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Jüdische Presse · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 176 Nr. 26 JÜDISCHE PRESSE •mm! _ _ _ _ , Tsehech o/- SS 1 o w a. I•... *m• •®ft Vor der neuen Wahlkampagne. . 1 Man spricht seit einiger Zeit eifrig von bevorstehen׳־ den Wahlen m die gesetzgebenden Körperschaften unser rer Republik. Am ״ppütischen Horizont״ sind Zeichen sichtbar, die auch der Judenheit unseres Landes in nicht allzulanger Zeit Veranlassung geben werden, von ihrem/ Standpunkte zu einer der bedeutungsvollsten Fragen der( staatsbürgerlichen Belätigung Stellung zu nehmen. Diqf orthodoxen Juden werden selbstverständlich nicht säumen, die Richtlinien zu suchen, die sie bei der Erfüllung den Wahlpflicht befolgen sollen und si'e werden dabei all diel ׳Erfahrungen zu Rate ziehen, die sie sowohl hier als auch vin anderen Ländern mit gleichartigen Verhältnissen während der letzten Jahre gemacht haben. Noch sind abeii im gegenwärtigen Augenblicke die Voraussetzungen für. eine Erörterung der hiebei in Betracht kommenden Ge(-' sichtspunkte nicht gegeben. Wir werden auf dem Plan; sein, sobald die Lage e!in ernßfces Wort erheischt, und jqdenfalls au,ch im Zusammenhänge mit de,n Parlaments^ wählen es als unsere, publizistische Pflicht betrachten, der nüchternen Erwägung das Wort zu. reden und . diel Würde des Judentums vor jeder Verhetzung der Gemiiter ebenso zu wahren, wie wir es unter keinen Um,- ständen zulassen werden, dass die Gegner der jüdischen Ideenwelt innerhalb der slowakischen und karpalthoruss1\- ׳sehen Judenheit schon bei Beginn der Wahlkampagne eine/ mit Giftgasen und Sprengstoffen gefüllte Atmosphäre sphaffen, in der jedes besonnfene Handeln von vornherein; erschwert und ein friedliches Zusammenwirken der entscheidenden Kreise vereitelt wird. Wer mit den innerjüdäsehen Verhiilnissen in unserer Republik auch nur einigei/- massen vertraut ist, wird unschwer erraten, worauf unsere Worte binzielen. Wir wollen aber ganz deutlich sein. Zwei Erscheinungen müssen unseres Erachtens' so,׳ך wohl aus allgemeinen moralischen Gründen als auch wenn solche Gründe auf die jüdischen Gegner des ortho!- doxen Judentums gar keinen Einfluss mehr ausüben sollf-, ten — aus Erwägungen der Zweckmässigkeit aus unserem öffentlichen Leben ausgeschaltet werden, wenn diej voraussichtlich bald einsetzende Wahlbewegung nicht Zu׳- stände in der Judenheit vorfinden soll, die. den jüdischen, Stimmen jede Geltung zu nehmen geeignet wären. Es müsste vor allen Dingen das bisher vor jeder Wahl zutage getretene Bestreben aussenstehender Kreise, das orthodoxe Judentum in Karpathorussland und der Slowakei politisch zu bevormunden, endgültig! •aufgegeben werden.. Die Orthodoxie bildet in unserem1 Lande den ausschlaggebenden und zahlenmässig weitaus überwiegenden Teil der jüdischen Bevölkerung. Sie hat ihre eigenen Grundsätze, ihre eigene Welt-, und Lebens1־ anschauung und ist sich ihres Wertes für Staat und Gesellschaft längst bewusst. Ihre Prinzipien unterscheiden! sich scharf von den durch die Zionisten aller Schattierungen propagierten nationalistischen Ideen und nicht minder von der Gesinnungslosigkeit, die fast sämtliche nichtzionistischen ״Assimilanten“ (denn auch der religionslose! Zionismus ist — mit den Augen des thoratrCuen Judentums gesehen — nichts anderes als eine Abart der Assimilation!) charakterisiert. Das orthodoxe Judentum sieht! eine furchtbare Gefahr für die heiligsten Interessen und die teuersten Güter des gesamten jüdischen Volkes darin, wenn politische Neujuden, deren praktische Lebensführung1 keinerlei Verknüpftheit mit dem Lebensinhalt des historisehen Judentums zeigt und