nur nach aussen hin ein ungetrübtes, freundlichem Antlitz. Nach innen bedeutet sie ein voll gerütteltes Massi von neuen Sorgen. Von einem Sommerschlaf, von grossen! Ferien, die doch den ben-eidetsten Vorzug bei jedem־ Schulbetrieb bedeuten, kann jetzt keine Rede mehr sein. Die Verleihung des Oeffentlijchkeitsrechtes verpflichtet nun den Vorstand, die Bürgerschule mit allem auszustatten* was die Behörde von einer öffentlichen Schule verlangt, Die erste Aktion des Vorstandes ist nu,n die* Einschilling(- Aktion, zu der die ״Jüdische Presse״ mit ihren Sonde^־ ausgäben, die an alle Mitglieder der Wiener israelit'jsehen Kultusgemeinde gesandt wurden, den ersten Auftakt gegeben hat. Art dieser Stelle interessiert uns aber diese Aktion als psychologisches Problem. Die Schilling-Aktion des Talmud ThöraWorstandes ist. die erste grössere Wienei) Aktion, die mit den. veränderten Verhältnissen rechnet. Es wird bloss ein Schilling von einer Familie verlangt,* eine Leistung, die den heutigen schweren wirtschaftlichen Verhältnissen angemessen ist. Es wäre aber ein Fehler, dad Gelingen der Aktion bloss von der Winzigkeit der Summe abhängig zu machen. Sicherlich, niemand würde den Einschillingf-Beitrag für eine so wichtige Sache, wie eind jüdische Schule es ist, verweigern, aber kaum 10 Prozent! der Auf gef orderten wird sich die Mühe nehmen, einen Er,- lagSjChein auszufüllen und auf das Postamt zu tragen.» Ein neuer Beweis, dass nicht Geld fehlt, sondern der! Wille. Wir halten diesen Umstand für geradezu cha־ rakteristisch für unsere Wiener jüdischen Mitbürger. Man spricht andauernd von Wirtschaftskrise, von. Geldmangel, und wir erblicken die Krise der Wiener Judenheit, die kriV tische Lage ihrer Wohlfahrtsanstalten nicht .im Geldmani*• gel, sondern im Willensmangel. Die Wiener Juden würden, nicht eine, sondern zehn Volks- und Bürgerschulen mit Leichtigkeit erhalten können, falls sie in guten jüdischer?! Schulen zu Willensstärken Juden erzogen worden wären.. Wo, nimmt man aber diese Schulen, um die Wiener Juden, zu erziehen? I®l NACHRICHTEN■ Henoch Tieger vor Gericht. Wien. (A. J. P. B.) Mittwoch den 17. Juni fand vor dem Bezirksgericht in Strafsachen, Wien, I., die abschliessende Verhandlung gegen den Palästinafahrer Henoch Tieger statt, der, wie bekannt, infolge übermässiger Aufregung bei seiner Intervention im zionistischen Palästinaamte bezüglich Visaerteilung mehrere Einrichtungsgegenstände zertrümmerte. Henoch Tieger gab an, dass er vom zionistischen Palästinaamte kein Visum erhalte, weil er Agudist sei. Er sei schon über ein Jahr in Wien und es hätten hunderte Palästinafahrer, deren Qualifikation wohl in parteipolitischer Hinsicht, aber nicht in bezug auf ihre Fähigkeiten als Handwerker entsprachen, das Visum ,erhalten, während Agudisten stets unberücksichtigt bleiben. Henoch Tieger wurde zu 10 Schilling Geldstrafe, bedingt mit einjähriger Bewährungsfrist, verurteilt. Der Riehter entschied für dieses, mildeste Urteil, da er die Aufregung als berechtigt anerkannte. Sehr scharfe Worte fand er für die hässliche parteimässige Behandlung der Visaerteilung durch die Zionisten, die einem