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Jüdische Presse · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 162 Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE alten Jischuw wären die nachstehenden Massnahtrfen erforderlich: . 1• In Jerusalem und Tel-Awiw wird auf Veranlassung: der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroet von einem Ko■» mitee, dem möglichst alle Gruppen des gesetzestreuen Jischuw angehören, die Gründung eines ״Allgemeinen jüdjsehen Kohisumvereines für den’ gesetzestreuen Jischuw״ in die Wege geleitet. >' f■; י ' 2... Zweck dieses Konsumvereines ist der, Einkäüf von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen aller Art im grossen und Verkauf derselben 4 in den eigenen’Nieder!־ lasstmgen. 1 3. Die Nahrungsmittel, aber auch sonstige Gebrauchsgegenstände (Kleider und Schuhe), soweit sie im Lande hergestellt werden können, sind bei gleichen Preisen und gleicher Qualität ausschliesslich von .gesetzestreuen Produzentein (landwirtschaftliche u,nd handwerkliche Siedler) zu beziehen. ' [ 4. Der gesetzestreue Jischuw Palästinas kann auf diese Weise mit der Konsumkraft, von 10.000 Menschen׳ wirtschaftlich operieren, was auch seine politischen und vor allem religiösen Konsequenzen hat. ' 5. Ferner kann die ״Allgemeine Kolonisationsgeselhschaft der gesetzestreuen Juden“ nach Massgabe des«’ derart gesicherten Absatzes allmählich Aulim ins Land rufen und fussend auf einem ziemlich stabilen Konsum, ’ landwirtschaftliche und. handwerkliche Betriebe, sei es als Eigeilbetrieb des Konsumvereines (Brotfabrik, Molkerei, Konserven- und Marmeladeerzeugung, Kleiderfabrik, Schuhfabrik, Druckerei usw.), sei es unabhängig vom Konsumverein eröffnen. ,׳ 6. Die Tätigkeit des Konsumvereines und seineq Eigenbetriebe wird sich so vollziehen müssen, dass die; gesetzestreuen jüdischen Kleinhändler und Kleinhand\verkcr. in ihrer wirtschaftlichen Existenz nicht gefährdet werden,׳ Die Eröffnung rationell und modern arbeitender Eigen-,!betriebe, z. B. einer Grossbäckerei *wird im Gegenteil nicht! nur den vorhandenen ■ gesetzestreuen Handwerkern eine sichere und bessere Arbeitsgelegenheit geben, sondern darüber hinaus — wie schon oben erwähnt — eine gesunde; Basis für die neue .gesetzestreue Einwanderung darstellen.. Ich füge noch den Hinweis hinzu, dass in Palästina der Arbeiter-Konsumverein ״Hamaschbir“ bereits seit Jahren mit den grössten Erfolge'n arbeitet. Er erzielte allein im Jahre 1923 einen Umsatz von Pfd. St.:'109.000 und verfügt über 12 Zweigstellen in allen Teilen Palästinas* Meine Herren, gestatten Sie, dass ich mir am Schlüsse meiner nüchternen wirtschaftlichen Ausführungen ,einige, Bemerkungen erlaube, die zwar nicht mehr:in den strengen! Rahmen, eines national ökonomischen Referates fallen, aber gesagt sein müssen, weil für uns gesetzestreue. Juden die Wirtschaft ja nur als Mittel gilt. Das Ziel unserer Arbeit1!liegt im Ausserwirtschaftlichen und ist uns gesetzt durch die. überlieferte jüdische, Lehre.־ Aber wir dürfen niemals die Realitäten des Gesellschaftsliebens. vergessen: je grösser^ unsere wirtschaftliche Macht sein wird, desto eindring1- ,licher wird auch unsere politische und was am wichtigsten׳ ist, unsere geistige Wirksamkeit sein können.. Gewiss , regiert der Geist die Welt, aber die Mittel seiner Herrschaft liegen zum Teil immateriellen und ohne sie ist der Geist ein machtloser, Scihattenkönig.