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Jüdische Presse · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 168 JÜDISCHE FRESSE Nr. 25 abgesehen von religiösen Motiven die Gründung einer Universität in Jerusalem, als deren Gegenstück eine Zen־ tral-Jeschiwah gedacht wird, für einen schweren Fehler. Es kann nicht zum Guten führen, wenn ein Bau nicht auf festem Fundament ruht. Auch der Aufbau des geistH gen Nationalheimes in Palästina kann nicht mit dem Dach begonnen werden. Also eine grosse zentrale Jeschiwah in Polen ist die dringende Notwendigkeit des Tages, eine zentrale Thora-Lehranstalt in Erez Jisroel! ist ein l d e a 1, danach wir streben sollen, das wir so bald die Voraussetzungen׳ hiefür vorhanden sind, auch mit G־ttea Hilfe verwirklichen werden. Jetzt komme ich zur Beantwortung ihrer eigentlichen Frage. Die wirtschaftliche Situation ist in Polen äussersfj kritisch geworden und ist schwerer fühlbar als in anderen Ländern. Dessenungeachtet glaube ich kaum, dassf wir das begonnene Werk im Stiche lassen sollen. Es sind bis zum heutigen Tage, abgesehen von dem grossen: Baugrund im Werte von 25.000 Dollar, ferner von einer• Schenkung von einer halben Million Ziegel im Werte von' 5000 Dollar zirka 30.000 Dollar für die Zwecke der Lubliner Jeschivvah gespendet und investiert worden. Diesd Summen habe ich fast allein während meiner Propaganda־: tournee in Deutschland, in Polen, in Strassburg und jüngst in Holland in Antwerpen, wo eine Reihe von Personliclikeiten der Lubliner Jeschiba bedeutende Zuwemdungen machten, aufgebracht. Es hat sich auch hier gezeigt, wie beider so oft in unserem öffentlichen Leben, dass man die Arbeit gerne einzelnen zuschiebt. Wenri jeder der 50.000 Festgäste, bloss einen Dollar jährlich! für die Fertigstellung des Werkes spenden würde, wenn bloss ein Prozent der Festteilnehmer aktiv an der Ausge־ staltung des Werkes mitarbeiten würde, so bestände kein' Problem des Weiterbaues der Lubliner Jeschiwah. Trotz! der apathischen Teilnahmslosigkeit werden wir das Pro־ jekt, so Gott will, zu Ende führen. Es leiten uns dabei׳ nicht Prestigegründe sondern ich wiederhole, die unbe■* dingte Notwendigkeit. Das polnische Judentum erlebt heute־׳ nicht nur eine gewaltige Wirtschaftskrise, sondern in bedeutend grösserem Umfange eine geistige und mora־l lische. Wird dabei die Orthodoxie nicht auf der Höhe stehen, so ist der Schaden unabsehbar. Der Schaden' nicht nur für das polnische Judentum, sondern für das Gesamtjudentum. Denn man darf wohl behaupten, dass das polnische Judentum nicht nur das Menschenreservoiii des jüdischen Volkes, sondern auch sein Reservoir an Thorakenntnissen bedeutet. Dieser Umstand gibt uns den moralischen Mut, nicht nur an unsere polnischen Brüder, sondern an alle Freunde der Thora in der ganzen Welt zu appellieren, sich durch kleinliche E i n w ä n d e, durch krisenhafte E r s c h e i n u n g e n im Wirtschaftsleben von dem grossen moralischen Ziel, von den grossen geistigen ,Aufgabe sich nicht ab־' lenken zu lassen. P. Brief aus Berlin. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben es zwar versäumt, mir Ihre Meinung zu schreiben, doch nehme ich an, dass Sie über das von mir angeschnittene .Problem erst reiflich nachäenken wollen; aber wenn Sie eine Ahnung hätten, was in all den Briefen steht, die Sie mir zuzusenden die Güte hatten! Ich wäre beinahe so eingebildet, mir einzureden, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe, denn so regt man sich nur auf, wenn man im Unrecht ist oder wenn man merkt, man1 hat sich geirrt. Ich habe mich unterdessen mit einem der׳ Briefschreiber in Verbindung gesetzt, der ehrlich genup’ war, mir seinen Namen zu nennen, und• ich gebe Ihnen im' Billige Seidenstoffe I Ein Posten Crep de Chine, alle Farben, 100 cm breit ä K 75.000. Rohseide bedruckt, für Kleider und Futter K 75,000. I a Jap. Ponges K 48.000. Seidenbaus KOMORNER, WIEN B■! Taborstrasse 14 I., Fischerstiege 3 .MmummmK₪uaM₪₪₪₪BB₪B₪BBSB₪M Herrengarfleroben nach Mass Weldler & Fürst, Wien, II., Hollandstrasse 16 Lager feinster orig. engl. Stoffe. Anfertigung auch in 24 Stunden. folgenden statt des Niederschlages meines eigenen Den׳־ kens die Abschrift dieses Briefes im Wortlaut: ״Mein lieber Herr Spreemann. Sie verzeihen schon, wenn ich Sie auf einen kleinen Irrtum aufmerksam mache. Ich hatte erwartet, dass Sie nicht eine Klage anstimmen über den Umschwung des Denkens, sondern froh sind, dass sich die Verhältnisse so geändert haben, dass ein tatsächlicher ganzer Austritt nicht mehr nötig ist; denn Sie glauben ja nicht, wie zahm unsere Liberalen geworden sind. Ich habe oft den Ein־ druck, als ob man froh ist, wenn wir sie in Ruhe lassen. Ich bin Mitglied der Verwaltung meiner Synagogengemeinde und ich kann sogar, ohne unbescheiden zu sein, sagen, dass ich ein sehr angesehenes Mitglied bin. Ich kann mich aus meiner nunmehr dreijährigen Praxis keines Falles erinnern, in dem ein von mir gestellter Antrag abgelehnt worden wäre; im Gegenteil, es herrscht sogar gegenüber meinen Anregungen eine gewisse Bewilligungstreudjgkeit. Sie müssen nämlich wissen, meine Herren Kollegen wissen, dass ich nicht mit mir spassen lasse, und mein. lieber Herr Spreemann, täuschen wir uns darüber nicht, wir armen Schlucker können wirklich nicht das Geld für unsere Einrichtungen aufbringen. Mit der ewigen Prinzipienreiterei kommen wir wirklich nicht vorwärts. Ich habe natürlich die tiefste Hochachtung und Verehrung für diejenigen grossen Männer, welche vor 50 bis 60 Jahren die Prinzipien so wunderbar aufgestelit, begründet und vertreten haben, allein ich wage zu vermuten, dass sie heutzutage, da die Neologie so lendenlahm am Bodert liegt, vielleicht zu ganz anderen Entscheidungen gekommen wären. Jedenfalls kann ich Ihnen versichern, dass die Gegen־ Seite die Gleichberechtigung der Orthodoxie durchaus־ anerkennt• Aber nun sehe ich Sie . mit verwundertem Augenaufschlag fragen: Und wie steht es denn mit Ihnen, mit ihrer Anerkenntnis der Gleichberechtigung der an׳־ deren Seite? Verzeihen Sie, mein lieber Herr Spreemann, aber ich muss Ihnen schon sagen, dass ich aus dieser Frage sehe, dass Sie keine Ahnung vom Parlamentarismus' haben, denn sehen Sie, wenn zum Beispiel aut der Tages- Ordnung meiner Synagogengemeinde steht: Reparatur einer Orgel oder Anstellung eines liberalen