Zionisten, der nicht Handwerker ist, eher ein Visum erteilen, •als einem Agudisten, der ein Gewerbe beherrscht, wiewohl nach gesundem Menschenverstand anzunehmen wäre, dass die Zionisten jeden Juden, der ■am Aufbau/Erez Jisroels mitarbeiten ,will, freudigst begrüssen müssten, iateiierxndebungi Es wird hiemit dem P, T, Publikum zur gefl. Kenntnis gebracht, dass an nachstehender Adresse nicht Dr, Luria, sondern Med, Di*. J. Maller» zahnärztlich und zahntechnisch ordiniert■ Josef Brody, II., Schiffamtsgasse 7 1. STOCK, TUp 9 Zahnarzt Df. Luria ordiniert seit 1. Mai 1925 II. Schiffamtsgasse 7, 2. Stock Der Ottyniaer Rebbe in Wien. Wien. (A.J.P.B), Vergangene Wochen hielt sich, der Ottyniaer Rebbe in׳ Wien auf. Die Orthodoxie benützte die Gelegenheit, um dem gefeierten Rabbi in würdiget Weise zu huldigen. Er war fast ununterbrochen von Besuchen umlagert, die? ihn begrüssen oder seinen Rat. einholen wollten. Im' Namen des Geschäftsführenden Ausschusses sowie der Landes- und Ortsorganisation der Agudas Jisroel wurden, dem grossen Chassidim-Rabbi von führenden Persönlich׳־ keiten offizielle Besuche abgestattet. Von Wien begab, sich der Ottyniaer Rebbe nach Marienbad zum Kur־! gebrauch. Der Streit Im Wiener Palästina-Amt. Die ״Jüdische Presse‘ •hat seinerzeit von dem aufsehenerregenden Prozess berichtet, den zwei Beamte des Palästina-Amtes gegeiise'itig angestrebt haben. Die Ehrenbeleidigungsklage des entlassenen Beamten des Palästina-Amtes Fischer gegen •den derzeitigen Leiter desselben Dr; Bauer wurde vorige Woche mit einem Freispruch des letzteren ausgetragen. Eine neue Nummer des ״Haderech“. Soeben erschien •die Siwan-Nummer des ״Hadcrech“. S!ie enthält folgende^ Aufsätze: . . . Vernünftige Ueberlegung (Rabb. T. Horo- •wizt); Geschichte der Balfour-Deklaration (Dr. Leo Jung, New York); Umschau und Einblicke (Gh. I. Eis); Presseschau (S. Halevy); Brief aus Erez Jisroel; Brief aus Bessaiabien; Keren-Hathora-MItteilungeii — Erez Jisroel-Mitteilungen; •Aus der Bewegung; Nachrichten; Ans der jiidisehen Welt: Mitteilungen; Feuilleton; Bücherbesprechung. Zu beziehen: ״!Hadereoh“, Wien, II•, Leopoldsgasse 26. Jahresabonnement 1,5 Dollar. Mitteilung. Vom ehrw. Rabbinat der Adas Jisroel geht uns die Mitteilung zu, dass das Restraurant S. Kunstradt, Wien, II., Gr. Schf'ffgasse■ 6 seit dieser Wache unter Aufsicht des Rabbinats steht Hergesfelli unter Aufsicht des Ew. Oberrabbiners S. Fürst Zur Herstellung von Suppen mit und ohne Einlagen, zur Verbesserung von Suppen, Saucen und Giemüsen Das מצבה -Stellen in B.-Keresztur. Am 17. SLwan wurde die מצבה am •Grabe des unlängst ׳verstorbenen ר, ישעי Steiner, Rabbi aus Bodrogkeresztur gestellt, bei welcher Gelegenheit mehrere hunderte Anhänger ■aus nah und fern teilnahmen. Es sprachen •die Rabbiner aus!Edeleny, Bodrogrice und Zsuma, Schwiegersöhne• des Verstorbenen. , Rabbinerwahl. Die aut. ortfr. israelitische Gemeinde in!Apcz-Szanto akzeptierte ,in ihrer Generalversammlung vom 7. •d. Herrn Rabbiner S a m u e 1 D a v i •d!Reiner!aus Nagypalad, Schwiegersohn des Herrn Oberrahbiner Samuel Jungreisiz in Filakowo, einstimmig und mit grossei Begeisterung zu ihrem