deren kulturelle Ideale im: Gegensatz zur Gegenwart und zu den Zukunftshoffnungen des Judentums stehen, sich ein Recht anmassen, im Namen des Judentums das Wort zu ergreifen oder gar selbständig in Parlamenten und anderen Foren der nichtjüdischen Welt mit einem Schein von Berechtigung als' Sachwalter des Judentums aufzutreten. Die Herren Anwärter aller Richtungen mögen es doch endlich einmal zur Kenntnis nehmen: ' Die Orthodoxie ist eine verantwortungsbewusste, selbständige Gemeinschaft. Wir bedürfen keinerlei Vormiiuder! Gerade weil in politischen Dingen unter Umständen Notwendigkeiten und Möglichkeiten kooperativen Handelns sich einstellen könnten, erscheint es im Interesse der Wahrhaftigkeit geboten, diesen Gesichtspunkt als ForJ derung der Aufrichtigkeit auf dasmachdrücklichste zubetonen. ( Zweitens' müsste das politische Denun-I zi an ten tum aus der Auseinandersetzung zwischen dem1 thorätreuen Judentum und den Zionisten vollständig verschwinden. ׳ ׳Diese Erscheinung in unserem Leben ist viel zu ernst, als dass wir über die schimpfliche Art, wie die zionistischen Wortführer in der tschechischen Presse dasi orthodoxe Judentum in der Slowakei und Podkarpatska- Russ, die orthodoxen Rabbiner und die offizielle organisatorische Vertretung der orthodoxen Gemeinden, erst in jüngster Zeit wieder denunzieren und ohne jede Spur eines Beweises oder einer glaubhaften Argumentation des irredentischen Magyarentums zeihen, mit einigen An־i deutungen hinweggehen dürften. Davon wird der nächste Artikel unter Beibringung unserer Beweise handeln. 1 C!vis Judaeus. / Wenn Zionisten die Oberhand ge- Winnen. Vor einigen Wochen .ereignete sich in dem bessarabisohen Städtchen Kal arisch ein Vorfall, der lebhaft ׳erinnert an!die jüdisch-religiöse Indolenz des achtzehnten Jahrhunderts. ■ In diesem Städtchen gibt es drei Schächter. Zwei von ihnen sind gute Zionisten, während der dritte von der zionistischen Bewegung! oder jedenfalls'von den kalarisohen Zionisten nicht viel hält. . 'Da ereignete es sich, dass ein berühmter Zionistenführer eines Tages an der Bahnstation von Kalarisch vorbeifahren sollte, und die ganze jüdische Bevölkerung des Städtchens pilgerte hinaus, um ihn zu begriissen, wie dies zu geschehen pflegt, mit Musik, zionistischen Fahnen und in den Knopflöchern des. Kaftans blau-weisse Kokarden. Auch der ״Bragischer־ Schächter“ (so nennt man den antizionistischen Schächter) ging zum Bahnhof hinaus, um zu sehen, wie der grosse Zionist gefeiert wird. Inmitten der Menge stehend, verhöhnte er das kakardengeschmückte Volk, indem er bemerkte, dass man in seinem Heimat Sorte als Zeichen des Herrn auch das Vieh mit allerlei Flitter zu behängen pflegt. Mehr brauchte!der Schächter nicht! In der Menge entstand Bewegung, 'VJ/irrtwari־ und Entrüstung: ״Der Schächter ■hat ganz'Israel beleidigt, er muss schwer bestraft werden zur Lehre für andere!“ schrie man und warf sich über den ungliiekliehen Schächter. Damit aber die Feier nicht gestört werde, winkten die Alten von Kalarisch die Gemüter ab und beruhigten die Lynchenden damit, dass am Abend ein Exempel statuierl wird. Am Abend wurde ׳die jüdische Bevölkerung des Städtchens einberufen, um über den renitenten Schächter ein V 01 k s g e r i c 111 abzuhalten. Durch ׳die Ereignisse des Tages in Erregung versetzt, war man nicht sehr; engherzig in den Modalitäten der Strafe. Einige empfahlen, ihn gebunden zum Oberrabbiner Zirelsohn nach Kischinew zu bringen, der ihn dann nach Gebühr bestrafen werde. — Nein — meinten andere — ׳das ist zu wenig. Man soll ihn tüchtig verprügeln! '׳ihrri Peos und' Bart'• abschneiden und ihn so die Strassen der Nachbargemeimden entlang