Rabbiners, fehle ich einfach in der betreffenden Sitzung und lege also durch meine Abwesenheit den deutlichsten Protest ein .. Ich glaubte, sehr geehrter Herr Redakteur, Ihnen die Mitteilung dieses Briefes als eines geschichtlichen׳ Dokuments schuldig zu sein. Vielleicht geben Sie mir einen Rat, was ich dem Herrn antworten soll. Vorläufig ist ratlos Ihr ahnungsloser Spreemann. mmlm Jakob Israel de Haan. Es ist um Prof. Israel de ׳Haan still geworden. Erst ein Jajiivist. es .her, .dass er!in Jerusa- ,lern, am 2S. Siwan, als er vom Abendgebet aus der Synagoge des Scliaare-Zedek-.Hospitals kam, . ermordet wurde. Agudas Jisroel, ■deren Bestrebungen er in den letzten Jahren mit seiner ausserordentlichen publizistischen Fähigkeit und •seinem 'weitblickenden politischen Talent wertvoll und wirksam!unterstützte, hat mit Rücksicht •auf die politische Atmosphäre die!Sühne des grauenhaften Mordes ,in Jerusa-;lern nicht •mit jener!Energie gefordert, ׳die der eigenen Bedeiitung, dem Wert '־der Persönlichkeit •des Ermordeten und •der weittragenden Wirkung des Mordes entsprochen!hätte. Ob die Motive der Tat politischer Natur waren, wer überhaupt die Mörder waren, alles blieb bis zum heutigen Tage unaufgeklärt. 0׳b dieser auffallende Umstand nicht ebenfalls mit ׳Politik zu tun hat, kann m!it ruhigem!Gewissen weder ׳behauptet noch verneint werden. Die sonst so!viel gerühmte Verwaltung der!palästinensischen ׳Regierung, die am Jahrestage des Mordes Ihren Chef wechselt, wird!durch die Tatsache, dass die Täter eines so grauenhaften Mordes in Jerusalem unerforscht blieben, schwer belastet. Die nicht entdeckten Täter gemessen die Früchte der Vergesslichkeit. Und selbst die Gegner ׳Prof, de •Haans und d’ie .ihm feindliche •Presse haben, nachdem sie •die bewegten Trauerwochen mit einem moralischen Mord .an ׳dem Andenken des Entseelten abgeschlossen haben, den Schleier der Vergesslichkeit ׳um den •schwarzen Tag des Jerusalemer Mordes j gebreitet. Wfp־ wollen diesem Schleier nicht mehr lüften. Das 1 Gedenken an: Rrof. de Haan: au seinem ersten Jährzeitstage soll nicht .mit; Politik, verknüpft werden. &t; doch gerade in dem Jahre, das׳ seither verflossen ■ist, auf dem politischen Gebiete in Erez Jisroel so eine: grosse Verschiebung eingetreten, dass eine Verknüpfung, des- Gedenktages mit der allzu wechselvollen Tagespolitik geradezu unangebracht erscheint. Findet doch Säst gerade: an seinem* ersten Jahrzciistage die Beratung jener Kommission statt, die von der Agudas Jisroel und' von der zionistischen Organisation zur Regelung der palästinensischen Gemeihdeoränung eingesetzt wurde, jener. Gemeindeosdnung, gegen welche Jakob Israel de Haan den Kampf mit. Wucht und Wirkung ׳aufnalim. Möge das Gedenken an: diesem Tage, bloss dem idealen Kämpfer gewidmet bleiben, der die Entwicklung der Ereignisse mit scharfem Auge im Keime wahriiahm u na ihre Gestaltung im ׳Sinne des orthodoxen Judentums beeinflussen wollte. War sein Leben an ׳Irrtiimern, an׳• Verfehlimgen vielleicht reich, so hat die Reue, die Jakob Israel de Haian über seine zerrissene Seele zu Lebzeiten ׳empfand, sie gesühnt.' Sein grauenhafter Tod sichert: ihm nicht nur die Sühne