Oberriabbiner. Talmudischer Ferienkursus des B. J. A. Das Bestreben nach einer •Vertiefung des Thorawissens, das in •der heutigen Jugend immer •mehr hervortritt, macht sich besonders in den Kreisen , der jüdischen Akademiker geltend. Um seinen Mitgliedern Gelegenheit zur Erweiterung •ihrer jüdischen Kenntnisse zu geben, beabsichtigt der B. J. A., die Organisation der gesetzestreueh jüdischen Akademiker, in den kommenden Sommerferien einen talmudischen Ferienkursus in W'ürzburig zu veranstalten. Die Leitung, die •in den Händen des Herrn Seminarrabbiners Dr. J. Neubauer liegt, •bietet Gewähr dafür:, dass den Teilnehmern reiche Anregung zu gründlicher jüdisch-wissenschaftlicher Arbeit gegeben wird. Der Wichtigkeit dieses Planes entsprechend, haben einige Freunde des Bundes in Wankenswerter •Weise dem Bundespräsidium eine Summe zur Verfügung gestellt, die den Bundesbrüdern die Teilnahme an dem Kursus erleichtern soll. Nähere Einzelheiten sind durch den B.und Jüdischer Akademiker, Berlin N. •24, Oranienburgerstrasse 39, zu erfahren. Richtigstellung. Ich halte es für meine .Pflicht, zur Aufklärung des in der Nummer 211 22־. Jahres im •Blatte ״Jüdische Presse“ unter dem Titel ״Brief aus Transsylvanien“ von Herrn Rabbiner Adler Schässburg erschienenen Artikels den treu glaubenden Juden mit folgendem zu dienen: Unsere Gemeinde Oradea-Mare ist zur Erhaltung der Zentralkanzlei im Jahre 1924 mit dem Betrag von Lei 49.575 beigetreten und ausserdem wurde der durch die Zentralkanzlei in׳Verkehr gebrachte Pessachzucker bereits in seiner Gänze, allenfalls in vielen Waggonladungen, durch die hierortigen Kaufleute in erster Reihe an die Grosswardeiner Juden abgegeben.,Im•laufenden Jahre hinwieder war Grosswardein die einzige Gemeinde, die ihren Bedarf •an Osterweizen im Wege der Zentralkanzlei mahlen Hess. Oradea-Mare, 5685, Sivan •23, Heinrich Kirsch, Obernotär der orth. isr. Kultusgemeinde. . Erfreuliche Fortschritte der Aguda-Arbelt ln der. Bukowina, Gura-Humor a. (A. J. P. B.) Die Aguda-Ortsgruppe Gura-Hümora, die trotz ihres jungen Bestandes erfreulicherweise eine intensive Tätigkeit in Stadt und Umgebung wie auch in der ganzen Bukowina entfaltet, hat Samstag ׳den 13. Juni einen öffentlichen Vortrag des Kuh tusrates Rafael Poker aus Jassy veranstaltet. Das zahlreich erschienene Publikum folgte den Ausführungen mit grossem Interesse. Für d!ie Veranstaltung bemühte sich der bekannte Aguda-Führer Jakob Apter. Der Sadagoraer Rebbe ln Galizien. —Gründung einer Keren-Hathorah-Zentrale für Mittelgalizien. PrzemysI. (A. J. P. B.) Am 10. Sivan ist Grossrabbiner Markus Friedmann aus Sadagora, Präsidialmitglied des Keren-Hathora- Direktoriums und der Palästina-Zentrale für Oesterreich, in PrzemysI angekommen. Am Bqhnhof wurde er von einer überaus zahlreichen^ Menge empfangen und begriisst. Ueber Veranlassung des Sadagoraer Rebbe wurde eine Sitzung der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt einberufen, um eine Keren-Hathora-Zentrale für Mittelgalizien ins Leben zu rufen. Grossrabhiner Friedmann hielt ein einständiges Referat über die Aufgaben der Keren Hathora im allgemeinen und die sich