führen, damit die Juden sehen, wie man mit einem Epikoros' verfährt, der die •h e!11 i g׳s t e n G e f ü 111 e Israels v׳erhöhnt ... Man lege ׳ihm eine?.Strafe von 1000 Lei auf, sistiere ihn von seinem Amte verbieteJ ihm auf ein Jahr ׳das Betreten ׳des Tempels oder eines jüdischen Hauses — schlugen wieder andere •vor. Nach;langer Debatte nahm man das Urteil der so- Zusagen gemässigten Elemente ׳an, welches folgendermassen lautet: Wegen Maj estä ts־b e 1 eidigung gegen das Volk Israels wird über den Bragischer Schächter folgende Strafe verhängt:; ' Er wird mit 1 000 Xei bestraft. Das Recht zu Schächten wird!ihm auf die Dauer von 6 Monaten e n t z 0 g e n und überdies wird dieser ״niederträchtige Vorfall“ auf ein ״Pergament“ geschrieben, welches der Schächter — bussf er Ug zu ׳untörsohreiben hat. Dieses ״Pergament" wird sodann in der grössten Synagoge von Kalarisch vor der jüdischen Bevölkerung verlesen und, nachdem der Schächter ,׳die Gläubigen aufs neue um Vergebung bittet, hat er sich auf die Schwelle ׳des Tempels hinzu] egen, damit jeder über ihn hinwegsch reitet und ihn an spuckt. Der!unglückliche Delinquent fügte sich dem Urteil, um nicht seine Exist.enz zu verlieren, und sah apathisch dem nächsten Tage entgegen, an dem das Urteil vollzogen werden sollte. Am nächsten Tage versammelte sich das ganze Städtchen, jung und alt, Mann und Frau, ln der Synagoge, wo ׳die angezündeten Feiertagskerzen ein unheimliches Licht verbreiteten. - Gebunden, totbleich, führte man den ״sündigen“ Schächter •herein und reichte ihm das geschriebene ״Pergament“, ■dass er es mit lauter Stimme verlese. Das Bussdokument lautet, so: , . aaaaaBaBaBaaacaaBBaBaaaaacasaaaaaaaaaBaaaBanaBBaasaa&asaaaauBBaaaBaaaBBB 1 a Telephon Nr. 64. Gegründet 1872. f ßE^NAT PT^EiSZ I & Söhne [ Presoy (Eperjes) 1 SDirituosen-Welngrosshandlung, Rumu. Likörfabrik j empfehlen erstklassige Liköre eigenen Fabrikats in j jeder Qualität. כשר Weine von 40 Lt. aufwärts I Slibowitz und Treber כשף• Versand in Gebinden j Demijohns und elegant adiustierten Flaschen zu I billigen Preisen. Prompte Bedienung. Verlangen Sie j Offerte. Ueber die Verlässlichkeit können Referenzen ■ beim orthodoxen Rabbinat in Presov eingebölt werden, j ״Ich, Itzik, der Kalarischer Schächter, bekenne meine furchtbare Sünde, welche ich gegen das Volk Israels dadurch begangen habe, dass ich es dem Vieh verglich. Ich gestehe, dass das, was ich behauptet •habe, eine grosse Sünde ist. Ich wusste nicht, •was ich tat. Und indem ich die Kalarischer Juden um מחילה סליחה und כפרה bitte, bin ich bereit, mich jeder Strafe, die mir auferlegt wird, sei sie eine finanzielle oder k ö r ,p e r;1 ,i c h e Strafe, zu unterwerfen.“ Unterschrift: Itzik, Schochet ubodek, Kalarisch. Kaum war •das letzte Wort verklungen, da schrillte eine scharfe Frauenstimme von der ׳Galerie herab durch die Luft: . — Mörder, Henker, was wollt Ihr von meinem Mann? Dieser begreifliche י protestierende ,Zwischenruf der Frau des Schächters machte auf einzelne Anwesende — die auch bisher aiif Seite'des Schächters standen, aber Angst hatten, der Mehrheit entgegenzutreten — einen solch tiefen und erschütternden Eindruck, •dass sie im Nu auf dem Almenor erschienen, den Delinquenten von seinen Fesseln befreiten und dann die inquisitorische Menge ׳mit Stöcken auseinandertrieben. Dieser Vorfall ist immerhin bezeichnend ebenso für unser Zeitalter wie für!den Fanatismus der bessarabischen Juden. Den obigen, wie die Leser .sehen, mit sichtlicher Befriiedigung und grossem Behagen erzählten Bericht entnehmen wir in treuer Ue׳bersetzung ungekürzt und mwerändert dem in Uzliorod.in •ungarischer Sprache ersehe!