im methaphysischen Sinne, sondern auch •die ׳dankbare Verehrung all jener, die die!neue. Entwicklung im Lande der Väter im Sinne der Tradition dieser Väter beeinflussen möchten. Das dankbare Gedenken an!Prof. Jakob Israel de Haan wird nicht vergessen bleiben, solange noch in!Erez Jsroel für die Achtung der jüdischen Tradition gekämpft werden ׳muss. Der Landesverband prenssischei• Gemeinden. Der •Landesverband preussischer Gemeinden feiert seine erste konstituierende Tagung. ,,Feiert11■ •ist der eia zig ,richtige Ausdruck. Denn ׳die Tagung bedeutet in erster Reihe einen Triumph des ,,!Liberalismus“, d. 11. derjenigen Weltallschatiung, welche das Verhältnis zur ,Religion in das Ermessen ׳des subjektiven Beliebens stellt. Die ׳gewaltige Majorität der Gewählten und Delegierten sind ״liberal“. Die Tagung bedeutet zweitens •einen Triumph!der Neologie, welche es endlich dnrehgesetzt hat, von ■dem weitaus grössten Teil der ״Konservativen“ (der Ausdruck ״or.thodox oder gesetzestreu“ passt nicht hierher) als gleichberechtigte ׳Richtung, anerkannt zu werden. Die 1Königskröne, das Diadem der Thora ist in einen verstaubten: Winkel gewiesen, lind!die Königskinder laufen dem Geld und der ׳Geltung, wie wir zugestehen wollen, Geltung ,ihrer Sache, nach ׳und betonen, dass, ׳wer den Frieden will, nicht bei jeder Sache •die Frage nach dem Prinzip stellen darf. Die Tagung •bedeutet weiter ■den Triumph ׳des Geldes, denn weil man in ׳den Grossgemeinden die Geldgeber sucht und weil so viele Gemeinden notleidenden, so viele Institutionen vor der •Krise •des Endes stehen, erhofft man vom ,Landesverband Sanierung, manches Mal wohl zähneknirschend und umleuchtet von der Schamröte des Verrates an eigener Sache, aber hier ,ist •einmal das Gute ׳der Feind des Besseren. Und׳ ׳die erste Tagung und alle *folgenden werden ein Triumph des Kompromisses sein. Wer mag es den ״Liberalen“ ׳verargen, wenn sie diese Situation •mit weiser Vorsicht ausniitzen? Aber ׳dem Bund gesetzestreuer Gemeinden ׳in Deutschland erwächst von diesem Augenblick an, da ihm so viele in ■den Rücken gefallen sind, ׳eine neue Aufgabe. Er ist Treuhändler der Treue geworden. Mögen die Mitgliedergemeinden noch so wenige sein, mögen ׳die •Achdusfanatiker mit sattem Hohn darüber spotten, dass es ihnen gelungen ׳ist, möglichst viele Gemeinden von dem Stolz auf die Souveränität des Thorawollens abwendig gemacht •zu!haben, es muss ׳der Bund durch seine Existenz ständig den Beweis erbringen, dass die Direktive für das Gemeinschaftsleben in Israel einzig und allein aus der Thora zu suchen ist. ׳Und der Sieg wird bei ׳den scheinbar Schwachen sein. Herren-, Knaben- und Kinderkleider fertig und nacii Mass Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von DtdJW wird geuauestens geachtet. J. STERN. Wien, II., Glookengazse 25. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. Nathan Birnbaum als Redakteur der ״Selbstemanzipation“. Wir entnehmen diese köstliche Schilderung aus der Frühzeit der literarischen Tätigkeit Nathan Birnbaums dem!gediegenen Aufsatze Samuel Rappaports ״Der G-ttsucher“, der in der Birnbaum-Festschrift ״Vom Sinn des Judentums“ erschienen ist. Ich will bei dieser Gelegenheit auch einer Episode gedenken, die 11. a. auch für die Umstände und Verhältnisse, unter denen Birnbaum damals gelebt und gewirkt hat, bezeichnend ist. Ich war damals noch ein junger Talmud- 1bachur, gehörte aber schon!in Lemberg zum Kreise der einigsten Leser der ״Selbstemanzipation“. Als ich kurze ■Zeit darauf nach W'ien kam, war mein erster Gedanke, Dr. Birnbaum in seiner Werkstätte, in der Redaktion der ״Selbstemanzipation“ aufzusuchen. In meiner jugendlichen Naivität konnte ich mir die Redaktion der ״Selbstemanzi- ׳pation“ nicht anders vorstellen, als eine Reihe ׳grosser Räume, in denen viele Schriftsteller und Arbeiter mit der redaktionellen und administrativen Herstellung der Zeitung •beschäftigt •sind. In einem besonderen Raum sitzt Dr. Birnbäum, der •als Redakteur die Hauptartikel für die ״Selbstertianzipation“ schreibt und alle nötigen Weisungen seinen־ Mitarbeitern erteilt. Als ich in einer Seitengasse •des zweiten Bezirkes, voller Neugier und. Erwartung, am fünften Stock- □ ■ □ ■ g Jüdiscltep Verla» □ Wien, II., Leopoldsgasse 26. □ ■ □ ■ ם ■ □ ■ □ ■ □ ■ □ ■ □ ■ □ ■ □ s ■ ם ■ □ ■ □ ■ □ ■ ם ■ □ ■ □ ■ ם |Jubiläutt)s־J|ucb g zum sechzigsten Geburtstage von ■ Dr. Nathan Birnbaum. ■ □ 200 Seiten, vornehm ausgestattet, in jiddischer Sprache, * Preis S 8.—. □ ■ □ -—- ■ □ ■ □ )?0!t) jiit)t) des!Judentums. Ein Sammelbuch zu Ehren Dr. Nathan Birnbaum. 320 Seiten, mit einem ßildniss Dr. Nathan Birnbaums. Preis in gediegenem Leinwandbd. S 16.־—. Zu beziehen ״Jüdischer Verlag", Wien, 11״ Leopoldsg. 26. werke an der Tür der Redaktion der ״Selbsteimanzipation“ schellte, öffnete sie mir ein kleiner Knabe. Es war dies, wie ich bald erfuhr, ein Solm Dr. Birnbaums. Ich trat in eine ziemlich bescheidene, enge Wohnung und traf Doktor Birnbaum neben seiner Frau, beide in emsiger, ernster Arbeit beim Schleifenkleben und Adressenschreiben für die Expedition der ״Selbstemanzipatioii“. Dr. Birnbaum schien meine Verwunderung nicht entgangen zu sein. ״Wie Sie sehen,“ sagte er zu mir, ״ist hier meine Privatwohnung; ich und meine Frau besorgen jetzt die Expedition der ״Selbstemanzipation“, deren letze Nummer wir bald zur Post tragen.“ Auf meine Frage, wo sich denn die Redaktion der ״Selbstemanzipation“ befinde, zog er lachend eine Schublade seines Schreibtisches heraus und zeigte mir deren Inhält mit den Worten: ״Hier befindet sich die Redaktion,“ und eine zweite Schublade .herausziehend, sagte er: ״Hier sehen Sie die Administration.“ Im selben Zimmer also: Privatwolmung, Redaktion, Administration und Expedition. Alle Arbeiten besorgte Dr. Birnbaum persönlich. Er war Redakteur, Administrator und Expeditor 1in einer Person. Soviel als möglich stand ihm seine junge Frau helfend zur Seite. Unter solchen Verhältnissen schuf und wirkte er dennoch unermüdlich und arbeitsfreudig. Als ich hierauf Dr. Birnbaum fragte, wann er denn seine Advokaturskanzlei eröffnen werde, erwiderte er mir: ״Dies einträgliche Geschäft überlasse ich anderen. Ich bleibe bei der Arbeit für unser Volk.“ Dr. Birnbaum hielt Wort. Er ist seither von seinem Posten nicht mehr gewichen.

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