׳ Därum werden wir gesetzes-« treue Juden beim; Aufbau .Erez Jisroels auch in Wirtschaftlicher Hinsicht alle Kräfte anspaunen und Vorbildliches' leisten müssen, wenn wir bei der Entscheidung um den!Billige Seidenstoffe I Ein Posten de China, alle Farben, 100 cm breit ä, K 75*000. Rohseide bedruckt, für *leider und Futter. K 75.000. i a Jap. Ponges K 48.000. SeMenhmas KOIfflORNEß?, mEU l.j faborstrasse 14 i., Fischerstiege 3 Uriel Birnbaum*) Gebete in Sonetten. 1. Gib Deinen Geist mir, wenn ich müde bin! Und müde bin ich oft und ohne Massen; Wie fern, mein Gott, liest dieses Weges Sinn Uüd wie so lange sind zu ihm die Strassen! Wo sind die Stunden, die mich längst vergassen? Wo sind die Taten, die ich einst getan — Wo sind sie hin, die meine Tage frassen? War jedes dieser Opfer eitel Wahn? . 'Mein Gott, demütig geh ich Deine Balm ... Nur manchmal fasst mich Zorn auf meinem harten Mühseligen Weg — fasst mich wie ein Orkan Und peitscht zu Lästerungen, die erstarrten, Die müden Lippen mir: Herr meiner Fahrten, Gib Deine Kraft mir — Deine Kraft im Warten! 2. ' O Herr, mein!Gott, /wie Deiner Strafe Hammer Schlägt jeder neue Tag auf mich herab! j! O Herr, mein Gott, sieh meiner Seele Jammer / . Und sieh nicht mehr, was ich gesündigt hab! O sieh nicht mehr, was ich gesündigt hab! Und weiter sündige zu allen Stunden — Q Herr, mein Gott, der mir die Seele gab Und sie geprüft hat und zu leicht befunden . . . *) Dem Werke ״Vom Sinn des Judentunis“, Samtnelbuch zu Ehren Nathan Birnbaums entnommen. kulturellen Charakter des jischuw den jüdischen, überV lieferten Lehren Geltung verschaffen wollen. •Es geht in Erez Jisjoet um die Erneuerung des jüdischen Menschen; die aber nicht, wie Kurzsichtige meinen,׳ in einer Abkehn, vpm jüdischen Gesetze ruhen kann, sohdern nur durch; eine gesteigerte Verinnerlichung der jüdischen Lehre1 gestaltet werden wird. Ich glaube; dass der Sinn 'dieses neuerlichen jischuw Erez Jisroel darin liegt, dass ivir im Lande die SimChoh schel mizwoh, die, allzu vielen unter uns im Gollits verloren gegangen ist, von ,fl wieder empfangen. , ׳ . , Berliner Brief. Berlin, den 8. Juni 1925. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie haben mich aufgefördert, Ihnen von Zeit zu Zeit aus Deutschland einen Bericht zu schicken, und .zwar wollen Sie nicht bloss ׳wissen, was «geschieht, sondern Sie haben mich auch aufgefordert, die «Motive blosszulegen, ׳warum dies oder jenes geschieht oder nicht geschieht. Für das ehrenvolle Zutrauen, das ׳in dieser Aufforderung liegt, ׳danke ich «Ihnen, allein Sie haben mich vor eine ausserordentlich schwere Aufgabe gestellt.!Ich kann Ihnen nur meine Wahrnehmungen mitteilen und Sie werden begreifen, :dass diese etwas subjektiv «gefärbt sind. Am liebsten möchte ‘ich an die Spitze jedes Satzes, den ich Ihnen schreibe, das Motto stellen:«״Ich kann mich ■irren“, unter der ergänzenden Note, dass ich manchmal froh wäre,!wenn ioh mich geirrt hätte. Also ׳ich habe die Empfindung, dass wir uns in einer grossen!Periode der Liquidation befinden, und zwar der Liquidation der Ideen, welche die Generationen yor. uns beherrscht haben, um es ganz trocken zu sagen, des Ideellganges von Hildesheimer und.!Hirsch. «Natürlich existieren die Äustrittsgemeinden .und sie blühen sogar und werden ■voraussichtlich, so lange es seitens des Staates keinen'!Einfluss auf jüdische .Dinge gibt, «weiter bestehen. Allein das ganze auf Prinzipienreinheit und Gedankenwahrheit eingestellte Wollen hat.,Not gelitten. Der stärkste.Beweis hierfür!liegt in der Tatsache, dass selbst dort, wo. die momentan geltende ׳Gesetzgebung die Bildung mehrerer Gemeinden nicht «gehindert ■hat, eine solche nicht erfolgt ist und in :absehbarer Zeit voraussichtlich nicht erfolgen wird. Der :Grund hierfür liegt zum grossen Teil darin, dass man auf der sogenannten •liberalen• Seite die Kampfstellung aufgegeben hat; ׳ diejenigen Kreise, welche die Orthodoxie für •einen Schädling dm «Gefüge des Judentums betrachtet haben, sind so ziemlich äiisges'torben. Die jüngere Reformgeneration hat «lediglich.;•dafür gekämpft, von der Orthodoxie als gleicJ1ber^ti.gM(׳M?;H‘!t9.f־.