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Jüdische Presse · 1925-06-12 · 24 (12.6.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
24 (12.6.1925)
Date
1925-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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v.ט. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion u. Administration» Wien, II.,Leopolds- «aase 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-494־. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschecho-Slowakei tschech. K. 70; Einzelnummer öst. K 3000, das übrige Ausland 2 Dollar. Mi*. 24 דנד־ץורעססבודג כ• סיון תיפ״ה♦ Zahlnngen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458: für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Posisparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Luzern VII. 1470; für Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 ב״ה I II. Jahrg. z . 1 Neue Probleme. Die!Pflicht einer ernsten Publizistik besteht nicht bloss darin, dass sie den Lesern die!Beurteilung des;Gewordener, erleichtert, sie hat •vielmehr auch ׳die!Aufgabe, das Werdende zu ahnen und diese Ahnung der Oeffentlichkeit zu vermitteln. ' ' Tatsache ist: Aus den! Bestreben, die in den Gruppierungen der ׳Menschheit ׳vorhandenen!Kräfte nach Gemeinsamkeit des Zieles zusammenzufassen, sind in der Geistesrichtung fast der ganzen Welt jene St'rebepunkte und Auffassungen entstanden, die man schlechthin ׳mit Nationalisierung bezeichnet. Das ging sogar so;weit, dass man bisweilen inhaltlose ׳Nationalisierungen konstruierte und dann erst ein ׳gemeinsames Ziel dieses Gebildes suchte. Es ist heute über jedem •Zweifel erhaben, dass diese Mentalität Trägerin der 1Kriegsschuld ist, dass alle Nach- Wirkungen der Nachkriegszeit bis izu den bedenklichen 'Ereignissen in Shanghai daraus entstanden sind. Nun mehren sich allerdings die Anzeichen, dass •in der grossen Welt- ,Politik ein •leises Widerstreben gegen diese ׳Geistesriclitimg anhebt.!Der überragende Einfluss Amerikas, der in den ׳bekannten 14 :Punkten Wilsons den Traum von dem ׳Selbstbestimmungsrecht der Völker fast in die unergründlichen Tiefen mystischer ׳Hoffnungen gesenkt hat, wirkt nun nach der anderen!Seite.;Die Vereinigten Staaten von!Nordamerika geben das Bild eines Staates, der!in der Einheit seiner politisch-geographischen Grenzen eigentlich nur durch wirtschaftliche Gemeinschaftsmomente zusammengehalten ward. Die Bestrebungen von iKalerga-Coudenhoven, nach ■ diesem!Muster ••vereinigte ־ Stääteh’ von Eurobä1 zu schaffen, liegen in derselben!Linie; nur darf man nicht vergessen, dass dort, wo ׳es im Gegensätze zu Amerika •geschichtliche ׳Belastungsmomente gibt, der ganze Gedanken- ׳gang sich schwer /durchsetzen dürfte. ׳Dieser allgemein scheinbar so fern liegende Ueberbliok war notwendig, um einigermassen das begreiflich zu machen, was sich jetzt innerhalb der Judenheit vollzieht. Man kann ruhig sagen, dass in den meisten Köpfen und Herzen ■der Baffour-Traum ausgeträumt ist, namentlich bei denjenigen, in ׳denen er Hoffnungen aufgewühlt hatte, deren Erfüllung ausserhalb der Möglichkeiten des äu׳f sich gestellten menschlichen Wollens ׳liegt. Auch in der Juden- .heit ■ist nach dem!Frühlingsmoment eine Nüchternheit eingetreten. Man braucht nur die zionistischen!Aeusserungen als Auftakt zum 14. Kongress ׳zu lesen, um sich ׳von der Wahrheit dieses Satzes zu überzeugen; es sind die rein wirtschaftlichen Fragen des Aufbaues, die jetzt die Debatte beherrschen, ,und .die Zuckungen, d׳i׳e sich nach Erfüllung ׳der politischen Träume sehnen, ebben ab. Aber es liegt nicht im Wesen des jüdischen Charakters, materiellen Momenten die -Alleingeltung zuzuerkennen und so bereitet sich etwas Neues vor. Man besinnt sich auf •die Geistigkeit als Grundzug des jüdischen Wesens und sucht mm die Zusammenfassung aller ■Kräfte auf diesen Punkt zu konzentrieren. Wie nün nach einer alten wunderbaren Kunde sich in allem Geschehen des Lebens Spiel und Gegenspiel äussert, wie sich immer wieder das Schauspiel darbietet, dass Negation und ׳Bejahung sich scheinbar in parelleler Bahn bewegen, so ׳zeigt auch dieses!Bestreben ein doppeltes Antlitz. Wir haben auf der einen Seite ׳die Gründung der •Universität, welche bindungslos und hemmungslos Forschen und Wissen ermöglichen und vermitteln will. ׳Wir haben auf der anderen Seite den keimenden •Gedanken sogenannter Weltjeschiwoth, die im Rahmen der talmudischen Welt eine Renaissance der reinen Geistigkeit eines Jahrtausende alten Forschungsgebietes darstellen möchten.!Soll dieser Name mehr sein als ein Ruf an die ganze Welt, die Entstehung solcher Anstalten!zu ermöglichen, so kann darunter bloss verstanden ■sein, dass man auf dem Wege ist, ein neues autoritatives Gebilde zu schaffen. Und in der Tat mehren sich die Stimmen, welche nicht bloss eine zentrale Lehrstätte, sondern vielmehr auch eine neue zentrale Legislative für das religiöse Leben erstreben. Wir glauben, dass dies der Punkt ist, an dein die!Diskussion einsetzen muss. Man muss von vornherein erwägen, dass seit den ersten Reformbestrebungen der Ruf nach einer solchen Stätte immer und immer wieder aufs neue ertönte, dass auch im Religionsgesetze selbst nur sehr schwer erfüllbare Vorbedingungen für eine solche Stätte gegeben sind. Es ׳darf nicht so werden, dass wieder einmal etwas geschaffen wird, dem man, nachdem es einmal da ist, einen Inhalt zu geben versuchen wird, der unter Umständen den!Keim neuer Trennungsmomente in sich birgt. Noch ist es Zeit ■zur ruhigen Diskussion״*der Frage. Es ist Pflicht aller .jüdischen Kreise, sich mit diesem Problem zu beschäftigen. P. K. ^Liquidation, Kolonisation und Konsumerfassung. -; Referat von Dt. Robert W e.iss -Wien. gehalten auf der Palästinakonferenz der Agfudas Jisroel in Frankfurt a. M. (21. Sclnvat 5685). III. Finanzierungsfragen. Ein sehr wichtiger Geschäftszweig wird die Liquidation von Häusern und Grundbesitz in!Osteuropa darr stellen. Viele und kapitalkräftigeiEinwanderer könnten für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas sofort gewonnen! werden, wenn ihre Realitäten auch nur zu 50 Prozent ihres Wertes verkäuflich wären. Da andererseits im Auslande Interessenten für Realitäten :in Polen vorhanden sind, so wird auch da ein Kommissionsgeschäft bei intensivstet Bearbeitung des in Betracht kommenden Käufermaterials: möglich sein. Von einem Ankauf für eigene Rechnung! wird aus den oben erwähnten Gründen , in jedem, auch! dem verlockendsten Falle abgesehen werden müssen. t Sobald die erforderlichen, organisatorischen, rechtjliehen und kapitalmässigeri Vörarbeiteir äbgescHlÖssen sind/ wird die Kolonisationsgesellschaft sich eine Finanzierungs'r abteilung anglied(?rn können, deren Leitung und Ver,־, mögensverwaltung von den übrigen Abteilungen der Ge- Seilschaft völlig unabhängig geführt werden müsste. Sie׳ wird in erster Linie zwei Aufgaben zu lösen haben: die Erleichterung des Bodenkaufs in Palästina für den Inter-i essenten durch Aufnahme von Hyp.othekarkrediten; ferner; die Sicherstellung von Betriebskrediten durch hypothekari,-; sehe Belastungen. Es' würde zu weit führen, Einzelheiten über diesen Zweig der gesellschaftlichen Tätigkeit anzu7 führen. Ich will nur kurz bemerken, dass die Erteilung! von Hypothekarkrediten und damit auch die Ausgabe! von Pfandbriefen dann möglich ist, wenn hinsichtlich der *,׳geschäftlichen Bonität der KolonisationsgeseJIschaft im. allgemeinen und der autonomen Finanzierungsabteilung׳ 1m besonderen kein Zweifel möglich ist. Denn gerade: dieser Zweig der finanziellen Tätigkeit wird nur in dem Masse zu offensichtlichen Erleichterungen der Kolonisationsarbeit führen können, in dem man im In- und! Auslande Vertrauen zur Kolonisationsgesellschaft und ihrer Leitung besitzt. Da in erster Linie Amerika für die Auf״ nähme der Hypofhekem-Pfandbriefe in Betracht kommt, wird es notwendig sein, dass ein bekannter amerikanischen Privatbankier mit massgebendstem Einflüsse an der Leitung; der ״Finanzierungsabteirung• Anteil nimmt. Eine weitere Gewähr für eine tadellose Geschäftsführung würde das grosse Publikum ferner darin erblicken, wenn eine intennationale Treuhandgesellschaft von Rang die Garantie für die Fälligkeiten