- nenden offiziellen zionistischen Organ ״Zsido Nepla.p“ vom 5. Juni. Der Artikel trägt dort die Ueberschrift ״W 0 man eine Verhöhnung der Zionisten nicht dulde t“ u׳nd ist —• wie ׳wir .׳Mnzufügen möchten nicht nur ״für das Zeitalter und den Fanatismus ׳der bessarabisehen Juden“, sondern in •viel höherem Masse bezeichnend für den hasserfüllten, unjüdischen und ausschliesslich aus einer f r e m d e n, t rie bh a f t -n a ti 0nalistisch'en Umgebung sich nährenden Geist, den die Zionisten in unsere religiös-jüdischen, bisher von der religiösen Ethik des Judentums beeinflussten Gemeinden hineintragen würden, wenn ■es ihnen auch bei uns gelingen sollte, in sie einzudringen. Grundsteinlegung zu einer Talmud Thora ln Hast. Wir erhalt enfolgenden. •Bericht -aus״;Hm s t: Unsere Talmud- Thora-Schule legte heute nach Ueberwindung vieler Hindernisse den Grundstein zu einem neuen Schulgebäude. Die Grundsteinlegung ging im Rahmen einer erhebenden׳ Feier vonstatten. Es w.ar eine sehr imposante Feier, eine echte ש מ ח ה ש ל מ צ ל לו♦ — Fast die ganze Judenschaft Husts mit א ד מ ו " ר הגאון ש ל י ט " א an der Spitze nahm daran teil. Den ersten Stein legte Sne. Ehrw.!Herr Überrabbiner D u s c h i n s k y. Ihm folgten der Reihe nach der e'hrw. ך י י ן unserer Gemeinde, •Herr Rabbiner Sam. Dav. 1K 0 h n, der Gemeindeipräses Herr Benö Davidovac und mehrere andere. Das ,Setzen der Steine wurde zum Preise von 100!bis!150 tscheoh. K versteigert. Tiefe Ergriffenheit rief unter den Versammelten das Erscheinen der als Phi'lantropin weitbekannten Frau Ludwig K r a u s z, ,'der Witwe unseres ehemaligen Gemeindepräses s. A-, ׳hervor.. Dieser hatte auch das einen Wert von 80.000 tschech. Kronen repräsentierende Grundstück, auf dem das Schulgebäude •errichtet wird, ׳der תלמודי הורה zum Legate gemacht. Die ehrwürdige Greisin versagte es sich nicht, auch diesmal ihre Begeisterung für das schöne ׳Werk zu ,beweisen. Sie stieg ׳in die tiefe Baufurche hinab, um einen Stein niederzulegen und spendete ׳dabei abermals 500 tschech. Kronen für die יה 0 ת Ihre Kinder, Herr B61a K r ■a u s z, leitender Vizepräsident der Gemeinde, Jenö und Margit Krausz, folgten ihrem!Beispiele.• Die Versteigerung der einzelnen Bausteine ergab einen!Betrag von mehr als 3000 tschech. Kronen zugunsten der Talmud Thora. Nachdem an den vier Ecken des geplanten Gebäudes die Grundsteine gelegt waren, richtete Sne. ׳Ehrw. der Herr Oberr.abbiner in Form eines דרשה eine zündende Ansprache an ׳die Verwaltung, •in der er sie und die ganze Versammlung auf die hohe Bedeutung eines Heimes für die ת״ת hinwies und sie aneiferte, in ihrem Streben ■auszuharren, damit das begonnene Werk zum Segen für ת ו ר ה ו י ר א ה der Vollendung •zugeführt wird. In der ganzen 'Gemeinde empfindet man die Inangriffnahme dieses seit Jahren ersehnten Baues —- zu dem Herr Josef Klein die Bausteine spendete — als Beginn einer guten Entwicklung ׳im לימוד ההורה unserer Kinder. Sie ist in erster Reihe das Verdienst unseres eihrw, Herrn Oberrabbiners, ׳der unermüdlich darauf drängte, dass die bisher in allen Teilen der Stadt auseinander liegenden חדרים schon im Interesse einer ausreichenden Inspektion von seiner Seite möglichst ,in ein Haus untergebracht werden. Das jetzt zu schaffende Gebäude ist berufen, den Wunsch Sr. Ehrw. in ־Erfüllung gehen zu lassen. •Vorläufig wird es zwar nur vier ,Lehrsäle und eine Dienierwohnung umfassen. Wir hoffen jedoch, dass es m. G. ׳H. bqjd möglich sein wir^l, durch Ausbau auch;das •Endziel zu erreichen und den gesamten ה " t) -Unterricht in einem Heime zentralisiert zu sehen. N. K. laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

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