^®^achtet und gewertet zu werden, und ^di.e^ds^iel>1׳|täim grossen und ganzen!!erreicht. Man ׳kann die Tatsache bedauern, aber sie ist da. ׳Man ,kann meinetwegen auch behaupten, dass -dieser Zustand im grossen und «ganzen erkauft :ist, indem sehr!viele orthodoxe Institutionen, welclie, um ihren Bestand zu erhalten, sich um Unterstützung an Neolagenkreise gewandt haben, der!Natur der׳ •׳Sache, nach aus den Reihen der Kämpfer ausschieden. Die neologen Geber haben es «jetzt vortrefflich •verstanden, tfiir!ihre' Leistung diese Gegenrechnung 'zu’ präsentieren. Die Situation ist jetzt so, dass, wenn ■wiederum auf der neologen Seite eine Kampfeslust erwachsen sollte, in unseren!Reihen sehr wenig ernste Kämpfer vorhanden wären, denn man ist sehr müde geworden und es sind gerade nicht so wenige, notabene in unseren Reihen, welche die ׳Rechtsstehenden als Störenfriede empfinden. So sieht es •in Deutschland aus. «Hofferitlieh habe ich ■mich geirrt. Sagen Sie einmal offen, sehr geehrter . Herr Reda«kteur,!haben Sie nach dieser Einleitung hoch Lust nach einer Fortsetzung, hat der Kreis Ihrer Leser Sehnsucht darnach? 'Ihr Spreemann. 0 Herr, mein Gott, sieh meiner Seele Wunden! Nicht nach gerechtem Urteil schreie ich, Der ich ja selber nie gerecht empfunden: Ich schrei nach Deiner Gnade, rufe Dich! O Herr, mein Gott, mein Gott, erbarme Dich! O Herr, mein Gott, erbarm Dich über mich! 1 3. O Herr, mein Gott, auftun sich meine Blicke, Die ganz verklebt und milde sind von Leid; Und mit zurückgebogenem Genicke Starrt meine Seele weit — unendlich «weit In Deine offenbare Herrlichkeit: Die Erde rollt durch fiammendweisse Sphären — Durch Blut, das laut um ihre Berge schreit — Durch Feuer, das versucht, sie zu zerstören . . . Den eigenen Atem Gottes kann ich hören Und meine Seele bangt und fürchtet,sich: Ein weisses — wildes — wirbelndes Verklären Der Taten Gottes wälzt sich schauerlich Stablweiss, goldgelben, blutrot über mich ... Wie Opferrauch dampft darin auf mein Ich! 4. 0 Herr, mein Gott!!Der Himmel blau *wie Stahl Sich über schWarze Kiefernwipfel breitend Und weisse Wolken, flimmernd wie Opal, Durch die unendlich stille Höhe gleitend . . , ״EINHEIT“ Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksäpeisehallen; 1 Wien, H., Malzgasse Nr. 12. •Die ״Einheit“ ist vor 18 Jahren gegriihdet worden, um dert Armen und Minderbemittelten ,׳für ׳geringe ׳Be- Zahlung gutes und ausgiebiges Essen zu verschaffen. An schön gedeckten Tischen «wird den Gästen «das!Essen *aufgetragen. Selbst der frömmste Jude kann bei!der ״Einheit“ gut, billig lind streng koscher esSem •denn die ׳״ ׳Einheit“ steht unter Aufsicht des Rabbinates der ״Adas Jisroel“ (Schiffschul). ■ ' Millionen Menschen waren, «während des 18jährigen Bestandes bei der ״Einheit“ zu Gaste:!darunter befanden sich Hnndertausende, die unentgeltlich Essen erhielten. Zugunsten des besonders schwer bedrängten Mittel- Standes wird ,eine separate Mittelstandsküche «geführt« in welcher vornehmlich geistige Arbeiter, Pensionisten, Kleinrentner und andere bedürftige Personen des Mittelstandes guten und billigen Mittagsfisch erhalten. In den Speisehallen der ״Einheit“ wurden im Jahre 1924 283.237 Portionen verabreicht. Separat