daraus ergebenden Pflichten für die Judenheit Mittelgaliziens. Das Referat löste bei sämtliehen Anwesenden helle Begeisterung aus und es wurde an Ort und Stelle die Keren-Hathora-Zentrale für Mittelgalizien gegründet sowie folgende Herren in die Leitung gewählt: Oberabbiner Markus Friedmann, Sadagora, Ehren- Präsident; Herr Jakob. Hirschfeld Präsident; die Rabbiner Osias Wiederkehr und Zwi Glaser als Aufsichtsräte; ferner Zwi Steiner und Israel Rapaport, Alter Folger, Mordchei Laub, Meier Herzig, Schnmel Bäbad, Feiwisch Alpen, Abraham Fried, .Antschel ׳Meiersdorf, Schmul Scherz, Schmal Wilf, Jehuda Schatz, Meier Leib Reich und einige Zeirim ln die verschiedenen Kommissionen. Grossrabbiner Friedmann hat die Jeschiwah ״Ez Chaim“, welche vor einigen Monaten von ihm •gegründet wurde, visitiert und wurde von einem jugendlichen Talmid in einer feierlichen Ansprache begriisst.!Die Schule zählt bereits 70 Hörer und macht einen ausgezeichneten Eindruck. Eine Dafloml-Feler auf der Lemberger Kwuzah »,Keren Sehloma“. Lemberg. (A..J. P. B.) In Rzeczyce befindet sich auf dem Landgut des Herrn Dr. Landau, Schwiegersohn des verstorbenen Schmelke Rokach, eine ven der Lemberger Ortsgruppe geschaffene Kwuzah, ״Keren Schioma“ genannt, zu Ehren des bekannten Palästinaförderers Dr. Schioma Ehr mann. Die Kwuzah hat sich auf dem Gebiete der Feldarbeit erspriesslich bewährt •und verdient insbesondere deshalb erwähnt zu werden, weil sie die Pflege des Thorawissens unausgesetzt mit gleichem Eiter betreibt. Am 7. Juni fand die Sijum-Feier für •Dafjomi •statt. Es waren •über 200 Gäste anwesend. Dr. Landau hielt• aus diesem Anlass eine •Rede,׳ in der er mitteilte, dass er fiiiher auf seinem •Gute Chaluzim hatte, welche er infolge ihres unreligiösen Lebenswandels und ihrer mangelhaften Arbeitstätigkeit entfernen müsste, während er von der •Arbeit der orthodoxen Aulim sehr befriedigt ist. 1E׳r spendete aus ■dem gleichen Anlasse ■der Kwüzali ein Schass. Namens der Lemberger Zeirim sprachen die Herren Haipern, Hirschhorn und Ziegler. Verleumdung der Schulpläne von Agudas Jisroel. Warschau. (A. J. P. B.) im Zusammenhang mit •einer J; T. A.-Mitteilung hat die ״Jüdische Zeitung“ in Buenos Aires unter dem Titel ״Wider die Agudas Jisroel‘ einen Artikel veröffentlicht, in dem •die Behauptung aufgestellt wird, dass die Agudas Jisroel in Polen geheime Verhandlungen mit der polnischen Regierung wegen Einführung der polnisclien Unterrichtssprache gepflogen hat. ■Diese tendenziösen Ausstreuungen veranlassten die Warschauer Zentral- Ieitung der Agudas Jisroel zu einem offiziellen Dementi, .das den ganzen Kampf für das Schulwesen an Polen in objektiver Weise schildert. 