übernehmen würde. AU dies ist nicht; ausserhalb der wirtschaftlichen Möglichkeiten, wenn man von seiten der Kolonisationsgesellschaft peinlich bemüht ist, auch nur den geringsten Einfluss politischer oder ph’ilanthropischer Erwägungen auf die rein geschäftliche Ge,י barung auszuschalten. Wenn das Vertrauen gegeben ist, wird man gegen 9 Prozent Zinsen Pfandbriefe leic-hü placieren können, da im allgemeinen, in Amerika und in England bei erster Bonität׳ lediglich 7 jb^s 8 Prozent erzielt werden. Wenn wir andererseits uns den Kapitalmangel Palästinas vor Augen halten, einem Lande, in dem selbst gegen höchste Zinsen Geld noch sehr schwer beschafft werden kann, so ist es klar ‘gegeben, dass gerade diesen Geschäftszweig sich für die Kolonisationsgesellschaft äusserst erfolgreich gestalten muss, wenn sie abgesehen von' den hierzu notwendigen Kapitalen an Geld auch über einen vielfach gesicherten Kredit verfügt. .Dann wird sie allerdings nach Massgabe der vor־{ handenen Mittel auch Kredite zur Bodenamelioration, für! Häuser- und, Strassenbauten auf Grund hypothekarische^• und dinglicher Sicherstellungen abgeben können und auch! die Beteiligung an aufstrebenden Unternehmungen wird eleichtert sein. ' * Eins ist aber allen diesen Finanzierungsoperationen! gemeinsam: Alle Kredite werden ausschliesslich nur bei solidarischer Haftungserklärung der örtlichen Kredit׳־ genossenschaft erteilt. Niemals ist das einzelne Untei/- nehmen der eigentliche Kreditempfänger, sondern die! ׳•KreditgenöB^e׳ns6fi'ä‘ft;׳‘ä?fen'^itgIie(ä׳/cieir Kreditwerber ist,! empfängt den Darlehensbetrag zur Weitergabe an dasi Mitglied. Da alle Kreditgenossenschaften des Landes bereits!’ heute in einem Verband organisiert sind, dessen Gruppen! untereinander für alle Verbindlichkeiten der einzelnem Kreditgenossenschaften solidarisch haften, so ist auch für die Kolonisationsgesellschaft eine relativ sichere finanzielle! Rückendeckung gegeben. Ich gestatte mir noch den Hinweis, dass dieses Ringsystem, der Kreditgenossenschaften in allen europäischen Staaten seit Jahrzehnten mit den besten Erfolgen sich eingeführt hat; die mächtige OrganK sation der deutschen Raiffeisenkassen, die uns in viel(- facher Hinsicht vorbildlich sein kann, ist auf diesen Primi zipien aufgebaut. Schliesslich noch einige Worte über die Konstim־! Organisierung. Alle Bemühungen seitens der Agudas Jisroel, sowie!, seitens anderer Organisationen, möglichst viele gesetzes.1 treue Juden nach Erez Jisroel zu bringen und ihnen 21111 Begründung einer wirtschaftlich einwandfreien Existenz zui , verhelfen, können nur dann Erfolg haben, wenn der Ab.- satz der landwirtschaftlichen und industriellen Produkt tion dieser .gesetzestreuen Juden gesichert ist. « Nun steht ein gross angelegtes, gesetzestreues Kol׳־ ,Ionisationswerk vor einer besonders günstigen Situation* da bereits mit der Konsumkraft von ungefähr 2000 ortho* doxen Familien (10.000 bis 12.000 Seelen) unter gewissen׳ Voraussetzungen gerechnet Werden kann. Die Konsum׳- kraft des alten Jischuw wird bei richtiger wirtschaftliche^ Erfassung eine/׳'relativ sichere Basis.* für ein grösseres gbsetzestreue Siedlungswerk abgeben. Das Einkommen des alten Jischuw fliesst — soweit von den einzelnen Familien an den Ankauf von Lebensj-j mittein und sonstigen Bedarfsgegenständen geschritten! wird — beim Grossisten, meistens (besonders bei Ge׳־ müse, Milch und Geflügel) schon bei Detaillisten aus dem jüdischen Wirtschaftskreise.׳ Daher hat vom wirtschafte liehen Standpunkt aus gesehen der kulturpolitisch soi wichtige alte Jischuw noch überaus geringe Bedeutung* was nach den heutigen Verhältnissen auch seine politischem Konsequenzen mit sich bringt. ־ , Zur wirtschaftlichen Erfassung der Konsumkraft des!!evor Sie ©ine Perücke kaufen, versäumen @$ nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für a PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN des SCHIFF, WIEN, I., KKRNTNERRING Nr. 6?־cectÄÄ """ .aiifzusuchen! Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialistin Brautscheiteln. 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