rund 17.000 Gratisportionen. An Sabbat- und Festtagen •ist die ״Einheit“ . ganz besonders bestrebt, ihren Besuchern die Wellie der heiligen Tage empfinden •zu lassen, indem «in allem und jedem die F.eiertagsbräuche beobachtet werden und nach besten Kräften den Gästen feiertagsmässiges Essen geboten wird: insbesondere bilden "die alljährlichen Pessachaktionen der ״Einheit“ ein glänzendes Kapitel in •dem Wirken der ״Einheit“. Als ׳besondere Leistungen während des Jahres 1924 sind zu erwähnen: ׳Die im Jahre 1924 begonnene Sohulkinder-Ausspeisung an Sabbat- und Festtagen wurde bis in!den Sommer 1924 fortgesetzt. Zu dieser Aktion wurden jedesmal von Religionslehrern zumindest 50 Schulkinder zugewiesen, •welche das Essen gratis erhalten haben. Sie sollten so die Weihe des Sabbats kennenlernen. Eine weitere besondere Ausspeise-Aktion des Jahres 1924 war die Verköstigung von Chaluzim, dieser idealen Pilger nach ')erusalem. 200 Chaluzim mussten zwei Monate lang in Wien warten, bis Pässe und Reisegelder verschafft ■waren,' und wurden in «der ״Einheit“ verköstigt. Es ■wurden grosse Preisnachlässe gewährt. Die ״Einheit“ stellt sich ferner überall «zur Verftigung, wo rituelle Verköstigung gewünscht wird, mag dies vom Vorstände der Kultusgemeinde Wien oder von •an-!deren jüdischen Stellen, mag es von den Behörden,!wie Gerichte, Polizei, Epidemiespitäler etc., verlangt werden. An den hohen Feiertagen und während der ganzen Pessachfeiertage wurde für hunderte Juden das Essen hinausgeschickt, «wenn die Behörden solches■ für־ ׳ihre-■Schützfinge von der ״Einheit“ verlangt haben. Solches Wirken der ״Einheit“ erfordert aber grosse Opfer, «da das Essen unentgeltlich oder unter den Selbstkosten verabreicht wird. Da die ״Einheit“ keinen Fonds besitzt, hat der Vorstand «die Aufgabe, zur Deckung «des alljährlichen Defizites die ׳nötigen Gelder herbeizuschaffen. Die Hilfsgelder setzen «sich zusammen aus den Subventionen der Kültusge׳meinde und anderer jüdischer Vereinigungen, aus den Jahresbeiträgen der unterstützenden Mitglieder des Vereines und aus Tempelspenden. Der grösste Teil ,der zur Deckung des Defizites nötigen Gelder muss von den Mitgliedern des Vorstandes aus Spenden der Herren־, Knabennnd Kinderkleider fertig und nac 11. Mass ׳ Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen, Erstklassige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird geuauestens geachtet. J. STERN, Wien, XL, Glookeng&sae 25. T. 46913. __. Beachten Sie die Hausnummer. O Herr, mein Gott, und grenzenlos sich weitend Ein Strom von Licht, hinrieselnd durch das Land; Der Sonne, fern die Hügel überschreitend, Schon fremd und ferne und schon unbekannt . . . O Herr, mein Gott und dies mein Herz entbrannt •In Deiner Herrlichkeit und ganz Dein Eigen; ׳' Und glühend wie ein roter Diamant, Um Deine Glut Dir wieder zu bezeugen . . . O Herr, mein Gott, und flüsternd in den Zweigen Dein Atem, GotL und dieses grosse Schweigen . . . .5 ' ׳ Gepriesen seist Du, o Ewiger! Einiger! Einziger und ohne Ende! Gepriesen Deine Heiligkeit, 0 Herr — Gepriesen von dem Werke Deiner Hände! X O Herr der Welt, Deine Erkenntnis spende Als Deines Reichs Propheten mir! O seist Du gnädig'mir, dass ich Dich ganz empfände, Von Deines Wortes Herrlichkeit gespeist! Dein ewiges Gesetz lehr meinen Geist! Und soll ich Dir von meinen Sünden sagen, Die ich doch später weiss, als Du sie weisst? Schick den Messias noch in meinen Tagen! Weck mich mit denen, die im Grab schon lagen! Lass mich Dich schauen! Lass mich nicht verzagen!

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