1. Es wird mit Entrüstung zurückgewiesen, dass die Agudas Jisroel Geheimverhandlungen mit der polnischen Regierung wegen Einführung der poinisehen Unterrichtssprache geführt habe, weil Agudas Jisroel, die die Anerkennung vom jüdischen Cheder nach Muster der neu reorganisierten Jessaude )Hathora fordert, prinzipiell ihre Wünsche öffentlich mit voller Klarheit und Schärfe zum Ausdruck bringt, was aus den zahlreichen Resolutionen der verschiedenen Aguda-Konferenzen und den Reden der Aguda-Abgeordneten in Sejm und Stadtrat sowie allen übrigen Körperschaften deutlich zu erkennen ist. 2. Aus dem von der polnischen Regierung anerkannten orthodoxen Lehrplan ist zu entnehmen, dass täglich sechs Stunden jüdisches Wissen in jüdischer und hebräischer Sprache gelehrt wird, während zwei Stunden profanem Wissen gewidmet werden. Demgegenüber wird in den jiddlsohistisehen und Tarbusschulen wesentlich mehr polnisch unterrichtet; ■im übrigen ist dort der ganze Lehrplan auf absolute!Assimilation eingestellt. Diese beiden Grundtatsachen als ■solche geben von vornherein ein klares Bild über •die Einstellung der Agudas Jisroel zur polnischen Sprache. 3. •Es ist unwahr, dass die Agudas Jisroel gegen andere jüdische Schulen Stellung genommen •hat, im Gegenteil, der agudistische Abgeordnete Lewin aus Sambor hat in öffentlicher Rede •im Sejm Subsidierung sämtlicher jüdischer Schulen gefordert, wiewohl er keineswegs dazu verpflichtet gewesen wäre, weil diese Schulen gegen den Geist der jüdischen Tradition verstossen. Er lieferte hiedurch einen Beweis der Toleranz der Orthodoxie, die stets bestrebt ist, •sich zu verteidigen, aber niemand anderem zu schaden. Diese Toleranz steht in •scharfem •Gegensatz zu dem hässliehen Verrat des Abgeordneten Prelucki. 4. Es׳ ist Tatsache, dass die ganze öffentliche Meinung •in Polen, mit Ausnahme der linksstehenden Jiddischisten, mit ungeheurer Aufregung und Verachtung den Uebergriff Preluckis gegen den jüdischen Glieder aufgenommen hat. — Man sieht, wie weit die Verdrehung der Tatsachen betrieben wird und wie man bemüht ist, anstatt die richtigen Verräter des jüdischen Volkes zu tadeln, durch Verratsgeschrei gegen Agudas Jisroel die antisemitische Taktik zu kopieren. Schliesslich •wird bemerkt, dass die Agudas jisroel sich durch keine die Tatsachen verdrehenden Angriffe von ihrem hohen Ziele in der Verwirklichung des Aguda-Programms ab,halten lassen wird. Professor Ellah Lattes gestorben. — Ein Freund Theodor Mommsens. Rom. (J. T. A.) Dieser Tage verstarb in Mailand der berühmte jüdisch-italienische Gelehrte, der Geschichtsschreiber der alten •Etrusker; Prof. Eiiah Lattes. Er wurde in Venedig im Jahre 1843 geboren und nahm in jungen Jahren Anteil an der •italienischen •Freiheitsbewegung. Er musste deswegen nach Piemont flüchten. Mit 18 Jahren absolvierte er die juridische Fakultät!in Turin und veröffentlichte eine Reihe wissenschaftlicher Werke. Mit 28 Jahren wurde er Professor an der Akademie zu Mailand. Er veröffentlichte bisher etwa 120 Werke, meist über römische alte Geschichte; richtunggebend ist sein Riesenwerk ״Corpus Inscriptionum Italicorum“. Lange Jahre verband ,ihn eine intime Freundschaft mit dem grossen deutschen Gelehrten Theodor Mommsen. Tagung der Esragrujppen anfangs August. Berlin. Anfangs August werden in der Nähe Würzburgs sämt־ liehe Esragruppen Deutschlands ihre Landestagung atr> halfen. Die näheren Daten sind noch nicht bekannt, Die Nummer 34־ der ״Moriah“ erschienen. Frankturt. Soeben ist Nummer 3-4 der ״Moriah“, Monatsschrift für den Aufbau von Erez Jisroel im Geiste der Thora, erschienen. * /! ״״. ״.